horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 30. Mai 2017 21:30

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Feuertanz
(Svegliati e uccidi)
mit Robert Hoffmann, Gian Maria Volontè, Claudio Camaso, Renato Niccolai, Ottavio Fanfani, Pupo De Luca, Corrado Olmi, Lisa Gastoni, Augusto Bonardi, Renato Terra, Emilio Delle Piane, Roberto Maldera, Aldo Suligoj
Regie: Carlo Lizzani
Drehbuch: Carlo Lizzani / Ugo Pirro
Kamera: Armando Nannuzzi
Musik: Ennio Morricone
FSK 16
Frankreich / Italien / 1966

Schöne Frauen, schnelle Autos, Leben in Luxus - Das sind die Vorlieben des Banditen Luciano Lutring. Um seine Frau Yvonne mit teuren Geschenken zu beeindrucken, werden seine Raubzüge immer dreister. Nun plant er das ganz große Ding, um sich seinen Platz in der Geschichte zu sichern: Ein spektakulärer Juwelenraub mitten in der Stadt! Aber er hat aufs falsche Pferd gesetzt. Von seinen Komplizen verraten avanciert der einstige Kleinganove zum Staatsfeind Nummer 1! Gehetzt von Polizei und Presse und ohne sicheres Versteck schlägt sich Lutring durch die bleigeschwängerte Luft von Europas Unterwelt. Für ihn gibt es nur noch ein Ziel: Überleben!


Und wieder einmal präsentiert das Label Subkultur Entertainment eine kleine Genreperle in einer deutschen Erstveröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Mit "Feuertanz liegt dabei eine französisch-italienische Co-Produktion aus dem Jahr 1966 vor und Regisseur Carlo Lizzani widmet sich dabei dem Aufstieg des Ganoven Luciano Lutring, der hier in ziemlich kurzer Zeit von einem Kleinkriminellen zu einem der meist gesuchten Verbrecher in Italien und Frankreich aufsteigt. Gespielt wird der berüchtigte Gangster von Robert Hoffmann der in dieser Rolle eine absolut glänzende Performance an den Tag legt. Nahezu perfekt interpretiert er dabei die in der Inhaltsangabe beschriebenen Vorlieben des Banditen der nur allzu gern sein Leben in vollen Zügen genießen möchte und dabei immer dreister bei seinen Verbrechen zu Werke geht. Es ist schon beeindruckend mit anzusehen, mit welcher Eiseskälte und Gleichgültigkeit der gute Mann agiert und dabei anscheinend überhaupt nicht an die eventuellen Konsequenzen für seine Person denkt. Frechheit siegt und diese Aussage trifft in vorliegendem Fall nun wirklich zu, denn obwohl die Polizei ihm des Öfteren auf der Spur ist, gelingt es Lutring doch immer wieder, dem Zugriff des Gesetzes zu entkommen.

Die Erzählung legt größtenteils ein doch recht ordentliches Tempo vor, was die Vorlieben des Gangsters noch zusätzlich untermalt. Nachdem seine Straftaten immer waghalsiger werden wendet sich das Blatt dann aber doch und es entwickelt sich ein sehenswertes Katz-und Mausspiel zwischen der Polizei und Lutring und erst ganz am Ende des Filmes nimmt die scheinbar unendliche Glückssträhne des Kriminellen ein jähes Ende. Dieser Aspekt ist wenig überraschend, vielmehr ist man stellenweise doch ziemlich erstaunt darüber, wie es eigentlich so lange dauern konnte, bis die Hauptfigur den Behörden nicht mehr durch die Hände gleiten kann. Nun gibt es sicherlich Genrebeiträge die rein qualitativ weitaus höher anzusiedeln sind, jedoch bietet "Feuertanz" ein mehr als ordentliches Gesamtpaket, das zwischendurch aber auch ab und zu kleinere Längen zu erkennen gibt. Diese offenbaren sich aber in überschaubaren Grenzen und werten das gewonnene Gesamtbild nur wenig ab. Das bezieht sich in erster Linie auf die italienische Langfassung die ebenso wie die um 17 Minuten kürzere deutsche Kinofassung mit an Bord des tollen Digi-Packs von Subkultur ist.

Neben den ständigen Tempowechseln ist bestimmt der herrliche Lokalkolorit der beiden Hauptschauplätze Mailand und Paris in den 60er Jahren hervor zu heben, der diesem Film einen fast unverwechselbaren Charme verleiht. Auch in Sachen Action wird einiges geboten, jedoch sollte man keinesfalls eine echte Action-Granate erwarten. Vielmehr offenbart sich eine gelungene Mischung mit etlichen Thriller Elementen und in manchen Passagen schwingt sogar noch ein dezenter Hauch eines Dramas mit. Lizzani spielt an dieser Stelle sehr gelungen mit den einzelnen Versatzstücken der verschiedenen Genres und hat dabei auch die jeweiligen Anteile äußerst gerecht verteilt. Das lässt die ganze Chose letztendlich bis auf ganz kleine Schwächen sehr stimmig erscheinen, so das man als Liebhaber absolut bedenkenlos zugreifen kann.

