horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 6. Dez 2017 13:04

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Deadly Games
(3615 code Père Noël)
mit Brigitte Fossey, Louis Ducreux, Patrick Floersheim, Alain Lalanne, François-Eric Gendron, Stéphane Legros, Franck Capillery, Nicole Raucher, Charles de Feral
Regie: René Manzor
Drehbuch: René Manzor
Kamera: Michel Gaffier
Musik: Jean-Félix Lalanne
FSK 16
Frankreich / 1989

Der neunjährige, hochbegabte Techniktüftler Thomas lebt gemeinsam mit seiner Mutter und seinem geliebten Großvater in einer riesigen Villa am Rande von Paris. Das Fest der Liebe steht vor der Tür, und obwohl Thomas sich seinen Glauben an den Weihnachtsmann bewahrt hat, will er unbedingt die Existenz von Santa beweisen. Zu diesem Zweck hat er das labyrinthische Anwesen mit einem ausgeklügelten Überwachungskamerasystem ausgestattet. Ausgerechnet am Weihnachtsvorabend ist er mit seinem Opa allein zu Hause. Der Weihnachtsmann kommt tatsächlich – allerdings entpuppt er sich als geistesgestörter Mörder im Nikolauskostüm! Nachdem der Killer Thomas‘ Hund getötet und das Leben seines Großvaters bedroht hat, legt der wehrhafte Minderjährige seine Rambo-Kampfmontur an, bewaffnet sich bis an die Milchzähne und dreht den Spieß um. Eine gnadenlose Hetzjagd durch das verwinkelte Gemäuer nimmt ihren Lauf, bei dem zunehmend die Grenzen verschwimmen, wer Jäger und wer Gejagter ist…


Little Rambo trifft auf Bad Santa


So kurz und knapp könnte man diese kleine Filmperle beschreiben, doch damit würde man der Sache keinesfalls gerecht werden. Erstaunlicherweise wird diesem 1989 erschienenen Film erst jetzt eine deutsche DVD und Blu-ray Veröffentlichung zu teil, was einmal mehr unter Beweis stellt, das immer noch etliche filmische Kleinode auf eine würdige Umsetzung auf Scheibe warten. René Manzor hat seinerzeit eine wirklich erstklassige Kombination aus Weihnachts-Horror und Home Invasion Thriller in Szene gesetzt, wobei davon zu Beginn des Geschehens noch überhaupt nichts zu erkennen ist. Vielmehr besticht "Deadly Games" in den ersten gut 30 Minuten durch einen unvergleichlich naiven und kindlichen Charme, der in erster Linie durch die neunjährige Hauptfigur Thomas in Erscheinung tritt. Einerseits hochbegabt glaubt der Junge aber auch noch an den Weihnachtsmann und möchte diesen unbedingt einmal sehen. In der Folge soll ihm dieser Wunsch auch erfüllt werden, allerdings hätte sich Thomas das Treffen sicherlich ganz anders vorgestellt. Am heiligen Abend erscheint nämlich ein psychopathischer Killer im Kostüm eines Weihnachtsmannes auf der Bildfläche und stattet der riesigen Villa in der Thomas mit seiner Mutter und seinem Großvater lebt einen Besuch ab, der sich zu einem perfiden Katz und Maus Spiel entwickeln soll.

So schlägt die Erzählung dann nach 30 Minuten ziemlich abrupt eine ganz andere Richtung ein und es ist schlagartig vorbei mit der vorherigen Beschaulichkeit. Die bis dahin eher niedlichen Ereignisse sind vergessen und es entfaltet sich eine unglaublich dichte und bedrohliche Atmosphäre. Da der Junge sich mit seinem fast blinden Opa ganz allein in dem riesigen Anwesen befindet nimmt er im Alleingang den Kampf gegen den Psychopathen auf und gleicht dabei rein optisch einer Miniaturausgabe von Rambo. Obwohl das recht witzig erscheint gestalten sich die folgenden Abläufe sehr spannend und sorgen streckenweise für echten Nervenkitzel. Ganz stark trumpft dabei der junge Hauptdarsteller Alain Lalanne auf, denn seine Darstellung von kindlicher Naivität auf der einen Seite und absolutem Überlebenswillen auf der anderen Seite ist absolut herzerfrischend. Kein Wunder also das man den Jungen sofort in sein Herz schließt und unglaubliche Sympathie für ihn empfindet. Man feiert jeden kleinen Erfolg mit Thomas und leidet ebenso wie er beim kleinsten Rückschlag. Von beiden Dingen gibt es genügend während der Laufzeit und so ist man ganz automatisch einem ständigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, bis es letztendlich zum finalen Showdown kommen soll.

Unter den vielen Weihnachts-Horrorfilmen siedelt sich "Deadly Games" ohne Frage im oberen Drittel der Skala an, weshalb es umso unverständlicher ist, das diese kleine Perle bisher noch nicht würdig veröffentlicht wurde. Von einem faszinierenden Charme geprägt beinhaltet diese Produktion wirklich alles, was einen Film dieser Machart ausmacht. Außergewöhnlich ist dabei die geniale Mischung aus Liebreiz, Horror und Home Invasion Thematik und gerade deswegen dürfte Manzor's Geschichte einen besonderen Stellenwert einnehmen. Auch in darstellerischer Hinsicht kann man sich keinesfalls beklagen, sämtliche Akteure liefern sehr gute Leistungen ab. Hervorstechend ist dabei allerdings Alain Lalanne, denn seine brillante Interpretation des neunjährigen Jungen ist kaum in Worte zu fassen. Das gesamte Geschehen ist völlig auf ihn zugeschnitten und so ist es dann auch seine Omnipräsenz, die diesem Werk einen persönlichen Stempel aufdrückt. Der Junge trägt das Szenario fast im Alleingang und legt dabei eine Spielfreude an den Tag, die man nur als hervorstechend bezeichnen kann.

Letztendlich kann man nur heilfroh sein, das dieses kleine Juwel nun endlich eine würdige Veröffentlichung bekommt. Auch nach nunmehr fast drei Jahrzehnten hat der Film rein gar nichts von seiner Faszination eingebüßt und eröffnet dem Zuschauer ein ebenso spannendes wie phasenweise charmantes Szenario das man sich immer wieder nur allzu gern anschaut. Für mich handelt es sich hier um einen kleinen und zeitlosen Klassiker, der im obersten Regal seiner Genre-Kollegen einzuordnen ist. In der Weihnachtszeit kommt der Film selbstverständlich noch viel besser zur Wirkung, aber ehrlich gesagt kann man sich "Deadly Games" aufgrund seiner Klasse auch gern zu jeder anderen Jahreszeit anschauen. René Manzor hat wirklich tolle Arbeit abgeliefert und einen extrem stimmigen Genrebeitrag kreiert, der allemal eine ganz dicke Empfehlung wert ist.


Fazit:


Hier kommt man als Betrachter jederzeit auf seine Kosten und kann sich dabei an einer erstklassigen Kombination verschiedenster Zutaten erfreuen, die nahezu perfekt miteinander harmonieren. Wer eine Vorliebe für Weihnachts-Horror und Home Invasion Thriller hat und zudem auch noch eine Prise Humor sowie kindlichen Charme sehen möchte ist bei "Deadly Games" bestens aufgehoben, denn all diese Zutaten beinhaltet der Film im Überfluss.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 8. Dez 2017 13:09

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Rendel
(Rendel)
mit Bianca Bradey, Alina Tomnikov, Sheila Shah, Jesse Haaja, Matti Onnismaa, Enni Ojutkangas, Tero Salenius, Michael Hall, Kristofer Gummerus, Johnny Vivash
Regie: Jesse Haaja
Drehbuch: Pekka Lehtosaari / Jesse Haaja / Miika J. Norvanto / Timo Puustinen
Kamera: Tero Saikkonen
Musik: Tuomas Kantelinen
keine Jugendfreigabe
Finnland / 2017

Mikkeli, Finnland: In der Großstadt herrschen Korruption, Tod und Gewalt. Der unberechenbare Rotikka, Anführer eines gewaltbereiten Clans, hält die Zügel fest in seinen Händen. Die florierenden kriminellen Aktivitäten werden gestört, als ein maskierter Einzelgänger in der Stadt auftaucht und reihenweise Rotikkas Handlanger außer Gefecht setzt. Der Kämpfer, der sich selbst Rendel nennt, geht dabei äußerst brutal zur Sache. Kann das Team von internationalen Killern, welches von Rotikka beauftragt wird, Rendel zur Strecke bringen und seine Beweggründe herausfinden?


