horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Apr 2017 17:33

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Don't Breathe
(Don't Breathe)
mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik, Christian Zagia, Katia Bokor, Sergej Onopko, Olivia Gillies, Dayna Clark
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez / Rodo Sayagues
Kamera: Pedro Luque
Musik: Roque Baños
FSK 16
USA / 2016

Rocky will weg aus der Armut und Perspektivlosigkeit von Detroit. Dafür braucht die junge Frau unbedingt Geld. Das sei ganz leicht zu stehlen von einem blinden Mann, der jede Menge Kohle in seinem Haus gehortet haben soll, erzählt Money ihr und ihrem Freund Alex. Als die drei nachts einbrechen, entpuppt sich der vermeintlich hilflose Mann als brutaler Schlächter. Als er das Licht komplett abdreht, gerät der Raubzug zum Kampf ums nackte Überleben. Jeder Atemzug der jungen Leute kann dem Mann ihre Position verraten.


Bis zum Jahr 2013 war der Name Fede Alvarez in der Filmwelt noch ziemlich unbekannt, denn bis auf diverse Kurzfilme konnte der in Uruguay geborene Regisseur noch nichts vorweisen. Mit seinem Langfilmdebüt "Evil Dead" änderte sich das schlagartig, handelte es sich doch immerhin um das Remake des Sam Raimi Klassikers "Tanz der Teufel" aus dem Jahr 1981. Nach dem recht gelungenen ersten Streich liegt nun mit "Don't Breathe" die nächste Arbeit vor und Alvarez präsentiert dabei eine Geschichte, die ihrem Filmtitel wahrlich alle Ehre macht. Im Grunde genommen handelt es sich um einen teilweise recht harten Thriller, dem jedoch auch etwaige Elemente des Horrorfilms beigemischt wurden und die hier gewählte Mischung kann sich nun wahrlich sehen lassen. Dabei serviert "Don't Breathe" keinesfalls ein bildgewaltiges Spektakel und ist auch nicht mit einem übermäßigen Härtegrad ausgestattet, vielmehr wurde mit verhältnismäßig einfachen Mitteln eine interessante Story auf den Weg gebracht, die in erster Linie mit einer heraus ragenden Atmosphäre ausgestattet ist. Diese stellt auch gleichzeitig das Grundgerüst für das Geschehen, das rein inhaltlich zwar ziemlich einfach gehalten ist, dafür jedoch mit einem absolut erstklassigen Spannungsbogen ausgestattet wurde.

Nun könnte man aufgrund der knappen Inhaltsangabe von einem relativ ungleichen Kampf ausgehen, denn was soll ein blinder Mann schon gegen mehrere jugendliche Einbrecher entgegen setzen können. Mit dieser Einschätzung liegt man allerdings sehr weit daneben, denn was sich hier mit der Zeit für ein brutaler Überlebenskampf entwickeln soll, ist nur ziemlich schwer in Worte zu fassen. Alvarez wartet mit einem extrem guten Spannungsaufbau auf und dreht dabei äußerst gekonnt an den nötigen Stellschrauben, um die ganze Chose fast im Minutentakt immer intensiver werden zu lassen. Dabei zieht er den Zuschauer ganz unweigerlich immer tiefer in das atmosphärische Treiben hinein, denn man kann sich beim besten Willen nicht der grausamen Faszination der Ereignisse entziehen. Nach einer relativ kurzen Einführung in die Abläufe und einer dezenten Beleuchtung der Haupt-Charaktere kommt man dann auch sehr schnell zum Punkt und präsentiert dem Betrachter ein Geschehen, das einem größtenteils wirklich die Luft zum atmen nimmt. Ohne es wirklich zu wollen wird man selbst zu einem Spielball der Ereignisse, denn ganz automatisch entsteht ein hoher Grad der Identifikation mit den Jugendlichen, die in vorliegendem Fall ganz eindeutig von der anfänglichen Rolle als Täter in die bedauernswerte Opferrolle schlüpfen.

Das macht das Ganze besonders interessant, zudem hier auch nicht die üblichen und zumeist völlig unlogischen Verhaltensweisen an den Tag treten. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn Alvarez hat meiner Meinung nach recht sorgsam darauf geachtet, das seine Erzählung in großen Teilen einen äußerst glaubwürdigen Eindruck hinterlässt. Das liegt auch an dem räumlich eingegrenzten Schauplatz, denn fast der komplette Film spielt sich innerhalb des Hauses ab, in dem der blinde Veteran ganz eindeutig im Vorteil ist. Gleichzeitig wird die Figur des Mannes auch beinhart dargestellt, denn wer an dieser Stelle ein verunsichertes und ängstliches Wrack erwartet sieht sich schnell getäuscht. Insbesondere diese Figuren-Skizzierung verleiht der Chose einen ganz speziellen Reiz und ist gleichzeitig die Triebfeder für ein extrem intensives Filmerlebnis, das einem so gut wie überhaupt keine Ruhepausen gönnen will. Die atemlose Hetzjagd durch das Haus nimmt immer dramatischere Züge an und ist dabei auch mit einigen härteren Passagen ausgestattet worden. Nun handelt es sich zwar keinesfalls um ein vor Blut triefendes Spektakel, aber dennoch kann man den enthaltenen Härtegrad als sehr ordentlich bezeichnen. Mr. Alvarez hat genau die richtige Kombination gewählt und mit eher bescheidenen Mitteln ein Höchstmaß an Intensität erzeugt.

"Don't Breathe" macht seinem Titel also alle Ehre und zählt in meinen Augen zu einem der besten Genrevertreter, die man in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen hat. Es ist wirklich schön mit anzusehen, das auch in einer Zeit der manchmal überharten Filme noch Wert auf Dinge wie knisternde Spannung und Atmosphäre gelegt wird und beide Elementen bekommt man hier zur Genüge geboten. Gleichzeitig ist das Werk auch noch mit gut agierenden Darstellern bestückt, die ihren jeweiligen Figuren sehr viel Authentizität und Glaubwürdigkeit verleihen, was gerade bei Filmen dieser Machart längst nicht selbstverständlich ist. Insgesamt gesehen bekommt man also ein extrem stimmiges und ausgewogenes Gesamtpaket geliefert, an dem man als Genre-Liebhaber seine helle Freude haben sollte.


Fazit:


"Don't Breathe" zählt zu den richtig gelungenen Beiträgen und stellt schon jetzt eine der positivsten Überraschungen des Jahres dar. Wer hier nicht auf seine Kosten kommt ist selbst schuld, denn dieser Film beinhaltet sämtliche Zutaten, die einen richtig guten Horrorthriller auszeichnen. Allein das sollte schon genügend Anreiz für eine Sichtung sein, wobei die DVD sicherlich nicht nur einmal im heimischen Player landen dürfte.


9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Apr 2017 17:09

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The Horde
(The Horde)
mit Tiffany Brouwer, Vernon Wells, Matthew Willig, Costas Mandylor, Bill Moseley, Paul Logan, Nestor Serrano, Nils Allen Stewart, Sydney Sweeney, Elisabeth Ferrara, Jonathan Erickson Eisley
Regie: Jared Cohn
Drehbuch: Paul Logan
Kamera: Laura Beth Love
Musik: Michael John Mollo
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Eigentlich will John Crenshaw, ein ehemaliger Elite-Soldat, seine Freundin Selina und deren Studenten nur auf eine Naturfotografie-Expedition begleiten. Doch schnell entwickelt sich der Ausflug ins Grüne zum grauenvollen Horrortrip. Eine Horde von blutdürstigen Mutanten macht erbarmungslose Jagd auf die Truppe und bald ist Crenshaw ihre einzige Hoffnung den Wald lebend zu verlassen.


