horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 27. Sep 2017 19:53

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Ein Fisch namens Wanda
(A Fish Called Wanda)
mit John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken, Tom Georgeson, Patricia Hayes, Geoffrey Palmer, Cynthia Cleese, Mark Elwes
Regie: Charles Crichton / John Cleese
Drehbuch: John Cleese / Charles Crichton
Kamera: Alan Hume
Musik: John Du Prez
FSK 16
USA / 1988

Der Jurist Archie ist dem Sex-Appeal und unwiderstehlichen Charme der gewitzten Diebin Wanda hilflos ausgeliefert und sogar dazu bereit, seine Karriere für sie an den Nagel zu hängen. Doch es wird noch komplizierter, denn Wandas Zuwendung gehört ihrem Komplizen Otto, einem etwas unterbelichteten Psychopathen, der den London Underground für eine politische Untergrundbewegung hält. Otto wiederum hat es auf den Killer Ken abgesehen, einen Tierliebhaber und mehrfachen Hundemörder, der sich in einen Fisch verguckt hat... einen Fisch namens Wanda. Alles klar?


Wenn mit John Cleese und Michael Palin Teile der Kult-Komikergruppe Monty Pythons in einem Film mit an bord sind, dann kann man sich von Haus aus auf ein vergnügliches Filmvergnügen einstellen. Kein Wunder also, das "Ein Fisch namens Wanda" aus dem Jahr 1988 ein ziemlicher Erfolg wurde, denn hier ist wirklich eine absolut erstklassige und zeitlose Komödie auf den Weg gebracht worden, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um eine britische sondern um eine US-Produktion, wobei der enthaltene Humor jedoch ganz klar britische Züge trägt. Neben Palin und Cleese zählen Jamie Lee Curtis und Kevin Kline zu den Hauptfiguren und dieses Quartett drückt der Produktion auch ganz eindeutig seinen persönlichen Stempel auf. Zuerst einmal erzählt "Ein Fisch namens Wanda" aber eine richtig gelungene Geschichte, die mit erstklassigem Schauspiel, jeder Menge witziger Dialoge und teils skurriler Situationskomik ausgestattet ist. Teilweise treten dem Zuschauer dabei wirklich die Tränen in die Augen, denn die gefundene Mixtur aus schwarzem Humor, Sarkasmus und leicht zynischen Ansätzen ist absolut gelungen. Es liegt allerdings auch an dem Umstand, das die vier Hauptfiguren absolut glänzend aufgelegt sind und dem Betrachter den enthaltenen Humor auf eine trockene Art und Weise rüber bringen, das nun wirklich jede einzelne Pointe voll ins Schwarze trifft und so für manchen Lachanfall sorgt.

Die einzelnen Figuren werden einem eingehend und sehr gut präsentiert, wobei Palin und Cleese den britischen Teil präsentieren, wohingegen Curtis und Kline eindrucksvoll die USA vertreten. Dabei wurde sorgsam auf eine Darstellung voller Kontraste Wert gelegt, denn die Charaktere sind mit wirklich allen Klischees versehen, die man sich nur vorstellen kann. Hierbei treten insbesondere die Figuren Archie Leach (Cleese) und Otto (Kline) immer wieder in den Vordergrund, wobei einerseits der konservative britische Strafverteidiger auf den hausgemachten amerikanischen Psychopathen trifft. Leach führt das klischeehafte Leben des snobistischen Anwalts und führt dabei eine Ehe, in der man viel eher nebeneinander her-als zusammen lebt. Kein Wunder also, das er den Reizen der hübschen Wanda erliegt, in deren Rolle die ehemalige "Scream-Queen" Jamie Lee Curtis die brillante Performance einer durchtriebenen Kriminellen zum Besten gibt. Otto hingegen ist das Paradebeispiel eines kräftigen, aber vollkommen trotteligen Amerikaners, der lediglich in der eigenen Wahrnehmung eine helle Leuchte ist, aber vielmehr durch seine psychopathischen Züge auffällt. Zu guter Letzt wäre da dann noch der gutmütige und stotternde Ken, der von Michael Palin absolut grandios interpretiert wird.

Zusammen ist das Quartett einfach unschlagbar und offenbart an dieser Stelle eine grandiose Kostprobe komödiantischen Schauspiels, was den von Haus aus sehr guten Film noch zusätzlich aufwertet. Die restlichen Charaktere dienen im Prinzip lediglich als nötiges Beiwerk, sind allerdings die perfekte Ergänzung, so das sich in dieser Beziehung ein extrem stimmiges Gesamtbild ergibt. Obwohl "Ein Fisch namens Wanda" mittlerweile auch schon fast drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, funktioniert dieser Film auch heute noch absolut großartig. Verlieren viele Filme mit der Zeit merklich von ihrem Reiz oder Charme, so kann man sich dieses Werk bedenkenlos immer wieder anschauen und dabei in den Genuss einer Top-Komödie kommen. Selbst nach unzähligen Sichtungen und mit der Kenntnis sämtlicher Gags muss man immer wieder lachen, denn unzählige Sprüche oder Szenen haben mittlerweile fast schon einen Kultstatus erreicht. Hierzu zählen vor allem diverse Richtigstellungen von Wanda gegenüber dem trotteligen Otto, oder auch die misslungenen Mordversuche von Ken an einer alten Lady, die zunächst lediglich darin enden, das deren Hunde auf tragische Art und Weise ihr Leben verlieren.

Man könnte noch etliche andere Momente oder auch Dialoge aufführen, allerdings erscheint es viel sinnvoller, sich mit einer neuerlichen Sichtung dieses genialen Filmes die volle Dröhnung Spaß zu gönnen und sich gleichzeitig am erstklassigen Schauspiel der Protagonisten zu ergötzen. Davon kann man nie genug bekommen und denn der teils rabenschwarze Humor ist einfach nur brillant, so das man immer wieder vom Liebreiz dieses Filmes eingenommen wird. Von dieser Komödie könnten sich so einige Vertreter der heutigen Zeit eine ganz dicke Scheibe abschneiden, wobei ganz generell nur noch verhältnismäßig wenige Vertreter des Genres diese Bezeichnung auch wirklich verdienen.


Fazit:


Auf das Komödien-Genre bezogen ist "Ein Fisch namens Wanda" für mich persönlich ein kleiner und absolut zeitloser Klassiker. Charmant, extrem witzig und mit erstklassigen Darstellern besetzt erzählt der Film eine kurzweilige und äußerst unterhaltsame Geschichte, die auch nach weiteren 30 Jahren immer noch funktionieren wird.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 3. Okt 2017 14:39

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The Last Shot
(Sotto il vestito niente)
mit Tom Schanley, Renée Simonsen, Donald Pleasence, Nicola Perring, Maria McDonald, Catherine Noyes, Paolo Tomei, Sonia Raule, Cyrus Elias, Anna Galiena
Regie: Carlo Vanzina
Drehbuch: Carlo Vanzina / Franco Ferrini
Kamera: Giuseppe Maccari
Musik: Pino Donaggio
ungeprüft
Italien / 1985

Der junge Nationalpark-Ranger Bob Crane hat plötzlich eine Vision. Ein Unbekannter versucht mit einer Schere seine hübsche Zwillingsschwester Jessica zu ermorden. Er reist sofort nach Mailand und stellt fest, das das Model spurlos verschwunden ist. Da weder eine Leiche noch Blutspuren aufzufinden sind, kann Kommissar Danesi mit irgendwelchen Visionen wenig anfangen. Plötzlich wird aber am selben Ort, auf die gleiche Art und Weise wie in Bob s Vision, ein weiteres Model ermordet. Auch der Kommissar ist nun überzeugt, es vielleicht doch mit einem Serienkiller zu tun zu haben.


