horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 12. Jul 2017 13:24

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Guardians of the Night
(Nochnye strazhi)
mit Ivan Yankovskiy, Leonid Yarmolnik, Lyubov Aksyonova, Sabina Akhmedova, Mikhail Evlanov, Ekaterina Volkova, Konstantin Adaev, Kristina Babushkina, Yuriy Vaksman
Regie: Emilis Velyvis
Drehbuch: Oleg Malovichko
Kamera: Aleksey Kupriyanov
Musik: keine Informationen
FSK 16
Russland / 2016

Pasha, ein Kurierfahrer, stolpert in einen Angriff auf die Vampirprinzessin Dana, mitten in Moskau. Durch einen Zufall und mit der Hilfe der plötzlich auftauchenden Vampirjäger um den mysteriösen Gamayun kann er sie retten. Seine Flucht führt ihn in eine Welt unmenschlicher, mächtiger Wesen. Werwölfe, Goblins und Vampire bekämpfen sich gnadenlos, in einem erbitternden Krieg. Unter der Führung Gamayuns beginnt der Kampf gegen die gefährlichen Kreaturen. Als Pasha seine eigenen, übernatürlichen Fähigkeiten entdeckt, wird ihm bewusst, dass ihn nicht nur der Zufall mit Dana verbindet...


Es ist schon eine nett zusammen geklaute Mischung aus diversen Filmen verschiedenster Genres, die Regisseur Emilis Velyvis mit seiner Produktion auf die Filmwelt los lässt. Dabei gestaltet sich das Ganze größtenteils durchaus unterhaltsam, wobei "Guardians of the Night" ganz eindeutig auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist, die hier sehr wohl auf ihre Kosten kommen sollte. Es handelt sich in erster Linie um eine Geschichte, in der die Genres Fantasy-und Horror aufeinander treffen, zudem wurde der Story auch noch ein wenig Action sowie eine Romanze einverleibt. So entsteht dann eine zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Mixtur aus "Twillight" und "Underworld", wobei sich auch noch Anleihen bei den "Men in Black" Filmen erkennen lassen. Wem das noch nicht ausreicht, der bekommt auch noch einige Action-Passagen a la "Matrix" mit geliefert, wobei die Qualität der vorhandenen Szenen aber keinesfalls so hoch angesiedelt ist wie in der Wachowski - Trilogie.

Das Gesamtbild der enthaltenen Zutaten ist gar nicht einmal so schlecht und "Guardians of the Night" schafft es zumindest, den Zuschauer über weite Teile bei Laune zu halten. Dafür fehlt es allerdings etwas an innovativen Ideen, denn aufgrund der Anleihen bei den genannten Vorbildern gibt es nicht wirklich was Neues zu entdecken. Wenn einen das nicht stört ist man bei dieser Produktion recht gut aufgehoben und wird zumindest mit einem kurzweiligen Film konfrontiert, der allerdings nur in wenigen Phasen etwas spektakulärer daher kommt. Inhaltliche Tiefe oder viel Substanz sollte man keinesfalls erwarten, denn dafür ist diese krude Genremischung definitiv nicht ausgelegt.

Die Darsteller agieren solide, ohne das sich jemand besonders in den Vordergrund spielen würde. Es wird gutes Mittelmaß geboten und das passt dann irgendwie auch nahezu zum gewonnenen Gesamtbild dieser russischen Produktion, aus der man meiner Meinung nach mehr hätte heraus holen können. Dafür ist der Film aber insgesamt viel zu sehr auf das breite und vor allem junge Mainstream Publikum ausgerichtet und gestaltet sich auch dementsprechend weich gespült. Dennoch können auch ältere Semester einmal einen Blick riskieren, denn man ist schon oft genug viel schlechter unterhalten worden.

Einen allzu nachhaltigen Eindruck dürfte Velyvis's Werk jedoch nicht im Gedächtnis hinterlassen, denn die relativ seichte Erzählung beinhaltet keinerlei echte Höhepunkte. Aus diesem Grund kann man dann letztendlich nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen, denn bei eingefleischten Genre Fans dürfte "Guardians of the Night wohl auf geringe Begeisterung stoßen.


Fazit:


"Guardians of the Night" ist eine ganz nette Kombination aus verschiedenen Genres, dürfte aber im Endeffekt lediglich für eine einmalige Sichtung taugen. Die Umsetzung des Ganzen ist dabei ziemlich eindeutig auf die jüngere Generation zugeschnitten, so das sich der Spaß bei den etwas älteren Herrschaften sicherlich in Grenzen halten dürfte.


5/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Jul 2017 13:26

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Don't Hang Up
(Don't Hang Up)
mit Gregg Sulkin, Garrett Clayton, Bella Dayne, Sienna Guillory, Edward Killingback, Jack Brett Anderson, Robert Goodman, Michael Bodie, Philip Desmeules, Parker Sawyers, Alex Dee
Regie: Damien Macé / Alexis Wajsbrot
Drehbuch: Joe Johnson
Kamera: Nat Hill
Musik: Aleksi Aubry-Carlson
FSK 16
Großbritannien / 2016

Die jugendlichen Freunde Sam und Brady suchen sich wahllos Opfer für Telefonstreiche aus und stellen aus Spaß die Aufnahmen online, eventuelle Konsequenzen sind ihnen egal. Der Spieß wird umgedreht, als sie eines Abends einen Anruf entgegennehmen, der sich zunächst nach einem geschmacklosen Scherz anhört. Nach kurzer Zeit nimmt der vermeintliche Streich bedrohliche Züge an: Der anonyme Stalker scheint die Jungs genau zu kennen und bedroht deren Freunde und Familien, wenn sie nicht genau tun, was er ihnen sagt! Während sie fieberhaft nach einer Möglichkeit suchen, den Wahnsinnigen aufzuhalten, fordert sein krankes Spiel das erste Todesopfer, und der Abend hat erst begonnen …


Wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst hinein"


So simpel könnte man den vorliegenden Beitrag "Don't Hang Up" inhaltlich beschreiben, doch damit würde man dem Langfilmdebüt von Damien Macé und Alexis Wajsbrot keinesfalls gerecht werden. Die beiden haben hier nämlich einen Film kreiert, der zumindest im Bezug auf Suspense im oberen Drittel des Genres anzusiedeln ist. Dabei erscheint die Geschichte noch nicht einmal sonderlich innovativ, denn phasenweise kommt es einem so vor, als wenn man das Gesehene nicht zum ersten Mal vor Augen hat. Einmal mehr steht ein in Mode gekommenes Phänomen des Internets zur Geltung, denn bei ihrer Jagd nach Anerkennung und zweifelhaftem Ruhm spielen die beiden Freunde Sam und Brady ihren willkürlich ausgewählten Mitmenschen mitunter die übelsten Telefonstreiche. Dabei denken sie keinesfalls an mögliche Konsequenzen und schon gar nicht daran, das ihnen ihr Verhalten eventuell selbst einmal vor die Füße fällt. Genau das passiert hier aber und die beiden Regisseure dieser britischen Produktion haben das auch extrem spannend und bedrohlich in Szene gesetzt.

