Tödliches Erbe (1968)

Serienkiller, schöne Frauen und schwarze Handschuhe sind hier beheimatet

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Tödliches Erbe (1968)

Beitragvon horror1966 » 9. Nov 2013 15:34

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Tödliches Erbe
(L'Assassino ha le mane pulite)
mit Tom Drake, Femi Benussi, Virgilio Gazzolo, Ernesto Colli, Isarco Ravaioli, Andrea Fantasia, Ivo Garrani, Valeria Ciangottini, Giovanna Lenzi, Aurelio Marconi, Nicola Solari, Aldo Bruno
Regie: Vittorio Sindoni
Drehbuch: Aldo Bruno / Romario Migliorini / Vittorio Sindoni
Kamera: Ascenzio Rossi
Musik: Stefano Torossi
FSK 16
Italien / 1968

Ein unerwartetes Millionenerbe winkt drei Töchtern und einem zurückgebliebenen Adoptivsohn. Allerdings soll der Nachlass erst ausgezahlt werden, wenn der Letztere die Volljährigkeit erreicht. Diese Klausel gibt den kollektiv in Geldnöten steckenden Hinterbliebenen Zeit und Gelegenheit den Kreis anderer potentieller Erben so auszudünnen, dass am Ende vielleicht der ganze Kuchen bleibt.


Leider gibt es gerade im Sub-Genre des Giallos immer noch etliche Juwelen, die es bis zum heutigen Tag noch nicht auf eine deutschsprachige DVD geschafft haben. Durch die nun endlich erschienene Veröffentlichung der Koch Media Giallo Collection wurde dieser Zustand zumindest bei vorliegendem Werk von Vittorio Sindoni aus dem Jahre 1968 abgeändert und ich bin wirklich erstaunt, welch guter Genre-Vertreter einem bisher durch die Lappen gegangen ist. "Tödliches Erbe" ist nämlich ein in allen Belangen überzeugender Film, der wohl aber ganz eindeutig zu den eher wenig bekannten Vertretern seiner Art gehört. Zwar könnte man nun die hier behandelte Erbschafts-Thematik als alten Hut bezeichnen, da es doch etliche Krimis gibt die sich damit schon befasst haben, doch die Umsetzung des Ganzen kann sich wirklich sehen lassen und bietet dem Betrachter knapp 80 Minuten spannende-und interessante Filmkost.

Dieser Früh-Giallo setzt dabei nicht auf reißerisch ins Bild gesetzte Morde, so das man im Bezug auf Härte und blutige Passagen keine großen Erwartungen hegen sollte. Vielmehr präsentiert sich eine äußerst atmosphärische Geschichte, die ihre Stärken aus der gelungenen Dramaturgie ihrer Geschehnisse bezieht und die Suche nach dem Mörder nach einem simplen Ausschluss-Verfahren gestaltet. So ist es dann zwar nicht sonderlich schwer auf die Identität des Killers zu kommen, denn es werden immer wieder kleine Puzzle-Teilchen serviert, die einen schon recht frühzeitig auf die richtige Spur bringen können. Dennoch bietet die endgültige Auflösung doch noch einen kleinen Überraschungsmoment, den man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte. Bis dahin jedoch wird man mit etlichen Verdächtigen konfrontiert, denn in dieser Geschichte bietet sich fast jeder Charakter als Tatverdächtiger an. Verbale Äußerungen und etliche Verhaltensweisen sollen den Zuschauer dabei fast regelmäßig auf falsche Fährten locken und in manchen Fällen gelingt das auch recht gut.

Sindoni versteht es dabei sehr gekonnt, einige Figuren zu offensichtlich in den Kreis der Verdächtigen zu rücken, um anderen wiederum eher subtil ein Motiv unterzujubeln. Für einen selbst bedeutet das ein herrliches Verwirrspiel und es fällt ziemlich schwer, sich eine festgelegte Meinung zu bilden, da immer wieder neue Verdachtsmomente in den Vordergrund rücken, die auf andere Personen hindeuten. Die Darsteller agieren dabei sehr gut und sind ein wesentlicher Bestandteil dafür, das dieses ineinander verschachtelte Rätse-Spiel auch funktioniert. Allerdings hätte man sich doch in der Rolle des minderjährigen Adoptivsohns einen rein optisch gesehen glaubwürdigeren Schauspieler wie Ernesto Colli gewünscht, der zur damaligen Zeit immerhin schon 28 Jahre alt war, was man ihm in diesem Film auch sehr deutlich ansieht. Das ist letztendlich aber nur ein kleiner doch sehr auffälliger Makel, denn das Schauspiel an sich gibt im Prinzip keinerlei Grund zur Beanstandung. Das kann man jedoch auch ganz generell auf die gesamte Inszenierung beziehen und auch wenn sich mit "Tödliches Erbe" vielleicht nicht eine der absoluten Genre-Größen präsentiert, so beinhaltet dieses Werk doch eine ganze Menge Klasse und Niveau, so das es umso erstaunlicher erscheint, das es sich um einen ziemlich unbekannten Vertreter seiner Art handelt.

Dieser Zustand wird sich durch die Veröffentlichung auf DVD hoffentlich ändern, denn dann würde dieser unterhaltsamen Geschichte endlich der Zuspruch zuteil, die sie meiner Meinung nach auf jeden Fall verdient hätte. Ohne größere Härten und literweise Kunstblut hat Vittorio Sindoni hier einen klassischen Giallo geschaffen, der mit den minimalistischsten Mitteln die maximale Wirkung erzielt. Das typische 60er Jahre Ambiente nimmt einen dabei mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und insbesondere ältere Semester dürften hier nostalgische Gefühle entwickeln. Ganz besonders die Kleidung der damaligen zeit sorgt durch ihre Farbzusammenstellung manchmal für regelrechte Augenschmerzen, über die Inneneinrichtung von Wohnungen wollen wir gar nicht erst reden. Auch die Darstellung eines Tanz-Clubs und die teilweise skurril anmutenden Tanz-Bewegungen einiger Statisten sorgen für ein unglaublich authentisches Flair der damaligen Zeit, so das man insgesamt gesehen zu einem absolut überzeugenden Gesamteindruck gelangen sollte.


Fazit:


Mit "Tödliches Erbe" erschien nun endlich ein eher unbekannter Genre-Beitrag auf DVD, den man sich unbedingt anschauen sollte. Sicherlich nicht zu den absoluten Top-Giallos zu zählen, serviert einem der Film eine wunderbar umgesetzte Geschichte, die sämtliche Zutaten für ein spannendes Film-Erlebnis beinhaltet. Mich persönlich hat dieses Werk jedenfalls bestens unterhalten, so das ich ohne Weiteres eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


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