Wenn man von Superhelden spricht denkt man sofort an Marvel oder DC und es kommen einem Namen wie Batman, Superman, oder auch Captain America in den Sinn. Mit "Rendel" erscheint nun ein völlig neuer und bisher unbekannter Name auf der Bildfläche und der gute Mann in schwarzer Motorradkluft entspringt nicht einem der ansonsten typischen Hollywood Blockbuster. Sein Herkunftsland ist Finnland, das man doch viel eher mit einer Sauna, Rentieren, oder Skisport in Verbindung bringt, als das man diesen Teil Skandinaviens mit einem Superhelden in Verbindung bringen würde. Mit seiner ersten Regiearbeit hat sich Jesse Haaja dann auch gleich einen Kindheitstraum erfüllt und einen äußerst ambitionierten Beitrag abgeliefert, der sich etwas von den üblichen Vertretern unterscheidet. "Rendel" verfügt über keinerlei Superkräfte und die Geschichte um ihn präsentiert sich als gelungener Mix aus Action und Fantasy Einflüssen. So merkt man relativ schnell das sich hier an Vorbildern wie beispielsweise "The Punisher" und "The Crow" orientiert wird, was in der Summe für wirklich gute Unterhaltung sorgt.

Nun gestaltet sich das Ganze nicht sonderlich innovativ und bietet auch nichts was man noch nie gesehen hat, aber die enthaltenen Zutaten harmonieren sehr gut miteinander und ergeben ein größtenteils stimmiges Gesamtbild. Das Szenario präsentiert sich dabei in zwei parallel zueinander laufenden Erzählsträngen, wobei die Gegenwart immer wieder mit Flashbacks aus der nahen Vergangenheit angereichert wird. Dadurch sollen dem Zuschauer sowohl die Identität als auch die Beweggründe des Titelhelden langsam näher gebracht werden, wobei man allerdings wahrlich kein Genie sein muss um die Zusammenhänge sehr frühzeitig zu erkennen. "Rendel" gestaltet sich also durchaus vorhersehbar und beinhaltet keinerlei echte Überraschungsmomente, was dem Film insgesamt gesehen keineswegs schadet. Haaja hat nämlich mit jeder Menge Action-Passagen und Nahkämpfen dafür Sorge getragen, das zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile aufkommen kann. Stattdessen präsentiert sich eine sehenswerte Geschichte die in erster Linie durch ihre düstere und finstere Optik zu überzeugen weiß, zudem ist das Ganze auch noch mit genau den richtigen Darstellern ausgestattet, was vor allem auf die unzähligen Bösewichter zutrifft. Rein optisch passen diese nämlich absolut erstklassig in das Geschehen hinein, handelt es sich doch in der Regel um ziemlich finster aussehende Typen.

Das Schauspiel an sich kann man als solide bezeichnen, echte Wunderdinge sollte man bei einer Produktion dieser Art jedoch nicht zwangsweise erwarten. "Rendel" selbst kann beim Betrachter eine Menge an Sympathiepunkten auf sich vereinen, denn seine Motive für den gnadenlosen Rachefeldzug sind aus menschlicher Sicht absolut nachvollziehbar. Es stimmt also sehr viel in dieser finnischen Produktion, in der man im Prinzip nur die manchmal fehlende Logik bemängeln könnte. Aus diesem Grund sind für mich persönlich auch einige im Netz veröffentlichte Kritiken nicht so ganz nachvollziehbar, in denen der Film gnadenlos zerrissen wird. Natürlich ist es immer reine Geschmackssache, aber rein objektiv betrachtet bekommt man zumindest sehr kurzweilige Unterhaltung geboten. Wie dem auch sei, mir hat dieses Werk richtig gut gefallen, wofür allein schon die unübersehbaren Anlehnungen an die weiter oben genannten Vorbilder gesorgt haben. Aufgrund dieser könnte man der Erzählung natürlich auch ihre Eigenständigkeit absprechen, was ich aber für vollkommen überzogen halten würde.

Letztendlich sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen, denn "Rendel" ist definitiv ein sehenswerter Beitrag. Gerade die ziemlich weit auseinander gehenden Meinungen sollten doch Anreiz genug sein einen Blick zu riskieren und ich bin mir ziemlich sicher, das nicht gerade wenig Leute ihren Gefallen an diesem Superhelden finden werden. Action satt, eine dichte und düstere Atmosphäre und ein sympathischer Superheld sind die Stärken dieses Erstlingswerkes aus dem hohen Norden, das mit viel Herzblut und nicht zu übersehenden Ambitionen in Szene gesetzt wurde. Man merkt wirklich durchgehend das Jesse Haaja sehr viel an diesem Projekt gelegen hat, so das man auch gern einmal über die ein oder andere kleine Schwäche hinweg sehen kann.


Fazit:


Man sollte keinesfalls den Fehler machen mit den falschen Maßstäben an diesen Film heran zu gehen. Denn auch wenn es sich um eine Art Superheldenfilm handelt, unterscheidet sich dieser ganz erheblich von den ansonsten üblichen Produktionen aus der Traumfabrik Hollywood. Gerade das macht dieses Werk aber so ungemein sympathisch und gleichzeitig bekommt Finnland dadurch auch gleich noch seinen ersten Superhelden.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 10. Dez 2017 11:50

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Die Verdammten - Soldiers of the Damned
(Soldiers of the Damned)
mit Gil Darnell, Miriam Cooke, Lucas Hansen, Tom Sawyer, Jason Kennedy, Mark Fountain, Matthew John Morley, Nicholas Keith, Renny Krupinski, Andonis Anthony
Regie: Mark Nuttall
Drehbuch: Nigel Horne
Kamera: James Martin
Musik: Tug
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2015

Die Ost-Front 1944. Das deutsche Heer wird von den Russen immer weiter zurückgedrängt - der Krieg ist schon fast verloren. Doch der kriegserprobte Major Kurt Fischer wird damit beauftragt, eine junge Professorin hinter die Front zu schmuggeln. Sie soll in einem Wald ein mysteriöses Relikt aufspüren und zurück ins Deutsche Reich bringen. Aber die Mission läuft aus dem Ruder, ein Soldat nach dem anderen verschwindet spurlos. Es zeigt sich, dass die Wissenschaftlerin für Himmlers Sicherheitsdienst in einem Geheimprojekt okkulte Energien erforscht. Eine ungeahnte Gefahr geht von diesem Relikt aus und der Major erkennt, dass im Wald weitaus tödlichere Gefahren auf seine Männer warten, als russische Soldaten


"Die Verdammten - Soldiers of the Damned" ist wieder einmal ein Kriegsfilm mit Einflüssen des Horrorfilmes und stellt das Erstlingswerk von Mark Nuttall dar. Die britische Produktion beinhaltet durchaus eine interessante Thematik und eine Menge an Potential, wobei die Umsetzung des Ganzen dann allerdings eher spärlich ausfällt. Von der ersten Minute an hinterlässt die Geschichte insbesondere in optischer Hinsicht einen ziemlich billigen Eindruck, so das eventuelle Erwartungen des Zuschauers gleich einmal etwas gedämpft werden. Der Schauplatz des Waldgebietes ist ein weiteres Manko, denn wo normalerweise eine gepflegte und dichte Grundstimmung aufkommen sollte, ist von dieser Zutat so gut wie gar nichts zu erkennen. Das trübt den Filmgenuss dann doch ganz erheblich, denn es entfaltet sich zu keiner Zeit eine bedrohliche Atmosphäre, wie man sie sich bei der vorliegenden Thematik doch so sehr erhofft. Auch in Sachen Spannung tut sich nicht allzu viel, stattdessen präsentiert sich die Erzählung phasenweise etwas langatmig und man kann sich dabei des Gefühls nicht erwehren, das der Film künstlich in die Länge gezogen wird.