Carlo Vanzina's "The Last Shot" ist ein Spät-Giallo aus dem Jahr 1985, als das immer noch sehr beliebte Subgenre seine Blütezeit schon überschritten hatte. Gleichzeitig ist der Film der Auftakt zu der 2011 abgeschlossenen Modell-Giallo-Trilogie, wobei dem abschließenden dritten Beitrag bisher leider noch keine Veröffentlichung auf Scheibe zu teil wurde. Es handelt sich hier um einen recht stimmungsvollen Beitrag, der sämtliche Zutaten beinhaltet die diese Filmart so sehenswert macht. Schwarze Handschuhe, ein Stichwerkzeug (Schere) als Mordwaffe und ein ominöser Mörder sind dabei die prägendsten Merkmale und ziemlich schnell wird dem Zuschauer klar, das Vanzina sich ganz eindeutig an den Werken eines Dario Argento orientieren will. Teilweise gelingt das auch sehr gut, wobei "The Last Shot" aber zu keiner Zeit die hohe Qualität früherer Genrebeiträge erreichen kann. Dennoch präsentiert sich eine durchaus interessante und größtenteils auch spannende Story, die nur phasenweise auch kleinere Sequenzen offenbart die ein wenig langatmig und zu dialoglastig daher kommen.

Zu Beginn pendelt die Erzählung zwischen den beiden Schauplätzen in Wyoming und Mailand hin und her und wartet dabei mit diversen wunderbar fotografierten Landschaftsaufnahmen auf. Nach einer relativ kurzen Zeitspanne verlagert sich das Ganze dann komplett in die italienische Modemetropole und man wird mit der prächtigen und bunten Welt der Reichen und Schönen konfrontiert. Diese lässt jedoch schnell die ersten Risse erkennen, denn ein unheimlicher Mörder geht um und befördert einige Modells auf sehr unschöne Art und Weise ins Jenseits. Mit von der Partie ist dabei das hübsche Modell Jessica, die auch wie in der Inhaltsangabe beschrieben der Auslöser für die geheimnisvollen Geschehnisse ist. In der Folge entwickelt sich ein nettes Szenario, das in einem perfekten 80er Jahre Ambiente und in einer eher ruhigeren Erzählweise eingebettet ist. Zwillingsbruder Bob macht sich auf die Suche nach seiner Schwester und muss bei seinen Nachforschungen feststellen, das anscheinend ein skrupelloser Serienmörder am Werk ist, dem immer mehr Mädchen zum Opfer fallen.

Die Beweggründe werden dabei ziemlich langen im Dunkeln gelassen und erst nach einer guten Stunde kommt langsam ein wenig Licht ins Dunkel. Die Identität des Killers wird aber noch nicht preis gegeben, wobei sich erfahrene Giallo-Liebhaber jedoch ihren eigenen Reim auf die Abläufe machen können, da die Zahl der Verdächtigen nicht allzu groß ist. Vanzina hat im zweiten Teil seiner Geschichte einige kleinere Wendungen eingebaut, die einen ohne Weiteres auf die ein oder andere falsche Fährte locken können. Die endgültige Auflösung des Rätsels ergibt sich dann aber erst wenige Minuten vor dem Ende und wie so oft werden die Motive des Täters förmlich aus dem Hut gezaubert. Auch in dieser Beziehung liegt also auch ein typisches Stilmittel vor und auch wenn dies ein wenig auf Kosten der Logik geht, passt es ausgezeichnet in das insgesamt stimmige Gesamtbild.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei "The Last Shot" sicher nicht um einen der absoluten Toptitel des Subgenres, aber immerhin bekommt man einen grundsoliden Beitrag geboten. Diverse Anleihen bei Frühwerken eines Dario Argento sind dabei kaum zu übersehen und wirklich störend erscheint lediglich das manchmal etwas ungelenke Schauspiel einiger Akteure. Zwar können sich die Darbietungen in der Summe durchaus sehen lassen, jedoch treten immer wieder Passagen auf den Plan, in denen äußerst hölzern agiert wird. Stellvertretend dafür steht beispielsweise das Finale zwischen Bob und dem Killer, das nicht unbedingt durch ein Höchstmaß an Authentizität geprägt ist. Über dieses Manko kann man aber großzügig hinweg sehen, denn letztendlich wurde hier gute Arbeit abgeliefert und ein in Deutschland eher unbekannter Vertreter auf den Weg gebracht den man sich unbedingt anschauen sollte.


Fazit:


"The Last Shot" ist bestimmt kein Überflieger, beinhaltet aber sämtliche Zutaten die ein Giallo haben muss. In einem gemäßigten Tempo wird eine spannende Story erzählt, die auch die obligatorischen und etwas blutigeren Einstellungen enthält.. In der Summe sollte man also durchaus zu einem Gesamteindruck gelangen, der sich etwas über dem normalen Durchschnittsbereich ansiedeln kann.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 3. Okt 2017 14:40

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Too Beautiful to Die
(Sotto il vestito niente 2)
mit François-Eric Gendron, Florence Guérin, Randi Ingerman, Giovanni Tamberi, Helena Jesus, Nora Ariffin, François Marthouret, Gioia Scola, Raffaele Biondi
Regie: Dario Piana
Drehbuch: Dario Piana / Achille Manzotti
Kamera: Alan Jones
Musik: Roberto Cacciapaglia
ungeprüft
Italien / 1988

Wilde Orgien, Kokain und die heißesten Top-Mannequins. Alizzi weiß, wie er als skrupelloser Geschäftsmann seinen Spaß haben kann. Aber Sylvia wird von ihm vergewaltigt, und die Polizei findet die verkohlte Leiche in ihrem ausgebrannten Wagen. Die Spur führt in die exklusiven Filmstudios von David, wo Sylvia und ihre anderen Gespielinnen in erotischen Videoclips ihr Bestes geben. Dort greift das Grauen um sich. Die Mädchen werden eingeschüchtert und eine nach der anderen mit einer geheimnisvollen Klingenwaffe umgebracht. Lauren kann sich zunächst bei David in Sicherheit bringen, aber schon bald kommt sie einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.


Drei Jahre nachdem Carlo Vanzina's "The Last Shot" erschien, folgte 1988 mit "Too Beautiful to Die" der indirekte Nachfolger. Wieder wird der Zuschauer in die Welt der Modells entführt, wobei die Geschichte trotz diverser Ähnlichkeiten zum Vorgänger in wesentlichen Teilen erhebliche Unterschiede aufweist. Das fängt schon einmal auf dem Regiestuhl an, auf dem dieses Mal der ehemalige Comiczeichner und Werbefilmer Dario Piana Platz nahm. Dieser Umstand ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, das sich das italienische Genrekino seinerzeit im Niedergang befand und man die Produktion etwas amerikanischer gestalten wollte. Vor allem in visueller Hinsicht ist dieses Vorhaben dann auch vortrefflich gelungen, denn dieser Beitrag präsentiert sich sehr durchgestylt und erweckt phasenweise schon ein wenig den Eindruck, als wenn er vollkommen beabsichtigt auf Hochglanz getrimmt wurde. Und so wirkt "Too Beautiful to Die" dann auch phasenweise nicht unbedingt wie der handelsübliche Giallo, obwohl im Prinzip doch sämtliche Zutaten dafür beigemengt wurden. Dennoch ist es vielmehr ein sehenswerter Mix aus Giallo, Slasher und einer ordentlichen Portion Erotikthriller, was insgesamt einen herrlich kruden Gesamteindruck entstehen lässt.

Von der Handlung her sollte man keinerlei Wunderdinge erwarten, denn ganz davon abgesehen das es sich einmal mehr um die typische Rache-Thematik handelt, gerät diese auch während der Laufzeit auch gern einmal völlig in den Hintergrund. In diesen Phasen widmet sich Piana dann gern einmal einige Minuten lang dem Dreh eines Musikvideos und serviert dem Zuschauer diverse Tanzeinlagen wohlgeformter Damen in irgendwelchen Kostümen. Hier erinnert das Werk dann auch ein wenig an Fulci's "Murder Rock", wobei diese Szenen nicht unbedingt die inhaltliche Substanz der Produktion aufwerten. Dennoch passt das Ganze ganz gut zusammen und wirkt auch erstaunlich stimmig, jedoch sind es insbesondere auch genau diese Passagen, die immer wieder Spannungseinbrüche erkennen lassen. Ganz generell kommt während der Laufzeit aber auch nie wirkliche Hochspannung auf, denn obwohl Piana kleinere Wendungen und einige falsche Fährten einstreut, dürfte der erfahrene Giallo-Liebhaber ziemlich schnell wissen, auf wessen Konto die Morde an einigen Modells gehen.

