horror's Reise durch die Welt der Filme

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 29. Aug 2017 10:56

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Tonight She Comes
(Tonight She Comes)
mit Larissa White, Jenna McDonald, Dal Nicole, Frankie Ray, Cameisha Cotton, Nathan Eswine, Adam Hartley, Brock Russell
Regie: Matt Stuertz
Drehbuch: Matt Stuertz
Kamera: Chris Benson
Musik: Wojciech Golczewski
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Die Suche nach der jüngst verschwundenen Kristy führt zwei ihrer besten Freundinnen zu einer verschlossenen Hütte in die Tiefen eines verlassenen Waldes. Dort landet zufällig auch der lokale Hipster-Postbote James nebst sexbesessenem Freund Pete. Bier, Lagerfeuer, leichtbekleidete Teens und ein See vor der Tür versprechen, trotz der immer noch nicht aufgetauchten Kristy, eine prickelnde Nacht. Doch etwas ist ihnen bereits auf der Fährte und kommt schließlich blutüberströmt und geradewegs auf sie zu. Von Panik ergriffen, suchen sie Zuflucht in der Hütte. Nach dem gewaltsamen Eindringen müssen sie jedoch feststellen, dass dort eine Hinterwäldler-Familie haust und bereits eine Dämonenaustreibung plant. Nur gemeinsam können sie die draußen wütende, direkt aus der Hölle stammende Dämonin besiegen und die Nacht überleben.


It Follows trifft auf Cabin Fever


Diese Behauptung auf dem deutschen Blu-ray Cover hört sich wirklich ziemlich interessant an und könnte die Erwartungshaltung diverser Genre-Fans durchaus in die Höhe schnellen lassen. Hat man dann jedoch diesen im Vorfeld auf mehreren Festivals abgefeierten Beitrag erst einmal gesehen stellt sich eine starke Ernüchterung ein, denn "Tonight She Comes" kann die in ihn gesetzten Hoffnungen keinesfalls erfüllen. Sicher, die vorliegende Geschichte möchte sich schon ein wenig an den oben genannten Titeln orientieren, aber die Umsetzung des Ganzen gestaltet sich doch hauptsächlich eher mau und bietet zudem auch nicht gerade viele Schauwerte. Letzteres ist selbstverständlich in der Tatsache begründet, das die deutsche Version einmal mehr der Schere zum Opfer gefallen ist, denn schließlich musste man gut drei Minuten an blutigem Material entfernen um bei der FSK durch gewunken zu werden. Eine später eventuell folgende ungeschnittene Veröffentlichung dürfte somit weitaus härter ausfallen, ob der Film an sich dadurch allerdings qualitativ aufgewertet wird wage ich zu bezweifeln.

Dafür hat Matt Stuertz seinem Regiedebüt nämlich zu viele Mankos einverleibt, wobei an erster Stelle sicherlich das nicht gerade gute Drehbuch zu nennen ist. Das macht sich insbesondere in den ersten gut 30 Minuten stark bemerkbar, denn in dieser Zeitspanne wird der Zuschauer in der Hauptsache mit wirr anmutenden Abläufen konfrontiert, die wie eine lose Aneinanderreihung sinnloser Fragmente anmutet. Eine echte Struktur ist an dieser Stelle nicht wirklich zu erkennen, wobei sich dieser Umstand auch danach eher geringfügig verbessern soll. Und so wird man dann im ersten Drittel der Erzählung auch mit allerlei Schwachsinn konfrontiert, wobei sich in erster Linie die Darsteller mit ihrem stark limitierten Schauspiel ganz besonders hervor tun. Die Reaktionen und Verhaltensweisen der Akteure als dümmlich zu bezeichnen wäre noch geprahlt, denn was einem hier phasenweise angeboten wird geht wirklich auf keine Kuhhaut. Zu allem Überfluss gestalten sich auch die Dialoge relativ hanebüchen, so das dem Szenario streckenweise fast schon ein trashiger Anstrich beiwohnt.

Auf der Suche nach Spannung und Atmosphäre wird man in dieser Produktion eher nicht fündig, wobei sich zumindest die vorherrschende Grundstimmung in einigen Phasen als ganz nett bezeichnen lässt. Bedrohliche Züge hingegen sind so gut wie gar nicht vorhanden, was bei einem Film dieser Art einen regelrechten Todesstoß darstellt. Manch einer mag das bestimmt anders empfinden, aber "Tonight She Comes" ist für mich persönlich bisher eine der größten Enttäuschungen des Jahres und bietet keinesfalls das, was man sich aufgrund diverser Vorschusslorbeeren erhofft hat. Daran ändert auch der recht gute Soundtrack nichts, denn eine passende musikalische Untermalung reicht längst noch nicht aus, um einen guten Gesamteindruck entstehen zu lassen. Zu viele Defizite und unfreiwillige Komik sind in Verbindung mit den untalentierten Darstellern sind die Hauptgründe dafür, das dem geneigten Genre-Liebhaber die Petersilie verhagelt wird und sich das Sehvergnügen in überschaubaren Grenzen bewegt.

Insgesamt gesehen hinterlässt "Tonight She Comes" einen vollkommen unausgegorenen Eindruck und dafür sind ganz sicher nicht die fehlenden drei Minuten verantwortlich. Es ist vielmehr der in sich nicht unbedingt stimmige Film an sich, der einem an dieser Stelle sauer aufstößt. Diverse Auszeichnungen sind also nicht zwangsläufig mit einem guten Film verbunden, denn dafür stellt die vorliegende Produktion nahezu ein absolutes Paradebeispiel dar. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden und so wird auch dieses Werk seine Fangemeinde finden, aber bei mir wollte zu keiner Zeit der Funke überspringen.


Fazit:


Man sollte sich vor allem nicht vom Vergleich mit "It Follows" irritieren lassen, denn an die Klasse dieses Filmes kann "Tonight She Comes" noch nicht einmal ansatzweise heran reichen. Die in weiten Phasen sinnlose Geschichte kann nicht wirklich begeistern, womit sich der Film insgesamt gesehen unterhalb des normalen Durchschnittsbereichs ansiedelt.


3/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 1. Sep 2017 11:50

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The Bride
(Nevesta)
mit Victoria Agalakova, Vyacheslav Chepurchenko, Aleksandra Rebenok, Igor Khripunov, Natalia Grinshpun, Victor Solovyev, Marina Alhamdan, Miroslava Karpovich, Yevgeny Koryakovsky
Regie: Svyatoslav Podgayevskiy
Drehbuch: Svyatoslav Podgayevskiy
Kamera: Ivan Burlakov
Musik: Jesper Hansen
FSK 16
Russland / 2017

Nastya und ihr Verlobter Ivan sind glücklich verliebt und stehen kurz vor ihrer Hochzeit. Die Zeremonie wollen sie auf dem abgelegenen Grundstück von Ivans Familie feiern. Nastya wird zunächst sehr freundlich bei ihrer neuen Familie empfangen. Doch schnell merkt sie, dass Ivans Verwandte ihr nicht die ganze Wahrheit über die geplante Feier erzählen. Auf einmal verschwindet Ivan spurlos, und die Familienmitglieder beginnen sich äußerst merkwürdig zu verhalten. Als Nastya ihren Verlobten angekettet in einer Hütte nebenan entdeckt, wird sie plötzlich von einem unbekannten Wesen verfolgt. Ihr wird klar, dass die Familie einen ganz eigenen Plan mit ihr zu haben scheint...