Erstaunlicherweise wird man dafür aber mit einem wirklich ordentlichen Härtegrad bedient, denn immer wieder werden Szenen eingestreut in denen es ziemlich blutig zur Sache geht. Wenn man so will ist das dann auch der positivste Aspekt einer Produktion, die in allen anderen Belangen maximal am unteren Rand des Durchschnittsbereiches kratzen kann. Dabei hätte man das mit etwas Fingerspitzengefühl sehr wohl vermeiden können, aber anscheinend fehlt es Mark Nuttall am nötigen Gespür für das Wesentliche. Filme mit einer okkulten Hintergrundthematik müssen spannend und atmosphärisch sein, aber diese beiden Dinge hat der Regisseur fast schon sträflich vernachlässigt. Die fehlenden Zutaten dann durch ein wenig Härte zu ersetzen ist zwar ganz nett, sorgt aber keinesfalls für einen besseren Gesamteindruck des Szenarios.

Auch in darstellerischer Hinsicht sollte man nicht viel erwarten, zwar geben sich die Akteure viel Mühe einen möglichst authentischen Eindruck zu hinterlassen, nur will das nicht so richtig gelingen. Stattdessen wirkt das Schauspiel größtenteils gekünstelt und aufgesetzt, zudem lässt sich immer wieder eine gewisse Theatralik erkennen. Manch ein Darsteller neigt dann auch noch zu totalem Overacting und sorgt damit in diversen Szenen für unfreiwillige Komik. Vielleicht ist das alles im ganz offensichtlich nicht sonderlich hohen Budget des Filmes begründet, aber das allein darf wahrlich keine Entschuldigung dafür sein, das zu viele offensichtliche Mankos einen Film mit viel Potential streckenweise gnadenlos gegen die Wand fahren.

Letztendlich gibt es nicht wirklich viele Punkte die man positiv hervorheben könnte, so das "Die Verdammten - Soldiers of the Damned" in weiten Teilen eine Enttäuschung darstellt. Anstatt sein Regiedebüt mit der notwendigen Grundstimmung und einem konstant ansteigenden Spannungsbogen auszustatten, setzt Mr. Nuttall vielmehr auf einige blutige Passagen die den Film nicht sonderlich aufwerten können. Zwingend notwendige Elemente werden sträflich außer acht gelassen und die Riege der Darsteller trägt auch nicht unbedingt dazu bei, das man den gewonnenen Gesamteindruck merklich aufwerten könnte.


Fazit:


Das okkulte Thema dieser Produktion hätte man ohne Frage viel besser in Szene setzen können, denn dann hätte "Die Verdammten - Soldiers of the Damned ein richtig guter Film werden können. In vorliegender Form offenbart sich allerdings lediglich eine recht maue Erzählung, die zudem auch noch künstlich auf Länge getrimmt wurde.


4/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 11. Dez 2017 18:41

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Cult of Chucky
(Cult of Chucky)
mit Allison Dawn Doiron, Alex Vincent, Brad Dourif, Fiona Dourif, Dan De Jaeger, Matthew Stefanson, Michael Therriault, Zak Santiago, Marina Stephenson Kerr, Jennifer Tilly
Regie: Don Mancini
Drehbuch: Don Mancini
Kamera: Michael Marshall
Musik: Joseph LoDuca
FSK 16
USA / 2017

Seitdem sie für den Mord an ihrer Familie verantwortlich gemacht wurde, sitzt Nica Pierce (Fiona Dourif) in einer psychiatrischen Anstalt für geisteskranke Straftäter. Nach ihrem vierjährigen Aufenthalt dort ist sie mittlerweile der Überzeugung, dass nicht die von einem Serienkiller besessene Puppe Chucky (Stimme im Original: Brad Dourif), sondern tatsächlich sie selbst ihre Verwandten umgebracht hat. Doch als ihr Psychiater in den Gruppensitzungen der Patienten eines Tages auf eine allzu vertraute Puppe als neues therapeutisches Mittel zurückgreift, nimmt in der Anstalt eine grausame Mordserie ihren Lauf. Nach und nach dämmert es Nica, dass sie vielleicht doch nicht verrückt ist. Derweil versucht Andy Barclay (Alex Vincent), der bereits in seiner Kindheit mit Chucky zu tun hatte, Nica zu Hilfe zu eilen. Allerdings muss er dafür erst an Chuckys Braut Tiffany (Jennifer Tilly) vorbei, die alles tun würde, um ihre große Liebe zu schützen.


Als Don Mancini 1988 das erste Mal seine rothaarige Mörderpuppe auf die Menschheit losgelassen hat konnte wohl keiner ahnen, das sich der kleine Killer auch heute noch größter Beliebtheit erfreut. In seinem mittlerweile siebenten Abenteuer geht Chucky einmal mehr auf Beutejagd, was ganz zwangsläufig damit verbunden ist das wieder mehrere Menschen auf unschöne Art und Weise über den Jordan befördert werden. Mancini ist bei diesem Werk auf die Wünsche der Fans eingegangen und hat seiner Erzählung diverse Neuerungen beigemischt, die es in dieser Form noch in keinem der vorherigen Filme zu sehen gab. So hat die beliebte Mörderpuppe beispielsweise einen Weg gefunden um nicht allein zu töten, wobei man an dieser Stelle wirklich nicht mehr verraten sollte, um niemandem die Spannung zu nehmen. Es sei nur so viel verraten, das dadurch in vielen Passagen herrlich skurrile Situationskomik entsteht und auch die dazu gehörigen Dialoge sind wie eigentlich immer von bitter-böser Natur. Das steht dem Film äußerst gut zu Gesicht und sorgt gleichzeitig für so manch kleinen Überraschungsmoment, was die vielen Liebhaber dieser Filmreihe durchaus begeistern dürfte und außerdem für beste Unterhaltung garantiert.

Als Schauplatz der Erzählung dient eine abgelegene Anstalt, in der die aus "Curse of Chucky" bekannte Nica (Fiona Dourif) nach den Ereignissen aus dem Vorgänger ein tristes Dasein fristet. Die räumlich arg eingeschränkte Location sorgt einerseits für eine dichte und teils klaustrophobische Grundstimmung, andererseits bieten die kargen Gänge und Zimmer des Komplexes wenig Freiraum für sonderlich viel Abwechslung. Dazu passt dann auch die recht überschaubare Darsteller Riege, denn ziemlich wenige Patienten und überschaubares Pflegepersonal halten den Cast in einem eher kleinen Rahmen. Dafür passiert dann aber doch eine ganze Menge und die Morde gestalten sich größtenteils erstaunlich blutig. Im ersten Drittel des Geschehens geht es zwar noch einigermaßen geruhsam zur Sache, aber danach nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf und Chucky hält einmal mehr eine reichliche Ernte.

Die meisten Teile der Reihe haben sich ja noch nie über einen überdimensional hohen Härtegrad und viel Blut ausgezeichnet, aber in vorliegendem Fall kann man das beim besten Willen nicht behaupten. Zwar wird der in der heutigen Zeit übliche Rahmen zu keiner Zeit gesprengt, aber für die Verhältnisse dieses Franchises und vor allem bei einer 16er Freigabe geht es mehr als ordentlich zur Sache. Ein weiterer Pluspunkt ist sicherlich auch das Wiedersehen mit Jennifer Tilly, denn auch wenn ihr Part nur eine kleine Nebenrolle ist freut man sich über das bekannte Gesicht. Mancini hat also sämtliche notwendigen Zutaten beigefügt und so für ein äußerst stimmiges Gesamtbild gesorgt. Die Fans des kleinen Killers werden also bestens bedient und können sich zudem über manch gelungene Neuheit freuen, gleichzeitig gibt es auch wieder jede Menge des typischen Chucky-Humors zu begutachten.