Dabei beginnt "Don't Hang Up" noch relativ harmlos und zeichnet in den ersten gut 20 Minuten erst einmal ein Bild der beiden Hauptfiguren, die dadurch beim Zuschauer nicht gerade viele Sympathiewerte erlangen können. Vielmehr tritt eher das Gegenteil ein und man ertappt sich immer mehr bei dem Gedanken, das man den beiden Freunden wünschen würde das sie ihr gedankenloses Handeln einmal am eigenen Leibe spüren würden. Nach der Einführung tritt dieser Fall dann auch ein, doch die dabei entstehende Wucht und Intensität hätte man nicht unbedingt erwartet. Das die folgenden Ereignisse auf simple Rache zurück zu führen sind ist zwar vorhersehbar, was aber auf keinen Fall etwas an der Tatsache ändert, das die Abläufe einem teilweise den Atem stocken lassen. Dies äußert sich nicht durch übermäßig harte Passagen, vielmehr entfaltet das Szenario eine stetig bedrohlicher in Erscheinung tretende Atmosphäre die sich ganz unweigerlich auch auf den Betrachter überträgt. Aus anfänglichem Spaß wird mit einem Mal tödlicher Ernst und die beiden ehemaligen Täter erfahren nun auf sehr schmerzliche Art und Weise wie es ist, wenn man selbst einmal in der Rolle des hilflosen Opfers ist. Macé und Wajsbrot setzen dabei zwar auf die typischen Zutaten des Genres, haben diese aber derart gut in Szene gesetzt, das man selbst durchgehend wie unter Strom steht und dabei selbst ein Teil des Geschehens wird. Zwar erscheint einem nicht immer alles vollkommen logisch und nachvollziehbar, doch dieser Umstand kann im vorliegenden Fall durchaus vernachlässigt werden.

Dennoch stellt man sich schon die Frage, wie der Stalker der beiden jungen Männer dazu in der Lage war diverse Dinge zu bewerkstelligen, um seinen perfiden Racheplan letztendlich auch in die Tat umsetzen zu können. Dieser Aspekt des Ganzen wird allerdings nicht wirklich beantwortet und viel eher der Interpretation des Zuschauers überlassen. Zwar könnte man diesen Punkt als Defizit auslegen, andererseits fällt es aber auch nicht sonderlich schwer, sich seinen eigenen Reim auf die Umstände zu machen. Zudem steht man viel zu sehr im Bann der bitter-bösen Ereignisse die auf die beiden Teenager herein brechen und am Ende in der totalen Tragödie enden. Der Weg dorthin ist mit teils atemloser Spannung regelrecht gepflastert und sorgt so für Genre Unterhaltung, die sich ohne Weiteres mit anderen erstklassigen Vertretern messen kann.

Auch wenn "Don't Hang Up" ganz sicher das Rad nicht neu erfindet, so handelt es sich doch um ein wirklich erstaunlich gutes Regie Debüt, das man sich auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen sollte. Thematisch gesehen schwingt sogar ein hauch von Sozialkritik mit, denn wenn man am Ende der Geschichte den Auslöser für den fiesen Racheplan präsentiert bekommt, dann wird man doch ein wenig nachdenklich. Gedankenlose Handlungen und Taten können nämlich durchaus Katastrophen auslösen und damit verbunden auch für Konsequenzen sorgen, die völlig außer Kontrolle geraten. So hält sich dann letztendlich auch das Mitleid für Sam und Brady in überschaubaren Grenzen, denn vom rein menschlichen Standpunkt aus gesehen kann man die Handlungen ihres Peinigers auf jeden Fall nachvollziehen.


Fazit:


"Don't Hang Up" ist in meinen Augen eine absolut positive Überraschung, denn in Sachen Spannung und Grundstimmung ist das Werk ganz weit oben anzusiedeln. Zudem beinhaltet die Story auch eine nicht unbedingt neu, aber sehr interessante Thematik, die zum Nachdenken anregt. Man sollte sich sehr wohl über eventuelle Konsequenzen eigener Handlungen bewusst sein und nicht völlig gedankenlos seine Zeit mit üblen Streichen vergeuden, die manchmal auch wie ein Boomerang den Weg zu einem zurück finden können.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 16. Jul 2017 13:00

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Eat Locals
(Eat Local)
mit Charlie Cox, Freema Agyeman, Mackenzie Crook, Tony Curran, Eve Myles, Nick Moran, Vincent Regan, Dexter Fletcher, Nicholas Rowe, Ruth Jones, Annette Crosbie, Ben Starr, Jordan Long
Regie: Jason Flemyng
Drehbuch: Danny King
Kamera: Chas Bain
Musik: James Seymour Brett
FSK 16
Großbritannien / 2016

Alle 50 Jahre treffen sich die Vampire Großbritanniens um über ihre Sorgen und Probleme zu diskutieren: Nahrungsvorräte, territoriale Ansprüche, neue Mitglieder. Trotz des abgelegenen Versammlungsortes bekommen die Vampire unverhofft Besuch: Sebastian fährt voller Erwartungen zu der verlassenen Farm, weil er sich eine aufregende Nacht mit der wunderschönen Vanessa erhofft. Doch er ist nicht der einzige ungebetene Gast. Auch eine Gruppe Vampirjäger hat von der Veranstaltung Wind bekommen. Die schwer bewaffnete Truppe liegt auf der Lauer, um die Blutsauger auszurotten. Als alle aufeinander treffen, ist das Chaos perfekt – und der Abend bis zum Tod ruiniert!


Am Beispiel des vorliegenden Filmes kann man hervorragend feststellen, in wie fern sich der Vampirfilm im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Gerade bei britischen Vertretern spuken einem doch immer noch die tollen Produktionen der berühmten Hammer Studios im Kopf herum, aber von diesen klassischen Werken ist "Eat Locals" so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Zumindest bekommt es der Zuschauer nicht mit einem weich gespülten Szenario a la "Twillight" zu tun, aber dennoch präsentiert sich hier zumindest ein sehr gewöhnungsbedürftiger Vertreter seiner Art. Regisseur Jason Flemyng war bisher eher durch diverse Nebenrollen als Darsteller bekannt und legt an dieser Stelle nun sein Debüt vor, mit dem er eine Vampirkomödie mit leichtem Action Einschlag präsentiert. Letzterer lässt sich allerdings hauptsächlich im letzten Drittel des Filmes erkennen, denn bis dahin sind bis auf kleinere Einstellungen keinerlei Wunderdinge zu erwarten. Ganz generell bleibt der eingefleischte Horror Fan eher ein wenig auf der Strecke, denn wer wirklich blutige Vampirkost erwarten sollte, könnte am Ende ein wenig enttäuscht sein.

Stattdessen wird man aber durch teils herrlich skurrile Situationskomik und diverse herzhaft bissige Dialoge entschädigt, wobei der enthaltene Humor vielleicht nicht jeden Geschmack treffen wird.. Es ist halt der typisch schwarze britische Humor, der streckenweise auch durchaus etwas tiefsinniger daher kommt. Das gefällt längst nicht jedem, doch meiner Meinung nach wurde hier die genau richtige Mixtur gefunden, um den Zuschauer gut bei Laune zu halten. Im Grunde genommen bietet "Eat Locals" einen äußerst angenehmen Filmspaß, dennoch kann das Werk aber nicht im vollen Maße überzeugen. Dafür fehlt es der Geschichte nämlich an echten Höhepunkten, die Jason Flemyng aber leider nicht mit eingebaut hat. So hätte man das Ganze ohne Weiteres mit etwas mehr Härte und Blut anreichern können, was im Zusammenspiel mit der teilweise skurrilen Situationskomik und den witzigen Wortwechseln ein noch besseres Gesamtbild ergeben hätte. Aber auch in der vorliegenden Form siedelt sich die Produktion oberhalb des normalen Durchschnittsbereichs an, wobei sie jedoch das vorhandene Potential nicht gänzlich ausschöpft.