Mit "Der Fluch der Hexe - Queen of Spades" lieferte der russische Regisseur Svyatoslav Podgayevskiy einen wirklich beachtlichen Regieerstling ab und bescherte dem Zuschauer auch gleichzeitig ein ordentliches Horror Feeling. Mit seinem zweiten Streich "The Bride" stößt der gute Mann nun in ein ähnliches Horn und präsentiert einen Gruselfilm, der allerdings nicht an die Qualität seines ersten Werkes heran reichen kann. Im Mittelpunkt steht dabei ein Ritual mit dem man angeblich die Seelen der Verstorbenen einfangen kann, was an sich eine durchaus interessante und reizvolle Ausgangssituation vorgibt. So beginnt die Geschichte dann auch mit einem Rückblick in das 19. Jahrhundert und konfrontiert einen mit der Ausgangsthematik, bevor das Geschehen danach in die Gegenwart überspringt.

Der gelungene Beginn weckt Hoffnungen auf ein spannendes Szenario, jedoch verflacht das Ganze zunächst einmal zusehends und bietet zudem auch kaum sehenswerte Momente. Erst nach gut 50 Minuten nimmt der Film ein wenig an Fahrt auf und es entfaltet sich endlich die nötige Grundstimmung, die man sich schon weitaus früher gewünscht hätte. Zwar verfügt "The Bride" durchaus über eine fast durchgehend geheimnisumwitterte Note, jedoch ist es Podgayevskiy nicht gänzlich gelungen, diese auch ganzzeitig im Vordergrund zu halten. Ein konstanter Spannungsbogen kann sich so nur schwerlich aufbauen und so muss man immer wieder diverse Einbrüche in Kauf nehmen, die das Filmvergnügen doch sichtlich beeinträchtigen.

Das ominöse Familiengeheimnis wird zunächst im Hintergrund gelassen, allerdings merkt man ziemlich schnell worauf die Chose letztendlich hinaus läuft. Diese Vorhersehbarkeit ist dann auch wahres Gift für die Erzählung und die etlichen Logiklöcher tun ihr Übriges, damit sich am Ende kein wirklich überzeugendes Gesamtbild ergeben kann. Im Grunde genommen ist es Hauptdarstellerin Victoria Agalakova zu verdanken das man bis zum Ende bei der Sache bleibt, denn die gute Frau stellt nicht nur einen optisch hübschen Leckerbissen dar, sie wartet zudem auch noch mit einer guten schauspielerischen Leistung auf. Insgesamt gesehen kann dieser Umstand den Film aber nur unwesentlich aufwerten, denn die gesamte Geschichte hinterlässt doch einen etwas unausgegorenen Gesamteindruck.

Letztendlich ist "The Bride" sicherlich kein totaler Flop, aber durch viele vermeidbare Mankos hat man hier eine Menge an Potential verschenkt, das durch die interessante Grundkonstellation auf jeden Fall vorhanden war. Leider ist Podgayevskiy im vorliegenden Fall keine in sich stimmige Umsetzung gelungen, so das man sich am Ende mit einem eher durchschnittlichen Beitrag zufrieden geben muss. Schade eigentlich, denn aus dieser Erzählung hätte man viel mehr machen können, aber etliche Unzulänglichkeiten und teils mangelnde Logik verhindern ein durchgängig gutes Gesamtbild.


Fazit:


"The Bride" ist sicherlich kein schlechter Film, aber im Gegensatz zu seinem Erstling hat der Regisseur dieses Mal sein Gespür für einen gelungenen Horrorfilm ein wenig vermissen lassen. So bleibt am Ende ein eher zwiespältiger Eindruck und es reicht lediglich für den breiten Durchschnittsbereich.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 5. Sep 2017 13:54

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Shin Godzilla
(Shin Gojira)
mit Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara, Ren Ôsugi, Akira Emoto, Kengo Kôra, Mikako Ichikawa, Jun Kunimura, Pierre Taki, Kyûsaku Shimada, Ken Mitsuishi
Regie: Hideaki Anno / Shinji Higuchi
Drehbuch: Hideaki Anno / Sean Whitley
Kamera: Kosuke Yamada
Musik: Shiro Sagisu
FSK 12
Japan / 2016

In der Bucht von Tokio kommt es zu einem unerklärlich Ereignis: Eine Yacht scheint wie aus dem Nichts zu explodieren. Schnell wird klar, dass das Unglück von einem lebenden Organismus ausgegangen sein muss. Erste Videos der unbekannten Kreatur tauchen auf: Es ist riesig und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Stadt zu. Die Behörden müssen schnell handeln, um die Bevölkerung vor einer Katastrophe zu schützen. Doch in keinem Notfall-Plan der Welt ist geregelt, wie man mit einem unbekannten, gigantischen Monster umgeht. Einem Mitglied der Regierung werden bislang unveröffentlichte Aufsätze eines Forschers zugespielt, die das Geschöpf zu erklären versuchen – und ihm einen Namen geben: Godzilla! Mit Hilfe der Experten setzt die Regierung alles daran, es zu besiegen, doch der Zerstörungswahn von Godzilla wird immer größer.


Nach dem 2014 erschienenen und eher durchwachsenen US-Reboot von Godzilla konnte man als Fan nun sehr gespannt sein auf die neueste japanische Variante. Denn auch in der Heimat des atomaren Giganten ist man auf die Idee gekommen, die alte Geschichte zeitgemäß und neu zu verfilmen. Dabei sei aber auch gleich erwähnt, das "Shin Godzilla" sicher nicht nur auf Begeisterung innerhalb der Fangemeinde stoßen wird, denn gerade zu Beginn entpuppt sich der Film doch als etwas gewöhnungsbedürftig. Das ist in erster Linie der ersten Darstellung des Giganten zu verdanken, denn was sich da schon nach relativ kurzer Zeit dem Zuschauer offenbart ist in optischer Hinsicht nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Vor allem der Kopf der Riesenechse stellt ein Manko dar, denn die überdimensional großen Glubschaugen des Monsters hinterlassen einen eher albernen und künstlichen Eindruck. Das sorgt zunächst einmal für ein wenig Verärgerung und Enttäuschung, allerdings steht man an dieser Stelle nur am Beginn einer doch ganz netten Idee, die sich die Macher des Filmes ausgedacht haben.

Der "Star" der Geschichte erlebt dieses Mal nämlich mehrere Metamorphosen, bis er dann letztendlich doch ein gelungenes Aussehen annimmt und dabei sogar dem Original ziemlich nahe kommt. Trotz des recht frühen Auftretens des Urgiganten zieht sich die erste Stunde der Erzählung ein bisschen in die Länge, denn bis auf eine größere Action-Passage kocht man noch etwas auf Sparflamme. Stattdessen wird man mit etlichen politischen Geplänkeln konfrontiert und wundert sich dabei ehrlich gesagt wie lange es dauert, bis mehrere unfähige Politiker den wirklichen Ernst der Lage erkennen. Gewisse Abläufe und Verhaltensweisen der Verantwortlichen wirken dabei nicht immer nachvollziehbar und insbesondere die zögerliche Anfangshaltung des japanischen Premiers erscheint ein wenig befremdlich. Andererseits kann man diesen Aspekt aber durchaus auch als gewollten Seitenhieb gegen Politik im Allgemeinen ansehen, denn nur allzu oft bekommt man in der Realität immer wieder Ähnliches präsentiert, was man kaum nachvollziehen kann.