In der Summe gesehen geht es bei den vorhandenen Kills nicht sehr blutig zur Sache, man sollte in dieser Beziehung also auf gar keinen Fall einen gesteigerten Härtegrad erwarten. Auch in schauspielerischer Hinsicht erlebt man keine Offenbarung, aber die Leistungen der Akteure bewegen sich im äußerst soliden Bereich. Ein etwas größeres Defizit beinhaltet diese Produktion aber definitiv, denn es dauert ganz einfach zu lange bis die Geschichte so richtig in Fahrt kommt. Zu sehr beschäftigt man sich zu Beginn mit den Einblicken in die Modellwelt, bevor man dann der eigentlichen Thematik größere Beachtung schenkt. Das geht dann auch ein wenig auf Kosten der Atmosphäre, die leider zu keiner Zeit die Dichte erlangen kann, die man aus unzähligen anderen Genrevertretern her kennt. Man merkt also, das "Too Beautiful to Die" nicht frei von Fehlern ist, aber dennoch handelt es sich immer noch um einen ziemlich stimmungsvollen Beitrag, der allerdings etwas hinter dem Vorgänger zurück bleibt.

Dario Piana hat hier einen nicht unbedingt typischen Genrebeitrag kreiert, der stellenweise mit äußerst viel Sleaze ausgestattet ist und aufgrund seiner Kombination aus verschiedenen Genres nicht alltäglich erscheint. Das mag nicht jedem schmecken, aber insbesondere diese Mixtur macht den Film auch irgendwie reizvoll. Zu den Größen des italienischen Gialli zählt diese Produktion sicherlich nicht, andererseits gibt es aber genügend Vertreter dieser Art die weitaus schlechter unterhalten. Es liegt wie immer im Auge des Betrachters, aber anschauen sollte man sich diesen bei uns eher unbekannten Film auf jeden Fall.


Fazit:


Nicht ganz so gut wie sein Vorgänger "The Last Shot" bietet "Too Beautiful to Die" immer noch sehenswerte Genrekost an der man seine Freude haben kann. Die äußerst stylische Umsetzung der Geschichte mag nicht jedem zusagen, ist aber andererseits als Höhepunkt dieser Produktion auszumachen, die sich ansonsten im normalen Durchschnittsbereich ansiedelt.


6/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 12. Okt 2017 13:58

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Resident Evil: The Final Chapter
(Resident Evil: The Final Chapter)
mit Milla Jovovich, Iain Glen, Ali Larter, Shawn Roberts, Eoin Macken, Fraser James, Ruby Rose, William Levy, Ever Anderson, Siobhan Hodgson, Caroline Midgley
Regie: Paul W.S. Anderson
Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Paul Haslinger
FSK 16
Australien / Deutschland / Frankreich / Großbritannien / Kanada / Japan / Südafrika / USA / 2016

Alice ist die einzige Überlebende der vermeintlich letzten großen Schlacht der Menschen gegen die Untoten. Völlig auf sich allein gestellt, kehrt sie an den Ort zurück, an dem ihr nicht enden wollender Albtraum einst begann: zum Hive in Racoon City. Dort macht sich die Umbrella Corporation bereit zu dem entscheidenden Schlag gegen die letzten Verbliebenen nach der Apocalypse. Und sie weiß, dass sie alles auf die Karte setzen muss, um den Schrecken doch noch zu beenden.


Obwohl die Resident Evil Filme unter den Gamern keinen allzu guten Ruf haben, erfreuen sie sich unter den Film-Fans durchaus einer großen Beliebtheit. Seit nunmehr 15 Jahren kämpft die schier unverwüstliche Milla Jovovich dabei einen scheinbar ungleichen Kampf gegen Horden von Untoten, die alle dem sogenannten T-Virus zum Opfer gefallen sind. Im mittlerweile sechsten Teil der Reihe soll es sich nun also um das Finale handeln und was würde sich an dieser Stelle besser anbieten, als das man das Geschehen wieder an den Ursprungsort der Seuche zurück führen würde. Und so muss die gute Alice (Jovovich) sich einmal mehr dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner stellen und gleichzeitig einmal mehr mit Dr. Isaac von der Umbrella Corporation die Klingen kreuzen. Als Schauplatz kommt dann selbstverständlich nur der unterirdische Hive in Rancoon City in Frage und die offensichtlich letzte Schlacht kann dort ihren Lauf nehmen. Dabei lässt Regisseur Anderson von der ersten Minute an keinen Zweifel daran in welche Richtung das Szenario tendieren wird, denn wie schon in den Vorgängern hat man relativ wenig Wert auf inhaltliche Tiefe, sondern vielmehr auf satte Action gelegt. War davon schon in den anderen Filmen eine ganze Menge zu sehen, so hat man dieses Mal noch eine ordentliche Schippe drauf gelegt. Es kracht im Prinzip im Minutentakt, so das auch gar nicht erst viel Platz für inhaltliche Substanz aufkommen kann.

Das macht aber ehrlich gesagt nicht viel aus, denn die vorhandene Rahmenhandlung ist vollkommen ausreichend. Das Hauptaugenmerk des Zuschauers legt sich also vielmehr auf die wie immer souveräne Hauptdarstellerin, die auch nach nunmehr 15 Jahren und etlichen Kämpfen immer noch ein absoluter Hingucker ist. Es ist wirklich sehr erstaunlich wie gut sich Frau Jovovich gehalten hat und immer noch eine absolut glänzende Figur in ihrer Paraderolle abgibt. Ihre Mitstreiter hingegen kommen über den Status der Nebenrolle zu keiner Zeit hinaus und wirken daher viel eher wie nötige Staffage die ihren Zweck erfüllt. Eine Ausnahme stellt dabei lediglich der gut agierende Iain Glen dar, der in der Rolle des Fieslings einen äußerst guten Gegenpol abgibt. So zählen dann auch die Aufeinandertreffen der beiden Gegner zu den Höhepunkten des Filmes, wobei man das allerdings ganz generell auf die gesamte Action ummünzen kann. Etliche Kämpfe und Schießereien stehen auf der Tagesordnung und "The Final Chapter" lässt dem Betrachter kaum einmal die Möglichkeit ein wenig durch zu atmen.

Die Produktion ist insgesamt extrem kurzweilig in Szene gesetzt worden, wodurch man dann auch gern einmal etwas großzügiger über die ein oder andere inhaltliche Schwäche hinweg sehen kann. Man kennt diesen Aspekt ja durchaus von den anderen Teilen, denn auch dort war der Fokus des Geschehens in der Regel auf die unzähligen Action-Passagen ausgerichtet. Dennoch wirkt im vorliegenden Fall das Ganze noch viel geballter und man wird die gesamte Laufzeit über das Gefühl nicht los, das Anderson in diesem vermeintlichen Abschluss der Reihe noch einmal so richtig in die Vollen gehen wollte. Ob es sich denn nun auch wirklich um den letzten Film handelt bleibt eher ungewiss, denn auch wenn sich letztendlich das zu erwartende Ende präsentiert, haben sich die Macher durchaus eine Hintertür offen gelassen. Mich würde es jedenfalls nicht wundern wenn es noch weitere Nachfolger geben würde, andererseits vertrete ich den Standpunkt, das der gewählte Showdown ein relativ gelungener Abschluss dieser Filmreihe wäre.

"Resident Evil: The Final Chapter" ist sicher nicht der beste Teil der Reihe, im Bezug auf die reine Action steckt er seine Vorgänger allerdings in die Tasche. Und das will schon etwas heißen, waren doch alle bisherigen Filme nicht gerade spärlich mit Action-Sequenzen ausgestattet. Und so bekommt man zumindest in dieser Beziehung die volle Dröhnung serviert, die zudem in eine zwar recht dünne, aber dennoch interessante Rahmenhandlung gepackt wurde. Fans der Reihe sollten also auf jeden Fall ihren Spaß an diesem Mix aus Action und Horror haben, zudem auch wieder eine gut aufgelegte Milla Jovovich ihr Bestes gibt, um die wenigen verbliebenen Menschen vor der Auslöschung zu bewahren. Im Endeffekt bekommt der geneigte Fan genau das geboten was man von den Resident Evil Verfilmungen erwarten kann, nämlich kurzweilige Genrekost ohne größeren inhaltlichen Nährwert. Höhere Ansprüche werden dabei sicherlich nicht bedient, doch diese sollte man bei einem Film dieser Art auch nicht unbedingt zwingend hegen.