Im Endeffekt ist "Feuertanz" ganz sicher nicht zu den absoluten Größen seiner Gattung zu zählen, aber man sollte diesem vielleicht nicht ganz so bekannten Werk auf jeden Fall eine Chance geben. Ansonsten könnte man es nämlich bereuen, denn in der Summe gesehen kann sich die Erzählung definitiv sehen lassen. Dafür sorgen auch die gut aufgelegten Darsteller die durch die Bank gute Jobs abliefern. Hoffmann sollte man allerdings schon gesondert erwähnen, denn durch sein spielfreudiges und glaubwürdiges Auftreten in Verbindung mit der Omnipräsenz seiner Figur drücken diesem Werk ganz eindeutig seinen Stempel auf. Und so tätigt man also ganz bestimmt keine Fehlinvestition wenn man sich die wie immer erstklassige Veröffentlichung von Subkultur zulegt, denn diese Story wird nicht nur einmal im heimischen Player landen.


Fazit:


"Feuertanz" ist kein echter Überflieger, aber immerhin ein mehr als nur solider Beitrag, der sich meiner Meinung nach etwas oberhalb des Durchschnittsbereichs ansiedelt. Action, Thriller und ein wenig Drama ergeben ein in sich stimmiges Endergebnis, das in ein farbenprächtiges Ambiente eingebettet wurde und für größtenteils kurzweilige Unterhaltung sorgt.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 1. Jun 2017 14:12

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Blood Rage
(Blood Rage)
mit Louise Lasser, Mark Soper, Julie Gordon, Jayne Bentzen, Marianne Kanter, James Farrell, Chad Montgomery, Lisa Randall, William Fuller, Douglas Weiser, Gerry Lou, Ed French, Dana Drescher
Regie: John Grissmer
Drehbuch: Bruce Rubin
Kamera: Richard E. Brooks
Musik: Richard Einhorn
ungeprüft
USA / 1987

Es ist eine warme Sommernacht in einem Drive-in-Kino. Die jungen Liebespaare haben nur Sex im Kopf, für den auf der Leinwand gezeigten Film interessiert sich niemand. Ach die Minderjährigen Zwillingsbrüder Terry und Todd bemerkt niemand, bis Terry einen jungen Mann bestialisch ermordet. Ohne jegliche Skrupel beschuldigt er seinen unter Schock stehenden Bruder Todd des Mordes, der deswegen in eine geschlossene Nervenheilanstalt eingewiesen wird. Zehn Jahre später entkommt Todd aus der Anstalt und macht sich auf die Suche nach seinem Bruder. Jener nutzt jedoch die Gunst der Stunde, um abermals sein mörderisches Unwesen zu treiben.


Immer wieder trifft man in regelmäßigen Abständen auf fast schon vergessene Slasher aus den goldenen 80er Jahren, in denen das Sub-Genre unzählige Beiträge hervor gebracht hat. Auch der vorliegende "Blood Rage" zählt zu dieser Gruppe und ist der zweite sowie gleichzeitig letzte Film von Regisseur John Grissmer. Nun handelt es sich nicht um einen Klassiker des Genres, aber warum diesem Film erst jetzt eine deutsche DVD-und Blu-ray Veröffentlichung zu teil wurde ist nicht so ganz nachzuvollziehen. Handelt es sich doch um einen absolut sehenswerten Beitrag, der zudem auch noch mit einem richtig ordentlichen Härtegrad ausgestattet ist. Über diesen definiert sich das Werk dann auch in erster Linie, denn für einen Slasher geht es stellenweise ziemlich blutig und derbe zur Sache. Die vorhandenen handgemachten SFX zählen sicherlich nicht zu den allerbesten ihrer Art, können sich aber auf jeden Fall gut sehen lassen. In dieser Beziehung kommt der geneigte Fan dann auch vollends auf seine Kosten, muss dafür jedoch bei anderen Belangen kleinere Schwächen in Kauf nehmen.

So ist beispielsweise die Story an sich nicht sonderlich ergiebig und beinhaltet nicht sonderlich viel Substanz. Man bekommt die schon des Öfteren verfilmte böser Zwilling Thematik geliefert, wobei man die Umsetzung der Erzählung ruhig etwas spannender hätte gestalten können. Ein wirklich konstanter Spannungsbogen baut sich nämlich immer nur ansatzweise auf, da die Geschehnisse letztendlich doch ein wenig zu vorhersehbar daher kommen. Ehrlich gesagt fällt dieses Manko aber nur unwesentlich ins Gewicht, denn in der Summe präsentiert sich ein äußerst stimmiges Filmchen, das außerdem phasenweise mit einem herrlich trashigen Anstrich versehen ist. In mehreren Phasen wirkt das Szenario dann auch unfreiwillig komisch, wobei dieser Aspekt dem gewonnenen Gesamtbild allerdings eher zu Gute kommt, als das man es als störend empfinden würde.

Hauptsächlich macht sich dieser Umstand durch das Schauspiel der Akteure bemerkbar, denn diese agieren manchmal ein wenig ungelenk und hölzern. Zudem gehören auch die Dialoge in qualitativer Hinsicht nicht unbedingt in das höchste Regal und die streckenweise unlogischen Verhaltensweisen diverser Figuren runden den vorhandenen Trash-Faktor dann nahezu perfekt ab. Nun wird es sicherlich genügend Leute geben, die diese Faktoren als eher befremdlich ansehen werden, doch meiner Meinung nach passen in vorliegendem Fall sämtliche Zutaten sehr gut zusammen und ergeben ein größtenteils stimmiges Gesamtwerk, an dem man jede Menge Freude haben kann.