John Rambo trifft auf Wrong Turn


Das dürfte wohl ganz eindeutig die beste Beschreibung für die vorliegende Geschichte sein, denn einerseits lässt Regisseur Jared Cohn bei den vielen Action-Passagen die 80er und 90er Jahre wieder aufleben, um auf der anderen Seite den typischen Backwood-Slasher mit Rednecks und Mutanten auf die Menschheit los zu lassen. "The Horde" bietet dabei keinesfalls viel Neues, entpuppt sich aber als extrem kurzweiliger Mix aus Action und Horror und dürfte so zumindest bei eingefleischten Genre-Liebhabern ordentlich punkten. Die Story ist nahezu perfekt auf Hauptdarsteller und Ein Mann Kampfmaschine Paul Logan zugeschnitten, der rein zufällig nämlich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Schon rein optisch gesehen nimmt man dem Mann den Ex Navy Seal jederzeit ab und auch die von ihm an den Tag gelegten Kampfkünste unterstreichen diesen Eindruck. Rein inhaltlich bekommt man die handelsübliche Story-Line angeboten und schon die kurze Eröffnungs-Sequenz gibt eine recht eindeutige Richtung vor, in die das Ganze letztendlich abzielen soll. Härte und eine ordentliche Portion Kunstblut sind anscheinend die Triebfeder des Szenarios, doch bis es erst einmal so richtig zur Sache geht, bekommt der Zuschauer zuerst einmal eine etwas zu lang geratene Einführung präsentiert. Nach der kurzen Eröffnung gleitet der Film nämlich erst einmal ins ruhige Fahrwasser ab und offenbart gut 35 Minuten eher belanglose Banalitäten. Es gibt die typisch stereotypen Charakter-Skizzierungen der Hauptfiguren und diverse Klischees, die in einem Werk dieser Art anscheinend nicht fehlen dürfen. Die Zeit hätte man ohne Weiteres etwas kurzweiliger gestalten können, denn mittlerweile können ein liebestolles Teenager-Pärchen und ein ziemlich kitschiger Heiratsantrag keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor locken.

Vergessen wir also ganz einfach die erste halbe Stunde, die bis auf eine recht ansehnliche Kampfeinlage in einer Bar nichts Nennenswertes zu bieten hat und widmen uns der restlichen Laufzeit, in der man dann für die zuvor etwas vergeudeten Minuten ordentlich entschädigt wird. Nun bekommt man nämlich die typische Backwood-Slasher Atmosphäre geboten, die sich mit dem Eintreffen der aus Rednecks und Mutanten bestehenden Horde breit macht. Die Grundstimmung verdichtet sich von einer Minute zur anderen und von der anfänglichen Unbeschwertheit ist weit und breit nichts mehr zu spüren. Cohn dreht auch recht gekonnt an der nun auftretenden Spannungsschraube, denn obwohl die Ereignisse sich im Prinzip recht vorhersehbar gestalten, kann man einen aufkommenden Nervenkitzel keinesfalls verleugnen. Die Ein Mann Armee Paul Logan läuft nun zur absoluten Hochform auf und stellt sich ohne jegliche Furcht dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner, der seine Freundin und die Studenten der Exkursion in seinen Fängen hat. Neben einem sehr ordentlichen Tempo verfügen die Ereignisse von jetzt an auch über einen äußerst ansehnlichen Härtegrad, denn derbere Passagen und reichlich Kunstblut treten von nun an immer öfter in Erscheinung. Innovativ gestaltet sich das Ganze dabei nicht wirklich, doch ganz ehrlich gesagt sollte man das bei einem Film dieser Art auch nicht unbedingt erwarten. Man weiß doch ganz genau das die meisten Backwood-Slasher nach einem bestimmten Muster ablaufen und so hat auch Cohn seine Erzählung aufgezogen.

Das mag sicher nicht jeden Geschmack treffen, denn schließlich hat man solche Szenarien schon unzählige Male zu Gesicht bekommen. Der geneigte Genre-Fan dürfte jedoch sehr wohl auf seine Kosten kommen, zudem trägt die Vereinigung mit dem Actionfilm doch ziemlich stark zu einem hohen Unterhaltungswert bei. "The Horde" ist definitiv kein Film der höheren Ansprüchen echter Cineasten gerecht werden kann, aber dafür ist die Geschichte auch überhaupt nicht ausgelegt worden. Die Zielgruppen der Horror-Freaks und Action-Jünger dürfen sich allerdings über einen wirklich sehenswerten Beitrag freuen, bei dem man lediglich in der Anfangsphase ein paar Minuten zu viel verschenkt hat. Überraschungen oder Aha-Momente gibt es allerdings nicht, denn auch der zum Ende hin eingebaute Plot Twist von Cohn kann Kenner des Genres nicht wirklich überraschen. Das ändert jedoch nichts daran das sich im Endeffekt ein sehr stimmiger Gesamteindruck ergibt, den "The Horde" auf jeden Fall hinterlässt.

Es gibt weitaus schlechter unterhaltende Beiträge als den vorliegenden Film, der gut 84 Minuten lang kurzweilige und stellenweise äußerst blutige Genrekost anbietet. Die üblichen und notwendigen Zutaten wurden mit starken Action-Einlagen kombiniert und ein wie der gute John Rambo auftretenden Hauptdarsteller trägt sein Übriges dazu bei, das man zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen sollte. Das bezieht sich natürlich nur auf die genannten Zielgruppen, denn für Leute mit höheren Ansprüchen dürfte "The Horde" ganz bestimmt nicht geeignet sein.


Fazit:


Cohn und Logan haben hier ordentliche Arbeit abgeliefert und zumindest einen sehenswerten Backwood-Slasher mit starkem Action-Einschlag abgeliefert. Bis auf ein etwas zu belangloses erstes Filmdrittel gibt es nichts zu bemängeln, so das man für Genre-Liebhaber durchaus eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 19. Apr 2017 14:25

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Battlefield: Drone Wars
(Drone Wars)
mit Corin Nemec, Whitney Moore, Nathin Butler, Sean Gunnell, Sonny King, James Aston Lake, Jolene Andersen, Mark Haptonstall, Verona Blue, James Tucker, Jude Lanston
Regie: Jack Perez
Drehbuch: Neil Elman
Kamera: Rafael Leyva
Musik: Chris Ridenhour
FSK 16
USA / 2016

Von dem einen auf den anderen Tag bricht über Los Angeles eine Katastrophe herein. Die Erde wird aus dem Weltraum von brutalen Aliens attackiert, ganze Städte werden dem Erdboden gleichgemacht. Es ist, als wäre es das Ende von allem. Riesige bedrohliche Schiffe schweben über der Erde und ernten sämtliche Ressourcen der Menschen, während über den Städten kleine Drohnen patrouillieren immer bereit, mit ihren Raketen alles zu zerstören, was eine Gefahr darstellen könnte. Nur eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern um den jungen Forscher Elias stellt sich den Aliens entgegen. Wird es ihnen gelingen, die Katastrophe abzuwenden?


Die Inhaltsangabe des Filmes hört sich gar nicht einmal so schlecht an und nährt zumindest die Hoffnung auf eine kurzweilige Geschichte. Das war es dann aber auch schon, denn was Jack Perez dann letztendlich umgesetzt hat kann selbst geringe Erwartungen nur schwer erfüllen. Von Beginn an wird klar das es sich hier um einen kostengünstig produzierten SCI/FI Beitrag handelt, denn allein schon die Optik des Szenarios lässt eine ganze Menge zu wünschen übrig. Auch im Bezug auf Ausstattung und insbesondere im Effekt-Bereich macht sich das offensichtlich geringe Budget bemerkbar, wobei die äußerst schlechten Effekte dem Ganzen zumindest einen sehr trashigen Anstrich verleihen. Inhaltlich bemüht man sich hingegen die Chose möglichst ernst erscheinen zu lassen, wobei die Abläufe durch dieses Ansinnen dann aber eher wie gewollt und nicht gekonnt rüber kommen. Alles wirkt krampfhaft erzwungen und die Darsteller-Riege setzt dem Geschehen mit nicht vorhandenem Talent dann im Endeffekt die Krone auf, denn die schauspielerischen Leistungen sind durchgehend ungelenkt und extrem hölzern.