Letztendlich kann man den mittlerweile siebenten Teil der Reihe als überdurchschnittlich gut einstufen und das eingefügte Ende nährt die Hoffnung, das auch in nächster Zeit noch mehr von der berühmt-berüchtigten Good Guy Puppe zu sehen sein wird. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn mit "Cult of Chucky" noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Wenn man die Qualität der Filme auch weiterhin hoch halten kann dann soll es einem nur recht sein, denn auch wenn viele Leute das anders sehen werden ist der rothaarige Killer definitiv eine Kult-Ikone des Genres. Zudem macht es immer wieder riesigen Spaß, den kleinen Racker auf seiner Opferjagd zu begleiten, die seit jeher mit Sarkasmus ohne Ende gepflastert ist.


Fazit:


Mich persönlich hat der neueste Streich von Don Mancini vollends überzeugt und so kann ich auch nur eine dicke Empfehlung aussprechen. Schwarzer Humor, blutige Kills und diverse Neuerungen sorgen für jede Menge Kurzweil und unterstreichen den Kultstatus, den sich "Chucky - Die Mörderpuppe" im Laufe der Jahre erworben hat.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 12. Dez 2017 12:54

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Geliebte Schwester
(Demonios tus ojos)
mit Ivana Baquero, Julio Perillán, Nicolás Coronado, Elisabet Gelabert, Lucía Guerrero, Juan Pablo Shuk, Tomás Baleztena, Christopher Downs, John Hopewell
Regie: Pedro Aguilera
Drehbuch: Pedro Aguilera / Juan Carlos Sampedro
Kamera: Miquel Prohens
Musik: Richard Córdoba
FSK 16
Kolumbien / Spanien / 2017

Der in LA lebende spanische Filmemacher Olivier glaubt auf einer Erotikwebsite seine Halbschwester Aurora zu erkennen. Sie zieht ihn in ihren Bann. Fasziniert von dem Gedanken, sie wieder zu sehen plant er einen Besuch zu Hause in Spanien. Seine Rückkehr nach Jahren der Abwesenheit bringt ihn zurück zu der Familie, der er einst den Rücken gekehrt hat. Und zu Aurora, aus der ein junges, attraktives Mädchen geworden ist, deren erotisches Geheimnis er zu kennen meint. Aus Neugier wird Obsession bringt Olivier eine versteckte Kamera in ihrem Schlafzimmer an und beginnt ein riskantes voyeuristisches Spiel mit ihr. Er versucht sie aus der Reserve zu locken, ködert sie mit ausgelegten Hinweisen seiner eigenen Fetische, bis es zu dem Unaussprechlichen kommt. Aus dem Reiz des Verbotenen wird Liebe und Schmerz. Es entspinnt sich ein tragisch-schönes Verhängnis, von Pedro Aguilera knisternd erotisch erzählt. Intelligent und ohne Vorurteile lotet er die Grenzen der gesellschaftlichen Komfortzonen aus, ohne jemals die Würde seiner Figuren aus den Augen zu verlieren.


Der Reiz des Verbotenen hat den Menschen schon immer in Versuchung geführt und genau diese Thematik behandelt Pedro Aguilera in diesem Erotikdrama. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die Halbgeschwister Olivier und Aurora die sich seit Jahren nicht mehr gesehen haben und deren Wiedersehen eine echte Familientragödie auslöst. Von Beginn an knistert es zwischen den beiden, wobei der ältere Olivier sich ganz offensichtlich in seine bildhübsche, jüngere Halbschwester verguckt, was am Anfang noch relativ harmlos erscheint. Im Laufe der Zeit entwickelt sich allerdings ein Verhältnis zwischen den beiden das von erotischen Spannungen geprägt ist und geradezu in eine Katastrophe führen soll. Schon immer gegen alle Regeln verstoßend schert sich Olivier anscheinend auch nicht darum, das eine inzestuöse Beziehung gegen jegliche Moral verstößt und entwickelt eine regelrechte Obsession gegenüber der jungen Aurora. So beobachtet er sie ständig durch eine versteckte Kamera in ihrem Zimmer und teilt ihr das im späteren Verlauf sogar mit.

Obwohl die junge Frau im ersten Moment eher angewidert erscheint, entfaltet sich auch bei ihr ein Faible für das Verbotene. Es entsteht ein prickelndes Spiel zwischen den beiden Hauptfiguren, die sich ganz augenscheinlich weder dem Reiz noch der Faszination der Situation entziehen können. Pedro Aguilera spielt in seiner Erzählung sehr gekonnt mit verbotenen Fantasien und setzt zudem seine beiden Hauptdarsteller erstklassig ins Bild. Von Olivier geht dabei ganz eindeutig die treibende Kraft aus, wohingegen Aurora sich zunächst nicht auf das Spiel mit dem Feuer einlassen will. Natürlich kommt es wie es kommen muss und die beiden schlafen miteinander, wodurch die weiteren Ereignisse unweigerlich ihren Lauf nehmen. Den gesamten Film über entsteht beim Zuschauer nicht das Gefühl, das bei Olivier echte Gefühle mit ihm Spiel sind. Es kommt einem viel eher so vor als wenn der gute Mann sich selbst eine Aufgabe gestellt hat, die er um jeden Preis erfüllen will. Dieser Aspekt wird besonders im letzten Drittel durch sein Verhalten noch unterstützt, wohingegen bei Aurora anscheinend echte Emotionen entstanden sind.

Das Schauspiel der beiden Hauptfiguren ist absolut erstklassig und trägt definitiv zur vorhandenen Klasse dieser Produktion bei. Sie agieren ausdrucksstark und wirken äußerst authentisch, was für eine Geschichte dieser Art auch absolut notwendig ist. Auch die Nebenrollen sind durchaus gut besetzt, wobei die Spielanteile der jeweiligen Figuren zu gering ausfallen, um eine echte Bewertung abzugeben. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn schließlich scheint es völlig selbstverständlich, das Pedro Aguilera seine Hauptdarsteller vollkommen in den Fokus der Ereignisse stellt und diese somit zwangsläufig omnipräsent sind. Nun wird bestimmt nicht jeder etwas mit diesem Werk anfangen können, den "Geliebte Schwester" ist alles andere als der handelsübliche Mainstream. Es handelt sich vielmehr um ein sehr gut gespieltes Drama, in dem eine brisante Thematik bearbeitet wird.

Wer ernsthafte Erotikdramen zu schätzen weiß ist hier genau an der richtigen Adresse, denn "Geliebte Schwester" stimmt einen nachdenklich und erzählt eine Geschichte über verbotene Früchte, die man lieber nicht gepflückt hätte. So etwas zieht automatisch Konsequenzen nach sich, wie man es in vorliegendem Fall auch eindrucksvoll vor Augen geführt bekommt. Wenn überhaupt dann beinhaltet der Film nur eine kleinere Schwäche und das ist meiner Meinung nach das gewählte Ende. Zwar sollte man nicht unbedingt schon im Vorfeld mit etwas Spektakulärem rechnen, aber das Finale gestaltet sich dann doch etwas zu nüchtern. Das ist allerdings nur ein rein subjektiver Blickwinkel und manch einer wird höchstwahrscheinlich auch ganz anderer Meinung sein. Wie dem auch sei, "Geliebte Schwester" ist auf jeden Fall ein sehenswerter Beitrag den man sich nicht entgehen lassen sollte.


Fazit:


Es ist immer wieder schön, das sich in einer vom Mainstream geprägten Zeit auch immer wieder diese kleinen Filmperlen verstecken. Eine interessante und gut erzählte Story sowie zwei exzellente Hauptfiguren reichen dabei völlig aus, damit der Zuschauer dem Reiz der Erzählung erliegt.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Dez 2017 13:24

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Open Water - Cage Dive
(Cage Dive)
mit Joel Hogan, Josh Potthoff, Megan Peta Hill, Pete Valley, Mark Fell, Christopher Callen, Tara Wraith, Teagan Berger, Chris Bath, Robert Ovadia, Paul Adams
Regie: Gerald Rascionato
Drehbuch: Gerald Rascionato / Stephen Lister
Kamera: Andrew Bambach / Gerald Rascionato
Musik: The Newton Brothers
FSK 16
Australien / 2017

Um sich für eine neue Reality-Show zu bewerben, wollen drei Freunde ein aufregendes Bewerbungsvideo drehen. Sie planen einen Tauchgang auf dem offenen Meer. Die Digitalkamera immer dabei, lassen sie sich von dem Reiseleiter in einen Käfig ins Wasser absetzen. Das Ziel: umher schwimmende Haie vor die Linse zu bekommen. Plötzlich wird das Schiff von einer riesigen Welle erfasst und geht unter. Die Freunde schaffen es gerade noch, sich aus dem sinkenden Käfig zu befreien. Doch ohne jeglichen Schutz werden die Haie für die Gruppe zu einer echten Gefahr!