Leider hat man sich aber insgesamt gesehen etwas zu sehr am US-Reboot orientiert, denn auch die japanische Variante lässt die Action an vielen Stellen zu sehr vermissen. Die vorhandenen Sequenzen wissen zwar zu gefallen, aber gerade wenn man das neue Werk mit etlichen der älteren Godzilla Filmen vergleicht, verspürt man doch teils große Unterschiede. Auch "Shin Godzilla" ist streckenweise zu dialoglastig, zwar bekommt man eine Hülle an Informationen geliefert, aber insgesamt gesehen verbringt man doch zu viel Zeit in diversen Groraumbüros, in denen die jeweiligen Strategen die nächsten Schritte gegen den Giganten planen. Auf Dauer ist das etwas ermüdend und man hätte sich für zwischendurch gern ein paar mehr Action-Einstellungen erhofft, die allerdings relativ spärlich gesät sind.

Dennoch hat mir die japanische Variante immer noch besser gefallen als der Film von Gareth Edwards aus dem Jahr 2014, denn obwohl auch in vorliegendem Fall einige defizite unübersehbar sind, orientiert man sich in der Summe mehr am Origianl-Godzilla. Das ist natürlich wie immer reine Geschmackssache und jeder sollte sich selbst ein Bild von dem Ganzen machen. In der Summe ist "Shin Godzilla" trotz der angesprochenen Mankos ein gelungener Beitrag, kommt aber keinesfalls an den Charme der alten Filme heran. Trotzdem ist dieser Beitrag für echte Fans absolute Pflicht und sollte auch in jeder Sammlung stehen, denn auch wenn die neue Machart nicht jedem zusagen wird handelt es sich immer noch um einen sehenswerten Beitrag.


Fazit:


Etwas mehr Action hätte der Geschichte ganz sicher nicht geschadet, denn zu viele dialoglastige Passagen lassen doch diverse kleine Längen aufkommen. Dennoch ergibt sich am Ende ein über dem Durchschnitt angesiedelter Gesamteindruck, auch wenn "Shin Godzilla" letztendlich nicht zu den allerbesten Filmen der Godzilla-Reihe zu zählen ist.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 11. Sep 2017 12:24

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Die Hölle - Inferno
(Die Hölle - Inferno)
mit Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Robert Palfrader, Sammy Sheik, Friedrich von Thun, Murathan Muslu, Verena Altenberger, Stephani Burkhard, Hans-Maria Darnov
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Martin Ambrosch
Kamera: Benedict Neuenfels
Musik: Marius Ruhland
FSK 16
Deutschland / Österreich / 2017

Taxifahrerin Özge (Violetta Schurawlow) lebt in Wien, besucht die Abendschule, redet wenig und trainiert hart. Sie ist eine leidenschaftliche Thaiboxerin. Eines Tages beobachtet Özge einen Mord im Nachbarhaus. Fortan macht der Serienkiller Jagd auf die Augenzeugin. Er lauert Özge in ihrer Wohnung auf, doch er tötet die Falsche: Ranya, Özges Cousine und beste Freundin, bezahlt die Verwechslung mit ihrem Leben. Nun muss Özge sich auch noch um Ada kümmern, der kleinen Tochter von Ranya. Hilfe bekommt die Gejagte von dem knurrigen Wiener Kommissar Christian Steiner (Tobias Moretti), der eigentlich schon genug damit zu tun hat, seinen demenzkranken Vater (Friedrich von Thun) zu versorgen. Auch Steiner kann nicht verhindern, dass der Serienkiller (Sammy Sheik) Özge immer wieder gefährlich nahe kommt.


Gerade im Bezug auf gut gelungene Thrillerkost lässt der deutschsprachige Film in den letzten Jahren einige Wünsche offen und eher selten offenbart sich eine Geschichte die auch wirklich sehenswert erscheint. Mit "Inferno - Die Hölle" bekommt es der Zuschauer nun mit einer dieser wohlwollenden Ausnahmen zu tun, denn die deutsch - österreichische Produktion versteht es gekonnt, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zu ziehen. Dabei setzt Regisseur Stefan Ruzowitzky auf eine streckenweise eher ruhige Erzählweise und widmet seinen beiden Hauptdarstellern Violetta Schurawlow und Tobias Moretti sehr viel Aufmerksamkeit, indem er einem die beiden Charaktere ausführlich näher bringt. Von Beginn an entfaltet die Geschichte eine herrlich düstere Grundstimmung, die sich auch wie ein roter Faden durch die gesamte Erzählung zieht. Zudem wird recht gekonnt ein konstanter Spannungsbogen aufgebaut, so das man durchgehend mit richtig guter und interessanter Filmkost verwöhnt wird. Die Figur von Özge wird gleich zu Beginn ziemlich imposant eingeführt und ganz generell liefert Schurawlow eine glänzende Performance der wortkargen Einzelgängerin ab. Die scheinbar in sich gekehrte junge Frau scheint im Umgang mit anderen Menschen eher scheu zu sein und die Gründe dafür erschließen sich einem mit zunehmender Laufzeit immer mehr.

Mit Tobias Moretti in der Rolle von Kommissar Steiner erscheint eine weitere von Problemen gezeichnete Figur auf der Bildfläche und das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren funktioniert absolut großartig. Davon wird der Film dann auch in erster Linie geprägt, wodurch die Thematik des Serienmörders an einigen Stellen ein wenig in den Hintergrund gerät. Jedoch wird diese zu keiner Zeit aus den Augen gelassen, nur nimmt die Suche nach dem Killer und dessen Beweggründen nicht ganz den Stellenwert ein, den sich manch einer eventuell erhofft hat. Dieser Aspekt sollte aber keinesfalls negativ betrachtet werden, denn "Die Hölle - Inferno" überzeugt durch ein richtig gelungenes Gesamtbild, in dem die Anteile aus Thriller, Action und ausführlichen Figurenzeichnungen sich absolut die Waage halten. Trotz oder gerade wegen seiner teilweise eher ruhigen Erzählweise entfaltet der Film ein Höchstmaß an Intensität, die durch die immer wieder eingestreuten Actioneinlagen noch zusätzlich verstärkt wird. In diesen Passagen kann Frau Schurawlow dann nicht nur in schauspielerischer, sondern auch in kämpferischer Hinsicht absolut überzeugen. Als Thai-Boxerin zeigt sie nämlich eine enorme Stärke und weiß sich durch zu setzen, was mancher Mann schmerzlich erfahren muss.

