horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 2. Mär 2018 11:37

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Jigsaw
(Jigsaw)
mit Matt Passmore, Tobin Bell, Callum Keith Rennie, Hannah Emily Anderson, Clé Bennett, Laura Vandervoort, Paul Braunstein, Mandela Van Peebles, Brittany Allen
Regie: Michael Spierig / Peter Spierig
Drehbuch: Pete Goldfinger / Josh Stolberg
Kamera: Ben Nott
Musik: Charlie Clouser
keine Jugendfreigabe
Kanada / USA / 2017

Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seitdem John Kramer alias der Jigsaw-Killer sein Unwesen trieb. Doch eine neue Mordserie, so grausam wie einst, lässt die Polizei ihre Überzeugung noch einmal überdenken: Wenn nicht Jigsaw selber der Urheber der Bluttaten ist, wer könnte es dann sein? Die Zeit drängt, denn die Leichen häufen sich. Während der Killer sein Spiel ungehindert vorantreibt, muss endlich ein Ermittlungserfolg her. Oder kommt der neue Jigsaw etwa aus den eigenen Reihen?


Sieben Jahre ist es mittlerweile her als mit "Saw 7 - Vollendung" der bisher letzte Teil des erfolgreichen Franchise erschienen war. Schon damals vermutete man das definitiv noch nicht das letzte Wort gesprochen war und insbesondere eingefleischte Fans der Reihe hofften inständig, das die Geschichte um den berühmt-berüchtigten Jigsaw-Killer weiter erzählt wird. Volle sieben Jahre hat es dennoch gedauert bis man sich dazu durchringen konnte mit "Jigsaw" eine weitere Fortsetzung auf die Filmwelt los zu lassen, die unter der Regie der Spierig Brothers entstanden ist. Nun muss man sicherlich kein Hellseher sein um sich zu denken, das die Rezeptur der Erzählung keine sonderliche Innovation beinhaltet und so bekommt der Zuschauer letztendlich genau das geboten, was die Saw-Reihe bisher so ausgezeichnet hat. Wie schon in einigen der vorherigen Teile wird die Story in zwei parallel zueinander verlaufenden Handlungssträngen erzählt und auch ansonsten wartet man nicht unbedingt mit Neuerungen oder gar innovativen Ansätzen auf. Das mag nicht jedem gefallen, passt aber definitiv nahezu perfekt zu den bisherigen Filmen.

Die Regisseure bedienen sich der altbewährten Zutaten und vermischen diese zu einem durchaus sehenswerten Szenario, das allerdings nicht ganz an die Klasse der Vorgänger heran reichen kann. Sicherlich liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters, aber "Jigsaw" erreicht auf keinen Fall die Intensität der letzten Teile. In erster Linie ist das bestimmt durch den enthaltenen Härtegrad zu begründen, denn im direkten Vergleich fällt der neueste Streich doch fast schon ein wenig zahm aus. Natürlich gibt es diverse blutige Einstellungen und auch einige etwas härtere Passagen zu sehen, aber in der Summe gesehen bewegt man sich bei diesem Aspekt in einem sehr überschaubaren Rahmen. Das kann man ebenso auf die hier verwendeten Fallen ummünzen, denn auch in dieser Beziehung hat man schon Besseres gesehen. An dieser Stelle hätte man sich also durchaus ein wenig mehr Einfallsreichtum gewünscht, aber dennoch möchte man auf gar keinen Fall in der Haut der jeweiligen Opfer stecken. Diese präsentieren sich wie eigentlich immer ein wenig konturlos und wirken so jederzeit austauschbar.

So fehlt es diesem Beitrag dann etwas an nötigen Überraschungsmomenten, dafür kann man sich allerdings auf einen Film mit einer überzeugenden und sehr dichten Atmosphäre freuen. Auch in diesem nunmehr achten Teil der Reihe entfaltet sich diese herrlich bedrohliche und sadistische Grundstimmung, die den Betrachter immer wieder in ihren Bann ziehen kann. Gleichzeitig ist ein konstant ansteigender Spannungsbogen zu erkennen, denn als mögliche Täter für die neuerlichen Greueltaten werden einem diverse Verdächtige präsentiert. Im Prinzip gestaltet sich also alles wie immer, was manch einem eventuell nicht ausreichen wird, um an dieser Stelle von einem durchgehend überzeugenden Werk zu sprechen. Für eingefleischte Fans der Reihe ist "Jigsaw" allerdings absolutes Pflichtprogramm, bekommt man doch eine durchaus spannende Geschichte serviert.

Letztendlich wird diese Fortsetzung ganz bestimmt die Meinungen spalten und viele Leute werden sich sogar die Frage stellen, ob man das Franchise überhaupt neu beleben musste. Ich sage ja, denn auch wenn definitiv keine neuen Impulse zu erkennen sind und alles nach einem altbewährten Schema abläuft, macht es immer wieder riesigen Spaß Jigsaw und Co. bei ihren Taten zu begleiten. Meinetwegen können gern noch weitere Ableger folgen, denn auch wenn man mittlerweile kaum mehr echte Überraschungen und Aha-Momente erwarten kann, sind die Saw-Filme immer noch eine absolute Bereicherung für das Genre. Um die Figur von John Kramer kann man wohl noch so einige Erzählungen zusammen schustern, auch wenn diese an manchen Stellen gut und gern mal etwas abstrus erscheinen.


Fazit:


Mit einem Abstand von sieben Jahren wird nun das Saw-Universum weiter ausgebaut und meiner persönlichen Meinung nach ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Zukunft wird zeigen ob noch weitere Ableger folgen werden und wenn dem so ist, sollte man jedoch definitiv zur etwas härteren Gangart zurückkehren.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 6. Mär 2018 13:18

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Evils - Haus der toten Kinder
(Dark Awakening)
mit Lance Henriksen, Jason Cook, Valerie Azlynn, William Pifer, Lauren Sesselmann, Robert Crayton, Tracey Coppedge, Gil Newsom, Viktor Hernandez, R. Keith Harris
Regie: Dean Jones
Drehbuch: Dean Jones / Josh Edwards
Kamera: David Bridges
Musik: Michael Huey / Terry Huud
FSK 16
USA / 2014

James Thomas zieht mit seiner kleinen Familie zurück in seine Heimatstadt in das leerstehende Haus seiner Großmutter. Doch ab dem ersten Tag wird dort sein Sohn Danny von Geistern toter Kinder heimgesucht. Diese Kinder wurden offenbar ermordet. Sie fordern nun Rache und Gerechtigkeit und benutzen den kleinen Danny als Sprachrohr. Seine Mutter Jennifer wendet sich in ihrer Verzweiflung an Pater O`Malley, der scheinbar mehr über die Morde an diesen Kindern weiß. Der Pater kennt auch die Verbindung zu ihrem Mann James, der seit seiner Kindheit ein dunkles Geheimnis in sich trägt. Dieses Geheimnis könnte nun seiner eigenen Familie zum Verhängnis werden.


Zumeist ist es nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wenn ein Film erst mehrere Jahre nach seinem Erscheinen auf dem deutschen Heimvideomarkt erscheint. Leider bewahrheitet sich das auch im Beispiel vom vorliegenden Beitrag "Evils - Haus der toten Kinder", der aus dem Jahr 2014 stammt. Dabei beinhaltet die Erzählung durchaus einiges an Potential, das allerdings insbesondere in der ersten Stunde so gut wie überhaupt nicht angetastet wird. Regisseur Dean Jones vertrödelt diese Zeit regelrecht mit Banalitäten und ist dabei noch nicht einmal in der Lage, einen konstant ansteigenden Spannungsbogen zu erzeugen. Für einen Gruselfilm ist das praktisch der Todesstoß, denn zumindest müsste an dieser Stelle doch subtiler Horror in Erscheinung treten, was in vorliegendem Fall aber leider nicht passiert. Zwar lassen die ersten Geisterscheinungen nicht allzu lange auf sich warten, aber der Inszenierung gelingt es so gut wie nie, auch nur ansatzweise den Funken auf den Zuschauer überspringen zu lassen. Stattdessen entfaltet sich phasenweise sogar gepflegte Langeweile und das Geschehen kränkelt immens an der totalen Ereignislosigkeit.