Wie dem auch sei, "Eat Locals" wird ganz sicher seine Zielgruppe finden, denn im Grunde genommen wurde nicht allzu viel falsch gemacht. Wenn man überhaupt etwas so richtig kritisieren kann, dann ist es die doch größtenteils fehlende Horror Grundstimmung, die leider nur in vereinzelten Phasen durchscheint. Man sollte also von Beginn an mit der richtigen Erwartungshaltung an die Story heran gehen, denn "Eat Locals" ist auf keinen Fall der handelsübliche Vampirfilm, den man ohne Weiteres in die dafür vorgesehene Schublade stecken kann. Dieser Aspekt fällt sowohl positiv wie auch negativ ins Gewicht, denn bekommt man einerseits einen recht erfrischenden Film serviert, so lässt dieser andererseits manchmal zu sehr die altbekannten Zutaten außer acht. Es kommt also wie immer auf den ganz persönlichen Geschmack an und deswegen wird der Beitrag auch bestimmt die Meinungen spalten.

Letztendlich ist eine Sichtung allemal gerechtfertigt, allerdings wird dieser Vertreter nicht bei jedem einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dazu fehlt es ganz einfach an echten Highlights, die man in vielen Passagen sicher hätte einbauen können. Ansonsten verbreitet "Eat Locals" aber auf jeden Fall jede Menge Kurzweil, was allein schon durch das ziemlich flotte Tempo der Erzählung gewährleistet wird. Selbst in den dialoglastigen Sequenzen kommt keinerlei Langeweile auf und auch die Darsteller warten mit sehenswerten Leistungen auf. Am besten bildet man sich selbst ein Urteil, denn anschauen sollte man sich das Werk auf jeden Fall.


Fazit:


Für einen Regieerstling ist der Film wirklich gut gelungen, doch mit etwas mehr Gefühl für das Wesentliche hätte man noch viel mehr heraus holen können. Etwas mehr Action und einige blutige Szenen wären da sicher hilfreich gewesen und hätten in der Summe ein noch besseres Gesamtbild entstehen lassen.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Jul 2017 13:44

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Mean Dreams
(Mean Dreams)
mit Josh Wiggins, Sophie Nélisse, Joe Cobden, Bill Paxton, Vickie Papavs, Colm Feore, Ryan Blakely, George Buza, Tara Nicodemo, Mike McPhaden, Richard Waugh
Regie: Nathan Morlando
Drehbuch: Kevin Coughlin / Ryan Grassby
Kamera: Steve Cosens
Musik: Son Lux
FSK 16
Kanada / 2016

Jonas wächst im Hinterland auf einer Farm auf. Er ist ein anständiger Junge, den sein heißblütiges Temperament immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Als die schüchterne Casey mit ihrem Vater, dem bedrohlichen Polizisten Wayne, in die Nachbarschaft zieht, ist Jonas hin und weg. Er will sie vor ihrem Vater schützen und mit ihr fliehen. Seine Gelegenheit sieht er gekommen, als er Wayne bei einem korrupten Deal beobachtet und sich mit dem Geld aus dem Staub macht. Was nicht ohne Folgen für die beiden Liebenden bleibt.


Bei "Mean Dreams" handelt es sich um die zweite Regiearbeit von Nathan Morlando, der mit dieser Arbeit eine äußerst gelungene Kreuzung aus Teenager Drama und einem Thriller vorstellt. Hauptfiguren sind die beiden verliebten Teenies Jonas und Casey, die sich durch widrige Verhältnisse auf der Flucht vor Casey's Vater befinden. Dieser wird vom unlängst verstorbenen Bill Paxton dargestellt, der hier noch einmal ganz groß aufspielt und somit den Fans ganz sicher im Gedächtnis bleiben wird. Er verkörpert die Figur des Bad Cops und brutalen Vaters extrem gut und drückt dem Film damit gleichzeitig seinen ganz persönlichen Stempel auf. Aber auch die beiden jugendlichen Hauptdarsteller Josh Wiggins und Sophie Nélisse hinterlassen einen sehr guten Eindruck, so das man das Schauspiel ganz generell als eine der Stärken dieser Geschichte ausmachen kann. Desweiteren fallen dem Zuschauer die erstklassigen Landschaftsaufnahmen sofort ins Auge, die durch die sehr gekonnte Kameraführung immer wieder ausgezeichnet zur Geltung gebracht werden. Das herbstliche Ambiente des Szenarios passt hervorragend zur Situation der beiden Hauptfiguren, deren Leben ebenso von aufkommender Tristesse gezeichnet ist wie die Jahreszeit. Durch diesen Umstand schwingt dem Ganzen auch durchgehend ein leicht melancholischer Anstrich mit, der einem wie eine zentnerschwere Last auf den Schultern liegt. Man empfindet von Beginn an viel Sympathie für Jonas und Casey, wohingegen Paxton gleich nach wenigen Minuten den Kredit beim Betrachter verspielt.

Seine äußerst rohe und eiskalte Gangart löst Unbehagen aus und der exzellent auftrumpfende Mime tut alles Nötige, um diesen Eindruck auch durchgehend aufrecht zu erhalten. Morlando lässt sich gerade am Anfang viel Zeit, um einem die Hauptfiguren eindringlich näher zu bringen. Die dabei entstehenden Charakter Zeichnungen fallen ausführlich aus und so kann man sich ein gutes Bild vom Innenleben der einzelnen Personen machen. Das alles geschieht in einem eher gemäßigten Tempo, was aber keinesfalls als negativer Kritikpunkt anzusehen ist. "Mean Dreams" wartet nämlich durchaus mit gekonnten Tempowechseln auf, wobei aber insbesondere die überwiegend ruhigen Phasen des Filmes den größten Eindruck hinterlassen. Baut sich in ihnen doch ein Höchstmaß an Intensität auf und gleichzeitig geben sich immer wieder zwischenmenschliche Momente zu erkennen, die einen stellenweise sogar mit einer leichten Gänsehaut ausstatten. Für die emotional härteren und rohen Momente zeichnet dann in regelmäßigen Abständen Bill Paxton verantwortlich, der den nahezu perfekten Kontrast zu den beiden schüchternen Teenagern aufzeigt.

Dadurch ergibt sich eine äußerst gelungene Mixtur, die letztendlich ein herausragendes Gesamtbild an den Tag legt. "Mean Dreams" ist ganz einfach ein wunderschöner Film, der mit wundervollen Bildern nur so gespickt ist und eine richtig tolle Geschichte erzählt. Die Erzählweise mag sicherlich nicht jeden Geschmack treffen, denn das manchmal verschleppte Tempo dürfte wohl nicht jedem gefallen. Für diese Story ist aber gerade dieser Aspekt fast schon zwingend notwendig, denn nur so kann das Szenario seine volle Kraft entfalten. Und das geschieht hier definitiv, das Geschehen geht einem spürbar unter die Haut und zieht einen bis zum bitteren Ende völlig in seinen Bann. Die hier gefundene Mischung aus Drama, Tragödie und Thriller ist absolut brillant und verzaubert den Zuschauer in der Gesamtheit regelrecht.