In diesem Punkt liegt aber auch gleichzeitig die vielleicht einzige kleine Schwäche des Films, denn an manchen Stellen erscheint die Einzelgänger-Mentalität der jungen Frau ein bisschen zu stark ausgeprägt. Durch diverse Alleingänge wirken manche Abläufe nicht gänzlich nachvollziehbar, denn mehr als nur einmal begibt sich Özge durch ihr Verhalten in akute Lebensgefahr. Andererseits sorgt dieser Aspekt selbstverständlich für zusätzliche Spannung, die insbesondere im letzten Drittel des Filmes in den absoluten Nervenkitzel mündet. Ruzowitzky hat hier wirklich gute Arbeit abgeliefert und sein Werk mit zwei stark aufspielenden Hauptfiguren besetzt. Dafür schwächelt man ein wenig in einigen Nebenrollen, da diese nicht immer gänzlich überzeugend dargestellt werden. In der Summe fällt dies allerdings nicht sonderlich schwer ins Gewicht, da dieses kleine Manko an anderen Stellen mehr als ausgeglichen wird.

Vor allem zum Ende hin nimmt "Die Hölle - Inferno" noch einmal ordentlich an Fahrt auf und wartet auch mit einem gelungenen Showdown auf. In den letzten gut 30 Minuten kommt man dem Serienmörder auf die Spur und man erhält auch einige Informationen über dessen Beweggründe. Manch einem mag es eventuell nicht gefallen das diese Dinge etwas zu schnell abgehandelt werden, aber insgesamt gesehen ergibt sich ein doch äußerst stimmiges und rundes Gesamtbild, so das sich das Werk oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedeln kann.


Fazit:


"Inferno - Die Hölle" ist endlich mal wieder ein sehenswerter Beitrag aus dem deutschsprachigen Raum, in dem man sehr gut die Elemente des Thrillers mit diversen Actioneinlagen und ausführlichen Figurenzeichnungen kombiniert hat. Sicherlich beinhaltet die Geschichte auch kleinere Schwächen, hinterlässt in der Summe jedoch einen richtig guten Eindruck.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Sep 2017 13:26

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Let Her Out
(Let Her Out)
mit Alanna LeVierge, Nina Kiri, Adam Christie, Kate Fenton, Michael Lipka, Brooke Henderson, Glen Reid, Deborah Jayne Reilly Smith, Kyle Hytonen
Regie: Cody Calahan
Drehbuch: Cody Calahan / Adam Seybold
Kamera: Jeff Maher
Musik: Steph Copeland
FSK 16
Kanada / 2016

Nach einem schweren Unfall leidet Helen plötzlich an erschreckenden Halluzinationen. Ein MRT zeigt schließlich den Grund dafür: Noch im Mutterleib hat sie ihren Zwilling absorbiert, der durch den Unfall nun scheinbar zum Leben erwacht. Helen verwandelt sich in eine Art Monster, eine böse Version von sich selbst, beeinflusst von etwas, das in ihr lebt. Sie verliert die Kontrolle über sich und ihr Leben, bis sie eine tödliche Gefahr für sich selbst und alle in ihrem Umfeld darstellt...


Ganz offensichtlich scheint es kein Zufall zu sein, das es sich bei "Let Her Out" um eine kanadischen Produktion handelt. Regisseur Cody Calahan (Antisocial) orientiert sich nämlich augenscheinlich ziemlich stark an seinem berühmten Landsmann David Cronenberg und präsentiert dabei einen Horrorfilm, der äußerst stark vom berühmt-berüchtigten Bodyhorror geprägt ist. Gleichzeitig lässt die Erzählung aber auch Anleihen der Besessenheits-Thematik erkennen, so das sich in der Summe ein ziemlich kruder Genrebeitrag offenbart. Thematisch beschäftigt sich die Geschichte mit dem "Vanishing Twin" Thema und ganz unwillkürlich kommen dem Zuschauer dabei auch Erinnerungen an Stephen Kings "Stark" in den Sinn. Eine interessante und spannende Ausgangssituation ist also definitiv vorhanden und in größeren Teilen kann Calahan auch durchaus punkten, denn insbesondere in optischer Hinsicht weiß seine Low Budget Produktion sehr zu gefallen. Das Szenario wurde äußerst stylisch ins Bild gesetzt und lässt dabei durchgehend eine sehr triste Grundstimmung in den Vordergrund treten, die dem Film gut zu Gesicht steht.

Nachdem die ersten gut 30 Minuten der Einführung dienen in der nicht sonderlich viel passiert, wartet "Let Her Out" danach auch mit mehreren für eine 16er Freigabe recht harten Momenten auf. Außerdem lässt sich in einigen Momenten auch ein gewisser Ekelfaktor erkennen, wobei man automatisch wieder bei den Werken des guten David Cronenberg ankommt. So wird der vorliegende Beitrag dann auch ganz sicher die Meinungen spalten, denn wer nichts mit dem nicht bei jedem beliebten Bodyhorror anfangen kann, der wird an dieser Stelle weniger auf seine Kosten kommen. Hinzu kommt auch noch der Umstand, das die Geschichte an mehreren Stellen wirklich herrlich abgedreht daher kommt, so das teilweise ein surrealer Anstrich zu erkennen ist, der in der Summe allerdings ganz hervorragend in das gewonnene Gesamtbild hinein passt.

Die junge Hauptdarstellerin Alanna LeVierge liefert hier in ihrer ersten Rolle eine überraschend gute Darbietung ab, verkörpert sie doch die Figur von Helen mit sehr viel Inbrunst und Ausdruckskraft. Die Nebendarsteller bleiben hingegen eher blass und farblos, erfüllen jedoch durchaus ihren Zweck. Durch die Omnipräsenz der Hauptfigur ist dies allerdings auch nicht verwunderlich, denn schließlich ist die gesamte Erzählung völlig auf die junge Helen zugeschnitten. Insbesondere zum Ende hin nimmt "Let Her Out" dann noch einmal ordentlich an Fahrt auf und punktet mit mehreren härteren Einstellungen, so das man sich einmal mehr die berechtigte Frage stellt, nach welchen Kriterien die FSK eigentlich ihre Freigaben vergibt. In vorliegendem Fall hätte man nämlich ohne Weiteres das FSK 18 Siegel vergeben können, ohne das sich jemand beschwert hätte. Wie dem auch sei, in der Summe handelt es sich bei diesem Beitrag um einen größtenteils gelungenen Horrorfilm, der sich thematisch gesehen wohlwollend vom ansonsten üblichen Einheitsbrei abheben kann.

Dabei erfindet "Let Her Out" das Genre sicherlich nicht neu, aber der stylische und frische Anstrich der "Böser Zwilling - Thematik" versteht es gut zu unterhalten und serviert den Liebhabern des Bodyhorrors mehr als nur solide Filmkost. Meiner persönlichen Meinung nach kann man Calahan's Beitrag ohne Weiteres als Geheimtipp einstufen und diese kommen in der heutigen Zeit ja leider viel zu selten vor. Ich kann das Werk jedenfalls ohne Bedenken empfehlen, denn allein schon die Thematik der Erzählung sorgt für ein interessantes Filmerlebnis. Mit den vielen härteren und blutigen Einstellungen und einer Prise Ekelfaktor wurde die perfekte Würze beigemischt, so das Freunde des nicht alltäglichen Horrorfilms auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen sollten.


