Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)

Horrorfilme aus anderen Ländern

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 575

Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)

Beitragvon DanGore » 17. Sep 2013 19:54

Bild

Originaltitel : Jack the Ripper

Herstellungsland : Deutschland/Schweiz

Erscheinungsjahr : 1976

Regie : Jesus Franco

Darsteller : Klaus Kinski,Josephine Chaplin,Andreas Mannkopf,Herbert Fux,Lina Romay,Angelika Arndts u.a.

Laufzeit : 88:17 Minuten

Freigabe : FSK 18

Label : Ascot Elite (Special Edition)



Bild




Story :

Ende des 19. Jahrhunderts :
Eine Prostituierte macht sich alleine auf den Weg nach Hause durch die dunklen Gassen Londons und verspürt ein unbehagenes Gefühl.
Zum Glück entpuppt sich die anfängliche Bedrohung nur als blinder Bettler der sich auch in der Nacht sein täglich Brot verdienen muß.
Doch schon kurz darauf kommt eine Hand wie aus dem nichts und verschleppt sie in eine Seitengasse wo sie zum aktuellsten Opfer des Schlitzers wird, der seit geraumer Zeit mit Morden an leichten Mädchen die englische Stadt in Angst und Schrecken versetzt.
Niemand hat den Serienkiller bisher zu Gesicht bekommen und der einzige Zeuge den es zu verzeichnen gibt ist der blinde Clochard, der nur aufgrund seiner fehlenden Fähigkeit zu sehen verschont blieb.
Das Opfer wird nach dem Tod in ein Gewächshaus gebracht um dort in Themsengerechte Stücke zerteilt zu werden und schließlich gut verpackt in Säcke in dem selbigen Fluß verteilt.

Bild


Der Schlitzer ist niemand geringeres als Dr. Dennis Orloff, der tagsüber den großherzigen Arzt mimt der es sich zur Aufgabe gemacht hat den Armen und Mittellosen zu helfen.
Niemand ahnt das sich hinter der wohltätigen Fassade der brutalste Mörder Englands verbirgt und auch Scotland Yard hat keinerlei Indizien wer diese verrückte Schlächter sein könnte.
Inspektor Selby hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht dem sogenannten Bauchaufschlitzer hinter Gitter zu bringen und lädt einige aktuelle Zeugen zur Befragung ein - unter diesen befinden sich ein paar leichte Mädchen, der blinde Bettler sowie eine ältere Dame, welche den Ripper in einer Nacht an ihrem Haus vorbeihuschen sah.

Bild


Charly, ein Angler ohne festen Wohnsitz fischt schon einen Tag darauf eine abgetrennte Hand aus der Themse und mit der vorherigen Zeugen versucht man ein Phantombild zu erstellen.
Da der Mörder aber immer noch auf freien Füßen ist können neue Morde an Prostituierten nicht verhindert werden und auch Selby's Freundin Cynthia befindet sich durch ihre Recherchen auf eigene Faust in direkter Gefahr.


Bild



Bewertung :

Die Filme der erst kürzlich leider verstorbenen Schmuddelploitation-Ikone Jess Francos sind gewiß nicht alle von hochwertiger Qualität und grade im neu angebrochenem Jahrtausend schien sich mit Filmen wie KILLER BARBYS VS. DRACULA ein Tiefpunkt von Franco abzuzeichnen.
Schon in den 1970gern gab es Einträge in seiner Filmographie die wahrscheinlich nur für die extrem "Francophilen" von Reiz waren.
Mit Filmen wie NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT, DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR, FACELESS, IM SCHATTEN DES MÖRDERS und auch dem hier rezensierten JACK THE RIPPER bewies Jess aber das er durchaus in der Lage war atmosphärische Filme zu drehen, die weitab von den sonst üblichen schmierigen Frauengefängnissen waren.

