Essex Boys: Vergeltung

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Essex Boys: Vergeltung

Beitragvon horror1966 » 3. Aug 2014 17:45

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Essex Boys: Vergeltung
(Essex Boys: Retribution)
mit Ian Virgo, Ryan Winsley, Alex Esmail, Kyle Summercorn, Kye Loren, Vas Blackwood, Lorraine Stanley, Billy Murray, Paul Marlon, Martin Fisher, Christopher Dickins, Nalân Burgess, Yasmin Mitri, Jon-Paul Gates
Regie: Paul Tanter
Drehbuch: Paul Tanter
Kamera: David Thring
Musik: keine Information
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2013

Vor zwanzig Jahren wurden drei berüchtigte Mörder tot in einem abgelegenen Feld aufgefunden. Da ihr Killer nie gefasst werden konnte, irgendjemand jedoch behauptete, ein Fahrzeug in der Nähe gesehen zu haben, wurde der Mythos vom "Range Rover Killer" geboren. Die Verhältnisse haben sich seither massiv gewandelt; neue, junge und ambitionierte Gangster sind anstelle der damals Ermordeten getreten. Allerdings erinnern sich einige noch sehr gut an den Mythos und sind noch immer auf der Suche nach dem ominösen Killer von damals. Als die Selbstjustiz zunimmt, ist die Polizei bald machtlos...


In der Eröffnungs-Sequenz der Geschichte wird man mit eben der Tat noch einmal konfrontiert, die sich zwanzig Jahre zuvor ereignet hat, um danach auch ziemlich schnell mit den vier aufstrebenden Jung-Gangstern konfrontiert zu werden, die sich von nun an im Drogen-Millieu ansiedeln wollen. Paul Tanter zeichnet in seiner Geschichte einmal einen etwas von den ansonsten üblichen britischen Gangsterfilmen abweichenden Genre-Beitrag und verzichtet dabei fast vollkommen auf die sonst recht harten visuellen Einlagen. Stattdessen präsentiert sich eine Story, in der recht ungewohnt ziemlich viel Humor zum tragen kommt, was dem Ganzen allerdings insgesamt gesehen sehr zu Gute kommt. Dafür wird der Zuschauer jedoch einen wirklich konstanten Spannungsbogen eventuell vermissen, denn die Ereignisse sind doch relativ vorhersehbar. Das macht im Prinzip aber nicht viel aus, denn dafür bekommt der Betrachter ausführliche Charakter-Beleuchtungen der vier Hauptfiguren geboten, die übrigens absolut perfekt besetzt sind.

Teilweise kann man schon zu dem Eindruck gelangen, das Tanter ein wenig zu sehr in die Richtung der Comedy tendiert, wofür insbesondere die Passagen sprechen, in denen sich die neuen Gangster bei der Polizei diversen Verhören unterziehen müssen. Meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich aber vielmehr um eine nahezu brillante Darstellung der Respektlosigkeit, mit der die Jungen sich ihr neues Revier erkämpfen und dabei auch vor keinem Mittel zurückschrecken. So werden alteingesessene Drogen-Bosse liquidiert und einfach eine eigene Droge zusammen gemixt, mit der man auf dem Markt auch einen höllischen Erfolg feiert. Der Polizei gegenüber lässt man von haus aus jeglichen Respekt vermissen und phasenweise werden die Ordnungshüter schon fast ein wenig zu dämlich dargestellt. Aber gerade in diesen streckenweise vollkommen überspitzten Phasen zeigt "Essex Boys: Vergeltung" seine wahre Stärke und hebt sich so doch äußerst wohlwollend von den üblichen Genre-Kollegen ab.

In erster Linie wird dies allein schon durch die extrem jungen Darsteller klar, die teilweise sogar noch wie waschechte Milchgesichter aussehen, die gerade wegen guter Führung aus dem Kindergarten entlassen wurden. Doch die Cleverness und Coolheit mit der sie ihre Geschäfte aufziehen spricht eine ganz andere Sprache, denn in diesem Punkt wird wahrlich nichts dem puren Zufall überlassen. Auch in der Wahl ihrer Mittel gegen Gegner sind die Jungs bis auf wenige Ausnahmen aus einem anderen Holz geschnitzt wie die Gangster, mit denen es der Zuschauer ansonsten zu tun bekommt. Um ihre Probleme aus der Welt zu schaffen werden nur in Ausnahmefällen Waffen oder die eigenen Fäuste eingesetzt, vielmehr verlässt man sich hier auf seine Anwälte und die technischen Errungenschaften der neuen Zeit, mit deren Hilfe man gekonnt die Spuren verwischen kann.

Sicherlich fehlt es der Geschichte ein wenig an Action und eventuell auch an Härte, denn bis auf wenige Momente wird in dieser Beziehung wirklich auf Sparflamme gekocht. Dennoch hat mir Tanter's Geschichte ausnehmend gut gefallen und es wundert mich ein wenig, das dieser erfrischende Beitrag in vielen Kritiken eher schlecht davon kommt. Nun gut, wie immer liegt es an der Sichtweise des jeweiligen Betrachters, aber diese neue Art von Gangsterfilm beinhaltet schon eine Menge Klasse und übt auch ihren ganz eigenen reiz aus. Nur sollte man schon im Vorfeld wissen, das einen hier kein wirklich harter Vertreter seiner Art erwartet, dafür aber eine Geschichte auf einen zukommt, in der es vor bissigem Humor und überspitzten Anspielungen nur so wimmelt. Wer damit leben kann, ist jedenfalls mit "Essex Boys: Vergeltung" bestens bedient und wird auch seine helle Freude an diesem etwas anderen Gangsterfilm haben.


Fazit:


Ein wenig fehlt es an echter Spannung und auch wirklich harte Momente sind relativ rar gesät. Dafür beinhaltet vorliegende Geschichte eine Menge an köstlichem Humor, der an diversen Stellen schon fast ein wenig zu dick aufgetragen wurde. Wie dem aber auch sei, mich konnte der Film fast gänzlich überzeugen, so das ich definitiv eine Empfehlung aussprechen kann.


7/10
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