Fazit:


David Cronenberg galt hier offensichtlich als Vorbild und Cody Calahan hat sich gut an dessen Filmen orientiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und dürfte je nach dem persönlichen Geschmack des Betrachters auf rege Begeisterung stoßen. Ein wenig Abwechslung in der Horrorlandschaft kann nie schaden und in diesem Punkt ist man bei "Let Her Out" sicherlich an der richtigen Adresse.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 14. Sep 2017 15:22

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King Kong gegen Godzilla
(Gojira tai Mechagojira)
mit Masaaki Daimon, Kazuya Aoyama, Reiko Tajima, Akihiko Hirata, Hiromi Matsushita, Hiroshi Koizumi, Masao Imafuku, Bellbella Lin, Shin Kishida
Regie: Jun Fukuda
Drehbuch: Jun Fukuda / Masami Fukushima / Shin'ichi Sekizawa
Kamera: Yuzuru Aizawa
Musik: Masaru Satô
FSK 12
Japan / 1974

"Wenn ein schwarzer Berg am Himmel erscheint, wird ein Monster erscheinen, um die Welt zu vernichten. Doch wenn der rote Mond untergegangen ist und die Sonne im Osten aufgeht, werden noch zwei Monster erscheinen, um die Welt zu retten." So lautet eine uralte Weissagung in einem alten Tempel. Und als man den schwarzen Berg sichtet, taucht das Monster der Sage auf: Es ist Godzilla. Gnadenlos zerstört es alles, was ihm in den Weg kommt. Selbst Angilus hat keine Möglichkeit, ihn zu zerstören und muss sich schwer verletzt zurückziehen. Plötzlich bebt die Erde vor den Füßen des Monsters und heraus bricht Godzilla ...


Wohl jeder Fan der japanischen Riesenechse Godzilla hat seine ganz bestimmten Lieblinge unter den vielen Verfilmungen und der vorliegende Beitrag aus dem Jahr 1974 zählt zu meinen persönlichen Favoriten. Jun Fukuda hat mit seinem Werk nämlich einen extrem trashigen Vertreter der Filmreihe geschaffen, der zudem gut 80 Minuten erstklassige Unterhaltung anbietet. Wie bei allen anderen Vertretern auch ist die Geschichte an sich nicht sonderlich ergiebig und recht dünn gehalten, was dem hohen Unterhaltungswert allerdings keinerlei Abbruch tut. Dieses Mal muss sich Godzilla mit einem von Außerirdischen gebautem Stahl - King Kong auseinander setzen und bekommt dabei Unterstützung von einem Monstergott namens Cesar. Dieser allein ist schon die Sichtung des Filmes wert, kommt er doch wie ein drogensüchtiger und überdimensional großer Hund daher und fällt insbesondere durch seine übergroßen Schlappohren ins Auge. Man bekommt ordentlich gefilmte Kämpfe geliefert die stellenweise aber fast schon ein wenig unfreiwillig komisch wirken.

Gerade das macht aber den Reiz und ganz besonderen Charme dieser Geschichte aus, denn es ist wirklich absolut sehenswert Godzilla und Cesar bei ihren Bemühungen zu beobachten, den scheinbar unbesiegbaren Gegner zu Fall zu bringen. Das dies letztendlich gelingt ist dabei selbstverständlich, denn schließlich müssen ja die guten Monster die außerirdische Gefahr besiegen um die Menschen vor Schaden zu bewahren. Wie schon kurz angeschnitten beinhaltet die Erzählung nicht sonderlich viel Substanz und man bekommt beispielsweise überhaupt keine Informationen darüber, wieso und wie die Außerirdischen überhaupt auf die Erde gelangt sind. Für den hohen Unterhaltungswert ist das aber auch nicht zwingend notwendig, konzentriert man sich bei Filmen dieser Art doch vielmehr auf die enthaltene Action, die selbstredend häufig in den Vordergrund tritt.

Daneben enthält "King Kong gegen Godzilla" auch mehrere komische Passagen, wobei der enthaltene Humor meiner Meinung nach eher unfreiwillig in Erscheinung tritt. Hauptsächlich verantwortlich zeichnet dafür wie gesagt der gute Cesar und so kann man sich dann auch gar nicht satt sehen an dem zotteligen Monster. Bei seinen Kampfauftritten wirkt der knuffige Kerl völlig übermotiviert, wohingegen Partner Godzilla eher ruhig an die Sache heran geht. Gemeinsam ergänzen sich die beiden "Helden" dann ganz ordentlich, was der metallene King Kong dann auch schmerzlich erfahren muss. Fukuda hat hier wirklich gute Arbeit geleistet und eine sehenswerte Mischung aus Fantasy, Trash und Action kreiert, die auch nach nunmehr über vier Jahrzehnten immer noch absolut sehenswert ist. Lediglich die vorhandenen Effekte wirken aus heutiger Sicht ein wenig antiquiert, was aber auch nicht wirklich verwundert.

Obwohl im Prinzip alle japanischen Godzilla-Verfilmungen einen gewissen Trash-Faktor beinhalten, erscheint dieser im vorliegenden Film jedoch weitaus höher als in diversen anderen Beiträgen. Das ist aber durchaus als sehr positiv anzusehen, jagt dieser Umstand doch den Unterhaltungswert noch einmal zusätzlich in die Höhe. Letztendlich sieht das bestimmt nicht jeder so, doch neben dem Original von 1954 handelt es sich hier um meinen absoluten Lieblingsfilm aus einer Reihe, die bis zum heutigen Tag immer noch eine unglaublich starke Faszination auf die Fangemeinde ausübt.


Fazit:


"King Kong gegen Godzilla" beinhaltet wirklich alles, was ein Fan des Kultmonsters erwartet. Mehrere unterschiedliche Monster, jede Menge Kämpfe und beste Unterhaltung stehen dabei im Vordergrund und werden von einer eher zu vernachlässigenden Rahmenhandlung ummantelt. Eine stark trashige Note und viel unfreiwilliger Humor würzen das gewonnene Gesamtbild noch zusätzlich, so das man sich dieses Werk auch heute noch immer wieder gern anschaut.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Sep 2017 14:33

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In the Dark
(The Sublet)
mit Tianna Nori, Mark Matechuk, Krista Madison, Porter Randell, Rachel Sellan, James Murray, Mark Ettlinger, Jeff Sinasac, Liv Collins, Cameron Nash, Mary-Elizabeth Willcott
Regie: John Ainslie
Drehbuch: John Ainslie / Alyson Richards
Kamera: Greg Biskup
Musik: Jeff Morrow
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Kanada / 2015

Die junge Mutter Joanna zieht gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in ein mysteriöses Apartment. Schnell wird ihr klar, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Sie hört unheimliche Geräusche, Möbel stehen plötzlich an anderen Orten und es gibt ein mysteriöses Zimmer, dass sie eigentlich nicht betreten darf. Viel zu spät bemerkt Joanna in welch tödlicher Gefahr sie und ihre kleine Familie schweben...


