horror's Reise durch die Welt der Filme

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 25. Mär 2017 16:32

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Der Exorzist und die Kindhexe
(La Endemoniada)
mit Julián Mateos, Marián Salgado, Fernando Sancho, Lone Fleming, Ángel del Pozo, Kali Hansa, Daniel Martín, Tota Alba, Roberto Camardiel, María Kosty, Fernando Hilbeck, Julia Saly, Concha Gómez Conde
Regie: Amando de Ossorio
Drehbuch: Amando de Ossorio
Kamera: Vicente Minaya
Musik: Diego / Victor
FSK 18
Spanien / 1975

Das Böse ergreift Besitz von einem unschuldigen Mädchen, eine vom Teufel besessene Hexe. Die Hexe schlüpft in das Wesen des Kindes, verwandelt das Gesicht des Opfers und begeht unfaßbare Greueltaten. Der Exorzist in der Gestalt eines jungen Priesters nimmt den Kampf gegen die allgewaltigen Mächte des Bösen auf. Seine Waffe ist das Kreuz. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt - Wird der Exorzist mit Hilfe des Kreuzes siegen ? Oder geht er unter in einem Trauma der Gewalt ?


Der Spanier Amando de Ossorio dürfte den meisten Horror-Fans wohl hauptsächlich durch seine Saga um die reitenden Leichen ein Begriff sein, denn die vier Filme über die untoten Templer sind wohl ganz eindeutig die bekanntesten Werke des Regisseurs. Nur zwei Jahre, nachdem 1973 Friedkins Meisterwerk "Der Exorzist" die Kinos eroberte, versuchte auch Ossorio die Thematik der Besessenheit in vorliegendem Beitrag zu verfilmen. "Der Exorzist und die Kindhexe" ist dabei auch wahrlich kein schlechter Film, kann aber keinesfalls auch nur annähernd an die Qualität des Exorzisten heran reichen. Die Geschichte an sich ist rein inhaltlich sehr einfach gehalten, zudem spürt man die gesamte Laufzeit über, das diesem Werk wohl nicht gerade ein sehr üppiges Budget zur Verfügung gestanden hat. So musste man sich mit einfachen Mitteln zufrieden geben und hat daraus zumindest einen recht ansehnlichen Beitrag auf die Beine gestellt, der allerdings phasenweise mit einer äußerst trashigen Note versehen ist. Dabei kommt diese wohl eher unfreiwillig zustande und ehrlich gesagt vermisst man manchmal ein wenig das nötige Fingerspitzengefühl, um die Abläufe gänzlich ernsthaft erscheinen zu lassen. Wie dem aber auch sei, insgesamt gesehen steht das dem gewonnenen Gesamtbild sogar ziemlich gut zu Gesicht und man kann sich an so manchen Szenen erfreuen, in denen etwas unfreiwillige Situationskomik zu bewundern ist, die einem so manchen Schmunzler auf die Lippen zaubert.

In erster Linie ist dies wohl dem äußerst bescheidenen Schauspiel der Akteure zu verdanken, denn diese agieren größtenteils sehr unbeholfen und hölzern. Des Öfteren tritt dabei eine stark überzogene Theatralik in den Vordergrund, die das Ganze aber auch mit einem gewissen Liebreiz und Charme ausstattet. Absolut unübersehbar hat Amando de Ossorio für seine Erzählung ganz mächtig bei Friedkins Film geklaut, wobei die Umsetzung im direkten Vergleich eher bescheiden ausfällt. Dennoch beinhaltet "Der Exorzist und die Kindhexe auch seine starken Momente, wobei es an dieser Stelle äußerst stark auf die Sichtweise des jeweiligen Betrachters ankommt. So sllte man schon vor der Sichtung die eigene Erwartungshaltung in die richtigen Bahnen lenken und keinesfalls die Messlatte des Exorzisten anlegen, denn diese Maßstäbe können definitiv nicht erreicht werden. So wirkt hier beispielsweise das gesamte Szenario eher günstig produziert und auch die enthaltenen Effekte sind eigentlich überhaupt nicht der Rede wert. Die enthaltenen Dialoge sind keinesfalls hochklassig, sondern hinterlassen vielmehr einen größtenteils holprigen Eindruck beim Zuschauer.

Doch obwohl sich das alles eher sehr negativ anhört, versprüht die Geschichte ihren ganz eigenen Reiz, den man jedoch nicht an einer bestimmten Sache festmachen kann. Es macht ganz einfach eine Menge Spaß sich diesen Beitrag zur Besessenheits-Thematik anzuschauen, denn auch wenn rein inhaltlich keinerlei Höhepunkte zu vermelden sind, kann das Szenario auf seine ganz eigene Art recht gut unterhalten. Dennoch wirkt die Erzählung stellenweise ein wenig willkürlich und man kann sich mehrmals nicht des Eindruckes erwehren, das so manche Passage ein wenig zerstückelt daher kommt. Trotz einiger offensichtlicher Defizite ist "Der Exorzist und die Kindhexe" aber immer noch ein ansehnlicher Genrevertreter, der jedoch sicher nicht jedem zugängig sein wird.

Zum Ende hin noch einige Anmerkungen zur deutschen DVD-Veröffentlichung von Endless Classic / Alive, denn diese kann man beim besten Willen nicht unkommentiert lassen. Es ist ja im Grunde genommen immer sehr zu loben, wenn ein Label älteren Filmen zu einer Erstveröffentlichung verhilft, wenn diese dann allerdings in der vorliegenden Qualität präsentiert werden, ist das für jeden Liebhaber ein Schlag in die Fresse. Wenn man nämlich die enthaltene Bildqualität als schlecht bezeichnen würde wäre das stark untertrieben, denn ganz offensichtlich handelt es sich in vorliegendem Film um eine extrem schlechte VHS-Kopie, die jeglicher Beschreibung spottet. Das man zahlenden Kunden in der heutigen Zeit noch so etwas vorsetzt ist die pure Frechheit und sollte den Verantwortlichen eigentlich die Schamröte ins Gesicht steigen lassen. Jede völlig abgenudelte VHS-Cassette bietet bestimmt ein besseres Bild und mit einer solch minderwertigen Veröffentlichung sorgt man ganz bestimmt nicht dafür, den zahlenden Kunden auch für spätere Produkte des Labels zu begeistern.


Fazit:


"Der Exorzist und die Kindhexe" zählt sicher nicht zu den besten Vertretern seiner Art, versprüht jedoch aufgrund seiner etwas trashigen Note eine Menge Charme. Zum Kauf der deutschen DVD kann man jedoch keinesfalls raten, da die Bildqualität des Filmes kaum in Worte zu fassen ist. Anstatt hier eine bearbeitete Version des Filmes auf den Markt zu bringen wird das Ganze dermaßen mies präsentiert, das die Gefahr von Augenkrebs keine Utopie ist. So macht man sich nicht unbedingt Freunde und diesen Vorwurf muss sich das Label definitiv gefallen lassen.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 26. Mär 2017 17:04

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Amerikanisches Idyll
(American Pastoral)
mit Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Peter Riegert, Rupert Evans, Uzo Aduba, Molly Parker, Valorie Curry, Hannah Nordberg, Julia Silverman, Mark Hildreth, Samantha Mathis
Regie: Ewan McGregor
Drehbuch: Philip Roth / John Romano
Kamera: Martin Ruhe
Musik: Alexandre Desplat
FSK 12
USA / 2016

Seymour Levov, erfolgreicher Footballspieler, heiratet seine Traumfrau Dawn und übernimmt in den späten Fünfzigern die Fabrik seines Vaters. Das Paar genießt den amerikanischen Traum in vollen Zügen. Ihr größter Schatz ist ihre Tochter Merry. Doch in den Sechzigerjahren, als der Vietnamkrieg mit seinen schrecklichen Bildern in das Idyll hereinbricht, verliert Merry den Glauben an das Gute und radikalisiert sich. Die Eltern lieben sich nicht mehr. Während Dawn ihre Tochter aufgegeben hat, kämpft Seymour um sie.