Zum Inhalt braucht man nicht viel zu sagen, denn die äußerst dünne Rahmenhandlung beinhaltet so gut wie überhaupt keine Substanz. Wenn man nun zumindest einigermaßen sehenswerte Action und ein wenig Spannung geliefert bekäme würde man noch auf seine Kosten kommen, aber auch hier tendiert das Ganze eher an die Grenze des filmischen Bodensatzes. "Battlefield: Drone Wars" enttäuscht auf der ganzen Linie und die Ereignisse bieten auch wirklich nichts, was man auch nur annähernd positiv bewerten könnte. Erfreulich erscheint lediglich die Tatsache, das diese Billigproduktion nur gut 80 Minuten Spielzeit umfasst, wobei selbst diese Zeitspanne schon wie eine Ewigkeit daher kommt, da die Story keinerlei nennenswerte Schauwerte an den Tag legen kann.

So quält man sich dann auch vielmehr durch dieses schlechte Machwerk und fragt sich dabei mehrmals, warum man seine Zeit nicht mit wichtigeren Dingen ausfüllt. Perez hat es in keiner Phase verstanden, auch nur ansatzweise Interesse beim Zuschauer zu wecken, denn dafür gestaltet sich seine Erzählung viel zu platt und belanglos. Jegliche Spannungsansätze werden gleich im Keim erstickt und so etwas wie eine ordentliche Grundstimmung sucht man völlig vergebens. Die sogenannten Effekte spotten dann jeder Beschreibung und verdienen die Bezeichnung noch nicht einmal, so das man im Endeffekt richtig glücklich ist, wenn dieser Murks nach gut 80 Minuten endlich vorbei ist. Am Ende gelangt man dann auch nur zu der Erkenntnis, das man in letzter Zeit wohl eher selten eine solch uninspirierte Geschichte verfolgt hat in der eigentlich gar nichts zusammen passt.

Schlussendlich hätte man sich die Produktion dieses üblen Filmes auch durchaus sparen können, denn "Battlefield: Drone Wars" vermittelt noch nicht einmal einen gewissen Unterhaltungswert, sondern fällt einzig und allein durch die vorherrschende Langeweile auf, die sich von der ersten bis zur letzten Minute wie ein ermüdender Schleier über den Betrachter legt. Von einer Empfehlung ist man also meilenweit entfernt und selbst Allesgucker dürften ihre Schwierigkeiten haben, diesem filmischen Schund etwas Positives abzugewinnen.


Fazit:


Am besten macht man einen großen Bogen um dieses billige Filmchen, denn ansonsten ärgert man sich am Ende nur über die verschenkte Lebenszeit.


2/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 20. Apr 2017 16:14

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Die Toten Augen des Dr. Dracula
(Operazione paura)
mit Giacomo Rossi Stuart, Erika Blanc, Fabienne Dali, Piero Lulli, Luciano Catenacci, Micaela Esdra, Franca Dominici, Giuseppe Addobbati, Mirella Pamphili, Giovanna Galletti
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Romano Migliorini / Roberto Natale / Mario Bava
Kamera: Antonio Rinaldi / Mario Bava
Musik: Carlo Rustichelli
FSK 16
Italien / 1966

Nach dem angeblichen Selbstmord eines Dienstmädchens besucht Inspektor Kroger Schloss Graps, in dem das Mädchen angestellt war. Zusammen mit dem Arzt Paul Eswai stellt Kroger fest, dass es bereits elf weitere ähnlich verstorbene Opfer gibt und die Dorfbewohner davon überzeugt sind, der Geist eines jungen Mädchens sei für die Morde verantwortlich. Als Dr. Eswai auch noch die Leiche von Kroger findet, liegt die Vermutung nahe, dass alle sterben müssen, die jemals das Schloss besucht haben.


Nur wenigen Regisseuren ist es vergönnt, gleich in mehreren Genres echte filmische Meisterwerke hinterlassen zu haben. Die italienische Regie-Legende Mario Bava ist sicher dazu zu zählen, denn Werke wie beispielsweise "Wild Dogs", "Im Blutrausch des Satans" oder auch "Blutige Seide" dürften in ihren jeweiligen Sparten einen prägenden Eindruck hinterlassen haben. Dabei handelt es sich lediglich um eine kleinere Auswahl exzellenter Beiträge, zu denen sich mit "Die Toten Augen des Dr. Dracula" ein weiterer dazu gesellt. Hierbei handelt es sich um einen Vertreter des Gothic-Horrors, dem nun dank Koch Media in der Mario Bava Collection seine deutsche Blu-ray Premiere spendiert wurde. Zu meiner eigenen Schande muss ich eingestehen das mir dieser meisterhaft inszenierte Film bisher völlig unbekannt war, mir aber dadurch bei der nun erfolgten Erstsichtung ein richtiges "Wow-Erlebnis" beschert hat. Von Beginn an eröffnet sich hier eine äußerst gut erzählte Geschichte, in der sämtliche Zutaten für einen wunderbaren Gothic-Horrorfilm vorhanden sind. Das allein ist längst noch nicht ausreichend für einen heraus ragenden Beitrag des Genres, aber durch die überragende Arbeit eines Mario Bava präsentiert sich ein absolut perfekter Vertreter seiner Art, in dem sämtliche Elemente brillant miteinander vereint wurden, so das sich im Endeffekt ein nahezu grandioses Gesamtpaket offenbart.

Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen ein altes Schloss und ein unheimlicher Fluch, dem anscheinend schon viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Eingebettet in eine erstklassige Grusel-Atmosphäre offenbaren sich dabei ein äußerst gut aufgebauter Spannungsbogen und sehr gut aufspielende Darsteller, die dem Ganzen ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Einmal mehr kommen in diesem Beitrag Bava's absolute Stärken zum Vorschein, so wird der Zuschauer neben dem kräftigen Farbenspiel auch wieder mit einer wundervollen Kameraarbeit konfrontiert, die ganz nebenbei auch so manch ungewohnte Einstellung zu bieten hat. Diverse surreale Momente runden das Ganze sehr harmonisch ab und verleihen der Szenerie gerade zum Ende hin noch einmal eine ganz besondere Würze. So wird man insbesondere in den letzten Minuten der Erzählung in einen geradezu hypnotisch anmutenden Strudel der Ereignisse hinein gerissen und es dürfte so gut wie unmöglich sein, sich der Faszination und Bildgewalt dieses Filmes zu erwehren. Mario Bava's ausgeprägte Liebe zum Detail kommt auch in diesem Werk einmal mehr eindrucksvoll zur Geltung und sorgt für einen insgesamt extrem stimmigen Gesamteindruck, der auch durch die hervorragende musikalische Untermalung von Carlo Rustichelli noch zusätzlich hervor gehoben wird. Der Score ist dabei sehr markant und schwillt in den entsprechenden Passagen nahezu bedrohlich an, so das hier für ein absolut perfektes Ambiente gesorgt ist. "Die Toten Augen des Dr. Dracula" ist in meinen Augen nicht nur ein überragender Film sondern ein echtes Erlebnis, das auch nach mittlerweile über 50 Jahren seine Wirkung auf den Betrachter keinesfalls verfehlt und in der Gesamtbetrachtung zum Besten gehören dürfte, was je im Bereich des Gothic-Horrors erschienen ist.

Besonders erwähnenswert ist dabei auch das Schauspiel der Akteure, denen man die Spielfreude in jeder einzelnen Einstellung anmerken kann. Auch der für einen Beitrag dieser Zeit fast handelsübliche Anstrich leichter Theatralik ist unverkennbar, aber was in vielen anderen Vertretern manchmal eher etwas störend erscheint, ist in vorliegendem Fall als eine große Stärke auszumachen. Und so gibt es dann meiner Meinung nach auch wirklich nichts, was man auch nur annähernd kritisieren könnte, so das "Die Toten Augen des Dr. Dracula" zu den absolut besten Filmen zählen dürfte, die je von der italienischen Regie-Ikone auf den Weg gebracht wurden. Sämtliche Zutaten sind perfekt aufeinander abgestimmt und ergeben letztendlich ein visuelles Meisterwerk, an dem man sich regelrecht ergötzen kann. Und das dürfte auch längst nicht nur für Liebhaber des italienischen Horrorfilms zutreffen, denn diese Geschichte dürfte ganz generell jedem Liebhaber des Gothic-Horrors das Herz höher schlagen lassen.