Ob sich Regieneuling Gerald Rascionato unbedingt einen Gefallen damit getan hat eine schon mehrmals verfilmte Thematik erneut in Szene zu setzen bleibt fragwürdig, denn immerhin haben die beiden bisherigen Filme "Open Water" und "Open Water 2" die vorliegende Geschichte in fast identischer Art und Weise erzählt. Eine dritte Verfilmung erscheint also eher überflüssig und dieses Gefühl bestätigt sich im Lauf der Erzählung immer mehr. Erzielte die zu Grunde liegende Ausgangssituation der Protagonisten seinerzeit noch für Beklemmung und ein äußerst bedrohliches Gefühl beim Betrachter, so kann man davon mittlerweile nicht mehr wirklich reden. Das Szenario bietet keinerlei neue Impulse, so das sich dann auch die Begeisterung für das Gesehene in überschaubaren Grenzen hält. Zudem hat Rascionato den Fehler gemacht zu viel Zeit mit banalen Dingen zu vergeuden, denn bis es überhaupt erst einmal zur Sache geht vergehen volle 30 Minuten. Bei einer Nettolaufzeit von gerade einmal 72 Minuten ist das eine ganze Menge und so gestaltet sich insbesondere die Einführung in die Geschichte doch relativ langatmig.

In dieser Zeitspanne wird man ein wenig mit den drei Hauptfiguren bekannt gemacht, wobei sich allerdings keine der Figuren als wirklicher Sympathieträger bemerkbar machen kann. Dieser Eindruck soll sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr verfestigen, zudem brillieren die Akteure zum Ende hin auch noch mit einem schwer nachvollziehbaren Verhalten, das selbst durch den Aspekt einer extremen Situation nur sehr schwer nachzuvollziehen ist. Anstatt sich nämlich auf das Wesentliche zu konzentriere um am Leben zu bleiben wird mit einem Leuchtsignal auf einer Rettungsinsel aus Gummi und Plastik herum gespielt, oder es werden diverse Diskussionen über Betrug in einer Beziehung geführt. Nun könnte man zwar damit argumentieren das Menschen in extremen Situationen auch ebenso reagieren, aber ehrlich gesagt wirkt das Ganze nicht sonderlich authentisch.

Gedreht wurde das Ganze fast ausschließlich mit der Handkamera, was einem stellenweise schon ein wenig auf die Nerven gehen kann. Sicherlich sollte damit der Faktor von Authentizität erhöht werden, aber hier wirkt es manchmal viel eher störend und unangebracht. Das mag nun ein jeder für sich selbst beurteilen, jedoch kann "Open Water - Cage Dive" in seiner Gesamtbetrachtung keinesfalls so richtig überzeugen. Die Erzählung will einen zu keiner Zeit wirklich packen, was in erster Linie sicherlich darin begründet ist das absolut nichts zu sehen ist, was man nicht schon des Öfteren zu Gesicht bekommen hat. Eventuell mag sich das etwas anders bei Leuten verhalten die beide Vorgänger noch nicht gesehen haben, aber Rascionato hat es einfach nicht geschafft, seinen Film mit der nötigen Faszination auszustatten, die sich dann auch auf den Zuschauer überträgt.

Im Endeffekt hätte man sich diesen Ableger auch sparen können, denn es wurden zu viele Dinge falsch gemacht, als das man zu einem überdurchschnittlichen Gesamteindruck gelangen könnte. Dazu tragen auch die Darsteller bei, denn neben äußerst mittelmäßigem Schauspiel kommt noch erschwerend die Tatsache hinzu, das alle drei Hauptfiguren mit der Zeit einfach nur noch nerven. Die restlichen Schauspieler kann man unmöglich bewerten, da sämtliche Nebenrollen nur mit extrem kleinen Spielanteilen versehen sind, so das man in diesem Punkt maximal von nötiger Staffage sprechen kann. Am besten macht sich aber jeder selbst ein Bild von diesem Film, der mich persönlich jedenfalls nicht in seinen Bann ziehen konnte, was allerdings nur eine rein subjektive Meinung darstellt.


Fazit:


Schon die beiden vorherigen Teile haben die Meinungen stark gespalten und das wird sich auch bei "Open Water - Cage Dive" nicht ändern. Trotz einer sehr kurzen Laufzeit weist der Film etliche Längen auf, mittelmäßiges Schauspiel und dämliche Handlungsweisen der Akteure tun ihr Übriges, damit dieses Werk sich lediglich im unteren Qualitätsbereich ansiedeln kann.


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Beitragvon horror1966 » 15. Dez 2017 15:34

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28 Soldiers - Die Panzerschlacht
(Dvadtsat vosem panfilovtsev)
mit Maksim Abrosimov, Sergey Agafonov, Pavel Aseev, Ivan Batarev, Maksim Belborodov, Aziz Beyshenaliev, Andrey Bodrenkov, Sergey Danilchuk, Mikhail Dernov
Regie: Kim Druzhinin / Andrey Shalopa
Drehbuch: Andrey Shalopa
Kamera: Nikita Rozhdestvenskiy
Musik: Mikhail Kostylev
FSK 16
Russland / 2016

Russland, 16. November 1941: Die deutsche Wehrmacht rückt auf Moskau vor - die schiere Wucht ihrer gepanzerten Armee scheint unaufhaltsam. Doch in der klirrenden Kälte des osteuropäischen Winters liegt die vierte Kompanie der 316. Infanteriedivision unter General Panfilov in der Deckung der mühsam ausgehobenen Schützengräben. An jenem schicksalhaften Tag wird eine der herausragendsten Heldentaten des zweiten Weltkriegs zur unsterblichen Legende: Nur ungenügend ausgerüstet und ganz auf sich allein gestellt, werfen sich 28 mutige Männer der feindlichen Übermacht entgegen, um eine ganze deutsche Panzerdivision zu zerstören. Inmitten des infernalischen Kugelhagels kämpfen sie für ihre Heimat, doch ihre Chancen, diesen Hexenkessel zu überleben, sind mehr als gering ...


In der Regel sind es immer wieder die amerikanischen Kriegsfilme, die nur zu gern mal die geschichtlichen Ereignisse abändern und gleichzeitig die eigenen Protagonisten in eine Art Heldenstatus zu erheben. Das die Amis allerdings kein Monopol darauf haben, stellt der russische Beitrag "28 Soldiers - Die Panzerschlacht" nur allzu stark unter Beweis. Die Regisseure Kim Druzhinin und Andrey Shalopa erzählen hier nämlich eine Geschichte, die im Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit nun wirklich zwischen Gut und Böse angesiedelt ist. Es handelt sich um den typischen Stoff aus dem Helden geboren werden und die Geschichte macht aus diesem Umstand auch erst gar keinen Hehl. Dabei wurde jedoch definitiv zu dick aufgetragen, denn das gerade einmal 28 russische Soldaten dazu in der Lage sind eine ganze deutsche Panzerdivision an ihrem Vormarsch auf Moskau zu hindern erscheint nicht unbedingt sehr glaubhaft. Nichtsdestotrotz ist diese Produktion gelungen, die Optik und der Schauplatz des Ganzen lassen einen authentischen Eindruck entstehen, der sich aber wie erwähnt nicht unbedingt auf die Geschichte an sich überträgt.