"Blood Rage" kann sich bestimmt nicht mit den echten Größen seiner Art messen, bietet allerdings grundsolide Genrekost. Außerdem ist der Härtegrad für einen Slasher schon ziemlich erstaunlich, was das Herz eines jeden Fans in die Höge schnellen lassen dürfte. Da nimmt man gern auch einmal diverse andere kleine Mankos in Kauf und erfreut sich ganz einfach an kurzweiliger und blutiger Unterhaltung. Von meiner Seite aus kann ich eine dicke Empfehlung aussprechen, denn Grissmer hat seine Geschichte mit sämtlichen Zutaten ausgestattet, die dieses Sub-Genre so beliebt macht. Durch die öfter auftretende unfreiwillige Komik verfügt der Film zudem auch noch über viel Charme und Liebreiz, so das man ihn ohne Weiteres als kleine Perle seiner Art bezeichnen kann.


Fazit:


Es ist immer wieder schön zu sehen, das auch die eher unbekannten Slasher der 80er endlich zu einer würdigen Veröffentlichung gelangen. Mit "Blood Rage" liegt nun ein weiteres Exemplar vor, das man sich als Liebhaber keinesfalls entgehen lassen sollte, denn Spaß, Kurzweil und blutige Unterhaltung ist in vorliegendem Fall vorprogrammiert.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 7. Jun 2017 17:38

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Ip Man 3
(Yip Man 3)
mit Donnie Yen, Lynn Hung, Jin Zhang, Mike Tyson, Patrick Tam, Karena Ng, Kai-Chung Cheung, Kent Cheng, Ka-Yan Leung, Kwok-Kwan Chan, Babyjohn Choi, Sung Man Ban
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Tai-lee Chan / Lai-yin Leung / Edmond Wong
Kamera: [Kenny Tse/b]
Musik: [b]Kenji Kawai

FSK 16
Hongkong / 2015

Hongkong in den späten 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wing-Chun-Meister Ip Man beobachtet mit wachsender Sorge den Einfluss westlicher Gangster und ihrer einheimischen Verbündeten, zu denen auch die geschmierte Polizei gehört. Als die Kriminellen nicht davor zurückschrecken, eine Volksschule gewaltsam zu entmieten, treten er und seine Schüler als Bodyguards auf und erledigen den Job der Polizei. Doch die Gangster schlagen zurück und machen keine Gefangenen. Und dann ist da noch ein Rivale, der Ip Mans guten Ruf zerstören will.


Fünf Jahre hat es gedauert bis Wilson Yip seine Trilogie um den legendären "Ip Man" abgeschlossen hat und selbstverständlich ist auch in diesem 2015 erschienenen dritten Teil der großartige Donnie Yen in der Hauptrolle zu sehen. Zwar konnte Herman Yau mit seinen beiden Prequels "Ip Man Zero (2010)" und "Ip Man: The Final Fight (2013)" die Wartezeit ein wenig verkürzen, doch konnten die beiden Filme keinesfalls an die hohe Qualität der Original-Trilogie heran reichen. Das erfolgreiche Duo Yip und Yen lefert auch in vorliegendem Fall einmal mehr erstklassige Arbeit ab, denn "Ip Man 3" ist ein absolut würdiger Abschluss der Reihe und besticht dabei ebenso mit einer interessanten Erzählung, als auch mit gewohnt erstklassigen Kampf-Choreografien, in denen der gute Donnie Yen einmal mehr glänzend auftrumpfen kann. Wie schon in den Vorgängern agiert der Mime sehr besonnen und hinterlässt stellenweise einen schon fast stoischen Eindruck, um in den entscheidenden Phasen der Geschichte mit seiner exzellenten Kampfkunst auf sich aufmerksam zu machen.

Dabei tritt der ehemalige Boxweltmeister Mike Tyson als einer seiner Gegenspieler auf den Plan, wobei dessen Rolle ziemlich knapp bemessen ist. Dennoch zählt der Fight zwischen den beiden Kontrahenten zu einem der Höhepunkte des actionreichen Treibens. Ganz generell liegt das Hauptaugenmerk des Filmes einmal mehr auf seiner herausragenden Hauptfigur, die in etlichen Passagen einmal mehr eine Kostprobe ihres Könnens zum besten geben kann. Auf der anderen Seite gibt es dieses Mal aber auch genügend Freiraum für Emotionen, denn durch einen persönlichen Schicksalsschlag zeigt der ansonsten immer beherrschte und coole Ip Man seine menschliche Seite, was dem Gesamtbild sehr zu Gute kommt. Es ist schon sehr rührend mit anzusehen, wie er sich im letzten Drittel der Erzählung um seine schwer kranke Frau kümmert. Dabei wirkt das Ganze zu keiner Zeit schnulzig sondern einfach nur absolut authentisch, so das an dieser Stelle keinesfalls unnötig auf die Tränendrüsen gedrückt wird. Hat man Donnie Yen bisher hauptsächlich für seine überragende Kampfkunst in sein Herz geschlossen, so zeigt der Schauspieler in diesen Phasen, das sein schauspielerisches Potential durchaus mehrere Facetten anzubieten hat.

Und trotzdem nimmt die hohe Kunst des Wing Chun auch in diesem Teil den Löwenanteil der Spielzeit für sich in Anspruch, wobei der geneigte Fan streckenweise richtig gehend verwöhnt wird. So kommt es am Ende der Geschichte zu einem Kampf zwischen Ip Man und Cheung Tin-chi, der auch einen Meister dieser Kampfkunst mimt. Gespielt wird dieser von einem großartig aufgelegten Jin Zhang, der hier als absolut ebenbürtiger Gegner angesehen werden kann. Ganz generell liefert jedoch die gesamte Darsteller-Riege einen überdurchschnittlich guten Job ab, wodurch die gesamte Chose letztendlich extrem stimmig wirkt. Wilson Yip ist es also wieder gelungen einen wirklich erstklassigen Martial Arts Film auf die Beine zu stellen, der alle Fans zufrieden stellen dürfte. Eine tolle Geschichte, sehr gut agierende Darsteller, jede Menge Action und wunderbare Kampf-Choreografien lassen ein Gesamtbild entstehen, das man ohne wenn und aber nahtlos an seine beiden Vorgänger anknüpfen kann.

