Blutige Seide (1964)

Serienkiller, schöne Frauen und schwarze Handschuhe sind hier beheimatet

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Blutige Seide (1964)

Beitragvon horror1966 » 29. Nov 2013 19:28

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Blutige Seide
(Sei donne per L'assassino)
mit Cameron Mitchell, Eva Bartok, Thomas Reiner, Ariana Gorini, Dante DiPaolo, Mary Arden, Franco Ressel, Claude Dantes, Luciano Pigozzi, Lea Lander, Massimo Righi, Francesca Ungaro
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Marcello Fondato / Giuseppe Barilla / Mario Bava
Kamera: Ubaldo Terzano / Mario Bava
Musik: Carlo Rustichelli
FSK 16
Italien / 1964

In einem Modesalon, in dem sich die Reichen, die Schönen und die Verruchten der Oberschicht treffen, sorgt eine Handtasche für erhebliche Aufregung. Offenbar enthält diese ein Geheimnis, das den feinen Damen und Herren zum Verhängnis werden könnte. Schon bald treibt ein maskierter Killer sein Unwesen unter den Mannequins...


Mit "Blutige Seide" präsentierte Regisseur Mario Bava 1964 wohl den Ur-Giallo schlechthin und präsentierte dem Zuschauer dabei ein farbenprächtiges Meisterwerk, das vor Ästhetik nur so strotzt. Rein von der Geschichte her gibt es sicherlich so manchen Vertreter der durchaus spannender gestaltet ist, doch wenn man den Film einmal als Gesamtwerk betrachtet dürfte es äußerst schwierig erscheinen, die vorhandene Klasse zu toppen. Inhaltlich offenbart sich die handelsübliche Mordserie, die dieses Mal die Modells eines Modesalons betrifft, so das innerhalb kürzester Zeit eine nach der anderen das Zeitliche segnet. Dabei setzt der Virtuose Bava weniger auf blutige Gewaltdarstellungen, denn die einzelnen Morde sind zumeist nur in Ansätzen zu erkennen und beinhalten auch nicht die oft in anderen Filmen verwendete reißerische Note, um das Szenario künstlich härter erscheinen zu lassen. Auch als Zuschauer konzentriert man sich eigentlich weniger auf die Taten des Killers, ist man doch viel zu sehr vom kräftigen Farbenspiel angetan, das einem der Ausnahme-Regisseur hier präsentiert. Ganz generell ist "Blutige Seide" ein visueller Hochgenuss und man verspürt nicht selten das Gefühl, hier von einem wahren Bilderrausch gnadenlos überrollt zu werden. So ist es dann auch nicht immer leicht sich auf die eigentliche Handlung des Geschehens zu konzentrieren, wobei diese es natürlich auf jeden Fall verdient hat, da sich eine durchgehend interessante-und spannende Story entpuppt, in der die Identität des Mörders und auch dessen Motive schon nach knapp 65 Minuten preisgegeben werden.

Bei einer Gesamtspielzeit von gut 85 Minuten mag sich nun manch einer die Frage stellen was in den letzten 20 Minuten noch das Interesse des Betrachters aufrecht erhalten soll, wenn ein Giallo so frühzeitig mit der Lösung des Ratespiels daher kommt. Bei fast jedem anderen Regisseur wäre diese Frage wohl auch nicht ganz ohne Berechtigung, doch Mario Bava zählte nun einmal zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen seiner Zunft, so das man an dieser Stelle überhaupt nicht den Gedanken aufkommen lassen braucht, das eventuell Langeweile Einzug in die Geschichte halten würde. Obwohl nämlich die Fronten scheinbar gänzlich geklärt sind gibt sich noch einmal ein Erzählstrang zu erkennen, der für absolut erstklassig inszenierte 20 Schlussminuten garantiert, in denen sich ein finaler Showdown zu erkennen gibt, der das gesamte Szenario absolut perfekt abrundet und diesen Film zu einem wahren Meisterwerk emporsteigen lässt.

