horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 4115

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 9. Feb 2016 18:23

Bild




Bus 657
(Heist)
mit Gina Carano, Robert De Niro, Jeffrey Dean Morgan, Dave Bautista, Kate Bosworth, Mark-Paul Gosselaar, Morris Chestnut, D.B. Sweeney, Summer Altice, Alyssa Julya Smith, Lydia Hull, Joshua Mikel, Courtney B Turk
Regie: Scott Mann
Drehbuch: Stephen Cyrus Sepher / Max Adams
Kamera: Brandon Cox
Musik: James Edward Barker / The Despic
FSK 16
USA / 2015

Vaughn braucht dringend 300.000 $, um die lebensrettende Operation für seine Tochter zu bezahlen. Sonst wird die Klinik die Behandlung seines kleinen Mädchens abbrechen. Aber wie soll einer, der am Black-Jack-Tisch arbeitet, so viel Geld auftreiben? Casinoboss Frank schmeißt ihn jedenfalls achtkantig raus, als er ihn um Hilfe bittet. Da macht sich Cox vom Sicherheitsdienst an Frank heran. Der gut gefüllte Casinotresor lockt ihn. Vaughn wollte eigentlich nie mehr krumme Dinger drehen, aber für sein Kind ... Der hastig geplante Job läuft gewaltig aus dem Ruder und die Männer finden sich mit der Beute und einer Handvoll Geiseln in einem öffentlichen Bus wieder. Eine nervenzerfetzende Jagd beginnt, bei der wirklich alles anders kommt als erwartet ...


Wieder einmal steht ein entführter Bus im Mittelpunkt eines Action Thrillers und ganz unweigerlich denkt man als Zuschauer bei dieser Ausgangslage an Jan de Bont "Speed" aus dem Jahr 1994. Sicherlich sind bei "Bus 657" auch durchaus diverse Ähnlichkeiten zu diesem Werk vorhanden, allerdings sollte man keinesfalls die gleiche Qualität, geschweige denn einen gesteigerten Actiongehalt erwarten. Hier handelt es sich vielmehr um einen ordentlichen B-Movie, der unter der Regie von Scott Mann (The Tournament) entstanden ist und eine recht interessante Geschichte erzählt, der sich jedoch im Bezug auf die vorhandene Action im eher ruhigen Fahrwasser ansiedelt. Dennoch beinhaltet die Story zumindest streckenweise ein ordentliches Tempo, legt allerdings ihr Hauptaugenmerk vielmehr auf das Schicksal seiner Hauptfigur Vaughn, der gleichzeitig auch trotz seiner kriminellen Tat ganz eindeutig als Sympathieträger des Szenarios anzusehen ist. Begründet ist dies in seinem Motiv für den Überfall auf das Casino seines Arbeitgebers, in dessen Rolle Schauspiellegende Robert De Niro zu sehen ist, der trotz eher geringer Spielanteile eine Kostprobe seines schauspielerischen Könnens abliefert.

Im Grunde genommen verläuft die Erzählung äußerst gradlinig und beinhaltet keine echten Höhepunkte. Die wenigen Action Passagen sind ordentlich in Szene gesetzt worden, wobei man aber bis auf kleinere Verfolgungsjagden und diverse Schießereien keine echten Highlights erwarten sollte. Man bewegt sich in vorliegendem Fall in einem sehr soliden Rahmen und bekommt vor allem ein überzeugendes Schauspiel der Protagonisten geboten. In diesem Bezug gibt es nämlich überhaupt nichts zu meckern, denn sämtliche Akteure erscheinen spielfreudig und hinterlassen einen sehr authentischen Eindruck beim Betrachter. Während Scott Mann einen größtenteils ohne jegliche Schnörkel durch seine Geschichte führt, hat der gute Mann im finalen Showdown dann doch noch einen ordentlichen Plot Twist eingebaut, den man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte. Das sorgt zum Schluss hin dann doch noch für einen kleineren Höhepunkt und rundet das insgesamt sehenswerte Gesamtbild stimmig ab.

Mit der richtigen Erwartungshaltung an "Bus 657" kommt man sehr wohl auf seine Kosten, denn auch wenn der Film keinesfalls ein Feuerwerk an spektakulären Szenen anbietet, offenbart sich insgesamt äußerst kurzweilige und gute Unterhaltung. Insbesondere das letzte Drittel des Filmes mit der doch etwas überraschenden Wendung fällt dabei positiv ins Auge und ordnet das gewonnene Gesamtbild etwas oberhalb des üblichen Durchschnitts an. Auch die Leistung des in die Jahre gekommenen Robert De Niro ist meiner Meinung nach besonders zu erwähnen, denn nachdem der gute Mann zuletzt doch eher in Rollen zu sehen war die kaum die Möglichkeit für schauspielerische Glanzleistungen boten, ist in vorliegendem Fall zumindest ansatzweise das große Können des Darstellers zu erkennen. Die Rolle des skrupellosen und zwielichtigen Casino Bosses ist ihm wie auf den Leib geschneidert und erinnert teilweise an vergangene Tage, in denen De Niro einen immer wieder mit seinen Leistungen beeindrucken konnte.

Insgesamt gesehen ist "Bus 657" also sicherlich kein überragender Beitrag, stellt aber einen sehenswerten B-Movie dar, an dem man durchaus seine Freude haben kann. Eine interessante Geschichte, gute Schauspieler, einpaar nette Action Szenen und eine gelungene Wendung am Ende sind dabei absolut ausreichend um für ein gutes Filmerlebnis zu sorgen. Es müssen eben nicht immer die ganz großen und opulent ausgestatteten Produktionen sein, manchmal reichen auch kleinere Filme definitiv aus, um den Zuschauer durchgehend bei Laune zu halten.


Fazit:


Sechs Jahre nach dem fulminanten "The Tournament" wartet Scott Mann nun mit seinem "Bus 657" auf und präsentiert dabei seinen erst zweiten Spielfilm. Und auch wenn das neue Werk keinesfalls den Actiongehalt des sechs Jahre zurückliegenden Filmes beinhaltet, bekommt der Zuschauer ordentliche Filmkost serviert, für die man ohne Weiteres eine Empfehlung aussprechen kann.


7/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 9. Feb 2016 18:49

Bild




Bedingungslos
(Kaerlighed pa film)
mit Anders W. Berthelsen, Rebecka Hemse, Nikolaj Lie Kaas, Charlotte Fich, Dejan Cukic, Karsten Jansfort, Flemming Enevold, Bent Mejding, Ewa Fröling, Josephine Raahauge, Timm Vladimir, Ditte Hansen, Fanny Bornedal, Daniel Stampe, Jannie Faurschou
Regie: Ole Bornedal
Drehbuch: Ole Bornedal
Kamera: Dan Laustsen
Musik: Joachim Holbek
FSK 16
Dänemark / 2007

Nach einem katastrophalen Autounfall mit tragischem Ausgang fühlt sich Jonas mitschuldig und besucht das im Koma liegende Opfer Julia im Krankenhaus. Deren Familie hält ihn fälschlicherweise für Julias neuen Freund Sebastian, den sie in Kambodscha kennen lernte. Weil Julia und ihr Leben ihn zunehmend faszinieren und Gedächtnisverlust ihre Erinnerungen blockieren, lässt sich Jonas auf das gefährliche Spiel mit einer fremden Identität ein, bis die Vergangenheit gewaltsam in die Gegenwart eindringt und er in eine prekäre Situation gerät.