Es gibt nun wirklich etliche tolle Vertreter des Martial Arts Films, aber die "Ip Man Trilogie" zählt wohl definitiv zum Besten, was man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Nicht ausschließlich auf Action ausgelegt erzählen die einzelnen Teile auch eine spannende Lebensgeschichte eines Kampfsport-Meisters, der in diesem Bereich eine echte Legende darstellt. Immerhin zählte selbst der unsterbliche Bruce Lee zu seinen Schülern und das allein dürfte schon zum Ausdruck bringen, das Ip Man eine absolute Ikone des Wing Chun Kung Fu war, was hier auch in der filmischen Umsetzung mehr als gelungen zum Ausdruck kommt.


Fazit:


Die fünf Jahre Wartezeit haben sich mehr als gelohnt, denn "Ip Man 3" ist ein äußerst würdiger Abschluss einer Trilogie die man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern zu Gemüte führt. Mit Donnie Yen hat die Reihe einen extrem charismatischen Hauptdarsteller gefunden, der sich als großer Sympathieträger locker in die Herzen der Zuschauer spielt.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 9. Jun 2017 11:41

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Phantasm: Ravager
(Phantasm: Ravager)
mit Reggie Bannister, A. Michael Baldwin, Dawn Cody, Gloria Lynne Henry, Stephen Jutras, Kathy Lester, Bill Thornbury, Daniel Roebuck, Daniel Schweiger, Cean Okada, Jon Johannessen
Regie: David Hartman
Drehbuch: David Hartman / Don Coscarelli
Kamera: David Hartman
Musik: Christopher L. Stone
FSK 16
USA / 2016

Der unheimliche "Tall Man" macht seit Jahren mit seinen zwergenhaften Helfern und seinen mörderischen Silberkugeln die Welt unsicher. Reggie ist ihm auf den Fersen, seit er mit seinem Freund Jody und dessen jüngerem Bruder Mike das Geheimnis des vermeintlichen Bestatters entdeckt hatte: Dessen Gehilfen sind menschliche Leichen, die er umgewandelt in kleine Kreaturen durch Dimensionstore auf seinen Heimatplaneten schickt. Nachdem Jody und Mike verschwunden sind, versucht Reggie unerbittlich, den Tall Man zu stoppen.


Fast vier Jahrzehnte ist es mittlerweile her, das Don Coscarelli 1979 mit "Phantasm - Das Böse" eine Horrorfilm-Reihe ins Leben gerufen hat, die nun mit dem vorliegenden fünften Teil ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat. Dabei kann man durchaus die berechtigte Frage stellen ob es überhaupt Sinn gemacht hat einen weiteren Film zu präsentieren, denn schließlich liegen zwischen dem vierten Teil "Phantasm 4 - Oblivion" und dem nun erschienenen Nachfolger ganze 18 Jahre. Fans der Filmreihe ist das wohl ziemlich egal, denn obwohl der letzte Beitrag schon äußerst schwach geraten war freut man sich auf ein Wiedersehen mit Reggie und Co., die einmal mehr den Tall Man endgültig zur Strecke bringen wollen. Nach Sichtung des neuesten Werkes muss man allerdings ziemlich ernüchtert feststellen das man sich diesen Ableger durchaus hätte sparen können, denn ehrlich gesagt beinhaltet die Geschichte nicht sonderlich viel, was den Zuschauer wirklich begeistern würde. Schon rein inhaltlich bewegt man sich in einem fast leeren Raum, denn die Handlung der Erzählung würde ohne Weiteres auf einem halben Bierdeckel ihren Platz finden. Zudem gestaltet sich das Drehbuch verhältnismäßig löchrig und holprig, so das eigentlich zu keiner Zeit ein echter Erzählfluss zu erkennen wäre.

Stattdessen offenbart sich ein größtenteils heilloses Durcheinander und es fällt streckenweise schon relativ schwer, überhaupt die Zusammenhänge richtig zu erkennen. Es ist zwar ein starker Mystery-Einfluss erkennbar, aber die unzähligen surrealen Momente des Filmes sorgen doch für viel mehr Verwirrung, als das sich dem Zuschauer ein schlüssiges und stimmiges Gesamtbild präsentieren würde. Ein weiterer negativer Kritikpunkt ist außerdem der äußerst trashige Anstrich des Ganzen, denn haben sich insbesondere die ersten drei Teile noch durch eine ungemein bedrohliche Atmosphäre ausgezeichnet, so ist von einer solchen an dieser Stelle rein gar nichts mehr zu spüren. Und so wirkt die Chose in weiten Teilen sogar unfreiwillig komisch und dieser Umstand passt so gar nicht zu dieser Filmreihe. Durch die unzähligen Schauplatz-und Dimensionswechsel schwächt sich die Geschichte ständig selbst und man sorgt so auch unweigerlich dafür, das man als Betrachter trotz größtmöglicher Aufmerksamkeit kaum einen roten Faden erkennen kann, der sich konstant durch das Geschehen zieht.