Dieser Umstand ändert sich dann auch erst im letzten Drittel des Filmes, denn hier erfährt das Ganze nicht nur eine für seine Verhältnisse gewaltige Temposteigerung, auf einmal macht sich auch ein Hauch von Intensität breit, der letztendlich in einem wirklich bitter-bösen Finale endet. Die letzten gut 30 Minuten gestalten sich also recht sehenswert und interessant, dennoch kann das den insgesamt doch eher schwachen Gesamteindruck dieser Produktion nur unwesentlich aufwerten. Zu sehr hat einen die Laufzeit davor enttäuscht, als das man nun noch in Begeisterungsstürme ausbrechen könnte. Vor allem ist das der Tatsache geschuldet, das es Jones nicht gelungen ist, seine Geschichte mit der nötigen Grundstimmung auszustatten, denn so etwas wie echtes Gruselfeeling macht sich überhaupt nicht bemerkbar. Hinzu kommt die äußerst billige Optik des Szenarios, denn man merkt dem Film in jeder Phase an, das hier offensichtlich ein relativ niedriges Budget zur Verfügung gestanden hat. Das macht sich dann auch bei den Darstellern bemerkbar, unter denen mit der B-Movie Ikone Lance Henriksen zumindest ein bekanntes Gesicht zu sehen ist.

Doch auch sein Mitwirken kann das ansonsten von den Protagonisten dargebrachte Schauspiel nicht sonderlich aufwerten, denn vor allem die Hauptdarsteller agieren doch ziemlich hölzern und ungelenk. Es fehlt dabei an jeglicher Überzeugungskraft, was letztendlich jedoch perfekt zu dem gewonnenen Gesamteindruck des Werkes passt. Wie schon kurz angeschnitten kann wenigstens das letzte Drittel etwas entschädigen, auch wenn es keine sonderliche Überraschung ist worauf das Ganze im Endeffekt abzielt. In welche Richtung das Rätsel um die toten Kinder geht kann man nämlich schon frühzeitig erkennen, so das der finale Showdown dann auch keine richtige Überraschung darstellt. Es ist eben auch diese Vorhersehbarkeit der Ereignisse die verhindert, das echte Spannung entstehen kann und so muss man sich am Ende mit einem Film zufrieden geben, der maximal am untersten Rand des Durchschnittsbereiches kratzen kann. Dabei wäre sicherlich weitaus mehr möglich gewesen, denn auch mit verhältnismäßig geringen Geldmitteln hätte Jones einen besseren Film präsentieren können.

Wenn man "Evils - Haus der toten Kinder" gesehen hat kann man durchaus nachvollziehen, warum diese Produktion erst jetzt bei uns erschienen ist. Zu schwach gestaltet sich eine im Prinzip doch recht interessante Geschichte, die eindeutig unter ihrer sehr mäßigen Umsetzung leidet. Vielleicht liegt es auch einfach am mangelnden Talent der Regisseurs, einen Gruselfilm mit einer für das Genre nötigen Grundstimmung auszustatten. Diese kommt nämlich viel zu kurz und lässt sich wenn überhaupt, erst im letzten Teil der Erzählung phasenweise erkennen. Und so bekommt es der Betrachter einmal mehr mit einem Werk zu tun, das nur in kleinen Teilen und ansatzweise das halten kann, was man sich aufgrund der Inhaltsangabe erwarten darf. Das ist wirklich sehr schade, denn mit etwas mehr Feingefühl und dem Blick für das Wesentliche hätte hier ein richtig guter Film entstehen können.


Fazit:


"Evils - Haus der toten Kinder" ist in der Summe eine ziemlich herbe Enttäuschung. Lediglich die letzten gut 30 Minuten verhindern, das man diesen Beitrag als völligen Rohrkrepierer einstufen kann. Einen nachhaltigen Eindruck wird diese Produktion ganz sicher nicht hinterlassen, so das die Sichtung verhältnismäßig schnell in Vergessenheit geraten wird.


3/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 9. Mär 2018 12:13

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Bed of the Dead
(Bed of the Dead)
mit Colin Price, Alysa King, Gwenlyn Cumyn, Dennis Andres, George Krissa, Hamza Fouad, Alex Loubert, Mary-Elizabeth Willcott, Tom Marasovic, Dwayne Bryshun
Regie: Jeff Maher
Drehbuch: Jeff Maher / Cody Calahan
Kamera: Micha Dahan
Musik: Steph Copeland
keine Jugendfreigabe
Kanada / 2016

Ren, seine Freundin Sandy und ein befreundetes Paar wollen eine gemeinsame Nacht in einem Kingsize-Bett eines Erotikhotels verbringen, um dort etwas Spaß zu haben. Die Stimmung kippt jedoch schnell, als die Freunde versuchen das Bett wieder zu verlassen und bemerken, dass dies ihr Todesurteil ist: Setzen sie nur einen Fuß auf den Boden, sterben sie einen grausamen Tod. Eine Nacht voll Blut und Grauen beginnt!


Auch wenn der Filmtitel es eventuell vermuten lässt handelt es sich bei dem vorliegendem Beitrag nicht um eine Fortsetzung der Dead-Reihe von George R. Romero. Stattdessen bekommt man das Regiedebüt von Jeff Maher präsentiert, der bisher als Darsteller agiert hat und sich nun seine ersten Sporen als Regisseur verdienen möchte. Nach der Sichtung des Filmes muss man feststellen das ein weiterer Zombiefilm sicherlich die bessere Variante gewesen wäre, denn das hier gezeigte Szenario stößt beim Zuschauer nicht unbedingt auf ausufernde Begeisterung. Die Geschichte an sich beinhaltet bestimmt ein gewisses Potential, allerdings ist die Umsetzung des Ganzen nicht unbedingt als gelungen zu bezeichnen. Dabei ist Maher durchaus bemüht die offensichtlich kostengünstige Produktion mit ein wenig Innovation zu versehen, aber in der Summe erscheint das Werk selten stimmig und hinterlässt vielmehr einen äußerst holprigen Eindruck. Einige nette Ansätze wie beispielsweise eine Parallelwelt können nicht darüber hinweg täuschen, das die vorhandene Substanz der Erzählung nur sehr mangelhaft umgesetzt wurde.

Zudem wirken die unsympathischen Charaktere an manchen Stellen regelrecht nervend, man kann in keiner Phase des Filmes eine gewisse Empathie zu den Figuren herstellen. Dafür fehlt es ganz einfach am dafür nötigen Schauspiel, das zumeist recht hölzern und phasenweise gar gelangweilt daher kommt. Auch in atmosphärischer Hinsicht ist "Bed of the Dead" ziemlich dürftig ausgefallen, denn es lassen sich nie wirklich bedrohliche Züge erkennen, was bei einem Film dieser Art jedoch zwingend notwendig wäre. Da hilft es auch nichts, das Maher ständig diverse Visionen in das Szenario hinein wirft, denn die surreal anmutenden Momente des Geschehens machen den Kohl auch nicht mehr fett. Geschehen ist an dieser Stelle sowieso nicht der treffende Ausdruck, denn in dem "Bett des Todes" passiert im Prinzip herzlich wenig. Das trägt nicht unbedingt zu einem gesteigerten Unterhaltungswert bei und streckenweise strotzt die Erzählung sogar regelrecht vor Langeweile. Das sorgt dann doch für eine herbe Ernüchterung, denn auch wenn man hier bestimmt kein filmisches Meisterwerk erwartet hat hätte es gern ein wenig mehr sein dürfen.