Längere Zeit hatte man nichts mehr von dem dänischen Regisseur Ole Bornedal gehört, der uns 1994 mit dem Film "Nightwatch-Nachtwache" einen außerordentlich guten Horror-Thriller beschert hat, der mittlerweile in Fankreisen längst Kultstatus besitzt. Nun präsentiert er uns mit "Bedingungslos" einen wirklich starken Thriller, der meiner Meinung nach eine absolute Bereicherung für das Thriller-Genre darstellt. Es ist ein Film der etwas stilleren, aber dafür umso intensiveren Art und eine äusserst gelungene Mischung aus Thriller, Drama und modernem Film Noir, die eine absolut faszinierende Wirkung auf den Zuschauer ausübt, der man sich schwerlich entziehen kann.

Allein schon der Beginn ist sehr außergewöhnlich, es werden einem drei separate Liebesszenen präsentiert, die eigentlich gar keine sind und man sieht eine Szene, in der ein blutender Mann im strömenden Regen auf der Straße liegt. Auch wenn diese Bilder am Anfang noch keinen großen Sinn ergeben, so sind sie ein ganz wichtiger Teil der hier erzählten Geschichte und ergeben im Laufe der Zeit sehr wohl einen Sinn, der allerdings erst im Gesamtbild des Filmes erkennbar wird.

Die große Stärke von "Bedingungslos" ist ganz eindeutig die vorhandene Story, in der ein Polizeifotograf aus seinem gut bürgerlichen Familienleben ausbrechen will, nichtsahnend, das er damit katastrophale Folgen auslöst, an die er wohl im Traum nicht gedacht hat. Ausgelöst wird die ganze Szenerie durch einen eher unglücklichen Autounfall, bei dem er das erste mal auf Julia trifft, die das Opfer ist. Anfangs eher aus Schuldgefühlen besucht er diese öfter im Krankenhaus und merkt anfangs nicht, das er immer mehr in ihren Bann gerät und sich in ein Lügengerüst verwickelt, aus dem er letztendlich nicht mehr herauskommt. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und die sich anbahnende Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten.

Auch wenn der Film keine großartigen Action Passagen beinhaltet, geht eine sehr starke Intensität von ihm aus, die durch die teils unheilvoll wirkende Atmosphäre noch zusätzlich unterstützt wird. Phasenweise entsteht beim Zuschauer sogar ein gewisses Gefühl der Beklemmung, das man schon ahnt, auf was die Geschichte am Ende hinausläuft. Man möchte dem Fotografen am liebsten zurufen, das er sich dem Bann von Julia entzieht, um die Katastrophe zu verhindern, fühlt sich aber gleichzeitig wie ohnmächtig, da die Chance auf ein Eingreifen nicht vorhanden ist.

So muss man letztendlich tatenlos zusehen, wie sich das Geschehen immer mehr zuspitzt und das tragische Ende nicht lange auf sich warten lässt. Und auch, nachdem der Abspann läuft, wirkt dieser intensive Film noch nach, man lässt die Bilder noch einmal revue passieren und merkt immer mehr, was für ein fantastisches Filmerlebnis man gerade hatte. Mit verantwortlich für diese Tatsache sind natürlich auch die zwar eher unbekannten, aber deswegen nicht minder guten Schauspieler, die durch ihre Ausdruckskraft und die authentischen Darstellungen ihrer Charaktere zum erstklassigen Gesamtbild dieses Werkes beigetragen haben.

Ole Bornedal hat mit "Bedingungslos" wieder einmal unter Beweis gestellt, das die guten Filme nicht zwangsläufig immer aus Hollywood kommen müssen, sondern das auch gerade in Europa ein gutes Pflaster für qualitativ hochwertige Filme vorhanden ist. Freunde niveauvoller Thriller sollten sich jedenfalls diesen Leckerbissen keinesfalls durch die Lappen gehen lassen.


Fazit:


"Bedingungslos" ist ein in allen Belangen überzeugender Film und ein weiterer Beweis für die hohe Qualität skandinavischer Filme. Wer interessante und wendungsreiche Thriller zu schätzen weiß, der dürfte in vorliegendem Fall definitiv auf seine Kosten kommen.


8/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 10. Feb 2016 15:47

Bild




Der Babadook
(The Babadook)
mit Essie Davis, Noah Wiseman, Hayley McElhinney, Daniel Henshall, Barbara West, Benjamin Winspear, Chloe Hurn, Jacquy Phillips, Bridget Walters, Annie Batten, Tony Mack, Carmel Johnson, Tiffany Lyndall-Knight, Lucy Hong
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera: Radek Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
FSK 16
Australien / 2014

Amelia hat schwer an ihrem Leben zu knabbern. Nicht nur ist sie nach dem Tod ihres Mannes verwitwet und allein erziehend, ihr sechsjähriger Sohn Samuel fällt auch durch sein seltsames und aggressives Verhalten in Schule und familiären Umfeld auf. Dann taucht plötzlich im Kinderzimmer ein düsteres Bilderbuch über einen dunklen Mann auf, das sich auch scheinbar nicht aus dem Haus verbannen lässt, während sich Samuel immer mehr von Monstern verfolgt fühlt. Nach und nach schleicht sich der Horror in Amelias und Samuels Leben.


Nach einem Kurzfilm und einer Episode aus einer TV Serie stellt "Der Babadook" das Langfilmdebüt der Australierin Jennifer Kent dar, die mit ihrem Erstling wohl einen der bemerkenswertesten Genre Beiträge der letzten Jahre abgeliefert hat. Sich selbst als Horrorfilm deklarierend stellt der Film jedoch vielmehr einen äußerst gelungenen Mix aus verschiedenen Genres dar, der den Zuschauer auch gleichzeitig zum mitdenken anregt, da nicht alle Abläufe logisch erklärt werden. Schon im Vorfeld mit etlichen Auszeichnungen geehrt schaffte diese sehr feine Produktion sogar den Sprung in die deutschen Kinos, was in der heutigen Zeit längst nicht so selbstverständlich erscheint. Nach Sichtung der Geschichte ist dieser Umstand aber definitiv nachvollziehbar, denn das vorhandene Potential und die Qualität des Werkes haben das auf jeden Fall verdient. Zu Beginn des Geschehens ist von aufkommendem Horror noch überhaupt nichts zu verspüren, denn zunächst einmal konfrontiert Kent den Betrachter mit einer ungemein komplizierten Mutter-Sohn Beziehung, die auch die ganze Zeit über im Vordergrund stehen soll. Dabei entwickelt sich das Ganze wie ein Drama und beinhaltet gleichzeitig aber auch die Elemente eines waschechten Psycho Thrillers, was von Beginn an für ein Höchstmaß an Intensität sorgt.