Was an dieser Stelle sicherlich gut gemeint war sorgt im Endeffekt lediglich dafür, das man ganz offensichtlich durch das Einstreuen surrealer Momente die inhaltlichen Defizite kaschieren will, aber dieser Schuss geht ganz eindeutig nach hinten los. Phasenweise wirkt die gesamte Chose nämlich wie eine willkürliche Aneinanderreihung diverser Video-Clips, die in der Summe allerdings kein stimmiges Ganzes erkennen lassen. Da hilft es dann auch nicht das "Phantasm: Ravager" einige etwas blutigere Einstellungen zu bieten hat, wobei der enthaltene Härtegrad insgesamt gesehen auch nicht sonderlich erwähnenswert ist. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich hat sich die Reihe noch nie über visuelle Gewalt definiert. Und so bleibt am Ende nicht viel übrig was man wirklich positiv erwähnen könnte, denn bis auf das Wiedersehen mit den in die Jahre gekommenen Lieblingen der eigenen Jugend hat dieser mittlerweile fünfte Teil kaum etwas Sehenswertes zu bieten. Am meisten vermisst man dabei die dichte Grundstimmung der ersten drei Filme, denn diese ist in keiner Phase des Geschehens zu verspüren.

Obwohl ich ein bekennender Fan der "Phantasm-Reihe" bin muss ich feststellen, das man sich diesen Beitrag ohne Weiteres hätte sparen können. Aus Gründen der Vollständigkeit gehört er selbstverständlich in die heimische Sammlung, aber allzu oft wird er bestimmt nicht mehr im Player landen. Man konnte nach den ganzen Jahren ganz bestimmt kein filmisches Meisterwerk erwarten, aber ein wenig mehr hätte es dann durchaus sein dürfen. An die Qualität der Teile 1-3 kommt "Phantasm: Ravager" noch nicht einmal in Ansätzen heran, denn dieses wirre Treiben ist maximal im unteren Durchschnittsbereich anzusiedeln und hat mir persönlich trotz etlicher Defizite immer noch ein wenig besser gefallen als der müde "Phantasm 4: Oblivion". Manch einer wird das eventuell völlig anders sehen, aber richtig überzeugend war der vorliegende Beitrag wirklich nicht.


Fazit:


Bei aller Vorfreude über die Fortsetzung der Horrorfilm-Reihe muss man feststellen, das "Phantasm: Ravager" nicht mehr ist als ein verwirrendes Filmchen ohne jegliche inhaltliche Substanz. Lediglich das Wiedersehen mit Reggie und Konsorten tröstet ein wenig darüber hinweg, das dieser Beitrag die in ihn gesetzten Hoffnungen keinesfalls erfüllen kann.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon trebanator » 10. Jun 2017 20:38

... ich las auch, das Scrimm , Reggie , Baldwin, Kathy Lester und Bill Thornbury , angeblich zum Teil garnicht ganz aktuell im Film sein sollen ??
Es wurde ja vor einigen Jahren schon einmal eine Webserie produziert, aus denen man sich wohl auch Material entliehen hat..... oder gibt es mit allen Leuten der alten Garde auch definitiv erkennbar absolut aktuelle Drehszenen im Ravager ? :?
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 10. Jun 2017 21:45

Du hast doch zweimal das MB, schau einfach den Film :mrgreen:
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Beitragvon trebanator » 11. Jun 2017 10:02

horror1966 hat geschrieben:Du hast doch zweimal das MB, schau einfach den Film :mrgreen:

... Neee.... nur 1X .... war doch`n "Kopier-Rest" ..... hab mittlerweile soviel schlechtes über`n Ravager gehört, dat ichmih dat Angucken vorerst sowieso nich traue :shock:
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 11. Jun 2017 11:50

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Countdown
(Countdown)
mit Nic Nemeth, Glenn Jacobs, Katharine Isabelle, Josh Blacker, Alexander Kalugin, Michael Kopsa, Alan O'Silva, Catherine Lough Haggquist, Jennifer Cheon, Luke Roessler
Regie: John Stockwell
Drehbuch: Michael Finch / Richard Wenk
Kamera: Cliff Hokanson
Musik: Claude Foisy
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Der Undercover Cop Ray Fitzpatrick (Wrestling-Star Dolph Ziggler) muss notgedrungen bei einem Einsatz seinen Kollegen anschießen, damit seine Tarnung nicht auffliegt. Sein Chef Cronin (WWE-Legende Kane) hat genug von dem Verschleiß an Partnern, und so muss Ray endgültig Dienstmarke und Waffe abgeben. Doch schon bald stehen seine Ex-Kollegen wieder bei ihm vor der Tür: Ein Psychopath hat einen kleinen Jungen an einen unbekannten Ort verschleppt und droht live im Internet, das Kind in die Luft zu jagen. Als die Lösegeldübergabe außer Kontrolle gerät, bleiben Ray und seiner Kollegin Julia nur noch wenige Stunden, um den Jungen zu retten. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit beginnt...


In den letzten Jahren ist es in Mode gekommen, das immer öfter diverse WWE Stars in B-Actionern ordentlich mitmischen. Auch in dem vorliegendem Beitrag "Countdown - Ein Bulle sieht rot" verhält sich das nicht anders und so kann man in der Hauptrolle den aufstrebenden WWE Star Dolph Ziggler alias The Show Off in der Rolle des Undercover - Cops Ray bei der Arbeit begutachten. In einer Nebenrolle ist dann auch gleich noch die Legende Kane (See no Evil) zu sehen, wobei dessen Spielanteile sich in einem eher überschaubaren Rahmen bewegen. Rein inhaltlich gibt der Film nicht sonderlich viel her, man bekommt eine schon oft verfilmte Thematik serviert. Diese ist jedoch streckenweise recht unterhaltsam in Szene gesetzt worden und so kann man dem Beitrag in Sachen Kurzweil relativ wenig vorwerfen.