Fazit:


Mir persönlich hat "Resident Evil: The Final Chapter" gut gefallen und es bleibt abzuwarten, ob es sich auch wirklich um den Abschluss dieser Reihe handelt. So ganz sollte man dem Braten noch nicht trauen, denn das Fianle lässt durchaus den Eindruck entstehen, das man die Kuh noch etwas weiter melken wird.


7,5/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Okt 2017 14:21

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Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht?
(Serial Mom)
mit Kathleen Turner, Sam Waterston, Ricki Lake, Matthew Lillard, Scott Morgan, Walt MacPherson, Justin Whalin, Patricia Dunnock, Lonnie Horsey, Mink Stole
Regie: John Waters
Drehbuch: John Waters
Kamera: Robert M. Stevens
Musik: Basil Poledouris
FSK 16
USA / 1994

Beverly Sutphin hat in ihrem Leben eine wunderbare Harmonie gefunden. Sie schafft es, das alles wie eine geölte Maschine läuft: Sie ist glücklich mit ihrem Mann, hat immer ein offenes Ohr für ihre Teenager- Kinder und hat für jeden Mitmenschen die richtige Antwort parat. Doch wehe, irgend jemand versucht, den trauten Familienfrieden zu stören. Der kleinste Anlass stürzt sie sofort in eine mörderische Wut. Egal ob Lehrer oder Nachbarin: Mama greift zu Schere, Schürhaken und Fleischermesser...

Immer wieder trifft man auf Filme die absolut zeitlos sind und gleichzeitig auch sehr nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers haften bleiben. Der vorliegende Beitrag von John Waters aus dem Jahr 1994 zählt ganz eindeutig dazu, handelt es sich hierbei doch um eine der schwärzesten Komödien, die je das Licht der Filmwelt erblickt haben. Waters bedient sich dabei der gern verwendeten und typischen amerikanischen Vorstadt-Idylle, die einem in etlichen Filmen nur zu gern vorgegaukelt wird. Im Mittelpunkt steht dabei eine scheinbar perfekte Vorzeigefamilie, die in Baltimore ein harmonisches und beschauliches Vorstadtleben führt. Aber der Schein trügt ganz gewaltig, denn gerade die Übermutter Beverly entpuppt sich relativ schnell als eiskalte Serienmörderin, die ihre Mitmenschen schon wegen geringster Verfehlungen unsanft über den Jordan befördert. Kathleen Turner ist die absolut ideale Besetzung für diese Rolle und die gute Frau kommt dermaßen überzeugend und spielfreudig daher, das es eine wahre Pracht ist. Es scheint ihr ein fast schon diebisches Vergnügen zu bereiten die eiskalte Psychopathin zu spielen, die ohne mit der Wimper zu zucken zu den unterschiedlichsten Mordwerkzeugen zu greifen, um diverse Nachbarn ihres Lebens zu berauben. Was sich hier viel eher wie ein spannender Psychothriller anhört ist aber in Wahrheit eine wirklich rabenschwarze Komödie, in der es vor Sarkasmus, Witz und zynischen Spitzen nur so wimmelt.

Obwohl allein schon die flott erzählte und spannende Story eine Sichtung wert ist, wird alles von dem überragenden Schauspiel der Hauptdarstellerin in den Schatten gestellt. Turner brilliert in ihrer Rolle und wenn man es nicht besser wüsste könnte man fast glauben, das sie sich an dieser Stelle selbst darstellt. Aber auch die anderen Darsteller machen ihre Sache absolut perfekt, denn "Serial Mom" ist bis in die kleinste Nebenrolle nahezu perfekt besetzt. Besonders stechen allerdings die Familienmitglieder hervor und in dieser Beziehung ist es völlig egal,ob es sich um den gutmütigen Ehemann, den geschäftstüchtigen Sohn, oder die liebeshungrige Tochter handelt. Waters hat für seine Produktion eine richtig tolle Darsteller-Riege um sich versammelt und jeder einzelne trägt zum hervor stechenden Gesamteindruck bei, den dieser Film beim Betrachter hinterlässt.

Die Geschehnisse werden größtenteils völlig überspitzt dargestellt und mit jeder Menge bitter-bösem Sarkasmus untermalt. Zwischendurch wird auch immer wieder unverhohlener Zynismus eingestreut, der insbesondere in der Gerichtsverhandlung am Ende des Filmes verstärkt in den Vordergrund gerückt wird. Das Ganze wurde dabei mit einem unvergleichbaren Charme in Szene gesetzt, das selbst die "Serial Mom" unheimlich hohe Sympathiewerte auf sich vereinigen kann. Die gesamte Geschichte macht trotz ihrere durchaus ernsten Serienkiller-Thematik einfach nur riesigen Spaß, was wiederum in erster Linie der überragenden Kathleen Turner zu verdanken ist. Wenn man sieht mit welcher Selbstverständlichkeit Frau Turner ihre Taten vor sich selbst rechtfertigt treten einem teilweise die Tränen in die Augen, denn ihre Motive für die einzelnen Morde spotten im Prinzip jeder Beschreibung. Da wird nämlich nicht aus Rache oder Leidenschaft gemordet, vielmehr sind die Gründe eher im banalen Bereich zu suchen. Opfer kann nämlich so gut wie jeder werden, der einfach nur gegen die Vorstellung einer heilen Welt verstößt. Die gute Beverly hat nämlich eine ganz genaue Vorstellung davon wie sich jeder zu benehmen hat und wer seinen Müll nicht trennt oder die Video-Cassetten vor der Rückgabe in der Videothek nicht zurück spult, kann durchaus ein jähes Ende finden.

Letztendlich ist "Serial Mom" nichts anderes als ein bitter-böser Seitenhieb gegen die oft gebrauchte amerikanische Vorstadt-Idylle und gewährt dem Betrachter einen tiefen Einblick hinter die heile Fassade. John Waters hat sein Szenario dabei ganz bewusst völlig überspitzt ins Bild gesetzt, was diesem Film seinen unvergleichlichen Charme verleiht. Grandios aufspielende Akteure und eine alles überragende Hauptdarstellerin sind der Garant für ein unglaublich kurzweiliges Filmerlebnis, das man ganz bestimmt nicht so schnell vergisst. An vielen Stellen wirkt das Ganze sogar äußerst makaber, was in erster Linie in den Passagen rund um die Gerichtsverhandlung erstklassig zur Geltung kommt. Da werden beispielsweise die Taten der Mutter von ihren Kindern vermarktet, wobei sich der Sohn als besonders geschäftstüchtig erweist. Es wird über Filmrechte verhandelt, T-Shirts werden verkauft und zudem entwickelt sich rund um "Serial Mom" ein regelrechter Hype, der durch unzählige Fans der Serienmörderin unterstützt wird. Obwohl dieser Umstand völlig überzogen dargestellt wird präsentiert sich gleichzeitig ein visueller Tiefschlag gegen die Gesellschaft an sich, denn die sozialkritische Note dieser Produktion ist definitiv unübersehbar. Wie dem auch sei, "Serial Mom" ist eine rabenschwarze Komödie, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient.


Fazit:


John Waters hat mit "Serial Mom" einen echten Klassiker im Bereich der schwarzen Komödien kreiert, den man sich auch nach über zwei Jahrzehnten immer wieder gut anschauen kann. Tolle Schauspieler, jede Menge Humor und eine brillant agierende Kathleen Turner machen dieses Werk zu einem echten Erlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte.


