Der seltsame Horror-Extremist: José Mojica Marins

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Der seltsame Horror-Extremist: José Mojica Marins

Beitragvon trebanator » 22. Sep 2013 08:01

José Mojica Marins

Marins als Coffin Joe ( früher ) Marins als Coffin Joe ( Aktuell )

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Obwohl José Mojica Marins als einer der radikalsten Filmemacher gilt, den die Welt je gesehen hat, findet man in der Sekundärliteratur relativ wenig Veröffentlichungen zu seiner Person und seinen Werken. José Mojica Marins wurde 1929 in Sao Paulo, Brasilien geboren. Sein Vater Antonio, ein Stierkämpfer, leitete später aus gesundheitlichen Gründen ein Kino. Dies nützte Klein-José natürlich aus, um sich bereits als Kind diverse Horrorklassiker anzusehen... obwohl diese damals für Minderjährige verboten waren. Als ihn diese Filme nicht schreckten, wollte er es besser machen. Sein Vater schenkte ihm zunächst eine 8mm- und im Alter von zwölf Jahren eine 16mm-Kamera. Zwischen 1942 und 1944 entstanden mit Hilfe von Nachbarskindern 17 Kurzfilme, die bereits seine frühe Liebe zum Übernatürlichen dokumentieren. Nach einigen gescheiterten Versuchen, im Filmgeschäft Fuß zu fassen, entschloss sich José, 1963 mit À Meia-Noite Levarei Sua Alma (At Midnight I'll Take Your Soul Away) seinen ersten Genrebeitrag (und gleichzeitig Brasiliens ersten Horrorfilm) auf die Menschheit loszulassen. Marins' Filme sind jedoch nur bedingt dem brasilianischen Cinema Novo zuzurechnen, das solch ungewöhnliche Klassiker wie Macunaima von Joaquim Pedro de Andrade 1969 hervorbrachte. Seine Werke sind so außergewöhnlich, eigenständig und abgefahren, dass man sie kaum katalogisieren kann. Marins gehört zweifellos, genau wie Herschell Gordon Lewis und Andy Milligan, zu den frühen Pionieren von blutrünstigen Gewaltorgien. Im selben Jahr wie Blood Feast schnitt Marins in À Meia-Noite Levarei Sua Alma einem Widersacher mit einem abgeschlagenen Flaschenhals mehrere Finger ab, einem anderen rammte er die Dornenkrone einer Christusstatue ins Gesicht. In diesem Film entwickelt Marins sein von ihm selbst verkörpertes Alter Ego namens «Zé Do Caixao», des schwarzgekleideten bärtigen Totengräbers mit Zylinder und Cape und (teilweise echten) überlangen Fingernägeln, der in diesem und dem Nachfolgefilm Esta Noite Encarnarei No Teu Cadáver (Tonight I'll Be Incarnated in Your Corpse) von 1966 auf der Suche nach der perfekten Frau ist, die seinen Sohn gebären soll. Zé nimmt sich was er will. Er vergewaltigt und tötet nach Belieben.

Das Kino Marins' ist kaum mit dem phantastischen Kino Mexikos verwandt, welches hauptsächlich Schund und Wrestlingfilme der billigsten Sorte hervorgebracht hat. Zwar hatte auch Marins enorme Probleme mit der Finanzierung seiner Filme, aber mit seinem Enthusiasmus, seiner Liebe zum Kino und seinen ungewöhnlichen Ideen machte er Dutzende Filme und Fernsehserien, die man kaum mit denen anderer Filmemacher aus dem süd- und lateinamerikanischen Raum vergleichen kann. Marins' Universum ist schon eher mit den surrealen Schöpfungen eines Luis Bunuel oder Alexandro Jodorowsky verwandt. Jess Francos Sex und Gewaltszenen und seine Perversitäten sind mehr oder weniger halbherzig gegenüber dem, was sich Marins schon in den 1960er Jahren erlaubte. Man hat den Eindruck, dass Franco - der ähnliche Themen wie Marins zum Inhalt hat - gerne mehr wollte, aber sich damals einfach nicht traute. Marins kann man diesen Vorwurf nicht machen. Er brach Tabus nach Belieben. Seine Filme sind nicht wirklich wichtig, aber das sind viele Kunstfurzfilme auch nicht, die von seriösen Kritikern in den Himmel gelobt werden. Ein Jacques Rivette langweilt. Marins jedoch lässt einen nicht kalt.
(Quelle:MadMags)