Wenn der amerikanische Traum zerbricht"


"Amerikanisches Idyll" basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Philip Roth und stellt das Regie-Debüt von Ewan McGregor dar, der gleichzeitig auch in der männlichen Hauptrolle zu sehen ist. Erzählt wird die Geschichte des "Schweden" Seymor Levov, der mit seiner Familie im Prinzip den typisch amerikanischen Traum lebt, aus dem er jedoch in den 60er Jahren jäh heraus gerissen wird. Dabei scheint sein Leben doch geradezu vorgezeichnet, denn als umjubelter Sportler heiratet er die ehemalige Schönheitskönigin Dawn, die ihm kurz darauf die heiß geliebte Tochter Merry schenkt. McGregor zeichnet zunächst eine heile Welt und in den ersten Minuten mag das Szenario fast schon ein wenig kitschig erscheinen. Offenbaren sich doch genau die Klischees die man im Prinzip immer mit dem perfekten amerikanischen Traum verbindet und die auch erstklassig in Szene gesetzt wurden. Mit der Zeit fängt die perfekte Fassade jedoch zu bröckeln an, denn je älter Merry wird desto mehr wird für den Zuschauer deutlich, das sich das Mädchen zu einem echten Problemkind entwickelt. In einem Jahrzehnt der politischen Unruhen und dem Beginn des Vietnamkrieges nimmt das Unheil dann auch seinen Lauf und es kommt zu einer echten Katastrophe, durch die die Familie unwillkürlich auseinander gerissen wird.

Man darf an dieser Stelle nicht zuviel verraten um niemandem die Spannung zu nehmen, aber was McGregor hier eindrucksvoll in Szene gesetzt hat, beinhaltet wirklich eine ganze Menge Klasse und Qualität. In erster Linie liegt das an der Geschichte selbst, die streckenweise sehr dramatische, gleichzeitig aber auch immer wieder stark emotionale Passagen inne hat. Gleichzeitig wird man mit absolut erstklassigem Schauspiel bedient, denn sämtliche Akteure liefern einen absolut tollen Job ab, wobei Ewan McGregor selbst aber definitiv den Vogel abschießt. Selbst Jennifer Connelly und Dakota Fanning verblassen da ein wenig, denn obwohl die beiden Damen wirklich gut agieren, ist gegen die Omnipräsenz des Hauptdarstellers beim besten Willen kein Kraut gewachsen. Natürlich begründet sich dieser Aspekt auch in den jeweiligen Spielanteilen, denn McGregor hat hier auf jeden Fall den Löwenanteil abbekommen. Doch auch seine Interpretation eines Vaters der niemals aufgehört hat um seine Tochter zu kämpfen, ist dermaßen bewegend und eindringlich, das sie dem Betrachter ganz unweigerlich tief unter die Haut fährt.

Es ist ein nahezu aussichtsloser Kampf, der insbesondere Dawn fast an den Rand des Wahnsinns bringt. Als Mutter zerbricht sie regelrecht an den schrecklichen Ereignissen und der Ungewissheit um ihr Kind, wohingegen Seymor anscheinend die nötige Kraft aufbringt, immer weiter und jahrelang um seine verschwundene Tochter zu kämpfen. Der äußere Schein trügt jedoch erheblich, was man phasenweise an der Mimik und Gestik des Mannes erkennen kann. Wie sehr ihm das Ganze jedoch wirklich zusetzt äußert sich erst zum Ende des Filmes und zeigt dabei ziemlich eindeutig auf, das der lang andauernde Kampf vor allem im Inneren des "Schweden" eine Menge zerstört hat. Letztendlich präsentiert sich hier also alles andere als ein "Amerikanisches Idyll" und vom zu Beginn an vorgefundenen amerikanischen Traum bleibt am Ende gar nichts übrig. Die Umsetzung des Ganzen ist äußerst imposant ausgefallen, was aber keinesfalls auf Ausstattung oder andere Nebensächlichkeiten zu beziehen ist. Es ist die Erzählung an sich die hier den größten Eindruck beim Zuschauer hinterlässt und einen dabei zutiefst bewegt. Wenn dann auch noch sämtliche Rollen nahezu perfekt besetzt sind und die Akteure die Geschichte glaubhaft und authentisch darstellen, dann kann man im Prinzip nur zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangen.

"Amerikanisches Idyll" führt seinen Titel eigentlich ad absurdum, doch genau das macht diesen Film so unglaublich reizvoll und intensiv. Denn trotz einer eher ruhigen und bedächtigen Erzählweise sind es gerade die ruhigen Töne, die einem ein Höchstmaß an Intensität präsentieren. Man kann sich ohne Weiteres mit den Hauptfiguren identifizieren, wobei sich insbesondere zur männlichen Hauptfigur eine extrem starke Bindung aufbaut. Und so leidet man dann auch an vielen Stellen mit diesem Mann mit, der im Prinzip immer nur eine Zusammenführung seiner kleinen Familie erwirken wollte. Nach der Sichtung des Werkes braucht man erst einmal eine gewisse Zeit um das Szenario so richtig sacken zu lassen, um danach dann zu der Erkenntnis zu gelangen, das man soeben einen wirklich erstklassigen film gesehen hat.


Fazit:


McGregor hat mit "Amerikanisches Idyll" einen grandiosen Film abgeliefert, für den man ihm nur ein herausragendes Zeugnis ausstellen kann. Die Geschichte berührt und wird intensiv erzählt, gleichzeitig stimmt sie auch äußerst nachdenklich und bleibt nachhaltig im Gedächtnis hängen. Großartige Darsteller runden die Sache perfekt ab, so das man in vorliegendem Fall nur eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen kann, die das filmische Drama zu schätzen wissen.

9/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 27. Mär 2017 12:58

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Drifter
(Drifter)
mit Aria Emory, Drew Harwood, Monique Rosario, James McCabe, Anthony Ficco, Rebecca Fraiser, Joseph Atash, Melissa Raquel, Jack G. Davis, Craig Rose, Jonah Ehrenreich, Bram Barouh
Regie: Chris von Hoffmann
Drehbuch: Chris von Hoffmann / Aria Emory
Kamera: Tobias Deml
Musik: Nao Sato
keine Jugendfreigabe
Australien / 2016

Die Brüder Miles und Dominic kämpfen in einer postapokalyptischen Welt um ihr Überleben und sind dabei selbst alles andere als zimperlich. Als Miles jedoch angeschossen wird, suchen die beiden Zuflucht in einer Kleinstadt, wo sie schnell die Bekanntschaft der Einwohner, einer Familie von durchgeknallten Kannibalen machen. Für die Brüder beginnt ein brutaler Kampf ums Überleben...


Die kurze Inhaltsangabe dieses australischen Independent Films könnte Kenner der Horror-Szene eventuell in eine gant bestimmte Richtung lenken, denn "Drifter" serviert einem ordentliches Terror-Kino, das zudem auch noch visuell anspruchsvoll in Szene gesetzt wurde. Es handelt sich dabei um die erste Regiearbeit von Chris von Hoffmann, der sich ganz augenscheinlich an Tobe Hoopers Kultfilm "The Texas Chainsaw Massacre" orientiert hat. Phasenweise kann man die vorliegende Geschichte nämlich durchaus als Neuinterpretation des Klassikers ansehen, nur das sich das Ganze eben ohne die berühmte Kettensäge abspielt und gleichzeitig mit einem Schauplatzwechsel behaftet ist. Räumlich gesehen befindet man sich hier in einer öden Wüstenlandschaft, die dem Zuschauer in phasenweise wirklich imponierenden Bildern vermittelt wird und dabei größtenteils an die Szenerien der guten, alten "Mad Max" Filme erinnert. Kein Wunder, soll sich die Erzählung doch auch in einer apokalyptischen Ödnis abspielen, die in vorliegendem Fall auch ohne Weiteres eine gewisse Endzeitstimmung aufkommen lässt.

Nun kann "Drifter" zwar auf keinen Fall dem direkten Vergleich mit Hooper's Kultfilm stand halten, aber das wäre wohl auch ein wenig zu viel verlangt. Anscheinend will der Film das aber auch gar nicht, denn trotz der eklatanten Ähnlichkeiten zur Mutter des Terrorfilmes geht dieser Beitrag auch seinen ganz eigenen Weg. Dies macht sich in erster Linie allein schon durch die Optik der Geschichte stark bemerkbar, denn obwohl die Chose phasenweise wie auf Hochglanz poliert daher kommt ist es Hoffmann bravourös gelungen, seiner Erzählung diese dreckige und schmierige Grundstimmung zu verleihen, die Filme dieser Machart auszeichnet. Außergewöhnliche Kameraeinstellungen und eine generell erstklassige Kameraarbeit sorgen für visuelle Highlights und in dieser Beziehung kann man dem Werk nun überhaupt nichts vorwerfen. In optischer Hinsicht kann man also fast schon von einem kleinen Indie-Leckerbissen sprechen, der auch durchaus mit einigen etwas härteren Einstellungen aufwarten kann. Nun sollte man aber keinesfalls eine vor Blut triefende Schlateplatte erwarten, denn trotz einiger blutiger Szenen bewegt sich der enthaltene Härtegrad in einem eher normalen Rahmen. Seine Stärken bezieht "Drifter" aber auch vielmehr aus der ausgezeichneten Atmosphäre, die einen wirklich von der ersten bis zur letzten Minute für sich einnimmt.