10/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 14. Okt 2017 14:03

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Tanz der Teufel II
(Evil Dead II)
mit Bruce Campbell, Sarah Berry, Dan Hicks, Kassie Wesley DePaiva, Ted Raimi, Denise Bixler, Richard Domeier, John Peakes, Lou Hancock, Snowy Winters, Sol Abrams, Josh Becker, Scott Spiegel, Thomas Kidd
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Sam Raimi / Scott Spiegel
Kamera: Peter Deming
Musik: Joseph LoDuca
SPIO/JK
USA / 1987

Der Student Ash verbringt mit seiner Freundin Linda ein Wochenende in einem abgelegenen Holzhaus. Durch Zufall finden die beiden ein Tonband des Besitzers der Hütte, dem Archäologen Professor Knowby. Ash legt das Band ein - ein folgenschwerer Fehler! Der Professor hat darauf Verse aus dem sagenumwobenen "Buch des Todes" aufgenommen, die das Böse heraufbeschwören: Der Tanz der Teufel beginnt! Unheimliche Wesen dringen in Ashs Körper ein und zwingen ihn, seine Freundin zu töten. Wieder bei Bewustsein erkennt Ash seinen einzigen Rettungsweg: Er muss die Brücke über der großen Schlucht überqueren. Doch diese ist völlig zerstört...


Sechs lange Jahre lang mussten sich seinerzeit die Fans gedulden, bis Sam Raimi 1987 endlich den zweiten Teil der Tanz der Teufel Trilogie folgen ließ. Das Warten hatte sich aber durchaus gelohnt, denn auch wenn der Nachfolger nicht ganz die Klasse des brillanten Erstlings erreichen konnte, bekam man immer noch einen weit überdurchschnittlich guten Horrorfilm präsentiert. Rein inhaltlich beinhaltet "Tanz der Teufel 2" sehr viele Parallelen zum Vorgänger, wobei an manchen Stellen sogar fast schon das Gefühl aufkommt, das es sich um eine 1:1 Kopie handelt. Dieser Schein ist dann aber doch ein wenig trügerisch, denn obwohl der Schauplatz der gleiche ist, hat Raimi mehrere Unterschiede in die Geschichte eingebaut. Am gravierendsten erscheint dabei sicherlich der Umstand, das dieser Teil ganz eindeutig in die Richtung einer Horrorkomödie tendiert, denn der schwarzhumorige Anteil der Geschehnisse ist nur äußerst schwerlich zu übersehen. Witzige Dialoge und jede Menge skurriler Situationskomik stehen hier auf der Tagesordnung, wobei der Kampf der sympathischen Hauptfigur Ash gegen seine abgetrennte Hand wohl das absolute Highlight darstellen dürfte. Wirkte "Tanz der Teufel" noch extrem ernst und bedrohlich, so ist die vorliegende Story vielmehr auf ein wenig Klamauk ausgelegt, was sich im abschließenden dritten Teil der Reihe "Die Armee der Finsternis) ja später noch eindrucksvoll fortsetzen soll. Man merkt das auch ziemlich stark bei den vorhandenen Effekten, denn auch wenn diese aus heutiger Sicht eh schon ein wenig skurril erscheinen, wurden sie zudem auch noch ziemlich überspitzt in Szene gesetzt. Als Paradebeispiel dafür dürfte insbesondere die Einstellung gelten, in der das kopflose Skelett von Linda auf den abgetrennten Kopf trifft, um sich wieder mit diesem zu vereinen.

Bruce Campbell agiert einmal mehr absolut großartig und drückt auch diesem Film seinen ganz persönlichen Stempel auf, wohingegen die anderen Darsteller eher ein wenig blass erscheinen und neben dem Hauptdarsteller ein wenig untergehen. Was bei diesem Teil ein wenig zu kurz kommt ist in meinen Augen ganz eindeutig eine bedrohliche Atmosphäre, was ganz sicher dem stark humorigen Einfluss geschuldet ist. Nach einer neuerlichen Sichtung musste ich feststellen, das "Tanz der Teufel 2" aus heutiger Sicht ein wenig von seinem Reiz verloren hat und nicht mehr so ganz den großen Charme versprüht, wie es noch vor 30 Jahren der Fall war. Darin liegt auch der eklatanteste Unterschied zum ersten Teil, der ganz einfach viel besser gealtert ist. Das ist selbstverständlich rein subjektiv und wie schon kurz erwähnt, handelt es sich hierbei um Kritik auf einem relativ hohen Niveau.

Auch beim Härtegrad kann das Werk keinesfalls mit dem Meisterwerk aus dem Jahr 1981 mithalten, denn Raimi hat sich in dieser Beziehung doch eher etwas bedeckt gehalten. Zwar gibt es auch diverse etwas härtere Passagen zu sehen, doch viele Einstellungen werden auch nur angedeutet, oder sind in einer Art Schattenspiel zu erahnen. Das wertet den Film keinesfalls ab, nur wird dieser Aspekt vor allem bei einer aneinander gereihten Sichtung der gesamten Trilogie besonders auffällig. Aber nun gut, dafür bekommt der Zuschauer definitiv eine Menge an Horror-Spaß geboten, was bei "Tanz der Teufel" trotz einiger gegenteiliger Meinungen definitiv nicht der Fall war. Sam Raimi schlägt mit diesem Mittelteil also ganz eindeutig den witzigen Weg ein und serviert dabei eine Geschichte, die äußerst viele Ähnlichkeiten zum Vorgänger aufzuweisen hat. Daran können auch mehrere neue Zutaten nichts ändern, denn in großen Teilen überkommt einen schon der Eindruck, das es sich hier um "Tanz der Teufel 2.0" in lustig handelt.

Im Endeffekt kommt der Film keinesfalls an die Klasse des brillanten Originals heran, bei dem es sich auch immerhin um einen der besten Horrorfilme aller Zeiten handelt. Dennoch ist es immer noch ein sehr gelungener Genrebeitrag, der aber meiner persönlichen Meinung nach trotzdem der schwächste Teil der Trilogie ist. Das ist natürlich Geschmackssache und das ist auch gut so, denn es wäre doch ziemlich bedauerlich, wenn wir alle einer Meinung wären. Und so handelt es sich trotz der angesprochenen Mankos um einen unverzichtbaren Beitrag des Genres und immerhin kann der sympathische Bruce Campbell in seiner Paraderolle auch so manches Defizit übertünchen.


Fazit:


Im Gegensatz zu "Tanz der Teufel" versprüht dieser Nachfolger nicht mehr so ganz den Glanz vergangener Tage, bietet aber dennoch immer noch erstklassige Horror-Unterhaltung. Kurzweil und so mancher Lacher sind garantiert, dafür mangelt es allerdings etwas an Spannung und Bedrohlichkeit. In meiner internen Rangliste der Trilogie landet "Tanz der Teufel 2" aber leider nur auf dem dritten Platz, was aber auch wie immer im Auge des Betrachters liegt.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 23. Okt 2017 14:18

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Snake Eater
(Snake Eater)
mit Lorenzo Lamas, Josie Bell, Robert Scott, Ronnie Hawkins, Cheryl Jeans, Larry Csonka, Ben DiGregorio, Mowava Pryor, Bob Piedalve, Barry Minshull, Matthew Mabe
Regie: George Erschbamer
Drehbuch: Michael Paseornek / John Dunning
Kamera: Glen MacPherson
Musik: John Massari
ungeprüft
Kanada / USA / 1989

Eine Schar wahnsinniger Freaks überfällt eine ahnungslose Urlaubsfamilie. Sie töten die Eltern und entführen die junge Jennifer, die Schwester… Jack Hellys. Jack, genannt Soldier, war einst ein Mitglied der gefürchteten "Snake Eater", der Schlangenfresser. Sie waren das am besten ausgebildete Marinecorps der US-Army, tödliche Kampfmaschinen. Diese Männer zum Feind zu haben, gleicht einem Todesurteil. Und einer dieser Elitekämpfer macht sich auf den Weg. Gefährlich wie ein Bluthund und blind vor Rache folgt er den Entführern seiner Schwester in die unendlichen Wälder...