Aufgrund der Inhaltsangabe könnte man schnell zu der Annahme gelangen, das es sich bei "In the Dark" um einen handelsüblichen Haunted House Beitrag handelt, wobei sich das Geschehen im vorliegenden Fall nicht in einem unheimlichen Haus, sondern lediglich in einer Wohnung abspielt. Ziemlich schnell kristallisiert sich aber heraus das das Regiedebüt von John Ainslie weitaus mehr darstellt, denn es offenbart sich ein sehr gelungener Mix aus Psychodrama und Gruselfilm. Da sich die gesamten Ereignisse im räumlich stark begrenzten Schauplatz eines Appartements abspielen wirkt das Ganze fast schon wie eine Art Kammerspiel, in dem das Hauptaugenmerk auch ganz eindeutig auf die beiden Hauptfiguren gerichtet ist. Das wird durch die Tatsache das hier verhältnismäßig wenige Darsteller auch nur in Kurzauftritten zu sehen sind zusätzlich unterstützt und so kann man sich als Zuschauer auch ganz und gar auf Hauptdarstellerin Tianna Nori konzentrieren, die durchgehend eine glaubwürdige und überzeugende Performance an den Tag legt.

Von Beginn an wartet die Geschichte mit einer herrlich mysteriösen Note auf, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr in den Vordergrund rückt. Dabei setzt John Ainslie recht eindrucksvoll auf verschwimmende Grenzen zwischen Realität und Fiktion, was der Erzählung ganz automatisch einen surreal anmutenden Anstrich angedeihen lässt. Bis zum bitteren Ende kann man dabei nicht wirklich sagen, welche Passagen real sind und welche Szenen lediglich der Fantasie der Hauptfigur entspringen. So bleiben dem Betrachter genügend Freiräume die Abläufe selbst zu interpretieren und sich dabei seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse zu machen. Das macht das Filmerlebnis umso interessanter, denn obwohl die Vereinsamung der Hauptfigur Joanna und einer damit verbundenen Psychose der Grund für die mysteriösen Ereignisse sein könnten, bleiben durchaus auch andere Möglichkeiten offen. Es liegt also im Auge des jeweiligen Betrachters, da Ainslie eigentlich keine klar erkennbare Lösung für das rätselhafte Szenario in den Raum stellt.

Das mag nicht jedem gefallen, kommt dem gewonnenen Gesamtbild meiner Meinung nach aber sehr zu Gute. "In the Dark" arbeitet durchgehend mit äußerst bescheidenen Mitteln, was insbesondere im Bezug auf die vorhandenen Effekte zu erkennen ist. Bis auf einige rückende Möbel, offene Türen und schemenhaften Andeutungen eines Schattens wir in dieser Beziehung nichts angeboten, aber gerade diese minimalistische Ausstattung sorgt für ein Höchstmaß an Intensität. Die Meinungen darüber werden bestimmt auseinander gehen und manch einer wird bei diesem Punkt eher enttäuscht sein. Nicht anders sind für mich auch einige eher schlechte Kritiken über diesen Film zu deuten, die ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Vielleicht sagt auch nicht jedem die nicht alltägliche Mischung aus Psychodrama und Gruselfilm zu, wobei insbesondere dieser Aspekt in meinen Augen dir größte Stärke darstellt.

Wie dem auch sei, Geschmäcker sind nun einmal verschieden und das ist auch gut so. Mir hat "In the Dark" jedenfalls überraschend gut gefallen und ist allemal eine Sichtung wert. Man sollte nur nicht zwingend einen typischen Haunted House Vertreter erwarten, sondern vielmehr eine Geschichte, die einem verschiedene Interpretationsmöglichkeiten anbietet. Für ein Erstlingswerk wurden wirklich viele Dinge gut gemacht und vor allem der subtil in Erscheinung tretende Horror überzieht einen phasenweise mit einer echten Gänsehaut. Warum der Film allerdings eine solch hohe Alterseinstufung bekommen hat ist rätselhaft, denn auch wenn zum Ende hin ein paar blutigere Einstellungen zu sehen sind, wäre ein FSK 16 Siegel doch absolut ausreichend gewesen.


Fazit:


"In the Dark" ist ein Film der die Meinungen spalten wird, wobei ich mich zu den Leuten zähle die positiv überrascht wurden. Das Werk erfindet das Rad zwar nicht neu, bietet aber ganzzeitig gute und spannende Genrekost. Man sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn in den letzten Jahren ist man schon weitaus schlechter unterhalten worden.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Sep 2017 21:07

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Two Thousand Maniacs
(Two Thousand Maniacs!)
mit Connie Mason, William Kerwin, Jeffrey Allen, Shelby Livingston, Ben Moore, Jerome Eden, Gary Bakeman, Stanley Dyrector, Linda Cochran, Yvonne Gilbert
Regie: Herschell Gordon Lewis
Drehbuch: Herschell Gordon Lewis
Kamera: Herschell Gordon Lewis
Musik: Larry Wellington
ungeprüft
USA / 1964

Die kleine Stadt Pleasant Valley, die im Jahr 1865 währen des amerikanischen Bürgerkriegs von den Yankees zerstört wurde, erwacht nach 100 Jahren plötzlich wieder zum Leben. Als sich ein paar ahnungslose Touristen in das verschlafene Tal verirren, beginnt ein grausamer Rachefeldzug. Sie sollen als "Gäste" an den Feierlichkeiten und "Spielen" teilnehmen. Auf blutige Art und Weise wird jedoch schnell klar, was die zweitausend wahnsinnigen Einwohner des Ortes darunter verstehen. Als Terry und Jank die Situation begreifen, versuchen sie den Horror zu entkommen...


Ohne wenn und aber dürfte "Two Thousand Maniacs" zu den absoluten Klassikern des Splatter-und Gore Horrorfilms zählen. Regisseur Herschell Gordon Lewis trägt nicht umsonst den Beinamen "Godfather of Gore", zählt der gute Mann doch definitiv zu den ersten seiner Zunft, die ihren Werken einen gehörigen Härtegrad beifügten. Natürlich muss man das aus heutiger Sicht ein wenig relativieren, aber zur damaligen Zeit handelte es sich in diesem Bereich um waschechte Pionierarbeit, die sich immer noch verdammt gut anschauen lässt. Aber nicht nur diverse blutige Einstellungen zeichnen diese absolute Low Budget Produktion aus die gerade einmal mit einem Budget von gut 65.000 $ auf die Beine gestellt wurde, vielmehr ist es die äußerst gelungene Kombination aus Horror und Komödie die diese herrlich schräge Geschichte auszeichnet.

Es handelt sich um eine wunderbar unterhaltsame Erzählung, die man auch ohne Weiteres als Vorreiter der Hillbilly und Redneck Filme bezeichnen kann, in der sich längst verstorbene Südstattler nach 100 Jahren an diversen Leuten aus dem Norden auf grausame, gleichzeitig aber auch skurrile Art und Weise rächen wollen. Schauplatz des Ganzen ist ein Kaff namens Pleasant Valley und einige Nordstaatler sollen hier während einer Feier ihr Leben lassen. Von den im Filmtitel erwähnten 2000 Maniacs ist natürlich noch nicht mal ansatzweise etwas zu sehen, denn die Einwohnerzahl beschränkt sich gerade einmal auf ungefähr ein Zehntel der angegebenen Zahl. Das ist allerdings auch vollkommen irrelevant, denn es interessieren vielmehr die grotesken Spielchen, mit denen den Leuten aus dem Norden der Garaus gemacht werden soll. Hierbei geht es dann auch munter zur Sache, wobei Lewis sorgsam darauf geachtet hat, seiner Geschichte jede Menge schwarzen Humor und eine ordentliche Portion Sarkasmus beizufügen. So werden die Abläufe dann auch stellenweise bewusst überspitzt in Szene gesetzt und auch das Schauspiel der Akteure passt sich diesem Aspekt nahezu perfekt an, indem vor allem von den Stadtbewohnern ein herrliches Overacting an den Tag gelegt wird.