Morlando hat mit "Mean Dreams" einen wirklich beeindruckenden und herausragenden Beitrag kreiert, der mit Bestimmtheit eine relativ große Zielgruppe ansprechen dürfte. Vor allem in der heute oft hektischen und blutigen Filmwelt ist es immer wieder schön, wenn ein solch ruhiger, aber dennoch äußerst intensiver Genremix präsentiert wird. Wenn man dann auch noch mit erstklassigem Schauspiel und einem authentisch erscheinenden Szenario konfrontiert wird, ist ein erstklassiger Filmgenuss quasi garantiert. Und so kann man dann auch ohne jegliche Gewissensbisse eine absolute Empfehlung für dieses grandiose Werk aussprechen, das ganz bestimmt nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt.


Fazit:


Es sind eben doch zumeist die eher unscheinbaren Titel, hinter denen sich ein Höchstmaß an Qualität zu erkennen gibt. "Mean Dreams" ist dafür ein Paradebeispiel, denn diesen Film muss man ganz einfach gesehen haben. Allein schon die exzellenten Performances der Darsteller ist eine Sichtung wert, wobei insbesondere Bill Paxton noch einmal eine in Erinnerung bleibende Leistung abliefert.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Jul 2017 14:34

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Devil's Candy
(The Devil's Candy)
mit Ethan Embry, Shiri Appleby, Pruitt Taylor Vince, Kiara Glasco, Tony Amendola, Craig Nigh, Leland Orser, Oryan Landa West, Richard Rollin, Shiela Bailey Lucas, Marco Perella
Regie: Sean Byrne
Drehbuch: Sean Byrne
Kamera: Simon Chapman
Musik: Mads Heldtberg / Michael Yezerski
keine Jugendfreigabe
USA / 2015

Seitdem er mit seiner Frau Astrid und Tochter Zooey in ein neues Haus in Texas gezogen ist, in dem vormals eine Bluttat geschah, wird Jesses zuletzt ruhende künstlerische Kreativität von zunehmend höllischeren Visionen beflügelt. Ihm ist nicht bewusst, dass eine dämonische Macht von ihm Besitz zu ergreifen versucht. Seine Leidenschaft scheint sich zunehmend in einen Wahnsinn zu steigern. Und dann taucht Ray auf, der Sohn der vormaligen Hausbesitzer, der nichts Gutes im Schilde führt.


Im Jahr 2009 machte der Australier Sean Byrne auf sich aufmerksam und legt mit seinem Regiedebüt "The Loved Ones" einen herrlich erfrischenden Horrorfilm vor, so das man als Zuschauer durchaus die Hoffnung hegte, das in der Zukunft noch weitere Werke gleicher Güteklasse folgen könnten. Sechs lange Jahre musste man allerdings warten, bis 2015 mit "Devil's Candy" endlich die zweite Arbeit folgte, die nun endlich auch bei uns auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Dieses Mal handelt es sich um einen erstklassig inszenierten Okkult Schocker der eine gelungene Hommage an vergangene Zeiten ist und zudem mit einem herrlichen Metal Soundtrack unterlegt ist. Harte Klänge und der Horrorfilm vertragen sich anscheinend sehr gut, denn die musikalische Untermalung des Filmes lässt das Geschehen gleich noch einmal eine Spur intensiver auf einen einwirken. In gewisser Art und Weise verspürt man mit zunehmender Laufzeit fast schon eine hypnotische Anziehungskraft, denn Byrne hat es absolut fantastisch verstanden seiner Erzählung eine sogartige Wirkung einzuverleiben, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann.

In gewissen Phasen des Filmes fühlt man sich ein wenig an Rob Zombies "Lords of Salem" erinnert, wobei die vorliegende Story allerdings um mindestens eine Klasse besser daher kommt. Schon nach einer relativ kurzen Einführungsphase baut sich eine wunderbar dichte und enorm bedrohliche Grundstimmung auf, was ganz sicher auch in der Tatsache begründet ist, das das Böse zu keiner Zeit greifbar ist. Die dämonische Kraft die anscheinend Besitz von zwei Männern ergriffen hat bleibt unsichtbar und kommt lediglich durch die Handlungen zum Ausdruck. Untermalt von den harten Metal Klängen wird dabei ein Höchstmaß an Intensität freigesetzt und in manchen Szenen verspürt man ganz automatisch eine aufkommende Gänsehaut. Man fühlt sich in die Ereignisse eingebunden und fiebert so auch durchgehend mit der kleinen Familie mit, die sich hier mit dem unsichtbaren Grauen auseinander setzen muss.

Dafür hält sich "Devil's Candy" mit visuellen Härteeinlagen äußerst vornehm zurück, dennoch macht sich innerhalb des Szenarios ein durchaus beachtlicher Härtegrad bemerkbar, der sich allerdings hauptsächlich im Kopf des Betrachters seinen Platz sucht. Dieser Aspekt ist jedoch sehr positiv, denn manchmal würden visuelle Gewaltspitzen das Gesamtbild eines Filmes viel eher zerstören, als das sie es hilfreich aufwerten würden. Genau ein solcher Fall liegt hier vor, denn "Devil's Candy" versteht es fast spielerisch, allein durch seine gut erzählte Geschichte und die heraus ragende Atmosphäre zu punkten. Der okkulte Anstrich der Abläufe tut sein Übriges um eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer auszuüben, die sich auch bis zur letzten Minute aufrecht erhalten kann. Sean Byrne hat wirklich gute Arbeit geleistet und ein mehr als ordentliches Gesamtpaket geschnürt, das den Liebhaber des okkulten Horrorfilms absolut begeistern dürfte. Auch die relativ kleine Darsteller Riege kommt dem Ganzen sehr zu Gute, denn so kann man sich viel besser auf das Wesentliche konzentrieren und muss sich nicht mit unzähligen Figuren auseinander zu setzen.

Zudem machen die Akteure ihre Sache richtig gut und können allesamt mit überzeugendem Schauspiel aufwarten. So gibt es dann letztendlich auch nichts zu beanstanden an Byrne's zweitem Spielfilm, der eine interessante Geschichte spannend erzählt und zudem mit seiner okkulten Grundstimmung dafür Sorge trägt, das man mit einem überaus gelungenem Filmerlebnis belohnt wird. Mit einer Nettolaufzeit von gerade einmal 74 Minuten ist das Szenario zudem auch genau richtig ausgestattet, so das in keiner Phase auch nur der Ansatz von Langeweile entstehen kann.


Fazit:


"Devil's Candy" ist ein richtig unter die Haut gehender Okkult Schocker, der außerdem auch noch mit absolut passenden Metal Klängen ausgestattet ist. Auch ohne explizite Gewaltdarstellungen entfaltet die Story eine ungeheure Wucht und bleibt dem Betrachter auch nachhaltig im Gedächtnis haften.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Jul 2017 12:32

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Tag
(Riaru onigokko)
mit Reina Triendl, Mariko Shinoda, Erina Mano, Yuki Sakurai, Aki Hiraoka, Ami Tomite, Mika Akizuki, Nanami Hidaka, Hikaru Horiguchi, Nanami Ishimaru, Sayaka Isoyama
Regie: Sion Sono
Drehbuch: Sion Sono / Yûsuke Yamada
Kamera: keine Information
Musik: Susumu Akizuki / Hiroaki Kanai
keine Jugendfreigabe
Japan / 2015

Ein Bus voll mit Schulmädchen wird Teil eines schrecklichen Massakers: Eine mysteriöse Windböe schneidet den Bus durch und tötet dabei alle Mädchen außer der jungen Mitsuko. Diese flieht vor der unheimlichen Macht, nur um sich kurz darauf in einer Zeitschleife wiederzufinden, in der ihre Freundinnen noch am Leben sind. Ein erneutes Massaker zwingt Mitsuko jedoch wieder zur Flucht und ihr wird bewusst, dass sich dies alles um sie zu drehen scheint...