Im weiteren Verlauf sind dann die ersten Vorläufer des subtilen Horrors zu erkennen, bevor sich das Szenario später in einen erstklassigen Gruselfilm verwandelt und dem Betrachter so manchen kalten Schauer über den Rücken jagt. Immer stärker treten dabei bedrohliche Züge in den Mittelpunkt und es entfaltet sich eine Atmosphäre, die man kaum dichter hätte gestalten können. Das wird aber sicher nicht jeder so empfinden, denn ehrlicherweise muss man eingestehen, das "Der Babadook" ganz bestimmt nicht alle Geschmäcker treffen wird. Das mag in erster Linie an der außergewöhnlichen Kombination der verschiedenen Genres liegen, gleichermaßen aber auch darin begründet sein, das es sich keinesfalls um einen Horrorfilm im eigentlichen Sinne handelt. Das kommt insbesondere in der ersten Hälfte des Filmes zum Ausdruck, in der das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Sohn stark thematisiert wird. Der junge Samuel malträtiert dabei nicht nur die Nerven seiner überforderten Mutter, sondern auch die des Zuschauers, der durch das ständige Geschrei des Knaben auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird. Hegt man dabei schon selbst den immer stärker werdenden Wunsch dem Jungen den Mund zu stopfen, so kann man sich aber dennoch nur ansatzweise in die junge Amelia hinein versetzen, die aufgrund von Samuels Verhalten schon mehrere Wochen nicht mal mehr schlafen konnte. Gleichzeitig verliert sie auch fast sämtliche sozialen Kontakte, denn auch in ihrem überschaubaren Freundeskreis gilt der Junge als kranker Außenseiter, mit dem man nicht unbedingt seine Zeit verbringen möchte.

Auch wenn in diesem Teil des Filmes die echten Horror Elemente noch nicht zugegen sind wirkt das Geschehen zu keiner Zeit langweilig. Eher das Gegenteil ist der Fall, zudem sind diese Passagen auch unverzichtbar für den weiteren Verlauf der Story, die nun immer mehr in die Richtung des Gruselfilmes tendiert. Die Richtungsänderung bezieht sich aber längst nicht nur auf die immer bedrohlicher erscheinenden Ereignisse, denn auch die beiden Hauptfiguren erfahren eine regelrechte Charakter Wandlung. Während Samuel nun nämlich immer ruhiger und fast erwachsen wirkt, verliert die gute Amelia immer mehr die Fassung und tritt wie ein psychisches Wrack in Erscheinung. An dieser Stelle werden dann auch stellenweise Elemente der Besessenheits-Thematik eingeführt und dieser Schachzug steht dem Gesamtbild extrem gut zu Gesicht. Besonders hervor zu heben ist dabei auch das exzellente Schauspiel der Akteure, denn sowohl der junge Noah Wiseman in der Rolle des Samuel und insbesondere Essie Davis als Amelia liefern dermaßen brillante Performances ab, das einem manchmal fast die Spucke weg bleibt. Es ist einfach grandios mit anzusehen wie sich hier auch die Rollen vertauschen und phasenweise kommt es einem sogar so vor, als wenn zwei Seelen einfach ihre Körper getauscht hätten. Im Zusammenspiel mit dem erstklassigen Schauspiel der Protagonisten macht sich dabei eine Faszination breit, der man sich unmöglich entziehen kann, denn viel zu sehr wird man in den Strudel der Ereignisse hinein gezogen, die mit zunehmender Laufzeit immer mehr Intensität und Wucht entfalten.

Ein weiterer Aspekt des Geschehens ist auch der unterschwellige Wunsch der Mutter ihr Kind zu töten. Die Thematisierung des Wunsches kann dabei auf verschiedenste Arten interpretiert werden, denn einerseits geschieht dies im Zusammenhang mit den kurz erwähnten Elementen der Besessenheit, andererseits wird aber auch in diversen Aussagen Emilias ziemlich deutlich, das sie ihres Sohnes überdrüssig ist und einfach nur ein normales Leben führen möchte. Hier kommt in regelmäßigen Abständen immer wieder der enorme Druck durch, der ganz offensichtlich auf der vollkommen überforderten Frau liegt. Manch einer wird das eventuell aus seiner Sicht völlig anders interpretieren, doch genau darin liegt der ganz besondere Reiz von "Der Babadook". Der film erklärt längst nicht alles und lässt so genügend Freiraum, um die eigene Fantasie in Gang zu setzen. Dadurch ist hier etwas ganz Besonders und Außergewöhnliches entstanden und man kann letztendlich der guten Jennifer Kent nur ein ganz dickes Lob für dieses grandiose Erstlingswerk aussprechen. Das der Babadook selbst dabei eine visuell eher untergeordnete Rolle spielt ist nicht weiter schlimm, denn ist das Wesen aus einem Kinderbuch doch fast durchgehend als unheilvolle aber unsichtbare Bedrohung immer mit an Bord. Auch als er sich nach einer ziemlich langen Zeitspanne zum ersten Mal materialisiert ist er lediglich als schemenhafte Gestalt zu vernehmen, doch dieser Umstand ist sogar als äußerst positiv zu bewerten, da die unterschwellige Bedrohung so noch viel stärker zum Ausdruck kommt. Wie dem auch sei, man sollte sich diesen tollen Beitrag zumindest einmal anschauen, denn nur so kann man sich auch wirklich ein Urteil bilden. Mich persönlich hat dieses Werk jedenfalls vollends überzeugt und in seinen Bann gezogen, so das ich definitiv eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen kann, die einen recht außergewöhnlichen Horrorfilm zu schätzen wissen.


Fazit:


Zwei grandios aufspielende Hauptdarsteller, eine spannende Geschichte und eine extrem dichte Atmosphäre sind nur drei der Aushängeschilder, die "Der Babadook" beinhaltet. Jenseits der üblichen Horror Konventionen präsentiert sich eine gelungene Mischung aus verschiedenen Genres, die dem Zuschauer wirklich unter die Haut geht.


9/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 10. Feb 2016 18:35

Bild




Hotel Inferno
(Hotel Inferno)
mit Rayner Bourton, Michael Howe, Jessica Carroll, Christian Riva, Wilmar Zimosa, Santiago Ortaez, Monica Muñoz, Riccardo Valentini, Mauro Migliorini, Bonini Mino, Pierluigi Nitas, Enrique Sorres
Regie: Giulio De Santi
Drehbuch: Giulio De Santi
Kamera: Stefan Bergi
Musik: Protector101 / Razzaw
ungeprüft
Italien / 2013

Der Auftragskiller Frank Zimosa wurde für einen lächerlichen, aber äußerst lukrativen Auftrag angeworben. Der Auftraggeber ist der reiche und mächtige Mr. Mistandria. Das Ziel ist simpel: Ein paar Leute in einem Hotel irgendwo in Europa erledigen. Es klang nach einem der einfachsten Jobs, die Frank je angenommen hat, aber er entwickelt sich schnell zum Albtraum. Schnell muss er feststellen, dass er nichts weiter als eine Beute für Mistrandia und seine Armee von Schergen ist. Er wird nun konfrontiert von Mutationen und Irren, die sich ihm in den Weg stellen...


Das Label Necrostorm hat sich in den letzten Jahren durchaus einen Namen gemacht, wobei dieser ganz sicher nicht durch die inhaltliche Substanz diverser Filme, sondern vielmehr durch deren Härtegrad entstanden ist. Der italienische Horrorfilm "Hotel Inferno" macht da keine Ausnahme und nach der Sichtung des Werkes stellt man sich ganz automatisch die Frage, wie viel Inhalt ein Film denn nun wirklich braucht, um einigermaßen gut zu funktionieren. Nicht sonderlich viel möchte man antworten, denn trotz gähnender Leere im Bezug auf die vorhandene Geschichte versteht es Regisseur Giulio De Santi, den Zuschauer über knapp 77 Minuten gut zu unterhalten. Zu dieser Einschätzung kann man allerdings nur gelangen wenn man die vorliegende Erzählung einzig und allein auf ihre SFX reduziert, denn auf allen anderen Ebenen kann man diese Produktion einfach nicht bewerten. Und so handelt es sich dann auch aus rein filmischer Sicht um einen einzigen Offenbarungseid, auf dessen extrem ausgedünnte Rahmenhandlung man nicht weiter eingehen braucht. Zudem erscheint die sogenannte Story Line auch noch dermaßen hanebüchen, das man im Prinzip nur die Hände vor das Gesicht schlagen kann.