"Blutige Seide" als für später folgende Genre-Vertreter maßgebenden Film anzusehen ist sicher nicht übertrieben und an diversen Stellen merkt man auch ziemlich eindeutig, das hier ein Sub-Genre noch in den Kinderschuhen steckt. Das ist jetzt keineswegs als negative Kritik aufzufassen doch insbesondere die recht bieder in Szene gesetzten Tötungen der Opfer deuten ganz eindeutig an, das der Giallo hier die ersten Gehversuche macht. Erst in späteren Jahren als diese Filmart ihre absolute Hochzeit erfuhr wird einem dabei so richtig bewusst, welch wichtige Pionierarbeit ein Mario Bava hier geleistet hat, damit man auch noch in der heutigen Zeit die ganzen wunderbaren italienischen Klassiker bewundern kann, die der Giallo hervorgebracht hat. Das die Filme dabei teilweise viel derber ausfielen und zudem auch in den meisten Fällen mit einer ordentlichen Portion Erotik angereichert wurden ist sicherlich eine fast logische Weiterentwicklung, doch die gesamte Aufbauarbeit dafür ist in diesem hier vorliegendem Film zu erkennen, der zwar auch schon mit etlichen schönen Frauen ausgestattet ist, sich aber im Bezug auf die später folgenden Nacktszenen noch vollkommen geschlossen hält.

Wie dem auch sei, "Blutige Seide" ist definitiv ein visuell berauschendes Erlebnis, denn durch das kräftige Spiel mit den Farben entfachen die gezeigten Bildern eine fast schon hypnotische Wirkung, der man sich unmöglich verweigern kann. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail und seinem Hang zur absoluten Perfektion hat Bava dabei ein ästhetisches-und zeitloses Meisterwerk geschaffen, das jeder Liebhaber des italienischen Kinos kennen sollte. Und auch wenn es sicherlich noch spannendere Geschichten gibt, so lassen doch eher wenige einen dermaßen überzeugenden Gesamteindruck entstehen, wie es hier der Fall ist. Und so präsentiert sich im Endeffekt eine Gesamtkomposition aus Krimi, Thriller und Ästhetik, die einen regelrecht in Verzückung geraten lässt. Eher selten bekommt man einen Film präsentiert, in dem sämtliche Komponenten so stimmig ineinander übergreifen und dabei eine Wirkung auf den Betrachter ausüben, die man ohne Übertreibung als absolut magisch bezeichnen kann. So kann man sich dann auch nur ehrfurchtsvoll vor diesem Werk verneigen, das auch nach fast einem halben Jahrhundert überhaupt nichts von seinem reiz verloren hat.


Fazit:


Nicht umsonst hat ein Mario Bava seinen Werken immer eine ganz persönliche-und eigene Note beigefügt. Dabei kann man in der Regel immer davon ausgehen, das alle seine Werke über einen extrem künstlerischen Ausdruck verfügen, der auch in vorliegendem Szenario mehr als eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. So wurde hier auch die Welt der Modells und der dazugehörigen Kreise bewusst etwas überzogen, hochgestochen und manchmal sogar ein wenig arrogant dargestellt, was dem Ganzen aber einen unglaublich glaubwürdigen Eindruck verleiht, der das Szenario noch einmal zusätzlich aufwertet.


10/10
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Re: Blutige Seide (1964)

Beitragvon trebanator » 30. Nov 2013 20:06

.... als Giallo fand ich "Blutige Seide" nicht ganz so gut. da fehlten mir einige wesentlichen Elemente. Als Film an sich...und auch als Bava, ist er dennoch enorm gut, weil wirkungsvoll. Ich seh ihn so bei 8-9/10 ..... müsste ihn nochmal schauen...lange her...
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Re: Blutige Seide (1964)

Beitragvon horror1966 » 30. Nov 2013 20:25

Im Prinzip sind bis auf die obligatorischen Erotikszenen doch alle Dinge vorhanden, aber ich verstehe schon was du meinst. Die Geschichte an sich ist keinesfalls so spannend wie bei etlichen anderen Vertretern, dennoch sehe ich das Gesamtwerk als echte Kunst an und kann nur die Höchstnote vergeben.
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Re: Blutige Seide (1964)

Beitragvon Cromwell » 19. Jan 2014 13:47

Bava + Giallo = 10/10 Pkt
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Re: Blutige Seide (1964)

Beitragvon dr. freudstein » 13. Mai 2016 16:13

Die Geschichte selbst, also allen voran der Spannungsbogen liegt bei mir auch bei 8/10, aber wie cheffe sagt, visuell ist der Film ein wahres Meisterwerk und allein deshalb könnte ich mir den Film immer wieder anschauen ohne das es langweilig wäre. Daher setze ich natürlich auch die Höchstnote. Bava ist ein Genie in Sachen Kamera, Farben, Details, Ausstattung.
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Re: Blutige Seide (1964)

Beitragvon trebanator » 15. Mai 2016 08:31

Cromwell hat geschrieben:Bava + Giallo = 10/10 Pkt

.... so sehe ich ihn auch schon immer. Hoffntlich wir die kommende deutsche blu nicht versaut..... sonst kommt halt die Arrow ins Haus :geek:
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