In darstellerischer Hinsicht sollte man keinerlei Wunderdinge erwarten, aber die Schauspieler machen ihre Sache recht gut und können in ihren jeweiligen Rollen einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Insgesamt gesehen kann man sich also keinesfalls beschweren und insbesondere die Kombination aus Endzeit-Szenario und Terrorfilm beinhaltet doch ihren ganz eigenen Reiz, dem man sich auch wahrlich nicht verschließen kann. Chris von Hoffmann hat mit seinem ersten Spielfilm wirklich gute Arbeit geleistet und teilweise sogar enormen Mut bewiesen, indem er sich an einem der größten Klassiker des Genres orientiert hat. Seine Art der Neuinterpretation kann sich definitiv sehen lassen, könnte aber dennoch die Meinungen der Fans in zwei Lager spalten. Das äußert sich auch schon in den wenigen Kritiken die man bisher über diesen Beitrag lesen kann, denn zwischen totaler Enttäuschung bis hin zu wachsender Begeisterung ist alles vertreten. Darum sollte sich auch ein jeder selbst ein Bild von diesem Film machen, der zwar bestimmt kein Meisterwerk darstellt, aber auf jeden Fall ein sehr interessanter Versuch ist, eine altbekannte Story neu zu erzählen.

Mir persönlich hat "Drifter" jedenfalls gut gefallen und allein schon die visuelle Darstellung des Ganzen übt einen ungemeinen Reiz aus. Der Wechsel zwischen Hochglanz Optik und schmierigem Exploitations-Kino ist sehr gut gelungen und bietet so eine Menge an Schauwerten, die einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen. Dennoch kommt es bei diesem Beitrag ganz stark auf den persönlichen Geschmack an, denn die Inszenierung von Hoffmann wird bestimmt nicht jedermanns Geschmack treffen. Einen Blick sollte man aber riskieren, denn ansonsten könnte es durchaus der Fall sein, das einem ein wirklich gelungener Beitrag durch die Lappen geht.


Fazit:


Auch wenn "Drifter" keineswegs ein Remake von "The Texas Chainsaw Massacre" ist steht wohl ziemlich eindeutig fest, das Hooper's wegweisender Film hier Pate stand. Die neue Umsetzung der Geschichte ist relativ mutig und wird ganz sicher ebenso Befürworter als auch Gegner auf den Plan rufen. Ein endgültiges Urteil muss sich jeder selbst bilden, aber sehenswert und äußerst interessant ist dieser australische Film auf jeden Fall.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 28. Mär 2017 16:36

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Vampire Nation - Badlands
(The Stakelander)
mit Connor Paolo, Nick Damici, Laura Abramsen, A.C. Peterson, Steven Williams, Bonnie Dennison, Kristina Hughes, Zane Clifford, Kathryn Bracht, Dylan Sthamann
Regie: Dan Berk / Robert Olsen
Drehbuch: Nick Damici
Kamera: Matt Mitchell
Musik: Redding Hunter
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

Aus heiterem Himmel bricht die Vampirkatastrophe über Amerika herein und verwandelt weite Teile der Bevölkerung in blindwütige Blutsauger. Der jugendliche Martin überlebt die Ausrottung seiner Familie nur mit Hilfe des zufällig vorbei kommenden Vampirjägers Mister und weicht diesem fortan auf dessen Odyssee Richtung Kanada nicht mehr von der Seite. Unterwegs treffen sie andere Überlebende, die aber nicht alle freundlich sind, und geraten schließlich kurz vor dem Ziel mit einer Gruppe religiös motivierter Vigilanten aneinander.


Als 2010 Jim Mickle's "Vampire Nation" erschien, präsentierte sich ein absolut sehenswerter Vampirfilm, der sogar teilweise ein wenig Innovation mit sich brachte. So konnte man nun also gespannt sein auf den Nachfolger "Vampire Nation: Badlands" zudem mit Connor Paolo und Nick Damici auch zwei der Hauptfiguren aus dem Vorgänger mit an bord sind. Für die Regie zeichnete dieses Mal das Duo Dan Berk und Robert Olsen verantwortlich und eventuell mag es auch an diesem Wechsel liegen, das dieser Ableger nicht gänzlich zu überzeugen weiß. Zehn Jahre sind mittlerweile ins Land gegangen und die Geschichte beginnt mit einem kleinen Rückblick, in dem man dem Zuschauer die Ereignisse vor Augen führt, bei denen Martin (Paolo) seine kleine Familie verliert, was der sogenannten Mutter der Vampire zu verdanken ist. Nachdem Martin nach einer langen Suche seinen alten Weggefährten Mister wieder getroffen hat, wollen die beiden zusammen Rache für die Ermordung der Familie nehmen. Man merkt also das die Story ziemlich simpel gehalten wurde und leider entpuppt sich auch das Gesamtbild des zweiten Teiles ebenso. Zwar kann man nicht behaupten das der Film versagen würde, doch wenn man die Qualität des Vorgängers zu Grunde legt, dann sollte man mit erheblichen Qualitätseinbußen rechnen.

So wirkt das Werk von 2010 trotz seines relativ geringen Budgets von gerade einmal 650.000 $ weitaus besser ausgestattet und hinterlässt auch den viel spektakulären Eindruck. "Vampire Nation: Badlands" hingegen erscheint größtenteils wie eine Low Budget Produktion, was sich im Prinzip an allen Ecken und Enden bemerkbar macht. Es gibt beispielsweise nicht die imposanten Massen-Kampfszenen wie 2010 und ganz generell wird hier mit dem Härtegrad auch ziemlich gegeizt. Die Action-Passagen sind nicht unbedingt inflationär vorhanden, stattdessen zeigt sich die Geschichte relativ dialoglastig, was man bei einem Vampirfilm nicht zwingend erwartet. Auch in atmosphärischer Hinsicht kocht man ein wenig auf Sparflamme, zwar erkennt man durchaus die Züge einer apokalyptisch angehauchten Endzeitstimmung, aber das Szenario kann zu keinem Zeitpunkt die enorme Dichte entfalten, die man noch beim Vorgänger so sehr schätzen gelernt hat. Außerdem ist auch die Erzählweise der Abläufe etwas holprig und wirkt streckenweise lieblos dahin geklatscht, so das in vielen Teilen des Szenarios gar kein richtiger Erzählfluss aufkommen will und dieser Umstand trübt das Seherlebnis doch relativ stark. Echte Begeisterung will also nicht aufkommen und an manchen Stellen verspürt man sogar den Anflug von Langeweile, was in der Regel der absolute Todesstoß für jeden Film ist.

Mit etwas mehr Feingefühl hätte man an dieser Stelle viel mehr auf die Beine stellen können, doch anscheinend fehlt es den beiden Regisseuren am nötigen Talent, um einen wirklich überzeugenden Vampirfilm auf die Beine zu stellen. Die oftmals totale Ereignislosigkeit des Geschehens ist schon ein wenig ermüdend und wenn endlich einmal etwas passiert, dann sind die zumeist in der Nacht stattfindenden Action-Passagen viel zu dunkel gefilmt worden, so das man als Betrachter die meisten Aktionen nur erahnen oder schemenhaft wahrnehmen kann. Das sind nicht unbedingt die Atribute die ich bei einem solchen Film erwarte, doch Berk und Olsen haben wie schon bei ihrem ersten Spielfilm "Body" aus dem Jahr 2015 das nötige Gespür vermissen lassen, eine durchgehend interessante und spannende Geschichte zu erzählen. Einige nette Ansätze sind eben nicht ausreichend um knapp 85 Minuten kurzweilige und gute Unterhaltung anzubieten und dieser Aspekt macht sich auch im vorliegenden Beitrag äußerst stark bemerkbar.

