Bis das Blut gefriert

Hier finden die grandiosen Anfänge sowie alle prägenden Filme des Genres ihren Platz

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Bis das Blut gefriert

Beitragvon horror1966 » 1. Nov 2013 13:34

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Bis das Blut gefriert
(The Haunting)
mit Julie Harris, Claire Bloom, Richard Johnson, Russ Tamblyn, Fay Compton, Rosalie Crutchley, Lois Maxwell, Valentine Dyall, Diane Clare, Ronald Adam, Pamela Buckley, Amy Dalby
Regie: Robert Wise
Drehbuch: Nelson Gidding / Shirley Jackson
Kamera: Davis Boulton
Musik: Humphrey Searle
FSK 16
Großbritannien / 1963

In der alten Villa "Hill House" soll es nicht mit rechten Dingen zugehen: Das Haus sei verflucht und durch und durch böse, heißt es. Nachdem es zu mysteriösen Todesfällen gekommen ist, wollen vier Menschen, darunter ein Professor, die übernatürlichen Phänomene des Spukschlosses untersuchen. Niemand wohnt dort angeblich...


Es gibt unzählige Filme die sich mit der Spukhaus-Thematik beschäftigen und "Bis das Blut gefriert" dürfte wohl ganz eindeutig zu den absoluten Klassikern dieser Rubrik zählen. Gleichzeitig handelt es sich aber auch um einen der besten Gruselfilme überhaupt, in dem Regisseur Robert Wise zur damaligen Zeit mit den einfachsten Mitteln die maximale Wirkung erzielte. So wird die Geschichte von Beginn an von ihrer einzigartigen Atmosphäre getragen, die von der s/w Optik noch zusätzlich unterstützt wird. Dabei stellt sich beim Zuschauer sofort die nötige Gruselstimmung ein um diesen grandiosen Klassiker auch wirklich genießen zu können und auch die kurze Vorgeschichte zu "Hill House" trägt dazu bei, sich vom ersten Moment an mit dem Geschehen auseinander zu setzen. Allein der Anblick des alten Gemäuers sorgt für eine angenehme Gänsehaut, wie eine bedrohliche Trutzburg ragt das Gebäude vor einem auf und man möchte für kein Geld der Welt auch nur einen Fuß in die finstere Villa setzen. Streckenweise vermag man sogar das Böse regelrecht zu spüren, das sich ganz offensichtlich innerhalb der Mauern befindet und nur darauf wartet aktiv zu werden.

Im Mittelpunkt des Ganzen steht die junge Eleanor (Julie Harris), die zu einer kleinen Gruppe von Personen zählt, die den übernatürlichen Vorkommnissen in "Hill House" auf den Grund gehen wollen. Ranken sich doch die unglaublichsten Geschichten um das alte Herrenhaus, für die es aber letztendlich keinerlei Beweise gibt. Von der ersten Minute an entwickelt sich dabei eine ganz eigenwillige Beziehung zwischen der jungen Frau und dem Gebäude, das auch schon kurz darauf ein extrem gespenstisches Eigenleben entwickelt. Ist zu Beginn noch nicht so recht klar worauf das Ganze im Endeffekt hinausläuft, so kristallisiert sich immer mehr heraus, das die sensible Julie Dreh-und Angelpunkt der übernatürlichen Ereignisse ist, die sich innerhalb des weitläufigen Gemäuers abspielen. An dieser Stelle sollte man ganz besonders das herausragende Schauspiel von Julie Harris erwähnen, die in der Rolle der Julie eine unglaublich intensive und spielfreudige Performance an den Tag legt, die den Film fast schon im Alleingang trägt. Zwar agieren auch die restlichen Akteure sehr gekonnt, verblassen jedoch ein wenig in der Omnipräsenz der brillanten Hauptdarstellerin, die den Betrachter durch ihre Leistung förmlich in ihren Bann zieht.

Manch einer mag dieses Werk aus heutiger Sicht höchstwahrscheinlich als etwas altbacken und angestaubt ansehen, zudem gab es zur damaligen Zeit ja auch noch nicht die mittlerweile üblichen Effekt-Gewitter, die man beispielsweise auch im 1999 erschienenen Remake "Das Geisterschloss" begutachten konnte, das dennoch nicht einmal annähernd an die Klasse des vorliegenden Originals herankommt. Hier bekommt man lediglich eine perfekte Geräuschkulisse und einige Effekte zu sehen die einen aus der heutigen Zeit sicherlich nicht vom Hocker hauen, aber für die steigende Intensität der Geschehnisse nahezu perfekt sind. So ergibt sich dann auch ein wirklich in allen Belangen stimmiges Gesamtpaket, an dem insbesondere die Liebhaber des klassischen Gruselfilms ihre helle Freude haben dürften. Mit einem nahezu minimalistischen Aufwand hat Robert Wise die maximale Wirkung erzielt und mit "The Haunting" einen absolut zeitlosen Klassiker geschaffen, den man sich auch nach nunmehr einem halben Jahrhundert immer wieder gern ansieht, um die grandiose Grundstimmung in sich aufzusaugen die hier von den Ereignissen ausgeht.