Bild



Auch der schweizer Produzent Erwin C. Dietrich - den man bedenkenlos als europäisches Pendant Roger Corman's betiteln kann - ist eigentlich eher für seine trashigen Softcore Filme wie ROBIN HOOD UND SEINE LÜSTERNEN MÄDCHEN, EINE ARMEE GRETCHEN, DIE STEWARDESSEN oder FRAUEN DIE FÜR SEX BEZAHLEN bekannt.
Wenn Jess Franco und Erwin C. Dietrich nun gemeinsame Sache machen , sollte man eigentlich einen Sexploitation Streifen mit viel nackter Haut und Kopulationsszenen erwarten anstatt einen Horror-Film mit gothischer Atmosphäre und eindrucksvollen Sets.
Anstatt hier den sonst gängigen Mustern der Züchtigung, Erniedrigung und Schändung von meist kopulationswilligen Frauen zu folgen wurde mehr Wert auf einen adäquaten Look gelegt.
Die Erwartungen ganz zurückschrauben muß man aber auch hier nicht und so gibt es auch bei JACK THE RIPPER einiges an nacktem Fleisch zu sehen.
Wenn man mal erhrlich ist, sollte das bei Filmen von Jess aber auch nicht komplett fehlen und ein Film des Spaniers mit hoch zugeknöpften - am besten noch in Burkas gehüllten - Frauen würde ziemlich befremdlich wirken!

Bild


Die Sets des Films versprühen einen wirklich imposanten, gothischen Look der unter dem Einsatz der richtigen Ausleuchtung und Nebelmaschinen ihre volle Wirkung entfalten können.
Dies wäre für einen in England gedrehten Film - wie z.B. die Produktionen der Hammer Studios oder der Filme aus dem Hause Amicus - nichts wirklich besonderes, doch in diesem Fall hier verhält es sich anders.
Diese Verfilmung von JACK THE RIPPER wurde nämlich komplett im schweizer Kanton Zürich gedreht und es verblüfft um so mehr das man denkt der Schauplatz wäre London - in fast schon akribischem Perfektionismus wurden der Schanzengraben und die engen,dunklen Gassen so genutzt das sich eine fulminante Illusion ergibt.
Es ist meiner Meinung nach nicht zu hoch gegriffen wenn man diese Verfilmung des Serienkiller-Stoffes als einen Mix aus den Edgar Wallace Verfilmungen und Hammer Filmen, der in artifiziell ausgeleuchtete Gialliästhetik gehüllt wurde bezeichnet.

Bild


Dem Zuschauer wird hier schon zu Beginn des Films offenbart wer der sogenannte "Bauchaufschlitzer" ist und der Hauptfokus richtet sich auf die Recherchen von Inspektor Selby der den Killer dingfest machen will um neue Morde zu präventieren.
Dies mag sich nun erstmal ein wenig langatmig und recht unspektakulär anhören, doch ein konstanter Spannungsbogen kann hier problemlos aufrecht gehalten werden und es offenbart sich dem Zuschauer ein atmosphärischer und stilsicherer Kriminalfilm.
Auch wenn der Film in dramaturgischer und logischer Hinsicht ein paar Defizite aufweist, schadet dies in keinster Weise der schaurigen Grundstimmung in ihrem Gesamtbild.

Bild


Die hier agierende Riege der Darsteller ist bestens gewählt, hat einige wirklich bekannte Mimen zu bieten und es gibt keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen.
Klaus Kinski (COBRA VERDE, NOSFERATU, FITZCARALDO) spielt den Serienkiller zwar ohne seine mimisch-aggressive Art wie man sie in anderen Filmen bewundern konnte und wirkt sehr besonnen, doch grade dies bekommt dem Film sehr gut.
Man kann den Wahnsinn in seinen kalten, emotionslosen Augen sehen und nimmt ihm den Schlitzer zu jeder Zeit voll ab.
Als Inspektor Selby macht Andreas Mannkopff (DAS AMULETT DES TODES, KAMIKAZE 1989, BLUTJUNGE VERFÜHRERINNEN) eine sehr souveränen Job und weiß als Gegenpart des Rippers vollkommen zu überzeugen.
Der fischende Stadtstreicher Charly wird vom grandiosen Herbert Fux (HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT, DAS HAUS DER 1000 FREUDEN, DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU, LADY FRANKENSTEIN, EGON SCHIELE - EXZESSE) verkörpert und auch hier weiß der schweizer Charakterdarsteller wieder durch seine unbefangenen Art zu begeistern.
Josephine Chaplin (PASOLINIS TOLLDREISTE GESCHICHTEN, DER MANN OHNE GESICHT, STURMTRUPP IN DIE HÖLLE) - die hier Cynthia, die Geliebte von Inspektor Selby mimt - als weibliche Besetzung ist auch bestens gewählt und begeistert durch ihren unwiderstehlichen Charme.
Da Lina Romay (ROLLS-ROYCE BABY, FRAUENGEFÄNGNIS, GRETA - HAUS OHNE MÄNNER, MACUMBA SEXUAL) als Muse und Lebensgefährtin schon zum Stamminventar von Franco's Filmen gehört ist es fast unnötig zu erwähnen das sie hier als Prostituierte Marika mitspielt.
Ob Romay begeistert war nicht die sonst übliche, splitternackte Performance zu geben kann ich nicht sagen, aber ihr Part hier bietet definitiv eine willkommene Abwechslung.