"Bed of the Dead" beinhaltet zwar einige blutige Einstellungen, aber insgesamt gesehen bewegt man sich mit dem enthaltenen Härtegrad in einem jederzeit überschaubaren Rahmen. Doch auch mehr Härte hätte diese Produktion nur unwesentlich aufgewertet, da sich in der Summe auf keinen Fall ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Es kann eben kein richtig guter Film entstehen, wenn man eine gute Grundidee schlecht umsetzt und so eine durchaus mit Potential versehene Erzählung fast völlig in den Sand setzt. Sicher darf man dabei nicht vergessen, das dieses Werk ganz offensichtlich nicht mit einem hohen Budget ausgestattet war, dennoch darf dieser Aspekt nicht als Entschuldigung her halten. Das Drehbuch ist einfach zu holprig und auch die oft fehlende Logik tut ihr Übriges, das der Zuschauer letztendlich eine recht herbe Enttäuschung erleben muss.

Im Endeffekt kann man dem guten Jeff Maher nur ein unbefriedigendes Zeugnis ausstellen, da er an zu vielen Stellen zu große Fehler gemacht hat. Das Ganze wirkt phasenweise fast stümperhaft, zudem kann die Geschichte zu keiner Zeit echte Spannung erzeugen. Ein wenig Blut und diverse surreale Einflüsse können das nicht ausgleichen, so das der Gesamteindruck am Ende doch ziemlich bescheiden ausfällt. Eine wirkliche Empfehlung kann man also definitiv nicht aussprechen, denn "Bed of the Dead" zählt nicht zu den Filmen, die einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen.


Fazit:


Konturlose Figuren und eine schlecht umgesetzte Story sind die größten Defizite einer Produktion, aus der man sicherlich mehr hätte machen können. Zwar offenbart "Bed of the Dead" ein paar sehenswerte Momente, aber diese können in der Summe nicht darüber hinweg täuschen, das dieser Film nicht durchgehend gut unterhalten kann.


3,5/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 16. Mär 2018 13:07

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Boy Missing
(Secuestro)
mit Blanca Portillo, Antonio Dechent, Vicente Romero, Marc Domènech, Nausicaa Bonnín, Andrés Herrera, José Coronado, Macarena Gómez, Paco Manzanedo, Sergi Subirà
Regie: Mar Targarona
Drehbuch: Oriol Paulo
Kamera: Sergi Bartrolí
Musik: Marc Vaíllo
FSK 16
Spanien / 2016

Das Leben der erfolgreichen Anwältin Patricia de Lucas wird schlagartig zum Alptraum, als ihr Sohn Víctor spurlos von der Schule verschwindet. Doch einige Stunden später taucht Víctor bereits wieder auf: Ziellos umherirrend wird er auf offener Straße gefunden. Mit Hilfe seiner Mutter berichtet der taubstumme Junge, dass er von einem Unbekannten entführt wurde und ihm die Flucht gelungen ist. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass manche Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Patricia droht allmählich die Kontrolle zu verlieren, denn der Fall nimmt unerwartete und zunehmend gefährliche Wendungen..


Spannungsgeladene Thriller aus Spanien haben seit jeher einen guten Ruf und seitdem der äußerst talentierte Regisseur Oriol Paulo auf der Bildfläche erschienen ist, hat sich dieser Eindruck nur noch verstärkt. Nach seinem brillanten Erstling "The Body" und dem 2016 erschienenen "Der unsichtbare Gast" folgt nun mit "Boy Missing" der dritte Streich, an dem der gebürtige Katalane beteiligt ist. Zeichnete er bei den beiden ersten Filmen noch gleichzeitig für die Regie und das Drehbuch verantwortlich, so tritt er in vorliegendem Fall zwar "nur" als Drehbuchautor in Erscheinung, aber dennoch trägt die Geschichte auch ganz eindeutig seine Handschrift. Auf dem Regiestuhl nahm Mar Targarona Platz, der somit auch gleichzeitig ein erstklassiges Regiedebüt feiern kann, denn "Boy Missing" fügt sich fast nahtlos in die Reihe spanischer Thriller ein die auch nachhaltig in Erinnerung bleiben. Die Story setzt dabei auf eine eher ruhige Erzählstruktur und beinhaltet mehrere Wendungen, zudem glänzt das Szenario im Finale mit einem überraschenden Plot Twist der das Ganze perfekt abrundet.

Dabei beginnt das Szenario wie eine handelsübliche Entführungsgeschichte die zudem auch noch nach nur wenigen Minuten fast aufgeklärt erscheint. Dieser Schein trügt jedoch, denn danach geht der Film im Prinzip erst so richtig los und schlägt dabei eine Richtung ein, die man nicht unbedingt vorhersehen kann. Nun kann "Boy Missing" zwar nicht ganz die Intensität und Hochspannung eines "The Body" erreichen, aber dennoch wird der Zuschauer auch hier einmal mehr auf etliche falschen Fährten gesetzt, so das man die Gesamtzusammenhänge erst kurz vor dem Ende wirklich erkennen kann. Bis dahin ist es jedoch ein spannender Weg auf dem man die Protagonisten begleitet, in deren Mittelpunkt die erfolgreiche Anwältin Patricia steht, die gleichzeitig die allein erziehende Mutter des kleinen Victors ist. Blanca Portillo legt in der Rolle eine erstklassige Performance hin und vermittelt das Bild einer Mutter, die wirklich alles tun würde um das Leben ihres Sohnes zu verteidigen. Gerade dieser Wesenszug bringt sie aber auch in Schwierigkeiten, was im Laufe der Zeit und insbesondere zum Ende hin sehr gut zum Ausdruck kommen soll.

Targarona verzichtet bei seinem Debüt fast gänzlich auf jeglichen Aktionismus und widmet sich vielmehr einer in sich verschachtelten Geschichte, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr Wendungen an den Tag legt. Nichts ist wie es scheint und der Betrachter kann sich eigentlich nie sicher sein, wie sich die einzelnen Abläufe zueinander verhalten. Das macht richtig Spaß und lädt förmlich zum mitfiebern ein, so das in keiner Phase des Filmes auch nur der Hauch von Langeweile zu erkennen ist. Dafür sorgen auch die erstklassigen Darsteller, denn durch die Bank hat man es hier mit äußerst überzeugend agierenden Charakteren zu tun, die dieser Produktion auch ganz deutlich ihren persönlichen Stempel aufdrücken. So ergibt sich in der Summe ein rundum stimmiger Gesamteindruck und man bekommt gut 105 Minuten hervorragende Filmkost serviert, wie man sie von den Spaniern gewöhnt ist. Da fragt man sich dann auch ganz unweigerlich, warum solche Beiträge nicht auch bei uns in Deutschland produziert werden können, aber im Bezug auf den Spannungssektor bewegen wir uns bis auf seltene Ausnahmen leider in einer Art Brachland.

Wie dem aber auch sei, Targarona hat sein Talent unter beweis gestellt und das sehr gelungene Drehbuch von Paulo äußerst gut in Szene gesetzt. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, das man von beiden Herren in der Zukunft noch des Öfteren mit so hervorragenden Beiträgen beglückt wird. Es ist nämlich immer wieder ein wahres Fest, die spannungs-und wendungsreichen Thriller aus Spanien anzusehen, die einen von der ersten bis zur letzten Minute regelrecht begeistern. Wer "The Body" und "Der unsichtbare Gast" zu schätzen wusste, der wird auch seinen Gefallen an "Boy Missing" finden, der nun dank OFDB Filmworks den Weg in den heimischen Player finden wird.


