Die Saat der Angst

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Die Saat der Angst

Beitragvon horror1966 » 18. Jun 2016 19:56

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Die Saat der Angst
(Una Vela para el diablo)
mit Aurora Bautista, Judy Geeson, Esperanza Roy, Víctor Alcázar, Lone Fleming, Blanca Estrada, Charley Pineiro, Loreta Tovar, Montserrat Julió, Fernando Villena, Fernando Hilbeck, Herminia Tejela, Mery Leyva
Regie: Eugenio Martín
Drehbuch: Eugenio Martín / Antonio Fos
Kamera: José F. Aguayo
Musik: Antonio Pérez Olea
ungeprüft
Spanien / 1973

Marta und Verónica, zwei streng religiöse Schwestern, führen eine kleine Pension in einem idyllischen Dorf in Spanien. Geschäftlich läuft es hervorragend, da der verschlagene Ort immer mehr Touristen anlockt, was Marta jedoch gar nicht gefällt, denn in ihren Augen ist das freizügige Verhalten ihrer weiblichen Gäste eine absolute Todsünde. Nach einem heftigen Streit tötet sie die junge May Barkley und wirft die zerstückelten Überreste in ein riesiges Fass Wein. Doch statt Reue zu zeigen, entflammt in Marta das unbändige Verlangen, in ihrem geliebten Heimatdorf wieder Sitte und Anstand herzustellen und gemeinsam mit Verónica beginnt sie damit, ihre jungen Untermieterinnen im Namen Gottes zu ermorden. Laura Barkley vermutet mehr hinter dem Verschwinden ihrer Schwester und stellt eigene Nachforschungen an, doch sie ahnt nicht, dass Marta und Verónica es bereits auf sie abgesehen haben.


Es ist immer wieder schön, wenn fast verschollene Juwelen des Films in der heutigen Zeit endlich auch auf DVD oder Blu-ray erscheinen. In vorliegendem Fall hat das Label Subkultur Entertainment den sehr stimmigen spanischen Horrorfilm "Die Saat der Angst" von Eugenio Martín (Horror-Express) aufgelegt und dabei einer echten Perle zu einer würdigen Veröffentlichung verholfen. Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden streng religiösen Schwestern Marta und Veronica, die in der Provinz eine kleine Pension betreiben und dabei keinen Hehl daraus machen, das in ihrem Haus Anstand und Sitte ganz groß geschrieben werden. Dies wird auch gleich zu Beginn relativ klar zum Ausdruck gebracht, denn es dauert gar nicht lange bis zum ersten Mord. Dabei handelt es sich doch vielmehr um einen tödlichen Unfall, der aber gleichzeitig wie ein Startschuss für eine Mordserie steht, in der die ältere Schwester Marta ganz eindeutig als der treibende Keil einzustufen ist. Die verhärmt und verbittert erscheinende Frau steigert sich dabei innerhalb der Geschichte dermaßen in ihre religiösen Rechtfertigungen hinein, das sie mit zunehmender Laufzeit zu der Erkenntnis gelangt, lediglich Gottes Arbeit zu verrichten.

Ihre jüngere Schwester Veronica hingegen ist der eher unsichere Teil des mörderischen Duos, was auch in mehreren Passagen des Filmes ziemlich offensichtlich in Erscheinung tritt. So versucht sie auch immer wieder positiv auf Marta einzuwirken, die aber durch nichts und niemanden von ihrem Vorhaben abzubringen ist, endlich wieder Zucht und Ordnung in ihr gesamtes Dorf einziehen zu lassen. Ein Grund für Veronicas Unsicherheit dürfte sicherlich ihre eigens gelebte Doppelmoral sein, denn trotz ihrer tief religiösen Einstellung hat die gute Frau eine heimliche Sex-Affäre, was so gar nicht zu den begangenen Taten und den jeweiligen Opfern passen will. In dieser heuchlerischen Art liegt meiner Meinung nach eine der größten Stärken dieses Werkes und es hinterlässt schon einen fast bitteren Beigeschmack, das einerseits immer mehr sexuell freizügige junge Frauen ihr Leben lassen müssen, aber eine ihrer Mörderinnen die gleichen Verfehlungen begeht die sie ihren Opfern vorwirft. Dadurch erhält das Ganze einen durchaus zynischen Anstrich und sorgt für zusätzliche Würze, die dem gewonnenen Gesamtbild letztendlich sehr gut zu Gesicht steht.

Die gezeigten Morde sind nicht sonderlich brutal und man sollte auch keinesfalls ein vor Blut triefendes Szenario erwarten. Aus diesem Grund erscheint auch die Alterseinstufung viel zu hoch gegriffen und ist insbesondere aus heutiger Sicht auf keinen Fall zeitgemäß. Wie dem aber auch sei, der Höhepunkt der Story ist wohl definitiv im Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen zu finden, denn Aurora Bautista (Marta) und Esperanza Roy (Veronica) liefern beide eine glänzende Performance ab. In den jeweiligen Rollen erscheinen beide absolut glaubwürdig und authentisch und bringen auch die schon angesprochenen Charaktereigenschaften absolut vorzüglich zum Ausdruck. Die beiden Frauen ziehen den Zuschauer fast schon magisch in ihren Bann, wobei ich Aurora Bautista noch ein wenig hervor heben möchte. Ihre Darstellung der fast schon fanatischen Anhängerin Gottes ist absolut brillant und verursacht dabei so manchen kalten Schauer, der einem automatisch über den Rücken läuft.

Trotz allen Lobes hätte man allerdings noch mehr aus der zu Grunde liegenden Idee des Filmes heraus holen können, denn in einigen Passagen hätte Regisseur Martin gerne noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Hierbei handelt es sich aber lediglich um Kritik auf einem äußerst hohen Niveau, denn in seiner Gesamtbetrachtung ist "Die Saat der Angst" ein extrem stimmungsvoller Beitrag, der auch das Ambiente der damaligen Zeit ganz ausgezeichnet zum Ausdruck bringt. Vielleicht mag der Film für manch einen aus der heutigen Sicht ein wenig angestaubt und altbacken wirken, wer jedoch ein Faible für die Werke der 70er Jahre hat, wird an dieser Stelle voll auf seine Kosten kommen. Ich kann jedenfalls nur eine dicke Empfehlung aussprechen, denn allein das Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen ist auf jeden Fall eine Sichtung wert.


Fazit:


Wieder einmal hat es eine lange Zeit gedauert, bis eine fast vergessene Perle des spanischen Horrorfilms endlich auf Scheibe veröffentlicht wurde. Das Warten hat sich aber definitiv gelohnt, denn die hier erzählte Geschichte bietet absolut sehenswerte Filmkost, die man vor allem in der heutigen Zeit längst nicht mehr jeden Tag geboten bekommt.


9/10
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