Sion Sono eilt der Ruf voraus, das es sich bei seinen Werken in der Regel um sehr künstlerische Filme handelt, die von vielen Leuten sogar als Meisterwerke angesehen werden. Nun ist "Tag" zugegebenermaßen meine erste Berührung mit dem japanischen Regisseur, aber zumindest auf diesen Beitrag trifft diese Einschätzung definitiv zu. Die zu Grunde liegende Geschichte entpuppt sich regelrecht als visueller Fiebertraum, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion vollkommen miteinander verschmelzen, so das am Ende die Botschaft der Erzählung eventuell nicht jedem zugänglich sein dürfte. Auf jeden Fall aber ist diese Produktion absolut sehenswert, bietet sie doch auch eine ganze Menge Annehmlichkeiten für den geneigten Gorehound, denn "Tag beinhaltet einen wirklich hoch angesiedelten Härtegrad. Und auch wenn die größtenteils eher mäßigen CGI Effekte vielleicht darauf hindeuten mögen, handelt es sich in vorliegendem Fall keinesfalls um den handelsüblichen Japan-Trash. Dafür ist das Szenario trotz der enthaltenen Splatter und Gore Einlagen viel zu tiefgründig und fordert den Zuschauer regelrecht dazu heraus, die gesamte Laufzeit über die Konzentration aufrecht zu erhalten. Dennoch ist es in manchen Phasen wirklich gar nicht einmal so leicht den surrealen Bildern zu folgen, die zudem noch eine unglaubliche Faszination auf einen ausüben.

Obwohl während der teils auf den ersten Blick kaum nachvollziehbaren Ereignissen immer wieder diverse Andeutungen in den Raum geworfen werden, kann man die Botschaft des Filmes erst kurz vor dem Ende so richtig entschlüsseln. Dennoch bleibt immer noch genügend Spielraum für ganz eigene Interpretationen, was sicherlich nicht jedem zusagen mag, auf der anderen Seite aber gleichzeitig den besonderen Reiz ausmacht. "Tag" ist auf jeden Fall kein handelsüblicher Vertreter des Horrorfilms, vielmehr offenbart sich ein Szenario das mit Elementen aus den verschiedensten Genres angereichert wurde. Mir persönlich hat besonders gut gefallen, das trotz der etlichen und dabei sehr derben Einlagen auch eine fast schon poetische Note mitschwingt, was dem Ganzen auch gleichzeitig eine äußerst ästhetische Beinote angedeihen lässt

Sono hat seine Erzählung definitiv so umgesetzt das dem Betrachter überhaupt nichts anderes übrig bleibt, als über das größtenteils recht verwirrende Gesamtkonstrukt nachzudenken. Die eigene Fantasie wird ungemein stark in Gang gesetzt und es ist schon eine heraus fordernde Aufgabe, den teils philosophischen Ansätzen der Geschichte zu folgen. Und selbst wenn man sich am Ende keinen echten Reim auf das Ganze machen kann zieht einen dieser Film irgendwie in seinen Bann, was in erster Linie wohl an der visuellen Umsetzung liegen dürfte. Diese Kombination aus äußerst derben Splatter und Gore Effekten und herrlich poetischen Bildern ist ganz einfach grandios gelungen. Dennoch muss man eingestehen, das es sich bei "Tag" auf keinen Fall um leicht bekömmliche Filmkost handelt, so das die breite Masse des Mainstream Publikums ganz bestimmt nicht angesprochen wird. Auch der eingefleischte Horror Junkie dürfte eher zwiespältige Gefühle entwickeln, so das Sono's Geschichte nur eine ganz bestimmte Zielgruppe begeistern dürfte.

Wie dem auch sei, bei dem vorliegenden Film kommt es auf den ganz persönlichen Geschmack an und "Tag" dürfte wohl eindeutig in die Gruppe der "Love or Hate" Filme eingeordnet werden. Für manch einen bestimmt ein extrem außergewöhnlicher und kunstvoller Beitrag, wohin gegen viele Leute sicherlich nicht allzu viel mit der Erzählung anfangen können. Ich kann beide Seiten verstehen, aber anschauen sollte man sich diese Produktion dann doch auf jeden Fall. Nur so kann man sich eine eigene Meinung bilden und manch einer wird vielleicht sogar überrascht darüber sein, wie viel Klasse und Qualität dieser Film beinhaltet.


Fazit:


"Tag" ist alles andere als der alltägliche Einheitsbrei und stellt eine sehr gelungene Mixtur aus verschiedenen Genres dar. Zudem ist die Story mit einer interessanten Botschaft versehen, die sich jedoch erst kurz vor dem Ende so richtig zu erkennen gibt. Zudem wurde das Szenario mit ordentlich härte ausgestattet, wobei die vorhandenen Effekte allerdings nicht zur allerersten Kategorie zu zählen sind. In der Summe präsentiert sich aber ein tolles Gesamtbild, so das man eine Sichtung definitiv empfehlen kann.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 29. Jul 2017 12:35

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See No Evil 2
(See No Evil 2)
mit Glenn Jacobs, Danielle Harris, Katharine Isabelle, Chelan Simmons, Kaj-Erik Eriksen, Greyston Holt, Lee Majdoub, Michael Eklund, Reese Alexander, Kelly-Ruth Mercier, Lynn Colliar
Regie: Jen Soska / Sylvia Soska
Drehbuch: Nathan Brookes / Bobby Lee Darby
Kamera: Mahlon Todd Williams
Musik: The Newton Brothers
ungeprüft
USA / 2014

Amy (Danielle Harris) wird zu ihrem Geburtstag nachts von ein paar Freunden in ihrer Arbeit, einem Leichenschauhaus, mit einer Feier überrascht. Der Spaß hält jedoch nicht lange an, als der Körper von dem dort liegenden psychopathischen Killer Jacob Goodnight (Kane) zu neuem Leben erwacht. Mit Haken, chirurgischen Messern sowie Knochensägen verwandelt der sadistische Massenmörder die Party recht schnell in einen blutigen Albtraum …


Acht lange Jahre hat es gedauert, bis der 2006 erschienene Slasher "See No Evil" 2014 eine Fortsetzung nach sich zog. Weitere drei Jahre später ist nun endlich auch die lange ersehnte deutschsprachige Veröffentlichung über unsere österreichischen Nachbarn erschienen und man konnte durchaus gespannt sein, ob die lange Wartezeit sich wirklich gelohnt hat. Bei der Beantwortung dieser Frage kommt es auf die ganz persönliche Erwartungshaltung an mit der man an den Beitrag heran geht, wobei man in erster Linie gleich den Liebhabern der härteren Gangart ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Wer eine regelrechte Schlachtplatte erwartet hat dürfte nach der Sichtung des Filmes ein Gefühl der Ernüchterung verspüren, denn der visuelle Härtegrad bei "See No Evil 2" bewegt sich doch in einem relativ überschaubaren Rahmen. Richtig derbe Szenen und Höhepunkte in dieser Hinsicht geben sich nämlich eher spärlich zu erkennen, so das man keinesfalls ein Splatter und Gore Festival erwarten sollte. Das mag für viele Fans einen echten Dämpfer darstellen, aber ehrlich gesagt funktioniert die Geschichte auch ohne etliche Gewaltexzesse ganz ordentlich. Das liegt in erster Linie sicherlich an der erstklassigen Grundstimmung des Szenarios, denn da sich sämtliche Geschehnisse innerhalb eines Leichenschauhauses abspielt, macht sich von Beginn an eine herrlich morbide Grundstimmung breit. Die Figur des Killers Jacob Goodnight lässt dann einmal mehr ein hohes Maß an Bedrohlichkeit in das Ganze einfließen, denn WWE Star Kane macht in dieser Rolle einmal mehr eine imposante Figur.

