horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 29. Dez 2017 13:43

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Fear the Walking Dead
(Fear the Walking Dead)
mit Kim Dickens, Frank Dillane, Alycia Debnam-Carey, Mercedes Mason, Colman Domingo, Rubén Blades, Danay Garcia, Cliff Curtis, Daniel Sharman, Sam Underwood
Regie: Stefan Schwartz / Paco Cabezas / Courtney Hunt / u.A.
Drehbuch: Charlie Adlard / Dave Erickson / Robert Kirkman / u.A.
Kamera: Scott Peck / Christopher LaVasseur / u.A.
Musik: Paul Haslinger
keine Jugendfreigabe
USA / 2017

Die Gruppe der Überlebenden um Travis Manawa (Cliff Curtis) und Madison Clark (Kim Dickens) hat es über die mexikanische Grenze geschafft. Zurück in den USA werden sie jedoch von einer Gruppe brutalen Milizgruppe festgesetzt, die mit perfider Leidenschaft ihre Gefangenen meucheln. Angeführt wird die Truppe von Troy Otto (Daniel Sharman), dessen psychopathische Mordlust von seinem Bruder Jake (Sam Underwood) nur schwerlich in Zaum gehalten werden kann. Dennoch schließt man Frieden und Madison findet mit ihren Kindern Zuflucht auf der Ranch von Jeremiah Otto (Dayton Callie), dem Vater von Troy und Jake. Doch sicher ist es dort nicht. Denn Qaletqa Walker (Michael Greyeyes), ein Nachbar, erhebt Anspruch auf die Ranch. Zwischen den beiden Gruppen entflammt eine blutige Fehde, die auch vor Madison, Travis, Nick (Frank Dillane) und Alicia (Alycia Debnam-Carey) nicht Halt macht.


Die dritte Staffel der Vorgeschichte von "The Walking Dead" knüpft nahtlos dort an wo die vorherige Staffel endete. Leider verhält es sich noch immer so, das "Fear the Walking Dead" von vielen Leuten etwas stiefmütterlich betrachtet wird, wobei sich gerade in den vorliegenden 16 Episoden das Potential des Formates immer stärker zu erkennen gibt. Mittlerweile ist man auch mit den Hauptfiguren warm geworden, von denen sich vor allem die gute Madison immer mehr in den Vordergrund stellt. Man könnte in ihr ohne Weiteres den weiblichen Gegenpart von Rick aus TWD sehen, denn die gute Frau ist ständig darum bemüht die Menschen in ihrer Nähe zu schützen. Besonders auffällig ist in der dritten Staffel der Aspekt, das es im Prinzip relativ wenig an echter Zombie-Action zu sehen gibt, aber diese Auffälligkeit wertet das Geschehen auf keinen Fall ab. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn den Machern der Serie ist es fast spielerisch gelungen, jede einzelne Episode mit einem gekonnten Spannungsaufbau und immer wieder eingestreuten Wendungen auszustatten. Neue Figuren treten auf der Bildfläche auf und wie nicht anders zu erwarten, verabschieden sich mit der Zeit auch diverse Charaktere, indem sie beim Kampf gegen die Horden von Untoten ihr Leben verlieren.

Die neuen Gesichter werden sehr gut eingeführt und erfahren eine ausführliche Charakter-Skizzierung, so das der Zuschauer ziemlich schnell einen Bezug zu ihnen aufbauen kann. Das es sich dabei nicht nur um sogenannte Gutmenschen handelt dürfte jedem klar sein und gerade die etwas böseren und komplizierteren Charaktere würzen die Ereignisse ordentlich. Die Figur des Troy sei an dieser Stelle einmal stellvertretend genannt, denn obwohl der junge Mann ganz offensichtlich ein wenig psychopathisch veranlagt ist, zählt er in meinen Augen zu den absoluten Highlights. Insbesondere er ist auch mit dafür verantwortlich, das die Ereignisse einige böse Überraschungen zu Tage fördern. Ganz generell gestaltet sich die vorliegende Staffel äußerst abwechslungsreich, so wurden beispielsweise auch Solo-Episoden eingefügt, in denen es ausschließlich um eine Person dreht. Dadurch entstehen etliche Aha Momente und das Ganze trägt gleichzeitig auch dazu bei, die Gesamtzusammenhänge noch besser deutlich zu machen. Auch wenn sich selbstverständlich ein großer Haupterzählstrang durch das Format zieht werden immer wieder kleinere Nebenerzählstränge in Szene gesetzt, die später und letztendlich zu einem großen Ganzen zusammen laufen.

Wie schon in der Mutter-Serie verhält es sich auch bei "Fear the Walking Dead" so, das sich die Protagonisten zu keiner Zeit in völliger Sicherheit wiegen können. Dabei geht die Gefahr aber keinesfalls nur von den Zombies aus, denn auch untereinander kommt es immer wieder zu gefährlichen Spannungen. Das macht die Sache noch interessanter und man kann eigentlich nie im voraus sagen, wie sich die Story weiter entwickeln wird. So hält sich die aufkommende Spannung auch durchgehend sehr hoch, gleichzeitig ist natürlich auch die unvergleichbare Endzeitstimmung zu verspüren. Die Darsteller machen ihre Sache insgesamt äußerst gut, wobei vor allem die Hauptfiguren mit erstklassigen Performances aufwarten können. Doch auch die Nebenrollen sind gut besetzt und es überkommt einen niemals das Gefühl, das es sich hier lediglich um notwendige Staffage handeln würde.

In der Summe gesehen handelt es sich meiner Meinung nach um die bisher beste Staffel der Serie, wobei ich im Gegensatz zu vielen anderen Leuten auch schon die vorherigen sehr gut fand. Außerdem ist auch das Ende in der sechzehnten Episode gut gewählt, bleiben doch so einige Fragen offen und der Verbleib wichtiger Figuren des Formates wird nicht aufgeklärt. Das lässt genügend Freiraum für diverse Spekulationen und lässt gleichzeitig die Vorfreude auf eine Weiterführung der Serie ansteigen. Bleibt nur zu hoffen, das auch die noch folgenden Seasons über eine gleich bleibende Qualität verfügen, denn immerhin ist das Potential von "Fear the Walking Dead" noch längst nicht ausgeschöpft. Mittlerweile ist dieses Format auf einem ziemlich hohen Level angelangt und kann dieses auch durchaus gut halten. Man steht keineswegs mehr im Schatten von "The Walking Dead", denn längst hat man sich den nötigen Respekt verdient, um als eigenständige Serie angesehen zu werden.


Fazit:


Manch einer wird bestimmt wieder beklagen, das man sich mit der Zombie-Action ein wenig zu bedeckt hält. Ich selbst empfinde das gar nicht als negativ, denn schließlich wird hier eine verdammt spannende Story erzählt, in der niemals auch nur der Anflug von Langeweile aufkommt.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Jan 2018 14:55

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Plane Dead - Der Flug in den Tod
(Flight of the Living Dead: Outbreak on a Plane)
mit David Chisum, Kristen Kerr, Kevin J. O'Connor, Richard Tyson, Erick Avari, Derek Webster, Todd Babcock, Siena Goines, Mieko Hillman, Raymond J. Barry
Regie: Scott Thomas
Drehbuch: Sidney Iwanter / Mark Onspaugh / Scott Thomas
Kamera: Mark Eberle
Musik: Nathan Wang
ungeprüft
USA / 2007

Ein Wissenschaftler transportiert seine mit einem üblen Zombie-Virus infizierte Kollegin im Bauch eines normalen Passagierfliegers außer Landes. Unterwegs in einem heftigen Gewittersturm jedoch macht die Dame sich selbständig, überwältigt ihren Bewacher und infiziert Mitfliegende, die ihrerseits rasend vor Blutgier über andere Passagiere herfallen. Während unten am Boden Miltärs den Abschuss der Maschine erwägen, arbeiten die wenigen Überlebenden über den Wolken verzweifelt an einer Gegenstrategie.