Das macht aber rein gar nichts, denn "Hotel Inferno" legt auch keinerlei Wert auf inhaltliche Substanz, geht es in diesem Szenario doch lediglich darum, den Betrachter mit einer durchgehenden Aneinanderreihung brutaler Passagen auf die banalste Art und Weise zu befriedigen. Cineasten dürften sich die Haare raufen, für den geneigten Gorehound offenbart sich jedoch ein wahres Festmahl, denn die handgemachten Effekte sind hier im absoluten Überfluss vorhanden. Aufgrund des ganz offensichtlich geringen Budgets wirken diese zwar an der ein oder anderen Stelle ein wenig billig, doch das wird den eingefleischten Fan ganz bestimmt nicht weiter stören. Auch die manchmal etwas gewöhnungsbedürftige Ego Perspektive aus der einem die Ereignisse gezeigt werden stört nicht weiter, vielmehr überkommt einen das Gefühl, selbst die ausführende Hand bei den unzähligen Tötungen zu sein.

Auf Dinge wie Schauspiel oder die vorhandenen Dialoge sollte man nicht sonderlich achten, denn während die agierenden Protagonisten sowieso nur wie Schlachtlämmer auf dem Weg zu ihrem Henker wirken, sind die Dialoge ebenso ergiebig wie eine leere Flasche Bier. "Fick dich" ist in diesem Szenario noch der wertvollste Ausspruch und wird gleichzeitig auch häufig benutzt, wohingegen die restlichen Wortwechsel aufgrund der totalen Sinnlosigkeit gut und gern vernachlässigt werden können. Man merkt also, das man es in vorliegendem Fall nicht gerade mit einem cineastischen Leckerbissen zu tun bekommt, doch diesen Anspruch will "Hotel Inferno" auch überhaupt nicht erfüllen. Dieser Film dient ausschließlich als Sammelsurium extremer Brutalitäten und auf dieser Ebene funktioniert das Szenario auch tadellos. Die ansonsten üblichen filmischen Komponenten fehlen allerdings gänzlich, so das man die eigene Erwartungshaltung von Beginn an in die richtige Richtung lenken sollte.

Letztendlich ist es die reine Geschmackssache und das Werk von Giulio De Santi dürfte auch definitiv nur eine ganz bestimmte Zielgruppe befriedigen. Jede Menge Kunstblut, extreme Härten und handgemachte Effekte sind die Triebfedern einer Geschichte, die diese Bezeichnung im eigentlichen Sinne noch nicht einmal verdient hat. Aus diesem Grund sollte man auch die sonst übliche Bewertungsskala zu Hause lassen und "Hotel Inferno" nur als trashiges Splatter und Gore Spektakel bewerten. Auf allen anderen Ebenen tendiert das Ganze nämlich zum absoluten Rohrkrepierer, was den Liebhaber der harten Gangart aber nicht weiter stören dürfte.


Fazit:


Brachiale Gewalt Exzesse und handgemachte Effekte, mehr hat diese Produktion nun wirklich nicht zu bieten. Manchmal reicht das aber dennoch aus um durchaus gut unterhalten zu werden, allerdings sollte man Filme dieser Art auch nicht zu oft in den heimischen Player legen, da man ansonsten mit der Zeit wohl selbst ganz schön abstumpfen wird.


aus filmischer Sicht 2/10

als trashige Splatter und Gore Bombe 8/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 10. Feb 2016 19:05

Bild




The Fast and the Furious: Tokyo Drift
(The Fast and the Furious: Tokyo Drift)
mit Lucas Black, Damien Marzette, Trula M. Marcus, Zachery Ty Bryan, Brandon Brendel, Daniel Booko, David V. Thomas, Amber Stevens West, Ashika Gogna, Christian Salazar, Kevin Caira, Trey Sanford
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Chris Morgan
Kamera: Stephen F. Windon
Musik: Brian Tyler
FSK 12
USA / 2006

Sean Boswell flieht nach Tokyo, um nicht wegen illegaler Autorennen ins Gefängnis zu müssen. Doch seine Leidenschaft für schnelle Autos und schöne Frauen führt ihn vom Pfad der Tugend schnell auf direkten Kollisionskurs mit der japanischen Unterwelt. Um zu überleben, muss Sean das Drift-Racing meistern - einen neuen Rennstil, bei dem todesmutige Fahrer durch Haarnadelkurven rasen und dabei Gefahr und Gravitation trotzen, um den ultimativen Geschwindigkeitsrausch zu erleben...


Ohne Frage handelt es sich bei diesem Film um den schwächsten Teil der Reihe, was insbesondere in der Tatsache begründet ist, das niemand aus der eigentlichen Crew mit an Bord ist. Die Geschichte passt irgendwie nicht so ganz in die Reihe und auch im Bezug auf die Action wird verhältnismäßig wenig geboten. Als eigenständiger Film funktioniert das Werk noch ganz gut, im Zusammenhang mit den anderen Teilen wirkt das Szenario aber vielmehr wie ein Fremdkörper. Erst im siebenten Film bekommt die Geschichte einen Zusammenhang mit den anderen Filmen, wodurch aber auch gleichzeitig erkennbar wird, das der Film in der chronologischen Reihenfolge als dritter Teil völlig deplaciert wurde.


6/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 13. Feb 2016 11:17

Bild




The Voices
(The Voices)
mit Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver, Ella Smith, Paul Chahidi, Stanley Townsend, Adi Shankar, Sam Spruell, Valerie Koch, Gulliver McGrath, Paul Brightwell, Alessa Kordeck, Michael Pink
Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Michael R. Perry
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Olivier Bernet
FSK 16
Deutschland / USA / 2014

Der naive Badewannenfabrik-Arbeiter Jerry sucht auf Anraten seiner Psychiaterin Anschluss bei Bürotippse Fiona, die Interesse vortäuscht und ihn dann versetzt. Er hält sie für einen Engel, sie ihn für einen Trottel - beide irren sich. Jerry setzt seine Medikamente ab und wird daheim von Bosco, der Bulldogge, und Katze Mr. Whisker indoktriniert, die hochnäsige Bekanntschaft zu zerstückeln. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Es könnte noch eine Wende zum Guten nehmen, denn Kollegin Lisa zeigt echtes Interesse an Jerry.


Böser Spaß mit Kultpotential


Dieser Schriftzug springt dem Zuschauer vom Cover der deutschen Blu-ray entgegen und zumindest bei einer bestimmten Zielgruppe könnte es für "The Voices" auch wirklich zum Kultstatus reichen. Wird der Film doch zumeist immer als Komödie angepriesen, so versteckt sich doch vielmehr ein recht außergewöhnlicher Mix verschiedenster Genres hinter dieser Geschichte, die jenseits des üblichen Mainstreams angesiedelt ist. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht der junge Jerry, der von einem glänzend aufgelegten Ryan Reynolds dargestellt wird. Der junge Mann ist schizophren und weigert sich zudem auch noch seine Medikamente einzunehmen, was letztendlich böse Folgen haben soll und gleichzeitig zu einem der ungewöhnlichsten Serienkiller Filme führen soll, die man je gesehen hat. Die Thematik wird einem allerdings mit extrem viel schwarzem Humor präsentiert und über die gesamte Laufzeit verteilt ergeben sich immer wieder Passagen voll skurriler Situationskomik, die das Ganze wunderbar witzig erscheinen lassen.

