'71 - Hinter feindlichen Linien

Komödien, Kriegsfilme, Western und schwer einzuordnende Filme finden hier ihren Platz

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'71 - Hinter feindlichen Linien

Beitragvon horror1966 » 2. Sep 2015 08:54

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'71 - Hinter feindlichen Linien
('71)
mit Jack O'Connell, Jack Lowden, Paul Popplewell, Adam Nagaitis, Joshua Hill, Ben Williams-Lee, Jonah Russell, Harry Verity, Peter McNeil O'Connor, Babou Ceesay, Sam Reid, James McArdle, Sam Hazeldine, Sean Harris
Regie: Yann Demange
Drehbuch: Gregory Burke
Kamera: Tat Radcliffe
Musik: David Holmes
FSK 16
Großbritannien / 2014

Belfast 1971 - Die Einheit des jungen englischen Soldaten Gary wird nach Nordirland beordert, um die örtliche Polizei bei einem Routineauftrag zu unterstützen. Doch gleich der erste Einsatz gerät völlig außer Kontrolle. Von seinen Kameraden getrennt, muss Gary vor den aufgebrachten Iren von nun an um sein Leben rennen. Nur durch die Hilfe einiger Einwohner erhält er die Chance, diesen zu überleben und zu seiner Einheit zurückzukehren. Allerdings wird Gary bei einem Bombenattentat schwer verletzt und findet Unterschlupf bei einer katholischen Familie. Und doch ist er noch nicht in Sicherheit: Die IRA ist ihm bereits dicht auf den Fersen.


Es ist manchmal schon erstaunlich, das qualitativ hochwertige Filme in Deutschland nicht in den Kinos laufen und somit lediglich für das Heimkino auf den Markt kommen. Der vorliegende Beitrag von Yann Demange ist nahezu ein Paradebeispiel dafür, denn aufgrund seiner Klasse hätte es "'71 - Hinter feindlichen Linien" definitiv verdient gehabt, auch in den Lichtspielhäusern gezeigt zu werden. Thematisch beschäftigt sich die Geschichte mit dem Nordirlandkonflikt, der wohl hauptsächlich den etwas älteren Semestern noch im Gedächtnis sein dürfte. Zeitlich gesehen befindet man sich dabei noch in den Anfangsjahren des Konfliktes und Demange erzählt in seinem ersten Spielfilm die Geschichte des jungen Soldaten Gary, der bei einem Routineeinsatz zwischen die Fronten gerät und von nun an gnadenlos gejagt wird. Die Umsetzung der Geschehnisse ist absolut brillant und die größte Stärke des Filmes ist sicherlich die extreme Authentizität, die von den erstklassigen Bildern ausgeht. Man merkt von Beginn an, das hier sehr viel Wert auf die Details gelegt wurde um dem Zuschauer ein möglichst realitätsnahes Szenario zu präsentieren, was letztendlich auch ganz hervorragend gelungen ist.

Insbesondere die Schauplätze mit den zerbombten Straßenzügen vermitteln dabei fast schon den Eindruck, als wenn man sich live am Ort des schrecklichen Geschehens befinden würde. Es gleicht fast einer Zeitreise zurück in die 70er Jahre, denn auch die Kleidung und die Frisuren der Protagonisten unterstützen das Gefühl, das man in der Zeit zurück gesprungen ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die Erzählweise der Story, die einerseits ziemlich temporeich gestaltet ist, aber zu keiner Zeit in ein überladenes Action Szenario ausartet, in dem blind und wahllos um sich geballert wird. Dabei beinhaltet das Werk durchaus genügend Momente in denen es ordentlich zur Sache geht, nur wurde eben sorgsam darauf geachtet, das zu keiner Zeit der authentische Eindruck darunter leiden muss. So entfaltet sich dann mit zunehmender Laufzeit eine immer stärker ansteigende Intensität und die temporeiche Jagd nimmt auch den Betrachter vollkommen in Beschlag. Die Abläufe halten einen dermaßen bei Atem halten, das man für jede etwas ruhigere Phase regelrecht dankbar ist, um selbst einmal etwas Luft zu holen. Es ist so gut wie unmöglich an dieser Stelle nicht selbst schon fast ein Teil der Ereignisse zu werden, denn viel zu sehr ziehen einen die Abläufe in ihren Bann. Gleichzeitig empfindet man aber auch große Sympathie mit dem Hauptdarsteller, der hier eine absolut überzeugende Performance an den Tag legt und dem Ganzen so auch seinen persönlichen Stempel aufdrückt.

"'71 - Hinter feindlichen Linien" ist ein wirklich überragendes Stück Film, das den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute ohne Probleme für sich einnehmen kann. Selbst wenn einem der thematisierte Konflikt eher unbekannt sein sollte, kann man sich der von den Geschehnissen ausgehenden Faszination keinesfalls erwehren. Besonders wohlwollend erscheint auch der Aspekt, das an dieser Stelle einmal ein kriegsähnlicher Konflikt präsentiert wird, in dem einmal nicht der übliche Hollywood Helden Pathos mitschwingt und auch keinerlei Patriotismus zu verspüren ist. Vielmehr offenbart sich ein nüchtern realistisches Bild von Ereignissen, die die über drei Jahrzehnte andauernde Nordirland Problematik natürlich nur ankratzen können, aber dennoch einen tiefen und intensiven Einblick gewähren. Ein dramaturgisch erstklassig aufgebauter Spannungsbogen, hervorragend agierende Darsteller und jede Menge Tempo machen diesen Film zu einem echten Erlebnis, das auch nachhaltig im Gedächtnis hängen bleiben wird.

Yann Demange hat hier ein starkes und wuchtiges Stück Film auf den Weg gebracht, das jederzeit hart und kompromisslos erscheint, aber niemals den Weg der Realität verlässt. Keine reißerische und überzogene Action, sondern glaubwürdige und realistisch umgesetzte Abläufe sind die Stärken einer Geschichte, die man sich unbedingt anschauen sollte. Bei diesem Film kann man nun wirklich nichts falsch machen, denn sämtliche vorhandenen Zutaten wurden absolut perfekt miteinander verbunden, so das letztendlich ein durchgehend überragendes Gesamtbild entsteht.


Fazit:


Leider gibt es zu der hier behandelten Thematik nur relativ wenig vergleichbare Filme, wobei mir persönlich aber mit "50 Dead Men Walking" und "Im Namen des Vaters" immerhin zwei Werke spontan einfallen. Mit "'71 - Hinter feindlichen Linien" liegt nun ein weiterer sehenswerter Beitrag vor, der aufgrund seiner vorhandenen Qualität auch durchaus einen Kinostart verdient gehabt hätte.


8,5/10
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