Dadurch offenbart sich fast schon zwangsläufig eine trashige Note, die dem Film auch gleichzeitig seinen unvergleichlichen Charme angedeihen lässt. Es passt ganz einfach alles super zusammen in dieser kruden Produktion, die siffige und fast schon schmierige Grundstimmung ist durchgehend vorhanden, der Humor ist in eigentlich allen Passagen nicht zu übersehen und auch die teils etwas blutigeren Einlagen kommen des Öfteren zum Einsatz. Das Endergebnis kann sich dann wirklich sehen lassen und nicht umsonst wurde diesem Klassiker im Jahr 2005 mit "2001 Maniacs" auch ein Remake spendiert, in dem Robert Englund alias Freddy Krueger mit von der Partie ist. Zwar kommt die Neuauflage nicht ganz an den Charme und Liebreiz des Originals heran, dafür ist die Version von Tim Sullivan allerdings in visueller Hinsicht die ganz klar blutigere und härtere Variante. In diesem Bezug verbietet sich aber prinzipiell ein direkter Vergleich, denn in den über vier Jahrzehnten die zwischen den beiden Filmen liegen, hat der Horrorfilm gerade im Bezug auf visuelle Härte eine wahre Revolution erlebt.

Wie dem auch sei, beide Versionen sind absolut sehenswert, nur ist eben das Original von Herschell Gordon Lewis ein absoluter Genre-Klassiker, der auch in der heutigen Zeit immer noch fantastisch funktioniert. Bot der Film zur damaligen Zeit noch etwas Revolutionäres, so lebt er heute wohl vielmehr von seinem einzigartigen Charme der die Jahrzehnte spielerisch und absolut schadlos überstanden hat. Die späte Rache der Südstaaten ist hier zwar auf einen einzigen Ort beschränkt, gestaltet sich aber ungemein unterhaltsam und sadistisch, wobei man das Ganze auch immer mit einem leichten Augenzwinkern betrachten sollte. Untermalt wird das herrlich schräge Szenario dann auch noch von typischer Hillbilly-Musik, so das sich in der Summe gesehen ein mehr als vergnügliches Filmerlebnis präsentiert, dessen Reiz nach nach über vier Jahrzehnten ungebrochen ist.


Fazit:


Überzogen, skurril und mit unendlich viel Humor versehen offenbart sich mit "Two Thousand Maniacs" ein waschechter Herschell Gordon Lewis Horrorfilm der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte. Durch das kürzlich erschienene Mediabook liegt der Film nun auch erstmals komplett in deutscher Sprache vor, da extra für die Veröffentlichung eine deutsche Retro-Synchronisation angefertigt wurde. Diese hört sich meiner Meinung nach auch richtig gut an, was die Anschaffung der neuen Veröffentlichung durchaus sinnvoll erscheinen lässt.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 22. Sep 2017 15:42

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Road House
(Road House)
mit Patrick Swayze, Kelly Lynch, Sam Elliott, Ben Gazzara, Marshall R. Teague, Julie Michaels, Red West, Sunshine Parker, Jeff Healey, Kevin Tighe, John Doe
Regie: Rowdy Herrington
Drehbuch: R. Lance Hill / Hilary Henkin
Kamera: Dean Cundey
Musik: Michael Kamen
FSK 16
USA / 1989

Der professionelle Rausschmeißer Dalton soll das heruntergekommene "Double Deuce" auf Vordermann bringen. Schnell merkt er, das er mit mehr als nur ein paar Trunkenbolden aufzuräumen hat. Sein Gegenspieler ist der skrupellose Wesley, der mit seinen Mannen nicht nur die Bar, sondern auch die gesamte Stadt terrorisiert. Zu allem Überfluss verliebt sich Dalton in Wesleys Exfreundin Doc. Als der Schurke Daltons besten Freund und Mentor beseitigen lässt, sieht er rot. Er tötet Wesleys Killer, und als der Bösewicht auf Dalton anlegt, wird er von den rechtschaffenen Bürgern der Stadt erschossen.


Die Inhaltsangabe deutet schon auf einen typischen B-Actioner hin und deutet dabei auch gleichzeitig an, das man an dieser Stelle nicht zu viel inhaltliche Substanz erwarten sollte. Ehrlich gesagt ist die Geschichte sogar recht hanebüchen und unglaubwürdig, wobei auch noch unzählige Klischees vorhanden sind und die Rahmenhandlung maximal einen halben Bierdeckel füllen würde. Für wahre Cineasten dürfte sich das grausam anhören, der eingefleischte Action-Freak lässt sich davon jedoch keinesfalls abschrecken und wird mit einem typischen Genrebeitrag belohnt. Swayze wird förmlich zu einer ein Mann Armee aufgebaut und mit dem üblichen Helden-Pathos versehen, indem er fast im Alleingang eine Kleinstadt von einem machtbesessenen Tyrannen befreit, der hier eine wahre Terrorherrschaft an den Tag legt. Es handelt sich also um die typische Einzelgänger gegen Übermacht Thematik und obwohl sich das Ganze eher völlig unglaubwürdig darstellt, versteht es "Road House" durchgehend beste Unterhaltung abzuliefern.

Das liegt wohl in erster Linie an den unzähligen Action-Einlagen, denn alle paar Minuten geht es so richtig zur Sache und es gibt ordentlich auf die Fresse. Neben den handelsüblichen Kneipenschlägereien werden aber auch immer wieder recht sehenswerte Kampfeinlagen eingestreut, die entfernt sogar etwas mit Kampfsport zu tun haben. Aber machen wir uns nichts vor, hauptsächlich werden die niederen Instinkte mit satten Prügeleien bedient und von diesen gibt es jede Menge zu sehen. In rein filmischer Hinsicht ist also auf keinen Fall das Prädikat wertvoll zu vergeben, doch darauf hat es Regisseur Rowdy Herrington auch überhaupt nicht abgesehen. Seine Erzählung soll lediglich gut unterhalten und dieses Vorhaben gelingt auf der ganzen Linie. Nebenbei darf in diesem Szenario auch eine schöne Frau nicht fehlen und diesen Part übernimmt die hübsch anzuschauende Kelly Lynch. Selbstverständlich entwickelt sich zwischen ihr und Swayze eine Romanze, aber dieser Aspekt der Erzählung wird zu keiner Zeit zu sehr in den Vordergrund gerückt.