Letztendlich entscheidet selbstverständlich der persönliche Geschmack des Zuschauers, aber "Vampire Nation: Badlands" fällt im Gegensatz zu seinem Vorgänger doch ganz erheblich ab. Maximal mittelmäßiges Schauspiel der Protagonisten macht die Sache dann auch nicht besser, andererseits passen sich die dargebotenen Leistungen nahezu dem eher sehr durchschnittlichen Gesamteindruck des Filmes an. Wirklich stimmig gestaltet sich das Ganze also keineswegs, so das man unbedingt schon im Vorfeld einer Sichtung die eigene Erwartungshaltung herunter schrauben sollte. Ansonsten erlebt man nämlich eine recht herbe Enttäuschung, denn an die Klasse von "Vampire Nation" kommt dieser Ableger noch nicht einmal in Ansätzen heran. Für Komplettisten oder eine einmalige Sichtung ist das Werk sicherlich noch geeignet, aber einen nachhaltigen Eindruck wird die Chose ganz sicher nicht hinterlassen.


Fazit:


Was hatte ich mich doch auf diesen zweiten Teil gefreut, da mich das 2010er Werk doch absolut begeistert hat. Umso ernüchterter bin ich nun im nachhinein, denn für mich war "Vampire Nation: Badlands" eine ziemliche Enttäuschung. Eine echte Empfehlung kann ich deshalb auch nicht aussprechen und ich befürchte, das auch andere Leute zu der gleichen Erkenntnis gelangen werden.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 29. Mär 2017 15:27

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Scouts vs. Zombies - Handbuch zur Zombie-Apokalypse
(Scouts Guide to the Zombie Apocalypse)
mit Tye Sheridan, Logan Miller, Joey Morgan, Sarah Dumont, David Koechner, Halston Sage, Cloris Leachman, Niki Koss, Hiram A. Murray, Lukas Gage, Drew Droege, Patrick Schwarzenegger, Blake Anderson
Regie: Christopher Landon
Drehbuch: Lona Williams / Emi Mochizuki / Carrie Lee Wilson
Kamera: Brandon Trost
Musik: Matthew Margeson
FSK 16
USA / 2015

Augie, Carter und Ben sind beste Freunde im Teenageralter. Doch anstatt ihren Hormonen freie Lauf zu lassen und Mädchen zu imponieren, sind die drei Nerds stets auf der Jagd nach neuen Pfadfinderabzeichen. Eines Tages haben sie aber genug vom "Jeden Tag eine gute Tat" und wollen auf die heißeste Party in der Stadt. Doch der Weg zur Feier findet ein jähes Ende, als die drei Jungspunde erkennen, dass fast alle Einwohner zu Zombies mutiert sind. Fortan müssen sie ihren Mann im Kampf gegen die Untoten stehen, während sie von einer Stripperin tatkräftig unterstützt werden.


Nachdem in den letzten Jahren beispielsweise schon Stripper, Abraham Lincoln und andere Konsorten gegen eine Horde von Zombies antreten durften, hat Christopher Landon in seiner Geschichte drei eher unscheinbare Pfadfinder als Helden auserkoren, um ihre Stadt von Untoten zu befreien. Zur Unterstützung steht den Jungen dann noch eine hübsche Stripperin zur Seite und man kann sich allein schon aufgrund dieser Zusammensetzung ausmalen, das sich so ein buntes und gleichsam unterhaltsames Szenario zu erkennen gibt. Die darauf ausgelegte Hoffnung des Zuschauers erfüllt sich dann auch durchgehend, denn "Scouts vs. Zombies" wartet von der ersten Minute an mit einem äußerst flottem Tempo auf, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Geschehen zieht. Da es sich hier ja um eine Horrorkomödie handelt darf man selbstredend auch eine Menge an Humor erwarten. Man sollte jedoch auf keinen Fall die fein geschwungene Klinge des schwarzen Humors erwarten, denn vor allem der enthaltene Wortwitz kommt zumeist eher brachial daher und beinhaltet zudem so manchen echten Kalauer. Witzigerweise funktionieren diese aber ganz hervorragend und sorgen gleichzeitig für jede Menge Szenen voll mit skurriler Situationskomik, so das streckenweise kein Auge trocken bleibt.

Die Geschichte an sich ist natürlich vollkommen hanebüchen und schon gar nicht glaubwürdig, denn das gerade die hier dargestellte vierköpfige Gruppe zu wahren Heldentaten in der Lage ist, erscheint alles andere als real. Nichtsdestotrotz macht die Chose unglaublichen Spaß und es bereitet einem sehr viel Freude die unscheinbaren Teenager bei ihrer "Mission Impossible" zu begleiten, die sich phasenweise recht blutig gestaltet. Nun ist der enthaltene Härtegrad zwar nicht überzogen, doch für eine 16er Freigabe offenbart das Szenario doch einige erstaunliche Passagen, bei denen selbst die Freunde der härteren Gangart sehr wohl auf ihre Kosten kommen dürften. An erster Stelle steht jedoch eindeutig der komödiantische Anteil der Ereignisse und dieser ist zweifelsohne ziemlich hoch angesiedelt. Da singen die braven Pfadfinder beispielsweise zusammen mit einem Zombie einen Britney Spears Song, oder man trifft auf einem riesigen Trampolin aufeinander. Das sorgt für jede Menge Kurzweil und beste Unterhaltung. Und auch wenn das Ganze zeitweise wie ein waschechter Klamauk wirkt, so kann man diesen im vorliegenden Fall als absolut gelungen bezeichnen. "Scouts vs. Zombies" hat die Bezeichnung Zombiekomödie im Gegensatz zu anderen Vertretern auch wirklich verdient, denn die hier gefundene Mischung aus Horror und humorigem Anteil ist absolut gelungen.

Das der Film einem gut gefällt liegt sicherlich auch an den jugendlichen Hauptfiguren, die durch die Bank äußerst sympathisch gezeichnet sind und so von Anfang bis zum Ende beim Betrachter punkten können. Insbesondere der Kontrast zwischen manchmal noch naiven und kindlichen Zügen und dem später in Erscheinung tretendem Heldenstatus ist dabei mehr als gelungen, so das die Sympathiewerte im Laufe der Zeit sogar noch in die Hohe schnellen. Der Weg vom unreifen Teenager hin zum Erwachsenen muss dabei schnell von statten gehen, denn den Scouts wird hier praktisch keine Ruhepause gegönnt. Dafür hat Landon mit zahlreichen Action-Passagen gesorgt und insbesondere der am Ende stattfindende Kampf in einem stillgelegten Freizeitzentrum ist als absoluter Höhepunkt anzusehen. Ist man schon zuvor mit herrlich blutigen Einstellungen konfrontiert worden, so eröffnet sich an dieser Stelle ein regelrechtes Spektakel, wenn die Pfadfinder mit ihren selbst gebastelten Waffen eine feierwütige Partygesellschaft vor den hungrigen Zombies retten wollen. Es geht also ordentlich zur Sache und das immer mit dem notwendigen Schuss an Humor, der im Prinzip an keiner Stelle fehlt. Flapsige Sprüche und kleinere Andeutungen wie zum Beispiel ein Wegweiser nach Haddonfield runden die ganze Sache extrem stimmig ab, was letztendlich für ein mehr als ordentliches Gesamtbild sorgt.

"Scouts vs. Zombies" beinhaltet sämtliche Zutaten die eine gelungene Zombiekomödie haben muss und die Zusammensetzung des Ganzen funktioniert zudem ausgezeichnet. Selbst offensichtliche Kalauer sorgen streckenweise für ein Höchstmaß an Erheiterung und ein angemessener Härtegrad dürfte selbst den auf viel Blut hoffenden Zuschauer zufrieden stellen. Und so kann man Christopher Landon für seinen zweiten Spielfilm nur ein sehr gutes Gesamtzeugnis ausstellen, hat er doch einen jederzeit sehenswerten und bestens unterhaltenden Beitrag abgeliefert, den man ohne wenn und aber als Bereicherung für das Genre ansehen kann.