Bis die Erzählung in Wallung kommt vergeht erst einmal etwas Zeit, denn die Einführung in das Kriegstreiben beschäftigt sich mit den Vorbereitungen der wenigen russischen Soldaten, der deutschen Übermacht zumindest ansatzweise einen harten Kampf zu liefern. In etlichen Dialogen wird dabei fast selbstverständlich einmal mehr das übliche Feindbild des bösen Deutschen aufgebaut, denn diese Zutat findet man in jedem einzelnen Kriegsfilm, der sich mit dem Geschehen auf dem europäischen Kontinent beschäftigt. Im Mittelteil der Story geht es dann ordentlich zur Sache und so langsam macht sich dann auch der enthaltene Patriotismus immer stärker bemerkbar. So ist man zwar den Deutschen zahlenmäßig total unterlegen und hat auch im Bezug auf die Waffen so gut wie gar nichts entgegen zu setzen, aber anscheinend reicht der Hass auf den Feind und die unabdingbare Liebe zum eigenen Vaterland vollkommen aus, um mit zunehmender Laufzeit wahre Heldentaten zu vollbringen. Dadurch wird fast schon zwangsläufig eine Art von Unfähigkeit auf die deutsche Übermacht gelegt, die trotz ihrer Truppenstärke und unzähligen Panzern nicht dazu in der Lage ist, eine handvoll Soldaten des Gegners zu überrennen. Wie dem aber auch sei, auch wenn sich die Chose nicht sehr glaubhaft präsentiert, sind die Abläufe gut und gekonnt in Szene gesetzt worden.

"28 Soldiers - Die Panzerschlacht" ist ein echtes Helden Epos wie es die Amis nicht besser hätten in Szene setzen können. Der enthaltene Pathos ist regelrecht gewaltig, so das Freunde eines eher realistischen Szenarios weniger auf ihre Kosten kommen. So sollte man die eigene Erwartungshaltung dann auch viel eher in die Richtung eines gut inszenierten Spektakels ausrichten, denn das wird in vorliegendem Fall definitiv geboten. Bis auf die etwas zu lang geratene Einführung knallt es nämlich an allen Ecken und Enden und das Kriegsgeschehen wurde dabei auch imposant ins Bild gesetzt. Auch die Darsteller liefern gute Leistungen ab, wobei sich jedoch niemand sonderlich in den Vordergrund spielen kann. Der gesamte Fokus ist vielmehr ausschließlich darauf ausgerichtet, das eine kleine Gruppe regelrecht über sich hinaus wachsen kann und echte Heldentaten vollbringt.

Das mag nicht jedem schmecken, aber schließlich ist man diesen Aspekt doch aus unzähligen anderen Beiträgen gewohnt, so das es nicht wirklich überraschen ist. Dennoch wären etwas weniger Pathos und übertriebener Patriotismus durchaus angebracht gewesen, denn rein inhaltlich wurde größtenteils doch viel zu dick aufgetragen. Hätte sich die deutsche Wehrmacht in Wirklichkeit so verhalten wie hier gezeigt, dann wäre der zweite Weltkrieg bestimmt äußerst schnell beendet gewesen. Man hätte dann nämlich in relativ kurzer Zeit keine Soldaten und Waffen mehr gehabt um in unzählige Schlachten zu ziehen, da die Kriegsführung unserer Soldaten und Kommandeure augenscheinlich von dilettantischer Natur war. Das ändert aber alles nichts am reinen Unterhaltungswert dieser Produktion, die man lediglich von Beginn an nicht unbedingt nach der Authentizität des Gesehenen beurteilen sollte.


Fazit:


"28 Soldiers - Die Panzerschlacht" kommt wahrlich nicht besonders realistisch daher und trieft nahezu vor echtem Helden-Pathos. Trotzdem lässt sich der Film sehr gut anschauen und bietet bis auf die etwas zu lange Einführung ein sehenswertes Kampfgeschehen. Für kurzweilige Unterhaltung ist also gesorgt, die Glaubwürdigkeit der Abläufe darf man aber getrost ernsthaft in Frage stellen.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Dez 2017 15:04

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Hounds of Love
(Hounds of Love)
mit Emma Booth, Ashleigh Cummings, Stephen Curry, Susie Porter, Damian de Montemas, Harrison Gilbertson, Fletcher Humphrys, Steve Turner, Holly Jones
Regie: Ben Young
Drehbuch: Ben Young
Kamera: Michael McDermott
Musik: Dan Luscombe
FSK 16
Australien / 2016

Perth, Australien. Während der 80er Jahre ist die Idylle der Vorstadt ungetrübt, selbst als mehrere junge Frauen spurlos verschwinden. Die 17-jährige Vicki (Ashleigh Cummings) ist das nächste Objekt der Begierde, das vom Serienkiller-Paar John (Stephen Curry) und Evelyn (Emma Booth) White entführt wird. Je länger Vicki gefangen ist, desto mehr erkennt sie die Beziehungsstruktur ihrer Peiniger und ihre einzige Chance: Sie muss beide gegeneinander ausspielen. In der ausweglosen Enge des Hauses an Ketten gefesselt und den Misshandlungen ihrer Entführer gnadenlos ausgeliefert, setzt sie alles daran, zu entkommen. Ein mörderisches Unterfangen beginnt, denn die Killer planen bereits ihren nächsten Beutezug ...


Spätestens seit der Neuauflage von "I Spit on Your Grave" erfreut sich der Exploitationsfilm einer Art Wiederauferstehung und hat auch etliche weitere Beiträge nach sich gezogen. Mit "Hounds of Love" kommt nun ein Vertreter daher, der die dazu gehörigen Zutaten mit denen eines Kidnapping-Thrillers vermischt und so eine höchst explosive Kombination an den Tag legt. Dabei verzichtet Regisseur Ben Young bei seinem Langfilmdebüt fast völlig auf die ansonsten üblichen visuellen Gewaltexzesse und bedient sich vielmehr des altbewährten Stilmittels vager Andeutungen, was beim Zuschauer ganz automatisch das gute alte Kopfkino auslöst. Dieser Schachzug stellt sich im nachhinein als schlichtweg genial heraus, entpuppt sich die Erzählung doch als ein wahnsinnig intensives Filmerlebnis das einem auch nach Beendigung der Sichtung noch schwer zu schaffen macht. Das alles wurde mit relativ spärlichen Mitteln bewerkstelligt, so stechen gute Darsteller und eine äußerst dichte Atmosphäre ganz eindeutig heraus aus dieser australischen Independent Produktion. Zudem konzentriert sich Young auf seine drei Hauptfiguren, indem er einerseits ohne große Worte immer wieder die scheinbar hoffnungslose Situation des Opfers und andererseits die krankhafte Beziehung des Täter-Päärchens in den Vordergrund rückt.

Letztere weckt ganz besonders die Aufmerksamkeit des Betrachters, denn während sich mit John das Paradebeispiel eines psychopathischen Alpha-Männchens präsentiert, ist seine Partnerin Evelyn ganz augenscheinlich der unterwürfige Typ. Mit zunehmender Laufzeit kristallisiert sich dieser Aspekt immer stärker heraus, was auch dem jungen Opfer Vicky nicht verborgen bleibt. Es entfaltet sich ein perfides Katz und Maus Spiel auf psychischer Ebene und die gute Evelyn scheint offenbar nur allzu aufnahmefähig für Manipulationen jeglicher Art zu sein. Immer wieder scheint die Ausgangssituation des Geschehens zu kippen, um dann aber zunächst doch wieder in die gewohnten Bahnen gelenkt zu werden. Das sorgt phasenweise wirklich für Hochspannung und versetzt den Zuschauer ständig in ein wahres Wechselbad der Gefühle. Ohne das hier vor allem im Gegensatz zu etlichen anderen Vertretern wirklich viel passiert, entfaltet das Szenario eine ungeheure Wucht und Intensität, die sich fast schon zwangsweise auf einen selbst überträgt. Um das auch ebenso wahr zu nehmen muss man sich voll und ganz auf das Gesehene einlassen und vor allem nicht mit den Erwartungen an explizite Gewaltdarstellungen an den Film herangehen. In dieser Beziehung tendiert die Geschichte nämlich fast gegen null, so das die Liebhaber der visuell harten Gangart definitiv nicht auf ihre Kosten kommen dürften. Aber gerade das Fehlen bildgewaltiger Härte ist in meinen Augen die große Stärke dieser Produktion, die lediglich durch die Andeutung etlicher Handlungen eine Gewaltspirale im Kopf des Betrachters in Gang setzt, die sich mit zunehmender Laufzeit immer weiter steigert.

