Brüder - Feinde

Komödien, Kriegsfilme, Western und schwer einzuordnende Filme finden hier ihren Platz

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Brüder - Feinde

Beitragvon horror1966 » 12. Dez 2015 18:26

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Brüder - Feinde
(1944)
mit Marko Leht, Priit Pius, Maiken Schmidt, Märt Pius, Kaspar Velberg, Mait Malmsten, Kristjan Üksküla, Rain Simmul, Ain Mäeots, Priit Loog, Kristjan Sarv, Martin Mill, Anne Margiste, Ivo Uukkivi, Anne Reemann
Regie: Elmo Nüganen
Drehbuch: Leo Kunnas
Kamera: Rein Kotov / Mart Taniel
Musik: Jaak Jürisson
FSK 16
Estland / Finnland / 2015

Im besetzten Estland kämpft Karl bei der Waffen-SS während Jüri als Offizier in der Roten Armee dienen muss. So wie tausende ihrer Landsleute wollen die jungen Esten den Krieg irgendwie überleben und es bleibt ihnen keine andere Wahl. Entweder ziehen sie für die russischen Besatzer zu Felde oder stellen sich unter Hitlers Banner in der Waffen-SS. Das Schicksal der beiden Soldaten steht exemplarisch für die Geschichte eines ganzen Landes das beinahe zwischen den Mühlen zweier Großmächte zermahlen wurde, hinein gezwungen in einen Krieg, Bruder gegen Bruder, Vater gegen Sohn, bei dem es nichts zu gewinnen gab.


Die Geschichte von Regisseur Elmo Nüganen setzt im Kriegsjahr 1944 ein und beleuchtet eingehend den Aspekt, das estnische Landsleute auf zwei verschiedenen Seiten gegeneinander kämpfen müssen. Wurden nämlich durch die deutsche Erstbesetzung Estlands im zweiten Weltkrieg etliche Männer für die Waffen SS rekrutiert, so mussten Jahre später unzählige Soldaten in die Rote Armee integriert. Die dadurch zwangsläufig entstehenden Bruderkämpfe stellen die Hauptthematik dieses grandiosen europäischen Kriegsfilmes dar, wobei Nüganen sein Hauptaugenmerk keinesfalls ausschließlich auf spektakuläre Schlachten, sondern vielmehr auf tiefer gehende Hintergründe setzt. Dabei beinhaltet "Brüder - Feinde" sehr wohl eine ganze Menge sehenswerter Kampf Passagen, die insbesondere in der ersten Hälfte des Geschehens ihren Platz finden. Bei der Ansicht der entsprechenden Szenen muss man fast schon zwangsläufig das Budget von gerade einmal 2.000.000 $ ins Spiel bringen, denn was hier mit diesem für einen Kriegsfilm eher spärlichen Budget in Szene gesetzt wurde, kann sich jederzeit sehen lassen.

Seinen ganz besonderen Reiz bezieht dieses Werk allerdings aus seiner eher ungewohnten Erzählung, denn man muss auf jeden Fall zwei vollkommen unterschiedliche Filmhälften attestieren. In den ersten gut 50 Minuten präsentiert einem das Geschehen eine Gruppe estnischer Soldaten in der Waffen SS, die im Prinzip ständig in ihren Schützengräben mit diversen Kampfhandlungen konfrontiert werden. Erstaunlicherweise erinnert das Werk in dieser Phase teilweise an einen Klassiker wie "Steiner - Das eiserne Kreuz", denn augenscheinliche Ähnlichkeiten zu genanntem Film sind unübersehbar. Im Mittelpunkt steht dabei hauptsächlich der junge Este Karl, der wie auch seine Kameraden des Öfteren über den Sinn des ihnen praktisch aufgezwungenen Krieges sinnieren. In diesen Momenten wird dem Ganzen eine Menge Tiefgang verliehen und manche Dialoge lassen schon fast philosophische Ansätze erkennen. Als Karl und seine Gruppe in der Mitte des Filmes auf eine Gruppierung estnischer Rotarmisten trifft macht die Geschichte dann eine totale Kehrtwendung, denn von nun an wird die deutsche Seite der Ereignisse fast völlig zur Seite geschoben und die Gruppe um den jungen Offizier Juri rückt in den Fokus.

Gleichzeitig gleitet die Erzählung nun auch in ein etwas ruhigeres Fahrwasser, denn der zuvor noch erhebliche Anteil an Action-und Kampfszenen nimmt merklich ab, dafür kommt nun eine eher politische Seite in den Vordergrund. In diesem Punkt unterscheidet sich diese estnisch - finnische Produktion wohl am meisten von unzähligen anderen Kriegsfilmen, wobei dieser Unterschied jedoch sehr positiv zu bewerten ist. Das wertet den gewonnenen Gesamteindruck ungemein auf, zudem ist es unglaublich angenehm, das dieser Film nicht mit dem von den Amerikanern gewohnten Helden Pathos angereichert wurde. Zwar werden die Esten eigentlich durchgehend als Patrioten dargestellt, doch geschieht dies immer noch auf eine sehr authentische und glaubwürdige Art und Weise, so das auf keinen Fall extremer Patriotismus in den Vordergrund gerückt wird. Ganz generell wirkt das gesamte Szenario unglaublich authentisch, denn Nüganen hat keinerlei Wert auf ein übertriebenes Spektakel gelegt, sondern serviert vielmehr einen Kriegsfilm, der mit nüchternen und realistisch anmutenden Bildern ausgestattet ist und so auch nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers hängen bleibt.

Auch in darstellerischer Hinsicht kann sich "Brüder - Feinde" absolut sehen lassen, denn sämtliche Akteure agieren absolut glaubhaft und gut, so das letztendlich ein ungemein stimmiger Gesamteindruck entsteht. So ist es auch sehr gut nachzuvollziehen, das der vorliegende Film in estnischen Kinos ein absoluter Kassenschlager war. Elmo Nüganen hat in vorliegendem Fall wirklich alles richtig gemacht und zudem auch fast gänzlich darauf verzichtet, die ansonsten so oft verwendete Darstellung des bösen Deutschen mit einzubringen, vielmehr wird das Bild der russischen Seite relativ kritisch hinterfragt. Das ist ein äußerst angenehmer Effekt, der das Gesamtbild noch einmal zusätzlich aufwertet.


Fazit:


Wer nicht ausschließlich auf pompöse Kriegsschlachten geeicht ist und stattdessen vielmehr ein glaubwürdiges Szenario zu schätzen weiß, der ist bei diesem qualitativ hochwertigen Film genau an der richtigen Adresse. Dabei geht "Brüder - Feinde" in Sachen Erzählform eher ungewohnte Wege, verleiht sich durch diesen Aspekt aber selbst eine Menge an Tiefgang, was man insgesamt nur positiv bewerten kann.


9/10
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Re: Brüder - Feinde

Beitragvon horror1966 » 31. Dez 2015 17:29

Kritik ist nun drin.
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horror1966
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