"Die Toten Augen des Dr. Dracula" ist ein prägnantes Beispiel dafür, das Horror sich nicht immer nur über visuelle Härte und brutale Gewaltexzesse zu erkennen gibt. Insbesondere in der heutigen Zeit der immer blutigeren Horrorfilme ist es immer wieder schön, wenn man auf solch fantastische Klassiker zurückgreifen kann, die auch im Laufe von Jahrzehnten rein gar nichts von ihrem Reiz und einer unglaublichen Faszination eingebüßt haben. Auch die Nummer 3 der von Koch Media ins Leben gerufenen Mario Bava Collection ist ein absoluter Leckerbissen, was sich nicht nur auf den Film, sondern auch auf die Veröffentlichung im Allgemeinen bezieht. Ein wundervoller Klassiker erstrahlt in neuem Glanz und ist wirklich jeden Cent wert, den man als Fan in die tolle Veröffentlichung investiert. Dieser Film sollte definitiv in keiner gut sortierten Sammlung fehlen und für Freunde des italienischen Horrorfilms dürfte es sich sowieso um einen Pflichtkauf handeln, den man auf keinen Fall bereuen wird.


Fazit:


"Die Toten Augen des Dr. Dracula" ist nicht nur einer der besten Filme seiner Art, er nimmt auch in der Filmografie von Mario Bava einen ganz besonderen Stellenwert ein. Mit solchen Werken setzt man sich selbt ein kleines Denkmal und bleibt seinen Fans für immer nachhaltig im Gedächtnis.


10/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 24. Apr 2017 12:05

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Die dunkle Gräfin
(Lady of Csejte)
mit Svetlana Khodchenkova, Isabelle Allen, Ada Condeescu, Lia Sinchevici, Claudiu Trandafir, Valentin Teodosiu, Pavel Derevyanko, Lucas Bond, Alexandra Poiana, Sandu Mihai Gruia
Regie: Andrei Konst
Drehbuch: Matthew Jacobs
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Nathaniel Levisay
FSK 12
USA / 2015

Transsylvanien im frühen 17. Jahrhundert. Zwei junge Waisen, Bruder und Schwester, verdienen sich auf den Märkten der Städte das karge tägliche Brot. Eines Tages werden sie wegen Diebstahls vor Gericht gebracht. Doch in letzter Sekunde werden sie von der mächtigen Gräfin Bathory gerettet. Sie ist bereit, den Geschwistern Obdach zu gewähren und sie in ihren Dienst zu nehmen. Doch diese Hoffnung trügt. Denn schon seit langem verschwinden immer wieder Kinder in der Gegend spurlos. Man hat die schöne Gräfin in Verdacht und bald entdecken die beiden Kinder die schaurige Wahrheit hinter den dunklen Schlossmauern. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.


Schon des Öfteren gab es Verfilmungen über die sogenannte Blutgräfin Barthory, die unzähligen Kindern das Leben genommen haben soll. Nun ergibt sich so im Prinzip der perfekte Stoff für einen mittelalterlichen Serienmörder-Film, aber die vorliegende filmische Adaption von Andrei Konst offenbart sich dann doch viel eher wie ein laues Lüftchen. Zwar deklariert sich das Erstlingswerk selbst als Horrorfilm, wobei es dem Zuschauer jedoch äußerst schwer fallen dürfte, die entsprechenden Elemente des Genres auch wirklich zu erkennen. Sicher, von der Thematik her tendiert das Werk sehr wohl in diese Richtung, allerdings bleibt das Szenario doch eine ganze Menge schuldig, denn bis auf diverse Andeutungen bekommt man herzlich wenig geboten. Bei einer Freigabe ab 12 Jahren dürfte dies nicht sonderlich überraschen, aber zumindest hätte man das Ganze doch zumindest so gestalten können, das ein subtiler Horror-Anstrich die Ereignisse begleitet. Davon ist man aber leider recht weit entfernt, denn Konst scheint es am nötigen Talent zu mangeln, um seine Erzählung mit den wesentlichen Bestandteilen eines Horrorfilms auszustatten.

So eröffnet sich dann auch eine teilweise ziemlich zähflüssige Geschichte, in der man Spannung und eine entsprechende Atmosphäre fast völlig vermisst. Es fällt ehrlich gesagt schon relativ schwer durchgehend am Ball zu bleiben, denn "Die dunkle Gräfin" beinhaltet keinerlei nennenswerte Schauwerte und echte Höhepunkte gibt es schon mal gar nicht. Stattdessen wird man mit unzähligen und eher belanglosen Dialogen konfrontiert, so das sich der Unterhaltungswert des Ganzen doch in einem extrem überschaubaren Rahmen bewegt. Zudem ist der Film mit einer Lauflänge von 100 Minuten zu lang geraten, denn schon in der ersten Filmhälfte machen sich beim Betrachter dezente Ermüdungserscheinungen breit. Es passiert einfach nichts und die Abläufe gestalten sich auch viel zu belanglos, als das zu irgendeiner Zeit ein echter Funke überspringen würde.

Die Story um das im Mittelpunkt stehende Geschwister-Paar enthält etliche Längen und auch das Schauspiel der Akteure trägt nicht unbedingt dazu bei, den relativ bescheidenen Gesamteindruck aufzuwerten. Konst hat es ganz einfach nicht verstanden, das Ganze zumindest mit einer ordentlichen Grundstimmung auszustatten und so lässt man dieses äußerst langweilige Filmchen viel eher über sich ergehen, als das sich wirkliches Interesse bemerkbar machen würde. Das hätte man sicherlich vermeiden können, aber die Umsetzung des Stoffes wirkt lieblos und ohne jegliche Inspiration. Nach über einer Stunde Laufzeit wird man aber wenigstens ein bisschen aus seinem Dämmerzustand heraus gerissen und die Ereignisse gestalten sich etwas unterhaltsamer, wobei es aber auch nicht sonderlich schwierig ist, die völlig misslungene erste Stunde zu toppen. Eine geringe Temposteigerung in der Erzählweise ist dann aber auch schon das einzige Highlight und es ist als ziemlich traurig anzusehen, das man dieses Ereignis überhaupt so betiteln muss.

Insgesamt gesehen ist "Die dunkle Gräfin" ein eher überflüssiger Film, den man sich auch gut und gern hätte verkneifen können. Wenn man schon an den vorliegenden Stoff heran geht, dann sollte man ihn zumindest interessant und spannend in Szene setzen. Der Versuch von Andrei Konst kann aber als äußerst misslungen angesehen werden, denn die vorliegende Story ist eher ermüdend, als das sie Kurzweil oder Unterhaltung verbreiten würde. Es mangelt an jeglichem Pepp und gähnende Langeweile ist so ziemlich das Einzige, was in diesem drögen Werk fast durchgehend an den Tag tritt.


Fazit:


Eine echte Empfehlung kann man beim besten Willen nicht aussprechen aber bestimmt gibt es einige Leute, die auch dieser filmischen Schlaftablette etwas abgewinnen können. Bei mir ist das leider nicht der Fall, denn "Die dunkle Gräfin" ist eigentlich eine Enttäuschung auf der ganzen Linie.