Nachdem sich Samuel L. Jackson ein Jahr zuvor mit jeder Menge Schlangen im Flugzeug herum schlagen musste, griff 2007 Scott Thomas eben diese Grundidee auf und wendete sie auf das Genre des Zombiefilms an. Das war seinerzeit sogar einigermaßen innovativ, denn in schwindelerregenden Höhen wurde man noch nicht mit einer Horde Untoter konfrontiert. Nun zählt "Plane Dead" sicherlich nicht zu den absoluten Größen seiner Art, aber im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern kommt diese amerikanische Produktion äußerst unterhaltsam daher und beinhaltet zudem auch noch einige recht blutige Einstellungen. Auf diese muss man allerdings eine geraume Zeit warten, denn Thomas hält seine Einführung in die Ereignisse ein wenig zu lang und hält sich dabei mit diversen Banalitäten auf, bevor es dann aber richtig gut zur Sache geht.

Besonders zeichnet sich die Geschichte dabei durch ihre gelungene Atmosphäre aus, denn durch den räumlich sehr eingeschränkten Schauplatz im Inneren eines Passagierflugzeugs gibt sich eine herrlich bedrohliche Grundstimmung zu erkennen, die sich mit zunehmender Laufzeit auch stetig verdichten soll. Die Protagonisten sind den Zombies auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, denn selbst wenn man es wollte, würde man keinerlei Fluchtmöglichkeit haben. Das verleiht dem Ganzen schon eine gewisse Würze und lässt auch gleichzeitig einen konstanten Spannungsbogen in Erscheinung treten. Nachdem das erste Filmdrittel vorüber ist erfährt das Geschehen eine ziemlich ordentliche Temposteigerung und Thomas fügt den Abläufen zudem einen ordentlichen Härtegrad bei, der bei Genre-Fans durchaus auf Begeisterung stoßen dürfte.

Von nun an gibt es praktisch Action Non-Stop, was den Unterhaltungswert des Szenarios in ungeahnte Höhen schnellen lässt. Man wird mit etlichen Beißattacken bedient und auch der Verbrauch von Kunstblut kann sich jederzeit sehen lassen. Der geneigte Genre-Freak wird also bestens bedient, so das man auch gern einmal über einige dezente Logiklöcher innerhalb der Story großzügig hinwegsehen kann. "Plane Dead" macht einfach jede Menge Spaß und beinhaltet eine ganze menge Kurzweil. Dafür steht auch die an manchen Stellen herrlich schräge Situationskomik, denn phasenweise warten die Ereignisse mit richtig witzigen Szenen auf, ohne das der Film den Anstrich einer Komödie annehmen würde. Scott Thomas hat wirklich eine gelungene Kombination aus verschiedenen Komponenten gefunden und meiner persönlichen Meinung nach einen äußerst sehenswerten Beitrag abgeliefert, der sich stellenweise wohlwollend von etlichen anderen Zombie-Mopeds abhebt.

Letztendlich ist es wie immer Ansichtssache, aber "Plane Dead - Der Flug in den Tod" sticht allein durch seine Grundidee ein wenig aus der breiten Maße der unzähligen Zombiefilme heraus. Auf keinen Fall möchte man als Passagier an Bord dieses Flugzeugs sein, in dem die Untoten auf Beutezug gehen. Eine fast schon klaustrophobisch anmutende Grundstimmung, jede Menge Action in beengten Räumlichkeiten und eine gut verteilte Prise Humor sorgen für ein kurzweiliges Filmerlebnis, das man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Auch wenn "Plane Dead" mit Bestimmtheit kein filmisches Meisterwerk darstellt, handelt es sich auf jeden Fall um einen der besseren Beiträge aus einer wahren Flut an Zombiefilmen, die in den letzten zwei Jahrzehnten erschienen sind. Der damals gewählte Schauplatz hoch über den Wolken war endlich einmal etwas Neues, so das man einer ansonsten handelsüblichen Geschichte mal wieder einen neuen Aspekt zufügen konnte. Aber auch heute funktioniert die Produktion immer noch gut und bietet gut 90 Minuten beste Zombie-Unterhaltung, die man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder gern anschaut.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Jan 2018 17:02

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Die Brut des Bösen
(Die Brut des Bösen)
mit Christian Anders, Maribel Martín, Dunja Rajter, Deep Roy, Fernando Bilbao, Ria Kemp, Wolfgang Schütte, José María Guía, Ichimi, Fernando Hilbeck, Carl Rapp
Regie: Christian Anders / Antonio Tarruella
Drehbuch: [Christian Anders/b]
Kamera: [b]Hans Burmann / Ricardo Navarrete

Musik: Christian Anders / José Luis Navarro
FSK 16
Deutschland / 1979

Der größenwahnsinnige Zwerg Van Bullock will der mächtigste Heroin-Händler der Welt werden und sich damit an seinem Schicksal rächen. Sein ihm sklavisch-ergebener Zwei-Meter-Leibwächter Komo macht für ihn die Schmutzarbeit. Aber dann kommt ihm der Karatemeister Frank ins Gehege...


Immer wieder trifft man auf Filme, die einem auch noch Jahrzehnte nach der Erstsichtung nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. "Die Brut des Bösen" zählt ganz eindeutig zu diesen Exemplaren, kann man diese echte Trash-Granate doch ohne Weiteres als ein Stück filmisches Kulturgut aus deutschen Landen bezeichnen. Das wird aber sicher nicht jeder so sehen, denn zugegebenermaßen muss man schon eine gewisse Vorliebe für den schlechten Geschmack haben, ansonsten wird man nicht allzu viel mit dem teils abstrusen Treiben anfangen können. Die Bezeichnung Trash wird allein schon durch die Darstellerrige gerechtfertigt, denn mit Christian Anders und Dunja Rajter sind zwei Schlagerstars der 70er Jahre mit an Bord, so das man im Bezug auf das dargebrachte Schauspiel sicherlich keinerlei Wunderdinge erwarten darf. Der gute Herr Anders wurde zur damaligen Zeit auch des Öfteren als österreichischer Bruce Lee bezeichnet, weswegen die Thematik des vorliegenden Filmes auch nicht weiter verwundern dürfte. Neben der Hauptrolle in "Die Brut des Bösen" zeichnet Anders auch für die Regie, das Drehbuch und die Musik verantwortlich und war so ganz nebenbei auch gleichzeitig noch Stunt-Koordinator. So trägt die Produktion dann auch ganz unweigerlich seinen persönlichen Stempel und das Ganze ist völlig auf ihn zugeschnitten.

Das die Erzählung gewisse Ähnlichkeiten zu Filmen von Bruce Lee erkennen lässt dürfte keine wirkliche Überraschung sein, wobei sich diese allerdings ausschließlich in inhaltlicher Hinsicht zu erkennen geben. Bei den Kampf-Choreografien sollte der Zuschauer jedoch bitte keinerlei vergleiche Ziehen, denn obwohl Anders mit einem durchtrainierten und drahtigen Körper aufwarten kann, sind seine Kampfkünste keinesfalls mit denen von Mr. Lee zu vergleichen. Nichtsdestotrotz ist das Ganze extrem unterhaltsam, was allein schon durch diverse skurrile Figuren garantiert ist. In erster Linie denkt man da sofort an den fiesen Zwerg van Bullock und seinen hünenhaften Leibwächter Komo. Schon der optische Kontrast zwischen den beiden ist ein echter Brüller und die darstellerischen Leistungen tun ihr Übriges, um einem so manch herzhaften Lacher zu entlocken. Und von denen gibt es nicht gerade wenig, denn die hanebüchen umgesetzte Geschichte beinhaltet einen unvergleichlichen Charme, der diesem obskuren Machwerk förmlich aus jeder Pore tropft.