Diese Momente treten insbesondere immer dann in den Vordergrund, wenn Jerry mit seinem Hund und seinem Kater kommuniziert. Ohne seine Tabletten kann er nämlich die Stimmen der Tiere hören, wodurch in seinem Kopf der übliche Kampf Gut gegen Böse stattfindet. Während Kater Whiskas dabei den Part des Teufels übernimmt und den guten Jerry zu immer weiteren Morden drängen will, ist der gutmütige Hund Boscoe der ruhige und beschwichtigende Teil des urkomischen Trios. Die Dialoge untereinander beinhalten nicht nur jede Menge an bösem Wortwitz, gleichzeitig treten auch Dinge wie Zynismus und Ironie verstärkt in den Vordergrund und verleihen dem Szenario den richtigen Biss. Regisseurin Marjane Satrapi hat in vorliegendem Fall eine wirklich gelungene und gleichzeitig sehr außergewöhnliche Kombination aus verschiedenen Genres gefunden, den neben komödiantischen Zügen sind ebenso die Elemente des Thrillers und eines Dramas zu erkennen und um alles perfekt abzurunden wurden dann auch noch diverse Horror Elemente in das Geschehen eingebracht. Diese nicht alltägliche Mischung entfaltet ziemlich schnell ihren ganz eigenen Reiz, dürfte aber auch gleichzeitig nicht jeden Geschmack treffen. So wird ein Film wie "The Voices" auch ganz sicher die Meinungen spalten, denn was für den einen als schlichtweg brillant zu bezeichnen ist, dürfte bei manch anderem ganz bestimmt nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen.

Es liegt ganz stark am persönlichen Geschmack und mir selbst hat das Werk unglaublich gut gefallen. Das liegt auch mit an der Performance von Hauptdarsteller Reynolds, der zwar schon seit längerer Zeit in der Oberliga von Hollywoods Schauspielern angekommen ist, mir persönlich aber noch nie durch herausragende Leistungen ins Auge gefallen war. Das ändert sich mit diesem Film, denn anscheinend brauchte der gute Mann eben diese Rolle, um endlich einmal auch Teile seines schauspielerischen Könnens zu zeigen. Sowohl in den komischen wie auch in den tragischen Passagen der Geschichte überzeugt Reynolds auf der ganzen Linie und drückt dem Ganzen so auch einen unverkennbaren persönlichen Stempel auf. Besonders fällt dabei seine gute Mimik ins Auge, die den jeweiligen Situationen immer angemessen ist. Zudem erweist sich die Hauptfigur auch trotz seiner Taten als absoluter Sympathieträger, denn irgendwie kann man dem guten Jerry zu keiner Zeit irgend etwas übel nehmen, viel zu charmant und manchmal auch unbeholfen ist nämlich sein Charakter, der teilweise auch ein wenig Mitleid in einem hervor ruft.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des Betrachters, ob man ein Werk wie "The Voices" positiv oder negativ bewertet. Argumente für beide Sichtweisen sind sicherlich vorhanden, wobei vor allem der typische Mainstreamer seine Probleme mit dieser Geschichte haben dürfte. Liebhaber außergewöhnlicher Genre Mixes dürften jedoch voll auf ihre Kosten kommen und mit einem wahrlich erstklassigen Filmerlebnis belohnt werden. Zum Ende hin sollte man noch erwähnen, das die Thematik der Schizophrenie zwar auch mit den oft verwendeten Klischees behaftet ist, diese aber absolut passend in die Ereignisse eingearbeitet wurden. Von meiner Seite aus gibt es jedenfalls eine dicke Empfehlung für diesen tollen Film, der einerseits jede Menge Spaß bereitet, auf der anderen Seite aber auch ein wenig nachdenklich stimmt und auch mit einer gewissen Tragik ausgestattet ist.


Fazit:


Endlich konnte der gute Ryan Reynolds einmal auf der schauspielerischen Ebene vollends überzeugen und liefert hier eine seiner mit Abstand besten Leistungen ab. Die Rolle des schizophrenen Jerry erscheint ihm dabei wie auf den Leib geschneidert und der Charakter der Hauptfigur kommt richtig gut zur Entfaltung. Jenseits des Mainstreams angesiedelt bietet "The Voices" absolut erstklassige Filmkost, die man sich auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen sollte.


8,5/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Feb 2016 14:20

Bild




JeruZalem
(JeruZalem)
mit Yael Grobglas, Yon Tumarkin, Danielle Jadelyn, Dibi Ben-Yosef, Ido Di Capua, Geri Gendel, Tom Graziani, Fares Hananya, Yoav Koresh, Sarel Piterman, Mel Rosenberg, Ami Smolartchik, Itsko Yampulski
Regie: Doron Paz / Yoav Paz
Drehbuch: Doron Paz / Yoav Paz
Kamera: Rotem Yaron
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Israel / 2015

Die jungen Touristen Sarah, Rachel und Kevin wollen in Jerusalem die Nächte durchtanzen und ihr Leben genießen. Während die pulsierende Metropole sie anfangs willkommen heißt, schlägt die Stimmung schnell um: Unheilvolle und unerklärliche Dinge geschehen, bis eines Nachts im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle losbricht. Die Apokalypse bahnt sich unaufhaltsam ihren Weg durch die Heilige Stadt, die vom Militär hermetisch abgeriegelt wird. Unbarmherzig gejagt von dämonischen Monstern, müssen die Freunde so schnell wie möglich einen Ausweg finden ...


"JeruZalem" zählt wohl zu den Horrorfilmen des Jahres 2015, die von den Fans am sehnsüchtigsten erwartet wurden. Versprachen die Trailer zu dieser israelischen Produktion doch eine ganze Menge und ließen die Vorfreude auf ein apokalyptisches Szenario im Found Footage Look beim Betrachter in die Höhe schnellen. Insgesamt gesehen kann das Regie Debüt der "Paz Brothers" dann auch einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, wobei das in der Hauptsache der wirklich gelungenen zweiten Filmhälfte zu verdanken ist. Diese gestaltet sich nämlich äußerst gut und bietet ein gutes Tempo, etliche bedrohlich anmutende Passagen und eine absolut erstklassige Atmosphäre. Die Zeit davor ist aber leider ein wenig negativ zu betrachten, denn die Einführung in die eigentliche Thematik der Geschichte gestaltet sich ein bisschen zu lang und vertrödelt stellenweise die Zeit mit eher banalen Szenen, die viel mehr an ein Urlaubsvideo, als denn an einen Horrorfilm erinnern würde. So wird man zu beginn mit den für die Abläufe wichtigen Charakteren konfrontiert, wobei ganz besonders die drei Touristen Sarah, Rachel und Kevin im Mittelpunkt stehen. Das ist ja auch nicht weiter schlimm, nur konzentriert man sich in den ersten gut 40 Minuten des Geschehens fast ausschließlich mit typischen Teenager Verhalten und jeder Menge dazu gehöriger Klischees, bevor die bevorstehende Apokalypse dann endlich einmal in den Fokus des Geschehens rückt.

Dabei beginnt "JeruZalem" durchaus interessant und bedient einen mit der Einführungs-Sequenz mit einem Rückblick in das Jahr 1972, der den Zuschauer sofort in die richtige Grundstimmung für das angekündigte Szenario versetzt. Danach verflachen die Abläufe aber erst einmal zusehends, was man jedoch im günstigsten Fall auch ohne Weiteres so deuten könnte, das man den Zuschauer erst einmal in Sicherheit wiegen möchte, bevor über der heiligen Stadt Jerusalem dann im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los bricht. Die Anzeichen für die Apokalypse werden dabei etwas zu sehr im Hintergrund gehalten und lediglich durch diverse Anmerkungen des jungen Kevin thematisiert, dem eine komische Stimmung in der Stadt auffällt. An dieser Stelle hätte man dem Ganzen etwas mehr Intensität verleihen können, andererseits lässt man sich aber von der stellenweise vorhandenen Banalität der Ereignisse regelrecht einlullen, so das einen der abrupte Richtungswechsel des Szenarios mit der Wucht eines Keulenschlages trifft. Nach gut 45 Minuten ist das dann auch der Fall und es ist schlagartig vorbei mit der Urlaubsstimmung und der bis dahin recht heiteren Szenerie.

Von einer Minute zur anderen scheint die Hölle ihre Pforten zu öffnen und wirft den Bewohnern der Stadt dabei geflügelte Dämonen und riesige Monster entgegen. Laut am Anfang gesprochener Dialoge handelt es sich dabei um die Boten der Apokalypse die das Ende der Welt einläuten und von nun an entwickelt sich ein wirklich gelungenes Endzeit Szenario, das auch durchgehend mit der dazu nötigen Atmosphäre ausgestattet ist. Vergessen ist die etwas zu langwierige Einführung, denn nun geht es um das nackte Überleben und man kann die Hauptfiguren auf ihrer temporeichen Flucht durch Jerusalems Altstadt begleiten, wobei sich einem sämtliche Abläufe ausschließlich aus der Ego Perspektive der jungen Sarah präsentieren. Diese hat nämlich vor ihrer Abreise nach Israel von ihrem Vater eine sogenannte "Smart Glasses Brille" geschenkt bekommen, wodurch eben der bei vielen Leuten beliebte Found Footage Look entsteht. Dieser Aspekt verleiht dem Ganzen auch einen besonderen Reiz, ist man selbst doch durch diesen Drehstil fast zwangsläufig viel stärker in die Ereignisse involviert und hegt das Gefühl, selbst anwesend zu sein. Endlich entsteht auch die nötige Intensität und die Geschehnisse entfachen streckenweise eine Wucht, die man sich schon etwas früher gewünscht hätte. Dennoch hätte man die Ereignisse innerhalb der mittlerweile von Soldaten hermetisch abgeriegelten Stadt noch etwas ausführlicher gestalten können, wobei nun auch einige vergeudete Minuten in der ersten Hälfte des Filmes eine stärkere Gewichtung erlangen. Diese hätte man nun nämlich gut gebrauchen können, um dem Zuschauer die Dämonen und Monster ein wenig öfter zu zeigen und auch deren Taten etwas ausführlicher zu beleuchten. Bis auf einige Ausnahmen bekommt man in dieser Beziehung nämlich zu wenig geboten, was den Gesamteindruck des Filmes dann doch ein wenig schmälert.

Letztendlich hat mir "JeruZalem" in seiner Gesamtheit aber dennoch äußerst gut gefallen, nur wurde von den Regisseuren leider nicht das gesamte Potential ausgeschöpft, das die Erzählung ganz sicher beinhaltet. Etwas weniger Banalität beim Aufbau der Geschehnisse und ein stärker ausgerichteter Fokus auf die eigentliche Kern Thematik hätten zu einem besseren Ergebnis geführt, aber auch in der vorliegenden Form handelt es sich immer noch um einen überdurchschnittlich guten Vertreter. Vielleicht liegt es ja auch an der Unerfahrenheit der "Paz Brothers", das eine wirklich gute Grundidee nicht gänzlich überzeugend in Szene gesetzt wurde, aber für ein Erstlingswerk kann sich "JeruZalem" doch allemal sehen lassen.


Fazit:


Etwaige Längen im ersten Teil der Geschichte werden durch eine äußerst gelungene zweite Filmhälfte zwar nicht gänzlich ausradiert, doch insgesamt gesehen bekommt man mit "JeruZalem" einen Genre Beitrag geliefert, der mit diversen Abstrichen richtig gute Unterhaltung anbietet. Manchmal ein wenig unausgewogen zeigt sich aber insgesamt ein sehenswertes Spektakel, das seine Stärken ganz eindeutig im zweiten Teil seiner Erzählung beinhaltet.


7/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 16. Feb 2016 15:16

Bild




Harry Palmer - Der rote Tod
(Bullet to Beijing)
mit Bullet to Beijing, Shaughan Seymour, Michael Caine, Corinna Richards, Tamara Timofeeva, Jason Connery, Anatoliy Shvederskiy, Helena Michell, Juliette Benson, Patrick Allen, Sue Lloyd, Annika Bullus, Chris Tulloch
Regie: George Mihalka
Drehbuch: Harry Alan Towers
Kamera: Peter Benison / Terry Cole
Musik: Rick Wakeman
FSK 12
Großbritannien / Kanada / Russland / 1995

Mit dem Ende des Kalten Krieges hat der britische Geheimdienst keine Verwendung mehr für seinen Topagenten Harry Palmer (Michael Caine). Dieser hält sich fortan mit zwielichtigen Aufträgen über Wasser, als der russische Geschäftsmann Alexej (Michael Gambon) auf ihn zukommt. In St. Petersburg berichtet er ihm von einer Bedrohung durch eine biochemische Waffe genannt "Der rote Tod", die aus einem geheimen Labor gestohlen wurde und nun meistbietend verkauft werden soll. Die zu Zeiten der Sowjetunion entwickelte Waffe hat das Potential jegliches Leben auszulöschen. Nun liegt es an Harry zu verhindern, dass sie in die falschen Hände gelangt ...


Bei britischen Geheimagenten denkt man unwillkürlich an die Figur von James Bond, der auf diesem Gebiet wohl das absolute Aushängeschild darstellt. Harry Palmer ist im Prinzip das genaue Gegenteil, handelt es sich bei ihm doch um einen eher unscheinbaren Typen der anstatt durch jede Menge Action vielmehr durch einen kühlen Kopf ins Auge fällt. Der vorliegende Film "Der rote Tod" ist der vierte Teil der sogenannten "Palmer Files", die ihren Anfang 1965 hatten und in denen Sir Michael Caine in der Hauptrolle zu bewundern ist. In diesem 30 Jahre nach "Ipcress - Streng geheim" erschienenen Werk hat Palmer regelrecht ausgedient und verliert nach Beendigung des kalten Krieges seinen Job und muss zusehen, sein Geld nun auf dem privaten Sektor zu verdienen. Gleich sein erster Auftrag verstrickt in dann in ein gefährliches Abenteuer, in dem eine Bio-Waffe im Mittelpunkt steht, die eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellen könnte. Die Erzählung von George Mihalka schlägt dabei eine eher ruhige Richtung ein und wartet nur gelegentlich mit kleineren Action Einlagen auf, bietet aber dafür einige geschickte Wendungen, die das Szenario durchgehend interessant machen.

Liebhaber von einem rasanten Tempo und überzogener Action a la James Bond werden an dieser Stelle keinesfalls fündig, denn "Der rote Tod" zählt eher zu den klassischen Agenten Geschichten. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn die Geschichte weiß durch andere Zutaten zu überzeugen und bietet beispielsweise auf dem schauspielerischen Sektor absolut erstklassige Kost an. Caine selbst fällt dabei sicher am meisten auf, denn seine Darstellung des unscheinbaren Ex-Agenten ist richtig gut. Wirkt er stellenweise in einigen Momenten schon fast ein wenig hilflos und unbeholfen, so kann man sich doch jederzeit sicher sein, das in seinem Kopf fieberhaft nach Lösungen für manch prekäre Situation gesucht wird, in die der gute Mann geraten ist. Das gestaltet sich teilweise charmant und witzig, beinhaltet aber auch so manche Überraschung, so das sich insgesamt gesehen ein ziemlich wendungsreiches Geschehen präsentiert, an dem man jede Menge Spaß haben kann.

Phasenweise tritt dabei sogar eine gewisse Situationskomik auf den Plan, wobei das Ganze aber zu keiner Zeit albern erscheint, oder die Ereignisse die Ernsthaftigkeit entbehren müssten, die der Thematik zu Grunde liegt. Mihalka hat hier wirklich die richtige Mischung gefunden und dürfte mit diesem Werk insbesondere die Fans der klassischen Agenten Filme ansprechen. Die jüngere Generation wird wohl eher nicht auf ihre Kosten kommen, ist man doch in der heutigen Zeit ganz andere Storys gewöhnt, in denen man das Hauptaugenmerk auf spektakuläre Effekte und regelrechte Action Gewitter legt, die hier definitiv nicht geboten werden. Man sollte also wissen auf welche Art von Film man sich einlässt, um im nachhinein keine Enttäuschung zu erleben.

"Der rote Tod" erzählt eine durchaus spannende Geschichte und ist durch die Bank mit gut agierenden Darstellern besetzt. Kleinere Action Einlagen und etliche Wendungen würzen das Szenario ungemein und lassen einen Gesamteindruck entstehen, der sich auf jeden Fall über dem normalen Durchschnitt ansiedelt. Mir persönlich hat das Werk jedenfalls äußerst gut gefallen, so das ich an alle Freunde des klassischen Agenten Filmes definitiv eine Empfehlung aussprechen kann, denn Harry Palmer versteht es auch ohne großes Brimborium, den Zuschauer für sich zu gewinnen.


Fazit:


Action Junkies sollten bei James Bond bleiben, allen anderen ist auch Harry Palmer ans Herz zu legen. Mit kühlem Kopf und sehr viel Charme ausgestattet übersteht der Mann auch etliche brenzlige Situationen und bereitet einem dabei ein sehenswertes Filmerlebnis.


7/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 16. Feb 2016 15:17

Bild




Harry Palmer: Herren der Apokalypse
(Midnight in St. Petersburg)
mit Michael Caine, Jason Connery, Yuri Limonty, Tanya Jackson, Michael Scherer, Michelle Burke, Gabriel Vorobyov, Michael Sarrazin, Lev Prygunov, Olga Anokhina, Yuriy Petrov, Anatoli Davydov, Serge Houde
Regie: Douglas Jackson
Drehbuch: Len Deighton / Harry Alan Towers
Kamera: Peter Benison
Musik: Rick Wakeman
FSK 12
Großbritannien / Kanada / Russland / 1995

Der ehemalige Secret-Service-Agent Harry Palmer hat sich als Privatdetektiv in Russland niedergelassen. Harry und sein Partner Nikolai Petrov sind gerade gestohlenem, waffenfähigem Plutonium auf der Spur, als Nikolais Freundin Tatiana aus einem Restaurant entführt wird. Harry und Nikolai entdecken schnell, dass die Entführung und der Plutonium-Diebstahl unmittelbar zusammenhängen. Offensichtlich hat die gefährliche russische Mafia ihre Finger im Spiel.


Mittlerweile hat sich Ex Agent Harry Palmer in Moskau als Privatdetektiv selbstständig gemacht und wird auch sogleich mit einer brisanten Sache beauftragt. Auch in diesem letzten Fall der sogenannten "Palmer Files" kann dabei auf einige Charaktere des Vorgängers "Der rote Tod" zurück gegriffen werden, was für den Zuschauer eine tolle Sache ist da man mit den Gesichtern schon vertraut ist. Als Regisseur zeichnet dieses Mal Douglas Jackson verantwortlich, der an dieser Stelle eine interessante und durchaus spannende Geschichte erzählt. Es geht um waffenfähiges Plutonium das nicht in die falschen Hände geraten darf und der gute Harry wird einmal mehr mit seinem Gegenspieler Alex konfrontiert, der fast selbstverständlich wieder seine Finger im Spiel hat. Und so entwickelt sich ein Wettlauf mit der Zeit, bei dem auch jede Menge Intrigen und kleinere Überraschungen mit von der Partie sind, so das auf jeden Fall für genügend Abwechslung gesorgt ist.

Im Prinzip gestalten sich die Abläufe ähnlich denen bei "Der rote Tod", so das der geneigte Action Junkie nicht unbedingt aus dem Vollen schöpfen kann. Die Ereignisse werden eher recht ruhig erzählt und bis auf kleine Tempowechsel und einigen kleineren Action Einlagen bekommt man es einmal mehr mit einem Agentenfilm in klassischer Form zu tun. Das mag nicht jedem gefallen, ist in der heutigen Zeit aber auch mal eine nette Abwechslung, denn überladene Actioner mit irrsinnigem Tempo bekommt man ja nun wirklich oft genug zu sehen.

Michael Caine agiert wie gewohnt extrem souverän und setzt bei seinen Ermittlungen vielmehr gesteigerten Wert auf seine grauen Zellen, als das er durch übermäßig körperliche Aktionen in Erscheinung treten würde. Das passt aber auch nahezu perfekt in das insgesamt sehr stimmige Gesamtbild eines Filmes, der durchgehend gute und solide Filmkost anbietet. Ich persönlich würde "Herren der Apokalypse" mit dem Vorgänger "Der rote Tod" auf eine Stufe stellen, ähneln sich doch nicht nur die jeweiligen Szenarien ziemlich stark, auch in allen anderen Belangen kommt immer wieder die alte Schule des klassischen Agentenfilmes zum Vorschein.

Letztendlich sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen ob die letzten beiden Harry Palmer Fälle etwas für ihn sind, denn sicherlich wird dabei nicht jeder Geschmack getroffen. Ich aber mag diese eher ruhigen Filme, in denen ein konstanter Spannungsaufbau, gut agierende Schauspieler, jede Menge Intrigen und ein wenig Action ein Gesamtbild ergeben, das sich definitiv oberhalb des Durchschnitts ansiedeln kann.


Fazit:


"Herren der Apokalypse" ist ganz bestimmt kein Meisterwerk, doch immerhin bekommt man eine spannende Erzählung und einen wie immer glänzend aufgelegten Michael Caine präsentiert. Mit Logik, ein wenig Witz und jeder Menge Charme besteht er dann auch dieses Abenteuer und legt den bösen Buben das Handwerk.


7/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Feb 2016 17:14

Bild




Marco Polo
(Marco Polo)
mit Lorenzo Richelmy, Benedict Wong, Olivia Cheng, Joan Chen, Zhu Zhu, Mahesh Jadu, Remy Hii, Tom Wu, Uli Latukefu, Chin Han, Stanislav Satko, Amr Waked, Kheng Hua Tan, Lawrence Makoare, Patrick Teoh
Regie: David Petrarca / John Maybury / u.A.
Drehbuch: John Fusco / Michael S. Chernuchin / u.A.
Kamera: Vanja Cernjul / Romain Lacourbas / u.A.
Musik: Eric V. Hachikian / Peter Nashel
FSK 16
USA / 2014
Webserie / Staffel 1
10 Episoden a ca. 50-60 Minuten

Im 13. Jahrhundert beherrscht Kublai Khan die Mongolei. Doch das genügt seinem unersättlichen Machthunger längst nicht. Seine Eroberungslust richtet sich auf China. Das Imperium, das der mächtige Khan beherrscht, wird bei seinem Tod das flächenmäßig größte Reich der Weltgeschichte sein. Der junge Venezianer Marco Polo gerät mitten hinein in diese fremde Welt voller Gier, Ausschweifung, Intrigen und Machtstreben. Von seinem Vater als lebendes Pfand am mongolischen Hof zurückgelassen, erringt Marco durch seine Intelligenz und Wortgewandtheit das Interesse und auch das Wohlwollen des mächtigen Herrschers. Als Abgesandter des Großkhans erlebt Marco Polo das größte Abenteuer seines Lebens.


Eigentlich sollte "Marco Polo" die nächste Serie des amerikanischen Kabelsenders Starz werden, doch aus verschiedenen Gründen ließ man seinerzeit das Projekt wieder fallen. Hauptsächlich war dies darin begründet, das man aus finanziellen wie auch politischen Gründen nicht an Original Schauplätzen in China drehen konnte und die Suche nach anderen adäquaten Schauplätzen sich recht mühsam gestaltete. So ist das Projekt dieser beeindruckenden Abenteuer Serie letztendlich bei Netflix gelandet und man drehte das Geschehen in Italien, Kasachstan und Malaysia und mit einem angeblichen Budget von gut 90 Millionen Dollar siedelt sich das Format gleich hinter der erfolgreichen ´Serie "Game of Thrones" an, was für eine Webserie doch eher ungewöhnlich ist. Dem Zuschauer kann das alles jedoch vollkommen egal sein, präsentiert sich an dieser Stelle doch ein Format, das einen von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht und dabei eine wahnsinnig starke Faszination ausstrahlt. Im Mittelpunkt steht Titelheld Marco Polo und die Serie beschäftigt sich mit dessen jungen Jahren, in denen er an den Hof des Kublai Khan gelangte. Von seinem Vater als eine Art Pfand hinterlassen gelingt es dem jungen Mann zu Beginn nur schwer sich mit seiner Situation abzufinden, doch im Laufe der Zeit lernt er, sich mit den Begebenheiten anzufreunden und sogar eine Art Freund des allmächtigen Khans zu werden, der seine Macht als auch seine Ländereien immer weiter ausdehnen will.

Zugegeben, in den ersten Episoden benötigt das Geschehen ein wenig Zeit um so richtig in Gang zu kommen, wobei die Ereignisse aber zu keiner Zeit auch nur annähernd langatmig erscheinen. Vielmehr werden einem die für die Geschichte wichtigen Charaktere ausführlich näher gebracht, wobei die Figur des Kublai Khan im zentralen Fokus steht. Gleichermaßen bekommt man auch einen tiefen Einblick in dessen Reich und wird mit seinen Absichten konfrontiert. Diese sind mit der gewünschten Eroberung Chinas schnell umrissen und so nimmt dieser Aspekt im weiteren Verlauf auch einen Löwenanteil in dieser ersten Staffel ein. Wer nun aber die Hoffnung auf opulent ausgestattete Schlachten und unzählige Kämpfe hegt wird eher enttäuscht sein, denn "Marco Polo" zählt keinesfalls zu den Formaten, die sich über einen gesteigerten Action Anteil definieren. Viel eher das Gegenteil ist der Fall, denn bis auf wenige kleinere Scharmützel hält man sich bei diesem Punkt sehr bedeckt, was aber keinesfalls als negative Kritik angesehen werden sollte.

Themen wie Loyalität, Ehre und unzählige Intrigen rücken dafür verstärkt in den Vordergrund und das ist auch gut so, denn das dadurch entstehende Gesamtbild ist absolut hervorragend. Die Macher der Serie schaffen es dabei fast spielerisch einen äußerst gelungenen Spannungsaufbau in Szene zu setzen, was im Zusammenspiel mit der absolut erstklassigen Atmosphäre des Szenarios ein mehr als nur stimmiges Gesamtergebnis abliefert. Dabei vermisst man etwaige Action auch überhaupt nicht, denn viel zu interessant gestalten sich die Ereignisse und man kann sich nie sicher sein, ob im nächsten Moment nicht schon die nächste Verschwörung vor der Tür steht. Hinzu kommt der Aspekt, das man mit einer absolut großartigen Darsteller Riege konfrontiert wird die ihr Handwerk ganz offensichtlich wirklich versteht. Sämtliche Hauptrollen wie auch die gesamten Nebenrollen wurden nahezu perfekt besetzt und das dargebrachte Schauspiel ist jederzeit authentisch und glaubwürdig. Dennoch dürften drei Figuren ganz besonders die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich richten, denn insbesondere Benedict Wong (Kublai Khan), Lorenzo Richelmy (Marco Polo) und Chin Han (chinesischer Kanzler Jia Sidao) liefern hier richtiggehend prägende Performances ab, die dieser ersten Staffel auch ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Jia Sidao stellt sich dabei als vollkommen unberechenbarer Gegenspieler des Kublai Khan hervor und dem Zuschauer gelingt es auch zu keiner Zeit, die Verschlagenheit dieses eher unscheinbar wirkenden Mannes zu durchschauen. Das verleiht dem Ganzen eine Menge an zusätzlicher Würze und macht Appetit auf mehr, so das man sich schon jetzt ungeheuer auf die zweite Staffel dieser tollen Serie freuen kann.

Manch einem mag "Marco Polo" eventuell etwas zu dialoglastig erscheinen und echte Action Junkies werden keinesfalls auf ihre Kosten kommen. Große Schlachten und Kriege werden nämlich lediglich verbal thematisiert, visuell bekommt man jedoch nur ein Minimum an Aktionismus geboten. Mich persönlich hat das in keinster Weise gestört, denn diese opulent ausgestattete Serie überzeugt auch ohne Blut und Brutalität durch absolut grandiose Bilder. eine tolle Geschichte und großartig agierende Darsteller. Der einzig negative Aspekt ist darin zu suchen, das auch hier wie bei "Game of Thrones" lediglich 10 Episoden in einer Staffel enthalten sind und man so ungeduldig auf die Fortsetzung warten muss. Bleibt nur zu hoffen, das bei der hohen Qualität dieses Formates noch viele Staffeln folgen werden, denn "Marco Polo" beinhaltet ganz sicher sehr viel Potential, das längst noch nicht ausgeschöpft ist.


Fazit:


Anfangs war ich durchaus skeptisch, ob diese Serie mich wirklich begeistern könnte. Sämtliche Vorbehalte haben sich jedoch in Luft aufgelöst, denn hier ist ganz augenscheinlich etwas entstanden, das auch in Zukunft die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen wird.


9/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5089
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

VorherigeNächste

Zurück zu "Filmtagebücher"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: DonT und 1 Gast