3/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 2. Mai 2017 14:03

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Streetfighters
(Vigilante)
mit Robert Forster, Fred Williamson, Richard Bright, Rutanya Alda, Don Blakely, Joseph Carberry, Willie Colón, Joe Spinell, Carol Lynley, Woody Strode, Vincent Beck
Regie: William Lustig
Drehbuch: Richard Vetere
Kamera: James Lemmo
Musik: Jay Chattaway
ungeprüft
USA / 1983

Als selbständiger Elektriker hat sich Eddie im New Yorker Stadtteil Queens eine bescheidene Existenz aufgebaut. Er glaubt fest daran, dass Recht und Gesetz in seiner Stadt die Bürger vor Terror und Gewalt schützen. Er glaubt es auch noch an dem Tag, an dem sein kleiner Junge erschossen und seine Frau zum Krüppel geschlagen wird. Als aber der gleichgültige und überlastete Richter mit dem Verteidiger des Bandenchefs einen billigen Geständnishandel abschließt und den Schuldigen laufen lässt, zerbricht sein Traum von "Gerechtigkeit". Zusammen mit den "Street Fighters", einer Bürgerwehr im Untergrund, jagt er die Mörder und zieht sie zur Rechenschaft.


Nach seinen Anfängen im Hardcore-Bereich und dem fast schon legendären "Maniac" aus dem Jahr 1980 legte William Lustig drei Jahre später "Vigilante" vor und schuf damit einen weiteren sehenswerten Beitrag der 80er Jahre, den man sich auch heute noch immer wieder gern anschaut. Es handelt sich dabei um einen gelungenen Actioner mit deutlichen Anleihen des Dramas, in dem aber ganz eindeutig die Elemente des Selbstjustiz-Thrillers im Vordergrund stehen. Man muss kein Genie sein um zu erkennen, das die Geschichte sich relativ stark an der "Death Wish" Reihe orientiert und dennoch unterscheidet sich Lustigs Geschichte in einigen Punkten ganz erheblich von anderen Genre-Kollegen. So sind beispielsweise die vorhandenen Klischees in vorliegendem Fall besonders ausgeprägt und lassen so die Ereignisse ganz bewusst in einem äußerst überspitzten Licht erstrahlen. Es wird größtenteils der Eindruck vermittelt das sowohl die Polizei als auch Anwälte und Richter nicht nur vollkommen die Kontrolle über das Verbrechen verloren haben, sondern ganz augenscheinlich auch mit einer kaum zu erklärenden Gleichgültigkeit auftreten, die man ohne Weiteres als Einladung für jeden Verbrecher auslegen kann. Sicher, Korruption steht natürlich auch hier auf der Tagesordnung, dennoch hat Lustig die Ereignisse mit einem fast schon makaberen Anstrich versehen, das größtenteils ein gutes Stück an Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Stellvertretend dafür steht bestimmt die im Film gezeigte Gerichtsverhandlung, die auch gut und gern in jeder Komödie ihre Berechtigung gehabt hätte.

Das mag nicht jedem gefallen, aber gerade diese extrem zynische Seite an "Vigilante" passt irgendwie ganz hervorragend in das Gesamtbild, ebenso weiß die äußerst klischeehafte Zeichnung der Street-Gangs zu gefallen. Scheinbar völlig emotionslos gehen die Mitglieder ihrem sogenannten Tagwerk nach und schrecken dabei noch nicht einmal davor zurück, auch unschuldige kleine Kinder völlig grundlos zu erschießen. Diese Eiseskälte überzieht dann auch den Zuschauer mit einer echten Gänsehaut, denn obwohl das Ganze wie schon kurz erwähnt vollkommen überzogen dargestellt wird, hinterlassen solche Taten spürbare Spuren. In einem selbst steigt eine unbändige Wut auf und wie nicht anders zu erwarten, schlägt man sich mit seiner Sympathie ganz unwillkürlich auf die Seite der "Streetfighter", die durch die Untätigkeit der Behörden quasi dazu verdammt sind, das Recht und die Gerechtigkeit in die eigenen Hände zu nehmen.

Dieser Aspekt zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch die gesamte Erzählung und ganz egal wie man zu der Thematik der Selbstjustiz stehen mag, vom menschlichen Standpunkt aus gesehen kann man die Handlungen der "Streetfighter" auf jeden Fall nachvollziehen. Man erfährt dabei fast eine Art von Ohnmacht und fühlt sich dabei ebenso hilflos wie der Polizei-Apparat im vorliegenden Szenario und es gibt einen äußerst einprägsamen Satz innerhalb der Geschichte, der dieses auch perfekt zum Ausdruck bringt. „Ein Verbrecher ist normalerweise schneller aus dem Knast wieder raus als sein Opfer aus dem Krankenhaus!“, heißt es da an einer Stelle und mit diesen wenigen Worten wird das Treiben in "Vigilante" absolut perfekt zum Ausdruck gebracht. Verbrecher und Mörder haben praktisch Narrenfreiheit und die Opfer müssen es regelrecht über sich ergehen lassen, das ihre Leben ohne jegliche Konsequenzen für die Täter völlig zerstört werden. Gerechtigkeit hat hier keine Chance und kann lediglich dann zum Vorschein kommen, wenn man das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Diese Botschaft steht ganz klar im Fokus des Geschehens und selbstverständlich ist eine solche Message ein absolut zweischneidiges Schwert. Natürlich darf es nicht so sein das jeder selbst für Gerechtigkeit sorgt, doch wenn die dafür verantwortlichen Stellen dermaßen versagen wie in diesem Szenario, dann kann man zumindest Verständnis für die Rächer der Straße haben.

Ganz augenscheinlich wollte William Lustig mit diesem Film provozieren und das ist ihm auch extrem gut gelungen. Ein Werk wie "Vigilante" dürfte definitiv zu kontroversen Diskussionen anregen, denn trotz unzähliger Klischees und den ansonsten handelsüblichen Zutaten hebt sich diese Erzählung durch ihre provokante Inszenierung ein wenig von ähnlich gelagerten Vertretern ab. An einigen Stellen kann man eventuell sogar zu der Meinung gelangen, das es sich um eine Art Persiflage auf den Selbstjustiz-Thriller handelt, denn die bewusst skurril und überzogen ins Bild gesetzte Gleichgültigkeit der entsprechenden Behörden erscheint zynisch und sarkastisch, hinterlässt aber auch gleichzeitig einen ganz üblen Nachgeschmack beim Betrachter. Letztendlich hinterlässt das Werk dann auch einen sehr zwiespältigen Eindruck und stimmt einen äußerst nachdenklich. Genau das wollte der Regisseur wohl auch erreichen und dieses Unterfangen ist ihm dann auch besonders gut gelungen. "Vigilante" wird sicherlich die Meinungen spalten, ist aber auf jeden Fall ein sehenswerter Beitrag zur Selbstjustiz-Thematik, den man gesehen haben sollte.


Fazit:

"Vigilante" kann bestimmt nicht mit den ersten beiden Teilen der "Death Wish" Reihe mithalten, serviert jedoch nachdenklich stimmende Filmkost, die ganz offensichtlich bewusst überspitzt in Szene gesetzt wurde. Ganz egal wie man über diese Geschichte denkt, an Reiz und grausamer Faszination hat sie in den vergangenen Jahrzehnten nichts eingebüßt, so das eine neuerliche Sichtung immer wieder lohnenswert ist.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 8. Mai 2017 14:21

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Devil's Dolls
(Worry Dolls)
mit Christopher Wiehl, Kym Jackson, Tina Lifford, Samantha Smith, Yohance Myles, Kennedy Brice, Brea Grant, R. Brandon Johnson, Ashlynn Ross, Matty Ferraro, Melissa Nearman
Regie: Padraig Reynolds
Drehbuch: Danny Kolker / Christopher Wiehl
Kamera: Adam Sampson
Musik: Holly Amber Church
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Eine friedliche Kleinstadt wird von einer Reihe willkürlicher, blutiger Morde erschüttert und das obwohl der brutale Serienkiller Bale bereits gefasst wurde. Detective Williams, der die Fälle untersucht, findet Unglaubliches heraus: Die Morde stehen alle im Zusammenhang mit Sorgenpüppchen aus Guatemala, die einst dem Serienmörder Bale gehörten. Als eine der Puppen in die Hände von Detective Williams Tochter gerät, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um den tödlichen Fluch zu brechen.