Das wird durch die körperliche und seelische Verfassung der jungen Vicky zusätzlich unterstützt, denn der Verfall des Mädchens wird mit zunehmender Dauer ihrer Gefangenschaft immer mehr sichtbar. Während der körperliche Verfall durch die angedeuteten Misshandlungen von John ins Bild gesetzt wurde, ergeben sich die seelischen Qualen in der Hauptsache durch die Dialoge der Täter, die Vicky allesamt mitbekommt. In den Wortwechseln wird unmissverständlich der Mord an ihr thematisiert und man kann sich nur ansatzweise vorstellen, welche Qualen das in dem Mädchen hervor rufen muss. Young bezieht den Betrachter so automatisch mit in seine Geschichte ein und setzt dessen Fantasie ganz gehörig in Gang. Das sorgt dann auch schon mal für den ein oder anderen kalten Schauer, der einem ohne das man es will den Rücken herunter läuft. Und obwohl das Killer-Päärchen hier scheinbar eiskalt zur Sache geht kann man zumindest für Evelyn ansatzweise Sympathie empfinden. Im Verlauf des Geschehens kristallisiert sich nämlich immer mehr der Aspekt heraus, das es sich bei ihr im Grunde genommen um eine unglückliche junge Frau handelt, die den ständigen Manipulationen ihres psychopathischen Partners erlegen ist. Das löst besonders im letzten Drittel des Filmes einen immer ausgeprägteren Zwiespalt in ihr hervor, der am Ende dann auch für eine nicht unbedingt vorhersehbare Wendung sorgt die manch einen überraschen könnte.

Letztendlich ist "Hounds of Love" ein in sich extrem stimmiger Regieerstling, in dem Ben Young ein feines Gespür für das Wesentliche unter Beweis stellt. Mit eher minimalen Mitteln erzeugt der gute Mann die maximale Wirkung und serviert dabei ein Szenario, in dem der zunächst eher subtil aufkommende Horror der Ausgangssituation immer greifbarer wird. Man kann sich der teils grausamen Faszination der Erzählung beim besten Willen nicht entziehen und taucht immer tiefer ein in einen Strudel aus seelischer und körperlicher Gewalt, von der insbesondere John ganz offensichtlich stimuliert wird. "Hounds of Love" sollte man sich keinesfalls mal so nebenbei anschauen, denn nur bei voller Aufmerksamkeit kann diese Produktion ihre gesamte Wucht entfalten, die einen dann auch förmlich anspringt. Dieses höchst intensive Filmerlebnis sollte man sich auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen, handelt es sich doch um ein echtes Paradebeispiel dafür, das auch ohne visuelle Härte ein Höchstmaß an Intensität erzielt werden kann.


Fazit:


"Hounds of Love" ist ein echtes Brett von einem Film, das einen äußerst nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Man braucht eine geraume Zeit um das Gesehene sacken zu lassen und müsste danach eigentlich zu der Erkenntnis gelangen, das man soeben eine echte Perle des Genres gesehen hat. Von mir gibt es jedenfalls eine ganz dicke Empfehlung, denn dieses Werk sollte definitiv die Beachtung erlangen, die es aufgrund der enthaltenen Qualität auch verdient hat.


9/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 25. Dez 2017 15:06

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Super Dark Times
(Super Dark Times)
mit Owen Campbell, Charlie Tahan, Elizabeth Cappuccino, Max Talisman, Sawyer Barth, Amy Hargreaves, Adea Lennox, Ethan Botwick, Philip H. Ashley
Regie: Kevin Phillips
Drehbuch: Ben Collins / Luke Piotrowski
Kamera: Eli Born
Musik: Ben Frost
FSK 16
USA / 2017

Beste Freunde kann niemand trennen. Wo immer Zach (Owen Campbell) auftaucht, da ist auch Josh (Charlie Tahan) nicht weit. Sie gehen auf die gleiche Schule und verbringen ihre Nachmittage zusammen in einem etikettenhaft sauberen Vorort. Langeweile pur. Und beide haben noch etwas gemeinsam: Die Faszination für die süße Allison (Elizabeth Cappuccino), der sie irgendwie näherzukommen versuchen.Als sie statt ihrer heimlichen Liebe aufzulauern mit Daryl (Max Talisman) und Charlie (Sawyer Barth) rumhängen, passiert zunächst mal wieder nichts Aufregendes. Doch dann ändert sich für die vier alles, als sie im Zimmer von Joshs Bruder ein Samuraischwert finden. Es kommt zu einem tragischen Unfall und für die Teenager brechen super finstere Zeiten an...


Es ist doch immer wieder erstaunlich welch einprägsame Erstlingswerke so mancher Regiedebütant auf die Beine stellt und das wird mit dem vorliegenden Beitrag "Super Dark Times" von Kevin Phillips eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es handelt sich um einen äußerst sehenswerten Coming-of-Age Film der den Zuschauer auf eine Zeitreise in die 90er Jahre entführt und dabei die Probleme der jugendlichen Pubertät behandelt. Das diese durch einen tragischen Unfall zum Ausdruck kommen verleiht dem Geschehen ein Höchstmaß an Intensität, das sich trotz der sehr ruhigen Erzählweise voll entfalten kann. Phillips beginnt seine Geschichte mit einer Eröffnungseinstellung in die man eine ganze Menge hinein deuten kann und schafft damit gleichzeitig einen äußerst wuchtigen Einstieg. Ebenso soll sich später dann auch das Finale gestalten, wohingegen der komplette Rest der Erzählung sich eher beschaulich gestaltet. Das soll an dieser Stelle aber keinesfalls als negative Kritik gelten, denn Phillips sorgt mit der Zeichnung seiner Figuren dafür, das man sich als Zuschauer des Öfteren mit seiner eigenen Jugend und den damit verbundenen Problemen konfrontiert sieht. Die jugendlichen und unverbrauchten Darsteller sind eine der ganz großen Stärken von "Super Dark Times" und agieren größtenteils auf einem sehr hohen schauspielerischen Level. Dabei kommen sämtliche Charaktere unglaublich authentisch rüber und lassen dem Szenario so auch ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit angedeihen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Freunde Zach und Josh die das typische Leben junger Teenager in einer amerikanischen Kleinstadt fristen. Das alles gestaltet sich zunächst vollkommen handelsüblich, so treten typische Flausen im Kopf und eine gewisse Experimentierfreudigkeit immer wieder in den Vordergrund. Genau diese Dinge sollen dann aber auch das Leben der beiden von einer auf die andere Sekunde völlig verändern als aus jugendlichem Übermut auf einmal tödlicher Ernst wird. Schlagartig ist es vorbei mit der unbelasteten Jugend und auch die Freundschaft der beiden Jungs wird auf eine extrem harte Probe gestellt. Von nun an ist nichts mehr so wie es war und die Geschichte lässt stellenweise eine fast schon bedrückende Grundstimmung erkennen, die insbesondere durch Hauptdarsteller Owen Campbell (Zach) absolut herausragend ins Bild gesetzt wird. Obwohl eigentlich Josh der Auslöser für die Veränderungen ist, legt Kevin Phillips sein Hauptaugenmerk bei den Figurenzeichnungen auf den jungen Zach und skizziert anhand seiner Person die düsteren Zeiten eines Jugendlichen, der durch einen unglücklichen Umstand in Rekordzeit eine rasante Entwicklung durchmachen muss. Nun werden einem zwar sämtliche Personen sehr gut näher gebracht, aber die Figur von Zach ist doch alles in allem extrem omnipräsent und hervorstechend.

Trotz oder gerade wegen der tragischen Note des Ganzen lässt Phillips sich immer wieder Raum für emotionale Momente, so werden beispielsweise zarte Annäherungsversuche von Zach und der hübschen Allison bebildert, wobei die Ereignisse aber zu keiner Zeit den Anstrich einer kitschigen Teenager-Liebe erkennen lassen. Dagegen stehen die zusehends düsteren Passagen, in denen man mit wuchtigen Albträumen des Jungen konfrontiert wird, die streckenweise schon morbide Züge erkennen lassen. Im Gegensatz dazu scheint sich der eher schüchterne Josh in eine ganz andere Richtung zu entwickeln, was sich dann letztendlich auch im fulminanten Showdown der Geschichte bemerkbar machen soll. Ganz generell stehen der Beginn sowie auch das Ende des Filmes im totalen Gegensatz zur ansonsten ruhigen Erzählstruktur, doch genau diese Gegensätze lassen letztendlich meiner Meinung nach ein äußerst stimmiges Gesamtbild erkennen. Phillips bedient sich nämlich der gesamten Gefühlspalette der Pubertät und verpackt diese in einprägsame Bilder, die auch nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben.