Fazit:


Falsche Fährten, Richtungsänderungen und ein toller Twist am Ende der Erzählung sorgen wieder einmal für grandiose Unterhaltung. Unsere iberischen Nachbarn haben es wirklich drauf und stellen einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, das Spannung und Thrill definitiv zu ihren Stärken gehören.


8,5/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Mär 2018 13:05

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The Crucifixion
(The Crucifixion)
mit Sophie Cookson, Corneliu Ulici, Ada Lupu, Brittany Ashworth, Catalin Babliuc, Matthew Zajac, Iván González, Ozana Oancea, Javier Botet, Jeff Rawle, Florian Voicu
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Carey W. Hayes
Kamera: Daniel Aranyó
Musik: David Julyan
FSK 16
Gro0britannien / Rumänien / 2017

Nach dem grausamen Tod einer Nonne wittert die junge Journalistin Nicole eine aufsehenerregende Geschichte. An der besessenen Ordensfrau wurde ein Exorzismus mit anschließender Kreuzigung durchgeführt. Im Kloster angekommen prallt Nicole an eine Mauer des Schweigens. Die örtliche Kirche verschweigt offenbar, die schreckliche Wahrheit. Doch schon bald verdichtet sich Nicoles Verdacht, dass tatsächlich ein Dämon hinter dem schaurigen Ereignis steckt. Ehe sie sich versieht, gerät sie selbst immer tiefer in die verfluchten Abgründe des Glaubens und ist plötzlich selbst in Lebensgefahr. Dämonen suchen sich nämlich am liebsten einen Wirt, der nicht an Gott und die Kirche glaubt - und da haben sie in Nicole ihr nächstes Opfer gefunden.


Der Name Xavier Gens dürfte den meisten Leuten noch durch den französischen Horrorschocker "Frontier(s)" in Erinnerung sein. Bei vorliegendem Beitrag wagt sich der Regisseur nun auf ein völlig anderes Terrain und serviert einen weiteren der in den letzten Jahren zuhauf erschienenen Filme, die sich mit der Thematik des Exorzismus beschäftigen. Die meisten dieser Werke hinterlassen dabei einen eher dürftigen Eindruck und auch "The Crucifixion" kommt an dieser Stelle bei den Bewertungen alles andere als gut weg. Dabei kann ich das in vorliegendem Fall nicht so ganz nachvollziehen, denn immerhin präsentiert sich eine recht interessante Geschichte, die auch in ihrer Umsetzung keinesfalls so schlecht ist, wie manche Kritik es eventuell vermuten lässt. Gut, an einen Film wie Friekins "Der Exorzist" kommt die vorliegende Erzählung zwar keinesfalls heran, aber immerhin gab es in den letzten Jahren unzählige andere Vertreter, die weitaus schlechter ausgefallen sind. Im Mittelpunkt der Story steht der Tod einer jungen Nonne, dessen Umstände von Beginn an einen herrlich mysteriösen Anstrich erkennen lassen.

Räumlich ist das Ganze in Rumänien angesiedelt, wobei das Geschehen sich größtenteils in der ländlichen Einöde des Landes abspielt, was der religiösen Thematik und insbesondere der Grundstimmung des Szenarios zu gute kommt. Gens setzt streckenweise auf düster gehaltene Momente und kleiner Schockmomente, zudem werden immer wieder Flashbacks in die Vergangenheit der jungen Nonne eingestreut, die dem Zuschauer die Thematik näher bringen sollen. Das gelingt im Prinzip auch sehr gut und so kann man sich mit der jungen Journalistin Nicole zusammen auf die Suche nach der Wahrheit begeben. Visuell gesehen kommt die eigentliche Thematik leider ein wenig zu kurz, denn lediglich ganz am Anfang sowie zum Ende hin bekommt man einige Szenen geboten, in denen ein Exorzismus bebildert wird. Dennoch schadet das der Erzählung nicht sonderlich, denn die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich durchaus interessant und spannend. Immer mehr rückt dabei Nicole in den Vordergrund, denn im Laufe der Zeit ist die junge Frau immer mehr hin-und her gerissen zwischen wahrem Glauben und rationalen Fakten.

Durch persönliche Erfahrungen im Glauben erschüttert widerfahren ihr immer mehr Ereignisse die sie an Besessenheit glauben lassen. Das Ganze ist umrahmt von einer äußerst stimmigen Atmosphäre, die sich mit zunehmender Laufzeit auch immer mehr verdichtet. "The Crucifixion" beinhaltet allerdings keine größeren Highlights, dafür präsentiert sich aber immerhin ein Szenario, das man ohne wenn und aber als sehr solide bezeichnen kann. Manch einem wird das bestimmt nicht ausreichen, denn ob man es nun will oder nicht, vergleicht man Werke dieser Machart ganz automatisch mit Friedkins Meisterwerk. Deswegen versucht Gens auch erst gar nicht in den direkten Vergleich zu treten, da ein solcher ganz einfach nicht zu gewinnen ist. So zählt "The Crucifixion" dann auch unter den ganzen Genre-Kollegen der letzten Jahre zu den Besseren, wobei es an dieser Stelle ganz selbstverständlich auch auf die rein persönliche Betrachtungsweise ankommt. Ganz besonders hat mir die eher unbekannte Sophie Cookson in der Rolle der Journalistin gefallen, legt sie doch eine recht ansprechende Performance an den Tag die sich sehen lassen kann.

Insgesamt gesehen hat Xavier Gens ganz bestimmt keinen innovativen Beitrag abgeliefert, denn das Szenario beinhaltet letztendlich die üblichen Klischees und Zutaten. Diese wurden jedoch ganz gut aufeinander abgestimmt, so das man mit einem größtenteils in sich stimmigen Film konfrontiert wird. Innovation oder Überraschungsmomente sollte man aber nicht unbedingt erwarten, denn die gesamte Inszenierung ist doch recht vorhersehbar. Wenn einem das nichts ausmacht dann wird man ganz gut bedient und mit einer Produktion belohnt, die sich definitiv gut anschauen lässt.


Fazit:


"Der Exorzist" bleibt ohne jede Frage das absolute Referenzwerk wenn es um die Thematik des Exorzismus geht. Im Laufe der Jahrzehnte wurden etliche Versuche unternommen diesen Status zu ändern oder zumindest annähernd zu erreichen, wobei aber sämtliche Bemühungen als gescheitert betrachtet werden können. Allein schon aus diesem Grund sollte man bei jedem weiteren Beitrag dieser Art die eigenen Erwartungen schon im Vorfeld ein wenig senken, denn dann kann man auch Freude an einer grundsoliden Inszenierung wie "The Crucifixion" empfinden. Mir persönlich hat der Film jedenfalls gut gefallen, so das an dieser Stelle auch durchaus eine Empfehlung ausgesprochen werden kann.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Mär 2018 12:26

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Day of the Dead: Bloodline
(Day of the Dead: Bloodline)
mit Sophie Skelton, Johnathon Schaech, Jeff Gum, Marcus Vanco, Mark Rhino Smith, Lillian Blankenship, Shari Watson, Rachel O'Meara, Luke Cousins, Lorina Kamburova
Regie: Hèctor Hernández Vicens
Drehbuch: Mark Tonderai / Lars Jacobson
Kamera: Anton Ognianov
Musik: Frederik Wiedmann
keine Jugendfreigabe
Bulgarien / 2018

In einer postapokalyptischen Welt ...
hat sich eine kleine Gruppe von Menschen in einen Bunker retten können und forscht jetzt nach einem Heilmittel gegen die Zombies. Doch die ehemalige Medizinstudentin Zoe (Sophie Skelton) hat ein Geheimnis, das die ganze Gruppe in Gefahr bringt. Sie hält ihr Forschungsobjekt Max (Johnathon Schaech) - halb Mensch, halb Zombie und ein obsessiver Begleiter aus ihrer Vergangenheit - vor den anderen geheim. Bis er ausbricht und eine blutige Spur der Eingeweide hinter sich lässt. Wird Zoe es trotzdem schaffen, das Virus aufzuhalten?