Regisseur John Stockwell rückt seine Hauptfigur ganz eindeutig in den Vordergrund und präsentiert dem Zuschauer dabei eine Charakter-Beleuchtung, die einerseits ziemlich oberflächlich ausfällt und gleichzeitig auch noch mit unzähligen Klischees beladen ist. Ray ist der typische Draufgänger, der bei seiner Arbeit auch gut und gern einmal sämtliche Vorschriften und Gesetze außer acht lässt, um letztendlich zum Erfolg zu gelangen. Dieses Verhalten fällt ihm dann auch zwangsläufig auf die Füße und hat persönliche Konsequenzen, die ihn allerdings keineswegs davon abhalten, im gleichen Stil weiter zu verfahren. Ziggler interpretiert die Rolle recht gut und sammelt mit seiner draufgängerischen Art auch durchaus Sympathiepunkte. Das Schauspiel der Akteure ist generell angemessen, allerdings treten auch immer wieder diverse Phasen auf den Plan, in denen die Darstellungen ein wenig plump und hölzern wirken. Bei einem Film dieser Art kann man diesen Umstand jedoch etwas vernachlässigen, denn schließlich möchte man im Endeffekt lediglich gut unterhalten werden.

Das schafft "Countdown" dann im Prinzip auch ganz gut, auch wenn die Geschichte nicht unbedingt mit zahlreichen Höhepunkten gesegnet ist. Der geneigte Action-Fan dürfte dennoch größtenteils auf seine Kosten kommen, denn auch wenn es keine äußerst spektakuläre Sequenzen zu begutachten gibt kann sich die enthaltene Action sehen lassen. Mehrere kleine Schießereien und etliche Nahkämpfe werden sehenswert dargestellt und im Mittelpunkt steht ein um das andere Mal der gute Ziggler, der insbesondere in diesen Passagen zu gefallen weiß. Ein wenig mehr hätte man sich aber von Kanes Figur erwartet, denn wenn die WWE Legende schon mitwirkt, dann hätte man ihn auch gern in Aktion gesehen. Leider mimt er aber den typischen Schreibtischhengst, was für den ein oder anderen eventuell eine kleine Enttäuschung sein könnte.

Insgesamt gesehen offenbart sich hier also sicherlich kein Film mit substanziellem Nährwert oder gar Tiefgang, dafür bekommt der Betrachter aber solide B-Movie Filmkost angeboten, bei der es zumindest stellenweise auch ganz gut zur Sache geht. Einen extrem nachhaltigen Eindruck dürfte der Beitrag wohl nicht hinterlassen, aber für Freunde solider Actionfilme lohnt sich ein Blick allemal. Hätte man die Chose noch etwas spektakulärer ins Bild gesetzt und mit einigen echten Höhepunkten versehen, dann hätte "Countdown" sogar ein richtig gelungener Kracher werden können, aber auch in vorliegender Form siedelt sich das Werk zumindest im guten Durchschnittsbereich an.


Fazit:


Ein Meisterwerk ist an dieser Stelle ganz bestimmt nicht entstanden, aber es gibt unzählige andere Genre-Vertreter, die weitaus schlechter geraten sind. Auch ohne sensationelle Highlights bietet "Countdown" gute Unterhaltung und definiert sich in erster Linie über seinen Hauptdarsteller, der einen absolut ordentlichen Job abliefert.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Jun 2017 15:51

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Fighting Games
(Traders)
mit Killian Scott, John Bradley, Nika McGuigan, Peter O'Meara, Barry Keoghan, Tom Davis, Aoibhinn McGinnity, David Murray, Caoilfhionn Dunne, Olwen Fouere, David McSavage
Regie: Rachael Moriarty / Peter Murphy
Drehbuch: Rachael Moriarty / Peter Murphy
Kamera: Peter Robertson
Musik: keine Informationen
keine Jugendfreigabe
Irland / 2015

Ein Luxusapartment, ein teures Auto: Banker Harry (Kilian Scott) hat alles - bis seine Firma dicht macht. Jetzt braucht er dringend Geld. Sein Ex-Kollege Vernon (John Bradley) erfindet ein teuflisches Geschäftsmodel. Das Spiel verwandelt Blut in bares Geld. Wetteinsatz ist alles, was man besitzt. Mit einem anonymen Gegenspieler kämpft man einem geheimen Ort bis zum bitteren Ende. Der Gewinner vergräbt die Leiche und bekommt alles. Harry steigt unerwartet zum neuen Shooting Star dieses tödlichen Spiels auf. Doch Neid, Missgunst und die immer stärker werdende Gier nach Geld lässt in einer Spirale der Gewalt aus Freunden Feinde werden. Und nur einer wird es überleben.