Es ist einfach herrlich sich diesen trashigen Schabernack anzuschauen, der im Laufe der Jahrzehnte rein gar nichts von seiner ganz eigenen Faszination eingebüßt hat. Die Akteure agieren größtenteils wie eine eher dilettantische Laienspielgruppe, was im vorliegenden Fall jedoch eher zuträglich als abträglich erscheint. So sind es insbesondere die aufgesetzte Ernsthaftigkeit und die teils dümmlichen Dialoge, die der Story einen unverwechselbaren Anstrich verleihen. Die ständig in Erscheinung tretende Theatralik der Charaktere ist ein weiteres Highlight, wobei sich in dieser Hinsicht ganz besonders der Hauptdarsteller hervor tut. Man spürt förmlich das Anders gern ernst genommen werden möchte, wohingegen seine Darstellung beim Betrachter eher genau das Gegenteil auslöst. Nun sind das im Prinzip alles Kritikpunkte die einen Film vernichten würden, aber bei "Die Brut des Bösen" kristallisieren sich diese ganzen Mankos als absolute Stärken heraus und verleihen dieser Produktion einen unglaublichen Liebreiz.

Dem Label Subkultur Entertainment ist es zu verdanken, das dieser trashige Kultfilm nun endlich auch seine Blu-ray und DVD Premiere gefeiert hat. Dabei kann man sowohl die jeweilige Einzel-Veröffentlichung sowie auch das schöne Digipak erwerben, wobei Letzteres neben der Kinoversion auch noch den um gut 12 Minuten längeren Extended Cut mit an Bord hat. Das heißt dann also noch einmal zusätzlich 12 Minuten Nonsens vom Feinsten, wobei die zusätzlichen Szenen deutsch untertitelt sind. Ganz egal für welche Kaufvariante man sich entscheidet, wer guten und unterhaltsamen Trash zu schätzen weiß, muss diesen deutschen Kultfilm definitiv in der heimischen Sammlung haben.


Fazit:


Man sollte keinesfalls den Fehler machen, "Die Brut des Bösen" mit den ansonsten üblichen Maßstäben zu messen. Hier gelten nämlich ganz andere Gesetze und die normalen Aspekte werden völlig außer Kraft gesetzt. Es zählt der reine Unterhaltungswert und diesen kann man dem Werk auf keinen Fall absprechen. Einzig und allein Christian Anders größter Hit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwwo" hätte das skurrile Treiben noch weiter aufwerten können, aber man kann nun einmal nicht alles im Leben haben.


9/10 auf der nach oben hin offenen Trash-Skala
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 28. Jan 2018 17:24

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Planet der Affen: Survival
(War for the Planet of the Apes)
mit Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Karin Konoval, Amiah Miller, Terry Notary, Ty Olsson, Michael Adamthwaite, Toby Kebbell, Gabriel Chavarria, Judy Greer
Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Mark Bomback / Matt Reeves
Kamera: Michael Seresin
Musik: Michael Giacchino
FSK 12
USA / 2017

Die Schlacht hat Schimpanse Caesar gewonnen, den Krieg gegen die nach einem Affenvirus dezimierte Menschheit um die Zukunft der Affen noch nicht. Nach einem schrecklichen Massaker, das ein verrückt gewordener Colonel aus blindem Hass im Affenlager anrichtet, zieht Caesar mit seinen engsten Vertrauten los, um ein neues und sicheres Zuhause für seinen Stamm zu finden. Er ahnt nicht, dass die zurückgebliebenen Affen den Truppen des Colonel in die Hände fallen und in einem Internierungscamp versklavt werden.



"Planet der Affen: Survival" sollte eigentlich einen finalen und bombastischen Abschluss der Reboot-Trilogie darstellen, doch nach der Sichtung des Filmes bleibt man als Fan der Reihe doch mit einem leicht ernüchternden Eindruck zurück. Nachdem schon schon zwischen den beiden Vorgängern "Prevolution" und "Revolution" qualitative Abstriche zu verzeichnen waren, stellt dieser abschließende Film nun keinesfalls den Höhepunkt, sondern vielmehr den schwächsten Teil der Reihe dar. Für die Regie zeichnet wie schon beim Vorgänger Matt Reeves verantwortlich und es ist dem guten Mann leider nicht gelungen, eine durchgehend spannende und packende Geschichte zu erzählen. Dabei kann die Produktion vor allem in visueller Hinsicht voll überzeugen, denn neueste Computertechnik macht es möglich, das zwischen den Menschen und den Primaten im Bezug auf die Bewegungsabläufe so gut wie leine Unterschiede auszumachen sind. In diesem Punkt kann man also vollends zufrieden sein, dafür beinhaltet die Story so manch andere Schwäche, die man in keinster Weise erwartet hätte. Von der im Vorfeld angedeuteten grandiosen Endzeitstimmung des Geschehens ist nur wenig zu verspüren und insbesondere die versprochenen epischen Schlachten sucht man leider völlig vergebens.

Ganz generell beinhaltet "Planet der Affen: Survival" erstaunlich wenig Action-Passagen, denn bis auf kleinere Scharmützel zu Beginn und einer zeitlich extrem kurz bemessenen Schlacht am Ende der Geschichte beinhalten die Ereignisse gar nichts, was man auch nur ansatzweise mit dem Begriff Action bezeichnen könnte. Stattdessen präsentieren sich teils ellenlange Dialoge, die zeitweise schon für kleinere Ermüdungserscheinungen sorgen können. Das wertet den gewonnenen Gesamteindruck nicht sonderlich auf und ist von einem bombastischen Abschluss einer Trilogie so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Und so hinterlässt das Szenario dann auch keineswegs einen durchgehend stimmigen Eindruck beim Betrachter, der sich ganz besonders im Mittelteil des Öfteren die Frage stellt, warum man den finalen Teil dermaßen ereignislos in Szene gesetzt hat. Matt Reeves lässt seine Erzählung streckenweise recht banal vor sich hin plätschern und schafft es noch nicht einmal, einen konstant ansteigenden Spannungsbogen in die Abläufe einzubauen. Erst im letzten Drittel ändert sich das ein wenig, was einen zumindest ein bisschen entschädigen kann, da nun auch eine kleine Tempoverschärfung zu erkennen ist.

Die größte Enttäuschung offenbart sich in der Beziehung zwischen Caesar und dem durchgeknallten Colonel der Menschen, der von Woody Harrelson erstklassig interpretiert wird. Reeves nährt hier durchaus die Hoffnung des Zuschauers, das es am Ende zu einem finalen Showdown der beiden erbitterten Gegner kommt. Die erhoffte Konfrontation endet dann jedoch regelrecht erbärmlich, so das auch der an dieser Stelle erhoffte Höhepunkt wie eine Seifenblase zerplatzt. Und so verhält es sich im Prinzip mit dem gesamten Film, die immer wieder eingestreuten guten Ansätze verlaufen im Sand, als wenn man dem Werk mit vollster Absicht jeglichen Überraschungsmoment verweigern wollte. Das ist dann zumindest ganz vortrefflich gelungen, denn bei einer Laufzeit von gut 130 Minuten gibt es bis auf die wirklich tolle Computertechnik keinerlei Highlights zu begutachten.

Man sollte also schon im Vorfeld die eigenen Erwartungen in die richtige Richtung lenken, denn dieser abschließende Teil der Trilogie bietet keinesfalls das, was viele Fans sich erwartet hatten. Wer auf satte Action hofft erlebt eine herbe Enttäuschung und auch ansonsten gestaltet sich der Film in der Summe nicht gänzlich stimmig. In manchen Passagen wirkt das Ganze sogar fast schon ein wenig kitschig, was insbesondere immer dann der Fall ist, wenn ein kleines und stummes Mädchen namens Nova mit von der Partie ist. Neben dieser kleinen Anspielung auf die Original-Reihe ist auch ein kleiner Schimpanse namens Cornelius mit an Bord, was den Kohl letztendlich aber auch nicht sonderlich fett macht. Insgesamt gesehen kann "Planet der Affen: Survival" auf keinen Fall gänzlich überzeugen und beinhaltet zudem auch mehrere Phasen, in denen es äußerst langatmig zur Sache geht. Anstatt hier wirklich mit einem packenden Kampfszenario zwischen Primaten und Menschen aufzuwarten, hat man einen Großteil der Erzählung in ein Gefangenenlager verlegt und mit unzähligen Dialogen zugepflastert. Das fördert nicht unbedingt die Begeisterung des Betrachters, denn ein wenig mehr hätte es dann doch schon sein dürfen.