"Day of the Dead - Das letzte Kapitel" war seinerzeit der Abschluss von George R. Romeros Ur-Trilogie und mit "Day of the Dead: Bloodline" liegt nun mittlerweile das zweite Remake des Zombie-Klassikers vor. Hatte Steve Miners Variante aus dem Jahr 2008 herzlich wenig mit dem Original zu tun, so muss man Hèctor Hernández Vicens zumindest zu Gute halten, das seine Geschichte rein inhaltlich stark an Romeros Beitrag angelehnt ist. Mir persönlich hat das recht gut gefallen, dennoch kommt die vorliegende Variante auf keinen Fall an das 85er Werk heran, denn allein schon in atmosphärischer Hinsicht sind hier diverse Abstriche zu verzeichnen. Sicherlich sind postapokalyptische Züge vorhanden, jedoch wird zu keiner Zeit die grandios düstere Grundstimmung freigesetzt, die das Original noch so unglaublich ausgezeichnet hat. Auch in allen anderen Belangen kann Vincens nicht an das Original heran reichen, so ist beispielsweise der enthaltene Härtegrad in einem ziemlich überschaubaren Rahmen angesiedelt. Die entsprechenden Passagen wirken irgendwie zu weich gespült, weswegen es auch nicht sonderlich verwundert, das die Produktion mit der Alterseinstufung keine Jugendfreigabe durchgewunken wurde. Einige ganz nette Einlagen gibt es aber dennoch zu begutachten, doch die blutigen Passagen hauen den Betrachter keinesfalls vom Hocker.

Ebenso verhält es sich auch bei allen anderen Aspekten, wobei die teilweise völlig unlogischen Verhaltensweisen einiger Charaktere schon ein wenig nervtötend erscheinen. Ganz besonders tut sich hier die Figur von Zoe hervor, die durch ihre Handlungen immer wieder die gesamte Gruppe in akute Lebensgefahr bringt. Ganz generell wirken die einzelnen Figuren ziemlich blass und jederzeit austauschbar und das dargebrachte Schauspiel ist auch nicht in der oberen Kategorie anzusiedeln. Gedreht wurde das Ganze aus Kostengründen in Bulgarien und mit geschätzten 8.000.000 $ stand dem Film ein gar nicht einmal so bescheidenes Budget zur Verfügung. Das Endergebnis ist ganz bestimmt nicht der ganz große Wurf, aber immerhin präsentiert sich ein anschaubarer Zombiefilm. Aber dennoch überwiegen die Mankos der Geschichte, so entfaltet sich nämlich niemals ein wirklich beklemmendes Gefühl, zudem lässt das Szenario auch keinerlei echte Bedrohung erkennen. Es ist schon irgendwie komisch, denn bei der vorliegenden Thematik handelt es sich hierbei doch um Punkte, die eigentlich zwingend vorhanden sein müssten.

Nun kann man Vincens nicht das fehlende Bemühen vorwerfen diese Zutaten zu erzeugen, doch ein echter Funke will beim Betrachter nicht überspringen. Das trägt dann natürlich nicht gerade zu einem äußerst stimmigen Gesamteindruck bei und trübt des Seherlebnis doch ganz gehörig. Als wenn das nicht schon genug wäre wartet man dann am Ende auch noch mit einem extrem kitschigen Ende auf, das wirklich einem typischen Hollywood Blockbuster entsprungen sein könnte. Obwohl sich das alles jetzt sicherlich ziemlich negativ anhört ist "Day of the Dead: Bloodline" dennoch kein völliger Rohrkrepierer, aber im direkten Vergleich mit Romeros genialem Klassiker stinkt die vorliegende Variante doch stark ab. Und ja, diesen Vergleich muss man sich aufgrund der inhaltlichen Ähnlichkeit durchaus gefallen lassen, was sich bei den vielen frappierenden Ähnlichkeiten überhaupt nicht vermeiden lässt.

Insgesamt gesehen kann diese Produktion keinesfalls die eventuell in sie gesetzten Erwartungen und Hoffnungen erfüllen. Übrig bleibt ein weiteres Zombie-Mopd das man sich zwar gut und gern mal anschauen kann, das aber ganz bestimmt nicht zu den Größen des Genres zu zählen ist. Einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck im Gedächtnis hinterlässt der Film auf keinen Fall, denn dafür wurden ganz einfach zu viele Dinge vernachlässigt. Man sollte also definitiv mit einer eher geringen Erwartungshaltung an diese Variante heran gehen, um am Ende keine allzu große Enttäuschung zu erleben. Wer auf eine äußerst düstere und bedrohliche Atmosphäre setzt und harte Zombie-Action bevorzugt sollte definitiv zum Original greifen, das mindestens drei Klassen besser ist als diese Produktion.


Fazit:


Zumindest ähnelt "Day of the Dead: Bloodline" von der Geschichte her dem Abschluß der Ur-Trilogie. Das war es dann allerdings auch schon mit den positiven Dingen, denn ansonsten bekommt man eher laue Zombiekost geboten. Jederzeit austauschbare Charaktere, weich gespülte Action-Passagen und mangelnde Atmosphäre sind nicht gerade die Zutaten, um den Zuschauer zu begeistern. Übrig bleibt am Ende ein maximal durchschnittlicher Film, von dem man sich dann doch ein wenig mehr erwartet hätte.


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Beitragvon horror1966 » 20. Mär 2018 17:08

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Der unsichtbare Gast
(Contratiempo)
mit Mario Casas, Ana Wagener, José Coronado, Bárbara Lennie, Francesc Orella, Paco Tous, David Selvas, Iñigo Gastesi, San Yélamos, Manel Dueso, Blanca Martínez
Regie: Oriol Paulo
Drehbuch: Oriol Paulo
Kamera: Xavi Giménez
Musik: Fernando Velázquez
FSK 16
Spanien / 2016

Ein verschlossener Raum, eine Leiche und ein dringend Tatverdächtiger: Der erfolgreiche Geschäftsmann Adrián Doria (Mario Casas), gleichzeitig der Liebhaber der Toten. Frau und Tochter hat er in der Folge bereits verloren, ebenfalls den Kampf um die öffentliche Meinung. Bis die Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener) an seine Tür klopft – mit neuem Zeugen und neuen Fragen im Gepäck. Der Beginn eines nervenaufreibenden Katz- und Mausspiels, in dessen Verlauf die Geschichte von Adrián immer neue Löcher, aber auch immer neue, atemberaubende Wendungen erhält.


Unter den unzähligen Regisseuren auf dieser Welt gibt es immer wieder Ausnahmetalente, bei denen man vom ersten Film an das Gespür für das Wesentliche erkennen kann. Der Spanier Oriol Paulo fällt ganz eindeutig in diese Kategorie, was man schon bei seinem sensationellen Debüt "The Body - Die Leiche" aus dem Jahr 2012 erkennen konnte. Vier Jahre später erschien mit dem vorliegenden Beitrag "Der unsichtbare Gast" seine zweite Arbeit, bei der man den Zuschauer wieder mit einem extrem stimmigen und spannenden Thriller konfrontierte. Wie schon beim Vorgänger liegt auch hier eine äußerst interessante und in sich verschachtelte Story zu Grunde, in deren Verlauf man etliche Wirrungen und Wendungen serviert bekommt, bevor sich dann ganz am Ende ein äußerst stimmiges und rundes Gesamtbild ergibt. Zum wiederholten Mal kann Paulo dabei auf eine wirklich erstklassige Ansammlung von Darstellern zurückgreifen, die durch ihr hervorragendes Schauspiel wesentlich mit dafür verantwortlich zeichnen, das dieser Film den Betrachter von der ersten bis zur letzten Minute ganz unweigerlich in seinen Bann zieht.