Dennoch probiert Herrington, seinem Film ein gewisses Maß an Emotionen beizufügen, die wie kaum anders zu erwarten durch Wut, Hass und Rache auf den Plan treten. Dabei wird sich sämtlicher vorstellbarer Klischees bedient, die allerdings nahezu perfekt in die Story hinein passen. Damit werden beim Zuschauer sicher keine höheren Ansprüche befriedigt, aber für solche ist "Road House" auch gar nicht erst angelegt. Es ist vielmehr eine moderne Helden-Geschichte, in der alles auf den Hauptdarsteller ausgelegt ist. Obwohl dieser im Prinzip gegen Gewalt ist teilt er ordentlich aus, muss gleichzeitig aber auch eine ganze Menge einstecken. Während der gut 110 Minuten Laufzeit stellt man sich des Öfteren die Frage ob man sich in der Realität eigentlich ohne jeglichen Grund den hier dargestellten Stress antun würde, denn der gute Dalton (Swayze) müsste ja nur seine sieben Sachen packen und könnte jederzeit die Kurve kratzen. Selbstverständlich kommt das für ihn aber nicht in Frage und so siegt der Sinn für Gerechtigkeit und der Einsatz für im Prinzip wildfremde Menschen, was manchmal schon ein wenig masochistisch erscheint.

Andererseits sind es aber genau diese nicht glaubwürdigen Abläufe die "Road House" so interessant machen, denn dadurch entfaltet die Geschichte ihren ganz eigenen Reiz. Man kann es drehen und wenden wie man will, in rein filmischer Hinsicht ist dieser Beitrag wohl eher ein kleiner Rohrkrepierer, aber jenseits jeglicher Logik und Vernunft offenbart sich ein absolut sehenswerter B-Actioner, der extrem kurzweilig und unterhaltsam daher kommt. Wenn man mit den richtigen Erwartungen an dieses Werk heran geht dann wird man bestens bedient, als Liebhaber höherer Ansprüche sollte man jedoch lieber die Finger davon lassen. Ich persönlich liebe den Film, auch wenn das Geschehen nicht unbedingt über viel Authentizität verfügt.


Fazit:


"Road House" ist alles andere als ein Meisterwerk, besitzt aber seine ganz eigene Faszination. Action satt und 110 Minuten Kurzweil reichen vollkommen aus, um letztendlich zu einem sehr guten Gesamteindruck zu gelangen. Das die Bewertungen für diesen Beitrag je nach Betrachtungsweise völlig unterschiedlich ausfallen ist absolut nachzuvollziehen, von mir gibt es jedenfalls dicke...


...8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 27. Sep 2017 13:56

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Clown Town
(Clown Town)
mit Brian Nagel, Lauren Compton, Andrew Staton, Katie Keene, Jeff Denton, Greg Violand, Maryanne Nagel, David Greathouse, Kaitlyn Sapp, Chris Hahn
Regie: Tom Nagel
Drehbuch: Jeff Miller
Kamera: Ken Stachnik
Musik: Holly Amber Church
keine Jugendfreigabe
USA / 2017

Diese Stadt wird von Killer-Clowns regiert. Das müssen Sarah und ihre Freunde schmerzlich feststellen. Eigentlich wollten sie nur Spaß haben und eine schöne Reise durchs Land machen. Aber schon bald nimmt dieser Trip eine tödliche Wendung. Scheinbar zufällig werden die vier Freunde in eine abgelegene Kleinstadt namens Clinton gelockt. Nichts ahnend beschließen sie in dem ausgestorbenen Ort über Nacht Rast zu machen. Doch schnell merken sie, dass ihr Leben in großer Gefahr ist. Psychopathische Killer-Clowns machen Jagd auf die Neuankömmlinge. Und sie schrecken vor nichts zurück.


Böse Clowns waren in Horrorfilmen schon immer gern gesehene Gäste und nicht erst seit Stephen Kings "Es" verbreiten die grell geschminkten Spaßmacher nur allzu gern Angst und Schrecken unter den Menschen. So hat sich dann auch Regieneuling Tom Nagel dieser allseits beliebten Thematik bedient und lässt dabei gleich mehrere Killer-Clowns auf die Menschheit los. In vorliegendem Fall hat die bunte Horde eine Kleinstadt namens Clinton in Beschlag genommen und diese tagsüber in eine wahre Geisterstadt verwandelt. Das wie und warum für diesen Umstand bleibt eher schwammig, lediglich einige eher dünne Erklärungsversuche dienen dem Zuschauer dazu, sich im Prinzip seinen eigenen Reim auf die Sache zu machen. Dazu dient dann auch die gleich zu beginn eingestreute Rückblende, die allerdings gleichzeitig auch fast schon eine dreiste Anlehnung an Carpenter*s Meisterwerk "Halloween - Die Nacht des Grauens" darstellen soll. Aufgrund dessen kann man sich dann auch denken, das "Clown Town" ganz sicher kein Ausbund an Innovation sein wird und diese Annahme wird dann auch ziemlich eindrucksvoll bestätigt.

Es kommt wie es kommen muss und man wird mit einer handelsüblichen 08/15 Rahmenhandlung beliefert, die absolut keine neuen Impulse beinhaltet. Zudem ist die Geschichte auch noch mit den typischen Klischees ausgestattet, so das Freunde innovativer Horrorkost sicherlich nicht auf ihre Kosten kommen werden. Eine Gruppe naiver Jugendlicher steht im Fokus der Ereignisse und gerät durch eher dümmliche Zufälle genau nach Clinton, wo man sich dann zwangsläufig mit den Clowns auseinander setzen muss. Vor allem die Mädels sind dabei einmal mehr bildhübsch und selbstverständlich mit einer künstlichen Oberweite ausgestattet, wohingegen die Herren der Schöpfung einmal mehr durch unlogisches Verhalten ins Auge springen. Über die Skizzierungen der einzelnen Figuren muss man nichts sagen, da sie als maximal oberflächlich zu bezeichnen sind.

Was man "Clown Town" durchaus zu Gute halten kann ist die annehmbare Atmosphäre, außerdem beinhaltet der Film einige etwas blutigere Einstellungen, wobei der Härtegrad an sich aber nie die Grenzen sprengt. Es mangelt der Story aber ganz eindeutig an der nötigen Spannung, denn Nagel schafft es zu keiner Zeit, einen wirklich konstanten Spannungsbogen aufzubauen. In erster Linie liegt das in der Vorhersehbarkeit der Abläufe und auch diverse kleiner Wendungen zum Ende hin können diesen Umstand nicht beschönigen. Gerade als Liebhaber des Slashers kann man die Ereignisse regelrecht vorher sagen, denn das Drehbuch beinhaltet keinerlei echte Überraschungsmomente.

Dennoch bietet "Clown Town" größtenteils recht unterhaltsame Genrekost, nur sollte man keinesfalls mit höheren Erwartungen an diese Produktion heran gehen. Man hat wirklich sämtliche Zuaten und Abläufe schon unzählige Male zu Gesicht bekommen und zumeist wurde dann auch noch eine bessere Umsetzung gefunden, als es hier der Fall ist. Und so offenbart sich am Ende dann auch kein gänzlich überzeugendes Gesamtbild, was bestimmt auch in der Unerfahrenheit des Regisseurs zu begründen ist. Es fehlt der nötige Pfiff, jedoch ist der Film für eine einmalige Sichtung durchaus zu empfehlen.


Fazit:


Absolut nichts Neues an der Slasher-Front, aber immerhin nette Horror-Unterhaltung für zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger stellt "Clown Town" dar und damit muss man sich letztendlich zufrieden geben. Einzuordnen ist die Produktion leider nur im breiten Durchschnittsbereich, denn um mehr zu erreichen hätte man dann doch einige überraschende Momente einbauen müssen.


5,5/10
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