Mit Danielle Harris ist eine durch etliche Horrorfilme bekannte und allseits beliebte Darstellerin mit an Bord, die wie gewohnt souverän agiert und mittlerweile kaum noch aus dem Genre weg zu denken ist. Auch die restlichen Akteure liefern einen soliden Job ab, wobei bis auf Kaj-Erik Eriksen niemand über den Status einer Nebenrolle hinweg kommt. Einer nach dem anderen fällt nämlich dem psychopathischen Mörder zum Opfer, der einmal mehr wie ein Berserker wütet und reichlich Ernte hält. Das Jacob jedoch überhaupt zum Zuge kommt erinnert einen schon etwas an den unzerstörbaren Jason Voorhees, denn eigentlich ist der gute Mann tot, was einem zu beginn des Filmes eindeutig vor Augen geführt wird. Hier liegt auch der größte Pluspunkt der Story, denn diese knüpft zeitlich gesehen nahtlos an die Ereignisse des ersten Teiles an. Damit die Erinnerungen des Zuschauers noch zusätzlich aufgefrischt werden wurden diverse Flashbacks eingestreut, so das man ziemlich schnell wieder die Gesamtzusammenhänge erkennt.

Der Plot der Fortsetzung bietet nun nichts Besonderes, es entwickelt sich ein handelsübliches Horror Szenario, das zudem auch noch verhältnismäßig vorhersehbar daher kommt. Die ersten gut 30 Minuten passiert eigentlich gar nichts und man wird lediglich mit einer oberflächlichen Skizzierung der einzelnen Figuren konfrontiert. Für den Schauplatz in einem Leichenschauhaus herrscht sogar eine recht beschwingte Stimmung vor, denn schließlich soll die junge Amy (Harris) innerhalb der Lokalität mit einer Überraschungs-Geburtstagsfeier durch ihre Freunde konfrontiert werden. Als dann aber Jacob wieder von den Toten erwacht schlägt die Atmosphäre abrupt um und innerhalb kürzester Zeit ist rein gar nichts mehr von einer Party oder guter Laune zu verspüren. Nackte Panik und der Kampf um das nackte Überleben beherrscht nun die Szenerie und dieser Aspekt des Geschehens wurde auch sehr gut ins Bild gesetzt. Die Abläufe beinhalten ein ordentliches Tempo und es mangelt wie schon kurz erwähnt lediglich an einigen visuellen Highlights, wobei insbesondere die ersten Morde recht beschaulich in Szene gesetzt wurden.

Erst im letzten Drittel des Filmes legt der Härtegrad ein wenig an Brutalität zu und nun bekommt der geneigte Fan auch einige gut anzuschauende Einlagen zu Gesicht. Dennoch wird in dieser Beziehung zu keiner Zeit der übliche Rahmen gesprengt, so das manch einer am Ende doch vielleicht ein wenig enttäuscht sein könnte. Wenn man allerdings mal ganz ehrlich ist dann muss man feststellen, das auch schon der Vorgänger nicht unbedingt ein Ausbund an visueller Härte war, aber trotzdem bleibt "See No Evil" in dieser Beziehung etwas hinter den Erwartungen zurück. Insgesamt gesehen hinterlässt das Werk aber dennoch einen äußerst stimmigen Gesamteindruck, denn in der Summe präsentiert sich ein atmosphärisch dichter Vertreter des Slashers, der allerdings nicht als absolute Größe des Sub-Genres anzusehen ist.


Fazit:


"See No Evil 2" ist auf keinen Fall das von vielen Leuten erwartete Highlight, kann aber dennoch als stimmiger Nachfolger angesehen werden. Ein paar blutige Einstellungen mehr hätten der Geschichte sicher nicht geschadet, aber auch in der vorliegenden Form siedelt sich der Film leicht über dem normalen Durchschnittsbereich an.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 11. Aug 2017 14:33

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Kong: Skull Island
(Kong: Skull Island)
mit Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John C. Reilly, John Goodman, Corey Hawkins, John Ortiz, Marc Evan Jackson, Eugene Cordero, Shea Whigham, Toby Kebbell
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: John Gatins / Max Borenstein / Dan Gilroy
Kamera: Larry Fong
Musik: Henry Jackman
FSK 12
USA / 2017

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Soldaten wagt sich auf eine unerforschte Pazifikinsel, Skull Island, die von einem sagenumwobenen, riesenhaften Tier beherrscht sein soll. Sie sind erst einmal beeindruckt von der unberührten Natur, die sie betreten. Doch bald müssen sie lernen, dass sie Kong, einer schieren Naturgewalt, mit ihren Waffen und Wissen nichts entgegen zu setzen haben. Darüberhinaus ist er auch nicht das einzige Urvieh auf dem Eiland.


Seit der Riesenaffe King Kong im Jahr 1933 das erste Mal auf der Leinwand zu sehen war ahnte wohl noch niemand, das auch in der heutigen Zeit immer noch die gleiche ungebrochene Faszination von dem monströsen Tier ausgeht. Das ändert sich auch nicht mit dem vorliegenden Blockbuster "Kong: Skull Island", der unter der Regie von Jordan Vogt-Roberts entstanden ist. Die dabei erzählte Geschichte ähnelt zwar schon denen aus den bisherigen Verfilmungen, dennoch bewahrt sich der Film auf jeden Fall eine gewisse Eigenständigkeit. Ganz besonders fallen dem Zuschauer selbstverständlich die gravierenden Unterschiede in der Tricktechnik auf, denn wenn man insbesondere einmal die Stop-Motion-Technik des Originals mit den heutigen Computereffekten vergleicht, dann tun sich doch wirklich neue Welten auf. Die Version von 1933 wird dabei ganz bestimmt ihren ganz eigenen und heraus ragenden Stellenwert haben, doch was einem im Bezug auf die Effekte im vorliegenden Werk präsentiert wird gehört schon zur absoluten Spitzenklasse.

So merkt man dieser Produktion dann auch durchaus das Budget von geschätzten 185.000.000 $ an, denn die Erzählung wartet mit teils bombastischen Bildern und einer Vielzahl erstklassiger CGI-Effekte auf. Das Ganze wurde größtenteils recht temporeich in Szene gesetzt und der Betrachter wird mit jeder Menge Action-Passagen regelrecht verwöhnt, die sich zudem auch absolut großartig anschauen lassen. Neben Kong selbst wird man noch mit etlichen anderen Riesentieren konfrontiert, was für jede Menge Abwechslung und etliche Kämpfe Sorge trägt. Langeweile kommt also gar nicht erst auf, denn ganz nebenbei wird die Story auch noch äußerst spannend und atmosphärisch vorgetragen. Man kommt also voll auf seine Kosten und wird mit richtig gelungenem Popcorn-Kino berieselt, das im Grunde genommen so gut wie keine Schwächen offenbart.

