The Loreley' Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat

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The Loreley' Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat

Beitragvon horror1966 » 29. Nov 2015 15:58

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The Loreley' Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat
(Las Garras de Lorelei)
mit Tony Kendall, Helga Liné, Silvia Tortosa, Josefina Jartin, Loreta Tovar, José Thelman, Luis Induni, Francisco Nieto, Betsabé Ruiz, Luis Barboo, Ángel Menéndez, Sergio Mendizábal, Marisol Delgado, Victoria Hernández
Regie: Amando de Ossorio
Drehbuch: Amando de Ossorio
Kamera: Miguel Fernández Mila
Musik: Antón García Abril
FSK 16
Spanien / 1974

Eine kleine Ortschaft am Rhein wird von einer blutrünstigen Bestie heimgesucht. Nachts, im fahlen Licht des Mondes, erscheint das Monster um seinen Opfern das Herz heraus zu reißen. Der erfahrenen Jäger Sigurd wird beauftragt der Bestie Einhalt zu gebieten. Doch er hat nicht mit der Loreley gerechnet, die einer alten Sage nach, sich die Herzen junger Menschen holt.


Amando de Ossorio dürfte den meisten Freunden des Horrorfilms wohl hauptsächlich durch seine reitende Leichen Quadrilogy bekannt sein, die unter den Fans seit jeher für geteilte Meinungen sorgt. Zwischen dem dritten und letzten Teil seiner berühmt-berüchtigten Sage um die untoten Templer hat sich der gute Mann aber auch ganz augenscheinlich ein wenig um deutsches Kulturgut bemüht und bringt im vorliegenden Beitrag seine ganz eigene Interpretation der Sage um die Loreley in unsere Wohnzimmer. Da es sich um einen Horrorfilm handelt kann man sich schon denken, das der Wahrheitsgehalt der Geschichte nicht sonderlich hoch zu bewerten ist und so verwundert es letztendlich auch nicht wirklich, das man im Endergebnis viel eher einen gelungenen Mix aus Horror und starken Trash Anleihen serviert bekommt. Das stört aber ehrlich gesagt nicht sonderlich, denn das Filmchen aus dem Jahr 1974 kann insbesondere im Bereich des reinen Unterhaltungswertes vollends überzeugen, denn was Ossorio hier dem Zuschauer präsentiert, ist extrem kurzweilig und entlockt einem zudem auch noch den ein oder anderen Schmunzler.

Dafür sorgt in erster Linie schon die blutrünstige Bestie, die während der gesamten Laufzeit so manchen Menschen ins Jenseits befördert, wobei dies erstaunlicherweise durch ziemlich blutige Effekte dargestellt wird. Allerdings kann man sich dabei nicht des Eindrucks erwehren, das vor allem in den Einstellungen in denen den Leuten das Herz entfernt wird, immer die gleiche Szene verwendet wird. Zu sehr ähneln sich die Bilder, als das man an dieser Stelle von echter Abwechslung sprechen könnte, doch letztendlich ist dieser Umstand nicht unbedingt negativ anzukreiden. Es erscheint vielmehr äußerst amüsant und insbesondere beim Anblick der Bestie kann man sich nur schwerlich ein herzhaftes Lachen verkneifen, denn das Gummi Monster ist in visueller Hinsicht ein absoluter Hingucker. Und so mordet das Wesen dann auch munter vor sich hin und muss sich dabei lediglich vor einem Jäger namens Sigurd (Tony Kendall) in acht nehmen, der ihm stets auf den Fersen ist. Dabei offenbart sich streckenweise eine recht skurril anmutende Situationskomik, die dem gewonnenen Gesamtbild jedoch sehr gut zu Gesicht steht. Hinzu kommen auch diverse ziemlich sinnbefreite Dialoge, in denen beispielsweise auch der Schatz der Nibelungen oder die Figur von Wotan in den Raum geworfen werden.