Meine Ergänzung:
José Mojica Marins ist schon ein absolutes Unikum im Sektor des phantastischen Horrorfilms. In Anbetracht der Tatsache, das er bereits 1964 einen Film in einer neuen Dimension der Härte ( Ausnahme H.G. Lewis Blood Feast ) gedreht hat...ohne eine diffizile Handlung mit methaphorischen Ansprüchen zu vernachlässigen...kann man bei Ihm von einem Pionier und wichigen Mitbegründer des o.g. Filmgenres sprechen, der leider früher nie groß über Brasilien hinaus bekannt wurde. Nicht nur die 3 bzw. 4 bekannten Coffin-Joe Filme seien diesbezüglich erwähnt. Auch Seine weiteren Filme sind voll mit phantastischer, goriger, athmosphärischer Aura erfüllt, die weit über das Genre hinaus auch in den Arthouse und in Ansätzen auch in den Exploitationbereich wandern. Marins spätere Filme sind eine visuelle Offenbahrung, die teils einem LSD-Rausch gleichkommen und durchaus auch als künstlerisch angehaucht betrachtet werden können.
Wer auf Filme eines Mario Bava und Alain Robbe Grillet steht, bzw. der o.g. Herren, ist visuell bei Marins da schonmal an der richtigen Adresse. Wer auf die alten Meister des 30er-60er Horrorfilme steht...ebenfalls ( Coffin.Joe-Trilogie )

José Mojica Marins....ein Regisseur und Schauspieler der durch Seinen experimentellen Stil eine eigene Welt innerhalb des Filmes geschaffen hat. Der Mann lohnt es entdeckt zu werden.

Hinweis: Wer bislang nur Embodiment of Evil geschaut hat, sollte sich nicht täuschen lassen. Der Mann ist alt geworden, dem Kommerz unterworfen und dieser Sein aktueller Film ist auch Sein schlechtester und nur sehr bedingt mit Seinen Altwerken zu vergleichen.



Marins in Natura mit Seinen ECHTEN Fingernägeln

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Marins mit einem Fan Yellow_Colorz_PDT_06

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Diverse (harmlose) Bilder aus Seinen Filmen.......

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Filmographie: ( Regisseur + Darsteller )

Embodiment of Evil (2008)
Dr. Frank na Clínica das Taras (1987)
Demons and Wonders (1987)
Hora do Medo, A (1986) ... (additional sequences)
Encarnação do Demônio, A (1981)
Praga, A (1980)
Mundo-mercado do Sexo (1979)
Mulher Que Põe a Pomba no Ar, A (1978)
Perversion (1978)
Hallucinations of a Deranged Mind (1978)
Inferno Carnal (1977)
Como Consolar Viúvas (1976)
Strange Hostel of Naked Pleasures, The (1976)
Virgem e o Machão, A (1974)
Exorcismo Negro, O (1974)
Quando os Deuses Adormecem (1972)
D'Gajão Mata para Vingar (1972)
Sexo e Sangue na Trilha do Tesouro (1972)
End of Man, The (1971)
Coffin Joe - Awakening of the Beast (1970)
Trilogy of Terror (1968) ... (segment "Pesadelo Macabro")
Strange World of Coffin Joe (1968)
This Night I'll Possess Your Corpse (1967)
Diabo de Vila Velha, O (1966)
At Midnight I'll Take Your Soul (1964)
Meu Destino em Tuas Mãos (1963)
Sentença de Deus (1958)
Sina de Aventureiro (1958)

und des weiteren noch die experimentellen Hardcore-Spielfilme:

48 Hours of Hallucinatory Sex (1987)
24 Hours of Explicit Sex (1985)
Quinta Dimensão do Sexo, A (1984)


Die wichtigsten DVD-Veröffentlichungen als Foto (siehe auch ofdb.)

Die U.S.-Box von Fantoma (Coffin Joe Trilogie )
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Die U.K.-Box von Anchor Bay (Coffin Joe + die wichtigsten weiteren Filme von Marins)
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... He, who makes a Beast of himself , get`s rid of the pain of being a human !
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