Für mich persönlich ist "Bis das Blut gefriert" ein absoluter Meilenstein im Bereich des Haunted House Horrors und gleichzeitig auch der beste Beitrag zu dieser Thematik. Eine sehr gute Geschichte wird hier in einer eher ruhig-bedächtigen Erzählweise präsentiert, wodurch das unsichtbare Böse sich absolut perfekt manifestieren kann. Die Dramaturgie der Geschehnisse sorgt dafür, das bis zur letzten Minute ein äußerst konstanter Spannungsbogen beinhaltet ist, der zu keiner Zeit auch nur den kleinsten Einbruch erkennen lässt.Dieser Film ist ganz einfach das absolute Paradebeispiel dafür, das man nicht immer grandiose Effekte braucht, um einem Gruselfilm die nötige Intensität zu verleihen, denn in den meisten Fällen reichen die normalsten Zutaten vollkommen aus, um den Zuschauer in die richtige Stimmung zu versetzen. Das ist hier ganz eindeutig der Fall und man kann sich eigentlich vor diesem Meisterwerk nur ehrfurchtsvoll verneigen, das einem bei jeder neuerlichen Sichtung mit einer wohligen Gänsehaut überzieht.


Fazit:


Sicherlich mag nicht jeder meine Meinung teilen, doch "Bis das Blut gefriert" ist für mich das ultimative Film-Erlebnis, wenn es um den Bereich der Spukhäuser geht. Von einer absolut einzigartigen Atmosphäre getragen und mit einer überragenden Julie Harris in der Hauptrolle bekommt man eine Story offeriert, die einen jedes Mal wieder in ihren Bann zieht und im Laufe der Jahrzehnte rein gar nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.


10/10
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon trebanator » 1. Nov 2013 13:54

... fürwahr ein,wenn nicht DER Meilenstein des "haunted house films" An einer 10/10 braucht man nicht zu rütteln ! Dennoch brauchen sich auch die neueren Vertreter des Genres nicht zu verstecken. Die sind nämlich unter Berücksichtigung des Zeitgeistes auch absolut in Ordnung !
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon Blacky von Adder » 1. Nov 2013 13:57

Vorzeige Gruseler mit starker Atmo.
Hier erwacht der Schrecken alleine durch beunruhigende S/W Bilder und durch die Geräuschkulisse.

Während der gesamten Filmdauer entsteht eine intensive Spannung, die mir immer wieder eine Gänsehaut bereitet.
Anstatt sich hauptsächlich, wie bei heutigen Filmen, auf Schockwirkung wie Gore und eklatante CGI-Effekte zu verlassen, ist der Spuk hier subtil, psychologisch, und verstörend auf vielen Ebenen.

Julie Harris ist grandios und Anne Bancroft zeigt einen Charakter, der sowohl sympathisch und erschreckend zugleich ist.

Der Verzicht auf Spezialeffekte lässt den Zuschauer ahnen, was auf der anderen Seite der Tür ist...
... Niemand kommt zum Hill House nach Einbruch der Dunkelheit. Niemand wird dich schreien hören. Alleine. In der Dunkelheit ....
10/10
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon DriesVanHegen » 1. Nov 2013 17:36

Kenne nur das Remake, aber das fand ich als Bub ganz nett...
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon horror1966 » 1. Nov 2013 18:13

DriesVanHegen hat geschrieben:Kenne nur das Remake, aber das fand ich als Bub ganz nett...



Solltest dir unbedingt das Original anschauen, dagegen kackt die Neuauflage total ab.
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon Jenny » 4. Nov 2013 19:02

Grandioser Film, überaus unheimlich ! Die ganze Atmosphäre in diesem Haus, der subtile Horror, es hat mich total gegruselt! Für das Jahr 1963 eine beachtliche Leistung dieser Film! Die Einblicke in das Seelenleben von Eleanore sind auch sehr interessant! Eine Stimme im Off verrät des öfteren ihre Gedanken und die haben es in sich ! Vieles wird nur angedeutet, man sieht es nicht. Und gerade das finde ich so unheimlich! Ein großes Meisterwerk in meinen Augen! Unbedingt ansehen, wer auf alte Filme steht und sich richtig gruseln möchte!

10 von 10 Punkten
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon Blaylock » 16. Dez 2018 13:43

Der beste Spukhausfilm aller Zeiten - vermutlich auf ewig, denn toppen lässt sich diese grandiose Atmosphäre kaum noch. Das beweist das Remake, das vergleichsweise dünn ist und nicht im entferntesten an das Vorbild heranreicht.

Ich vergebe selten die Höchstwertung, doch hier ist sie absolut berechtigt:
10/10
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon horror1966 » 16. Dez 2018 21:45

Sehe ich ebenso, in dem Bereich gibt es definitiv keinen besseren Beitrag.
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon Jenny » 17. Dez 2018 15:31

Den könnte ich mal wieder schauen :D
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Re: Bis das Blut gefriert

Beitragvon dr. freudstein » 17. Dez 2018 22:16

den muß ich mir unbedingt noch zulegen, danke für die Erinnerung :D
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