Fazit:


Unter den vielen Zombiekomödien der letzten Jahre sticht "Scout vs. Zombies" auf jeden Fall heraus, denn hier kann man wirklich ordentlich lachen und wird zudem auch im Bezug auf die Härte äußerst gut bedient. Das Zusammenspiel der einzelnen Zutaten funktioniert ganz hervorragend und beschert einem ein Filmvergnügen, das man sich auch gern mehrmals anschauen kann.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 31. Mär 2017 11:23

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Don't Knock Twice
(Don't Knock Twice)
mit Katee Sackhoff, Lucy Boynton, Richard Mylan, Nick Moran, Pascale Wilson, Javier Botet, Pooneh Hajimohammadi, Sarah Buckland, Jordan Bolger, Ania Marson, Callum Griffiths
Regie: Caradog W. James
Drehbuch: Mark Huckerby / Nick Ostler
Kamera: Adam Frisch
Musik: James Edward Barker / Steve Moore
FSK 16
Großbritannien / 2016

Für Chloe und ihren Freund wird eine düstere Legende um eine Hexe und ihr leerstehendes Haus zur tödlichen Gefahr! Nachdem sie zwei Mal an die Tür des Hauses geklopft haben, scheint die beiden ein Fluch befallen zu haben: Ihr Freund verschwindet spurlos, und Chloe leidet plötzlich an unheimlichen Wahnvorstellungen. Sie sucht Unterschlupf bei ihrer Mutter Jess, die bald selbst von dem Fluch eingeholt wird und sehr reale Albträume von der Hexe hat. Um ihre Tochter zu beschützen, muss Jess dem Geheimnis der alten Hexe schnell auf den Grund gehen – und stellt fest, dass sie niemandem in ihrer Umgebung mehr vertrauen kann …


Filme in denen die Thematik der urbanen Legenden bearbeit wird haben immer ihren ganz eigenen Reiz und sind in der Regel mit viel Spannung und einer dichten Grundstimmung ausgestattet. Zumindest Letzteres trifft auch auf den vorliegenden Beitrag aus Großbritannien zu, denn Caradog W. James hat seinen mittlerweile zweiten Spielfilm mit einer wirklich gelungenen Atmosphäre ausgestattet, die phasenweise sogar für eine gepflegte Gänsehaut beim Zuschauer sorgen kann. Mit der Spannung ist es allerdings so eine Sache, denn da "Don't Knock Twice" rein inhaltlich ziemlich dünn gestrickt wurde, wirkt das Szenario in weiten Teilen relativ austauschbar. Die Geschichte beginnt eher wie ein kleines Familiendrama, das die angespannte Beziehung zwischen der jungen Mutter Jess und ihrer Tochter Chloe thematisiert. Schon nach wenigen Minuten geben sich allerdings auch die ersten Elemente des Horrors zu erkennen, wobei diese eher von der subtilen Art sind und so im Prinzip auch äußerst gut in die eher ruhig erzählte Story hinein passen.

James setzt einige Schockeffekte ein, allerdings bietet sich an dieser Front rein gar nichts auf, was man als neu oder gar innovativ bezeichnen könnte. In diesem Aspekt ist auch das eigentliche Problem des Filmes zu suchen, es gibt keinerlei echte Höhepunkte und dadurch bleiben auch irgendwelche Überraschungsmomente völlig aus. Das Ganze gestaltet sich also eher vorhersehbar und als Kenner diverser Gruselfilme wird man schnell zu der Erkenntnis gelangen, das man ähnlich gelagerte Abläufe schon unzählige Male zu Gesicht bekommen hat. Obwohl sich das jetzt alles recht negativ anhört, handelt es sich keinesfalls um einen schlechten Beitrag, nur sollte man von Beginn an mit den richtigen Erwartungen an das Werk heran gehen. Man bekommt verhältnismäßig solide Gruselkost geboten die durchaus ihre starken Momente hat, sollte aber auf keinen Fall einen Film erwarten, der dem Genre neue Impulse verleiht.

In darstellerischer Hinsicht gibt es eigentlich nichts zu bemängeln, denn insbesondere die beiden Hauptdarstellerinnen Katee Sackhoff und Lucy Boynton liefern einen ordentlichen Job ab, ohne das sich aber eine der beiden sonderlich in den Vordergrund spielen würde. Rein optisch weiß die Chose auch durchaus zu gefallen, die Bilder sind größtenteils ziemlich düster gehalten und auch die phasenweise blassen Farben kommen dem Gesamtbild sehr zu Gute. Wenn Caradog W. James seine Erzählung nur noch mit ein wenig Kreativität ausgestattet hätte dann würden wir an dieser Stelle über einen echt gelungenen Beitrag sprechen, aber in der vorliegenden Form verliert sich "Don't Knock Twice" leider im grauen Mittelmaß. Das ist schade, denn man hätte hier eine Menge mehr aus dem Geschehen heraus holen können. Und das, obwohl der Inhalt äußerst dünn gehalten wurde und nicht sonderlich viel Substanz beinhaltet.

Letztendlich lohnt sich eine Sichtung für Fans des Genres allemal, denn man hat schon weitaus schlechtere Genrevertreter gesehen, aber der ganz große Überflieger wird einem definitiv nicht geboten. Handwerklich solide in Szene gesetzt bietet "Don' Knock Twice" einen netten Gruselfilm für zwischendurch, einen nachhaltigen Eindruck dürfte der Beitrag bei den meisten Leuten allerdings nicht hinterlassen. Dafür fehlt es ganz einfach an echten Überraschungen und das Ganze ist ein wenig zu vorhersehbar. Dennoch verschwendet man keinesfalls seine Zeit und sollte ruhig mal einen Blick riskieren.


Fazit:


Nichts Neues an der Front des Gruselfilms, diese Erkenntnis muss man nach Beendigung der Sichtung auf jeden Fall treffen. Wem jedoch der gute Durchschnitt ausreichend erscheint, der kann trotz offensichtlicher Defizite seine Freude an diesem Film haben.


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Beitragvon horror1966 » 31. Mär 2017 16:13

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Ben Hur
(Ben-Hur)
mit Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Ayelet Zurer, Pilou Asbæk, Sofia Black-D'Elia, Morgan Freeman, Marwan Kenzari, Moises Arias, James Cosmo, Haluk Bilginer
Regie: Timur Bekmambetov
Drehbuch: Lew Wallace / Keith R. Clarke / John Ridley
Kamera: Oliver Wood
Musik: Marco Beltrami
FSK 12
USA / 2016

Lange leben der jüdische Edelmann Ben Hur und sein römischer Adoptivbruder Messala im engen Familienverband. Nachdem Messala auf dem Schlachtfeld Karriere macht, und der Druck Roms auf Judäa unerträglich wird, intensivieren sich die Spannungen zwischen den Jugendfreunden. Als Ben Hur schuldlos in ein Attentat auf die römischen Besatzer verwickelt wird, verdammt Messala ihn zum Leben als Galeerensklave, und wirft seine Familie ins Verlies. Fünf Jahre später entkommt Ben Hur und schwört, Rache an Messala zu nehmen.


Ben Hur 2016 oder wie man die Neuverfilmung eines Klassikers vollkommen in den Sand setzt


Auch wenn der gleichnamige Roman von Lew Wallace schon im Jahr 1907 mit einem Kurzfilm und 1925 mit einer Stummfilm-Version bedacht wurde ist wohl ganz eindeutig William Wyler's filmische Adaption aus dem Jahr 1959 das absolute Referenzwerk für die vorliegende Geschichte. Nicht umsonst handelt es sich dabei um einen der besten Filme aller Zeiten, der gleichzeitig auch im Bereich der Monumentalfilme das Non plus Ultra darstellen dürfte. Umso gespannter konnte man auf die vorliegende Neuverfilmung des Stoffes sein, die unter der Regie von Timur Bekmambetov (Wanted) entstanden ist. Das die Klasse des 59er Werkes nicht erreicht wird war im Prinzip klar, doch was dem Zuschauer hier letztendlich vorgesetzt wurde, spottet im Prinzip jeglicher Beschreibung. Bei den unzähligen Defiziten weiß man dabei gar nicht so recht wo man beginnen soll, aber schon die Tatsache, das hier eine Geschichte mit einer Laufzeit von gut 3,5 Stunden auf noch nicht einmal 2 Stunden gestrafft wurde spricht Bände. Und so sollte man sich schon im Vorfeld auf eine komplexe Story im Zeitraffer einstellen, denn genau so und nicht anders spielt sich das Geschehen im Endeffekt ab. Selbst das könnte man in der heutigen Zeit eventuell noch verschmerzen wenn dann ein Film mit einem Budget von geschätzten 100.000.000 $ zumindest als echter Blockbuster daher kommen würde, aber selbst in dieser Beziehung versagt "Ben Hur" fast auf der kompletten Linie. Der Film wirkt durchgehend wie gewollt und nicht gekonnt und nimmt so insbesondere den Liebhabern der Version von 1959 jegliche Hoffnung, das es sich letztendlich doch um eine gelungene Neuinterpretation handelt. Das man inhaltlich einige Änderungen vorgenommen hat ist dabei längst nicht das Schlimmste, denn schließlich ist es mittlerweile Gang und Gebe, Remakes älterer Klassiker zeitgemäß ein wenig aufzupeppen. Nur ist davon leider überhaupt nichts zu spüren, denn von der ersten Minute an wird einem vor Augen geführt, das Bekmambetov seine Erzählung ausschließlich auf das legendäre Wagenrennen ausgelegt hat. Damit beginnt und endet der Film auch gleichzeitig, wobei der gesamte Rest lediglich wie nötige Staffage erscheint die nötig ist, um die Chose auf eine bestimmte Länge zu trimmen.

