R - Gnadenlos hinter Gittern

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R - Gnadenlos hinter Gittern

Beitragvon horror1966 » 2. Jun 2015 14:36

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R - Gnadenlos hinter Gittern
(R)
mit Pilou Asbæk, Dulfi Al-Jabouri, Roland Møller, Jacob Gredsted, Omar Shargawi, Kim Winther, Jorg Beutnagel, Lars Jensen, Johnny Nielsen, Claus Saric Pedersen, Sune Nørgaard, Claus Poulsen, Helmuth Kristensen
Regie: Tobias Lindholm / Michael Noer
Drehbuch: Tobias Lindholm / Michael Noer
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Musik: keine Informationen
keine Jugendfreigabe
Dänemark / 2010

Rune muss hinter Gitter. Hier ist er nur ein kleiner Fisch und landet schnell ganz unten in der Knasthierarchie. Demütigungen und Misshandlungen stehen für ihn auf der Tagesordnung. Doch Rune hat einen Plan: Gemeinsam mit Rashid, den er bei der Küchenarbeit kennen lernt, findet er einen geschickten Weg, die Zweiteilung des Knasts in dänische und arabisch-stämmige Insassen zu umgehen und Drogen zwischen den beiden Trakten zu transportieren. Das bringt einigen seiner Peiniger ordentlich Geld ein und ihm einen besseren Status. Doch nicht alle seine Mitinsassen sehen das gerne...


Ohne jegliches Vorgeplänkel wird der Zuschauer in diesem Drama mit der brutalen Realität konfrontiert, denn "R - Gnadenlos hinter Gittern" beginnt die Erzählung sofort mit der Inhaftierung der Hauptfigur Rune. Somit konfrontiert einen das Regie Duo Tobias Lindholm und Michael Noer auch von der ersten Minute an mit dem tristen Alltag hinter Gittern, der jedoch für den Haupt Charakter noch weitaus schlimmer ausfällt als für seine Mitinsassen. Als körperlich unterlegener Neuling wird Rune nämlich von Beginn an zur Zielscheibe etlicher Demütigungen und Erniedrigungen und siedelt sich ganz am Ende der im Gefängnis vorherrschenden Hierarchie an. Besonders dieser Aspekt wird von den Machern des Filmes äußerst eindrucksvoll ins Bild gesetzt und vermittelt dem Betrachter so einen sehr guten Eindruck über die Isolation der Hauptfigur. Untermalt wird das Ganze von einer teils bedrückenden Stille, denn gerade im ersten Drittel der Geschichte ist das Geschehen lediglich mit den nötigsten Dialogen ausgestattet.

Statt überflüssiger Worte bekommt man vielmehr beeindruckende Nahaufnahmen geboten und gleichzeitig gestatten sehr gelungene Kamerafahrten zudem einen Überblick über die meisten Räumlichkeiten der Haftanstalt. Dabei baut sich eine Menge an Tristesse und Hoffnungslosigkeit auf und ein immer stärker ansteigendes Gefühl der Beklemmung überkommt einen selbst. Es ensteht eine ungemein hohe Identifikation mit Rune und im Laufe der Zeit entwickelt man ein untrügliches Gespür für die scheinbar aussichtslose Situation, in der sich der junge Mann befindet. Lindholm und Noer legen in ihrer Erzählung keinerlei Wert auf explizite Gewaltspitzen und lassen vielmehr vage Andeutungen im Raum stehen. So aber setzt sich im Kopf des Zuschauers eine Gewaltspirale frei die einem streckenweise wirklich zu schaffen macht. Denn ganz generell ist "R - Gnadenlos hinter Gittern" auch ohne visuelle Brutalität ein extrem harter Film, der allein schon durch seine nüchtern - realistische Optik ein hohes Maß an Intensität freisetzt.

Der dramaturgisch äußerst gelungene Spannungsaufbau und die durchgehend bedrohliche Grundstimmung nehmen einen ganzzeitig in Beschlag, denn irgendwie wird man das Gefühl nicht los, das man auf einem Pulverfass sitzt das jeden Moment explodieren könnte. Natürlich ist es nicht besonders verwunderlich das es dann auch wirklich so kommt, aber dennoch erscheinen die Abläufe zu keiner Zeit vorhersehbar. Besonders im letzten Drittel eskaliert die Situation dann vollends, wobei wiederum nur durch den Ansatz von Gewalt eine schier brachiale Kraft freigesetzt wird, die dem Zuschauer in jeden einzelnen Knochen fährt und auch noch nachhaltig beschäftigt. "R - Gnadenlos hinter gittern" ist wirklich ein starkes Stück Film und schockt in erster Linie durch sein extrem realistisch anmutendes Szenario. Obwohl es sich hier um eine eher sehr ruhig erzählte Geschichte handelt, kommt das Szenario dennoch mit einer wahren Urgewalt daher und setzt sich unauslöschbar im Gedächtnis des Betrachters fest.

Selten habe ich in der letzten Zeit einen Film gesehen der fast gänzlich auf visuelle Gewaltdarstellungen verzichtet, aber dennoch einen so beklemmenden Eindruck hinterlassen hat. Es handelt sich um ein echtes Paradebeispiel dafür das diverse Andeutungen vollkommen ausreichend sind, um in der eigenen Fantasie eine Gewaltspirale entstehen zu lassen, die einem Tiefschlag in die Eingeweide gleich kommt. Erstklassig agierende Darsteller, hervorragende Kamerafahrten und das Ausreizen der Dramatik bis ins kleinste Detail sorgen für ein hervorstechendes Gesamtpaket, das man in seiner Gesamtheit als überdurchschnittlich gut einstufen muss. Auch lange nach dem Abspann spukt einem das Szenario noch im eigenen Kopf herum und man braucht eine gewisse Zeit, um das Gesehene erst einmal richtig zu verarbeiten.


Fazit:


"R - Gnadenlos hinter Gittern" ist einmal mehr ein herausragendes Stück europäisches Kino und man kann diesen tollen Film wirklich nur wärmstens empfehlen. Allerdings sollte man dieses Werk nicht einfach so nebenbei anschauen, denn ansonsten würde man die brachiale Wirkung des Geschehens keinesfalls in sich aufsaugen können.


9/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

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horror1966
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Re: R - Gnadenlos hinter Gittern

Beitragvon horror1966 » 21. Jul 2015 15:33

Kritik wurde eingefügt.
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