Amerikanisches Idyll

Leidenschaft, Emotionen und Dramatik haben hier ihren Platz

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 108

Amerikanisches Idyll

Beitragvon horror1966 » 22. Mär 2017 10:46

Bild




Amerikanisches Idyll
(American Pastoral)
mit Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, Peter Riegert, Rupert Evans, Uzo Aduba, Molly Parker, Valorie Curry, Hannah Nordberg, Julia Silverman, Mark Hildreth, Samantha Mathis
Regie: Ewan McGregor
Drehbuch: Philip Roth / John Romano
Kamera: Martin Ruhe
Musik: Alexandre Desplat
FSK 12
USA / 2016

Seymour Levov, erfolgreicher Footballspieler, heiratet seine Traumfrau Dawn und übernimmt in den späten Fünfzigern die Fabrik seines Vaters. Das Paar genießt den amerikanischen Traum in vollen Zügen. Ihr größter Schatz ist ihre Tochter Merry. Doch in den Sechzigerjahren, als der Vietnamkrieg mit seinen schrecklichen Bildern in das Idyll hereinbricht, verliert Merry den Glauben an das Gute und radikalisiert sich. Die Eltern lieben sich nicht mehr. Während Dawn ihre Tochter aufgegeben hat, kämpft Seymour um sie.


Wenn der amerikanische Traum zerbricht"


"Amerikanisches Idyll" basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Philip Roth und stellt das Regie-Debüt von Ewan McGregor dar, der gleichzeitig auch in der männlichen Hauptrolle zu sehen ist. Erzählt wird die Geschichte des "Schweden" Seymor Levov, der mit seiner Familie im Prinzip den typisch amerikanischen Traum lebt, aus dem er jedoch in den 60er Jahren jäh heraus gerissen wird. Dabei scheint sein Leben doch geradezu vorgezeichnet, denn als umjubelter Sportler heiratet er die ehemalige Schönheitskönigin Dawn, die ihm kurz darauf die heiß geliebte Tochter Merry schenkt. McGregor zeichnet zunächst eine heile Welt und in den ersten Minuten mag das Szenario fast schon ein wenig kitschig erscheinen. Offenbaren sich doch genau die Klischees die man im Prinzip immer mit dem perfekten amerikanischen Traum verbindet und die auch erstklassig in Szene gesetzt wurden. Mit der Zeit fängt die perfekte Fassade jedoch zu bröckeln an, denn je älter Merry wird desto mehr wird für den Zuschauer deutlich, das sich das Mädchen zu einem echten Problemkind entwickelt. In einem Jahrzehnt der politischen Unruhen und dem Beginn des Vietnamkrieges nimmt das Unheil dann auch seinen Lauf und es kommt zu einer echten Katastrophe, durch die die Familie unwillkürlich auseinander gerissen wird.

Man darf an dieser Stelle nicht zuviel verraten um niemandem die Spannung zu nehmen, aber was McGregor hier eindrucksvoll in Szene gesetzt hat, beinhaltet wirklich eine ganze Menge Klasse und Qualität. In erster Linie liegt das an der Geschichte selbst, die streckenweise sehr dramatische, gleichzeitig aber auch immer wieder stark emotionale Passagen inne hat. Gleichzeitig wird man mit absolut erstklassigem Schauspiel bedient, denn sämtliche Akteure liefern einen absolut tollen Job ab, wobei Ewan McGregor selbst aber definitiv den Vogel abschießt. Selbst Jennifer Connelly und Dakota Fanning verblassen da ein wenig, denn obwohl die beiden Damen wirklich gut agieren, ist gegen die Omnipräsenz des Hauptdarstellers beim besten Willen kein Kraut gewachsen. Natürlich begründet sich dieser Aspekt auch in den jeweiligen Spielanteilen, denn McGregor hat hier auf jeden Fall den Löwenanteil abbekommen. Doch auch seine Interpretation eines Vaters der niemals aufgehört hat um seine Tochter zu kämpfen, ist dermaßen bewegend und eindringlich, das sie dem Betrachter ganz unweigerlich tief unter die Haut fährt.

Es ist ein nahezu aussichtsloser Kampf, der insbesondere Dawn fast an den Rand des Wahnsinns bringt. Als Mutter zerbricht sie regelrecht an den schrecklichen Ereignissen und der Ungewissheit um ihr Kind, wohingegen Seymor anscheinend die nötige Kraft aufbringt, immer weiter und jahrelang um seine verschwundene Tochter zu kämpfen. Der äußere Schein trügt jedoch erheblich, was man phasenweise an der Mimik und Gestik des Mannes erkennen kann. Wie sehr ihm das Ganze jedoch wirklich zusetzt äußert sich erst zum Ende des Filmes und zeigt dabei ziemlich eindeutig auf, das der lang andauernde Kampf vor allem im Inneren des "Schweden" eine Menge zerstört hat. Letztendlich präsentiert sich hier also alles andere als ein "Amerikanisches Idyll" und vom zu Beginn an vorgefundenen amerikanischen Traum bleibt am Ende gar nichts übrig. Die Umsetzung des Ganzen ist äußerst imposant ausgefallen, was aber keinesfalls auf Ausstattung oder andere Nebensächlichkeiten zu beziehen ist. Es ist die Erzählung an sich die hier den größten Eindruck beim Zuschauer hinterlässt und einen dabei zutiefst bewegt. Wenn dann auch noch sämtliche Rollen nahezu perfekt besetzt sind und die Akteure die Geschichte glaubhaft und authentisch darstellen, dann kann man im Prinzip nur zu einem sehr guten Gesamteindruck gelangen.

"Amerikanisches Idyll" führt seinen Titel eigentlich ad absurdum, doch genau das macht diesen Film so unglaublich reizvoll und intensiv. Denn trotz einer eher ruhigen und bedächtigen Erzählweise sind es gerade die ruhigen Töne, die einem ein Höchstmaß an Intensität präsentieren. Man kann sich ohne Weiteres mit den Hauptfiguren identifizieren, wobei sich insbesondere zur männlichen Hauptfigur eine extrem starke Bindung aufbaut. Und so leidet man dann auch an vielen Stellen mit diesem Mann mit, der im Prinzip immer nur eine Zusammenführung seiner kleinen Familie erwirken wollte. Nach der Sichtung des Werkes braucht man erst einmal eine gewisse Zeit um das Szenario so richtig sacken zu lassen, um danach dann zu der Erkenntnis zu gelangen, das man soeben einen wirklich erstklassigen film gesehen hat.


Fazit:


McGregor hat mit "Amerikanisches Idyll" einen grandiosen Film abgeliefert, für den man ihm nur ein herausragendes Zeugnis ausstellen kann. Die Geschichte berührt und wird intensiv erzählt, gleichzeitig stimmt sie auch äußerst nachdenklich und bleibt nachhaltig im Gedächtnis hängen. Großartige Darsteller runden die Sache perfekt ab, so das man in vorliegendem Fall nur eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen kann, die das filmische Drama zu schätzen wissen.

9/10
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5370
Registriert: 09.2013
Geschlecht:

Re: Amerikanisches Idyll

Beitragvon horror1966 » 26. Mär 2017 17:04

Kritik ist drin.
Heimat der Waranen Gemeinde und Illuminaten

Auch ein Aal in des Mannes Hose passt nicht gleich in jede Dose

Bild Big Brother is watching you
Benutzeravatar
horror1966
El Presidente
 
Beiträge: 5370
Registriert: 09.2013
Geschlecht:


Zurück zu "Drama"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron