horror's Reise durch die Welt der Filme

Hier ist Platz für eure gesehenen Filme, zu denen ihr auch gern etwas schreiben könnt.

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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 7. Feb 2017 13:55

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The Devil's Hand
(Where the Devil Hides)
mit Alycia Debnam-Carey, Rufus Sewell, Thomas McDonell, Adelaide Kane, Leah Pipes, Ric Reitz, Jennifer Carpenter, Colm Meaney, Jim McKeny, Katie Garfield, Nicole Elliott, Ethan Alexander McGee, Jon Stafford
Regie: Christian E. Christiansen
Drehbuch: Karl Mueller
Kamera: Frank Godwin
Musik: Anton Sanko
FSK 16
USA / 2014

In dem kleinen Dorf New Betlehem gibt es eine unheimliche Prophezeiung. Der Teufel holt sich jedes Mädchen, das am sechsten Tag des sechsten Monats geboren wurde - und zwar am Abend vor ihrem 18. Geburtstag. In diesem Jahr trifft es gleich sechs Mädchen. Die Angst ist groß, als plötzlich das erste Mädchen verschwunden ist. Doch manche sind misstrauisch. Geht vielleicht ein verrückter Serienmörder um? Stecken die Dorfältesten dahinter? Oder ist es tatsächlich der Satan selbst, der sich die unschuldigen Jungfrauen holt?


Eine Prophezeiung, religiöser Fanatismus und zarte Elemente des Slashers sind die Hauptbestandteile des Werkes von Christian E. Christiansen, der mit seinem "The Devil's Hand" eine wirklich sehenswerte Mischung auf den Weg gebracht hat. Zwar ist das hier dargestellte Szenario nicht unbedingt neu, denn ähnlich gelagerte Filme konnte man schon des Öfteren begutachten, dennoch präsentiert sich eine durchgehend interessante Geschichte. Dabei entfaltet die Story insbesondere eine herrlich dichte Atmosphäre, denn die Abläufe gestalten sich äußerst geheimnisvoll und sogar ein wenig unheimlich. Das sorgt von Beginn an für Interesse beim Zuschauer, der hier auch ohne nennenswerte Härten durchaus auf seine Kosten kommen dürfte. Viel Blut oder exzessive Gewaltausbrüche sollte man keinesfalls erwarten, denn obwohl hier genügend Leute ihr Leben lassen müssen, werden die jeweiligen Tötungen lediglich kurz angedeutet. Dafür gestaltet sich die Suche nach dem ominösen Mörder sehr spannend und wartet am Ende sogar mit einer etwas überraschenden Auflösung auf, die man nicht unbedingt vorher sehen konnte.

Christiansen arbeitet hier mit den üblichen Zutaten eines Horrorfilms mit okkulter Thematik und würzt das Ganze zudem auch noch mit ein bisschen Sekten-Hintergrund. Im Mittelpunkt steht nämlich eine von der Aussenwelt abgeschirmte Gruppierung, die rein optisch anscheinend an die Amish angelehnt ist. Nach einem kurzen Blick in die Vergangenheit ganz zu Beginn macht das Geschehen sogleich einen Zeitsprung in die Gegenwart. Dabei wird man sofort in die richtige Stimmung für einen Film dieser Art versetzt, denn der Regisseur lässt von der ersten Minute an keinen Zweifel daran aufkommen, das eine religiöse Thematik im Fokus der Abläufe steht. Auch die für die Story wichtigen Figuren werden einem gut näher gebracht und die an dieser Stelle agierenden Schauspieler sorgen mit guten Leistungen dafür, das man auch ohne Probleme einen Bezug zu den Hauptfiguren herstellen kann. Besonders fallen dabei Alycia Debnam-Carey und Colm Meaney ins Auge des Betrachters, denn während Carey in der Rolle der jungen Mary zu überzeugen weiß, legt Meaney als Sekten-Oberhaupt eine glänzende Performance an den Tag. Zentraler Mittelpunkt der Ereignisse ist das sogenannte "Drommelkind", bei dem es sich laut einer Prophezeiung um die Reinkarnation des Satans handeln soll. Ganz egal wie man zu solchen Dingen wie Prophezeiung und Ähnlichem auch stehen mag, Christiansen ist es auf jeden Fall gelungen, die nötigen Zutaten zu einem funktionierenden Gesamtbild zusammen zu fügen, in dem auch noch ein wenig Platz für dezente Anleihen des Slashers ist. Zugegebenermaßen sind diese wirklich nicht sonderlich ausgeprägt, dennoch verleihen sie der ganzen Chose noch ein wenig mehr Dichte.

Phasenweise fühlt man sich bei "The Devil's Hand" ganz unweigerlich an Shyamalan's "The Village" erinnert, denn Teile der Handlung weisen doch ähnliche Strukturen auf. Meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich allerdings bei vorliegendem Fall ganz klar um den besseren Film, wobei das sicherlich im Auge des Betrachters liegt. Prinzipiell ist das auch völlig egal, denn letztendlich bekommt der Zuschauer hier einen zwar unblutigen, dafür aber äußerst spannenden und gut umgesetzten Beitrag zu sehen, der durchgehend gut zu unterhalten weiß. Besonders gut haben mir die Passagen gefallen, in denen richtig gut auf den religiösen Fanatismus eingegangen wird. Das Ganze wirkt dabei recht authentisch, was insbesondere auch dem tollen Schauspiel eines glänzend aufgelegten Colm Meaney zu verdanken ist, der in seiner Rolle richtig aufgeht.

Letztendlich empfinde ich "The Devil's Hand" als angenehme Überraschung, denn ehrlich gesagt hatte ich keine sonderlich hohen Erwartungen an diesen Film. umso schöner ist es dann wenn man positiv überrascht wird, weshalb mich die eher negativen Kritiken im Netz auch etwas überraschen. Sicher, ein Meisterwerk wird nicht präsentiert, aber wenn man Filme mit der vorliegenden Thematik zu schätzen weiß wird man sehr gut bedient und bekommt knapp 90 Minuten spannende und atmosphärische Genrekost serviert.


Fazit:


Ein wenig mehr Horror hätte den Film noch mehr aufgewertet, aber auch die eher subtil in Erscheinung tretenden Elemente des Genres verstehen es, eine unheilvolle Grundstimmung zu erzeugen. Manch einem mag das eventuell zu wenig sein, aber auch ohne größere Härten lohnt sich "The Devil's Hand" allemal für eine Sichtung.


7/10
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horror1966
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 9. Feb 2017 15:43

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Der Fluch der Hexe - Queen of Spades
(Pikovaya dama. Chyornyy obryad)
mit Alina Babak, Valeriya Dmitrieva, Igor Khripunov, Evgeniya Loza, Sergey Pokhodaev, Valentin Sadiki, Vladimir Seleznyov
Regie: Svyatoslav Podgayevskiy
Drehbuch: Svyatoslav Podgaevskiy
Kamera: Anton Zenkovich
Musik: keine Informationen
FSK 16
Russland / 2015

Seit Jahrhunderten erzählt man sich von einem uralten Ritual, nachdem ein ominöses Wesen names Pik- Dame gerufen werden kann. Dazu muss man ihren Namen drei Mal aufsagen und gleichzeitig im dunklen eine Tür mit Treppe auf einen Spiegel malen. Vier Teenager glauben nicht an den Fluch und probieren es aus. Doch nachdem einer aus der Gruppe an einem plötzlichen Herzanfall stirbt, merken sie schnell, dass sie etwas abgrundtief Böses und Gefährliches heraufbeschworen haben.


Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Horrorfilme lediglich von den üblichen Verdächtigen in einer Hand voll Ländern produziert werden. Insbesondere bei uns in Europa hat sich da seit mehreren Jahren eine ganze Menge getan und mit dem vorliegenden Beitrag "Der Fluch der Hexe" schicken nun auch die Russen einen Vertreter ins Rennen, der sich insgesamt gesehen gut anschauen lässt. Thematisch gesehen hat sich Svyatoslav Podgayevskiy für seine Geschichte ganz eindeutig bei Filmen wie "Bloody Mary" oder auch "Candyman" bedient, denn auch hier dreht sich alles um einen vor einem Spiegel herauf beschworenen Geist, den man durch mehrmaliges Aufsagen eines bestimmten Spruches herbei ruft. Es handelt sich um die sogenannte "Pik-Dame", wobei man sich einmal mehr im Gebiet urbaner Legenden einfindet. Der Regisseur geht dann auch sofort in die Vollen, denn ohne jegliche Einführung in die Abläufe wird man gleich zu Beginn Zeuge des Rituals, bei dem vier Jugendliche den Geist der Hexe beschwören, was sich im nachhinein als großer Fehler heraus stellen soll. Auch auf den ersten Toten muss man nicht lange warten, was einerseits dafür sorgt das hier keinerlei Langeweile aufkommt, andererseits verhindert das sofortige Herangehen an die Kern-Thematik eine ausführliche Figuren-Zeichnung.

Wirklich störend erscheint das nicht unbedingt, dennoch fällt es aufgrund dieses Aspektes ein wenig schwer, einen wirklichen Bezug zu den einzelnen Protagonisten herzustellen. Was man dem Film aber definitiv zu Gute halten muss ist eine herrlich düstere Grundstimmung, denn von der ersten Minute an wurde sorgsam darauf geachtet, das der Zuschauer eigentlich durchgehend mit unheilvoll anmutenden Passagen konfrontiert wird, in denen der immer bedrohlicher anschwellende Score sein Übriges dazu tut, um für eine gepflegte Gänsehaut beim Betrachter zu sorgen. Rein handwerklich bewegt man sich also auf einem zumindest äußerst soliden Terrain und auch wenn die Rezeptur der Story ziemlich einfach gestrickt ist, verfehlt das Szenario keinesfalls seine Wirkung. Man fühlt sich die gesamte Laufzeit über nicht wirklich wohl in seiner Haut und verspürt dabei ein gewisses Unbehagen.

Nach etwas mehr als der Hälfte bekommt man dann auch einige Hintergründe über die Hexe geliefert, so das die Zusammenhänge des Ganzen einen Sinn ergeben. Podgayevskiy hat an dieser Stelle einen wirklich sehenswerten Gruselfilm abgeliefert, der sich zwar nicht unbedingt im obersten Drittel diverser Genre-Kollegen einordnet, meiner Meinung nach allerdings durchaus überdurchschnittlich gut daher kommt. Es fehlt der Chose lediglich am letzten Pepp um noch besser da zu stehen, denn trotz der insgesamt guten Inszenierung fehlt es "Der Fluch der Hexe" etwas an echten Höhepunkten. Zudem sollte man auch auf keinen Fall auf explizite Gewaltdarstellungen hoffen, denn im Bezug auf Härte hält sich der Beitrag doch sehr vornehm zurück.

Insgesamt gesehen bekommt man es also mit einer durchaus interessanten und spannend inszenierten Geschichte zu tun, in der mich letztendlich nur das manchmal etwas ausdruckslose Schauspiel einiger Akteure etwas gestört hat. In der Summe sind die dargebrachten Leistungen zwar größtenteils in Ordnung, aber an manchen Stellen hätte etwas mehr Mimik und Gestik doch ganz gut getan. Trotz dieser kleineren Abstriche sollte man aber trotzdem zu einem Gesamteindruck gelangen, der sich knapp oberhalb des Durchschnitts ansiedelt, so das man ohne Weiteres eine Empfehlung an all jene aussprechen kann, die gepflegte Gruselkost zu schätzen wissen. Es gibt nämlich jede Menge schlechtere Genre-Beiträge und "Der Fluch der Hexe" versteht es ohne Probleme, knapp 90 Minuten kurzweilige und düstere Unterhaltung abzuliefern.


Fazit:


Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber für mich handelt es sich hier um eine Premiere, da ich bisher noch nie einen russischen Horrorfilm gesehen habe. Die anfängliche Skepsis meinerseits verschwand aber schon nach wenigen Minuten, da Podgayevskiy richtig ordentliche Genrekost serviert, die auch trotz einer bekannten Thematik zu überzeugen weiß.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 14. Feb 2017 16:25

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All In or Nothing
(Rivers 9)
mit Vinnie Jones, Elisabeth Röhm, Thomas Downey, Kayla Carlyle, C. Thomas Howell, Jamie Kennedy, Neil Brown Jr., Leslie Easterbrook, Ed O'Ross, Adrian Kirk, Craig Ahrens, Carmine Caridi, T.J. Castronovo
Regie: Chris W. Freeman / Justin Jones
Drehbuch: Chris W. Freeman
Kamera: Steven Parker
Musik: Darren Morze Quinlan
FSK 16
USA / 2015

Jake Rivers steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Als in seiner Stadt ein Casino eröffnet, sind das Fluch und Segen zugleich. Die Mafia hat hier die Finger im Spiel und versucht, die Kontrolle über die Stadt zu bekommen. Jake aber sieht jetzt seine Chance und trommelt alle seine ebenfalls glücklosen Freunde zusammen; gemeinsam wollen sie die Mafia mit ihren eigenen Waffen schlagen und so den Coup des Jahrhunderts landen. Schließlich haben sie nichts zu verlieren aber alles zu gewinnen.


Schon der Originaltitel "Rivers 9" sowie die Inhaltsangabe deuten an, das es sich bei vorliegendem Beitrag um eine Anlehnung an "Ocean's Eleven" handelt und die Ähnlichkeiten zum genannten Werk sind dann auch unübersehbar. Leider haben es Chris W. Freeman und Justin Jones aber versäumt ihrer Geschichte die nötige Klasse zu verleihen, um zumindest ansatzweise an den Film von Steven Soderbergh heran zu reichen. Das liegt ganz eindeutig an der Unentschlossenheit der Regisseure, deren Erzählung während der gut 90 Minuten Laufzeit des Öfteren gern einmal die Richtung wechselt, ohne sich dabei wirklich festlegen zu können. Das ist sehr schade, denn so bietet beispielsweise der Einstieg in das Geschehen durchaus Potential für eine herrlich schwarz-humorige Story, das allerdings mit zunehmender Laufzeit immer mehr verschenkt wird. Die guten Ansätze verlaufen dabei recht schnell im Sand, so das schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne der enthaltene Humor immer weiter verflacht. Ganz besonders macht sich das in den Dialogen bemerkbar, denn wenn hier zumindest am Anfang noch ein wenig Sarkasmus zu erkennen ist, so wird man in der Folge vielmehr mit manchmal schon albernen Wortwechseln bedient, an denen man sich nur bedingt erfreuen kann.

Spätestens zu dem Zeitpunkt als der Plan von Jake und seinen Freunden fest steht folgt dann eine totale Richtungsänderung innerhalb des Szenarios. "All In or Nothing" versucht nun fast schon krampfhaft, den Eindruck einer witzigen Gangster-Komödie zu erwecken, was bei genauerer Betrachtung aber kaum gelingt. Die ganze Chose wirkt nämlich viel zu aufgesetzt, was sich streckenweise auch im Schauspiel der Protagonisten niederschlägt. Es scheint fast so, als wenn man hier auf Teufel komm raus etwas erzwingen wollte und genau dieser Umstand hat dem Film dann letztendlich mehr geschadet als geholfen.

Trotz dieser offensichtlichen Defizite beinhaltet die Geschichte aber dennoch einen gewissen Unterhaltungswert und lässt zumindest in einigen Passagen auch ein wenig Charme erkennen. Manche Sprüche zaubern dem Betrachter dezente Schmunzler ins Gesicht und auch die ein oder andere skurrile Situation animiert zum lachen, aber leider treten diese Momente viel zu selten in Erscheinung, als das man zu einem gänzlich überzeugenden Gesamteindruck gelangen könnte. "All In or Nothing" reiht sich dann auch nahtlos in die Riege der unzähligen Filme ein, bei denen vorhandenes Potential unverständlicherweise vollkommen verschenkt wurde. Übrig bleibt ein ziemlich durchwachsenes Filmerlebnis, in dem sich einige gute Momente mit zu viel Leerlauf abwechseln. Ebenso verhält es sich auch mit den Darstellern, die stellenweise wirklich ganz gut agieren, um dann aber wieder ungelenk und hölzern daher kommen, was den eher unstimmigen Gesamteindruck nur noch zusätzlich hervor hebt.

W. Freeman und Justin Jones haben es versäumt, viel mehr aus ihrer Erzählung heraus zu holen und die Schwächen innerhalb de Drehbuches sind auch unübersehbar. So präsentiert sich dann im Endeffekt ein Film der verpassten Möglichkeiten, der sich maximal im Niemandsland des üblichen Durchschnitts ansiedeln kann. Eine Sichtung kann man aber dennoch wagen, nur sollte man keinesfalls erwarten, das "All In or Nothing" einen allzu nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen wird.


Fazit:


Hier wäre nun wirklich eine Menge mehr drin gewesen, doch leider wurden die stellenweise richtig guten Ansätze nicht konsequent heraus gearbeitet. Einige starke Momente sind dann ganz einfach zu wenig, um diesem Beitrag ein durchgehend gelungenes Zeugnis auszustellen.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 14. Feb 2017 17:48

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Cannibal Man
(La Semana del asesino)
mit Vicente Parra, Emma Cohen, Eusebio Poncela, Charly Bravo, Fernando Sánchez Polack, Goyo Lebrero, Vicky Lagos, Ismael Merlo, Rafael Hernández, José Franco, Valentín Tornos, Antonio Orengo, Antonio Corencia
Regie: Eloy de la Iglesia
Drehbuch: Eloy de la Iglesia / Antonio Fos
Kamera: Raúl Artigot
Musik: Fernando García Morcillo
ungeprüft
Spanien / 1983

Der junge Marcos ist Arbeiter in einer Konservenfabrik, die unmittelbar mit einem Schlachthof verbunden ist. Dort erlebt Marcos Tag für Tag die blutige Atmosphäre des Tötens. Er watet durch ein Meer aus Blut, schlachtet, teilt und entweidet animalische Kreaturen und entwickelt eine tägliche Routine im Auslöschen existierenden Lebens. Eines Tages wird er gemeinsam mit seiner Freundin nach einem abendlichen Trip aus dem Taxi geworfen und nach einem heftigen Streit ermordet er den Taxifahrer. Seine Freundin kann den Tod des Mannes nicht verschweigen und möchte sich der Polizei anvertrauen, doch damit unterzeichnet auch sie ihr Todesurteil. Vollkommen aus der Bahn geworfen, entwickelt sich Marcos vom einfachen Arbeiter zu einer mordenden Bestie in Menschengestalt und immer mehr Menschen fallen seinem Handwerk des Schlachters zum Opfer. Doch Marcos muss einen Weg finden, die Leichen zu beseitigen und die Lösung ist einfach, aber schockierend!


Mit "Cannibal Man" liegt nahezu ein Paradebeispiel dafür vor, wie irreführend mancher Filmtitel doch sein kann. Mit Kannibalismus hat dieses Werk nämlich überhaupt nichts zu tun, doch so manch einer wird an dieser Stelle ganz sicher mit völlig falschen Erwartungen an diese spanische Produktion aus dem Jahr 1973 heran gehen. Gleichzeitig wird die Geschichte von Eloy de la Iglesia oftmals dem Horror-Genre zugeordnet, wobei es sich doch vielmehr um ein waschechtes Drama handelt, dem lediglich dezente Elemente des Horrorfilms beigemengt wurden. Dadurch ergibt sich eine äußerst krude Kombination, die teilweise auch noch mit einem Hauch von Sozialkritik ausgestattet wurde und im späteren Verlauf homoerotische Züge erkennen lässt. Diese Zusammenstellung mag sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen und auch die Erzähl-Struktur des Filmes trifft nicht bei allen auf Gegenliebe, was sicherlich auch die unzähligen und völlig unterschiedlichen Bewertungen erklärt. Freunde einer temporeichen Erzählung und massenweise Action sind hier vollkommen fehl am Platz, denn Iglesia setzt vielmehr auf ruhige und stille Töne, die lediglich von mehreren Morden jäh unterbrochen werden.

Dadurch mag bei vielen der Eindruck von Langeweile aufkommen, aber ehrlich gesagt fällt es so viel leichter, sich auf die zentrale Hauptfigur Marcos zu konzentrieren, dessen aus dem Ruder laufendes Leben im Fokus der Ereignisse steht. Gespielt von Vincente Parra präsentiert sich dabei ein Charakter der nur schwerlich einzuordnen ist, denn auf den ersten Blick scheint der gute Marcos ein eher gutmütiger Mensch zu sein, der jedoch durch eine eher unglückliche Tat eine Wandlung vollzieht, die man schwerlich in Worte fassen kann. Ausschlaggebend dafür ist der Tod eines Taxifahrers, der nach einem Streit mit der Hauptfigur sein Leben verliert. Dabei handelt es sich hierbei noch nicht einmal um einen Mord, sondern maximal um Totschlag im Affekt, aber dieser unglückselige Vorfall löst förmlich eine Lawine der Gewalt aus, die man noch nicht einmal wirklich erklären kann. Gerade der Aspekt, das Iglesia die Motive für die folgenden Morde eher schwammig hält, verleihen diesem Film extreme Kraft und ein Höchstmaß an Intensität. Das ist nicht unbedingt auf die Tötungen an sich zu beziehen, denn obwohl einige von ihnen für die damalige Zeit recht blutig ausfallen, hält sich der visuelle Härtegrad in einem äußerst überschaubaren Rahmen. Es ist vielmehr die Situation an sich in der sich Marcos befindet, denn mit jeder einzelnen Tötung gerät sein Leben immer mehr aus den Fugen und bringt ihn in eine schier aussichtslose Situation.

Ganz besonders faszinierend ist dabei das Verhalten des Mannes nach den jeweiligen Morden, denn wenn man ihn beispielsweise am Morgen zur Arbeit gehen sieht, erweckt dies nicht unbedingt das Gefühl, das seine Taten ihm irgendwie nahe gehen. Marcos wirkt seltsam ungerührt und scheint sich der Tragweite seines Handelns überhaupt nicht klar zu sein gleichzeitig ist meiner Meinung nach auch stellenweise ein Hauch von Apathie zu verspüren. Im Zusammenspiel mit einer gewissen Emotionslosigkeit ergibt sich so eine darstellerische Performance von Parra, die auf den ersten Blick sicherlich gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, bei genauerer Betrachtung jedoch absolut passend ist. Hier handelt es sich selbstverständlich um meine rein subjektive Betrachtungsweise, denn manch anderer wird das Schauspiel des Hauptdarstellers eventuell ganz anders bewerten. Wie dem aber auch sei, die Interpretation der Geschehnisse und die Motive dafür bleiben einem jeden selbst überlassen, aber ich habe Marcos als einen Mann empfunden, der die Ereignisse um ihn herum gar nicht so richtig einzuordnen weiß. So betrachtet man dann auch die aufblühende homoerotische Freundschaft zu einem jungen Mann ganz anders und dieses für manch einen eher unpassende Element des Filmes rundet die Chose sehr stimmig ab.

"Cannibal Man" zählt definitiv zu den Filmen, die seit jeher die Meinungen spalten, von stinklangweilig bis hin zu genial ist dabei fast alles vertreten. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte, aber auf jeden Fall handelt es sich um einen Beitrag, den man sehr wohl gesehen haben sollte. Dabei ist es insbesondere die sehenswerte Mischung verschiedener Genres die diese Geschichte so interessant macht, denn die Sprünge zwischen Drama, Horror Elementen, Sozialkritik und einer intensiven Figurenzeichnung des Haupt-Protagonisten sind absolut faszinierend. Zugegebenermaßen hat mir dieser Beitrag bei meiner damaligen Erstsichtung auch nicht sonderlich gefallen, wobei ich meine Erwartungen allerdings durch den Filmtitel in eine völlig falsche Richtung gelenkt hatte. Mit dem Abstand von etlichen Jahren sieht man die Geschichte nun aber aus einem anderen Blickwinkel und ist so dazu in der Lage, die sehr wohl vorhandene Qualität dieses Werkes so richtig zu schätzen.


Fazit:


Wenn man sich auf "Cannibal Man" einlassen kann und mit der richtigen Erwartungshaltung an die Story heran geht, dann wird man mit einem richtig guten Film konfrontiert, der ebenso wie guter Wein erst nach mehreren Jahren seine volle Qualität erkennen lässt.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 15. Feb 2017 18:35

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Die Farm
(Deer Crossing)
mit Christopher Mann, Laura L. Cottrel, K.J. Linhein, Ernie Hudson, Doug Bradley, Tom Detrik, Carmela Hayslett, Jennifer Butler, Warren Hemenway, Kevin Fennell, Sebastian Banes, Jeanette Branch, Tina-Desiree Berg
Regie: Christian Grillo
Drehbuch: Christian Grillo
Kamera: Scott E. Kaufman
Musik: Christian Grillo
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Maggie und ihr Sohn Cole erleiden einen Autounfall nahe einer abgelegenen Farm. Der Farmer nimmt die Verletzten mit in sein Haus. Für die Polizei und die Familie bleiben die beiden spurlos verschwunden. Ehemann und Vater Derrick sieht die beiden nicht mehr wieder, die Ermittlungen werden eingestellt. Bis er nach acht Jahren unvermittelt einen mysteriösen Anruf erhält. Mit Hilfe eines pensionierten Polizisten macht sich Derrick auf die Suche, reist zum Ort des Geschehens in die Einöde und rollt die Ermittlungen von neuem auf. Etwas stimmt hier nicht und auch der lokale Sheriff scheint seine Hände im Spiel zu haben. Ist der junge Mann, der seit einiger Zeit auf der Farm lebt, womöglich Cole? Und wo ist Maggie die letzten acht Jahre abgeblieben?


In der Regel sind Filme denen erst Jahre nach ihrem Erscheinen eine DVD-bzw. Blu-ray Veröffentlichung zu teil wird mit Vorsicht zu genießen, denn es wird schon seine Gründe haben, das sich erst im nachhinein ein Label findet, das diverse Werke bei uns in Deutschland auf den Markt bringt. Sicherlich gibt es auch angenehme Ausnahmen, zu denen der vorliegende Beitrag "Die Farm" aus dem Jahr 2012 leider nicht zu zählen ist. Dabei verspricht doch die Inhaltsangabe durchaus Potential für einen ordentlichen Horrorfilm, jedoch ist die Umsetzung der vorliegenden Geschichte äußerst schlecht gelungen. OK, es handelt sich um eine absolute Low Budget Produktion, für die anscheinend gerade einmal 50.000 $ zur Verfügung standen, doch selbst aus dermaßen bescheidenen Mitteln hat so mancher Regisseur schon wahre Perlen geschaffen. Was jedoch Christian Grillo mit seinem Erstling auf den Weg gebracht hat ist nichts anderes als die pure Langeweile, die sich zu allem Überfluss auch noch auf gut 100 Minuten Laufzeit verteilt.

Schon nach wenigen Minuten kann sich der Betrachter ausmalen, das er bei der Wahl dieses Filmes ordentlich daneben gegriffen hat, denn dafür sorgen in erster Linie die völlig talentfreien Darsteller, die sich in Sachen Unbeholfenheit gegenseitig übertreffen. Nun kann man bei einem solchen Independent Movie sicherlich keine oscarreifen Leistungen, geschweige denn einen namhaften Cast erwarten, aber die hier erbrachten Leistungen spotten nun wirklich jeder Beschreibung. Da hilft es dann auch nicht, wenn mit "Pinhead" Doug Bradley zumindest ein bekanntes Gesicht in einer Nebenrolle zu sehen ist, denn sein Mitwirken kann das dilettantische Spiel der Akteure nicht vor einem vernichtenden Urteil bewahren. Zumindest hat Grillo aber dafür gesorgt, das auch sämtliche anderen Zutaten seines obskuren Werkes dafür Sorge tragen, das eh schon kaum vorhandene Niveau noch weiter in den Keller zutreiben.

Die vorhandenen Dialoge und die deutsche Synchronisation sind dafür das beste Beispiel, denn beide Dinge bewegen sich nahe an der Grenze zur vorsätzlichen Körperverletzung und sind schwerlich zu ertragen. Wenn die Chose nun zumindest unfreiwillig komisch wäre, dann könnte man dem Ganzen eventuell aus der Sicht des Trash-Liebhabers etwas abgewinnen, aber leider wird stattdessen krampfhaft versucht, hier den Eindruck einen ernst zu nehmenden Genrebeitrags zu erwecken. Dieser Versuch misslingt allerdings völlig, denn das hanebüchene Szenario ist einfach nur schlecht und man erliegt während der Laufzeit nicht nur einmal fast der Versuchung vorzeitig die Stop-Taste zu drücken und die Sichtung möglichst frühzeitig zu beenden.

Aber was tut man nicht alles, um eine möglichst objektive Bewertung zu einem Film abzugeben und dabei auch die vorhandenen Stärken gesondert zu erwähnen. In vorliegendem Fall tut man sich jedoch extrem schwer damit, denn letztendlich lässt dieser völlig misslungene Versuch eines Horrorfilms ausschließlich Wut in einem darüber aufsteigen, das man einmal mehr kostbare Lebenszeit mit filmischem Abfall vergeudet hat, denn so und nicht anders kann man dieses Machwerk bezeichnen. Gott sei dank setzt aber irgendwann der Abspann ein und damit wären wir auch schon bei der einzigen Sache, die hier wirklich positiv zu bewerten ist. Den Aufdruck "uncut" auf dem Blu-ray Cover hätte man sich im Übrigen auch ohne Weiteres sparen können, denn "Die Farm" beinhaltet keinerlei Passagen, die man auch nur ansatzweise hätte schneiden müssen. Der Härtegrad tendiert in den Null-Bereich, aber dieser Aspekt wundert einen im Endeffekt auch nicht mehr. Und so kann man dann auch nur eine Empfehlung an all jene aussprechen die sich einmal so richtig den Tag versauen wollen, denn zu diesem Zweck eignet sich das Regie Debüt von Grillo definitiv.


Fazit:


"Die Farm" entpuppt sich als der totale Rohrkrepierer und das hat überhaupt nichts damit zu tun, das es sich hier um eine Low Budget Produktion handelt. Es ist vielmehr die saumäßig schlechte Umsetzung einer Story, die durchaus das Potential für einen ordentlichen Horrorfilm hätte. Was aber daraus gemacht wurde ist unter aller Kanone und deswegen kann man nicht unbedingt zu einer Sichtung raten.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Feb 2017 19:00

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Lost Girl - Fürchte die Erlösung
(One Eyed Girl)
mit Sara West, Tilda Cobham-Hervey, Steve Le Marquand, Mark Leonard Winter, Craig Behenna, Tess O'Flaherty, Elena Carapetis, Kate Cheel, Sebastian Freeman, Nic English, Lachlan Wilson, Gem O'Flaherty, Adom Carter
Regie: Nick Matthews
Drehbuch: Nick Matthews / Craig Behenna
Kamera: Jody Muston
Musik: Michael Darren
FSK 16
Australien / 2014

Travis, ein junger Psychiater, hatte in seiner Arbeit einem schweren Rückschlag. Eine seiner Patientinnen hat sich das Leben genommen. Am Rand des Nervenzusammenbruchs und auf der verzweifelten Suche nach Antworten lernt er die wunderschöne junge Grace kennen, ein geheimnisvolles Mädchen, die für eine undurchsichtige Selbsthilfegruppe wirbt. Sie bringt Travis zu dem charismatischen Jay und seiner streng spirituellen Glaubensgemeinschaft. Jay bietet Gestrandeten und Verzweifelten Zuflucht und Heilung auf seiner Farm und hier glaubt Travis ein neues Leben beginnen zu können. Doch Jays Methoden sind undurchsichtig und Travis wird immer tiefer in die Machenschaften dieser Gruppe hereingezogen. Als Travis und Grace sich annähern, geraten die Dinge außer Kontrolle. Travis muss eine Entscheidung für sein Leben treffen. Er riskiert alles, um die Schatten der Vergangenheit endlich zu besiegen, und um Grace und sich zu retten.


Australien ist wirklich ein gutes Pflaster für gute Filme, wie der vorliegende Beitrag einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dieses Mal handelt es sich um einen Film der schwerlich einem bestimmten Genre zuzuordnen ist, denn Nick Matthews geht bei seinem Erstlingswerk den mutigen Weg, verschiedene Elemente diverser Genres miteinander zu verbinden. "Lost Girl - Fürchte die Erlösung" könnte den Zuschauer dabei aufgrund des Filmtitels ein klein wenig in die Irre führen, denn im Mittelpunkt der Geschichte steht eindeutig eine männliche Hauptfigur, der erst mit zunehmender Laufzeit ein weiblicher Gegenpart zur Seite gestellt wird. Thematisch gesehen dreht es sich einmal mehr um die schon des Öfteren verfilmte Sekten-Thematik, wobei dieser Aspekt allerdings nicht von Beginn an zu erkennen ist. Dafür legt Matthews jedoch äußerst gekonnt den Grundstein für das später immer stärker in den Vordergrund rückende Thema, denn durch eine recht ausführliche Figurenzeichnung des Hauptdarstellers werden die Gründe dafür aufgezeichnet, weshalb so viele Menschen in die Fänge einer obskuren Sekte oder Glaubensgemeinschaft geraten können. Zu Beginn präsentiert sich das Werk dann auch als waschechtes Drama, für das man allerdings ein wenig Geduld aufbringen muss, da die Erzählweise sich doch ziemlich ruhig gestaltet. Durch etliche Rückblenden lernt man den jungen Psychiater Travis gut kennen und bekommt einen guten Überblick über die Hintergründe, warum der junge Mann unter einem schier unerträglichen Schmerz leidet. Insbesondere diese Passagen sind meiner Meinung nach enorm wichtig für den weiteren Verlauf der Geschehnisse, offenbart sich doch hier die Anfälligkeit eines Menschen gegenüber einem charismatischen Sektenführers.

Vom seelischen Schmerz gepeinigt wird nämlich anscheinend die Fähigkeit des logischen Denkens außer Kraft gesetzt und damit ist dann auch schon der Weg für einen obskuren Prediger geebnet, der die Verletzbarkeit der menschlichen Psycho gnadenlos für seine Zwecke ausnutzt. Diese Dinge kommen aber erst im zweiten Drittel der Geschichte immer mehr zum tragen, denn erst nach einem misslungenen Selbstmordversuch ergeben sich die Umstände, das Travis auf die sogenannte "Farm" gebracht wird, auf der die Glaubensgemeinschaft ihr neues Heim gefunden hat. Nun tritt auch die junge Grace immer stärker auf der Szene auf und nimmt mit zunehmender Laufzeit eine stärker werdende Gewichtung in der Story ein. Mit Mark Leonard Winter und Tilda Cobham-Hervey sind die beiden Hauptfiguren nahezu erstklassig besetzt, wobei Winter in der Anfangsphase ein wenig zu weinerlich daher kommt, aber im Laufe der Zeit eine wirklich gute Leistung abliefert. Aber auch Steve Le Marquand in der Rolle des Sektenoberhauptes weiß durchgehend zu überzeugen, so das man im Bezug auf das dargebrachte Schauspiel wenig Grund zur Kritik sieht.

Spätestens in der zweiten Hälfte des Filmes sind dann immer mehr Thrillerelemente zu erkennen, die stellenweise das Drama sogar phasenweise in den Hintergrund drängen. Es ergibt sich ein äußerst sehenswerter und spannender Genre-Mix, der sich der Aufmerksamkeit des Zuschauers durchgehend sicher sein kann. Wie nicht anders zu erwarten mischt sich bei einer solchen Thematik auch ein gehöriger Schuss Tragik bei, der vor allem den Showdown der Ereignisse bestimmen soll. Matthews spielt dabei zwar mit den üblichen Klischees, die aber absolut passend sind und zudem auch die Intensität seiner Erzählung noch einmal zusätzlich verstärken. Diese wird von einer sehr dichten und bedrohlichen Grundstimmung begleitet, die das Ganze äußerst harmonisch und stimmig abrundet. Übertriebenen Aktionismus sollte man jedoch nicht erwarten, denn "Lost Girl - fürchte die Erlösung" ist nicht dafür ausgelegt den Action-Liebhaber zu befriedigen, es handelt sich vielmehr um einen Beitrag der stilleren Töne.

Insgesamt gesehen siedelt sich diese australische Produktion im oberen Drittel seiner Genre-Kollegen an, die sich auch mit der Thematik von Sekten beschäftigen. Ein gut agierendes Darsteller-Ensemble und eine höchst intensive Geschichte sorgen hier für ein erstklassiges Filmerlebnis, das auch ganz sicher einen nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlassen dürfte. Und so kann man dem guten Nick Matthews auch durchaus ein sehr gutes Gesamtzeugnis für sein Regie Debüt ausstellen, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Man muss für diesen Film ein wenig Geduld aufbringen und zudem auch ein Faible für Geschichten haben, die sich erst mit zunehmender Laufzeit so richtig entwickeln. Wenn man das kann wird man letztendlich mit einem tollen Gesamtwerk belohnt, dessen Sichtung man ganz bestimmt nicht bereuen wird.


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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 17. Feb 2017 19:00

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31
(31)
mit Sheri Moon Zombie, Jeff Daniel Phillips, Lawrence Hilton-Jacobs, Meg Foster, Kevin Jackson, Malcolm McDowell, Jane Carr, Judy Geeson, Richard Brake, Pancho Moler, David Ury, Lew Temple, Torsten Voges
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Kamera: David Daniel
Musik: Chris Harris / John 5 / Bob Marlette / Rob Zombie
keine Jugendfreigabe
USA / 2016

1976: In der Nacht vor Halloween werden fünf abgebrannte Jahrmarkts-Mitarbeiter von einer Bande sadistischer und spielsüchtiger Hinterwäldler entführt und zu einem mysteriösen, schrecklichen Ort gebracht: der ''Murder World''. Dort haben sie 12 Stunden Zeit, ein mörderisches Spiel namens ''31'' zu überleben. Eine Gruppe von Psychopathen alle als Clowns maskiert - wird auf sie gehetzt und hat nur eine Aufgabe: die fünf Gefangenen zu töten. Das Spiel kennt keine Regeln, was zählt, ist der pure tierische Überlebensinstinkt. Wer bis um Punkt Mitternacht überlebt, ist frei. Das ist 31. Lasset das Spiel beginnen!


Die Filme eines Rob Zombie waren eigentlich noch nie für die breite Masse ausgelegt, auch wenn die beiden "Halloween" Verfilmungen und der 2012 erschienene "Lords of Salem" ein wenig in die Richtung des Mainstream-Horrors abzielten. Mit dem nun erschienenen "31" wollte der Musiker und Regisseur dann endlich zu seinen Wurzeln zurück gehen, die bei seinen beiden ersten Filmen "Haus der 1000 Leichen" und "The Devils Reject" noch so wunderbar zu erkennen waren. Hat der gute Rob doch seinerzeit wirklich etwas frischen Wind in das Genre gebracht und dabei einen ganz eigenen Stil an den Tag gelegt, indem er mit dreckigem und stellenweise überzeichneten Horror aufwartete, in dem skurrile und schrille Figuren das absolute Markenzeichen waren. Der vorliegende Beitrag kann dann auch wirklich zumindest stellenweise wieder an diese Zeiten anknüpfen, denn Zombie präsentiert einmal mehr eine völlig überzeichnete Story, die auch wieder mit bunten und äußerst eigenwilligen Figuren daher kommt. Rein inhaltlich bietet das Szenario allerdings nichts Neues, so sind beispielsweise starke Anlehnungen an einen Film wie "Slashers" aus dem Jahr 2001 unübersehbar.

Auch hier dient eine kleine Gruppe von Menschen dazu die makaberen und perversen Neigungen einiger reicher Leute zu befriedigen, in dem sie entführt werden und an einem ominösen Spiel namens "31" teilnehmen müssen. Das Ziel des Spieles ist dabei klar definiert, denn es geht ausschließlich darum zwölf Stunden lang im Kampf gegen skurrile Mörder zu überleben. Man merkt also das hier nicht sonderlich viel Innovation zu erwarten ist und so entwickelt sich dann auch nach einer kurzen Einführung in das Geschehen der fast schon übliche Überlebenskampf, der mit einigen zugegebenermaßen harten Einstellungen garniert ist. Freunde tiefgründiger Filmkost werden also definitiv nicht auf ihre Kosten kommen, doch ehrlich gesagt sollte man bei einem solchen Film auch nicht mit derartigen Erwartungen an die Abläufe heran gehen. Hier bekommt man ein räudiges Spektakel zu Gesicht, das mit einem sehenswerten Härtegrad und einer schmierigen Atmosphäre ausgestattet ist, wobei Rob Zombie dann auch wirklich an seine Anfänge erinnert.

Was ganz besonders auffällt ist die Tatsache, das sämtliche Figuren dermaßen unsympathisch gezeichnet wurden, das man auch nicht das geringste Mitleid mit den Spielern haben kann. Vielleicht ist daran auch die gerade zu Beginn fast schon inflationär eingesetzte Fäkalsprache schuld, denn gerade in den ersten Minuten bekommt man sexuelle Anspielungen und Kraftausdrücke ohne Ende serviert. So fällt es dann auch äußerst schwer irgendwelche Sympathiewerte für irgendeine Person zu entwickeln, so das man die Tötungen einzelner Protagonisten eher emotionslos hinnimmt. Das Schauspiel der Akteure ist für einen Film dieser Machart durchaus passend, wobei sich allerdings niemand sonderlich in den Vordergrund spielen kann, geschweige denn durch eine überragende Performance aufwartet. Mit Malcolm McDowell und der sichtbar in die Jahre gekommenen Meg Foster sind bekannte Gesichter mit an Bord und selbstverständlich darf auch Rob's angetraute Ehefrau Sheri Moon Zombie nicht fehlen, die ja im Prinzip zur Grundausstattung seiner Filme zu zählen ist und ohne Weiteres auch als Inventar bezeichnet werden könnte.

Letztendlich wird auch das vorliegende Werk die Meinungen spalten, mir persönlich hat es allerdings sehr gut gefallen, das Rob Zombie endlich einmal wieder einen sehenswerten Film abgeliefert hat und dabei zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt ist. Nach den letzten doch äußerst enttäuschenden Beiträgen "Halloween II" und dem Rohrkrepierer "Lords of Salem" ist das mehr als erfreulich und nährt gleichzeitig die Hoffnung, das der gute Mann nun endlich seinem Stil treu bleibt. Sicherlich ist "31" alles andere als ein Meisterwerk und wird auch längst nicht jeden Geschmack treffen, aber es handelt sich zumindest um einen mehr als ordentlichen Genre-Vertreter, in dem der Regisseur sich endlich wieder auf seine Anfänge besonnen hat.


Fazit:


Mir hat "31" ziemlich gut gefallen, denn auch wenn man inhaltlich nichts Neues geboten bekommt, bietet wartet die Geschichte mit mehreren starken Momenten auf, die sich natürlich zugegebenermaßen in der Hauptsache durch die visuelle Härte zu erkennen geben. Wer das als ausreichend empfindet wird hier bestens bedient und dürfte am Ende zu einem überdurchschnittlich guten Gesamteindruck gelangen.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 20. Feb 2017 16:09

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Last Shift
(Last Shift)
mit Juliana Harkavy, Joshua Mikel, Hank Stone, J. LaRose, Sarah Sculco, Kathryn Kilger, Natalie Victoria, Mary Lankford Poiley, Matt Doman, Lindsi Jeter, Randy Molnar, Jason Fusco, Scott Poiley, Jeremy S. Brock
Regie: Anthony DiBlasi
Drehbuch: Anthony DiBlasi / Scott Poiley
Kamera: Austin F. Schmidt
Musik: Adam Barber
keine Jugendfreigabe
USA / 2014

Die junge Polizistin Jessica soll die letzte Schicht in einer verlassenen Polizeiwache übernehmen in der nur noch altes Beweismaterial lagert. Was die junge Frau zunächst für einen langweiligen Job hält, entpuppt sich schnell als eine Nacht voller Schrecken und Gefahr, denn der ein Jahr zuvor ums Leben gekommene Kultführer John Paymon sucht die Wache heim und terrorisiert nun Jessica..


Es ist schon wirklich erstaunlich, wie sehr die Meinungen der Zuschauer bei manchen Filmen auseinander gehen. So verhält es sich auch bei "Last Shift" von Anthony DiBlasi (Dread), der ganz offensichtlich die Empfindungen der Betrachter in zwei Lager spaltet. Sind die einen eher gelangweilt und sprechen der Geschichte so ziemlich jegliche Qualität ab, so scheint es auch genügend Leute zu geben, die der vorliegenden Geschichte richtig viel abgewinnen können. Ich selbst möchte mich zur zweiten Gruppe zählen, denn ich liebe ganz einfach diese Produktionen, in denen man mit extrem minimalen Mitteln das Maximum heraus holt und das ist DiBlasi augenscheinlich vortrefflich gelungen. Dabei entwickelt sich von Beginn an eine herrliche Mischung aus Mystery-und Horrorthriller, die durch die gegebene Situation in dem verlassenen Polizeirevier doch ganz stark an Carpenters Meisterwerk "Das Ende" erinnert. Das war es dann allerdings auch schon mit den Ähnlichkeiten, denn ansonsten schlägt die Produktion letztendlich eine vollkommen andere Richtung ein, wie man auch schon der knappen Inhaltsangabe entnehmen kann. Dabei kommt man auch schon gleich am Anfang relativ schnell zur Sache, denn schon nach wenigen Minuten baut sich ein guter Spannungsbogen auf, der sich mit zunehmender Laufzeit ganz kontinuierlich immer weiter verdichtet.