Fünf Jahre hat es gedauert, bis Padraig Reynolds seinem durchaus gelungenem Langfilm Debüt "Rites of Spring" einen weiteren Film folgen lies und nach Ansicht des vorliegenden "Devil's Dolls" kann man festhalten, das sich das lange Warten auf jeden Fall gelohnt hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und stellt einen gelungenen Genre-Mix dar, in dem sich verschiedene Sub-Genres des Horrorfilms miteinander vereinen und gleichzeitig auch noch Elemente eines Cop-Thrillers enthalten sind. Aufgrund der vielen verschiedenen Zutaten wird der Beitrag die Meinungen wohl ein wenig spalten, denn manch einem könnte es eventuell ein bisschen zu viel sein, das an dieser Stelle Voodoo, Besessenheits-Thematik, Slasher und einige deftige Splatter und Gore Einlagen aufeinander treffen. Mir persönlich hat diese Vielschichtigkeit sehr gut gefallen und Reynolds hält sich auch nicht lange mit belanglosen Nichtigkeiten auf, sondern er präsentiert gleich zu Beginn einen visuell recht heftigen Einstieg in das Szenario, bei dem insbesondere der Gorehound absolut begeistert sein dürfte. Nun sollte man aber aufgrund dessen die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, denn obwohl gleich die erste Härte-Passage einen absoluten Leckerbissen darstellt, bewegt sich die enthaltene Härte danach in einem eher üblichen Rahmen.

Eine regelrechte Schlachtplatte sollte man also nicht zwangsweise erwarten, aber "Devil's Dolls" enthält auch in der Folge noch so manch blutige Einstellung, so das es doch etwas erstaunlich ist, das der Film mit einer normalen 18er Freigabe ungekürzt bei uns erschienen ist. Da sind schon etliche andere Werke für weitaus weniger zerstückelt worden, aber in vorliegendem Fall hat die FSK anscheinend einen guten Tag gehabt. Größtenteils vermag es Reynolds gekonnt ein ordentliches Grusel-Feeling zu erzeugen, denn die Ereignisse sind in eine herrlich dichte Atmosphäre eingebettet. Dafür mangelt es allerdings an einem konstant hohen Spannungsbogen, denn wenn man ein wenig Erfahrung mit den enthaltenen Genres hat, gestalten sich die Abläufe doch etwas zu vorhersehbar. Man muss also nicht unbedingt das Abitur haben um zu erahnen auf was das Ganze hinaus läuft, jedoch ändert das überhaupt nichts an der Tatsache, das hier ein wirklich sehenswerter Film vorliegt, der äußerst positiv überraschen kann.

Lediglich das Finale erscheint dann etwas zu sehr auf Happy End getrimmt und trübt den insgesamt sehr guten Gesamteindruck ein bisschen, denn hier hätte man sich doch ein wenig mehr Innovation gewünscht. Dennoch hinterlässt "Devil's Dolls" in der Summe einen überdurchschnittlich guten Gesamteindruck und bietet richtig gelungene Genrekost, an der man als Fan seine Freude haben sollte. Auch die Darsteller liefern durch die Bank eine ordentliche Leistung ab, so das es in dieser Beziehung keinen Grund zur Beschwerde gibt. Die Überlappung der verschiedenen Genres mag nicht jedem zusagen, aber in meinen Augen hat Padraig Reynolds die einzelnen Versatzstücke ziemlich gekonnt miteinander kombiniert, so das allein schon dieser Aspekt dafür sorgen sollte, das man dieses Werk zumindest einmal sichtet.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, aber für mich zählt "Devil's Dolls" zu den positiven Überraschungen des Horrorfilms, die dieses Jahr bei uns auf DVD und Blu-ray erschienen sind. Dabei ist es weniger die Geschichte an sich die für Innovation sorgt, sondern vielmehr der Einfluss der verschiedenen Sub-Genres, die für Interesse beim Zuschauer sorgen dürften. Mich hat dieser Beitrag jedenfalls bestens unterhalten und aus diesem Grund kann ich auch ohne Weiteres eine Empfehlung an all jene aussprechen, die ihre Freude an einer vielschichtigen Genre-Überlappung haben und zudem auch nicht auf einige derbe Einstellungen verzichten wollen.


Fazit:


Nur allzu oft sind es die eher unscheinbaren Titel die das größte Überraschungspotential beinhalten. Nun liegt an dieser Stelle sicherlich kein filmisches Meisterwerk vor, aber immerhin bekommt man interessante und stellenweise harte Filmkost geliefert, in der sich etliche Schattierungen des Horrorfilms ein äußerst munteres Stelldichein geben.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 22. Mai 2017 13:16

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My Father Die
(My Father Die)
mit Joe Anderson, John Schneider, Kevin Gage, Candace Smith, Sean Brosnan, Gary Stretch, Luke Hawx, William Mark McCullough, Chester Rushing, Frances Reagan James
Regie: Sean Brosnan
Drehbuch: Sean Brosnan
Kamera: Marc Shap
Musik: Ohad Benchetrit / Justin Small
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Asher musste als Kind nicht nur mit ansehen, wie sein geliebter, älterer Bruder zu Tode geprügelt wurde, sondern ist selbst seit diesem Vorfall taub und stumm. Jahre später will er sich nun an dem Mann rächen, der für all dies verantwortlich ist – seinem Vater Ivan. Dieser gibt sich jedoch nicht so einfach geschlagen und ein erbitterter Kampf zwischen Vater und Sohn entbrennt. Ein Kampf, in dem es scheinbar keinen Gewinner geben kann...


Rein inhaltlich handelt es sich bei "My Father Die" im Prinzip um eine stinknormale Rache-Story, wie man sie schon unzählige Male gesehen hat. Jedoch hat Regieneuling Sean Brosnan durch seine Umsetzung der Geschehnisse eine wirklich beeindruckende Independent Produktion auf den Weg gebracht, die dem ein oder anderen nachhaltig im Gedächtnis bleiben dürfte. Ganz nebenbei zeichnet Brosnan auch noch für das Drehbuch verantwortlich und ist zudem auch als Darsteller mit an Bord. Es ist schon beeindruckend was hier auf die Beine gestellt wurde, denn die sehr ungewohnte Mischung aus Action und Drama ist mit einigen poetischen Ansätzen angereichert wurden, so das sich im Endeffekt ein äußerst stimmiges Gesamtbild erkennen lässt, das auch nach Beendigung der Sichtung im Kopf des Zuschauers nachhallt. Im Mittelpunkt steht Asher der als kleiner Junge mit ansehen musste, wie sein älterer Bruder vom eigenen Vater brutal erschlagen wurde. Mit dieser Rückblende beginnt dann auch der Film, wobei während der gesamten Laufzeit immer wieder diverse Rückblicke in Erscheinung treten, die allesamt in schwarz/weiß auf dem Bildschirm erscheinen.

Von der ersten Minute an wird damit auch klar, das die Welt und das Leben von Asher mit Tristesse und Schmerz angefüllt sind. Insbesondere dieser Aspekt wird des Öfteren in den Vordergrund gerückt, wobei das Ganze in eine räudige und extrem dichte Grundstimmung verpackt wurde. Es präsentieren sich tolle und eindrucksvolle Bilder, die gleichzeitig auch ein Höchstmaß an Intensität freisetzen, obwohl das Szenario keinesfalls mit visuellen Gewaltspitzen durchzogen wird. Härtere Passagen werden lediglich im Ansatz gezeigt und das ist auch gut so, da Brosnan so die Fantasie des Betrachters anregt und dementsprechend die Härte auch dessen Vorstellungskraft überlässt. Manchmal ist weniger eben mehr und genau so ein Fall liegt mit "My Father Die" vor, denn die Geschichte an sich löst schon eine ziemlich hohe Gewaltspirale in der Vorstellung aus, ohne das man diese noch zusätzlich mit überspitzten Gewalt-Exzessen anreichern müsste. Hier wurde wirklich alles richtig gemacht, denn auch ohne einen visuellen Härtegrad verfehlt die Geschichte auf keinen Fall ihre Wirkung.