Das lässt die Geschehnisse dann auch mit zunehmender Laufzeit immer mehr in den Fantasy Bereich abdriften, so das im Endeffekt eine äußerst krude Kombination verschiedener Genres heraus kommt, was der Kurzweil aber nur zuträglich ist. Wer also einen eher ernst gemeinten Genre Beitrag erwartet dürfte hier völlig falsch am Platz sein, denn "The Loreley's Grasp" macht zu keiner Zeit einen Hehl daraus, das zwischen Horror und Trash hin und her pendelt und dabei vor allem im letzten Drittel auch noch die Freunde grotesker Fantasy Einflüsse bestens bedient. Dabei kann man sich ziemlich sicher sein, das Ossorio sicherlich nicht die Absicht hatte die Lachmuskulatur des Betrachters zu malträtieren, was man ganz besonders im Auftreten der Darsteller erkennen kann. Diese sind nämlich durchgehend bemüht einen extrem ernsten Eindruck zu hinterlassen, wobei aber genau dieser Aspekt ins totale Gegenteil umschlägt. Das Schauspiel kommt vollkommen theatralisch rüber und wirkt zumeist auch eher aufgesetzt und extrem gekünstelt. Die Mimik und Gestik der Akteure geht stellenweise in das totale Overacting über, verleiht dem Ganzen dadurch jedoch gleichzeitig einen unglaublichen Charme. Ganz generell sind die ganzen aufgezählten Mankos in der Regel der Todesstoß für einen Film, doch bei "The Loreley's Grasp" funktioniert dieses wahre Sammelsurium an Unzulänglichkeiten ganz hervorragend. Es macht einfach nur Spaß, sich diesen völlig an den Haaren herbei gezogenen Nonsens gut 80 Minuten lang anzuschauen und dabei nicht ein einziges Mal das Gefühl von Langeweile zu verspüren.

"Auf dem Cover der deutschen DVD wird der Film als "Das Meisterwerk von Amando de Ossorio" angepriesen und zumindest aus der Sicht eines Trash Liebhabers kann man diese Einschätzung so stehen lassen. Es handelt sich um einen herrlichen Klamauk mit Horror Anleihen, den man nur zu keiner Zeit auch nur annähernd als ernsten Genre Beitrag bewerten darf. Besonders auffällig erscheint noch die Tatsache, das die Geschichte mit diversen wirklich bildhübschen Darstellerinnen besetzt ist, wobei insbesondere Helga Liné als Loreley und Silvia Tortosa in der Rolle einer Lehrerin ins Auge fallen. So wird dann auch noch das männliche Auge mit nett anzuschauenden Reizen bedient und man kann am Ende des Tages definitiv festhalten, das man schon weitaus schlechter unterhalten wurde. Mir persönlich hat der film jedenfalls unglaublich viel Spaß gemacht und der streckenweise ziemlich blutige Härtegrad des Ganzen ist für einen Film aus dieser Zeit auch nicht zu verachten. Für Freunde trashiger und nicht unbedingt alltäglicher Genre Mixe kann man eine dicke Empfehlung aussprechen, denn auch nach über vier Jahrzehnten hat "The Loreley's Grasp" noch nichts von seinem ganz eigenen Charme eingebüßt.


Fazit:


Freunde ernst zu nehmender Horrorfilme sollten einen großen Bogen um dieses Werk machen, das durch die Vermischung verschiedenster Genres allerdings einen wunderbar blutigen Klamauk ergibt, den man sich immer wieder gut anschauen kann.


8/10 auf der nach oben hin offenen Trash Skala
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Re: The Loreley' Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat

Beitragvon trebanator » 29. Nov 2015 17:21

... die 8/10 geh ich locker mit. Diesem Ossorio merkt man ( zum Glück ) die spezielle Ader des Regisseurs der Kult-Leichen an. Deswegen fließt der Trash dieser Produktion auch voll in diese besondere Aura ein.Wer auf "die Leichen" kann, sollte auch auf diese Perle "können" ;)
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