In den 80er Jahren hatte der B-Actionfilm absolute Hochkonjunktur und brachte dabei so manchem Mimen jede Menge Lorbeeren ein. Ikonen wie Steven Seagal, Jean-Claude Van Damme oder auch Chuck Norris waren die Gesichter des Genres und versammelten eine riesige Fan-Gemeinde um sich. Etwas anders verhielt es sich bei Vielfilmer Lorenzo Lames der mit seinen Actionfilmen zwar nie zur ersten Kategorie zählte, sich aber dennoch einer gewissen Beliebtheit erfreute. Nach einigen eher unbekannten Filmen und etlichen Serienrollen war der vorliegende Beitrag "Snake Eater" einer seiner ersten und bekanntesten Genre-Filme, der auch gleichzeitig den ersten Teil einer Trilogie darstellt. Regisseur George Erschbamer setzt bei seiner Erzählung auf das nur zu gern verwendete Rachemotiv und möchte seine Hauptfigur nur zu gern als tödliche Kampfmaschine darstellen. Dieser Versuch gelingt allerdings nur recht bedingt, denn ehrlich gesagt kann man Lamas den Ex-Elitesoldaten nur schwerlich abnehmen. Rein optisch gesehen erscheint er zwar geradezu perfekt für eine solche Rolle, jedoch scheitert das Vorhaben dann spätestens bei den kämpferischen Fähigkeiten des guten Mannes, die sich nämlich als äußerst eingeschränkt darstellen.

Damit ist man auch gleich beim größten Manko des Filmes, denn ganz generell fällt die vorhandene Action ziemlich bescheiden aus. Die enthaltenen Nahkämpfe wirken recht bieder und antiquiert, zudem ist die Geschichte auch nicht sonderlich mit entsprechenden Szenen ausgestattet. Für einen Actionfilm hält man sich in dieser Beziehung nämlich stark bedeckt und legt das Hauptaugenmerk vielmehr auf einen trashigen Anstrich des Szenarios, denn dieser ist beim besten Willen schwerlich zu übersehen. So ist Hautdarsteller Lamas zwar durchgehend sehr bemüht die coole Kampfmaschine darzustellen, nur wirkt das Ganze größtenteils eher aufgesetzt und stark gekünstelt. Zieht man hier einmal den Vergleich zu einem Seagal oder Van Damme zu dieser Zeit, dann liegen wirklich ganze Welten dazwischen. Nun zählen diese Herren ja bei den schauspielerischen Fähigkeiten auch nicht unbedingt zu den größten ihrer Zunft, waren jedoch auf das Genre bezogen nahezu der Inbegriff des kampferprobten Einzelkämpfers. Dieser Eindruck entsteht bei Lorenzo Lamas eher weniger, stattdessen agiert der gute Mann stellenweise ein wenig unbeholfen und staksig, was allerdings auch jederzeit auf den Rest der relativ unbeholfenen Darsteller-Riege zutrifft.

Insbesondere fällt dieser Aspekt bei den gegnerischen Hillbillies auf, die aber gerade aufgrund diverser darstellerischer Defizite eine Menge Charme versprühen. Bei ihren Auftritten steigt der Trash-Faktor enorm in die Höhe und sorgt so für jede Menge Kurzweil beim Betrachter. Unterhaltsam ist "Snake Eater" nämlich trotz etlicher filmischer Defizite auf jeden Fall, dafür sorgen allein schon die vielen dümmlichen Dialoge und extrem unlogische Verhaltensweisen der Protagonisten. Ob George Erschbamer ganz bewusst auf diese Schiene gesetzt hat entzieht sich meiner Kenntnis, allerdings passen diese Dinge ganz ausgezeichnet in das gewonnene Gesamtbild. Und dieses fällt trotz-oder gerade wegen der angesprochenen Mängel ziemlich gut aus, wenn man denn eine gewisse Vorliebe für trashige B-Actionkost sein Eigen nennt.

Letztendlich ist "Snake Eater" alles andere als ein Überflieger, dennoch dürfte sich der Film zumindest bei einer ganz bestimmten Zielgruppe einer großen Beliebtheit erfreuen. Mit etwas mehr ernst zu nehmenden Action-Passagen wäre weitaus mehr drin gewesen, aber auch in der vorliegenden Form kann man sich das Werk in regelmäßigen Abständen immer wieder gut anschauen. Man sollte das Szenario nur nicht zu ernst nehmen und von Beginn an mit der richtigen Erwartungshaltung an die Story heran gehen, dann wird man am Ende auch nicht enttäuscht. Warum der Film allerdings als ungeprüft eingestuft wurde ist absolut schleierhaft, denn wirklich hart geht es hier nicht zur Sache. Bis auf einige etwas blutigere Schießereien gibt es nichts zu sehen und das ist nach heutigen Maßstäben auf keinen Fall ausreichend, um diese hohe Einstufung irgendwie zu rechtfertigen.


Fazit:


Lorenzo Lamas war eigentlich nie die Action-Ikone die er gern sein wollte, aber dennoch sind seine Filme auf eine gewisse Art unterhaltsam. Das trifft auch auf diesen ersten Teil der "Snake Eater Trilogie" zu der trotz aller filmischer Defizite ind die Kategorie "Gute Laune Film" einzuordnen ist,


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 23. Okt 2017 17:18

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Die Glorreichen Sieben
(The Magnificent Seven)
mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D'Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Nic Pizzolatto / Richard Wenk / Akira Kurosawa
Kamera: Mauro Fiore
Musik: Simon Franglen / James Horner
FSK 16
USA / 2016

Das unscheinbare Dörfchen Rose Creek wird von dem Großindustriellen Bogue bedroht: Die Bewohner sollen die Gemeinde verlassen, damit er dort nach Belieben nach Gold schürfen kann. Wer sich ihm entgegenstellt, muss sterben. Weil sich die Bewohner nicht selbst verteidigen können, sucht die junge Witwe Emma Hilfe bei Revolerhelden. Der coole Kopfgeldjäger Sam Chrisolm versammelt sechs Desperados unterschiedlicher Hautfarben um sich und nimmt den Kampf gegen Bogue auf, mit dem er noch ein Hühnchen zu rupfen hat.


Bei angekündigten Remakes diverser Filmklassiker geht man als Liebhaber zuerst einmal ein wenig skeptisch an die Neuauflage heran und im Fall von "Die Glorreichen Sieben" verhält es sich damit auch nicht anders. Handelt es sich doch immerhin um die neue Interpretation eines der besten Western aller Zeiten, der seinerzeit im Jahr 1960 unter der Regie von John Sturges das Licht der Filmwelt erblickte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben sollte man dabei aber auch anmerken, das es sich schon bei Sturges Meisterwerk um ein Remake handelt, geht die Geschichte doch auf den Jahrhundertfilm "Die Sieben Samurai" von Akira Kurosawa aus dem Jahr 1954 zurück, so das es sich beim hier vorliegenden Werk nun also um die zweite Western-Variante der Thematik handelt. Mit Antoine Fuqua nahm ein Mann auf dem Regiestuhl Platz, der sich insbesondere im Action-Genre durch Beiträge wie "Shooter", "Olympus Has Fallen", oder auch "The Equalizer" einen Namen gemacht hat und so konnte man sich schon im Vorfeld denken, das die Neuauflage der "Magnificent Seven" sich durchaus sehr unterhaltsam und actionlastig gestalten könnte. Das diese Vorahnung sich dann auch bewahrheitet ist keine wirkliche Überraschung, denn in den knapp über zwei Stunden Laufzeit bekommt man eine ganze Menge geboten. Den absoluten Höhepunkt dürfte dabei der finale Kampf um die kleine Stadt Rose Creek darstellen, denn dieser Showdown zieht sich immerhin über gut 30 Minuten hin, in denen man auch nicht eine einzige Sekunde Langeweile verspürt. In Sachen Action wird hier nämlich eher geklotzt als gekleckert, worin wohl auch einer der gravierendsten Unterschiede zum Film von 1960 bestehen dürfte. Der geneigte Action-Fan wird also bestens bedient und dürfte voll auf seine Kosten kommen, aber dennoch erreicht die neue Version zu keiner Zeit die hohe Klasse des Filmes von John Sturges.