Dabei gibt sich eine wunderbar mysteriöse Grundstimmung zu erkennen, die dem gewonnenen Gesamtbild sehr zu Gute kommt. Mit zunehmender Laufzeit wird diese immer dichter und stellt einen dabei auch vor so manches Rätsel, wobei diese erst kurz vor dem finalen Showdown sämtliche Zusammenhänge zu erkennen geben. Das sorgt selbstredend für jede Menge Hochspannung und führt den Betrachter wie schon bei "The Body" auf so manche falsche Fährte und insbesondere diese Zutat scheint ganz generell eine der großen Stärken des Regisseurs zu sein. Die Geschichte ist nämlich wirklich gut durchdacht und es sind zu keiner Phase offensichtliche Logiklöcher zu erkennen. Viel zu geschickt lenkt Paulo einen immer wieder in eine bestimmte Richtung, um dann aber später wieder mit nahezu genialen Plot Twists das Geschehen auf eine andere Ebene zu heben. Wie schon bei seinem brillanten Erstling zeichnet der Spanier auch hier sowohl für die Regie als auch für das Drehbuch verantwortlich und das merkt man der Erzählung auch jederzeit an. Die einzelnen Zutaten sind perfekt aufeinander abgestimmt und die jeweiligen Zahnräder greifen harmonisch ineinander über. Der gute Mann hat es im Genre des Thrillers ganz einfach richtig drauf und weiß ganz genau was er machen muss, um den Zuschauer bei der Stange zu halten.

"Der unsichtbare Gast" legt eine im Prinzip eher sehr ruhige Erzählweise an den Tag, was dem Szenario jedoch in der Summe extrem gut zu Gesicht steht. Die einzelnen Charaktere werden einem sehr gut und ausführlich näher gebracht und Paulo nimmt sich zudem auch genügend Zeit, die einzelnen Abläufe gekonnt in Szene zu setzen. Trotz-oder gerade wegen der ruhigen Erzählstruktur entfaltet sich ein Höchstmaß an Intensität und man fiebert regelrecht der Auflösung des Ganzen entgegen, die sich aber erst wenige Minuten vor dem Ende zu erkennen gibt. Nicht viele Regisseure verstehen es so meisterhaft wie Paulo, den immer stärker ansteigenden Spannungsbogen so kontinuierlich aufrecht zu erhalten und somit ein Filmerlebnis zu kreieren, das auch nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt. Es mag vielleicht nicht jeder so sehen, aber die Filme des Spaniers zählen für mich zu den besten Thrillern Europas und brauchen sich auch in keinster Weise vor amerikanischen Produktionen zu verstecken. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn streckenweise lassen diese Werke sogar den Hauch von Genialität erkennen.

Wie dem auch sei, Freunde herausragender Genrekost kommen nicht an diesem Film vorbei, in dem wie schon bei "The Body" nichts so ist wie es zunächst erscheint. Eine Geschichte voller Wendungen und Überraschungsmomente, erstklassig agierende Schauspieler und jede Menge knisternder Spannung sorgen letztendlich für ein äußerst stimmiges Ergebnis, das man unbedingt gesehen haben sollte. Man kann nur hoffen das Oriol Paulo die an den Tag gelegte Qualität auch bei seinen nächsten Werken halten kann und das noch viele weitere Beiträge folgen werden, denn von Filmen dieser Machart kann man einfach nie genug bekommen.


Fazit:


"Der unsichtbare Gast" ist ein ebenso schwer zu durchschauendes Meisterwerk wie "The Body - Die Leiche" und beinhaltet dabei keinesfalls weniger Brillanz und Genialität. Hier kommt man jederzeit voll auf seine Kosten, sind doch sämtliche Zutaten vorhanden die einen richtig gelungenen Thriller ausmachen. Und so kann man dann auch eine uneingeschränkte Empfehlung für diese Produktion aussprechen, deren Sichtung man bestimmt nicht bereuen wird.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 27. Mär 2018 13:15

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Jailbreak
(Jailbreak)
mit Celine Tran, Jean-Paul Ly, Tharoth Sam, Lida Duch, Laurent Plancel, Kong Ka Chan, Dara Our, Sisowath Siriwudd, Dy Sonita, Meas Morokot Sisowath
Regie: Jimmy Henderson
Drehbuch: Jimmy Henderson / Michael Hodgson
Kamera: G Ryckewaert
Musik: Fabio Guglielmo Anastasi
keine Jugendfreigabe
Kambodscha / 2017

Vier junge Elitepolizisten überstellen Gangster Playboy, Mitglied der berüchtigten Butterfly-Gang in ein Hochsicherheitsgefängnis. Dort angekommen bricht jedoch die Hölle los: Auf Playboy ist mittlerweile ein hohes Kopfgeld ausgesetzt, da er die Identität von Madame Butterfly, der Chefin der Gang, verraten will. Die Polizisten finden sich inmitten eines blutigen Gefängnisaufstandes wieder und müssen um Leben und Tod kämpfen.


Ein italienischer Regisseur namens Jimmy Henderson zeichnet für diese Produktion aus Kambodscha verantwortlich, das allein ist schon eine nicht unbedingt alltägliche Kombination. Der gute Mann serviert mit seinem Erstling einen waschechten Prügelfilm, für den ganz eindeutig der indonesische Kracher "The Raid" Pate gestanden hat. Das verwundert nicht wirklich, denn schließlich hat genannter Film in Sachen Action echte Maßstäbe gesetzt, was ganz zwangsläufig dazu führt, das manch einer gern auf den Erfolgszug aufspringen möchte. Nun präsentiert "Jailbreak" keinesfalls die hohe Qualität von "The Raid", aber immerhin bekommt der Zuschauer einen größtenteils kurzweiligen Klopper zu Gesicht, bei dem das Hauptaugenmerk selbstverständlich auf die enthaltenen Action-Passagen gerichtet ist. Und von denen gibt es nun wirklich reichlich zu begutachten, was andererseits aber auch ganz eindeutig darauf hinweist, das man rein inhaltlich keine allzu großen Erwartungen hegen sollte. Die Story ist nämlich ebenso kurz und knapp gehalten wie es die Inhaltsangabe suggeriert, so das die Geschehnisse nicht gerade viel inhaltliche Substanz erkennen lassen. Ist aber ehrlich gesagt auch gar nicht nötig, denn die ausgedünnte Rahmenhandlung reicht aus, um den etlichen Prügeleien die notwendige Umrahmung zu verleihen.

In den ersten gut 25 Minuten passiert noch nicht sonderlich viel und ehrlich gesagt hätte man sich die eher flache Einführung in die Geschichte auch durchaus sparen können. Die Charaktere werden äußerst oberflächlich vorgestellt und wirken in schauspielerischer Hinsicht auch relativ blass und beliebig austauschbar. Später soll man allerdings feststellen das die Protagonisten für das Wesentliche Element des Filmes gut ausgewählt wurden, denn in den vorhandenen Action-Passagen wissen sie ohne Weiteres zu gefallen. Nach der angesprochenen Einführung nimmt "Jailbreak" dann ordentlich an Fahrt auf, denn kaum haben die Polizisten den Gangster Playboy im Gefängnis abgeliefert, kommt es dort auch prompt zu einem Gefängnisaufstand. Auf engstem Raum kommt es nun praktisch im Minutentakt zu wilden Schlägereien und der geneigte Genre Fan dürfte voll auf seine Kosten kommen.