Man kann sich nur ansatzweise den innerlichen Zustand der Hauptfigur Asher vorstellen der seit dem Vorfall in seiner Kindheit nicht mehr spricht. Und genau diese Sprachlosigkeit ist es, die in vorliegendem Fall stellvertretend für eine Art Ohnmacht steht die sich beim Zuschauer einstellt. Diese legt sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern und scheint teilweise dermaßen erdrückend zu sein, das man unter ihr zusammen brechen möchte. Es scheint in dieser Story keinerlei Hoffnung zu geben und die Hauptfigur scheint lediglich ihre Rachegelüste noch am Leben zu sein. Stellvertretend dafür dürfte ein Blick in die Augen von Asher genügen, die größtenteils seltsam leer und ausdruckslos wirken. Manchmal vermeint man aber auch einen äußerst kleinen Hoffnungsschimmer zu erkennen und in wenigen flüchtigen Momenten vermag man sogar ein freudiges Strahlen zu erkennen. Dafür muss man jedoch stark auf die Mimik von Hauptdarsteller Joe Anderson achten, der übrigens eine bemerkenswerte Performance an den Tag legt. Das kann man allerdings auch auf die gesamte Darsteller-Riege beziehen, denn in dieser Beziehung bekommt man richtig gute Leistungen aller Akteure geboten. Am Ende kommt es dann zum unweigerlichen Showdown zwischen Vater und Sohn und die Geschichte beinhaltet dann noch einmal eine ordentliche Portion Tragik, wie man es nicht anders vermuten konnte. Gleichzeitig ist aber auch an dieser Stelle wieder dieser Hauch von Poesie zu verspüren, der schon die gesamte Laufzeit über die Abläufe begleitet.

Durch diesen Umstand wirkt "My Father Die" einerseits äußerst brutal, aber auf eine gewisse Art und Weise auch wunderschön, wobei es sich aufgrund der Geschehnisse allerdings um eine harte und kompromisslose Schönheit, die man jedoch jederzeit erkennen kann. Das macht dieses Werk dann auch sehr ungewöhnlich und sehenswert, denn eine solch krude Mixtur bekommt man wahrlich nicht jeden Tag zu Gesicht. Mir persönlich hat das Langfilm Debüt von Mr. Brosnan richtig gut gefallen und ich kann nur eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen, die sich auch gern mal eine etwas andere Independent Produktion anschauen wollen.


Fazit:


Für mich ist "My Father Die" ein absolut gelungener Erstling und man kann nur hoffen, das man auch in Zukunft noch einige Filme von Sean Brosnan zu sehen bekommt. Der gute Mann hat ganz offensichtlich das nötige Gespür für die besondere Note, wobei er allerdings bestimmt nicht jeden Geschmack bedienen wird.


8/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 22. Mai 2017 13:17

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Dead Silence
(Dead Silence)
mit Ryan Kwanten, Amber Valletta, Donnie Wahlberg, Michael Fairman, Joan Heney, Bob Gunton, Laura Regan, Dmitry Chepovetsky, Judith Roberts, Keir Gilchrist, Steven Taylor, David Talbot
Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan / Leigh Wannell
Kamera: John R. Leonetti
Musik: Charlie Clouser
FSK 16
USA / 2007

Als in der friedlichen Kleinstadt Ravens Fair ein Kind ermordet wird, steht die Täterin für die aufgebrachten Bewohner sofort fest: Es muss die kinderlose Bauchrednerin Mary Shaw gewesen sein! Der alten Frau wird die Zunge herausgeschnitten, bevor man sie umbringt und mit ihren unheimlichen Bauchrednerpuppen begräbt. Seit dieser Bluttat wird die Gemeinde von furchtbaren Morden erschüttert - seit Jahrzehnten findet man immer wieder ganze Familien, deren grausam zugerichteten Leichen der Täter die Zungen abgetrennt hat. Als die Ehefrau des jungen Jamie Ashen auf gleiche Weise ermordet wird, macht er sich auf die Jagd nach der untoten Mary Shaw und ihren Killer-Puppen...


Im Bereich des Puppen-Horrors gibt es eigentlich nur recht wenige Beiträge die wirklich sehenswert erscheinen. Am bekanntesten dürfte dabei wohl ganz eindeutig die Chucky Reihe sein, aber auch der vorliegende Beitrag von James Wan lässt sich sehr gut anschauen und offenbart dem Zuschauer ein herrlich düsteres Grusel-Erlebnis. Dabei hat "Dead Silence" eigentlich nie die Aufmerksamkeit bekommen die dem Film meiner Meinung nach zustehen sollte, denn auch wenn hier sicherlich kein Meilenstein des Genres geschaffen wurde, erzählt der bekannte Regisseur eine Geschichte, die insbesondere bei der Erstsichtung mit einem überraschenden Ende aufwarten kann. Bei diesem Aspekt ergibt sich dann aber auch sogleich das größte Manko des Werkes, denn aufgrund des nicht zwingend vorhersehbaren Finales könnte vielen Leuten bei einer neuerlichen Sichtung der nötige Reiz verloren gegangen sein.

Wie dem aber auch sei, die Story wurde in eine wunderbar düstere Grundstimmung gepackt und verfügt zudem auch über einen äußerst konstant gespannten Spannungsbogen. Die atmosphärische Dichte der Ereignisse überträgt sich dabei fast zwangsläufig auch auf den Betrachter, denn Fans gepflegter Gruselkost dürften hier durchaus die ganze Zeit über mitfiebern und gespannt auf die Lösung des Rätsels sein, das sich um die tote Bauchrednerin Mary Shaw rankt. Wan setzt dabei auf die handelsüblichen Zutaten und setzt damit genau auf das richtige Pferd. Zwar bekommt man nicht unbedingt einen Haufen innovativer Ideen angeboten, aber die Rezeptur des Filmes funktioniert absolut großartig. Doch obwohl man an dieser Stelle richtig gelungene Filmkost serviert bekommt, lässt sich das Manko des Finales keinesfalls wegreden. Was bei der ersten Sichtung noch als Wendung oder Aha-Effekt gilt, könnte so manch einen davon abhalten, die DVD noch mehrere Male in den heimischen Player zu stecken, da der Effekt des Showdowns definitiv nicht mehr vorhanden sein wird.

Andererseits ist "Dead Silence" in meinen Augen aber dennoch durchaus mit genügend Sehenswertem ausgestattet, das man selbst mit dem Wissen über die Auflösung des Öfteren einen Blick riskieren kann. Die Darsteller liefern einen ordentlichen Job ab, das visuelle Ambiente ist mehr als ansehnlich und insbesondere die atmosphärische Dichte der Ereignisse dürften genügend Gründe darstellen, warum man dieses Werk in der heimischen Sammlung haben sollte. Für Freunde härterer Filmkost wird allerdings nichts geboten, was aber allein schon aufgrund der Altersfreigabe und der Stilrichtung vorgegeben sein dürfte.

Mir persönlich gefällt "Dead Silence" jedenfalls immer noch gut und auch wenn der Film das Genre bestimmt nicht neu erfindet, bietet er durchgehend unterhaltsame Genrekost auf gehobenem Niveau. Und so hat der gute James Wan schon 2007 sein Talent für Gruselfilme aufblitzen lassen, was sich ja im Laufe der Jahre durch Werke wie "Insidious 1 & 2" sowie die beiden "Conjuring" Filme eindrucksvoll bestätigt hat. Sein Hang zu traditionellen Rezepturen scheint dabei immer wieder durch und auch wenn die Filme nicht sonderlich viel Neues bieten, sind sie spannend aufgebaut und erscheinen in der Summe immer wieder stimmig.