Nicht selten kann es vorkommen, das man durch den Titel eines Filmes oder dessen Inhaltsangabe auf eine falsche Fährte gelockt wird. So verhält es sich dann auch beim vorliegenden Regiedebüt von Rachael Moriarty und Peter Murphy, denn auf den ersten Blick geht man wohl zuerst von einem billigen B-Movie aus in dem ordentlich drauf los geprügelt wird. Dabei offenbart sich unter der Schale dieses Filmes eine wirklich gut erzählte Geschichte, in der man sogar Parallelen zu David Fincher's "Fight Club" aus dem Jahr 1999 erkennen kann. Zwar sollte man an dieser Stelle keinesfalls einen direkten Vergleich anstellen, aber diverse Ähnlichkeiten in der Erzählstruktur sind definitiv nicht zu leugnen. In "Fighting Games" dreht sich alles um die fast schon makabere Geschäftsidee des jungen Vernon, durch die man in kurzer Zeit seinen Einsatz verdoppeln kann. Natürlich hat die Sache aber einen Haken, denn um das schnelle Geld zu machen, muss man einen Kontrahenten in die ewigen Jagdgründe schicken. Das Ganze gestaltet sich eher unspektakulär, doch gerade dieser Umstand macht das Gesehene extrem authentisch und glaubwürdig.

Im Mittelpunkt steht dabei der ehemalige Banker Harry, der zunächst überhaupt nicht von Vernon's Idee begeistert ist, aber innerhalb kürzester Zeit zu einer Art Star bei den ominösen "Fighting Games" aufsteigt. Killian Scott weiß in der Hauptrolle sehr zu gefallen, wobei generell sämtliche Protagonisten einen mehr als ordentlichen Job abliefern. Anders als in diversen Hollywood Hochglanz - Produktionen wird man an dieser Stelle nicht mit irgendwelchen Schönlingen konfrontiert, vielmehr handelt es sich um eher unverbrauchte und frische Gesichter, die den authentischen Gesamteindruck des Filmes noch zusätzlich unterstreichen. Darin liegt auch die größte Stärke dieser irischen Produktion, die ganz nebenbei auch noch eine herrlich dreckige Grundstimmung erkennen lässt. Die Kämpfe oder sogenannten "Trades" gestalten sich eher recht unspektakulär, wer an dieser Stelle also satte Action und überzogene Gewaltexzesse erwartet, wird letztendlich wohl eher eine kleine Enttäuschung erleben. Vielmehr beinhaltet "Fighting Games" einen sehenswerten Seitenhieb in die Richtung in die Welt der Hochfinanz und beleuchtet eventuelle Auswirkungen auf Menschen die ihr komplettes Leben umstellen müssen, wenn erst einmal die finanzielle Seifenblase geplatzt ist. Ob man dabei zu den hier dargestellten Mitteln greifen muss um seinen gewohnten Lebensstandard zu sichern ist mehr als fraglich, andererseits ist es ohne Weiteres denkbar, das etliche Menschen die ungewöhnlichsten Wege beschreiten würden, nur um weiter in Glanz und Gloria leben zu können.

Rachael Moriarty und Peter Murphy zeichnen hier also ein Bild das einerseits durchaus denkbar wäre, auf der anderen Seite jedoch dermaßen überspitzt in Szene gesetzt wurde, das die Chose stellenweise äußerst schwarzhumorig daher kommt. Die Erzählung beinhaltet dann auch etliche zynische Momente, jede Menge Sarkasmus und lässt phasenweise auch feinste Ironie erkennen. Und dennoch wirkt das Szenario alles andere als lustig, stattdessen läuft es einem in diversen Szenen viel eher eiskalt den Rücken runter. Das ist in erster Linie der großartigen Performance von Killian Scott zu verdanken, denn der gute Mann geht hier mit einer erschreckenden Eiseskälte an die Sache heran. Seine abgeklärte und fast stoische Herangehensweise an die Abläufe tritt mit jedem weiteren "Trade" immer intensiver in den Vordergrund, was ihm auch jederzeit im Gesicht abzulesen ist. Wenn man es nicht besser wüsste würde man nämlich davon ausgehen das der junge Mann unter Gesichtslähmung leidet, denn wirkliche Emotionen lassen sich in seiner starren Gesichtsmaske nicht erkennen. Vielmehr wirkt der junge Mann wie ein eiskalter Serienkiller, dem das Schicksal seiner Opfer vollkommen egal ist und der wirklich nur an seinen eigenen Vorteil denkt.

Insgesamt gesehen versteht es "Fighting Games" auf jeden Fall positiv zu überraschen, denn anstatt eines aufgrund der Inhaltsangabe vermuteten Klopperfilms präsentiert sich eine gut erzählte Story mit einem gewissen Tiefgang. Besetzt mit gut agierenden Darstellern und ausgestattet mit einer dreckigen Atmosphäre bietet das Werk beste Unterhaltung und regt auch ohne Weiteres ein wenig zum nachdenken an. Rachael Moriarty und Peter Murphy haben sehr gute Arbeit geleistet und einen Debütfilm kreiert, der vor allem durch das Fehlen jeglicher Hochglanzoptik einen äußerst realistischen Gesamteindruck hinterlässt.


Fazit:


"Fighting Games" beinhaltet viel mehr als man aufgrund der Inhaltsangabe vermuten könnte. Etliche Anlehnungen an Fincher's "Fight Club" machen das Ganze noch reizvoller und auch wenn es weitaus unspektakulärer zur Sache geht, entfaltet die Geschichte ein Höchstmaß an Intensität. Von meiner Seite aus gibt es jedenfalls eine klare Empfehlung, denn diesen sehr guten Beitrag sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.


