Inside

Alexandre Aja und Co. setzen neue Maßstäbe

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Inside

Beitragvon horror1966 » 16. Sep 2017 18:43

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Inside
(À l'intérieur)
mit Béatrice Dalle, Alysson Paradis, Nathalie Roussel, François-Régis Marchasson, Jean-Baptiste Tabourin, Dominique Frot, Claude Lulé, Hyam Zeytoun, Tahar Rahim
Regie: Alexandre Bustillo / Julien Maury
Drehbuch: Julien Maury / Alexandre Bustillo
Kamera: Laurent Barès
Musik: François-Eudes Chanfrault
ungeprüft
Frankreich / 2007

4 Monate nach dem Autounfall, bei dem die schwangere Sarah (Alysson Paradis) ihren Ehemann Matthieu verloren hat, steht sie kurz vor der Entbindung ihres Kindes. Entgegen dem Rat ihrer Mutter (Nathalie Roussel) sucht die junge Frau die Einsamkeit ihrer Wohnung auf, um mit sich und ihrem Schmerz allein zu sein, als sich eine unbekannte Frau (Béatrice Dalle) dem Haus nähert und Einlass verlangt. Verängstigt ruft Sarah die Polizei, die aber nicht viel tun kann – ihre Hände sind durch die brutalen Ausschreitungen in den Banlieues gebunden. Kurz nachdem die Polizisten verschwunden sind taucht die unheimliche Frau erneut auf und verschafft sich Zugang ins Haus. Ihre brutale Gewalt lässt keinen Zweifel über ihre Intentionen: sie trachtet nach dem was in Sarahs Bauch gewachsen ist ...


Eines steht auf jeden Fall fest, dieser französische Schocker hinterlässt selbst in der um knapp 2 Minuten gekürzten deutschen Fassung einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Selbst nachdem der Film schon längst beendet ist sitzt man fassungslos vor dem Bildschirm und versucht, das eben Gesehene zu verarbeiten und sacken zu lassen. Das dieses Unterfangen gar nicht einmal so einfach ist, wird wohl Jeder verstehen der diesen Film schon gesehen hat. In der ungeschnittenen Fassung erscheint das Ganze dann natürlich in visueller Hinsicht noch weitaus brutaler, da der Härtegrad noch eine ganze Ecke höher angesiedelt ist. Ich möchte den Film nicht mit "High Tension" vergleichen, da die Thematik doch grundverschieden ist, aber von der Intensität her gesehen ähneln sich die beiden Filme doch sehr. "Inside" beginnt in der ersten halben Stunde eigentlich eher ruhig, ohne dabei jedoch auch nur eine Sekunde langweilig zu wirken, aber was danach alles passiert, ist doch nicht so leicht zu verdauen.

Von den meisten Leuten wird "Inside" immer viel zu sehr auf den visuellen Härtegrad reduziert, aber noch viel intensiver habe ich die psychische Härte die sich im Kopf des Betrachters abspielt empfunden. Wenn man sich in die Situation des schwangeren Opfers hineinzuversetzen versucht, dann kann einem schon ziemlich mulmig werden und man bekommt schweißnasse Hände. Der psychische Druck der sich entwickelt ist sehr schwer in Worte zu fassen, teilweise ist das Gefühl der Beklemmung das man als Zuschauer empfindet schier unerträglich. Man vergisst vollkommen das man einen Film sieht, sondern bekommt das Gefühl ein eher hilf - und machtloser Teil der Geschichte zu sein, der zum Nichtstun verurteilt ist und dem Geschehen seinen Lauf lassen muss. Dieser Umstand prägt zwangsläufig das eigene Sehverhalten und lastet durchgehend wie eine zentnerschwere Last auf den Schultern. Alexandre Bustillo und Julien Maury haben gleich mit ihrer ersten Regiearbeit ein waschechtes Brett hingelegt und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das "Inside" neben "High Tension" zu den absoluten Wegbereitern des neuzeitlichen, französischen Terror-Kinos zu zählen ist.

In Sachen Spannung und Atmosphäre ist hier beste Arbeit geleistet worden, die Grundstimmung ist extrem dicht und sehr bedrohlich, so das einem teilweise kalte Schauer über den Rücken laufen. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, das es einigen Frauen sehr schwer fallen könnte sich diesen Film anzuschauen, denn es ist schon sehr harte Kost die uns die Franzosen hier servieren. Nun kann man natürlich bei allen positiven Aspekten dennoch ein Haar in der Suppe finden und nicht gerade wenige Leute haben dies im Bezug auf die Logik der Abläufe ausgemacht. Sicherlich erscheinen nicht immer alle Geschehnisse plausibel, aber ehrlich gesagt sorgen manche der nicht immer ganz nachvollziehbaren Handlungsweisen einiger Protagonisten für zusätzliche Spannung und schaden dem insgesamt hervorragenden Gesamteindruck in keinster Weise. Während einer ersten Sichtung fallen einem manche Ungereimtheiten noch nicht einmal wirklich auf, denn viel zu sehr nimmt einen das grausig-brutale Szenario für sich ein und sondert dabei eine fast schon grausame Faszination aus, das man manche Logiklöcher nicht auf den ersten Blick wahr nimmt.

Letztendlich liegt es im Auge des jeweiligen Betrachters, aber "Inside" dürfte wohl ohne wenn und aber einer der härtesten und intensivsten Terrorfilme sein, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind. Nicht umsonst wird dieser Beitrag immer wieder zu den vier große Franzosen (High Tension, Inside, Martyrs, Frontiers) gezählt und hat sich ganz nebenbei in gewissen Kreisen schon längst einen wohl verdienten Kultstatus erarbeitet. Da kann man auch gut und gern einmal über die an manchen Stellen fehlende Logik hinweg sehen, denn für Liebhabers des Horrorfilms offenbart sich hier ein echtes Erlebnis. Bustillo und Maury haben genau die richtige Kombination aus visuellem und psychischem Horror gefunden und somit einen der meiner Meinung nach besten Beiträge der Neuzeit abgeliefert, der extrem starke Spuren beim Betrachter hinterlässt.


Fazit:


"Inside" ist eine Granate vor dem Herrn und schafft es dabei fast spielerisch, den Zuschauer immer wieder aufs Neue zu schockieren. Das mag nicht jedem gefallen, aber dieser Film ist ganz bestimmt auch nicht für zart besaitete Gemüter ins Leben gerufen worden. Freunde der harten Gangart werden jedenfalls bestens bedient und dürften mit einem bleibenden Eindruck belohnt werden.

10/10
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Re: Inside

Beitragvon OpFeRmEtZgEr » 17. Sep 2017 13:24

Immer wieder ein krasser und blutiger Horrorfilm!
Gehört in jede Sammlung!
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Re: Inside

Beitragvon dude-1984 » 17. Sep 2017 18:50

neben high tension mein 2. liebster franzman. schön hart und aufs wichtigste begrenzt.

8/10

ma abwarten wat dat ( zum scheitern verurteilte ) remake vone amis da erreichen will...
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Re: Inside

Beitragvon DriesVanHegen » 23. Sep 2017 13:55

Goregranate. Das Ding fetzt wirklich jeden Mutterbauch dahin.
Er nimmt sich zwar reichlich Zeit, um seine Figuren einzuführen, spickt die Phase aber mit reichlich Suspense und unheilvollen Kamerafahrten. Überhaupt kommt das kleine Häuschen unvorstellbar düster und beengt vor, was der ausweglosen Situation nur zu Gute kommt. Nach der Hälfte der Laufzeit wird dann der Blutzoll aber maximiert und Spannung weicht splattrigen Terror.
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