Ben Hur (2016)

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Ben Hur (2016)

Beitragvon horror1966 » 31. Mär 2017 15:37

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Ben Hur
(Ben-Hur)
mit Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Ayelet Zurer, Pilou Asbæk, Sofia Black-D'Elia, Morgan Freeman, Marwan Kenzari, Moises Arias, James Cosmo, Haluk Bilginer
Regie: Timur Bekmambetov
Drehbuch: Lew Wallace / Keith R. Clarke / John Ridley
Kamera: Oliver Wood
Musik: Marco Beltrami
FSK 12
USA / 2016

Lange leben der jüdische Edelmann Ben Hur und sein römischer Adoptivbruder Messala im engen Familienverband. Nachdem Messala auf dem Schlachtfeld Karriere macht, und der Druck Roms auf Judäa unerträglich wird, intensivieren sich die Spannungen zwischen den Jugendfreunden. Als Ben Hur schuldlos in ein Attentat auf die römischen Besatzer verwickelt wird, verdammt Messala ihn zum Leben als Galeerensklave, und wirft seine Familie ins Verlies. Fünf Jahre später entkommt Ben Hur und schwört, Rache an Messala zu nehmen.


Ben Hur 2016 oder wie man die Neuverfilmung eines Klassikers vollkommen in den Sand setzt


Auch wenn der gleichnamige Roman von Lew Wallace schon im Jahr 1907 mit einem Kurzfilm und 1925 mit einer Stummfilm-Version bedacht wurde ist wohl ganz eindeutig William Wyler's filmische Adaption aus dem Jahr 1959 das absolute Referenzwerk für die vorliegende Geschichte. Nicht umsonst handelt es sich dabei um einen der besten Filme aller Zeiten, der gleichzeitig auch im Bereich der Monumentalfilme das Non plus Ultra darstellen dürfte. Umso gespannter konnte man auf die vorliegende Neuverfilmung des Stoffes sein, die unter der Regie von Timur Bekmambetov (Wanted) entstanden ist. Das die Klasse des 59er Werkes nicht erreicht wird war im Prinzip klar, doch was dem Zuschauer hier letztendlich vorgesetzt wurde, spottet im Prinzip jeglicher Beschreibung. Bei den unzähligen Defiziten weiß man dabei gar nicht so recht wo man beginnen soll, aber schon die Tatsache, das hier eine Geschichte mit einer Laufzeit von gut 3,5 Stunden auf noch nicht einmal 2 Stunden gestrafft wurde spricht Bände. Und so sollte man sich schon im Vorfeld auf eine komplexe Story im Zeitraffer einstellen, denn genau so und nicht anders spielt sich das Geschehen im Endeffekt ab. Selbst das könnte man in der heutigen Zeit eventuell noch verschmerzen wenn dann ein Film mit einem Budget von geschätzten 100.000.000 $ zumindest als echter Blockbuster daher kommen würde, aber selbst in dieser Beziehung versagt "Ben Hur" fast auf der kompletten Linie. Der Film wirkt durchgehend wie gewollt und nicht gekonnt und nimmt so insbesondere den Liebhabern der Version von 1959 jegliche Hoffnung, das es sich letztendlich doch um eine gelungene Neuinterpretation handelt. Das man inhaltlich einige Änderungen vorgenommen hat ist dabei längst nicht das Schlimmste, denn schließlich ist es mittlerweile Gang und Gebe, Remakes älterer Klassiker zeitgemäß ein wenig aufzupeppen. Nur ist davon leider überhaupt nichts zu spüren, denn von der ersten Minute an wird einem vor Augen geführt, das Bekmambetov seine Erzählung ausschließlich auf das legendäre Wagenrennen ausgelegt hat. Damit beginnt und endet der Film auch gleichzeitig, wobei der gesamte Rest lediglich wie nötige Staffage erscheint die nötig ist, um die Chose auf eine bestimmte Länge zu trimmen.

Wenn es nicht so traurig wäre dann müsste man lauthals los lachen, denn die von Wyler seinerzeit so brillant verfilmte Story wird hier phasenweise der Lächerlichkeit preisgegeben. Das gesamte Szenario kommt seltsam gehetzt daher, denn schließlich mussten die Macher ja etliche Dinge in eine bestimmte Spielzeit einbauen. So kommen dann fast selbstredend alle Elemente viel zu kurz, zudem gibt es auch keinerlei ausführliche Charakter-Skizzierungen, die in der 59er Verfilmung noch eine der ganz großen Stärken waren. Ganz generell ist auch die Darstellerriege mit Ausnahme von einem solide agierenden Morgan Freeman durch die Bank als absolute Fehlbesetzung anzusehen und insbesondere im Fall der beiden Hauptfiguren fällt das extrem stark ins Auge des Betrachters. Waren Charlton Heston als Ben Hur und Stephen Boyd in der Rolle von Messala starke Mimen mit Ausstrahung und Präsenz, so wirken Jack Husto und Toby Kebbell vielmehr wie ungelenke Fremdkörper, die gar nicht so genau wissen was sie überhaupt in diesem Film zu suchen haben. Das kann man aber auch auf die restlichen Akteure ummünzen, von denen lediglich wie schon kurz erwähnt der alternde Freeman einen recht guten Eindruck hinterlässt. Auch in visueller Hinsicht erlebt man eine ziemlich herbe Enttäuschung, denn gerade wenn man sich einmal die Bildgewalt und die kräftigen Farben von 1959 vor Augen hält, dann kann der vorliegende Beitrag noch nicht einmal in Ansätzen an diese hohe Qualität heran reichen.