Fazit:


Matt Reeves hat die Chance auf einen richtig gelungenen letzten Teil sinnlos vertan und präsentiert lediglich einen Film, der sich maximal im oberen Durchschnittsbereich ansiedeln kann. Bedingt durch ein schwächelndes Drehbuch und kitschig anmutende Szenen wurde es versäumt, vorhandenes Potential auch auszuschöpfen. Zudem hätte ein wenig mehr Action auch nicht geschadet, denn auch wenn man kein durchgehendes Kriegsszenario erwartet hat, kommt diese doch viel zu kurz. Übrig bleibt ein teils blutleerer Blockbuster in dem Affen menschlicher erscheinen als die Menschen selbst, wobei die bei diesem Aspekt aufsteigende Emotionalität allerdings stellenweise zu dick aufgetragen ist.


6/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 28. Jan 2018 22:11

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American Psycho
(American Psycho)
mit Christian Bale, Justin Theroux, Josh Lucas, Bill Sage, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon, Samantha Mathis, Matt Ross, Jared Leto, Willem Dafoe, Cara Seymour, Guinevere Turner, Stephen Bogaert
Regie: Mary Harron
Drehbuch: Mary Harron / Guinevere Turner
Kamera: Andrzej Sekula
Musik: John Cale
FSK 16
USA / 2000

Ein eiskalter Yuppie auf einem mörderischen Trip: Patrick Bateman (Christian Bale) hat im New York der 80er alles: Geld, gutes Aussehen, jeden erdenklichen Luxus... und einen unstillbaren Hass auf sein Umfeld. Diesen kompensiert er mit sadistischen Morden an jungen Frauen, für die ihm bald schon die Polizei auf der Spur ist. Aber Schein und Sein liegen nahe beieinander in der trügerischen Welt des Yuppie-Killers, dessen Realität schon bald auf äußerst tönernen Füßen steht.


Christian Bale zählt wohl ohne jede Frage zu den besten Darstellern Hollywoods und war schon in etlichen tollen Filmen zu sehen, doch im vorliegenden Werk "American Psycho" ist der gute Mann in seiner absoluten Paraderolle zu sehen. Die Geschichte basiert auf dem 1991 erschienenen Roman von Bret Easton Ellis und Bale ist in der Rolle des soziopathischen Yuppie-Killers Patrick Bateman zu sehen, was für seine weitere Karriere ganz sicher nicht schädlich war. Der Film ist nur schwerlich in eine ganz bestimmte Schublade zu stecken, vermischen sich hier doch die Elemente des Horrors mit denen des Thrillers. In erster Linie ist "American Psycho" jedoch viel eher als eine bitter-böse Satire anzusehen, was während der gesamten Laufzeit immer wieder äußerst stark in Erscheinung tritt. Die kühle und glatte Optik verleiht dem Szenario einen fast schon sterilen Anstrich, was durch die Schauplätze des Geschehens als auch durch den größten Teils des Tagesablaufes der Hauptfigur immer wieder zur Geltung kommt. So bekommt der Zuschauer zunächst auch erst einmal eine ausführliche Einführung in das oberflächliche Leben von Bateman, was mit dem morgendlichen Pflegeprogramm beginnt. Die dazu gehörigen Produkte werden explizit benannt, ebenso nehmen ein tägliches Fitnessprogramm und etliche andere Oberflächlichkeiten einen enorm großen Teil im Leben der Hauptfigur ein. Geld, beruflicher Erfolg, gutes Aussehen und weitere Statussymbole sind hier das Non plus Ultra und die dargestellten Freundschaften oder Beziehungen verdienen noch nicht einmal die jeweilige Bezeichnung.

Dem Zuschauer präsentiert sich eine künstlich aufgebauschte Welt, in der Emotionen keinen Platz haben. Stattdessen ergibt sich ein regelrechtes Wetteifern um Reservierungen in den besten Restaurants der Stadt als auch um den Aspekt, welcher Yuppie denn nun die besten und teuersten Visitenkarten besitzt. Neid und Missgunst stehen auf der Tagesordnung und die banalsten Dinge dienen als Auslöser für grenzenlose Wut, die sich vor allem bei Bateman auf eine ganz bestimmte Art und Weise entladen soll. Der blasierte und affektierte Schönling betreibt nämlich den Serienmord als sein liebstes Hobby und schickt im Laufe der Zeit so manche Person ziemlich unsanft über den Jordan. Wer jetzt allerdings auf explizite visuelle Gewaltdarstellungen hofft sieht sich im Irrtum, denn in dieser Beziehung hat "American Psycho" im Prinzip gar nichts zu bieten. Die jeweiligen Greueltaten des Hauptcharakters werden nämlich lediglich angedeutet und durch einige Blutspritzer zusätzlich untermauert. Das macht aber gar nichts, denn hätte man die ganzen Morde brutal und blutig in Szene gesetzt, hätte das diesem Film viel von seiner ureigensten Stärke genommen. Und diese definiert sich keinesfalls über einen hohen Härtegrad, sondern vielmehr über das herausragende Schauspiel eines Christian Bale, dem die Rolle nahezu auf den Leib geschneidert ist. Dennoch wirkt das Geschehen nachhaltig im Kopf des Betrachters nach, denn durch die Andeutungen der verschiedenen Taten setzt sich ganz automatisch das typische Kopfkino frei und setzt eine immense Gewaltspirale in Gang.

In Kombination mit der teils skurrilen Situationskomik ergibt das eine nicht alltägliche Kombination, die letztendlich zu einem grandios guten Gesamteindruck führt. Neben dem überragenden Hauptdarsteller wirken sämtliche anderen Protagonisten lediglich wie notwendige Statisten, selbst eine Größe wie Willem Dafoe verblasst im Glanz von Bale. Dessen Omnipräsenz ist dermaßen überragend, das man sich ganz automatisch und fast ausschließlich auf ihn fokussiert. Mary Harron hat ihre Erzählung voll und ganz auf ihre Hauptfigur zugeschnitten und das ist auch gut so, denn der gute Herr Bale trägt diesen fantastischen Film im Prinzip im Alleingang. Wenn man es nicht besser wüsste würde man denken, das es sich bei seiner Darstellung um eine Interpretation seiner selbst handelt, denn eher selten bekommt man einen Darsteller zu Gesicht, der so unglaublich gut in seiner Rolle aufgeht. Dabei bedient Bale wirklich sämtliche Klischees und ist so nahezu das Paradebeispiel eines aalglatten Vorzeige-Yuppies, dem Oberflächlichkeit und Belanglosigkeiten die obersten Güter in einem trostlosen Leben sind. Das Ganze wird selbstverständlich völlig überspitzt und mit einer ordentlichen Portion rabenschwarzen Humors ins Bild gesetzt, dennoch erinnert einen die Szenerie doch durchaus auch an das reale Leben eines Menschen, der ständig auf der Suche nach Anerkennung und künstlichem Erfolg ist. Der satirische Einschlag des Filmes ist unmöglich zu übersehen und verleiht dem Szenario eine ganz besondere Note. Dennoch kommen auch die Elemente des Thrillers und der Serienkiller-Thematik keinesfalls zu kurz, so das sich im Endeffekt ein rundum gelungenes Gesamtpaket offenbart.

