Racket (1976)

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Racket (1976)

Beitragvon horror1966 » 15. Sep 2013 14:18

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Racket
(Il Grande Racket)
mit Fabio Testi, Vincent Gardenia, Renzo Palmer, Orso Maria Guerrini, Glauco Onorato, Marcella Michelangeli, Romano Puppo, Antonio Marsina, Salvatore Borghese, Joshua Sinclair, Daniele Dublino, Anna Zimmermann,
Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Enzo G. Castellari / Massimo De Rita
Kamera: Marcello Masciocchi
Musik: Guido De Angelis / Maurizio De Angelis
Ungeprüft
Italien / 1976

Nico Palmieri (Fabio Testi), Inspektor bei der Polizei in Rom, kämpft aufopferungsvoll unter Einhaltung aller Gesetze gegen die Schutzgelderpresser der Mafia. Da eben diese Gesetze ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen und die Delikte sich mittlerweile auf Mord, Vergewaltigung und Drogen ausweiten, wirft er das Gesetzbuch weg und regelt die Angelegenheit auf seine Art und Weise. Gemeinsam mit den Opfern bildet er eine schlagfertige Truppe, die die Gangster ein für alle Mal eliminieren will...


"Il Grande Racket", wie der Film von Enzo G. Castellari heisst, ist meiner Meinung nach mit das Beste, was man unter den italienischen Policiesco-Filmen finden kann. Knallhart und kompromisslos wurde hier eine exzellente Geschichte äusserst spannend und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt und zudem noch mit einem Actionanteil versehen, der sich gewaschen hat. Dabei lässt der Plot von Beginn an keinerlei Zweifel daran, das es größtenteils sehr actionlastig zur Sache geht, das Geschehen aber zu keiner Zeit in blinden Aktionismus verfällt. Castellari ist es hervorragend gelungen, die eigentliche Thematik des Filmes niemals ausser acht zu lassen und schafft es dabei perfekt, besonders die vollkommene Hilflosigkeit der Polizei in den Vordergrund zu rücken, der durch Gesetzesvorgaben die Hände im Kampf gegen eine Verbrecherorganisation gebunden sind. Besonders zu spüren bekommt das immer wieder Inspektor Palmieri, der trotz größter Bemühungen nichts gegen die Schutzgelderpresser unternehmen kann. Ganz egal, ob er mit legalen oder manchmal auch illegalen Mitteln gegen sie vorgeht, immer wieder gelingt es den sehr gut organisierten Verbrechern den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Zudem sind die Gangster auch keineswegs zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, so das die Einschüchterungsversuche bei ihren Opfern durchaus Wirkung zeigen, denn kein Betroffener will eine Aussage machen.

Im Prinzip hört sich die Geschichte eigentlich recht banal an und es handelt sich auch um keine Thematik, die man nicht schon oft genug in einem Film gesehen hätte, doch in vorliegendem Fall sind sämtliche Komponenten so gut aufeinander abgestimmt, das es der Zuschauer mit einem in wirklich allen Belangen sehr überzeugendem Gesamtpaket zu tun bekommt, dessen Unterhaltungswert schwerlich zu überbieten ist. Dabei handelt es sich aber bei weitem nicht nur um seichte Unterhaltung, denn "Racket" geht auch insbesondere im Bezug auf die vorhandenen Mafia-Strukturen ziemlich in die Tiefe, so bekommt man im Laufe der Zeit einen äusserst guten Eindruck über die Hirarchie in der Organisation und muss auch den zu Beginn des Filmes gewonnenen Eindruck revidieren, das es sich lediglich um ein paar Schutzgelderpresser handelt, die lediglich einem Boss unterstehen. Denn die Organisation ist weitaus größer und hat ihre Finger in so ziemlich allen Verbrechens-Sparten, die man sich so vorstellen kann. Diese Zusammenhänge ergeben sich allerdings erst in der zweiten Filmhälfte, die ihren absoluten Höhepunkt aber in ihrem furiosen und actiongeladenen Showdown hat, den man nicht besser hätte in Szene setzen können. Dem geneigten Action-Fan wird hier das Herz im Leibe in ungeahnten Höhen schlagen, geht es doch so richtig rund und das auch noch auf einem qualitativ äusserst hohem Niveau.

Und dabei ist doch eigentlich die gesamte Laufzeit über wirklich schon genug los, es gibt etliche Schießereien und Schlägereien zu sehen und nie überkommt den Zuschauer dabei das Gefühl, das es sich um stupide Prügel-Action handeln würde. Castellari hat seiner Geschichte in jeder Beziehung sehr viel Stil und Niveau verliehen, so das sich "Racket" wirklich von vielen anderen Genre-Vertretern äusserst wohlwollend abhebt. Hier kommt ein jeder auf seine Kosten, sei es nun der reine Action-Liebhaber oder der Freund nieveauvoller Filmkost, denn beide Dinge ergänzen sich ganz hervorragend. Zudem ist der Film auch noch mit einem ganz ausgezeichneten Darsteller-Ensemble ausgestattet, denn die Story ist bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt. Auch wenn sämtliche Schauspieler einen richtig guten Job abliefern, muss man Fabio Testi in der Rolle des Inspektor Palmieri ganz besonders hervorheben, denn er verleiht dem von ihm dargestellten Charakter enorm viel Glaubwürdigkeit und Authenzität. Ist er einerseits der knallharte Inspektoe, so lässt ihm die Rolle auch genügend Freiraum für echte Emotionen und sehr menschliche Regungen, die den gewonnenen Gesamteindruck des Werkes noch zusätzlich unterstreichen und hervorheben.

Insgesamt kann man hier nur von einem absolut gelungenen Film sprechen, der bei weitem nicht nur durch die etlichen Action-Passagen zu überzeugen weiss. Eine erstklassige Geschichte, ein exzellenter Spannungsaufbau, erstklassig agierende Darsteller und eine herausragende Atmosphäre sind die idealen Zutaten für einen aussergewöhnlich guten Film, den "Racket" ganz sicher darstellt. Wenn man vielleicht auch bisher kein großer Fan des italienischen Kinos gewesen sein solte, so kann sich das nach der Sichtung dieses Filmes durchaus ändern, denn das Werk von Enzo G. Castellari zählt meiner bescheidenen Meinung nach zum Besten, was das Cinema Italiano zu bieten hat.


Fazit:


Auch wenn dieser Film mittlerweile schon über drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, versprüht er immer noch die gleiche Faszination und Intensität wie zur damaligen Zeit. Die perfekte Mixtur aus Polizei-Thriller und knallhartem Actionfilm sorgt hier für ein nahezu brillantes Sehvergnügen, an dem man seine helle Freude hat. Dabei ist es vollkommen egal, ob man lediglich tolle Action sehen will, oder ob man zu den Menschen gehört, die eine interessante Geschichte bevorzugen. Jeder wird bestens bedient, so das man für diesen Film nur eine absolute Empfehlung aussprechen kann.


9/10
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Re: Racket (1976)

Beitragvon dude-1984 » 16. Sep 2013 19:45

Enzo G. Castellari der uns später die RIFFS kredenzte , serviert uns hier eine ordentliche Portion Selbstjustiz mit angemessener Härte. Wo der Inspektor zu beginn noch nach dem Gesetz handelt, wird er im durchaus spannenden verlauf der Geschichte zum Italienischen Charles Bronson.

Durchzogen von rabiaten Schießereien mit etlichen Toten & einigen blutigen Schusswunden - ja genau, einigen! , denn desöfteren sieht man nichtmal eine ( da haben aber welche geschlampt ) & es wirkt unbeabsichtigt ulkig wie sich die "getroffenen" wie zappelnde Fische auf den Boden werfen . - Wäre auch das einzige was ich zu bemängeln hätte....darüberhinaus gesellen sich noch 2 brutale Vergewaltigungen hinzu, die schon eine gewisse rape&revenge-atmo erzeugen. Die Schlägereien wirken zwar etwas übertrieben, sind aber schön oldschool-handmade ohne Stuntman
( Testi war mal einer ). Womit wir auch zur genialen Auto-überschlag sequenz kämmen :
Testi drine & die kamera filmt von innen,der wagen überschlägt sich mehrere male .... hammer!- sowas wirds heut nicht mehr geben!
Die Synchronisation ist auch als gelungen zu bezeichnen & lässt auch mal den einen oder anderen ulkigen spruch los.

Untermalt wird das ganze treiben von dem kultigen Soundtrack Guido & Maurizio de Angelis'.
100 minuten Italienische Oldschool Krimi/Action die enorm unterhält & keine langeweile aufkommen lässt.

Wer noch nie einen Poliziotteschi gesehen hat, sollte zum einstieg diesen hier nehmen da er keine längen hat & enorm auf die Tube drückt.

8/10 ...ach was solls... 9/10
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Re: Racket (1976)

Beitragvon dr. freudstein » 13. Nov 2013 01:59

Ich kann nur mit Superlativen um mich schmeissen, als hätte ich eine Fabrik dafür gepachtet.
Die Story ansich ist natürlich vom Grunde her etliche Male verfilmt worden, aber es kommt ja immer auf die jeweilige Umsetzung drauf an.
Und da bin ich momentan der Meinung, das dies wohl die beste ist.

Die Polizei schaut machtlos dem Treiben der Unterwelt zu und ist dieser hilflos ausgeliefert bzw. wird sogar selbst von denen kaltgestellt. Der Machtapparat der Polizei selbst aber ist es auch noch, die ihren Bediensteten Steine in den Weg legt, aber zum Ende des Films erfahren wir auch warum (Feige Drecksau, die :basi: )
Vom Dienst suspendiert kann unser Hauptdarsteller Fabio Testi (es geht nicht ohne ihn) aber endlich seine eigenen Methoden anwenden und er findet zahlreich Unterstützung.
Ein ehemals rechtschaffener Gastwirt, dem man seine Tochter genommen hat, diverse (Klein) Gangster, (die sich moralistisch gesehen aber weit von der vorherrschenden Bande abgrenzt) denen man ebenfalls übel mitgespielt hat
und einem Tontauben - Olympiasieger, der sich ebenfalls nicht kleinkriegen lässt. Als das Syndikat sich zu einer Dienstbesprechung zusammenfindet, kommt es zu einem massenhaften Austausch bleihaltiger Argumente.


Die 70er Jahre waren von einer Verbrechensflut geprägt in Italien, die Polizei selbst musste ob der immer skrupelloseren Methoden der Syndikate, Mafia oder sonstiger Banden tatenlos zusehen und werden selbst Opfer dieser oder kooperierten irgendwann mit denen.
Selbst die Presse war in deren Hand, praktisch Faschismus nicht politischer Herkunft.
Solange es nur reiche ausbeuterische Unternehmen/Personen betrifft, juckt es mich nicht, im Gegenteil, ich befürworte es. (muß ich jetzt meine Zahnbürste packen?)
Aber selbst jeden hartschaffenden Kleinbürger und Familienvater presste man aus wie eine Zitrone und irgendwann wird der Erpresste selbst zu einer, nämlich sauer. Erst recht, wenn man diesem nicht nur das Geld nimmt (das konnten viele noch schmerzlich ertragen), sondern wenn es an liebgewonnene Familienmitglieder geht wie Kinder, Ehefrau und dergleichen.
Da ist es nur recht und billig, sich diesem zur Wehr zur setzen, auch wenn es sich um Polizeibedienstete handelt, die mit ihrer Erfahrung etwas Professionalität in die nicht gesetzeskonforme Bekämpfung SOLCHER Verbrecher geht.
Sollte ich mal auswandern, bisher war ja herkunftsmäßig Kroatien mein bevorzugtes Ziel, so habe ich mich nun für Italien entschieden, um mich mit fremden Federn schmücken zu können 8-)
In Deutschland wurden sicher auch eine Menge großartiger Klassiker produziert (abzgl. 12 jahre), aber Italien hat die Krone auf :prost:

TOP BEWERTUNG für diesen Film, der mehr ist als nur ein Film. Ich bin begeistert und geb der DVD erstmal einen Kuss (weil der Regisseur nicht greifbar ist)

9/10
(vielleicht erhöhe ich bei der nächsten Sichtung noch auf 10, diese hier lag schon einige Zeit zurück)
Suche die deutsche 35mm Kopie zum Kauf. Ich glaube, das Werkstattkino hat die nicht und auch Metropolis Hamburg kann da nicht weiterhelfen.
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sondern frage dich, was DU für das Forum tun kannst
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