Da stört es dann auch nicht sonderlich, das die Gesetze der Logik etliche Male außer Kraft gesetzt werden, denn eine hohe Glaubwürdigkeit ist nicht unbedingt die große Stärke des Szenarios. Etwas störend erscheint eher der oftmals gewöhnungsbedürftige Humor denn Henderson immer wieder einstreut, der aber bei der vorliegenden Thematik irgendwie fehl am Platz ist. Phasenweise wirkt das Ganze dann auch fast schon mehr wie eine Komödie, was mir persönlich nicht ganz so gut gefallen hat. Dafür sind der dementsprechende Wortwitz und die teils skurrile Situationskomik zu sehr aufgesetzt und verleihen den Abläufen einen künstlichen Anstrich. Trotzdem ergibt sich in der Summe ein recht gutes Gesamtbild, denn rein vom Unterhaltungswert aus gesehen ist man schon weitaus schlechter bedient worden.

Letztendlich ist Henderson mit "Jailbreak" ein ordentliches Debüt gelungen, das jedoch in keiner Phase an die Klasse eines "The Raid" heran kommen kann. Größeren Nährwert beinhaltet die Produktion keinesfalls, ist dafür allerdings mit einem Actiongehalt ausgestattet worden der sich sehen lassen kann. Es wird an allen Ecken und Enden geprügelt, so das jedenfalls keine Langeweile aufkommen kann. Echten Cineasten wird das sicherlich nicht ausreichen, so das dieses Werk bestimmt nur die Zielgruppe der B-Movie Action Freaks ansprechen dürfte.


Fazit:


Die Anlehnungen an "The Raid" sind unübersehbar, jedoch kann die Qualität der indonesischen Produktion nicht erreicht werden. Übrig bleibt also ein B-Klopper der größtenteils unterhaltsamen Art, der aber keinesfalls höhere Erwartungen erfüllen kann.


6/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 6. Apr 2018 14:07

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Twin Peaks
(Twin Peaks)
mit Kyle MacLachlan, Sheryl Lee, Michael Horse, Chrysta Bell, Miguel Ferrer, David Lynch, Robert Forster, Kimmy Robertson, Naomi Watts, Laura Dern, Pierce Gagnon
Regie: David Lynch
Drehbuch: Mark Frost / David Lynch
Kamera: Peter Deming
Musik: Angelo Badalamenti
FSK 16
USA / 2017

Im Rahmen des Twin Peaks-Revivals verschlägt es FBI-Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) erneut in eine Welt, in der Himmel und Hölle im Angesicht eines verheerenden Mordfalls und der dazugehörenden Ermittlungen aufeinander treffen. Schnell wird klar, dass auch dieses Mal nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, denn die Welt - und vor allem Twin Peaks - ist ein Ort voller Mysterien. Jeder Mensch hat ein düsteres Geheimnis zu verbergen, so auch Agent Cooper, der offenbar nicht ganz er selbst ist.


Die Freude unter den Fans war riesig als bekannt wurde, das die vielleicht beste Mystery-Serie aller Zeiten ihre Fortsetzung finden würde. Satte 25 Jahre hat es gedauert bis Regisseur David Lynch sein Prunkstück "Twin Peaks" in eine abschließende dritte Runde geschickt hat, um nun endlich die offen gebliebenen Fragen des Mysteriums zu klären. Das Ergebnis wird sicherlich nicht jedem gefallen, denn die neuen 18 Episoden verlaufen doch so vollkommen anders, als man es von den beiden bisherigen Staffeln gewohnt war. Lynch wollte etwas Neues erschaffen und hat dabei größtenteils Wege beschritten, die selbst für seine Verhältnisse etwas Besonderes darstellen. Das wird bestimmt nicht bei jedem auf die totale Gegenliebe stoßen, denn wer auf den unverwechselbaren Charme und das Flair der alten Folgen hofft wird sicherlich ein wenig enttäuscht sein. So dient das Städtchen Twin Peaks beispielsweise nicht mehr als Hauptschauplatz der Ereignisse und dient im Prinzip nur noch dazu, das ab und an kleinere Stippvisiten absolviert werden. Das ist schon recht gewöhnungsbedürftig und ebenso verhält es sich auch mit den einzelnen Figuren, die zur damaligen Zeit eines der absoluten Highlights der Serie dargestellt haben. Zwar ist bis auf wenige Ausnahmen alles mit an Bord und man kann so ein freudiges Wiedersehen mit den Lieblingen der damaligen Zeit feiern, aber der Stellenwert der jeweiligen Charaktere ist nur noch selten zu vernehmen. Bis auf Dale Cooper, Gordon Cole und Albert verfügt keine der beliebten Figuren über die nötigen Spielanteile, um sich beim Zuschauer nachhaltig in Erinnerung zu bringen. Selbst Lucy und Andy hinterlassen nur noch den Eindruck von notwendiger Staffage und dieser Umstand ist dann insgesamt gesehen schon ein kleiner Wermutstropfen im gewonnenen Gesamtbild.

Lynch legt sein Hauptaugenmerk dieses Mal ganz eindeutig auf die surrealen Momente, von denen es an manchen Stellen sogar einige zu viel gibt. Besonders stark wird dies in der achten Episode bemerkbar, in der man über 50 Minuten lang mit Bildern konfrontiert wird, die man ohne Weiteres als völlige Reizüberflutung bezeichnen kann. An dieser Stelle ist es wirklich zu viel des Guten und man wird dabei auch das Gefühl nicht los, das man sich auf einem nicht enden wollenden Drogen-Trip befindet. Ganz generell ist "Twin Peaks 2017" mit teils wirren und surrealen Momenten regelrecht zugepflastert, was insbesondere in der ersten Hälfte des Formates nicht gerade zum besseren Verständnis dient. So ergeben viele Dinge zunächst gar keinen Sinn und auch diverse neu eingebrachte Figuren werden fast willkürlich in das Geschehen hinein geworfen, ohne das man eine Verbindung zwischen den Personen und der Story ableiten könnte. Das trägt dafür Sorge, das insbesondere die ersten 9 Episoden wenig strukturiert wirken und es entsteht des Öfteren vielmehr der Eindruck, als wenn man etliche Versatzstücke irgendwie aneinander gereiht hat. Das soll sich erst in der Folge ändern und Lynch webt dann auch im Laufe der Zeit die einzelnen Stücke für die Gesamtzusammenhänge ein, bis sich zum Ende hin endlich ein recht klares Gesamtbild ergibt. Der bis dahin eingeschlagene Weg ist allerdings recht mühsam und ehrlich gesagt offenbart das Format an diversen Stellen Momente, in denen der Betrachter auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird.

"Twin Peaks 2017" ist extrem vielschichtig und die Geschichte der sogenannten "dritten Staffel" ist tief ineinander verschachtelt. Die Vielschichtigkeit und Komplexität der Ereignisse ist einerseits regelrecht brillant, stellt aber gleichzeitig auch eine Herausforderung an die Aufmerksamkeit des Zuschauers dar. Durch die manchmal verwirrende Erzählweise der Abläufe kommt es des Öfteren zu Irritationen, die sich erst mit zunehmender Laufzeit beheben lassen. Durch diesen Aspekt fehlt es den neuen Folgen ein wenig an der Leichtigkeit die in den ersten beiden Staffeln versprüht wurde, aber dafür ist es Lynch hervorragend gelungen, den Spannungsbogen immer straffer zu ziehen. Man fiebert förmlich der Auflösung des Ganzen entgegen, um nun endlich eine endgültige Antwort auf die vielen offenen Fragen zu erhalten. Viele eingebaute Andeutungen zielen dabei in eine bestimmte Richtung und diese verdichtet sich dann auch mit zunehmender Laufzeit. In der letzten Episode kommt es dann letztendlich zu einem Finale das mit einem relativ abrupten Showdown aufwartet und einen mit einem eher zwiespältigen Eindruck zurück lässt. Zwar wurden etliche Fragen beantwortet, aber dennoch lässt David Lynch Freiraum für eigene Interpretationen und sorgt so dafür, das man nicht rundum zufrieden Abschied von "Twin Peaks" nimmt.

