Dellamorte Dellamore (1994)

Fulci, Argento und Co. finden hier ihren Platz

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Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon horror1966 » 17. Sep 2013 15:35

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Dellamorte Dellamore
(Dellamorte Dellamore)
mit Rupert Everett, François Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica, Clive Riche, Katja Anton, Barbara Cupisti, Anton Alexander, Pietro Genuardi, Patrizia Punzo, Stefano Masciarelli
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: Gianni Romoli / Tiziano Sclavi
Kamera: Mauro Marchetti
Musik: Riccardo Biseo / Manuel De Sica
FSK 18
Deutschland / Frankreich / Italien / 1984

In einem kleinen Ort in der Lombardei, der Buffalora heißt, gibt es einen kleinen Friedhof. Hier arbeitet der junge Francesco Dellamorte und sein geistig zurückgebliebener Assistent Gnaghi. Das ist aber kein normaler Friedhof, denn alle Toten, die hier beerdigt werden, stehen nach sieben Tagen wieder als Zombie auf. Francesco und Gnaghi müssen genau aufpassen, daß sie auch alle Zombies erwischen und mittels Pistole oder Hacke wieder zurück ins Jenseits zu befördern. Besonders viel Arbeit hat er, als ein Bus voller Touristen bei seinem Ort an einem Hang verunglückt und die Opfer auf seinem Friedhof begraben werden...Eines Tages lernt er ein hübsches Mädchen kennen und lieben, doch sie stirbt und als sie sieben Tage später wieder von den Toten aufersteht, muß er sie ebenfalls töten. Von hier an scheint der ganze Wahnsinn, der ihn sein Leben lang begleitet hat, auch etwas auf ihn abzufärben...


Michel Soavi (Aquarius) hat mit "Dellamorte Dellamore" wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt abgeliefert, präsentiert sich hier doch ein etwas anderer Horrorfilm, der phasenweise wie eine wunderbare Schauer-Mär daher kommt und manchmal schon märchenfafte Züge trägt. Gleichzeitig wurde dem Szenario aber auch eine Menge Humor einverleibt und an einigen Stellen erscheint einem das Ganze fast schon ein wenig trashig. Die Location des alten Friedhofs sorgt dabei für eine ideale Grundstimmung und die Ereignisse auf diesem sorgen beim Zuschauer für die ein-oder andere gepflegte Gänsehaut. Soavi hat es erstaunlich gut verstanden, seiner Geschichte eine morbide Ästhetik zu verleihen, denn ganz egal wie absurd sich einige Passagen präsentieren, so ästhetisch wurden sie doch ins Bild gesetzt. Auch die diversen Nacktszenen des Filmes bringen diesen Aspekt sehr gut zur Geltung, wirken sie doch trotz des morbiden Schauplatzes elegant und kunstvoll, bevor sie dann letztendlich durch eine Zombie-Attacke zerstört werden. Selten hat man ein so skurriles Treiben beobachtet, das sich mit der Thematik Liebe und Tod beschäftigt und das dabei so viele verschiedene Fawcetten offenbart, das dadurch ein extrem kurzweiliges Film-Vergnügen entsteht, das den Betrachter durchgehend bei Laune hält.

Soavi hat sein Hauptaugenmerk nicht unbedingt auf den enthaltenen Härtegrad gelegt, denn obwohl man einige nette Einstellungen geboten bekommt, wirkt "Dellamorte Dellamore" zu keiner Zeit überladen und offenbart seine härteren Passagen sehr gut über die gesamte Laufzeit verteilt. Im Vordergrund steht vielmehr der streckenweise tief-schwarze Humor, der sich nicht nur in den Dialogen, sondern hauptsächlich in herausragender Situationskomik zu erkennen gibt. Gleichzeitig ist man von der visuellen Ausstrahlung des Geschehens zunehmend fasziniert, beinhaltet sie doch eine magische Komponente, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Ganz egal, wie absurd und makaber diverse Einstellungen erscheinen, sie vermitteln doch jederzeit den Eindruck, das man sich hier in einer Art Märchen befindet, das äußerst morbide Züge trägt. Ein ganz wichtiger Bestandteil dieses fantastischen Filmes sind sicherlich die Darsteller, die allesamt durch hervorragende Leistungen überzeugen können. Hervorheben muss man jedoch Rupert Everett, der in der Rolle des Francesco Dellamorte eine wahre Glanzleistung abliefert. In der Beziehung zu seinem geistig zurückgebliebenen Helfer Gnaghi liegt dann auch ein besonderer Reiz, offenbart sich doch insbesondere im Umgang der beiden untereinander so viel Humor, das es eine wahre Pracht ist.