"American Psycho" hat sich im Laufe der Jahre nicht umsonst eine Art Kultstatus erarbeitet und dürfte auch gleichzeitig das Sprungbrett für Christian Bale in seine daraufhin folgende Karriere darstellen. Denn obwohl der charismatische Schauspieler bis dahin schon in etlichen Produktionen mitgewirkt hat, hielt sich sein Bekanntheitsgrad noch in einem überschaubaren Rahmen. Mit der hier an den Tag gelegten überragenden Performance hat sich das aber schlagartig geändert und der Name ist aus Hollywood kaum mehr weg zu denken. Für mich persönlich handelt es sich bei "American Psycho" um ein echtes Meisterwerk, das einen auch heute noch immer wieder in seinen Bann zieht. Die kranke Grundstimmung der hier gezeigten Scheinwelt ist ein echtes Brett und über das dargebrachte Schauspiel braucht man kein weiteres Wort zu verlieren.


Fazit:


Ein hervorstechender Hauptdarsteller in einer kranken und emotionslosen Scheinwelt sind die ganz großen Stärken eines Filmes, der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte. Das gerade erschienene Mediabook von Koch Media kommt in gewohnt toller Qualität daher und beinhaltet erstmalig auch die Unrated Version des Filmes. Auch wenn es sich dabei nur um zusätzliche 17 Sekunden Filmmaterial handelt erscheint eine Anschaffung lohnenswert, denn dieses filmische Glanzstück sollte man doch in seiner längsten Fassung besitzen.


10/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Feb 2018 17:43

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Leatherface
(Leatherface)
mit Stephen Dorff, Lili Taylor, Sam Strike, Vanessa Grasse, Finn Jones, Sam Coleman, Jessica Madsen, James Bloor, Christopher Adamson, Dimo Alexiev, Nathan Cooper
Regie: Alexandre Bustillo / Julien Maury
Drehbuch: Kim Henkel / Seth M. Sherwood
Kamera: Antoine Sanier
Musik: John Frizzell
SPIO/JK
USA / 2017

Texas in den 50er Jahren: Der jüngste Spross von Verna Sawyer (Lili Taylor) wird wegen des Mordes an der Tochter des örtlichen Sheriffs Hal Hartmann (Stephen Dorff) in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.
Zehn Jahre später kann er jedoch mit drei sadistischen Insassen fliehen. Die junge Krankenschwester Lizzy (Vanessa Grasse) nehmen sie als Geisel und schon bald heftet sich Sheriff Hartmann an ihre Fersen, der auf Rache aus ist.
Ein Roadtrip in Richtung Hölle beginnt, der eine furchtbare Blutspur des Grauens hinterlässt. Der Junge Sawyer verwandelt sich somit zu dem Monster, das man bald unter dem Namen "Leatherface" kennen wird.



Mit "Leatherface" geht das Franchise "The Texas Chainsaw Massacre" nun auch schon in die mittlerweile achte Runde und präsentiert dabei die zweite Vorgeschichte des Killers mit der Kettensäge. Während "TCM: The Beginning" noch das Prequel zum 2003 erschienenen Remake von Michael Bay war, orientiert sich der vorliegende Film am Original von Tobe Hooper. So trägt Leatherface dieses Mal auch den Namen Jed Sawyer, wohingegen er in "TCM: The Beginning" noch als Thomas Hewitt unterwegs war. Mit der Regie wurde das Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury beauftragt, das sich seinerzeit mit dem französischen Kracher "Inside" einen Namen gemacht hat. Genauso blutig und hart geht es hier zwar nicht zur Sache, aber "Leatherface" beinhaltet durchaus einen sehr ansehnlichen Härtegrad. Bei diesem hat man glücklicherweise auf den Einsatz von CGI verzichtet, was dem Gesamtbild definitiv zu gute kommt.

Gedreht wurde die Vorgeschichte aus Kostengründen in Bulgarien, was dem Szenario aber keinesfalls abträglich ist. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn in atmosphärischer Hinsicht erscheint das Ganze äußerst stimmig. Zudem kann man dem Zuschauer auch ohne Weiteres ein ansehnliches Ambiente der 60er Jahre vermitteln, was auch durch die passende musikalische Untermalung zusätzlich unterstrichen wird. Im Grunde genommen hört sich das alles also ziemlich gut an, aber dennoch kann der Film nicht auf der ganzen Linie überzeugen. Dabei kann man noch nicht einmal genau sagen an welchen Dingen dieser Umstand fest zu machen ist, aber der echte Funke will irgendwie zu keiner Zeit überspringen. Rein handwerklich kann man dem Werk wirklich keinen Vorwurf machen, dennoch fehlt es ganz einfach am notwendigen Extra, damit die Story sich aus der breiten Masse hervor heben könnte.

Sicherlich ist dies auch darin begründet das man ja schließlich ganz genau weiß, auf was das Ganze am Ende hinaus läuft. Es gibt eben keine wahren Überraschungsmomente und diesen Umstand sollte man schon vor der Sichtung in die eigene Erwartungshaltung einfließen lassen. Ein weiterer und nicht gerade unwichtiger Gesichtspunkt ist sicherlich auch im generellen Stellenwert des Killers an sich zu suchen, denn obwohl das Franchise an sich seit jeher sehr beliebt ist, steht Leatherface doch ein wenig im Schatten seiner Genrekollegen Freddy Krueger, Jason Voorhees und Michael Myers. Denn obwohl Hooper's Original als bahnbrechendes Werk anzusehen ist, konnte die Hauptfigur nie den gleichen Status wie die anderen Serienkiller erreichen. Sicher, ein Leatherface hat sich auch einen durchaus berechtigten Kultstatus erworben, aber dennoch fehlt es der Figur ganz generell an der nötigen Ausstrahlung, um mit Freddy, Jason und Michael auf eine Stufe gestellt zu werden. Es mag bestimmt nicht jeder so sehen, aber dennoch hat die Figur meiner persönlichen Meinung nach immer ein eher stiefmütterliches Dasein gefristet.

Wie dem auch sei, in der Summe gesehen handelt es sich hier um einen äußerst soliden Beitrag, der seine größte Stärke sicherlich in der vorherrschenden Atmosphäre zum Ausdruck bringt. Einige härtere Einstellungen verleihen dem Gesamtbild eine zusätzliche Würze, wobei der enthaltene Härtegrad niemals den üblichen Rahmen sprengt. Bustillo und Maury haben gute Arbeit abgeliefert, aber trotzdem hätte man aus der Geschichte eventuell noch mehr heraus holen können. Letztendlich bleibt eine gute Mischung aus Road Trip und Horrorfilm, die aber keinesfalls im obersten Regal des Genres anzusiedeln ist.


Fazit:


"Leatherface" ist keinesfalls das von manch einem erwartete Spektakel, das man vielleicht aufgrund des Regie-Duos Bustillo und Maury erwartet hat. Dennoch entpuppt sich das Szenario größtenteils als äußerst stimmig, beinhaltet allerdings keinerlei Überraschungsmomente. Für Liebhaber der Filmreihe auf jeden Fall unverzichtbar, aber auf keinen Fall ein Horrorfilm der einen wirklich vom Hocker haut.


6,5/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Feb 2018 17:29

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Der Liquidator
(The Evil That Men Do)
mit Charles Bronson, Theresa Saldana, Joseph Maher, José Ferrer, René Enríquez, John Glover, Raymond St. Jacques, Antoinette Bower, Enrique Lucero, Jorge Luke
Regie: J. Lee Thompson
Drehbuch: R. Lance Hill / John Crowther / Fred A. Wyler
Kamera: Xavier Cruz
Musik: Ken Thorne
ungeprüft
Mexico / USA / 1984

George, ein Freund des Profi-Killers Holland (Charles Bronson), wurde von einem gewissen Dr. Clement Moloch, zu Tode gefoltert. Welcher schon mehr als nur ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Von einem Freund nimmt Holland letztendlich den Auftrag an, Moloch zu töten. Eine mörderische Jagd auf die bösen Jungs beginnt und endet in einer stillgelegten Mine...