Wenn es nicht so traurig wäre dann müsste man lauthals los lachen, denn die von Wyler seinerzeit so brillant verfilmte Story wird hier phasenweise der Lächerlichkeit preisgegeben. Das gesamte Szenario kommt seltsam gehetzt daher, denn schließlich mussten die Macher ja etliche Dinge in eine bestimmte Spielzeit einbauen. So kommen dann fast selbstredend alle Elemente viel zu kurz, zudem gibt es auch keinerlei ausführliche Charakter-Skizzierungen, die in der 59er Verfilmung noch eine der ganz großen Stärken waren. Ganz generell ist auch die Darstellerriege mit Ausnahme von einem solide agierenden Morgan Freeman durch die Bank als absolute Fehlbesetzung anzusehen und insbesondere im Fall der beiden Hauptfiguren fällt das extrem stark ins Auge des Betrachters. Waren Charlton Heston als Ben Hur und Stephen Boyd in der Rolle von Messala starke Mimen mit Ausstrahung und Präsenz, so wirken Jack Husto und Toby Kebbell vielmehr wie ungelenke Fremdkörper, die gar nicht so genau wissen was sie überhaupt in diesem Film zu suchen haben. Das kann man aber auch auf die restlichen Akteure ummünzen, von denen lediglich wie schon kurz erwähnt der alternde Freeman einen recht guten Eindruck hinterlässt. Auch in visueller Hinsicht erlebt man eine ziemlich herbe Enttäuschung, denn gerade wenn man sich einmal die Bildgewalt und die kräftigen Farben von 1959 vor Augen hält, dann kann der vorliegende Beitrag noch nicht einmal in Ansätzen an diese hohe Qualität heran reichen.

Und so setzt man dann seine ganzen Hoffnungen auf ein richtig spektakulär in Szene gesetztes Wagenrennen, das dann aber fast schon zu einer kleinen Lachnummer verkommt. An dieser Stelle wurden die Möglichkeiten völlig achtlos liegen gelassen und man kommt sich als Zuschauer fast schon ein wenig verarscht vor. Schuf Wyler seinerzeit doch ein intensives Spektakel das einem regelrecht unter die Haut geht, so lässt Timur Bekmambetov seine beiden Hauptdarsteller lediglich ein paar Mal im Kreis herum fahren und verzichtet dabei im Prinzip gänzlich auf irgendwelche Höhepunkte. Als wenn das dann nicht langsam zu viel des Guten wäre wird dem Ganzen mit der Schlusseinstellung noch die absolute Krone aufgesetzt, denn in der Art wie man das Ende verändert hat, gibt man das Ganze endgültig der Lächerlichkeit preis. Es gibt eine Familien-Zusammenführung der ganz besonderen Art und diese Form von Friede, Freude, Eierkuchen geht nun einmal überhaupt nicht. Wenn man dann doch etwas Positives in diesem verhinderten Blockbuster finden will ist es vielleicht die Tatsache, das in der Neuverfilmung dem religiösen Aspekt der Geschichte etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde, als es noch in Wyler's Verfilmung der Fall war. So ist beispielsweise auch die Figur von Jesus mit etwas mehr Spielzeit bedacht worden, was ehrlich gesagt ganz gut gepasst hat. Ansonsten aber präsentiert sich "Ben Hur" als ein echter Rohrkrepierer und es bewahrheitet sich einmal mehr, das man von bestimmten Filmen besser die Finger lassen sollte, anstatt sie mit einem dermaßen misslungenen Remake zu bestrafen.

Im Endeffekt wird es bestimmt genügend Leute geben die das vollkommen anders sehen, doch selbst aus der heutigen Betrachtungsweise aus gesehen handelt es sich um einen größtenteils verkorksten Versuch, eine großartige Geschichte neu zu verfilmen. Die Macher dieses Beitrages treten von einem Fettnäpfchen in das andere und servieren dem Betrachter im Endeffekt nichts anderes als filmische Gülle im Gewand eines Möchtegern-Blockbusters, der fast auf der ganzen Linie kläglich versagt. Will man einen wirklich herausragenden Monumentalfilm sehen, dann sollte man doch lieber immer wieder zu Wyler's Werk greifen, denn nicht umsonst teilt sich dieser grandiose Film auch heute noch den ersten Platz bei den erhaltenen Oscars. Und bei einem Punkt kann man ganz sicher sein, denn Ben Hur 2016 eignet sich höchstens als Kandidat für die goldene Himbeere, denn einen der begehrten Filmpreise wird dieser Mist ganz bestimmt nicht erhalten. Am besten wäre es gewesen wenn man sich diesen schwer erträglichen Rotz einfach gespart hätte, denn mehr als die pure Wut ruft dieser Beitrag nicht in einem hervor.


Fazit:


Auch wenn man mit einer geringen Erwartungshaltung an diese Neuauflage heran geht kann man fast sicher sein, das diese auf jeden Fall noch unterboten wird. Zumindest eine einigermaßen gute Umsetzung des Stoffes hätte man doch erwarten können, doch selbst in dieser Beziehung wird man eines Besseren belehrt. Und so kann man vor allem den Liebhabern von William Wyler's Film nur dringend von diesem Remake abraten, das stellenweise fast schon körperliche Schmerzen verursacht.


3/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 2. Apr 2017 16:47

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Angriff der Lederhosenzombies
(Angriff der Lederhosenzombies)
mit Laurie Calvert, Gabriela Marcinková, Oscar Dyekjær Giese, Margarete Tiesel, Karl Fischer, Kari Rakkola, Martin Loos, Patricia Aulitzky, Christian Roupec, Martina Schölzhorn
Regie: Dominik Hartl
Drehbuch: Dominik Hartl / Armin Prediger
Kamera: Xiaosu Han / Andreas Thalhammer
Musik: Paul Gallister
keine Jugendfreigabe
Österreich / 2016

Als wahres Wundermittel preist der geldgeile Hotelier Franz (Karl Fischer) dem Investor Chekov (Kari Rakkola) das Solanum +10 , seine Allzweckwaffe für Immerschnee, an, kurz bevor dem Russen die grüne Wunderbrühe ins kantige Gesicht spritzt. Schnell schlägt seine Haut Pusteln, während das Reden zum Grunzen verkommt. In Ritas Gaudihütte fällt solch exzentrisches Verhalten am letzten (Sauf-)Tag der Saison aber kaum auf: In der rustikalen Stub n stranden auch drei Profi-Snowboarder, die gerade einen lukrativen Sponsoring-Deal in den Sand gesetzt haben, und während die Bierseligen auf der Tanzfläche zu Dödelschlagern schunkeln, mischt sich der inzwischen untote Russe Chekov unter sie und verwandelt die Schnapsleichen in Zombies. Auf dem Berg ist bald die Hölle los: Gemeinsam müssen die Anwesenden einen Ausweg aus der Zombie-Apokalypse finden und dazu sind ihnen alle Waffen, von Bierbänken über Snowboards bis hin zu Schneefräsen, recht!


Zombiekomödien aus unserem Nachbarland Österreich stehen nun nicht gerade auf der Tagesordnung des Genres und umso erfreulicher gestaltet sich der vorliegende Beitrag von Dominik Hartl, der schon allein aufgrund seines bekloppten Filmtitels die Richtung vorgibt. Und so darf man sich dann auch auf ein ziemlich abgedrehtes Szenario einstellen, das neben den üblichen Untoten auch noch etliche Elemente des Slashers beinhaltet. Im Gegensatz zu den schnellen Zombies der Neuzeit greift Hartl in seiner Erzählung auf die langsamen und vor sich hin schlurfenden Menschenfresser zurück, was besonders die Freunde der 80er Jahre Werke ganz besonders erfreuen dürfte. Von Beginn an gestalten sich die Abläufe recht haarsträubend und es offenbart sich dabei so manche Szene, in der man wunderbar groteske Situationskomik geboten bekommt. Dennoch braucht die Geschichte eine geraume Weile um so richtig in Fahrt zu kommen, denn in der ersten halben Stunde hält man sich in Sachen Härte bis auf kleinere Ausnahmen doch noch merklich bedeckt. Bei einer Gesamtlaufzeit von knapp 78 Minuten ist das Im Prinzip schon etwas zu viel Zeit, wobei der Rest des Filmes dafür aber in dieser Beziehung ganz ordentlich auffährt. Es wird ordentlich Kunstblut vergossen und insbesondere die verschiedenen Tötungsarten auf die hier zurückgegriffen wird, sorgen dabei für ordentlich Abwechslung.

