Shakespeare für Anfänger

Komödien, Kriegsfilme, Western und schwer einzuordnende Filme finden hier ihren Platz

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Shakespeare für Anfänger

Beitragvon horror1966 » 23. Mai 2017 19:03

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Shakespeare für Anfänger
(The Carer)
mit Brian Cox, Anna Chancellor, Emilia Fox, Coco König, Karl Johnson, Selina Cadell, Andrew Havill, Roger Moore, Richard Ridings, Andor Lukáts, Emily Bevan, Maitland Chandler
Regie: János Edelényi
Drehbuch: János Edelényi / Gilbert Adair / Tom Kinninmont
Kamera: Tibor Máthé
Musik: Atti Pacsay
ohne Alterseinstufung
Großbritannien / 2016

Der einst gefeierte Shakespeare-Darsteller Sir Michael Gifford ist an Parkinson erkrankt und benötigt eine Pflegekraft zur Unterstützung bei der Bewältigung seines Alltages. Doch der knorrige Sir Michael macht es keiner der Pflegekräfte leicht, die seine Tochter nach und nach für ihn engagiert. Erst die junge Ungarin Dorottya, die davon träumt, als Schauspielerin erfolgreich zu werden, findet dank ihrer unverblümten und offenen Art Zugang zu Sir Michael. Die Beziehung des ungleichen Paares untereinander verschafft nicht nur Sir Michael neue Lebensfreude, auch Dorottya reift an ihrem Job und scheint ihrem Traum näherzukommen …


Nach der Bekanntgabe der neuesten Veröffentlichung des Labels OFDB Filmworks war ich im ersten Moment ziemlich enttäuscht. Handelt es sich bei "Shakespeare für Anfänger" doch um eine sogenannte Dramedy und ausgerechnet diese Art von Film ist normalerweise überhaupt nicht mein Ding. Nach Sichtung des Filmes muss ich allerdings Abbitte leisten, denn diese britische Produktion des ungarischen Regisseurs János Edelényi erzählt eine Geschichte die nicht nur zu Herzen geht, sondern auch noch allerbeste Unterhaltung bietet. Dabei lehnt man sich inhaltlich an den 2001 erschienenen Film "Ziemlich beste Freunde" an und das dürfte nicht des schlechteste Mittel sein, um gut beim Publikum anzukommen. Den direkten Vergleich kann ich an dieser Stelle nicht ziehen da mit genanntes Werk nicht bekannt ist, aber das dürfte sogar von einem gewissen Vorteil sein, um völlig unbefangen und möglichst objektiv an die Sache heran zu gehen. Edelényi stellt in seiner Erzählung ganz eindeutig die beiden Hauptfiguren in den Fokus und beleuchtet dabei die Beziehung der beiden zueinander, die gerade zu Beginn noch unter ganz erheblichen Anlaufschwierigkeiten zu leiden hat. Mit Brian Cox und Coco König sind die Hauptrollen perfekt besetzt, womit man auch schon bei der größten Stärke des Filmes angelangt ist. Das Schauspiel der Akteure ist nämlich absolut erstklassig, wobei die beiden genannten Darsteller ganz eindeutig noch hervor stechen. Insbesondere Cox als schwer kranker und verbitterter ehemaliger Schauspielheld ist eine wahre Wucht, wobei ihm seine junge Kollegin König als seine Pflegerin im kaum etwas nachsteht. Die beiden prägen mit ihren Performances die komplette Story und drücken ihr ganz unweigerlich den persönlichen Stempel auf. Fairerweise sollte man anmerken das auch die restlichen Akteure sehr gut agieren, aber bei der Omnipräsenz der Haupt-Charaktere nicht über den Status einer Nebenrolle hinweg kommen.

"Shakespeare für Anfänger" steckt voller bissigem Wortwitz, jeder Menge Humor und auch teilweise skurriler Situationskomik. Dabei wird allerdings keinesfalls überspitzt zur Sache gegangen, stattdessen sprüht die Geschichte nur so vor Liebreiz und Charme. Die Angst und der Respekt vor dem Alter stehen dabei durchgehend im Fokus des Geschehens, wobei jedoch nicht nur der Umgang von Mitmenschen thematisiert wird, sondern in der Hauptsache vielmehr die eigene Akzeptanz vor dem Unvermeidlichen. Cox bringt diesen Aspekt absolut brillant zum Ausdruck und hat dabei mit seiner jungen Kollegin die beste Lehrmeisterin, die man sich nur wünschen kann. Der Umgang der beiden miteinander ist zu Beginn noch relativ schwierig, denn der knurrige alte Mann ist es schließlich gewohnt, die Zügel in der eigenen Hand zu halten. Das macht sich insbesondere in den Dialogen bemerkbar, aber ziemlich schnell wird an dieser Stelle auch klar, das die junge Pflegerin sich nichts gefallen lässt und immer ordentlich Contra gibt. So bekommt man dann auch mehrere recht hitzige Wortgefechte geliefert, in denen aber gleichzeitig auch immer wieder der nötige Respekt für den anderen durchschimmert. Mit der Zeit entwickelt sich dann eine fast schon als Freundschaft zu bezeichnende Beziehung und beide Seiten können ungemein voneinander profitieren.