Dabei sollte man allerdings fairerweise erwähnen, das es sich trotzdem um einen erstklassigen Western handelt der ohne Weiteres als bestes amerikanisches Popcorn-Kino zu bezeichnen ist, denn rein vom Unterhaltungswert her betrachtet ist "Die Glorreichen Sieben" ein echter Überflieger. Das täuscht aber keinesfalls darüber hinweg, das der Film auch diverse Schwächen enthält, was sich insbesondere in der Beleuchtung der einzelnen Figuren niederschlägt. Wurden gerade die Hauptfiguren 1950 noch ausführlich skizziert, so kocht Fuqua in diesem Punkt doch eher auf Sparflamme. So werden beispielsweise die Beweggründe der sieben Haudegen kaum sichtbar warum sie sich zu einem wahren Himmelfahrtskommando bereit erklären. Lediglich ganz am Ende des Filmes bekommt man die echten Motive des Anführers Sam Chrisolm präsentiert, wohingegen die Hintergründe der anderen Mitstreiter im Dunkeln bleiben. Dadurch wirkt der Zusammenschluss der Gruppe auch ein wenig willkürlich und dieser Umstand verleiht dem ganzen dann auch nicht unbedingt einen glaubwürdigen Anstrich. Sturges hatte diesen Aspekt seinerzeit viel besser heraus gearbeitet und seiner Geschichte somit auch erheblich mehr Tiefgang verliehen, den man innerhalb der Neuauflage aber zu keiner Zeit verspüren kann.

Der Cast an sich ist im Prinzip sehr gut, wobei meiner Meinung nach Denzel Washington und Vincent D'Onofrio besonders hervor stechen. Ethan Hawke hingegen bleibt ein wenig blass und auch die anderen Akteure können sich nicht sonderlich in den Vordergrund spielen. Das ah 1960 noch ganz anders aus, wobei ein direkter Vergleich der beiden Darsteller-Riegen aber auch ein bisschen unfair erscheint. Haben sich doch damals Leute wie Yul Brinner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, oder auch Robert Vaughn ein Stelldichein gegeben, was selbstverständlich nur äußerst schwer zu toppen ist. Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen, die Protagonisten leisten hier wirklich gute Arbeit und die einzelnen Rollen sind richtig gut besetzt, aber gegen einen solchen Traum-Cast wie damals kann man im Prinzip nur verlieren.

Wie dem auch sei, in der Summe hat Antoine Fuqua richtig gute Arbeit abgeliefert, die sich allerdings hauptsächlich auf den reinen Unterhaltungswert fokussiert. Die Action steht ganz eindeutig im Vordergrund und das wird wohl insbesondere die jüngere Generation hoch erfreuen. In der filmischen Gesamtbetrachtung kann die neue Variante allerdings nicht annähernd mit Sturges Beitrag mithalten, denn dafür mangelt es dem Szenario an der nötigen Tiefe. Ich hatte jedoch weitaus Schlimmeres erwartet und bin deswegen eher positiv überrascht, denn "Die Glorreichen Sieben" aus dem Jahr 2016 bieten höchstwahrscheinlich genau das, was man in der heutigen Zeit aus Hollywood erwarten darf. Ein Remake vom Remake das den heutigen Ansprüchen angepasst wurde und mit jeder Menge Action ausgestattet wurde, dafür jedoch inhaltliche Defizite erkennen lässt, die man keinesfalls übersehen kann.


Fazit:


Popcorn-Kino von der besten Sorte, nicht mehr und nicht weniger stellt die Neuauflage eines Western-Klassikers dar. Es knallt an allen Ecken und Enden, was aber ein wenig auf Kosten der inhaltlichen Tiefe und der Figurenzeichnungen geht. Das muss man dann wohl in Kauf nehmen und sich einzig und allein auf den Unterhaltungswert konzentrieren, denn dieser ist nun wirklich äußerst hoch angesiedelt.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 6. Nov 2017 14:13

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Die Mumie
(The Mummy)
mit Tom Cruise, Russell Crowe, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Marwan Kenzari, Simon Atherton, Stephen Thompson, James Arama, Matthew Wilkas
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: David Koepp / Christopher McQuarrie
Kamera: Ben Seresin
Musik: Brian Tyler
FSK 12
China / Japan / USA / 2017

In Ägypten stoßen Abenteurer Nick Morton und sein Freund Vail auf eine unterirdische Kammer, in der sich die sterblichen Überreste von Prinzessin Ahmanet befinden. Vor 2000 Jahren war ihr Blutdurst so groß gewesen, dass man sie bei lebendigem Leibe mumifiziert hatte. Nun will sie mit Hilfe von Nick ihre alten Mächte wieder zurück erlangen. Während sie sich in London an die Arbeit macht, wird Nick von Van Helsing vor ihren Plänen gewarnt und er versucht, Ahmanet mit Hilfe der Forscherin Jenny Halsey zu stoppen.


Ob es sich beim vorliegenden Film nun um ein weiteres Remake des Klassikers aus dem Jahr 1932 handelt oder auch nicht, darüber dürften die Meinungen wohl ziemlich auseinander gehen. Sicherlich deuten der Filmtitel und diverse kleinere Anlehnungen durchaus darauf hin, aber letztendlich sollte man die 2017 er Verfilmung ganz eindeutig als eigenständiges Werk ansehen. Die Betrachtungsweise spielt aber im Endeffekt auch keine allzu große Rolle, denn die Geschichte von Regisseur Alex Kurtzman dient lediglich dazu, den Zuschauer zumindest größtenteils recht kurzweilig zu unterhalten. Mehr darf und sollte man nämlich auf keinen Fall erwarten, handelt es sich doch um ein weiteres nur allzu typisches Produkt aus Hollywood, das keinerlei nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Wer nun eventuell sogar einen Horrorfilm erwartet sollte diese Hoffnung noch vor der Sichtung fahren lassen, vielmehr offenbart sich ein eher belangloser und anspruchsloser Mix aus Action und Fantasy. Zwar gestaltet sich das Ganze zugegebenermaßen recht temporeich und beinhaltet auch so manche sehenswerte Action-Passage, dafür mangelt es dem Szenario jedoch an jeglicher Atmosphäre, die in weiten Teilen noch nicht einmal ansatzweise zum Vorschein kommt.

Trotz mehrerer visuell düster gehaltener Sequenzen will sich so gar kein Gefühl des Grusels einstellen, stattdessen kommt die gesamte Chose äußerst weich gespült daher und verkommt in ihrer eigenen Belanglosigkeit. Es ist ja schön und gut wenn man einen Film zeitgemäß neu interpretiert, aber zumindest sollte doch ein wenig Flair vorhanden sein. Dieses fehlt allerdings gänzlich und so präsentiert sich "Die Mumie" letztendlich als ein weiterer eher überflüssiger und künstlich aufgeblähter Blockbuster, der vollkommen seelenlos und absolut lieblos abgekurbelt wurde. Das geschätzte Budget von gut 125.000.000 $ hätte man dabei weitaus besser einsetzen können, denn die enthaltenen Effekte hauen den Betrachter auch nicht unbedingt vom Hocker. Am meisten stört allerdings die manchmal unfreiwillig komische Note der Erzählung, was allein schon bei den Namen der Protagonisten anfängt. So schwirren beispielsweise die Namen Van Helsing und Dr. Jekyll im Raum herum, wobei Letzterer dem alten Haudegen Russell Crowe zugedacht wurde. Auch in den teils dümmlichen Dialogen macht sich stellenweise eine unfreiwillige Komik bemerkbar, was so ganz und gar nicht in die Story hinein passt und viel eher völlig fehl am Platz erscheint.