Da die nicht infizierten Überlebenden nämlich im Grunde genommen überhaupt keine Waffen haben ist Kreativität angesagt und in diesem Punkt wird dann auch so manch skurriler Gegenstand vollkommen zweckentfremdet, um die etlichen Untoten irgendwie im Zaum zu halten. Man kommt also auf seine Kosten und erlebt dabei auch so manch kuriose Passage, in der jede Menge Humor mitschwingt. Und dennoch hätte ich ehrlich gesagt noch ein wenig mehr von dieser Zombie-Slasher-Komödie erwartet, denn trotz etlicher guter Momente beinhaltet die Geschichte auch immer wieder Momente, die einen seltsam ereignislosen Eindruck hinterlassen. Es fehlt teilweise an der nötigen Dynamik um einen wirklich komplett zu überzeugen und das Geschehen wirkt so auch streckenweise ein klein wenig unentschlossen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, "Angriff der Lederhosenzombies" ist insgesamt gesehen ein äußerst ambitionierter Beitrag, nur kann sich die Chose phasenweise nicht so richtig zwischen Ernsthaftigkeit und Komödie entscheiden.

Vielleicht war das von Hartl ja durchaus beabsichtigt, aber meiner Meinung nach wurde hier eine riesige Chance vergeben, das Ganze noch abgedrehter und skurriler in Szene zu setzen. Und so wechseln sich dann auch immer wieder abstruse Momente mit ernsthaften Ansätzen ab, was dem Gesamtbild nicht unbedingt zuträglich ist. Wenn ich da beispielsweise an die beiden "Dead Snow" Filme denken, dann fehlt es im vorliegenden Fall doch etwas an der nötigen Entschlossenheit, um das absolut stimmige Gesamtpaket zu schnüren. Dabei handelt es sich allerdings um jammern auf einem hohen Niveau, denn in der Summe bietet "Angriff der Lederhosenzombies" eine Menge Spaß und beste Unterhaltung. Dafür tragen auch die Darsteller Sorge, denn sämtliche Akteure agieren sehr ordentlich, wobei die Hütten-Wirtin Rita ganz eindeutig den Vogel abschießt. Über die Interpretation dieser Figur kann man sich nun wirklich köstlich amüsieren und es ist eine echte Gaudi, der guten Frau beim Kampf gegen die Zombies zuzuschauen.

Insgesamt gesehen kann man also auf jeden Fall eine Empfehlung für diesen Film aussprechen, denn die Liebhaber abgedrehter Zombiekomödien dürften definitiv auf ihre Kosten kommen. Ich persönlich hätte mir das Ganze noch weitaus abgedrehter gewünscht, zudem hätte man auch die ein oder andere Passage sicherlich noch etwas blutiger gestalten können. Zwar gibt es ohne Frage mehrere nette Szenen zu begutachten, doch wenn ich den enthaltenen Härtegrad einmal mit dem kürzlich von mir gesichtetem "Scouts vs. Zombies" vergleiche, dann schneidet das vorliegende Werk doch etwas schlechter ab. Das ist aber nur meine rein subjektive Sichtweise und manch einer mag das ganz anders beurteilen. Kurzweil und gute Unterhaltung bekommt man bei "Angriff der Lederhosenzombies" in ausreichendem Maße geboten, allerdings gestaltet sich das Werk dann doch nicht ganz so skurril und grotesk, wie es manche Kritik und insbesondere der Filmtitel vermuten lassen.


Fazit:


Etwas mehr Entschlossenheit, ein wenig mehr an blutiger Action und eine größere Portion an abstrusem Humor hätten das gewonnene Gesamtbild noch erheblich aufgewertet, doch auch in der vorliegenden Form des Filmes erlebt der geneigte Genre-Freund keinesfalls eine Enttäuschung. In der Summe haben unsere österreichischen Nachbarn wirklich gute Arbeit geleistet, andererseits wurde jedoch auch eine große Chance vertan, um einen Genrevertreter mit echtem Kultpotential auf die Beine zu stellen.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 7. Apr 2017 17:14

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Underworld: Blood Wars
(Underworld: Blood Wars)
mit Kate Beckinsale, Theo James, Tobias Menzies, Lara Pulver, Charles Dance, James Faulkner, Peter Andersson, Clementine Nicholson, Bradley James, Daisy Head
Regie: Anna Foerster
Drehbuch: Kyle Ward / Cory Goodman / Cory Goodman
Kamera: Karl Walter Lindenlaub
Musik: Michael Wandmacher
FSK 16
USA / 2016

Die andauernde Feindschaft zwischen Lykanern und Vampiren ist auf einem Tiefststand angekommen. Und auch unter den Vampirclans herrscht nicht gerade Einigkeit. Als besonders gefährlich entpuppt sich der Lykaner Marius, der es auf Selenas besonders reines Blut abgesehen hat. Nur der junge David und sein Vater Thomas stehen auf der Seite von Selena.


Zum mittlerweile fünften Mal steigt das Underworld Franchise in den Ring und präsentiert dabei gleich auch den nächsten Wechsel auf dem Regiestuhl. Mit Anna Foerster nimmt dabei zum ersten Mal eine Frau Platz und meiner bescheidenen Meinung nach merkt man das auch ein wenig, denn ziemlich eindeutig stehen die weiblichen Figuren der Geschichte eindeutig im Vordergrund. Ansonsten bekommt man das handelsübliche Szenario geboten, denn selbstredend steht der scheinbar nicht zu beendende Krieg zwischen Lykanern und Vampiren auf der Tagesordnung, wobei sich "Underworld: Blood Wars" rein inhaltlich nicht gerade üppig präsentiert. Wirklich verwunderlich ist dieser Aspekt jedoch nicht, denn schon im Vorgänger "Awakening" wurde man mit einer Geschichte konfrontiert, die sich verhältnismäßig dünn eröffnet hat. Seinerzeit wirkte es wie der eher missglückte Versuch eine neue Story aufzubauen, so das der Film den Anstrich eines Übergang-Werkes nie ganz ablegen konnte. Wer im vorliegenden Teil allerdings auf eine große Besserung gehofft hat wird ein wenig enttäuscht sein, denn obwohl es sich um einen recht kurzweiligen Teil der Saga handelt, ist die inhaltliche Substanz nicht unbedingt hoch ausgefallen. Es scheint fast so, als wenn dem Franchise so langsam die Luft ausgeht und obwohl immer wieder neue Handlungsstränge gesponnen werden, ist die Faszination der ersten drei Filme irgendwie abhanden gekommen. Zugegeben, Foerster baut einige nette Ideen ein und stellt insbesondere die weiblichen Figuren des Szenarios ganz vehement in den Mittelpunkt.

Das steht dem Ganzen sogar gut zu Gesicht und die Damen aus den Reihen der Vampire machen ihre Sache auch wirklich gut, aber dieser Umstand allein kann nicht darüber hinweg täuschen, das man wohl so langsam aber sicher am Ende der Fahnenstange angelangt ist. Dabei ist durchaus noch genügend Potential für weitere Fortsetzungen vorhanden, denn allein schon der Erzählstrang um Selenas Tochter ist noch längst nicht zu Ende erzählt. Was nützt das aber, wenn die einzelnen Verfilmungen mittlerweile nur noch auf Action ausgelegt sind und die Geschichten an sich dabei viel zu kurz kommen? Genau diesen Eindruck wird man nämlich nicht los und denkt dabei in erster Linie an den grandios erzählten Erstling zurück, in dem zwar die Passagen voller Action noch recht selten gestreut wurden, man dafür aber eine absolut erstklassige Geschichte geliefert bekam. Und so sollte man lieber wieder zu den Anfängen zurück gehen, was aber ganz sicher nicht passieren wird, da in der heutigen Zeit nur noch die Kuh gemolken wird, bis auch der letzte Dollar heraus gepresst wurde. Die eventuell noch folgenden Ableger werden also auch in erster Linie einen eher gehetzten Eindruck hinterlassen und mit Action wie auch etlichen Effekten gespickt sein, wodurch die eigentliche Story immer mehr in den Hintergrund rücken wird.