Charles Bronson zählt auf jeden Fall zu den Darstellern, die zu Lebzeiten auf eine äußerst umfangreiche Filmografie zurückschauen konnten. Dabei geben sich sowohl mehrere Western wie auch Kriegsfilme die Klinke in die Hand, wobei der charismatische Schauspieler im Bereich des B-Actioners die größten Erfolge feiern konnte. Und so zieht sich dann auch das Thema der Selbstjustiz wie ein roter Faden durch unzählige seiner Werke, denn als wortkarger Rächer hat Bronson wahre Maßstäbe gesetzt. An erster Stelle ist hier sicherlich die "Death Wish" Filmreihe zu nennen, aber auch in etlichen anderen Filmen sorgt der sympathische Mime immer wieder auf seine ganz eigene Art für Gerechtigkeit. So auch im vorliegenden Beitrag "Der Liquidator", in dem Bronson einmal mehr im Erfolgsduo mit Regisseur J. Lee Thompson auf den Plan tritt. Er spielt den ehemaligen Killer Holland und anders als beispielsweise in der "Death Wish" Reihe ist er dieses Mal nicht persönlich betroffen, sondern tötet im Namen der Menschlichkeit. Sein Ziel ist der sadistische Dr. Moloch, der hauptsächlich in Lateinamerikanischen Staaten unzählige Menschen gequält, gefoltert und getötet hat, um die jeweiligen Regime zu unterstützen. Die Geschichte wartet in visueller Hinsicht eigentlich mit relativ wenig Härte und Action auf, aber dennoch entfacht der Film eine ungeheure Intensität, die sich auch beim Betrachter durchgehend bemerkbar macht. Das liegt hauptsächlich in der Figur des Doctors begründet, der von Joseph Maher übrigens hervorragend interpretiert wird.

Man sieht dem guten Mann die sadistischen Triebe förmlich an, denn in den Passagen in denen man Moloch bei der Arbeit "bewundern" kann, ist er mit einer schier unbändigen Freude bei der Sache. Da kann es einem schon eiskalt den Rücken runter laufen, denn die Selbstverständlichkeit mit der er bei der Sache ist löst beim Zuschauer ein starkes Gefühl des Unbehagens aus. Das wird zudem durch diverse Dialoge noch zusätzlich untermalt, in denen Moloch gewissen Teilen des Regimes seine Methoden erläutert. Die Opfer werden dabei lediglich als Subjekte bezeichnet und allein durch diesen Begriff wird die Gleichgültigkeit und Verachtung gegenüber anderem Leben ersichtlich. Obwohl in der Erzählung viele Sachen nur angedeutet werden und auch in Sachen Action gar nicht so viel los ist, wirkt "Der Liquidator" schon relativ hart. Nur spielt sich in diesem Fall das oft zitierte Kopfkino ab, denn durch die unzähligen Andeutungen und diverse auf Videokassetten festgehaltene Aussagen von Opfern entwickelt sich eine Gewaltspirale in der Vorstellung des Zuschauers, die einem ordentlich zusetzen kann.

Das mag nicht jeder so sehen, aber ehrlich gesagt verwundert es mich doch ein wenig, das dieser Beitrag bei den Bewertungen ziemlich mittelmäßig abschneidet. Natürlich ist das wie immer Geschmackssache, aber für mich persönlich zählt "Der Liquidator" zu den besten Filmen von Charles Bronson. Seine Darstellung des ehemaligen Killers ist authentisch und wurde im förmlich auf den Leib geschneidert. Ganz generell ist das dargebotene Schauspiel der Akteure als gut zu bezeichnen, allerdings sollte man keinerlei Wunderdinge erwarten. Es handelt sich eben um einen typischen B-Actioner der 80er Jahre, der meiner Meinung nach allerdings völlig zu Unrecht immer ein Schattendasein geführt hat und nie zu der Beachtung gelangt ist die er verdienen würde. Selbstverständlich ist dieser Beitrag kein filmisches Meisterwerk, aber allein schon die interessante Thematik macht ihn absolut sehenswert.

Letztendlich muss es jeder für sich selbst entscheiden, aber diese Produktion des Erfolgsduos Bronson /Thompson zählt zu meinen persönlichen Favoriten, wenn es um Filme von Mr. Bronson geht. Die Story funktioniert auch heut immer noch sehr gut und man bekommt ein relativ stimmiges Gesamtpaket serviert, das durchgehend interessant und spannend daher kommt. Manch einer mag vielleicht die etwas zu kurz gekommene Action bemängeln, die allerdings durch die grandios dichte Grundstimmung wieder ausgeglichen wird. Insgesamt gesehen bekommt man also einen guten Gesamteindruck, der auch durch ab und zu auftretende Logiklöcher nicht sonderlich getrübt wird.


Fazit:


Es handelt sich hier bestimmt nicht um den besten Film mit Charles Bronson, aber ich persönlich habe dieses Werk schon immer geliebt. Deshalb fällt meine Bewertung auch eher etwas subjektiv aus, wobei "Der Liquidator" aber auf jeden Fall besser ist, als manche Kritik im Netz es eventuell vermuten lässt.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Feb 2018 17:30

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Hatchet - Victor Crowley
(Victor Crowley)
mit Parry Shen, Kane Hodder, Laura Ortiz, Dave Sheridan, Krystal Joy Brown, Brian Quinn, Felissa Rose, Chase Williamson, Katie Booth, Tiffany Shepis
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green
Kamera: Jan-Michael Losada
Musik: Jason Akers / Sam Ewing
keine Jugendfreigabe
USA / 2017

Zehn Jahre ist der legendäre Axtmörder Victor Crowley nun schon tot, so glaubt man. Andrew, der einzige, der das grausame Massaker von damals überlebte, hat ein Buch über seine schrecklichen Erlebnisse geschrieben. Viele glauben aber, dass nicht Victor Crowley all die Menschen abgeschlachtet hat, sondern Andrew selbst. Um nun seinem Buch zum Erfolg zu verhelfen, will seine Verlegerin eine Show direkt aus den Sümpfen senden. Andrew wollte aber nie wieder an den Ort des Geschehens zurück. Und das mit Recht. Denn kaum angekommen, geht das blutige Gemetzel von vorne los.


Eigentlich galt das Hatchet Franchise als abgeschlossen, denn dem Zuschauer wurde schließlich suggeriert, das Hauptfigur Victor Crowley nicht mehr unter uns weilt. Nun konnte der gute Adam Green aber anscheinend nicht von seinem "Baby" ablassen und schickt den deformierten Axtmörder ein viertes Mal ins Rennen, damit dieser einmal mehr seine blutige Ernte einfahren kann. Wer die Trilogie kennt und liebt weiß ganz genau was auf ihn zukommt, hat Green doch noch nie einen Zweifel daran gelassen, das seine Reihe nicht darauf ausgelegt ist das Genre mit neuen Impulsen oder innovativen Ideen zu bereichern. Vielmehr stehen die altbewährten Slasherelemente im Vordergrund, so das man sich auf herrlichen Oldschool-Horror einstellen kann. "Hatchet - Victor Crowley" macht in dieser Beziehung selbstverständlich keine Ausnahme und präsentiert genau das, was man sich als Fan von diesem Film erwartet. Dabei beginnt die Erzählung mit einem kurzen Rückblick in das Jahr 1964 und wartet schon an dieser Stelle mit blutigen Einstellungen auf. Das macht natürlich Appetit auf mehr und man soll mit zunehmender Laufzeit auch keinesfalls enttäuscht werden, denn Crowley wütet wieder einmal nach altbewährter Art und befördert dabei so manch einen recht unsanft über den Jordan.

