Nightmare on Left Bank

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Nightmare on Left Bank

Beitragvon horror1966 » 20. Mär 2015 15:24

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Nightmare on Left Bank
(Linkeroever)
mit Eline Kuppens, Matthias Schoenaerts, Sien Eggers, Marilou Mermans, Frank Vercruyssen, Robbie Cleiren, Ruth Becquart, Tinneke Boonen, Tom Dewispelaere, Manou Kersting, Stefan Perceval, Anja Smolders
Regie: Pieter Van Hees
Drehbuch: Pieter Van Hees / Christophe Dirickx / Dimitri Karakatsanis
Kamera: Nicolas Karakatsanis
Musik: keine Informationen
FSK 16
Belgien / 2008

Marie, eine introvertierte junge Athletin, zieht nach einem Sportunfall mit ihrem neuen Freund Bobby in dessen Wohnung in Antwerpens Left Bank ein. In der unheimlichen Gegend geschehen seltsame Dinge. Marie erfährt, dass die junge Frau, die vor Bobby in der Wohnung lebte, unter unerklärlichen Umständen verschwunden ist. Die junge Frau kämpft gegen die dunkle Macht an, die scheinbar Besitz von ihrem Körper und Geist genommen hat, doch ihr Schicksal ist unausweichlich.

Ein überzeugender und emotionaler Horror-Trip. Herzlich willkommen in Left Bank …



Immer wieder kann es vorkommen das man erst Jahre nach der Veröffentlichung auf diverse Filme stößt um dann überrascht festzustellen, das ein echtes Film Juwel unbeachtet an einem vorbei gezogen ist. So verhält es sich bei mir persönlich mit dem von Ascot Elite noch einmal aufgelegten "Nightmare on Left Bank", der dem Zuschauer als Horror Thriller präsentiert wird, im Endeffekt aber viel eher ein grandioses Mystery Drama darstellt. Die eher unscheinbare belgische Produktion hat es wirklich in sich, auch wenn man diesen Umstand nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. So ist es dann auch durchaus als nachvollziehbar anzusehen das der Film längst nicht nur begeisterte Kritiken auf sich vereinen kann, denn die Umsetzung der hier erzählten Geschichte dürfte längst nicht jeden Geschmack treffen. Das wird wohl in erster Linie in der Erzählweise der Geschehnisse begründet sein, denn Regisseur Pieter Van Hees hat sich von Beginn an für einen eher ruhigen und sehr bedächtigen Erzählstil entschieden, der Freunden des temporeichen Kinos nicht unbedingt zusagen dürfte. So nimmt sich der gute Mann dann auch erst einmal gut 30 Minuten Zeit dafür, dem Betrachter die Figuren näher zu bringen was ihm auch äußerst gut gelingt. In dieser Phase ist noch so gut wie überhaupt nichts davon zu verspüren, das sich die Ereignisse immer mehr in eine bedrohliche Richtung entwickeln und dabei eine gelungene Kombination aus Mystery und Horror Elementen offenbaren.

Das ändert sich jedoch nach der Einführung schlagartig, wobei man aber fairerweise darauf hinweisen sollte das die Geschichte zu keiner Zeit in reinen Aktionismus verfällt und manch einer das Ganze eventuell sogar schon als langweilig bezeichnen würde. Diese Beschreibung würde der Story jedoch in keinster Weise gerecht werden, denn stilsicher baut Van Hees eine düster bedrohliche Atmosphäre auf, die einem mit zunehmender Laufzeit immer tiefer unter die Haut geht. Phasenweise kommt sogar die Stimmung eines okkult angehauchten Ritual Thrillers auf, der in etlichen Momenten ganz unweigerlich an einen Film wie Roman Polanskis Meisterwerk "Rosemary's Baby" erinnern kann. Davon kann das Szenario auch durchgehend zehren und sondert gleichzeitig eine ungeheure Faszination auf den Betrachter ab, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Immer tiefer taucht man in die Geheimnis umwitterten Abläufe ein, in deren Mittelpunkt ganz eindeutig die junge Sportlerin Marie steht. Kann man deren Stellenwert innerhalb des Ganzen zunächst noch nicht richtig zuordnen, so werden einem mit zunehmender Laufzeit immer mehr Mosaiksteinchen geliefert, die allerdings erst am Ende richtig zusammen gefügt werden können und ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Bis zu diesem Zeitpunkt wird man aber mit etlichen Fragezeichen konfrontiert und steht so vor einem Rätsel das man nicht wirklich lösen kann. Sicherlich ergeben sich im Laufe der Zeit ganz eigene Vermutungen und einige davon sollen sich sogar auch bewahrheiten, aber dennoch beinhaltet das gewählte Ende auch noch einen wirklichen Überraschungsmoment.