Und so setzt man dann seine ganzen Hoffnungen auf ein richtig spektakulär in Szene gesetztes Wagenrennen, das dann aber fast schon zu einer kleinen Lachnummer verkommt. An dieser Stelle wurden die Möglichkeiten völlig achtlos liegen gelassen und man kommt sich als Zuschauer fast schon ein wenig verarscht vor. Schuf Wyler seinerzeit doch ein intensives Spektakel das einem regelrecht unter die Haut geht, so lässt Timur Bekmambetov seine beiden Hauptdarsteller lediglich ein paar Mal im Kreis herum fahren und verzichtet dabei im Prinzip gänzlich auf irgendwelche Höhepunkte. Als wenn das dann nicht langsam zu viel des Guten wäre wird dem Ganzen mit der Schlusseinstellung noch die absolute Krone aufgesetzt, denn in der Art wie man das Ende verändert hat, gibt man das Ganze endgültig der Lächerlichkeit preis. Es gibt eine Familien-Zusammenführung der ganz besonderen Art und diese Form von Friede, Freude, Eierkuchen geht nun einmal überhaupt nicht. Wenn man dann doch etwas Positives in diesem verhinderten Blockbuster finden will ist es vielleicht die Tatsache, das in der Neuverfilmung dem religiösen Aspekt der Geschichte etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde, als es noch in Wyler's Verfilmung der Fall war. So ist beispielsweise auch die Figur von Jesus mit etwas mehr Spielzeit bedacht worden, was ehrlich gesagt ganz gut gepasst hat. Ansonsten aber präsentiert sich "Ben Hur" als ein echter Rohrkrepierer und es bewahrheitet sich einmal mehr, das man von bestimmten Filmen besser die Finger lassen sollte, anstatt sie mit einem dermaßen misslungenen Remake zu bestrafen.

Im Endeffekt wird es bestimmt genügend Leute geben die das vollkommen anders sehen, doch selbst aus der heutigen Betrachtungsweise aus gesehen handelt es sich um einen größtenteils verkorksten Versuch, eine großartige Geschichte neu zu verfilmen. Die Macher dieses Beitrages treten von einem Fettnäpfchen in das andere und servieren dem Betrachter im Endeffekt nichts anderes als filmische Gülle im Gewand eines Möchtegern-Blockbusters, der fast auf der ganzen Linie kläglich versagt. Will man einen wirklich herausragenden Monumentalfilm sehen, dann sollte man doch lieber immer wieder zu Wyler's Werk greifen, denn nicht umsonst teilt sich dieser grandiose Film auch heute noch den ersten Platz bei den erhaltenen Oscars. Und bei einem Punkt kann man ganz sicher sein, denn Ben Hur 2016 eignet sich höchstens als Kandidat für die goldene Himbeere, denn einen der begehrten Filmpreise wird dieser Mist ganz bestimmt nicht erhalten. Am besten wäre es gewesen wenn man sich diesen schwer erträglichen Rotz einfach gespart hätte, denn mehr als die pure Wut ruft dieser Beitrag nicht in einem hervor.


Fazit:


Auch wenn man mit einer geringen Erwartungshaltung an diese Neuauflage heran geht kann man fast sicher sein, das diese auf jeden Fall noch unterboten wird. Zumindest eine einigermaßen gute Umsetzung des Stoffes hätte man doch erwarten können, doch selbst in dieser Beziehung wird man eines Besseren belehrt. Und so kann man vor allem den Liebhabern von William Wyler's Film nur dringend von diesem Remake abraten, das stellenweise fast schon körperliche Schmerzen verursacht.


3/10
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Re: Ben Hur (2016)

Beitragvon horror1966 » 31. Mär 2017 17:13

Kritik ist drin
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Re: Ben Hur (2016)

Beitragvon dude-1984 » 31. Mär 2017 19:51

nur durchgezappt und da schon entschieden : neeeeeee neeeeeee nichma geschenkt!
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