Ziemlich schnell erkennt man, das es an dieser Stelle ganz augenscheinlich nicht mit rechten Dingen zugeht, denn die übernatürlichen Elemente des Szenarios gewinnen mit der Zeit immer mehr die Oberhand. Sind es zu Beginn noch eher Kleinigkeiten wie diverse Geräusche, so steigert sich das Ganze hin zu geschickt eingesetzten Schockmomenten und etlichen Passagen, in denen man kaum zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Im Mittelpunkt der Szenerie steht die junge Polizistin Jessica, die sich inmitten einer perfiden Situation wieder findet, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion völlig verschwimmen. In der Hauptfigur ist dann aber auch die vielleicht einzige Schwachstelle dieses Filmes zu suchen, denn obwohl Juliana Harkavy im Prinzip eine gute darstellerische Leistung zum Besten gibt, sind die Handlungen der jungen Frau nicht immer logisch nachzuvollziehen. Mehr kann man an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da man ansonsten viel von der Spannung vorweg nehmen würde. Trotz dieses manchmal nicht zu übersehenden Defizites gelingt es "Last Shift" aber dennoch einen überzeugenden Gesamteindruck zu hinterlassen, denn DiBlasi hat mit wirklich geringen Mitteln das Maximale aus seiner Erzählung heraus geholt und somit einen absolut sehenswerten Genrevertreter auf den Weg geschickt.

Insbesondere der Aufbau der Chose hat mir extrem gut gefallen, denn der zu Beginn noch recht subtil auftretende Horror wird mit der Zeit immer mehr gesteigert, so das man das aufkommende Unheil förmlich greifen kann. Die übernatürlichen Zutaten tun ihr Übriges um zu keiner Zeit Langeweile aufkommen zu lassen, denn stattdessen bekommt man größtenteils echten Nervenkitzel geboten. Untermalt wird das alles von einer erstklassigen Atmosphäre, die sich im Laufe der Zeit immer stärker verdichtet und dabei extrem bedrohliche Elemente in den Vordergrund rückt. Etwas verwunderlich erscheint allerdings die ziemlich hohe Alterseinstufung, denn eine 16er Freigabe wäre an dieser Stelle völlig ausreichend gewesen. Die Story beinhaltet nämlich keinerlei Szenen bei denen man hätte schneiden müssen, denn "Last Shift" hat es auch überhaupt nicht nötig, durch einen visuellen Härtegrad künstliche Spannung zu erzeugen. Das Werk bezieht seine ganze Kraft aus der unheimlichen Ausgangslage seiner Hauptfigur und reichert diese mit etlichen paranormalen Zutaten an, wodurch fast durchgehend eine gepflegte Gänsehaut beim Zuschauer entsteht.

Letztendlich handelt es sich hier um einen Film der mich richtig positiv überrascht hat und der absolut gelungene Gruselkost anbietet. Diese ist zudem auch noch mit einem recht ansehnlichen Tempo ausgestattet, so das es mir wirklich schwer fällt, diverse schlechte Bewertungen nachvollziehen zu können. Da werden langweilige Gurken wie "Paranormal Activity" regelrecht in den Himmel gelobt und wenn endlich mal ein gelungener Mix aus Horror-und Mystery auf den Markt kommt, dann wird diese Produktion teilweise regelrecht zerrissen. Aber jedem das Seine und Geschmäcker sind ja nun einmal verschieden. Meiner Meinung nach ist "Last Shift" jedoch eine sehr positive Überraschung und für Freunde gruseliger Horrorkost absolut zu empfehlen, denn hier wird man gut 85 Minuten lang bestens unterhalten.


Fazit:


Eine spannende Geschichte, gezielt eingesetzte Schockmomente und jede Menge übernatürliche Elemente reichen vollkommen aus, damit "Last Shift" den Zuschauer in seinen Bann zieht. Die stetige Steigerung der Intensität ist hervorragend gelungen, so das man bis zum letzten Moment wirklich bei Atem gehalten wird und in der Nachbetrachtung zu einem überzeugenden Gesamteindruck gelangen sollte.


7/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 20. Feb 2017 17:53

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Zombie World War
(Z-108 Qi Cheng)
mit Morris Hsiang Jung, Yvonne Yao, Sona Eyambe, Josh-Hiyakawa Wilson, Jack Kao, Tai-Bo, Yukiya Oonishi, Ching-Hsuan Wei, Karen Shih, Jerry Chang, Guan-Hong Jiang, Cleopatra Lin, Ayaka Nakamura
Regie: Joe Chien
Drehbuch: Joe Chien
Kamera: Yu-Tang Lin
Musik: Wei Chun Chen
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Taiwan / 2012

In Taipeh bricht eine mysteriöse Seuche aus, die Regierung leitet überstürzt umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen ein. Mitten im Getümmel liefert sich eine Spezialeinheit der Polizei ein Gefecht mit einer Gangsterbande, als plötzlich nach Menschenfleisch gierende Zombies auftauchen und beiden Seiten eine unangenehme Überraschung bereiten. In der Folge beschließen Cops und Gauner, ihre Kräfte sinnvoll zu bündeln, weitere Versprengte schließen sich dem bunten Haufen an und machen weitere böse Entdeckungen.


Zombiefilme gibt es wie Sand am Meer und leider trifft man bei etlichen Vertretern auch immer wieder auf richtige Graupen, bei denen man ohne Weiteres die Frage nach deren Daseinsberechtigung stellen darf. "Zombie World War" ist auf jeden Fall ein solches Exemplar, denn was hier aus Taiwan zu uns gekommen ist, kann man kaum in Worte fassen. Das die Asiaten ab und zu andere Wege einschlagen ist sicherlich kein Geheimnis, aber was Joe Chien sich bei diesem Schund gedacht hat kann nur er allein wissen. Dabei beginnt die Chose doch recht stimmungsvoll und konfrontiert einen mit einer Szenerie, die zeitlich gesehen nach dem Ausbruch der ominösen Seuche angesiedelt ist. Für wenige Augenblicke vermeint man dabei so etwas wie eine gelungene Endzeitstimmung zu verspüren, doch dieser Eindruck soll sich schon ziemlich schnell relativieren. Nachdem man nämlich rückwirkend mit dem Beginn des Ganzen konfrontiert wird verwandelt sich die Geschichte in den puren Trash, der allerdings noch nicht einmal ansatzweise gute Unterhaltung anbieten kann. Dabei beinhaltet die Erzählung durchaus sämtliche notwendigen Zutaten, doch die Umsetzung dieser entpuppt sich als die reinste Katastrophe.

Zuerst einmal bekommt man schnell mit, das die Darsteller nicht gerade die besten ihrer Zunft sind, wobei diese Formulierung noch sehr diplomatisch ist. Es eröffnen sich viel eher schauspielerische Leistungen, die diese Bezeichnung in keinster Weise verdienen. Sämtliche Akteure agieren völlig unbeholfen und theatralisch und der immer wieder stark in den Vordergrund tretende Humor ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern vielmehr völlig fehl am Platz. Immerhin soll es sich ja anscheinend um einen ernsthaften Vertreter seiner Art und keine Komödie halten, doch was einem an dieser Stelle aufgetischt wird spottet nun wirklich jeder Beschreibung. Nervtötende Dialoge, unzählige Kraftausdrücke und absolut hanebüchener Unsinn kommt über die Lippen der Protagonisten und ehrlich gesagt ist man des Öfteren fast der Versuchung erlegen, die Geschichte ohne Ton weiter zu schauen. Andererseits passen sich die Wortwechsel nahezu perfekt dem Niveau des gesamten Filmes an, das maximal ganz knapp über dem filmischen Bodensatz angesiedelt ist.

So gestaltet sich das Geschehen dann auch als eine richtig gehende Quälerei und nähert sich nur sehr langsam dem absoluten Höhepunkt, der definitiv im einsetzenden Abspann dieses üblen Machwerkes zu suchen ist. Zugegebenermaßen ergeben sich auch mehrmals mehrmals abstruse Momente in denen man sich das Lachen nicht verkneifen kann, denn ob gewollt oder nicht tritt einige Male extrem skurrile Situationskomik auf den Plan. Diese wenigen Augenblicke können den insgesamt desaströsen Gesamteindruck aber keinesfalls aufwerten, zudem möchte man so etwas auch gar nicht in einem ernsten Genrebeitrag sehen. Ich weiß nicht ob der Regisseur schlechte Drogen zu sich genommen hat oder ganz einfach keinerlei Talent besitzt, doch diese filmische Gülle hat es nicht verdient, überhaupt auf eine DVD gepresst zu werden. Selbst die ganz hart gesottenen Zombie-Fans dürften wenig Freude an diesem Rotz haben, da die Geschichte keinerlei Substanz oder Höhepunkte beinhaltet.

Wer nun zumindest auf einen ordentlichen Härtegrad setzt sollte diese Hoffnung gleich wieder fahren lassen, denn auch in dieser Beziehung hat "Zombie World War" absolut nichts Nennenswertes mit an Bord. Man vergeudet im Endeffekt also lediglich kostbare Zeit mit diesem Werk und sollte sich viel lieber mit den guten Vertretern des Genres beschäftigen, bevor man auch nur einen Blick riskiert.


Fazit:


Es gibt sicherlich genügend schlechte Zombie Mopeds, doch das vorliegende wertet so manchen als schlecht befundenen Beitrag ganz enorm auf. Selbst mit einer Vorliebe für Trash wird man kaum auf seine Kosten kommen, da "Zombie World War" im wahrsten Sinne des Wortes der absolute Müll ist.


1/10
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Re: horror's Reise durch die Welt der Filme

Beitragvon horror1966 » 21. Feb 2017 19:00

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The Windmill Massacre
(The Windmill Massacre)
mit Patrick Baladi, Ben Batt, Charlotte Beaumont, Fiona Hampton, Tanroh Ishida, Bart Klever, Kenan Raven, Noah Taylor, Adam Thomas Wright, Derek Howard, Mattijn Hartemink, Edo Brunner, Stijn Westenend, Liz Vergeer
Regie: Nick Jongerius
Drehbuch: Nick Jongerius / Chris W. Mitchell / Suzy Quid
Kamera: Bart Beekman
Musik: Erik Jan Grob
keine Jugendfreigabe
Niederlande / 2016

Nach einem missglückten Neustart in Amsterdam verlässt die Australierin Jennifer (Charlotte Beaumont aus ,,Broadchurch" und ,,Jupiter Ascending") fluchtartig die holländische Grachtenmetropole. Gemeinsam mit einem wortkargen Ex-Marine, einem abgehalfterten Arzt und einer Handvoll anderer seltsamer Touristen landet sie in einem klapprigen Sightseeing-Bus, der die Besucher auf eine Reise in das ländliche, das echte Holland mitnimmt und dann genau dort seinen Dienst verweigert. Die halb verfallene Windmühle in der Nähe, die auf keiner Karte verzeichnet ist, bietet dem zusammengewürfelten Grüppchen mit ihrem morbiden Charme Unterschlupf. Sie erfahren dort von der blutrünstigen Legende, die besagt, dass ein teufelsanbetender Müller damals die Knochen der Einwohner in der Getreidemühle mahlte. Und die untote Sagengestalt lauert bereits im dunklen Tann, um mit Hilfe ihrer mörderisch scharfen Sense an den ahnungslosen Todgeweihten Rache zu üben.


Die Niederlande zählen nun nicht gerade zu den Ländern die haufenweise Horrorfilme produzieren, sind dafür aber umso öfter bei diversen Co-Produktionen (Human Centipede, Frankenstein's Army) zu nennen. Es gibt aber dennoch auch einige eigene Werke von unseren Nachbarn, wobei man an dieser Stelle beispielsweise "Fahrstuhl des Grauens" oder auch "Saint" nennen kann. Nun liegt mit "The Windmill Massacre" endlich einmal wieder ein Vertreter des Genres vor und dieser kann sich zudem auch noch äußerst gut anschauen lassen. Nick Jongerius legt damit seinen ersten Spielfilm vor und präsentiert einen waschechten Slasher, der auch diverse Elemente des Übernatürlichen beinhaltet. Nun könnte man aufgrund des Filmtitels eventuell zu hohe Erwartungen an einen mit visueller Härte durchzogenen Film haben, aber in dieser Beziehung sollte man lieber mit einer etwas geringeren Erwartungshaltung an diesen Beitrag heran gehen. Ein echtes Massaker gibt es nämlich nicht wirklich zu sehen, was an dieser Stelle aber keinesfalls bedeuten soll, das die Geschichte keine härteren Passagen beinhaltet. In erster Linie überzeugt die Geschichte aber durch ihre fast durchgehend vorhandene und äußerst dichte Grundstimmung, die sich schon nach wenigen Minuten zu erkennen gibt.

Das liegt hauptsächlich in der Tatsache begründet das sich der Großteil des Geschehens bei Nacht abspielt, denn lediglich die ersten Minuten und die allerletzten Einstellungen spielen sich bei Tageslicht ab. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht die junge Jennifer, die sich schon nach wenigen Minuten als Hauptfigur heraus kristallisiert. Sie ist Teil einer Touristengruppe, die sich auf einer Besichtigungstour befinden, bei der man Sehenswürdigkeiten des "echten Hollands" begutachten will. Das diese Tour dann völlig anders verläuft wie geplant kann man sich denken und so dauert es auch nicht sonderlich lange, bis der erste Tote zu begutachten ist. In der Folge bekommt man dann auch prompt die angeblichen Hintergründe für die nun gestartete Mordserie geliefert, wobei diese auf einer Legende beruhen, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte um niemandem die Spannung zu nehmen. Und diese ist sehr wohl vorhanden, auch wenn man als Kenner des Genres relativ frühzeitig die Zusammenhänge erkennen kann. Eine gewisse Vorhersehbarkeit der Abläufe ist also definitiv vorhanden, dennoch hat Jongerius es geschafft, den Zuschauer die gesamte Laufzeit über bei der Stange zu halten.

Das liegt in erster Linie auch an der temporeichen Erzählstruktur der Story, so das zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen kann. Desweiteren sind die zahlreichen Kills auch ordentlich in Szene gesetzt worden, wobei es streckenweise auch ganz ordentlich zur Sache geht. Der enthaltene Härtegrad gestaltet sich zwar nicht übermäßig, dennoch kann das Szenario mit einigen leckeren und deftigen Szenen aufwarten, was die Alterseinstufung ab 18 Jahren auch jederzeit rechtfertigt. Zudem ist im letzten Drittel auch noch eine kleinere Wendung mit eingebaut worden, die einen aber ehrlich gesagt nicht wirklich überraschen kann. Trotzdem passt sie perfekt in ein insgesamt sehr stimmiges Gesamtbild, das "The Windmill Massacre" auf jeden Fall hinterlässt. Obwohl das Werk nicht gerade ein Füllhorn an Innovation über das Genre ausschüttet, kommt die gesamte Chose dennoch ziemlich erfrischend daher und bietet dem Betrachter sehr kurzweilige und unterhaltsame Horrorkost.

Wer also eine in sich wunderbar stimmige Geschichte mit diversen Gewaltspitzen und einer erstklassigen Atmosphäre zu schätzen weiß, der kann bei dieser niederländischen Produktion nichts falsch machen und ist bestens aufgehoben. Nick Jongerius hat hier wirklich sehr gute Arbeit geleistet und sämtliche für einen Film dieser Art notwendigen Zutaten miteinander vermischt, so das im Endeffekt ein richtig gutes Gesamtbild entsteht. Mir hat dieser Beitrag jedenfalls viel Spaß bereitet und die Story ist zudem auch bestens dafür geeignet, das es an dieser Stelle nicht bei einer einmaligen Sichtung bleibt.


Fazit:


"The Windmill Massacre" ist ein absolut sehenswerter Horrorfilm unserer niederländischen Nachbarn, der in allen Belangen überzeugen kann. Bleibt zu hoffen, das eventuell auch öfter mal solche Filme aus dem Nachbarland zu uns kommen, denn bei der vorhandenen Qualität dieses übernatürlich angehauchten Slashers wäre das äußerst erfreulich.


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