Obwohl mir das sehr missfällt hat mir "Underworld: Blood Wars" dennoch ziemlich gut gefallen. In erster Linie mag dies in der Person von Kate Beckinsale begründet sein, denn es ist einfach immer wieder ein Genuss, die bildhübsche Britin in ihrem hautengen Anzug zu sehen. Zudem agiert sie souverän wie immer und ist ganz einfach das Aushängeschild dieser beliebten Horrorfilm-Reihe. Desweiteren verfügt auch dieser Film wieder über die absolut typische Underworld-Optik, die ziemlich düster gehaltenen Bilder und der unverkennbare Blaustich sind ja mittlerweile zum absoluten Markenzeichen geworden. Im Grunde genommen handelt es sich also um einen gut unterhaltenden fünften Teil der äußerst kurzweilig daher kommt, allerdings vom Inhalt her nicht unbedingt eine wahre Offenbarung darstellt.

Dafür werden jedoch die Action-Jünger einmal mehr auf ihre Kosten kommen, denn das Werk ist mit ordentlich Action ausgestattet, wobei sich der enthaltene Härtegrad allerdings in einem sehr überschaubaren Rahmen bewegt. Das mag vielen Leuten absolut ausreichend erscheinen, allerdings wurde wieder einmal die Chance vertan, das Ganze in einen überzeugenden geschichtlichen Rahmen einzubinden. Vielleicht besinnt man sich ja noch einmal eines Besseren und verschiebt die Gewichtung der einzelnen Elemente ein wenig, denn im Prinzip bietet das Franchise noch genügend an Potential, um viel mehr aus einer Erzählung heraus zu holen, als es im vorliegenden Fall gemacht wurde. Die Zeit wird es mit sich bringen und man darf gespannt sein, was im sicherlich noch folgenden sechsten Teil auf der Tagesordnung stehen wird.


Fazit:


"Underworld: Blood Wars" ist alles andere als ein schlechter Film, an die Klasse der ersten drei Teile kommt dieser Nachfolger jedoch nicht heran. Dennoch wird man bestens unterhalten und Fans der Saga um Lykaner und Vampire dürften knapp 90 Minuten lang ohne Probleme auf ihre Kosten kommen.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Apr 2017 11:18

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Rosemary's Baby
(Rosemary's Baby)
mit Zoe Saldana, Patrick J. Adams, Carole Bouquet, Christina Cole, Jason Isaacs, Olivier Rabourdin, François Civil, Rosemarie La Vaullée, Eva Lutz, Wojciech Pszoniak, Hiro Uchiyama
Regie: Agnieszka Holland
Drehbuch: Scott Abbott / Ira Levin / James Wong
Kamera: Michel Amathieu
Musik: Antoni Lazarkiewicz
FSK 16
USA / 2014

Das junge Ehepaar Rosemary und Guy zieht von New York nach Paris um einen Neuanfang zu wagen. Dort angekommen lernen sie ein nettes und einflussreiches Pärchen kennen und ihr Glück scheint perfekt, als die beiden ihnen eine luxuriöses Apartment in ihrem eigenen Wohnhaus vermitteln und Rosemary schwanger wird. Doch schon bald merkt die junge Frau, dass das ihre neuen Freunde ein dunkles Geheimnis verbergen und teuflische Ereignisse ihren Lauf nehmen …


Einem echten Klassiker eine Neuauflage angedeihen zu lassen birgt eigentlich immer ein Risiko in sich, denn mit Kenntnis des Originals stellt der Zuschauer fast zwangsläufig den direkten Vergleich an. Nicht anders verhält es sich bei der neuen Interpretation zu "Rosemary's Baby", mit dem Roman Polanski seinerzeit einen absoluten Genre-Klassiker ins Leben gerufen hat. Wie nicht anders zu erwarten kann das Remake aus dem Jahr 2014 dem Vergleich in keinster Weise stand halten, obwohl Agnieszka Holland sich bei ihrer Erzählung die größte Mühe gegeben hat, in die nicht gerade kleinen Fußstapfen des Originals zu treten. Rein inhaltlich hat man so gut wie keine Veränderungen vorgenommen, so das es bis auf die Tatsache das man das Geschehen in vorliegendem Fall nach Frankreich verlegt hat, im Prinzip keinerlei Neuerungen zu vermelden gibt. Man hat das Ganze als sogenannte Mini-Serie in Szene gesetzt, wobei es sich im Grunde genommen aber schlicht um einen in zwei Teile verpackten Spielfilm mit Überlänge handelt. Die Laufzeit von insgesamt knapp 170 Minuten ist dann auch gleich der erste kleine Kritikpunkt, denn die Ereignisse gestalten sich in manchen Phasen ein wenig langatmig und hinterlassen einen künstlich aufgeblähten Eindruck. Das ist allerdings durchaus zu verschmerzen, denn insgesamt gesehen präsentiert sich die Geschichte doch recht unterhaltsam.

Viel mehr stört es einen dann aber, das Holland es zu keiner Zeit geschafft hat, hier auch nur annähernd etwas von der genial düsteren Atmosphäre einzufangen, die Polanskis Werk so dermaßen ausgezeichnet hat. Das Remake ist vielmehr auf Hochglanz poliert worden und wird dem Original in dieser Beziehung keinesfalls gerecht. Dadurch entsteht dann auch keinerlei Intensität während der Abläufe und es will auch nicht das ganz große Grusel-Feeling aufkommen, das aber zwingend notwendig gewesen wäre, um den Betrachter wirklich für sich einzunehmen. Auch in darstellerischer Hinsicht sollte man mit diversen Abstrichen rechnen, denn waren die Schauspieler 1968 noch als eine große Stärke anzusehen, so geben sich die Akteure hier eher blass und farblos. Lediglich Zoe Saldana in der Hauptrolle gibt eine ganz gute Figur ab, sämtliche anderen Charaktere könnte man jedoch beliebig austauschen. Das Schauspiel ist zwar durchaus bemüht, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, das die meisten Darsteller in irgendeiner Weise gehemmt wirken.

In vielen Kritiken im Netz wird sich auch über die angeblich miese deutsche Synchronisation aufgeregt, was ich persönlich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen kann. Sicherlich handelt es sich hier nicht um die beste Synchro aller Zeiten, aber wer das Ganze als schlechten Witz oder gar noch Schlimmeres empfindet, hat wohl noch nie einen Film mit einer wirklich schlechten Synchronisation gesehen. Wie dem aber auch sei, insgesamt gesehen handelt es sich keinesfalls um eine echt misslungene Neuinterpretation des Originals, doch selbst wenn man "Rosemary's Baby" 2014 als eigenständiges Werk betrachtet, kommt man lediglich zu einem eher mittelmäßigen Eindruck. Es fehlt ganz einfach am nötigen Suspense, um einen gänzlich überzeugenden Gesamteindruck zu hinterlassen. Dafür hat Agnieszka Holland zu viel falsch gemacht und es insbesondere nicht verstanden, in ihrer Erzählung den echten Horror aufkommen zu lassen. Zwar wurde das Ganze zeitgemäß aufbereitet, doch gerade in diesem Aspekt ist dann auch gleichzeitig die Schwäche des Filmes zu finden.

Die Hochglanz-Optik ist völlig falsch gewählt und verhindert im Prinzip durchgehend, das sich eine gruselige Grundstimmung aufbauen kann. Durchschnittlich aufspielende Darsteller und fehlende Grusel-Atmosphäre tragen dann auch nicht zu einem besseren Gesamteindruck bei, so das die Neuauflage keinen sonderlich nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen wird. Man kann sich diesen Zweiteiler zwar ohne Weiteres gut anschauen, sollte aber auf gar keinen Fall mit zu hohen Erwartungen an die Sache heran gehen, denn die können von "Rosemary's Baby" 2014 nicht erfüllt werden. Wer ein wirkliches Meisterwerk des subtil aufkommenden Horrors erleben möchte, sollte also lieber immer wieder zu Polanskis Film greifen, für alle anderen präsentiert sich mit dem Remake ein gerade mal durchschnittlicher Horrorfilm.


Fazit:


Im Prinzip bin ich nicht wirklich enttäuscht, denn ehrlich gesagt konnte man definitiv erahnen, das diese Neuauflage keinesfalls an die Klasse des Originals heran reichen kann. Etwas mehr hätte es dann aber durchaus sein dürfen, denn insbesondere in atmosphärischer Hinsicht versagt Holland's Version fast gänzlich. Das hätte man bestimmt vermeiden können, aber eine auf Hochglanz getrimmte Optik war anscheinend wichtiger, als diesem Film das nötige Etwas angedeihen zu lassen.


5,5/10
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