Fazit:


"Dead Silence" ist ganz bestimmt kein Meisterwerk, aber der Film kommt in vielen Bewertungen viel zu schlecht weg, was aufgrund der vorhandenen Klasse recht unverständlich ist. Die Geschmäcker sind aber nun einmal verschieden und ich kann diesen Beitrag auf jeden Fall empfehlen, da er wirklich alles beinhaltet, was einen guten Gruselfilm auszeichnet.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 24. Mai 2017 14:12

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Shakespeare für Anfänger
(The Carer)
mit Brian Cox, Anna Chancellor, Emilia Fox, Coco König, Karl Johnson, Selina Cadell, Andrew Havill, Roger Moore, Richard Ridings, Andor Lukáts, Emily Bevan, Maitland Chandler
Regie: János Edelényi
Drehbuch: János Edelényi / Gilbert Adair / Tom Kinninmont
Kamera: Tibor Máthé
Musik: Atti Pacsay
ohne Alterseinstufung
Großbritannien / 2016

Der einst gefeierte Shakespeare-Darsteller Sir Michael Gifford ist an Parkinson erkrankt und benötigt eine Pflegekraft zur Unterstützung bei der Bewältigung seines Alltages. Doch der knorrige Sir Michael macht es keiner der Pflegekräfte leicht, die seine Tochter nach und nach für ihn engagiert. Erst die junge Ungarin Dorottya, die davon träumt, als Schauspielerin erfolgreich zu werden, findet dank ihrer unverblümten und offenen Art Zugang zu Sir Michael. Die Beziehung des ungleichen Paares untereinander verschafft nicht nur Sir Michael neue Lebensfreude, auch Dorottya reift an ihrem Job und scheint ihrem Traum näherzukommen …


Nach der Bekanntgabe der neuesten Veröffentlichung des Labels OFDB Filmworks war ich im ersten Moment ziemlich enttäuscht. Handelt es sich bei "Shakespeare für Anfänger" doch um eine sogenannte Dramedy und ausgerechnet diese Art von Film ist normalerweise überhaupt nicht mein Ding. Nach Sichtung des Filmes muss ich allerdings Abbitte leisten, denn diese britische Produktion des ungarischen Regisseurs János Edelényi erzählt eine Geschichte die nicht nur zu Herzen geht, sondern auch noch allerbeste Unterhaltung bietet. Dabei lehnt man sich inhaltlich an den 2001 erschienenen Film "Ziemlich beste Freunde" an und das dürfte nicht des schlechteste Mittel sein, um gut beim Publikum anzukommen. Den direkten Vergleich kann ich an dieser Stelle nicht ziehen da mit genanntes Werk nicht bekannt ist, aber das dürfte sogar von einem gewissen Vorteil sein, um völlig unbefangen und möglichst objektiv an die Sache heran zu gehen. Edelényi stellt in seiner Erzählung ganz eindeutig die beiden Hauptfiguren in den Fokus und beleuchtet dabei die Beziehung der beiden zueinander, die gerade zu Beginn noch unter ganz erheblichen Anlaufschwierigkeiten zu leiden hat. Mit Brian Cox und Coco König sind die Hauptrollen perfekt besetzt, womit man auch schon bei der größten Stärke des Filmes angelangt ist. Das Schauspiel der Akteure ist nämlich absolut erstklassig, wobei die beiden genannten Darsteller ganz eindeutig noch hervor stechen. Insbesondere Cox als schwer kranker und verbitterter ehemaliger Schauspielheld ist eine wahre Wucht, wobei ihm seine junge Kollegin König als seine Pflegerin im kaum etwas nachsteht. Die beiden prägen mit ihren Performances die komplette Story und drücken ihr ganz unweigerlich den persönlichen Stempel auf. Fairerweise sollte man anmerken das auch die restlichen Akteure sehr gut agieren, aber bei der Omnipräsenz der Haupt-Charaktere nicht über den Status einer Nebenrolle hinweg kommen.

"Shakespeare für Anfänger" steckt voller bissigem Wortwitz, jeder Menge Humor und auch teilweise skurriler Situationskomik. Dabei wird allerdings keinesfalls überspitzt zur Sache gegangen, stattdessen sprüht die Geschichte nur so vor Liebreiz und Charme. Die Angst und der Respekt vor dem Alter stehen dabei durchgehend im Fokus des Geschehens, wobei jedoch nicht nur der Umgang von Mitmenschen thematisiert wird, sondern in der Hauptsache vielmehr die eigene Akzeptanz vor dem Unvermeidlichen. Cox bringt diesen Aspekt absolut brillant zum Ausdruck und hat dabei mit seiner jungen Kollegin die beste Lehrmeisterin, die man sich nur wünschen kann. Der Umgang der beiden miteinander ist zu Beginn noch relativ schwierig, denn der knurrige alte Mann ist es schließlich gewohnt, die Zügel in der eigenen Hand zu halten. Das macht sich insbesondere in den Dialogen bemerkbar, aber ziemlich schnell wird an dieser Stelle auch klar, das die junge Pflegerin sich nichts gefallen lässt und immer ordentlich Contra gibt. So bekommt man dann auch mehrere recht hitzige Wortgefechte geliefert, in denen aber gleichzeitig auch immer wieder der nötige Respekt für den anderen durchschimmert. Mit der Zeit entwickelt sich dann eine fast schon als Freundschaft zu bezeichnende Beziehung und beide Seiten können ungemein voneinander profitieren.

Vor allem zum Ende hin lässt die Geschichte dann auch stärker die Züge des Dramas erkennen, wobei das Ganze allerdings jederzeit charmant in Szene gesetzt wurde, so das man es als Zuschauer gar nicht so dramatisch wahr nimmt. Das liegt auch ziemlich stark an der Wesensveränderung des schwer kranken Mannes, der durch die jugendliche und ehrliche Art seiner Pflegerin immer weniger den resignierenden Griesgram mimt, sondern trotz aller Beschwerden das Tun und Handeln in die eigenen Hände nimmt. Höhepunkt dafür dürfte die am Ende stattfindende Preisverleihung stehen,bei der ihm eine Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen werden soll. Obwohl seine Tochter den Preis für ihn entgegen nehmen wollte, erscheint er unter Mithilfe von Dorottya und gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Tochter selbst zu dem Ereignis. Die von ihm gehaltene Rede ist der krönende Schlusspunkt einer rührseligen und tollen Geschichte und beinhaltet auch noch einen ordentlichen Seitenhieb gegen den Schönheitswahn, der ja mittlerweile im realen Leben Gang und Gebe ist. Es ist das nahezu perfekte Ende für einen Film, dessen Mixtur aus Komödie und Drama absolut gelungen ist und der einen gleichzeitig auch stark berührt. János Edelényi drückt dabei jedoch zu keiner Zeit übertrieben auf die Tränendrüse, sondern präsentiert viel eher eine glaubwürdige und authentisch wirkende Erzählung, die einem den Respekt vor dem eigenen Alter plastisch näher bringt.

Letztendlich hat mich dieses Werk total überzeugt und jegliche zu Beginn vorhandene Skepsis in Luft aufgelöst. "Shakespeare für Anfänger" kann in allen Belangen vollends überzeugen und besticht neben der tollen Geschichte insbesondere durch seine beiden herausragenden Hauptdarsteller. Der enthaltene Humor ist von der feinsten Sorte und beinhaltet neben bissigen Sprüchen auch feinste Ironie, jede Menge Sarkasmus und auch diverse zynische Spitzen, so das sich im Endeffekt eine ausgezeichnete Kombination zu erkennen gibt. Von mit gibt es jedenfalls eine dicke Empfehlung, denn auch wenn das vorliegende Werk keinesfalls meinen ansonsten üblichen Sehgewohnheiten entspricht, wird die Blu-ray definitiv nicht das letzte Mal im Player gelandet sein.


Fazit:


Trotz anfänglicher Bedenken muss ich eingestehen, das OFDB Filmworks wieder einmal genau ins Schwarze getroffen hat und mit "Shakespeare für Anfänger" erneut einen außergewöhnlich guten Film an den Start bringt. Tolle Schauspieler, eine sehr gut erzählte Geschichte und eine ausgewogene Mischung aus Komödie und Drama machen diesen Beitrag in jeder Beziehung absolut sehenswert, so das man einen Kauf sicher nicht bereuen wird.


9/10
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