Bild


Auch in JACK THE RIPPER bleibt der sexuelle Aspekt nicht vollkommen auf der Strecke und die Taten des Killers sind von sexuell motivierter Natur, die von seiner - aus der chronischen Geldnot heraus - promiskuitiven Mutter ausgelöst wurden.
Eine ein wenig detailiertere Charakterzeichnung mit mehr Hintergrundinformationen hätte dem Film zwar gut getan, sollte aber nicht als Defizit gewertet werden.

Bild


Neben FACELESS und BLOODY MOON kann man JACK THE RIPPER zu den blutigsten Einträgen in Franco's filmischer Hinterlassenschaft zählen und hier wird schon fast in Splattergefilde abgedriftet.
Die FX in JACK THE RIPPER - auch wenn sie heutzutage etwas angestaubt und unrealistisch wirken - haben es definitiv in sich und wenn Frauen in chirurgisch bedenklicher Weise die Brüste abgenommen oder der Unterleib aufgeschlitzt wird, kommen die Horror-Fans voll auf ihre Kosten.

Bild


Auf technischer Ebene gibt es nichts zu bemängeln und hier sitz so gut wie jede Kamerafahrt-und Einstellung um die stimmigen Bilder einzufangen.
Sehr beeindruckend ist auch die Szenen in der Jack Visionen von seiner Mutter hat - diese sind sehr psychodelisch-surreal anmutend und erinnern sehr stark an den Look von VAMPYROS LESBOS.
Jess konnte hier den Beweis erbringen das in ihm durchaus mehr als ein Autodidakt steckt der Wert auf Authentizität in grobkörnig-verwackelten Bildern legt.

Bild
Bild


Walter Baumgartner (TÄNZERINNEN FÜR TANGER, EINE ARMEE GRETCHEN, GRETA - HAUS OHNE MÄNNER) kann man fast schon als Hauskomponist von Dietrich bezeichnen und mit viel Gespür für den Regisseur und seine cineastische Vision liefert er auch für JACK THE RIPPER wieder einen grandiosen Score ab.
Diesen Score kann man mit denen der Edgar Wallace Verfilmungen vergleichen und perfekt komplettiert er die in Nebel gehüllten mit Zitherklängen.
Der einzige Wehrmutstropfen hier ist, das Klaus Kinski in der deutschen Fassung von Fred Maire synchronisiert wurde und uns seine exzentrische Originalstimme leider vorenthalten bleibt.

Bild


Neben FROM HELL und JACK THE RIPPER - DAS UNGEHEUR VON LONDON zählt Jess Franco's Verfilmung des ersten und berühmtesten Serienmörder Englands in meinen Augen zu den besten Verfilmungen des Stoffes.
Sicherlich darf man nicht außer Acht lassen, das es sich bei diesem hier um eine recht kostengünstige Produktion handelt, die in nur einer Woche abgedreht wurde - dies macht sich aber in keinster Weise negativ bemerkbar oder mindert den Filmgenuß!
Diese Rezension möchte ich mit einem für sich sprechendem Zitat aus Klaus Kinski's Buch "Ich brauche Liebe" beenden in dem er sich mit folgenden Worten über Franco's JACK THE RIPPER äußerte :

