Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

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Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon horror1966 » 15. Sep 2013 11:53

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Der Tod trägt schwarzes Leder
(La Polizia chiede aiuto)
mit Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger, Marina Berti, Paolo Turco, Corrado Gaipa, Micaela Pignatelli, Ferdinando Murolo, Salvatore Puntillo, Eleonora Morana, Sherry Buchanan, Roberta Paladini, Luigi Antonio Guerra
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Massimo Dallamano / Ettore Sanzo
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Stelvio Cipriani
Keine Jugendfreigabe
Italien / 1974

Ein junges Mädchen wird nackt erhängt in einer Dachboden-Wohnung aufgefunden. Der vermeintliche Selbstmord stellt sich bald als vorgetäuscht heraus. Commissario Valentini und seine Kollegin werden auf den Fall angesetzt. Bei ihren spannenden Ermittlungen kommen sie einem Verbrechernetz auf die Spur, das Minderjährige zur Prostitution anbietet.


Es gibt nicht gerade wenige Leute, die bei vorliegendem Film einen waschechten Gialli erwarten, doch entpuppt sich "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch vielmehr als erstklaasiger italienischer Polizeithriller, der zwar durchaus Elemente des Gialli's erkennen lässt, doch stehen diese doch eher im Hintergrund der absolut faszinierenden Geschichte, die sich dem Zuschauer hier präsentiert. Es ist aber insbesondere diese Mischung, die vorliegendes Werk in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem macht. Deshalb ist es auch eher unverständlich, das dieses Meisterwerk des italienischen Kinos eigentlich nie die beachtung bekommen hat, die es eigentlich verdient hat. Offenbart sich dem Betrachter doch eine Story, die nicht nur äusserst atmosphärisch und extrem spannend umgesetzt wurde, sie beinhaltet zudem noch eine bitter-böse Thematik und offenbart Abgründe, die einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen und dem Geschehen einen sehr bitteren Beigeschmack verleihen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Ganz besonders hat mir der Aspekt gefallen, das die Identität des Mörders gar nicht einmal das Wesentliche ist, sondern vielmehr die Hintergründe und Motive, die hinter dem Ganzen stecken und Ausmaße annehmen, die erst ganz am Ende vollkommen offengelegt werden. Und so stellt sich auch ziemlich schnell heraus, das die eingeschlagene Richtung des Filmes ganz klar zum Polizeithriller tendiert, in dem sich mit der Zeit immer mehr an Spannung aufbaut. Zudem bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Ermittler, die auch selbst nicht vor Anschlägen auf ihr Leben verschont bleiben, nachdem sie der Lösung des Ganzen und insbesondere den Hintermännern zu nahe kommen.

Dabei hat Regisseur Massimo Dallamano auch ein hervorragendes Gespür für das Erzähltempo des Filmes bewiesen, das streckenweise seine temporeichen und durchaus rasanten Passagen hat, andererseits aber auch immer wieder durch eher ruhigere, aber äusserst intensive Phasen auffällt, die dem Geschehen einen sehr realistischen und authentischen Eindruck verleihen. Es ist ganz einfach alles absolut perfekt aufeinander abgestimmt, denn auch die hier angetretene Darsteller-Riege hätte man nicht besser auswählen können. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist jeder einzelne Charakter perfekt besetzt und sämtliche Darsteller liefern eine eindrucksvolle Kostprobe ihres Könnens ab. So kommt man insbesondere als Freund des Cinema Italiane eigentlich nicht drum herum, diesem Klassiker eine uneingeschränkt positive Bewertung zu geben, beinhaltet "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch alle Zutaten, die einen Film dieser Art so absolut sehenswert machen und sorgt so für ein erstklassiges Filmerlebnis.

Es gibt nicht besonders viele Genrefilme, an denen es im Prinzip rein gar nichts auszusetzen gibt und dieses Werk von Massimo Dallamano gehört ganz eindeutig in diese kleine Gruppe von Filmen. Dramaturgisch gesehen mit einem herausragenden Spannungsbogen versehen, entfaltet sich innerhalb kürzester Zeit eine äusserst dichte Grundstimmung, deren Faszination sich zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Durch seine im Bezug auf das Erzähltempo variable Erzählstruktur entfaltet sich dabei eine ungeheure Intensität, die nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Diese wird durch die beinhaltete und sehr böse Botschaft der Geschichte noch zusätzlich hervorgehoben, verleiht dem Ganzen allerdings auch einen äusserst bitteren Beigeschmack, der sich noch lange im Kopf des Betrachters festsetzt. Denn nur zu authentisch erscheinen die Ereignisse, die leider auch heutzutage immer wieder aktuell sind und für ein sehr beklemmendes und betroffenes Gefühl sorgen, wenn man von solchen Fällen hört.


Fazit:


"Der Tod trägt schwarzes Leder" zählt sicherlich zu den besten Filmen, die das italienische Kino hervorgebracht hat. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Szenario sorgt ganzzeitig für absolut erstklassige und extrem spannende Unterhaltung. Ein Film, der auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder sehenswert ist und auch überhaupt nichts von seinem Reiz verloren hat. Hier kann man nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, die auch nicht nur an die Liebhaber des italienischen Kinos gerichtet ist.


10/10
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon DriesVanHegen » 24. Apr 2015 10:23

Von Camera Obscuras FB-Seite:
Wir haben eine kleine Sensation für DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER entdeckt: Beim Negativ befand sich noch eine kleine Rolle Material, das wir jetzt haben scannen lassen -- und was kam dabei raus? Völlig bizarre, noch nie zuvor gesehene Hardcore-Szenen, die wohl für den französischen Markt während der Produktion des Films gedreht wurden! Sie machen im Kontext des Film tatsächlich sogar Sinn und werden Teil des Bonusmaterials der Disc werden.

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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon trebanator » 24. Apr 2015 19:56

.... mit den HC-Szenen hab ich heute auch gelesen.... bin mal gespannt druff. Nur schade, das et keine Integralfassung geben wird :|
....... aber auch ohne war der Film natürlich schon Klasse. Aus der Erinnerung.... 8,5/10
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon horror1966 » 24. Apr 2015 20:59

Wenn ihr HC wollt, dann geht doch in die Theke und leiht euch Pornos aus. :mrgreen:
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon trebanator » 24. Apr 2015 21:00

horror1966 hat geschrieben:Wenn ihr HC wollt, dann geht doch in die Theke und leiht euch Pornos aus. :mrgreen:

... hey... mit ner Integralfassung könnte man beides gleichzeitig bekommen. Giallo+Porno... spart Zeit :mrgreen:
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon horror1966 » 24. Apr 2015 21:13

Nee, so wie der Film ist erscheint er mir absolut perfekt.
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon DriesVanHegen » 24. Apr 2015 22:11

Irgendwann in meinem Leben werde ich mich wohl auch mal dem italienischen Kino in Form seiner Krimis nähern...

Warum wusste ich nur, dass trebi da als erster anspringt? :mrgreen:
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon trebanator » 25. Apr 2015 08:01

DriesVanHegen hat geschrieben:Irgendwann in meinem Leben werde ich mich wohl auch mal dem italienischen Kino in Form seiner Krimis nähern...

Warum wusste ich nur, dass trebi da als erster anspringt? :mrgreen:


... zu 1.) noch nie Giallos geschaut ? :o
... zu 2.) :D
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon DriesVanHegen » 25. Apr 2015 10:29

Jap. Höchstens Marschalls MASKS wenn man den in den Reigen mit einbeziehen möchte.
Wenigstens Argentos Klassiker möcht ich mir aber mal anschauen :?
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Re: Der Tod trägt schwarzes Leder (1974)

Beitragvon trebanator » 25. Apr 2015 10:48

DriesVanHegen hat geschrieben:Jap. Höchstens Marschalls MASKS wenn man den in den Reigen mit einbeziehen möchte.
Wenigstens Argentos Klassiker möcht ich mir aber mal anschauen :?

... Masks wirkt für mich eher nicht wie ein Giallo. Da fehlt das Zeitkolorit aber auch ein wenig der Stil. Trotzdem guter Film. Mit den Argento-Giallos machste nix verkehrt.... es gibt aber auch abseits des Meisters viele Meisterwerke ;)
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