Gerade die finale Pointe sollte man aber nicht unbedingt nach den Maßstäben der üblichen Logik betrachten, dafür passt sie jedoch absolut perfekt in das herausragende Gesamtbild das "Nightmare on Left Bank" beim Zuschauer hinterlassen sollte. Rückwirkend betrachtet erscheint der Schlusspunkt dann sogar irgendwie logisch, stellt er doch eine nicht unwesentliche Verbindung zu einer Bemerkung, die der junge Bobby im Lauf des Filmes gegenüber seiner Freundin Marie gemacht hat. Mehr sollte man an dieser Stelle aber auch nicht darüber äußern, da man ansonsten doch eine Menge der vorhandenen Spannung vorweg nehmen würde. Ganz generell beinhaltet die Story einen dramaturgisch exzellent aufgebauten Spannungsbogen und auch wenn einige andere Kritiken genau das Gegenteil behaupten, kommt hier zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile auf. Es ist einfach mehr als nur interessant die junge Marie dabei zu begleiten, wie sie auf der Suche nach Antworten immer tiefer in den Sog der Geschehnisse abdriftet und dabei selbst in größte Gefahr gerät. Das dies ohne den Zusatz jeglicher exzessiver Gewalt, Action und jeder Menge Kunstblut abspielt ist dabei überhaupt nicht negativ zu bewerten, vielmehr können die ruhig erzählten Abläufe durch diesen Umstand eine noch größere Intensität freisetzen. Untermalt wird das Ganze dabei noch durch das erstklassige Schauspiel der eher unbekannten Darsteller, wobei insbesondere Hauptdarstellerin Eline Kuppens in der Rolle von Marie eine absolute Glanzleistung an den Tag legt. Ihre unbekümmerte und extrem authentische Performance ist einer der vielen Höhepunkte, die definitiv in dieser Produktion enthalten sind und ein grandioses Filmerlebnis nahezu garantieren.

Und dennoch wird wie schon kurz erwähnt nicht jeder zu dieser Einschätzung gelangen da die Ereignisse keineswegs die Zutaten enthalten, die eine Vielzahl der gerade jüngeren Horror Fans heutzutage erwarten. Wer aber sein Hauptaugenmerk auf eine richtig gut erzählte Geschichte legt in der die Horror Elemente ausschließlich in subtiler Form auftreten, der wird an dieser Stelle mit einer echten Genre Perle konfrontiert, die einem auch nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird. Mich persönlich hat "Nightmare on Left Bank" jedenfalls total überzeugt und stellt einen der besten Genre Beiträge der letzten Jahre dar. Eine faire Chance sollte man diesem Werk auf jeden Fall geben, denn nur so kann man letztendlich auch wirklich feststellen, ob Pieter Van Hees mit seinem Film auch den eigenen Geschmack getroffen hat. Zudem wäre es eine echte Schande, dieses tolle Szenario unbeachtet an sich vorbei ziehen zu lassen und so auch niemals zu wissen, ob man nicht eventuell eine absolut grandiose Genre Perle verpasst hat.


Fazit:


Es ist immer wieder ein tolles Gefühl wenn man ohne jegliche Erwartungen an einen Film heran geht, um dann mit einem echten Juwel belohnt zu werden. "Nightmare on Left Bank" ist jedenfalls ein Paradebeispiel dafür, das man auch die eher unscheinbaren Titel sichten sollte, denn gerade hinter denen versteckt sich so manch kleines Meisterwerk.


9/10
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