Erstaunlich erscheint dabei der Aspekt das der Film bei uns in Deutschland ungeschnitten erscheint, denn streckenweise geht es wirklich hart und derbe zur Sache. Wie schon in den vorherigen Teilen ist das Ganze immer mit der nötigen Portion Humor versehen, so das einige Kills trotz ihrer unverhohlenen Brutalität ziemlich witzig erscheinen. Auch bei den Dialogen wurde keinesfalls an Witz und Charme gespart, so das sich der Film absolut nahtlos in das Franchise einordnen kann. Die Effekte können sich wie immer absolut sehen lassen und der Regisseur lässt das Kunstblut teilweise ordentlich fließen, so das die Freunde der etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten kommen. Es macht einfach riesigen Spaß den für tot gehaltenen Victor bei seiner Splatter-Orgie zu begleiten und einige der Tötungen glänzen nicht nur durch Einfallsreichtum, sie haben es in visueller Hinsicht auch wirklich in sich.

Umso erstaunlicher also, das die FSK hier anscheinend einen wirklich guten Tag gehabt hat, denn es gibt unzählige Horrorfilme, die schon für weitaus weniger Härte stark geschnitten wurden. Nun will ich mich sicherlich nicht darüber beschweren, aber manchmal sind die Kriterien der FSK echt nicht so ganz nachzuvollziehen. Wie dem auch sei, der enthaltene Härtegrad ist sehr hoch angesiedelt und das ist dem Filmvergnügen ganz bestimmt nicht abträglich. Im Zusammenspiel mit dem bekannten Humor und der einmal mehr erstklassigen Atmosphäre ergibt sich ein Gesamtbild, das man in der Summe nur als sehr gut bezeichnen kann. "Hatchet - Victor Crowley" ist ein absolut typischer Slasher im Oldschool-Stil, der durchgehend bestens zu unterhalten weiß. Bei einer Nettolaufzeit von knapp 77 Minuten ist das aber auch nicht weiter verwunderlich und eine längere Laufzeit hätte die Geschichte auch nicht hergegeben. Rein inhaltlich bekommt man nämlich nicht sonderlich viel Substanz angeboten, aber das war letztendlich auch noch nie ein Punkt, durch den sich diese Reihe hervor getan hätte.

Im Endeffekt bekommt man also genau das geboten was man erwartet, denn Adam Green ist keinerlei Experimente eingegangen, sondern hat seinen mittlerweile vierten Streich ebenso aufgezogen wie seine drei Vorgänger. Das ist auch gut so, denn schließlich macht dieser Aspekt ja auch einen nicht unwesentlichen Teil des Charmes aus, der dieses Franchise seit jeher begleitet. Ein humoriger Oldschool-Slasher mit visuell ansprechenden Kills und einer Hauptfigur, die aufgrund des gewählten Finales nun wohl definitiv zum letzten mal blutrünstig gewütet hat. Alles andere wäre der totale Quatsch, aber im Horrorgenre weiß man halt nie so genau, was die Zukunft noch bringen wird.


Fazit:


Nach im Vorfeld durchaus vorhandener Skepsis hat mich "Hatchet - Victor Crowley" letztendlich doch vollkommen überzeugt. Darüber mögen die Meinungen sicherlich auseinander gehen, aber wer schon immer eine Vorliebe für diese Filmreihe hatte, der wird ganz bestimmt nicht enttäuscht. Adam Green hat noch einmal sehr viel Herzblut in sein "Baby" Victor Crowley investiert und das merkt man dem Werk auch in jeder Phase an. Nun sollte es aber dennoch gut sein, denn das Ende der Geschichte lässt eigentlich keinerlei Zweifel daran, das die Ära des Axtmörders nun ihren finalen Abschluss gefunden hat. Allerdings sollte man auf jeden Fall bis zum Ende des Abspanns warten, da dann doch noch einige Szenen kommen, in denen zumindest die theoretische Chance für eine weitere Fortsetzung angedeutet wird, was aber meiner Meinung nach fast schon absurd und jenseits jeglicher Logik wäre.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 28. Feb 2018 14:41

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Obsessed - Vom Teufel besessen
(Exorcist House of Evil)
mit Amy Holland Pennell, Connor Trinneer, Mark Holzum, Peter Mayer, Matuschka Lindo, Candice M. Coleman, Margaret Kimble, John Pierson, Ford Fanter
Regie: David Trotti
Drehbuch: David Trotti
Kamera: Brian Schrage
Musik: Tim Jones
FSK 16
USA / 2016

Basierend auf wahren Begebenheiten. Amy kehrt nach vielen Jahren in ihr Elternhaus zurück. Eigentlich sollte es längst verkauft werden, denn auf dem Haus lastet ein böser Fluch, seit man vor langer Zeit hier an einem kleinen Jungen einen Exorzismus durchgeführt hat. Amy glaubt aber nicht an diese Geschichte. Sie will mit ihrem Mann Luke in diesen alten Mauern leben. Doch schon bald merken die beiden, dass irgendetwas nicht stimmt. Zuerst ignoriert das Paar die seltsamen Dinge, die hier vor sich gehen. Doch dann beginnt für Amy ein Alptraum, der ihre schlimmsten Vorstellungen übertrifft denn der Teufel hat nie das Haus verlassen.


Vor allem im Horrorgenre lockt man den Zuschauer gern mit der Behauptung, das diverse Filme auf wahren Begebenheiten beruhen. Ebenso verhält es sich beim vorliegenden Beitrag "Obsessed - Vom Teufel besessen", in dem einmal mehr die Exorzismus-Thematik bearbeitet wird. Das entbehrt nicht eines gewissen Reizes, denn schließlich haben Werke mit religiöser Thematik seit jeher eine gewisse Faszination ausgestrahlt. Allerdings kann Regisseur David Trotti mit seinem Spielfilmdebüt nur begrenzt punkten, da seine Geschichte lediglich im letzten Drittel ein wenig in Fahrt kommt und bis dahin viel eher belanglose Filmkost anbietet. Dabei beginnt die Erzählung doch recht interessant und konfrontiert einen mit einem Rückblick in das Jahr 1949, bei dem man für eine kurze Zeitspanne einem Exorzismus beiwohnen darf. Gleich danach springt das Geschehen dann in die Gegenwart und konfrontiert den Betrachter mit der jungen Amy, die nach vielen Jahren in ihr Elternhaus zurückkehren will. In der Folge probiert Trotti einen konstanten Spannungsbogen zu erzeugen, was ihm allerdings nicht so wirklich gelingen will.

Gute Ansätze fallen immer wieder in sich zusammen und den Ereignissen fehlt es ganz einfach an der nötigen Intensität, damit der Funke überspringen kann. Die ganze Chose gestaltet sich viel zu vorhersehbar und beschäftigt sich im Prinzip einzig und allein mit dem Versuch von Amy, hinter das Geheimnis des Elternhauses zu kommen. Das könnte zwar ohne Weiteres dafür ausreichen einen bei der Stange zu halten, aber die gewählte Umsetzung gestaltet sich dann doch ziemlich dröge und streckenweise langatmig. Denn obwohl hier fast ständig von Geistern und Dämonen die Rede ist bekommt man in visueller Hinsicht so gut wie gar nichts geboten. Und das, obwohl man zu Beginn des Filmes noch darauf hingewiesen wird, das eine Sichtung des Werkes auf eigene Gefahr stattfindet. Dabei handelt es sich wohl recht eindeutig um einen mittelschweren Witz, denn die wenigen enthaltenen Effekte sind ehrlich nicht der Rede wert und können noch nicht einmal einen Hund hinter dem Ofen hervor locken. Lediglich die letzten gut 15 Minuten können ein wenig entschädigen, kommt an dieser Stelle doch endlich einmal die eigentliche Thematik der Geschichte zum Ausdruck. Zwar sollte man an dieser Stelle keinerlei Wunderdinge erwarten, aber im Vergleich zur vorherigen Laufzeit ist eine enorme Steigerung zu erkennen.