Wenn man überhaupt was bemängeln kann dann sind es höchstwahrscheinlich die etwas blassen Figurenzeichnungen, die einen ziemlich stereotypen Eindruck hinterlassen. So kann man dann auch kaum einen Bezug zu irgend einem der Protagonisten herstellen, was sich allerdings keinesfalls auf das dargebotene Schauspiel nieder schlägt. Dieses kann man nämlich ohne Weiteres als gelungen ansehen und gerade die bekannteren Mimen wie Samuel L. Jackson oder auch John Goodman sorgen dafür, das man ein wenig über das angesprochene Manko hinweg sehen kann. Der bisher eher etwas unbekannte Jordan Vogt-Roberts stellt in seinem Film insbesondere sein feines Gespür unter Beweis, hochklassige Action absolut perfekt in Szene zu setzen. Das merkt man in erster Linie bei den verschiedenen Kämpfen, in denen sich Kong mit anderen Riesentieren messen muss. Diese Momente sind sicherlich die absoluten Highlights eines Filmes, der jedoch in der Summe jederzeit voll zu überzeugen weiß.

Insgesamt gesehen muss sich "Kong: Skull Island" auf keinen Fall hinter den bisherigen Abenteuern des Riesenaffen verstecken, wobei das Werk insbesondere im Bezug auf die vorhandene Action eine echte Bombe ist. In der Summe ergibt sich ein toller Mix aus Action, Abenteuer-und Fantasyfilm der knapp zwei Stunden kurzweilige Unterhaltung anbietet. In dieser Form macht Hollywood-Kino nun wirklich Spaß und man kann auch gern einmal großzügig über die etwas stereotypen Figuren hinweg sehen. Vogt-Roberts und sein Team haben echt gute Arbeit abgeliefert und dem guten alten Kong wieder einmal neues Leben eingehaucht, bei der ganz besonders die Freunde gelungener Effekte und satter Action jederzeit auf ihre Kosten kommen.


Fazit:


In Sachen Charme und Liebreiz wird das Original von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack für immer unerreicht bleiben, aber "Kong: Skull Island" ist eine weitere gelungene Story um den wohl bekanntesten Riesenaffen, der in den Herzen der Zuschauer einen festen Platz inne hat. Und so sollte man dann auch keinesfalls diesen grandiosen Blockbuster unbeachtet an sich vorüber ziehen lassen, denn hier wird ein gigantisches Spektakel präsentiert an dem man seine helle Freude haben wird.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Aug 2017 14:27

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Trash Fire
(Trash Fire)
mit Adrian Grenier, Angela Trimbur, Fionnula Flanagan, AnnaLynne McCord, Sally Kirkland, Matthew Gray Gubler, Ezra Buzzington, Molly McCook, Ray Santiago, Michael Laren
Regie: Richard Bates Jr.
Drehbuch: Richard Bates Jr.
Kamera: Shane Daly
Musik: Michl Britsch
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Webdesigner Owen ist ein Zyniker reinsten Wassers - es ist ein Wunder, dass seine charmante Freundin Isabelle nicht schon längst das Handtuch geworfen hat. Owen gibt sich die Schuld an dem Feuer, das seine Eltern getötet und seine Schwester entstellt hat. Als ihm Isabelle gesteht, schwanger zu sein, bittet sie Owen, wieder Frieden mit seiner Großmutter Violet zu schließen. Owen warnt Isabelle vor dem Besuch, lenkt dann jedoch ein - nur um festzustellen, dass seine schlimmsten Befürchtungen wahr werden könnten.


Schon 2012 machte Regisseur Richard Bates Jr. positiv auf sich aufmerksam, als er gleich mit seinem ersten Langfilm "Excision" einen äußerst eigenwilligen und vor allem zynischen Beitrag präsentierte. Ebenso verhält es sich mit dem vorliegenden "Trash Fire" der den mittlerweile dritten Spielfilm von Bates Jr. darstellt und dabei unmöglich einem bestimmten Genre zuzuordnen ist. Es offenbart sich nämlich ein waschechter Genre-Zwitter, in dem die Grundzüge eines Beziehungsdramas zwar definitiv im Vordergrund stehen, der aber auch gleichzeitig leichte Anleihen beim Horrorfilm erkennen ist und gleichermaßen auch noch wie eine rabenschwarze Komödie daher kommt. Diese außergewöhnliche Mischung macht dieses Werk dann auch zu etwas Besonderem, wobei sicherlich nicht jeder diese Meinung teilen wird. "Trash Fire" könnte nämlich durchaus die Meinungen spalten, da die exzellent umgesetzte Geschichte ganz bestimmt nicht alle Geschmäcker treffen dürfte.Aber allein schon die geschliffenen und größtenteils bitter-bösen Dialoge sind eine Sichtung wert, zudem dieser Aspekt des Gesamtbildes auch gleich von Beginn an die Ohren des Betrachters auf feinste Art und Weise in Beschlag nimmt.

Die ersten gut 30 Minuten widmet Bates Jr. einzig und allein seinen beiden Hauptfiguren Owen und Isabelle,wobei einem nahezu das Paradebeispiel einer dysfunktionalen Partnerschaft aufdrängt. Wenn man den erstklassigen Dialogen und der daraus entstehenden Situationskomik folgt, dann stellt man sich mehr als nur einmal die Frage, wie masochistisch die gute Isabelle doch veranlagt sein muss, um es an der Seite ihres Geliebten auszuhalten. Insbesondere vom guten Owen schlägt einem der pure Zynismus entgegen und streckenweise sind seine Aussagen derart verletzend, das seine Partnerin eigentlich schnellstens das Weite suchen sollte, um keine seelischen Schäden zurück zu behalten. Insbesondere in dieser Phase der Erzählung lebt "Trash Fire" ganz eindeutig von seinen beiden brillant auftrumpfenden Hauptdarstellern, denn Adrian Grenier und Angela Trimbur machen ihre Sache richtig gut und drücken dem Geschehen damit auch ihren ganz persönlichen Stempel auf. Im weiteren Verlauf gesellt sich dann mit Fionnula Flanagan noch eine weitere erstklassig auftrumpfende Darstellerin hinzu, die in der Rolle von Owens Großmutter eine gnadenlos gute Performance an den Tag legt. Ins Spiel kommt die gute Frau dadurch, das Owen seine Vergangenheit aufarbeiten möchte, indem er wieder Kontakt zum kleinen Rest seiner Familie aufnimmt. Aufgrund der in der Inhaltsangabe kurz angerissenen Ereignisse fällt das ziemlich schwer und schon nach wenigen Momenten im Haus der Großmutter wird klar, das der Begriff Dysfunktion auch im Bezug auf Owens Familie eine prägende Rolle spielt.

Oma Violet ist nämlich keinesfalls das liebe Großmütterchen, vielmehr hebt sie den Begriff Miststück in eine vollkommen neue Dimension. Gleichzeitig hält durch ihre Figur auch der Aspekt des religiösen Fanatismus Einzug in das Geschehen, wobei die gute Frau aber auch gleichzeitig eine recht üble Doppelmoral an den Tag legt. "Trash Fire" offenbart ab nun eine herrliche Vielschichtigkeit und macht es dem Zuschauer nicht leicht, die nächsten Züge in diesem abwechslungsreichen Szenario im Voraus zu erkennen. Die Story offenbart dabei eine äußerst beklemmende Grundstimmung, die trotz des immer wieder aufblitzenden Humors eine erstaunliche Dichte erkennen lässt. Zum Ende hin treten dann sogar tragische Elemente auf den Plan, denn das dieser zynische Leckerbissen von einem Film nicht mit einem Happy End versehen ist kann man sich denken. Gerade im finalen Showdown liegt dann aber auch eines der zwei kleineren Mankos von "Trash Fire" begründet, denn an dieser Stelle hätte man sich dann doch etwas Überraschenderes als das Gezeigte gewünscht. Zwar ist das Finale durchaus passend und stimmig, aber aufgrund des bis dahin gewonnenen Gesamtbildes wirkt das Ende fast schon ein wenig platt und einfallslos. Das zweite Defizit ist in meinen Augen die Figur von Owens Schwester Pearl, denn das entstellte Mädchen kommt in der Erzählung viel zu kurz.