„Ich bin unschlüssig, welchen Film ich annehmen soll, vielleicht bringt das nächste Angebot mehr Geld. Ich entscheide mich für „Jack The Ripper“ in Zürich. Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter.“

8 von 10 leichten Mädchen


Bild



Zur DVD :

Ascot Elite hat mit der JACK THE RIPPER Special Edition DVD aus der Official Jess Franco Collection die weltweit beste Veröffentlichung herausgebracht, die man aufgrund der opulenten Ausstattung zweifelsohne als Ultimate Edition bezeichnen kann!
Der Film wird im Originalformat 1,85:1 (anamorph / 16:9) präsentiert und eine bessere Qualität hätte man hier nicht rausholen können - in akribischer Aufopferung wurde der Film restauriert und kann somit voll punkten.
Ein glasklares Bild in exzellenter Schärfe mit sehr hohem Kontrast wird jedem Fan des Films in Euphorieschreie versetzen.
Der Ton liegt hier in Dolby Digital 2.0 Mono vor und Ascot hat uns gleich 4 Tonspuren in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch vor.
Alle 4 Tonspuren haben einen tollen Klang, sind frei von Rauschen oder Knacksen und die DVD garantiert auch hörtechnisch einen Genuß.
Zusätzlich zu den Tonspuren befinden sich auch noch optionale Untertiteln in Finnisch, Griechisch und Niederländisch auf der DVD.
Auch beim Bonusmaterial hat man keine Kosten und Mühen gescheut uns ein Referenzstück von DVD zu geben und sich wie folgend zusammensetzt :

-Einen filmbegleitenden Audiokommentar Erwin C. Dietrich, der viele Anekdoten und Hintergrundinfos zu dem Film bietet.
-Es gibt eine Dokumentation von fast 22 Minuten die den Titel "Hommage an Jess Franco’s Jack the Ripper" trägt.
-Ein Werkstattbericht über die Auferstehung der Jess Franco Filme mit 17 Minuten Laufzeit.
-Deleted Scene: "Der Aufschlitzer" (welche grade mal 9 Sekunden läuft und nur eine erweiterte Szene darstellt, die im Film vorkommt)
-Trailer zu Jack the Ripper und Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne
-Cast & Crew Texttafeln zu Klaus Kinski, Jess Franco und Erwin C. Dietrich
-Production Stills (10 S/W Fotos, 10 Szenenfotos und 10 Farbfotos)
-3 Texttafeln "Jack the Ripper anno 1888"
-2 Texttafeln "DVD-Credits"

Die DVD selbst ist Regionalcode 0 und dürfte somit für Franco Fans weltweit von Interesse sein.
Eine mehr als gelungene Veröffentlichung aus dem Hause Ascot Elite die man ohne Bedenken jedem ans Herz legen und weiterempfehlen kann!



Ascot Elite Homepage



www.youtube.com Video From : www.youtube.com
Benutzeravatar
DanGore
 
Beiträge: 346
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)

Beitragvon horror1966 » 21. Okt 2015 18:35

Der Film ist nicht schlecht und Kinski wie immer in guter Form. Kommt für mich aber in keinster Weise an "From Hell" oder die mit Abstand beste Ripper - Verfilmung "Jack the Ripper - Das Ungeheuer von London" heran. Beide genannten Titel sind um Längen besser als diese Verfilmung, daher lediglich...


...6/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5317
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London (1976)

Beitragvon dr. freudstein » 22. Okt 2015 09:26

aber ich muß ja mal die Arbeit loben, die sich DanGorchi gemacht hat und auch sonst immer macht. Sehr schön bebildert, ausführlich und lesenswert geschrieben. Hut ab.
Frage nicht, was das Forum für dich tut
sondern frage dich, was DU für das Forum tun kannst
Benutzeravatar
dr. freudstein
Propaganda Minister & Popp-Ikone
 
Beiträge: 5114
Registriert: 09.2013
Wohnort: Die Film-Outlaws
Geschlecht:


Zurück zu "Horrorfilme aus dem Rest der Welt"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast