Zeder - Denn Tote kehren wieder (1983)

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Zeder - Denn Tote kehren wieder (1983)

Beitragvon horror1966 » 16. Sep 2013 18:39

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Zeder - Denn Tote kehren wieder
(Zeder)
mit Gabriele Lavia, Anne Canovas, Paola Tanziani, Cesare Barbetti, Bob Tonelli, Ferdinando Orlandi, Enea Ferrario, John Stacy, Alex Partexano, Marcello Tusco, Aldo Sassi, Veronica Moriconi, Enrico Ardizzone
Regie. Pupi Avati
Drehbuch: Pupi Avati / Maurizio Costanzo / Antonio Avati
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Riz Ortolani
FSK 16
Italien / 1983

Stefano, ein junger Student und Schriftsteller, bekommt von seiner Frau Alessandra eine gebrauchte Schreibmaschine geschenkt. Auf deren Farbband entdeckt er Texte vom Vorbesitzer, die sich mit sogenannten "K-Zonen" beschäftigen. Er beginnt Nachforschungen anzustellen und entdeckt, dass einige Leute davon überzeugt sind, dass in den besagten Zonen aufgrund fehlender Zeitverhältnisse Tote wieder auferstehen können. Stefano will der Sache auf den Grund gehen und erkundigt sich über den Vorbesitzer, einen ehemaligen Pfarrer, der kürzlich verstorben ist. Seine Nachforschungen führen ihn zu einem alten Gelände, das anscheinend verlassen, aber von elektrischen Zäunen umgeben ist. Stefano lässt nicht locker, ohne zu ahnen, dass die Wahrheit seine Vorstellungskraft übersteigt.


Wenn man den Namen Pupi Avati hört, bringt man diesen ganz unweigerlich mit dem grandiosen Film "Das Haus der lachenden Fenster" in Verbindung, der einem subtilen Horror mit etlichen Grusel-Elementen bescherte. Kein Wunder also, das man auch an vorliegendes Werk mit einer gewissen Erwartungshaltung herangeht, verspricht doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" allein schon aufgrund seiner Inhaltsangabe ein ähnlich gruseliges Film-Vergnügen. Liest man sich nun einmal diverse Kritiken im Netz durch, so scheint dieser Film längst nicht bei jedem auf große Gegenliebe gestoßen sein, was ich persönlich jedoch überhaupt nicht nachvollziehen kann. Pupi Avati hat hier nämlich einen Horrorfilm kreiert, der ohne jegliche Härte auskommt, aber allein durch seine extrem dicht gehaltene Grundstimmung von der ersten bis zur letzten Minute eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer ausübt, die man wirklich schwerlich in Worte fassen kann. So schwingt bei dem Szenario von Beginn an eine äußerst unheilvolle Note mit, die sich im Laufe der Zeit immer mehr intensivieren soll, was dem Betrachter im Prinzip durchgehend eine wohlige Gänsehaut beschert. An manchen Stellen verdichtet sich die exzellent aufgebaute Spannung sogar dermaßen, das man während der Sichtung einen leichten Schweißfilm auf der eigenen Stirn bemerkt, der ein untrügliches Zeichen dafür ist, wie sehr man selbst in diese mysteriöse Geschichte eintaucht. Die den Ereignissen zu Grunde liegende Thematik ist für sich allein genommen schon dafür prädestiniert, eine fast bannende Wirkung zu erzielen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, das man immer tiefer in die geheimnisvolle Welt des Übernatürlichen eintaucht, die einem der Regisseur hier präsentiert.

Dabei muss man gestehen, das die Story im Prinzip sehr wenig Aktionismus beinhaltet und harte-oder blutige Passagen bekommt man gar nicht zu Gesicht. Doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" hat diese Dinge auch in keinster Weise nötig, würden sie doch den gruseligen Effekt des Geschehens nur vollkommen verwässern und den fantastischen Gesamteindruck des Werkes beeinträchtigen. Avati hat vielmehr auf eine sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise wert gelegt und gerade durch diesen Aspekt können die Ereignisse überhaupt erst ihre volle Wirkung erzielen. Der äußerst subtil aufkommende Horror kriecht einem zusehends richtig unter die Haut und entfaltet dabei eine Intensität, die einem fast körperlich zu schaffen macht. Selbstverständlich wird das wohl nicht jeder so empfinden, doch so wie hier inszeniert stelle ich mir den nahezu perfekten Gruselfilm vor, der erst gar keine visuelle Gewalt benötigt, um den Betrachter für sich einzunehmen. Und so schlüpft man stellenweise selbst in die Rolle der Hauptfigur Stefano, der sich auf die Suche begibt, um das Rätsel der mysteriösen "K-Zonen" zu lüften um die sich hier alles dreht. Das Schöne an der Sache ist, das man sich auf dem gleichen Wissensstand wie der junge Mann befindet, der immer mehr eingestreute Puzzle-Teilchen finden kann, um letztendlich die ganze unvorstellbare Wahrheit zu erfahren.

Man verschmilzt förmlich mit dem Haupt-Charakter und teilt so auch die ganze Zeit über Freude und Leid mit ihm, der von einem glänzend aufgelegten Gabriele Lavia perfekt dargestellt wird. So verspürt man auch die gleiche unbändige Neugier des jungen Mannes, der mit aller Gewalt die Antwort auf das Rätsel finden will, das ihm durch das Farbband einer Schreibmaschine präsentiert wurde. Pupi Avati ist es hier ganz fantastisch gelungen, einem immer nur kleine Bruchstücke zu servieren, die einen mit der Zeit immer näher an die Lösung des Ganzen heranführen, dabei ist die Einbindung des Zuschauers in die Geschehnisse schon fast eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich denn auf die Ereignisse einlassen-und sich der Thematik öffnen kann. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, dann wird "Zeder" auch keinesfalls seine volle Wirkung erzielen können und man wird auch kaum den schleichend aufkommenden Horror verspüren, der hier von der allerbesten Art ist. Vielleicht fehlt mir bei diesem Film ein wenig die Objektivität, doch ich kann hier nur meine persönlichen Empfindungen schildern, die ich während der Ansicht verspürt habe und selten hat mich eine Geschichte so dermaßen in ihren Bann gezogen, das ich beim Einsetzen des Abspanns einen fast körperlichen Erschöpfungszustand empfunden habe.

Letztendlich liegt wie immer alles im Auge des jeweiligen Betrachters, doch "Zeder - Denn Tote kehren wieder" hat mich absolut überzeugt und in seinen fast magischen Bann gezogen, der eine absolut sogartige Wirkung ausstrahlt. Für mich persönlich hat Avati hier ein absolut unterschätztes Juwel des Genres geschaffen, das durch seine ruhige Art eine unglaubliche Faszination auslöst, der man sich kaum entziehen kann. Ohne jegliche Hektik und überflüssigen Aktionismus ist es gelungen, allein durch einen dramaturgisch grandiosen Spannungsaufbau und eine unheilvolle Atmosphäre entwickelt sich der Horror der subtilen Art, der fast körperlich von einem Besitz ergreift. Wenn man sich diesem Film öffnet, wird man definitiv mit einem außergewöhnlich gutem Szenario belohnt, das zudem einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Es fällt schwer, diesen Film mit dem genialen "Das Haus der lachenden Fenster" zu vergleichen, denn dafür unterscheiden sich die Geschichten doch zu sehr. Meiner Meinung nach sind beide Werke auf ihre Art absolut brillant und verdienen weitaus mehr Aufmerksamkeit, als ihnen bisher zu teil geworden ist. Allerdings handelt es sich auch in beiden Fällen nicht gerade um Werke, die für das breite Mainstream-Publikum ausgelegt sind, so das wohl nur eine bestimmte Zielgruppe die hohe Qualität solcher Filme erkennen wird.


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