Letztendlich ist es wie eigentlich immer bei Mr. Lynch, denn die Fortsetzung der Kult-Serie wird ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen. Vor allem durch die viel zu geringe Einbindung der beliebten Charaktere geht dem Format einiges an Liebreiz verloren, wohingegen die völlig neue Darstellung von Dale Cooper in einer Doppelrolle von Kyle MacLachlan absolut brillant interpretiert wird. Auch über mangelnden Humor kann man sich wahrlich nicht beklagen, kommt es doch während der 18 Folgen zu unzähligen skurrilen Momenten, bei denen man das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht bekommt. Und dennoch ist die Rückkehr nach Twin Peaks so gut wie gar nicht mehr mit der Serie von damals zu vergleichen, was aber in der Summe nicht zwangsläufig negativ bewertet werden muss. Der selbst für Lynch-Verhältnisse extrem surreale Anstrich des Ganzen fordert die volle Aufmerksamkeit des Betrachters und mag vielleicht nicht jedem gefallen, ist andererseits aber auch einer der teils genialen Höhepunkte dieser Fortsetzung. Alles in allem hat sich das lange Warten also durchaus gelohnt, trotzdem wird aber keinesfalls der unvergleichbare Charme der ersten beiden Staffeln erreicht., was in meinen Augen aber auch nicht wirklich zu erwarten war.


Fazit:


Das Mysterium "Twin Peaks" hat nun endlich sein Ende gefunden, wobei letztendlich aber doch nicht sämtliche Fragen erschöpfend beantwortet werden. Einiges bleibt der eigenen Interpretation überlassen, was Lynch wohl auch definitiv beabsichtigt hat. Die neuen Episoden beinhalten jede Menge Höhepunkte, offenbaren jedoch auch so manche Passage, in der sich eine gewisse Langatmigkeit erkennen lässt. Übrig bleibt eine überdurchschnittlich gute Fortsetzung, die allerdings nicht an die Perfektion des 90er Jahre Kults heran kommt, was manch einer aber sicher völlig anders sehen wird.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 7. Apr 2018 11:45

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Bloody Bloody Bible Camp
(Bloody Bloody Bible Camp)
mit Reggie Bannister, Tim Sullivan, Ron Jeremy, Ivet Corvea, Matt Aidan, Jessica Sonneborn, Deborah Venegas, Jeff Dylan Graham, Elissa Dowling, David C. Hayes
Regie: Vito Trabucco
Drehbuch: Vito Trabucco / Shelby McIntyre
Kamera: Michael Bates / Aaron Neal Trout
Musik: Reggie Bannister / Carlos Vivas
keine Jugendfreigabe
USA / 2011

1977: Eine Gruppe junger und wilder Christen verbringt ein lustiges Wochenende im Happy-Day-Bibel-Camp. Dabei haben sie nur Alkohol und das andere Geschlecht im Kopf. Ihr unchristliches Verhalten lockt eine verrückte sadistische Nonne herbei: Schwester Mary Chopper (Tim Sullivan). Jeder der Jugendlichen muss für seine Sünden bezahlen und wird von Mary Chopper grausam hingerichtet. Sieben Jahre später nimmt sich eine andere Gruppe Jugendlicher vor, in das Camp zu fahren und wilde Partys zu schmeißen. Die Warnungen der Einheimischen über die schrecklichen Morde vor sieben Jahren ignorieren die feierwütigen Teenies. Unbeirrt richten sie sich im Bibel-Camp ein. Doch Sister Mary Chopper wartet bereits auf ihre nächsten Opfer...


Es ist zumeist kein wirklich gutes Zeichen, wenn ein Film erst sieben Jahre nach seinem Erscheinen eine deutsche DVD-und Blu-ray Veröffentlichung erhält. Im Fall von "Bloody Bloody Bible Camp" bewahrheitet sich das einmal mehr ziemlich eindrucksvoll, denn was hier als Horrorkomödie deklariert wird, entpuppt sich als äußerst mauer B-Movie ohne jegliche Substanz. Die dümmliche Geschichte bietet rein inhaltlich so gut wie gar nichts und dient so letztendlich nur als ausgedünnte Rahmenhandlung für einige blutige Passagen. Dies gibt es nämlich recht zahlreich, wobei die Qualität der vorhandenen SFX nicht unbedingt im oberen Drittel angesiedelt ist. Dennoch bekommt der Zuschauer zumindest in diesem Bereich etwas geboten, so das sich die Chose teilweise recht unterhaltsam gestaltet.

Das allein reicht aber noch längst nicht für einen guten Horrorfilm aus und das die vorliegende Produktion keinesfalls zu den guten ihrer Machart gehört ist einem schon nach wenigen Minuten klar. Das Ganze präsentiert sich von der ersten Minute an in einem äußerst billigen Look und auch über das vorhandene Talent der Darsteller wird man nicht im Unklaren gelassen. Die versammelte Riege gehört nicht gerade zur Creme de la Creme und da hilft es auch nichts, das mit Reggie Bannister (Das Böse 1-5) ein bekanntes Gesicht mit an Bord ist. Der gute Reggie hat nämlich auch schon einmal bessere Tage gesehen und passt sich mit seinem Schauspiel nahtlos den anderen Akteuren an, die phasenweise regelrecht unterirdisch agieren. Streckenweise stehen einem dabei fast schon die Haare zu Berge, denn insbesondere die dämlichen Dialoge wirken völlig aufgesetzt. Das bezieht sich dann auch ganz generell auf den sogenannten Humor innerhalb der Story, denn was hier im Prinzip lustig daher kommen soll ist nichts anderes als unsinnige Rumalberei, an der man keinesfalls Gefallen finden kann.

Man kann Regisseur Vito Trabucco keinesfalls das Bemühen absprechen seine Erzählung witzig zu gestalten, aber dieser Schuss ging kräftig nach hinten los. Es wirkt wie gewollt und nicht gekonnt, zudem sind die Darsteller nicht gerade als ausdrucksstark zu bezeichnen. Das nicht vorhandene Talent schimmert an allen Ecken und Enden durch, was im Endeffekt den größten Wermutstropfen dieses Filmes darstellt. Wenn da nicht wenigstens die zahlreichen und etwas härteren Passagen wären, dann würde der Unterhaltungswert dieses billigen Werkes gegen null tendieren. Man bekommt also nicht sonderlich viel Sehenswertes geboten und sollte vor der Sichtung definitiv das Gehirn leer laufen lassen, damit man die vollkommen absurden Abläufe bis zum Ende ertragen kann.

Trash kann im Normalfall richtig unterhaltsam sein, doch dafür muss er auch gut gemacht sein. "Bloody Bloody Bible Camp" ist aber größtenteils ganz einfach ein schlechter Vertreter seiner Art, der vor allem die Bezeichnung Horrorkomödie nicht wirklich verdient. Lustig geht anders, weshalb man dann auch in der Endabrechnung kein gutes Zeugnis ausstellen kann. Vito Trabucco fehlt es ganz augenscheinlich am Gespür für das Wesentliche, denn auch mit dem offenkundig recht niedrigen Budget hätte man viel mehr aus diesem Werk heraus holen können.


Fazit:


Im Grunde genommen kann man "Bloody Bloody Bible Camp" noch nicht einmal für eine einmalige Sichtung empfehlen, denn es handelt sich nur um vergeudete Lebenszeit. Einige blutige Einstellungen können diesen Käse auch nicht retten, der sich in der Summe als ziemlicher Rohrkrepierer heraus stellt. Man hätte sich das Ganze also generell sparen können, handelt es sich doch um einen Film den die Welt nicht unbedingt braucht.


3/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

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