Vor allem zum Ende hin lässt die Geschichte dann auch stärker die Züge des Dramas erkennen, wobei das Ganze allerdings jederzeit charmant in Szene gesetzt wurde, so das man es als Zuschauer gar nicht so dramatisch wahr nimmt. Das liegt auch ziemlich stark an der Wesensveränderung des schwer kranken Mannes, der durch die jugendliche und ehrliche Art seiner Pflegerin immer weniger den resignierenden Griesgram mimt, sondern trotz aller Beschwerden das Tun und Handeln in die eigenen Hände nimmt. Höhepunkt dafür dürfte die am Ende stattfindende Preisverleihung stehen,bei der ihm eine Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen werden soll. Obwohl seine Tochter den Preis für ihn entgegen nehmen wollte, erscheint er unter Mithilfe von Dorottya und gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Tochter selbst zu dem Ereignis. Die von ihm gehaltene Rede ist der krönende Schlusspunkt einer rührseligen und tollen Geschichte und beinhaltet auch noch einen ordentlichen Seitenhieb gegen den Schönheitswahn, der ja mittlerweile im realen Leben Gang und Gebe ist. Es ist das nahezu perfekte Ende für einen Film, dessen Mixtur aus Komödie und Drama absolut gelungen ist und der einen gleichzeitig auch stark berührt. János Edelényi drückt dabei jedoch zu keiner Zeit übertrieben auf die Tränendrüse, sondern präsentiert viel eher eine glaubwürdige und authentisch wirkende Erzählung, die einem den Respekt vor dem eigenen Alter plastisch näher bringt.

Letztendlich hat mich dieses Werk total überzeugt und jegliche zu Beginn vorhandene Skepsis in Luft aufgelöst. "Shakespeare für Anfänger" kann in allen Belangen vollends überzeugen und besticht neben der tollen Geschichte insbesondere durch seine beiden herausragenden Hauptdarsteller. Der enthaltene Humor ist von der feinsten Sorte und beinhaltet neben bissigen Sprüchen auch feinste Ironie, jede Menge Sarkasmus und auch diverse zynische Spitzen, so das sich im Endeffekt eine ausgezeichnete Kombination zu erkennen gibt. Von mit gibt es jedenfalls eine dicke Empfehlung, denn auch wenn das vorliegende Werk keinesfalls meinen ansonsten üblichen Sehgewohnheiten entspricht, wird die Blu-ray definitiv nicht das letzte Mal im Player gelandet sein.


Fazit:


Trotz anfänglicher Bedenken muss ich eingestehen, das OFDB Filmworks wieder einmal genau ins Schwarze getroffen hat und mit "Shakespeare für Anfänger" erneut einen außergewöhnlich guten Film an den Start bringt. Tolle Schauspieler, eine sehr gut erzählte Geschichte und eine ausgewogene Mischung aus Komödie und Drama machen diesen Beitrag in jeder Beziehung absolut sehenswert, so das man einen Kauf sicher nicht bereuen wird.


9/10
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Re: Shakespeare für Anfänger

Beitragvon horror1966 » 24. Mai 2017 14:08

Kritik ist eingefügt
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Re: Shakespeare für Anfänger

Beitragvon trebanator » 24. Mai 2017 19:27

..... Ein Pflichtprogramm alleine deswegen schon, weil dieser Film Sir Roger Moore`s letzter war.... :|
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Re: Shakespeare für Anfänger

Beitragvon horror1966 » 24. Mai 2017 19:38

trebanator hat geschrieben:..... Ein Pflichtprogramm alleine deswegen schon, weil dieser Film Sir Roger Moore`s letzter war.... :|


Nun gut, den guten Roger sieht man nur ganz kurz. Aber der Film ist echt spitze, hätte ich nie gedacht.
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