8/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

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horror1966
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 18. Jun 2017 11:58

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Wrong Trail
(Downhill)
mit Natalie Burn, Ignacia Allamand, Ariel Levy, Bryce Draper, Luke Massy, Matías López, Eyal Meyer, Lisseth Candia Encina, Andrés Gómez, Cristian Cuentrejo, Rodrigo Huepe
Regie: Patricio Valladares
Drehbuch: Patricio Valladares / Barry Keating
Kamera: Cristian Ali Venegas
Musik: Luigi Seviroli
keine Jugendfreigabe
Chile / Frankreich / Kanada / 2016

Montainbike-Star Joe reist mit seiner Freundin Stephanie zu einem großen Rennen in Chile. Während eines Trainings-Laufs retten die beiden mitten im Wald einen lebensgefährlich verletzten Mann, der an einem mysteriösen Virus leidet. Scheinbar war der Fremde vor irgendjemandem auf der Flucht. Es kommt wie es kommen muss. Joe wird von dem Verletzten infiziert, dessen Zustand sich dramatisch verschlechtert. Noch dazu geraten Joe und Stephanie in das Visier von einer Gang brutaler Killern, die alles daran setzen, ein undurchsichtiges Geheimnis zu bewahren. Wird es den beiden gelingen, der Gefahr zu entkommen? Denn der Virus hinterlässt weiter eine Schneise der Zerstörung…


Wrong Turn trifft auf Cabin Fever


Diese Beschreibung trifft wohl am ehesten auf den Film von Patricio Valladares zu, denn ganz offensichtlich hat der gute Mann diese beiden Filmreihen als Vorbild für seine Geschichte genommen, die leider nur teilweise überzeugen kann. Wie schon beim berühmt-berüchtigten "Hidden in the Woods" wird der Zuschauer auch hier mit einem zwiespältigen Eindruck konfrontiert, denn obwohl das Szenario durchaus mit diversen starken Momenten aufwarten kann, ergibt sich letztendlich kein wirklich stimmiges Gesamtbild. Das liegt in erster Linie am Drehbuch dem es hauptsächlich an Logik mangelt, denn größtenteils wird man mit Abläufen und Verhaltensweisen der Akteure konfrontiert, die arg konstruiert und an den Haaren herbei gezogen erscheinen. Dagegen setzt Valladares einige kleinere Goreeinlagen, die den gewonnenen Gesamteindruck des Ganzen aber nur unwesentlich aufwerten können. Zu schwer wiegen nämlich die offensichtlichen Mankos der Story, so will sich beispielsweise trotz offensichtlicher Bemühungen kein konstanter Spannungsbogen aufbauen. Vor allem die ersten gut 30 Minuten gestalten sich dabei äußerst belanglos und bis auf eine eher oberflächliche Charakter-Skizzierung der Figuren bekommt man überhaupt nichts geboten.

Danach kommt dann endlich ein bisschen Bewegung in die Sache und es entwickelt sich eine nicht unbedingt temporeiche Treibjagd auf Menschen, wobei gleichzeitig der aus "Cabin Fever" bekannte Ekel-Faktor Einzug in das Geschehen hält. Zugegebenermaßen offenbart "Wrong Trail" nun einige sehenswerte Einstellungen, aber in der Summe wird ganz einfach zu wenig geboten, um den Betrachter wirklich zu begeistern. Ihre Spannung bezieht die Story im Prinzip lediglich aus der Frage was es mit der ominösen Infizierung auf sich hat, aber mit der Auflösung dieses Rätsels lässt man sich dann doch bis kurz vor dem Ende Zeit. Was man sich dann letztendlich als Erklärung ausgedacht hat ist ehrlich gesagt ein wenig konfus und hinterlässt verwirrende Bilder, auf die man sich keinen wirklichen Reim machen kann. Das hätte man unter Garantie weitaus besser lösen können, andererseits passt das obskure Finale dann doch in das eher mittelmäßige Gesamtbild das man von diesem Werk gewonnen hat.

Auch die Darsteller fügen sich fast nahtlos ins graue Mittelmaß ein, denn richtig überzeugendes Schauspiel bekommt man wahrlich nicht geboten. Streckenweise lässt sich sogar ein dezentes Overacting ausmachen, aber am meisten stören doch die streckenweise hanebüchenen Handlungsweisen der Protagonisten, die man vom Standpunkt der Logik her kaum nachvollziehen kann. Das ist insgesamt gesehen sehr schade, denn obwohl "Wrong Trail" von der Thematik her nichts Neues bietet, hätte man eine ganze Menge mehr aus den vorhandenen Zutaten machen können. Stattdessen aber präsentiert Valladares einmal mehr einen ziemlich unausgegorenen Film, der in der Summe keinesfalls wirklich stimmig daher kommt. Die mangelnde Logik ist dabei ganz sicher das größte Manko und auch mit dem finalen Showdown hat man sich nicht unbedingt einen großen Gefallen getan.

Im Endeffekt ist dieser Beitrag sicherlich kein totaler Rohrkrepierer, aber einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers wird "Wrong Trail" auch nicht hinterlassen. Zu konfus gestaltet sich die Erzählung, die sich mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Ende fast schon ein wenig der Lächerlichkeit preis gibt. Manch einem wird das eventuell sogar recht gut gefallen, aber meinen Geschmack hat man damit keinesfalls getroffen. Wird dem Ganzen doch damit ein unfreiwillig trashiger Anstrich verliehen, der so gar nicht in einen Film dieser Art hinein passt.


Fazit:


Trotz mangelnder Innovation hätte man an dieser Stelle viel mehr aus den Zutaten heraus holen können, denn zumindest ein durchgehend unterhaltsamer Genrebeitrag wäre möglich gewesen. Leider ist dieses Ziel jedoch verfehlt worden, denn bis auf einige starke Momente hat "Wrong Trail" nicht wirklich viel zu bieten, was letztendlich doch schon ein wenig enttäuschend ist.


4/10
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