Ist die Geschichte schon relativ dünn gestrickt und lässt nicht sonderlich viel Substanz erkennen, so passen sich auch die Darsteller dem mittelmäßigen Gesamteindruck an. Selbst ein ansonsten fast immer überzeugender Tom Cruise agiert seltsam lustlos und die ihm zur Seite stehenden Kollegen bleiben durch die Bank vollkommen blass und wirken an etlichen Stellen sogar völlig unmotiviert. Andererseits passt man sich damit aber perfekt dem gesamten Film an, der jeglichen Esprit und etwaige Innovation total vermissen lässt. Es ist schon erschreckend mit welcher Lieblosigkeit Hollywood in der heutigen Zeit seine Filme fertigt, da wünscht man sich doch so manches Mal die guten, alten Zeiten zurück. Der heutige Blockbuster wird nur noch auf den schnell zu verdienenden Dollar ausgerichtet und muss dabei auf die breite Masse zugeschnitten sein. Dafür verzichtet man dann auch gern einmal auf wichtige Zutaten wie Spannung und Atmosphäre, wodurch auch der vorliegende Film zu einem Produkt verkommt, das nicht sonderlich in Erinnerung bleiben wird.

"Die Mumie" ist auf keinen Fall ein totaler Rohrkrepierer, zählt aber auch keinesfalls zu den Filmen über die man noch in Jahren sprechen wird. Es handelt sich stattdessen um das typische und völlig seelenlose Popcorn-Kino aus Amerikas Traumfabrik, wie man es heutzutage nur allzu oft vorgesetzt bekommt. Es mag eventuell auch daran liegen, das mit Alex Kurtzman ein eher unbekannter Regisseur am Werk war, denn echtes Talent lässt sich in seiner Geschichte nicht wirklich erkennen. Wie dem aber auch sei, zum kurzweiligen Zeitvertreib eignet sich diese Produktion durchaus, höhere Ansprüche sollte man aber auf keinen Fall hegen.


Fazit:


Was waren das noch für Zeiten, als ein grandioser Boris Karloff dem Universal-Klassiker von 1932 seinen einzigartigen Stempel aufdrückte. Und auch das Remake von 1999 ist noch um mindestens zwei Klassen besser als die Version von 2017. Übrig bleibt am Ende ein Film ohne Seele der im breiten Mittelmaß versinkt und keinesfalls nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers hängen bleibt.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 7. Nov 2017 14:08

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Bite
(Bite)
mit Elma Begovic, Annette Wozniak, Denise Yuen, Jordan Gray, Lawrene Denkers, Barry Birnberg, Daniel Klimitz, Tianna Nori, Caroline Palmer, Justin Moses
Regie: Chad Archibald
Drehbuch: Chad Archibald / Jayme Laforest
Kamera: Jeff Maher
Musik: Steph Copeland
keine Jugendfreigabe
Kanada / 2015

Die hübsche Casey steht kurz vor ihrer Hochzeit und will ihre letzten Tage „in Freiheit“ nochmal richtig abfeiern. Bei einem kleinen Kurzurlaub mit ihren besten Freundinnen, lassen sie es krachen. Cocktails, Sonne, Strand und Jungs, das wollen die Freundinnen. Als Casey plötzlich beim Baden von einem Tier gebissen wird, verwandelt sich ihr eigentlich so glückliches Leben in einen Alptraum: Für Casey beginnt eine erschreckende Transformation in ein gefährliches, insektenähnliches Wesen...


Auf der Rückseite des deutschen Blu-ray Covers wird dieser Beitrag von Chad Archibald regelrecht mit Lobeshymnen überhäuft und auch in den bisher veröffentlichten Kritiken kommt "Bite" ziemlich gut weg. Als Liebhaber des berühmt-berüchtigten Body-Horrors kann man im Prinzip nur in das gleiche Horn stoßen, denn was sich dem Zuschauer hier präsentiert, ist an Ekel-Faktor und Schleimigkeit nur schwer zu überbieten. In bester Tradition eines David Cronenberg werden sämtliche Register gezogen und ehrlich gesagt könnte die Geschichte auch ohne Weiteres aus der Feder des kanadischen Kult-Regisseurs stammen. Dabei beginnt die Chose eher belanglos und eröffnet zunächst den Einblick in den Jungesellinnen-Urlaub, bei dem die junge Casey kurz vor ihrer geplanten Hochzeit noch einmal richtig die Sau raus lassen will. Diese ersten Minuten sind im gewöhnungsbedürftigen Found Footage Look gefilmt, wobei das Szenario danach dann die gewohnte Optik eines typischen B-Movies an den Tag legt. Zunächst baut Archibald seine Erzählung noch ziemlich ruhig auf und wägt den Betrachter so auch in einer eher trügerischen Sicherheit. Der eigentliche Horror entfaltet sich nur langsam und subtil, was dem Geschehen insgesamt aber sehr zu Gute kommt. Nach und nach verändert sich Casey immer mehr und es werden wirklich sämtliche Zutaten verwendet, die das Sub-Genre des Body-Horrors so absolut sehenswert machen. Eitrige Pusteln, jede Menge ekliger Schleim und noch diverse andere Dinge sorgen dafür, das man sich selbst nicht unbedingt wohl in der eigenen Haut fühlt.

Das Schöne an der Sache ist, das man auf künstliche CGI-Effekte verzichtet hat und Archibald viel lieber auf von Hand gemachte Effekte zurück greift. Das sorgt schon einmal für einige Pluspunkte, zudem passt es auch viel besser in die offensichtlich eher kostengünstige Produktion. Alles wirkt gut aufeinander abgestimmt und die einzelnen Komponenten der Erzählung greifen nahezu perfekt ineinander. Nach der etwas ruhigeren Einführung legt das Szenario mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Intensität zu und entfaltet dabei eine äußerst bedrohliche Atmosphäre. Die Abläufe gehen einem dabei im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut und lassen ein extrem starkes Gefühl der Beklemmung entstehen. In visueller Hinsicht wurde das Ganze durchaus ansprechend in Szene gesetzt, allein schon der Blick in Casey's völlig voll geschleimte Wohnung jagt einem kalte Schauer über den Rücken. Hier ist man dann auch gleich am Hauptschauplatz der Ereignisse angelangt, denn ein Großteil des Filmes spielt sich in diesen vier Wänden ab.

Beim immer schlechteren Zustand der jungen Frau ist es allerdings auch kein Wunder das sie ihre Wohnung nicht mehr verlässt, denn insbesondere in der zweiten Filmhälfte nimmt der unaufhaltsame Zerfall des zierlichen Frauenkörpers immer heftigere Züge an. Fast im Minutentakt treten immer neue Veränderungen auf und aus der einst relativ hübschen Frau wird ein nicht näher zu beschreibendes Monster. Natürlich hat sich Mr. Archibald alle Mühe gegeben, diesen Prozess auch möglichst ekelhaft ins Bild zu setzen und dieses Vorhaben ist auch ganz vortrefflich gelungen. Man sollte sich "Bite" also nicht unbedingt während der Nahrungsaufnahme anschauen, denn dieser Film ist definitiv nicht für schwache Gemüter geeignet. Ein weiterer sehr wohlwollender Aspekt ist die Tatsache, das sich die Geschichte in vielen Passagen selbst nicht allzu ernst nimmt. Immer wieder erhascht man diverse Szenen bei denen man schmunzeln muss, wobei dieser Beitrag aber keinesfalls in die Richtung einer Horror-Komödie tendiert. Es sind vielmehr diverse schwarzhumorige Spitzen, die den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwerten.

Im Endeffekt dürfte "Bite" ganz sicher nicht das breite Mainstream-Publikum ansprechen, da der sogenannte Body-Horror doch viel eher für eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet ist. Diese dürfte dann allerdings voll auf ihre Kosten kommen, zudem Beiträge dieser Machart auch nicht gerade jede Woche auf dem Markt erscheinen. Wer also eine Vorliebe für Ekel, Schleim und körperlichen Zerfall hat ist hier an der genau richtigen Adresse, alle anderen werden wohl angewidert die Nase rümpfen. Auf jeden Fall bekommt man aber einen sehr gelungenen Genrebeitrag serviert der keine Wünsche offen lässt und dabei sämtliche Zutaten beinhaltet, die diese Kategorie des Horrorfilms so auszeichnen.


Fazit:


Chad Archibald hat sämtliche Register des Body-Horrors gezogen und alle Komponenten grandios miteinander vermischt. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen und bietet intensive und hauptsächlich eklige Filmkost, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Starke Anlehnungen an Werke von David Cronenberg sind dabei unübersehbar, wobei das sicher kein negativer Umstand ist.


7,5/10
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