Insbesondere die Charakter-Veränderung von Dellamorte wird hier ganz hervorragend in den Fokus gerückt, denn nimmt der junge Mann zu Beginn noch eher unbeteiligt die Tatsache hin, das die Toten auf seinem Friedhof nach einigen Tagen wieder auferstehen, so verändert sich sein Wesen doch mit der Zeit ganz erheblich. Durch den Tot seiner Geliebten und einiger anderer skurrilen Dinge springt der Wahnsinn mit der Zeit auch auf ihn über und man bekommt es nun mit einem Mann zu tun, der auch nicht davor zurückschreckt, einige Morde zu begehen. Everett legt an dieser Stelle eine Performance an den Tag die sich wirklich sehen lassen kann und drückt der Geschichte damit seinen ganz persönlichen Stempel auf. Man merkt also, das man hier ein wunderbares Gesamtpaket serviert bekommt, das sich doch in etlichen Dingen sehr wohlwollend von den handelsüblichen Horrorfilmen abhebt. Soavi präsentiert mit "Dellamorte Dellamore" ein wahres Kunstwerk und gleichzeitig ein absolutes Juwel des Genres, das allerdings nie die Beachtung erlangt hat, die es aufgrund der vorhandenen Qualität sicherlich verdient hätte. Nur ganz selten bekommt man nämlich eine so außergewöhnlich gute Kombination geboten, wie sie sich einem hier präsentiert.

Letztendlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch meiner persönlichen Meinung nach handelt es sich hier um einen Film, der das Genre ungemein bereichert hat. Der Spagat zwischen Horror, Märchen, Komödie-und teilweise extrem skurrilen Momenten ist absolut herausragend gelungen und bietet so eine Geschichte, die kurzweilig, spannend und äußerst atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Die morbide Ästhetik des Geschehens strahlt dabei eine unglaublich starke Faszination aus und zieht einen dabei in einen sogartigen Strudel der Ereignisse, aus dem es kein Entkommen gibt.


Fazit:


"Dellamorte Dellamore" ist ein visuell sehr ansprechendes Horror-Märchen, das dem Zuschauer des Öfteren den Eindruck vermittelt, sich zwischen den Grenzen von Realität und Fiktion zu bewegen. Erstklassiger Humor, harte Passagen und wunderbar agierende Schauspieler servieren im Einklang mit der bedrohlich-morbiden Atmosphäre ein grandioses Seh-Vergnügen, das man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne das die Geschichte etwas von ihrem ganz speziellen Reiz verliert.


9/10
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Re: Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon trebanator » 17. Sep 2013 17:21

... ich wünschte mir, das `84 bei seinen nächsten Auflagen mal die blu ray korrigieren würde ;)
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Re: Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon Blacky von Adder » 21. Nov 2013 11:09

Ein Film von Michele Soavi. Vielleicht der unterschätzeste Regisseur im Horror Genre.
Ein Meisterwerk und der beste romantische Zombiefilm der je gedreht wurde!

Die Charaktere sind großartig. Liebenswerte Darstelller.
Dazu eine Friedhof-Kulisse die auf einer Ebene in der Twilight Zone zu existieren scheint, eine verzwickte zum Mitdenken anregende Story, blutige Effekte, hier stimmt alles.

Dies ist kein gewöhnlicher Zombie Splatter Vertreter wie andere ital. Werke, vielmehr ist es eine Liebesgeschichte mit morbidem Humor.
Eine schwarze Komödie mit existentieller Mediation auf Einsamkeit und die Unglücklichkeit über das eigene Dasein.

Ein Film wie er nur in den neunziger Jahren gemacht werden konnte. .Intelligent, wunderbare Bilder, eine Low-Budget-Horror/Komödie, die teilweise ausschaut als hätte ein junger, noch unverbrauchter Dario Argento sie gedreht.

Dieser Film war so anders, so frisch, er hätte eine neue Ära von Zombie Filmen eingeläutet haben sollen, aber stattdessen war er der Abgesang auf ein goldenes Zombiefilm Zeitalter!

Er ist der originellste und künstlerischste Film innerhalb des Genres, und zugleich tatsächlich Italiens letzter großer Horror Film.

Was bleibt zum Schluß besseres zu sagen als...."MAUL HALTEN!"...und Film anschauen!
10/10
Blacky von Adder
 

Re: Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon dr. freudstein » 21. Nov 2013 11:32

Meine allererste Blu-Ray, die ich geschenkt bekommen habe. Nun habe ich schon ganze zwei (DIE NACHT DER CREEPS) 8-)
Der Film ist wirklich göttlich. Schön erfrischend. Ein gelungener Beitrag zum Thema Zombie/komödie. Genau wie SHAUN OF THE DEAD. Haben dem eigentlich schon längst ausgelutschtem Subgenre neuen Pfiff gegeben.
9/10
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Re: Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon OpFeRmEtZgEr » 21. Nov 2013 11:56

10/10 Zeitloser Film dessen Surrealität immer wieder fasziniert.
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Re: Dellamorte Dellamore (1994)

Beitragvon trebanator » 21. Nov 2013 13:19

Blacky von Adder hat geschrieben:...Dies ist kein gewöhnlicher Zombie Splatter Vertreter wie andere ital. Werke, vielmehr ist es eine Liebesgeschichte mit morbidem Humor.


OpFeRmEtZgEr hat geschrieben:... dessen Surrealität immer wieder fasziniert.


.... und deshalb kann ich auch hier nur zustimmen ! Bleibe aber bei 9/10 , da der letzte Punkt bei mir in den 90ern hängen bleibt ;) .... in der Tat dennoch ein kleiner Meilenstein !
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