Im Endeffekt handelt es sich bei "Super Dark Times" um ein Regiedebüt das man ohne wenn und aber als extrem gelungen ansehen kann. Man muss sich allerdings vollends auf die Erzählung einlassen, denn nur so kann man die Energie und Wucht des Filmes auch so richtig in sich aufnehmen. Wenn einem das gelingt dann begibt man sich zumindest teilweise auf eine Zeitreise in die eigene Jugend und wird dabei mit etlichen Dingen konfrontiert die man vielleicht auch selbst durchlebt hat. Gefühle wie Angst, Unsicherheit, Unbeschwertheit, Aggression und die erste, zart aufkommende Liebe geben sich dabei die Klinke in die Hand. Ein absolut gelungener Coming-of-Age Film der mit grandios auftrumpfenden Jungdarstellern besetzt ist und der durchgehend einen äußerst authentischen Eindruck hinterlässt.


Fazit:


"Super Dark Times" zählt sicher nicht unbedingt zu der Art von Filmen die man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder anschaut, aber gesehen haben sollte man diesen tollen Beitrag auf jeden Fall. Kevin Phillips hat wirklich gute Arbeit geleistet und vor allem das Gespür für die Thematik an sich unter Beweis gestellt. Eindrucksvoller hätte man das Ganze kaum in Szene setzen können, so das der Titel des Filmes hier auch wirklich zum Programm wird.


8/10
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Beitragvon horror1966 » 25. Dez 2017 16:05

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The Safe - Niemand wird verschont
(The Vault)
mit James Franco, Taryn Manning, Francesca Eastwood, Scott Haze, Q'orianka Kilcher, Jeff Gum, Clifton Collins Jr., Keith Loneker, Jill Jane Clements, Michael Milford
Regie: Dan Bush
Drehbuch: Dan Bush / Conal Byrne
Kamera: Andrew Shulkind
Musik: Shaun Drew
keine Jugendfreigabe
USA / 2017

Der Plan, den die beiden Schwestern Leah und Vee ausgeheckt haben, scheint todsicher. Und tatsächlich läuft ihr Einbruch in eine Bank mit einer Bande Spießgesellen zunächst reibungslos. Und bliebe wohl auch eine sichere Sache, wenn ihnen ein Bankangestellter nicht den Mund wässrig machen würde: In den tiefsten Tiefe des Bankkellers soll es noch einen geheimen Safe geben, aus dem es richtig viel Kohle zu bergen gilt. Das Problem ist nur: In dem Tresor befindet sich etwas Anderes als erwartet. Das Sterben beginnt.


Es ist schon des Öfteren vorgekommen, das Kriminelle während oder nach ihrer Tätigkeit in ein wahres Horror-Szenario gestolpert sind und so bietet "The Safe - Niemand wird verschont" eine Mixtur aus Heist-Movie und Horrorfilm, an der sich die Geister sicherlich etwas scheiden werden. Dan Bush lässt seine Erzählung wie einen waschechten Bankraub-Thriller beginnen, um ihm dann im weiteren Verlauf übernatürliche Zutaten einzuverleiben. An sich ist die Grundidee auch wirklich nicht übel, lediglich die Umsetzung lässt an manchen Stellen doch ein wenig zu wünschen übrig. Dabei gelingt es doch relativ schnell das Geschehen mit einer ordentlichen Grundstimmung auszustatten, die jedoch just in dem Moment Einbußen erkennen lässt, als der ominöse Safe im Untergeschoss einer Bank geöffnet wird und das übernatürliche Element Einzug in das Geschehen hält. Sollte sich doch im Normalfall gerade an diesem Punkt die vorherrschende Atmosphäre noch mehr verdichten und sogar bedrohliche Grundzüge erkennen lassen, so lässt sich das im vorliegenden Fall eher nicht erkennen. Zwar beinhaltet das Szenario durchaus einige starke Momente, doch in seiner Gesamtheit fehlt es dem Werk doch an der nötigen Intensität, damit letztendlich ein echter Funke überspringen kann.

Es mag sein das es sich hier lediglich um mein rein subjektives Empfinden handelt, aber "The Safe" krankt meiner persönlichen Meinung daran, das er sich durchgehend nicht für eine echte Richtung entscheiden kann. Dabei beinhaltet die Geschichte durchaus das nötige Potential für einen erstklassigen Genre-Mix, doch die enthaltenen Zutaten lassen zu keiner Zeit erkennen, welchen Weg der Regisseur im Endeffekt einschlagen möchte. Das ist sehr schade, denn gerade die ziemlich gut agierenden Darsteller hätten ein besseres Gesamtbild verdient, was jedoch durch die offensichtliche Unentschlossenheit des Regisseurs kaum möglich ist. Damit wir uns an dieser Stelle nicht falsch verstehen, es handelt sich ohne Weiteres um einen sehenswerten Beitrag, der sich allerdings durch die angesprochenen Defizite sehr viel von seiner eigenen Stärke nimmt. Zudem kann man sich durch die hohe Alterseinstufung etwas in die Irre führen lassen, denn echte Härten lässt die Geschichte eher sehr selten erkennen. Es gibt zwar die ein oder andere etwas blutigere Einstellung, doch nach den heutigen Maßstäben wäre eine FSK 16 Freigabe vollkommen ausreichend gewesen. So wird dann manch einer schon von Beginn an mit einer eventuell übersteigerten Erwartungshaltung an die Story heran gegangen sein, um am Ende eine kleine Enttäuschung zu erleben.

Ein weiteres Manko ist sicherlich die Vorhersehbarkeit der Ereignisse, denn irgendwie fällt es zu keiner Zeit wirklich schwer den nächsten Schritt im Voraus zu erahnen. Auch die zum Ende hin eingebaute Wendung macht da keine Ausnahme und stellt schon gar keinen echten Überraschungsmoment dar. Ich weiß natürlich nicht ob andere das ähnlich sehen, aber "The Safe" strahlt durchgehend nicht die Faszination aus die man sich aufgrund der Inhaltsangabe von diesem Film erwartet hätte. Echte Spannung kommt im Prinzip nie auf und wenn die durch die Bank guten Schauspieler nicht wären, dann würde an so manchen Stellen sogar der Ansatz von gepflegter Langeweile aufkommen. Das hätte Dan Bush mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und Entschlossenheit innerhalb der Story jederzeit vermeiden können, aber stattdessen präsentieren sich zwei unterschiedliche Handlungsideen die ziemlich lieblos zusammen geworfen wurden und so kein richtig stimmiges Gesamtbild ergeben können.

Im Endeffekt wird das wohl jeder anders betrachten, aber für mich ist "The Safe - Niemand wird verschont" ein Paradebeispiel für nicht angerufenes Potential und das beinhaltet die Geschichte auf jeden Fall. Es ist die hapernde Umsetzung die das Sehvergnügen erheblich in Mitleidenschaft zieht, da es dem Regisseur ganz offensichtlich am nötigen Feingefühl mangelt, die jeweiligen Genre-Zutaten zu einem durchgehend gelungenen Mix zusammen zu fügen. Fehlende Überraschungsmomente und eine eklatante Vorhersehbarkeit der Ereignisse tun ihr Übriges, damit sich diese Produktion letztendlich nur im Durchschnittsbereich ansiedeln kann.


Fazit:


"The Safe - Niemand wird verschont" hört sich aufgrund der Inhaltsangabe richtig gut und spannend an, bietet im Endeffekt aber nur ein laues Lüftchen, an dem man nur bedingt seine Freude hat. Es wäre weitaus mehr möglich gewesen, aber bis auf die gute Darsteller-Riege gibt es kaum etwas, das nachhaltig in Erinnerung bleiben würde.


5/10
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