Das rettet "Obsessed - Vom Teufel besessen" aber keinesfalls davor, das sich insgesamt gesehen ein eher schwacher Eindruck bildet, denn Trotti fehlt es ganz augenscheinlich am nötigen Talent, um das gewählte Thema auch interessant und durchgehend spannend in Szene zu setzen. So will sich auch beispielsweise zu keiner Zeit die nötige Grundstimmung aufbauen und bedrohliche Züge sind höchstens in zarten Ansätzen zu erkennen. Da hilft es dann auch nicht, das man mit Amy Holland Pennell zumindest in optischer Hinsicht für einen kleinen Farbtupfer gesorgt hat. Die hübsche Hauptdarstellerin sieht zwar ganz appetitlich aus, kann aber in darstellerischer Hinsicht nicht wirklich überzeugen, was in der Summe aber auf die gesamte Darstellerriege zutrifft. Das passt aber nahezu in den gewonnenen Gesamteindruck dieser scheinbar recht kostengünstigen Produktion, die zu keiner Zeit wirklich zu überzeugen weiß. Man kann dem guten Herrn Trotti zwar keinesfalls das Bemühen absprechen seine Story mit der nötigen Atmosphäre auszustatten, jedoch ist dieser Versuch ziemlich daneben gegangen.

Letztendlich bleibt ein Horrorfilm übrig, der maximal am unteren Rand des Durchschnittsbereichs kratzen kann und so auch nicht in nachhaltiger Erinnerung bleiben wird. Dabei sind die notwendigen Zutaten für einen Film dieser Art durchaus vorhanden, allerdings fehlt es durchgehend an der nötigen Konsequenz, um diese auch richtig heraus zu arbeiten. Es wurde zu viel Potential liegen gelassen, aber das größte Manko ist sicherlich am fehlenden Talent des Regisseurs fest zu machen, die Thematik des Exorzismus mit der dafür nötigen Intensität zu verfilmen.


Fazit:


"Obsessed - Vom Teufel besessen" zählt bestimmt nicht zu den Genrebeiträgen die man sich merken muss. Viel zu belanglos plätschern die Geschehnisse vor sich hin und ein echter Spannungsaufbau schimmert lediglich in schwachen Ansätzen durch. Das ist einfach zu wenig für wirklich gute Unterhaltung und man sollte lieber auf diverse andere Vertreter zurückgreifen.


4/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 28. Feb 2018 19:47

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Der Killerclown
(Clowntergeist)
mit Burt Culver, Monica Baker, Brittany Belland, Eric Corbin, Madeleine Heil, Tom Seidman, Aaron Mirtes, Caity Runger, Sean Patrick Murray
Regie: Aaron Mirtes
Drehbuch: Aaron Mirtes / Brad Belemjian
Kamera: Chaz Olivier
Musik: Kris Bendrick
keine Jugendfreigabe
USA / 2017

Die junge Studentin Emma hat Coulrophobie, also eine krankhafte Angst vor Clowns. Da könnte es kaum schlimmer kommen, als ausgerechnet sie in ihren Träumen von einem fiesen Clown heimgesucht wird. Doch nicht genug damit. Plötzlich taucht der Clown auch im wahren Leben auf. Er verfolgt und terrorisiert Emma unerbittlich. Dann bekommt jeder von Emmas Freunden einen Ballon mit dem Tag und der Uhrzeit seines bevorstehenden Todes... Als Emma ihren Ballon bekommt, bleiben ihr noch genau zwei Tage, um diesen Horror zu überleben. Willst Du fliegen, Emma?


Es ist sicherlich kein Zufall, das der vorliegende Beitrag fast zeitgleich mit dem ersten Teil der Neuauflage von Stephen King's "Es" seine DVD-und Blu-ray Veröffentlichung feiern darf. Vielmehr steckt einmal mehr eine wohl bedachte Marketing-Strategie dahinter, um auf den Zug des populären Clown-Horrors aufzuspringen. Dieser gezielte Schachzug kann jedoch keinesfalls darüber hinweg täuschen, das es sich bei "Der Killerclown" um einen maximal mittelmäßigen Vertreter seiner Art handelt, der auf keinen Fall durchgehend überzeugen kann. Zudem kann einen der Filmtitel ohne Weiteres auf eine falsche Fährte führen, denn wirklich viele Kills gibt es hier nicht zu begutachten und wer dabei einen angemessenen Härtegrad erwartet, wird darauf hin gleich ein zweites Mal eine kleinere Enttäuschung erleben. Das Regiedebüt eines gewissen Aaron Mirtes fällt nämlich äußerst harmlos aus, so das die vergebene Alterseinstufung ohne wenn und aber zu hoch ausgefallen ist. Es gibt zwar ein paar Szenen zu sehen in denen Blut vorkommt, aber diese geben sich keinesfalls durch saftige Splattereinlagen zu erkennen.

Bei diesem Punkt sollte der Zuschauer also schon im Vorfeld seine Erwartungen merklich herunter schrauben, dafür kann das Werk allerdings mit einer gar nicht mal so schlechten Atmosphäre punkten. Ganz generell zielt die Erzählung meiner Meinung nach vielmehr in Richtung Mystery ab, als das man es mit einem waschechten Horrorfilm zu tun hätte. So setzt Mirtes des Öfteren auf übernatürliche Momente, was dem Geschehen letztendlich ganz gut zu Gesicht steht. Zudem kommen einige gezielt eingesetzte Schockmomente zur Geltung, so das man sich in atmosphärischer Hinsicht eigentlich ganz gut versorgt sieht. Dennoch wirkt die Geschichte in sich nicht ganz stimmig und lässt insbesondere zum Ende hin auch einige Züge des Trashfilms erkennen, die an dieser Stelle aber eher deplaciert erscheinen. Passend dazu gestalten sich auch die Handlungsweisen einiger Protagonisten, denn diese agieren relativ selten nachvollziehbar und logisch, was in Horrorfilmen allerdings wirklich nicht allzu selten vorkommt.

Der Killerclown selbst erscheint erst relativ spät auf der Bildfläche, denn es dauert schon eine geraume Zeit, bevor man den übernatürlichen Bösewicht das erste Mal in voller Pracht sehen kann. Das Make up an sich ist gar nicht mal so übel, allerdings fehlt es dem Killer teilweise doch ein wenig an der notwendigen Ausstrahlung, um letztendlich so richtig bedrohlich zu wirken. Trotz der diversen Mankos kann "Der Killerclown" zumindest streckenweise ganz gut unterhalten, ohne dabei jedoch einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers zu hinterlassen. Dafür ist die Erzählung viel zu unausgegoren und zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Manchmal sind die Abläufe sofar etwas konfus, wobei man schwerlich feststellen kann, ob dieser Aspekt von Regisseur eventuell sogar gewollt ist. Wie dem aber auch sei, insgesamt gesehen kann man sich diesen Beitrag durchaus mal anschauen, sollte aber auf keinen Fall mit gesteigerten Erwartungen an das Ganze heran gehen, denn höhere Ansprüche kann diese offensichtlich recht günstige Produktion nicht erfüllen.

Im Endeffekt beinhaltet der Film nicht sonderlich viel inhaltliche Substanz, was selbst mit der geringen Nettolaufzeit von gerade einmal gut 75 Minuten nicht übertüncht werden kann. Denn selbst während dieser Zeitspanne treten immer wieder kleinere Längen auf den Plan. Dennoch konnte mich "Der Killerclown" zeitweise gut unterhalten und insbesondere die gelungene Grundstimmung hat mir gefallen. Manch einem wird das sicherlich kaum ausreichen, aber für einen kalten Winterabend ist das Werk ohne Weiteres geeignet.


Fazit:


Auf keinen Fall sollte man einen Film wie "Es" zum Vergleich heran ziehen, denn dagegen kann der vorliegende Beitrag noch nicht einmal ansatzweise heran reichen. Wer aber eine ordentliche Atmosphäre, mysteriöse Einlagen und eine teils hanebüchene Story zu schätzen weiß, der könnte an dieser Stelle auf seine Kosten kommen.


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