Trotz dieser beiden Mankos gewinnt man aber dennoch einen richtig guten Gesamteindruck von "Trash Fire", denn in der Summe ist der Film aufgrund der aufgezählten Dinge ein echtes Brett. Erstklassig agierende Darsteller, jede Menge rabenschwarzer Humor, Zynismus bis zum Abwinken und wunderbar geschliffene Dialoge machen diese Produktion zu einem echten Erlebnis. Bates Jr. hat einmal mehr seinen Spürsinn für den etwas von der Norm abweichenden Film unter Beweis gestellt und somit einen weiteren Beitrag auf die Beine gestellt, der zumindest für eine bestimmte Zielgruppe ein sehr außergewöhnliches Schmankerl darstellen dürfte.


Fazit:


Geschmäcker sind verschieden und das wird sich auch bestimmt in den Kritiken zu diesem Film niederschlagen. Mir persönlich hat "Trash Fire" ausnehmend gut gefallen, denn die Mixtur aus verschiedenen Genres ist einfach nur brillant und lässt einen letztendlich auch über kleinere Mankos hinweg sehen. Wer Wert auf nicht alltägliche Genre-Zwitter mit starken Protagonisten legt, der sollte sich diesen Leckerbissen auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Aug 2017 16:21

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Lake Bodom
(Bodom)
mit Nelly Hirst-Gee, Mimosa Willamo, Mikael Gabriel, Santeri Helinheimo Mäntylä, Pirjo Moilanen, Ilkka Heiskanen, Sami Eerola, Otso Ahosola, Ville Saksela, Iiris Kankkunen
Regie: Taneli Mustonen
Drehbuch: Taneli Mustonen / Aleksi Hyvärinen
Kamera: Daniel Lindholm
Musik: Panu Aaltio
FSK 16
Estland / Finnland / 2016

Die beiden Freunde Elias und Atte überreden die Girls Ida und Nora, mit ihnen einen Trip an den See Bodom zu unternehmen, wo sie ihnen eine Party in einer Hütte versprechen. Tatsächlich wollen sie den Tatort eines bis heute unaufgeklärten Verbrechens aus dem Jahr 1960 besuchen, das sie für Fotos nachstellen wollen. Dass sie sich damit in Lebensgefahr begeben, können die Jungs nicht ahnen, denn auf einmal macht ein unbekannter Killer Jagd auf sie.


Die Meinungen zu dieser estnisch-finnischen Co-Produktion gehen ziemlich weit auseinander und zwischen Langeweiler und einem tollen Film ist so ziemlich alles dabei was man sich nur vorstellen kann. Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo in der Mitte, denn "Lake Bodom" beinhaltet sowohl einige echte Stärken, lässt aber auf der anderen Seite auch diverse kleinere Mankos erkennen. Die größte Stärke der Geschichte dürfte sicherlich die vorherrschende Atmosphäre sein, denn da sich fast das gesamte Szenario in der Nacht abspielt, ist durchgehend eine gewisse Bedrohlichkeit zu verspüren. Dadurch ergibt sich auch ein größtenteils gelungener Spannungsaufbau und zudem ist die Erzählung auch noch mit einigen netten und nicht zwingend vorhersehbaren Wendungen ausgestattet, so das sich in der Summe gesehen ein ordentlicher Genrebeitrag zu erkennen gibt.

Vier Jugendliche stehen im Fokus der Geschichte und zunächst verläuft das Geschehen ziemlich gradlinig, wobei dem Zuschauer schon fast eine gewisse Vorhersehbarkeit der Abläufe suggeriert wird. Doch dieser Eindruck ist trügerisch, denn mit der ersten Wendung wird der Kontext mit dem Mythos der unaufgeklärten Morde völlig auf den Kopf gestellt. Das macht ehrlich gesagt Lust auf mehr und die eigene Erwartungshaltung wird somit auch ein wenig gesteigert. Genau an diesem Punkt erreicht man dann aber auch die unübersehbaren Schwächen von "Lake Bodom", denn wer nun eine wirklich erstklassige Weiterführung der Abläufe mit innovativen Ideen erwartet wird letztendlich etwas enttäuscht sein, da Regisseur Taneli Mustonen sein Pulver anscheinend schon verschossen hat. Das mag sicherlich nicht jeder so sehen, aber von nun an gestaltet sich der Rest des Filmes keineswegs mehr überraschend, wobei insbesondere die äußerst plumpe Wiedereinführung des Lake Bodom Mythos nicht unbedingt Begeisterungsstürme hervor ruft.

Lediglich die Thematisierung des Traumas von Hauptfigur Ida sorgt hier noch für Abwechslung, wobei vielen Leuten die relativ späte Einführung dieser Thematik eventuell ein Dorn im Auge ist. Andererseits ist es aber für gewisse Wendungen unabdinglich, das Mustonen diesen Punkt erst relativ spät einstreut und zuvor nur dezente Andeutungen in den Raum wirft. Die letzten gut 20 Minuten des Filmes gestalten sich dann zwar ziemlich temporeich, aber echte Spannung will nicht mehr so wirklich aufkommen. Dafür geht es nun zu vorhersehbar zur Sache und auch der finale Showdown hätte ganz bestimmt besser in Szene gesetzt werden können. Im Grunde genommen wurde also eine Menge an vorhandenem Potential verschenkt, denn mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hätte "Lake Bodom" ein herausragender Beitrag werden können, aber leider haben die Macher es versäumt, gewisse Aspekte eingehender zu beleuchten. So hätte man sich beispielsweise viel mehr Informationen über die damaligen Morde gewünscht, doch diese wird eigentlich eher stiefmütterlich vernachlässigt.

Trotz der angesprochenen Mankos ist "Lake Bodom" immer noch ein recht gelungener Genrebeitrag, aus dem man allerdings weitaus mehr hätte heraus holen können. Nach einer wirklich gelungenen ersten Filmhälfte bricht das Ganze leider ein wenig ein und die zuvor ausgespielten Stärken kommen nicht mehr richtig zur Geltung. Lediglich die gelungene Grundstimmung zieht sich konstant durch die kompletten gut 85 Minuten, wohingegen vor allem der Spannungsbogen zum Ende hin gewisse Einbrüche erkennen lässt.


Fazit:


Es ist schade, das man den zunächst eingeschlagenen Weg nicht konsequent bis zum Ende verfolgt, dann dann würde sich "Lake Bodom" definitiv im oberen Drittel des Genres ansiedeln. In der vorliegenden Form bewegt man sich jedoch leider nur im oberen Durchschnittsbereich und diesen Umstand hätte man meiner Meinung nach spielerisch vermeiden können. Eine Sichtung lohnt sich aber allemal, nur sollte man sich darüber im Klaren sein, das sich am Ende vielleicht kein gänzlich überzeugendes Gesamtbild ergibt.


6/10
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